Wir schreiben das Jahr 1925. Kat Campbell ist eine der wenigen rein menschlichen, unmagischen Studentinnen an der Universität, an der sie trotzdem ein paar Kurse bezüglich Magie belegt. Sie hat einen Plan. Um ihrer Freundin Lily, die ihretwegen ihre Magie verlor und im Gesicht verstümmelt wurde, wieder die Magie zurückzubringen, braucht sie ein geheimes Zauberbuch, das sich tief im Inneren der magischen Bibliothek des Campus' befindet. Bei dem Versuch, es zu stehlen, wird sie von dem Chefbibliothekar Ethan Hawthorne erwischt. Die beiden hassen sich, weil er ihr nie ohne Kampf die Bücher überlässt, die sie zum Studieren braucht. Doch jetzt müssen sie eine Fake-Ehe eingehen, oder Kat wird sterben. Doch es gibt jetzt auch noch andere Mächte, die auf Kat aufmerksam geworden sind und ihr schaden wollen ...
Ich hatte mich wirklich drauf gefreut. Die Flapperjahre, magische Universität, Vampire, Werwölfe, Hexen, witzige Schlagabtausche zwischen zwei Leuten, die gezwungen sind, zusammenzuarbeiten - was sollte da schon schiefgehen? Einfache Antwort: fast alles.
Das Positive zuerst: Es werden ein paar feministische Dinge angesprochen. Es scheint auf den ersten Blick, dass Kat feministisch ist und Aufklärungsartikel für eine Zeitung schreibt. Denkt man erstmal: cool! Wäre es auch, wenn Kat wirklich Feministin wäre. Aber das ist sie nicht. Wie die ihre Freundinnen behandelt, die sich wirklich ein Bein ausreißen, um sie einzubeziehen und ihr entgegenzukommen, ist echt unmöglich. Ihre Gedanken, was diese drei angeht, haben mich regelrecht abgestoßen. Dazu kommt, dass Kat ungefähr den IQ eines orangenen Kürbiskopfes hat. Sie denkt nie nach, lässt sich jeden Quatsch erzählen und reißt dadurch andere mit in die Gefahr. Dennoch sind immer alle so: Oh, Kat, du bist sooooo brillant!
Was Ethan angeht: Der Typ ist über 150 Jahre alt und hat quasi kaum Selbstbeherrschung. Sobald er sie sieht, will er sie knallen. Allgemein scheint zwischen den beiden nur wenig sexuelle Zurückhaltung möglich zu sein; sobald der ein oder die andere vorbeigeht, gehen beide steil, als hätte man ihnen jeden Abend irgendwelche luststeigernden Nahrungsmittel wie Gänsen gewaltsam in den Schlund gestopft. Darin besteht übrigens auch die "Lovestory". Gegenseitiges mentales Ansabbern. Jetzt habe ich nichts gegen gesunde Sexualität und Spaß im Bett (oder auf der Couch, dem Stuhl, dem Teppich oder sonstwo). Wenn ich allerdings jemanden nicht ausstehen könnte, würde meine Libido eher nicht Lambada tanzen. Davon abgesehen hätte ich Ethan irgendwann im Schlaf die Hand abgehackt wegen seiner unangenehmen Angewohnheit, jedes Mal die Frau an der Kehle zu packen.
Es gibt dann noch ein paar Ungereimtheiten (warum und vor allem wie geben die Leute, die gewandelt werden, ihre Magie ab?) und eine Art göttlicher (oder eher dämonischer) Hilfe, die dafür sorgt, dass alles Friede-Freude-Eierkuchen endet und das, wo man so viel Spannung hätte aufbauen können. Es gab so konkrete Drohungen, da hätte man mehrmals etwas draus machen können, aber es schien wichtiger, endlos dasselbe zu wiederholen. In Kats Fall: Hach, ich bin ja nur eine menschliche Frau ohne Magie, ein Mängelexemplar. Und Ethan: Hach, ich habe eh kein Glück verdient. Man hätte jedenfalls locker 200 Seiten ohne Informationsverlust streichen können. Alles in allem hat man mit diesem Buch echt unfassbar viel Potenzial völlig verschwendet.