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Veröffentlicht am 26.09.2023

Höllenpflanze

Der Wald
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In aller Welt treffen sie ein: die kleinen Päckchen ohne Absender und nur mit ein paar seltsamen Samen. Wer sie einpflanzt, bereut es schon bald, denn sie wuchern, vermehren sich, verdrängen nicht nur ...

In aller Welt treffen sie ein: die kleinen Päckchen ohne Absender und nur mit ein paar seltsamen Samen. Wer sie einpflanzt, bereut es schon bald, denn sie wuchern, vermehren sich, verdrängen nicht nur die anderen Pflanzen, sondern verbreiten Krankheiten. Dann gibt es die erste Tote und sie wird nicht die Einzige bleiben. Als der Pflanzenneurologe und Autor Marcus Holland auf einer Leserese in den USA ist, passiert etwas Schreckliches: Zuerst versucht eine Frau, ihn umzubringen, dann wird er von den Behörden gebeten, ihnen bei der Bekämpfung der "Höllenpflanze" zu helfen. Bald findet sich Holland nicht nur auf einer fieberhaften Suche nach einem Gegenspieler wieder, die ihn nicht nur nach China und in historische Geheimnisse führt, sondern auch sein Leben und das der gesamten Menschheit bedroht.

Hier haben wir einen ökologischen Thriller vorliegen, der mit What-ifs spielt, deren Eintreffen gar nicht mal so unwahrscheinlich ist. Pflanzen, die miteinander kommunizieren (kennt man schon), Pilze, die eine Art unterirdisches Wood Wide Web bilden (kennt man auch schon), megaschlaue Ki (bestimmt nicht mehr so fern): Das wird in rasante Szenen mit einer Jagd um den Erdball verpackt, in viele kurze Kapitel, mit sehr guter Recherche und dem Verknüpfen verschiedener Erkenntnisse, die man bereits hat. Nicht ganz glücklich war ich mit einigen Actionszenen, die entweder James-Bond-like abliefen oder bei denen sehr unwahrscheinliche Zufälle aus der Patsche halfen. Gut hingegen hat mir der offene Schluss gefallen, in den man dann doch wieder selbst hineininterpretieren konnte, was man wollte. Alles in allem eine kurzweilige, spannende Lektüre.

Veröffentlicht am 21.09.2023

Wachkoma

Brynmor University – Geheimnisse
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Seit zehn Monaten liegt Samuels Bruder im Wachkoma. Seit er in diesem Zustand auf dem Campus der Brynmor University aufgefunden wurde. Samuel schwört, dass er herausfinden wird, was damals geschehen ist, ...

Seit zehn Monaten liegt Samuels Bruder im Wachkoma. Seit er in diesem Zustand auf dem Campus der Brynmor University aufgefunden wurde. Samuel schwört, dass er herausfinden wird, was damals geschehen ist, und er schreibt sich in Brynmor ein. Er verdächtigt eine geheime Studentenverbindung, etwas mit Philipps Zustand zu tun zu haben und versucht alles, um in diese Verbindung aufgenommen zu werden. Doch dann trifft er auf Connor und die beiden kommen sich näher. Aber nicht nur die Studentenverbindung verbirgt etwas, auch Connor hat seine Geheimnisse und je näher sich Samuel und Connor kommen, desto mehr stehen diese Geheimnisse zwischen ihnen.

Ja, ich weiß nicht, warum ich dachte, mit einer queeren Liebesgeschichte würde so eine Campusstory spannender oder weniger kitschig. Dem war nicht so. Auch Dark Academia war es eigentlich nicht. Es gibt zwar diese ominöse Studentenverbindung, die spielt aber tatsächlich eigentlich absolut keine Rolle. Und was Philipps Wachkoma ausgelöst hat, war auch sehr zeitig klar. Gut gefallen hat mir der unaufgeregte Schreibstil und dass von Anfang an Respekt zwischen Samuel und Connor herrschte - bei Heterobeziehungen wird der Typ ja gern mal als totales A... ch dargestellt. Was eine gute Message bringen sollte, aber auf Dauer beinahe Augenrollen bei mir auslöste, waren die ganzen ach-so-vernünftigen-und-verständnisvollen Personen, die rechts und links auftauchten und kluge Ratschläge gaben. So konnten kaum Konflikte auftreten, die irgendwie gelöst werden mussten. Alles in allem hat mich das Buch jetzt nicht ins Wachkoma fallen lassen, aber es war auch nicht so, dass ich es nicht jederzeit hätte weglegen können oder vor lauter Spannung meine Fingernägel hätten dran glauben müssen.

Veröffentlicht am 18.09.2023

Hexenakademie

Bronwick Hall – Dornengift
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Blaine Harrow ist die Tochter eines Rebellen, der vor zwölf Jahren gefasst und eingesperrt wurde. Die junge Hexe leidet noch immer darunter, denn niemand traut ihr wirklich, weder ihre eigene Familie noch ...

Blaine Harrow ist die Tochter eines Rebellen, der vor zwölf Jahren gefasst und eingesperrt wurde. Die junge Hexe leidet noch immer darunter, denn niemand traut ihr wirklich, weder ihre eigene Familie noch ihre Kommilitonen in Bronwick Hall. Sie versucht daher, immer ihre wahren Fähigkeiten zu verbergen und unter dem Radar zu bleiben. Das ändert sich abrupt, als ein neuer Professor die ehrwürdigen Hallen betritt. Henry Saints ist nur vier Jahre älter als seine Studenten, sieht extrem gut aus und durchschaut Blaine sofort. Als dann Blaines Verlobter von Rebellen vergiftet wird, müssen sie und Saints zusammen in die gefährliche Unterwelt, um ein Gegenmittel zu finden.

Puh. Wo fange ich an? Eigentlich finde ich Dark Akademia richtig gut - jedenfalls, wenn sie richtig gut aufgezogen werden. Das war hier nicht der Fall. Schon allein das Worldbuilding ergab überhaupt keinen Sinn. Blaine und Co sind Hexen/Hexer, die sich irgendwie in magischen Blasen abseits der Menschenwelt verstecken - warum eigentlich? Sie sehen aus wie Menschen, bewegen sich wie Menschen, denken wie Menschen - warum also den Stress des Versteckens auf sich nehmen? Dann gab es mal irgendwelche Titanen, mit denen sie in einer Unterwelt gelebt haben, die sind von einer bösen Hexe verraten worden, woraufhin sie sauer waren und alles zerstört haben. Die Titanen sind noch immer in der Unterwelt und wenn man aus der alten Heimat was braucht, muss man gefährliche Expeditionen starten. Scheinbar reicht alle Magie der Gesamtheit der Hexen/Hexer nicht aus, um sechs nervige Titanen zu erlegen oder wenigstens irgendwie zu neutralisieren.

In der magischen Uni gibt es Wächter mit Pferdeköpfen, weil ...? Vielleicht existiert zu viel Heu in der Hexenblasenwelt. Außerdem gibt es einen mächtigen Geschäftsmann, der sich ständig in der Uni rumtreibt, weil ...? Auf jeden Fall ist er der einzige, der anfangs immer nett zu Blaine ist. Statt eines sinnvollen Worldbuildings bekommen wir hier ein Mädchen, das zwar einerseits verständlicherweise gern unter dem Radar bleibt, andererseits aber irgendwie zur Elite der Uni gehört, weil ..? Auf den ersten Blick weiß der megaheiße, junge, neue Professor, dass er mit Blaine ein special snowflake gefunden hat, was sich auch gleich daran beweist, dass sie nicht nur die Beste in einer Magieform, sondern gleich allen sechs ist. Und zuerst ist der Professor extrem unhöflich und abweisend, und als ich mal blinzeln musste, war Blaine in ihn verliebt und er zeigt ähnliche Anzeichen. Das konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Allgemein war die ganze Geschichte dermaßen wirr und nicht nachvollziehbar, dass ich sie als anstrengend empfand, weil meine Fragen überhaupt nicht beantwortet wurden. Hier geht es allerdings auch nicht wirklich um Dark Akademia, sondern einfach nur um den Lehrer/Schülerin-Trope und irgendwelche romantischen Anwandlungen. Dazu bedarf es natürlich keiner Logik. Schade.

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Veröffentlicht am 17.09.2023

Unknown Island

Never Coming Home
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Unknown Island ist der neue Trend in den Social Media. Quasi über Nacht hat sich das Luxusresort zu dem absoluten Aufsteiger gemausert, denn jeder spricht darüber. Es wird angekündigt, interessante Menschen ...

Unknown Island ist der neue Trend in den Social Media. Quasi über Nacht hat sich das Luxusresort zu dem absoluten Aufsteiger gemausert, denn jeder spricht darüber. Es wird angekündigt, interessante Menschen unter 21 Jahren zusammenbringen zu wollen, die völlig kostenlos auf der tropischen Insel Urlaub machen und sich vernetzen können. Zum Soft Opening werden zehn verschiedene Influencer eingeladen. Doch als diese die Insel erreichen, stellen sie fest, dass nur wenig von dem stimmt, was so groß angekündigt wurde. Und nur kurze Zeit später ist die Erste von ihnen tot - und sie wird nicht die Einzige bleiben, die niemals wieder lebend nach Hause kommt.

Die Geschichte hat natürlich was von den zehn kleinen Jägerlein und die ersten Todesfälle lassen nicht lange auf sich warten. Während man anfangs noch sagen kann, okay, es waren komische Unfälle, reagieren die Jugendlichen spätestens ab Nummer 3 oder 4 nicht unbedingt logisch. Ja, die haben alle Angst - aber gerade dann würde ich versuchen zusammenzubleiben und vor allem mal die ganze Insel absuchen, anstatt mich immer nur im Kreis um das Hotel, den Pool und den Strand mit den Hütten zu bewegen. Stattdessen ziehen sich alle in ihre Hütten zurück oder fangen auch noch an, Drogen zu nehmen. Reagiert jemand so, der in absoluter Lebensgefahr schwebt? Ansonsten war die Handlung jedoch hübsch makaber und unterhaltsam, der Sprecher hat einen sehr guten Job gemacht, und auch wenn ich mit dem Ende/der Auflösung nicht wirklich ganz glücklich bin, habe ich das Buch doch ganz gern gehört. 3.5/5 Punkte.

Veröffentlicht am 14.09.2023

Familienfehde

Insel der wandernden Flüche - Skys Gabe
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Sky Lamar hat die Nase voll davon, ihrer in der Welt herumreisenden Mutter zu folgen. Sie beschließt, auf der Insel Sidh bei ihrem Großvater sesshaft zu werden. Doch kaum angekommen, erfährt sie endlich, ...

Sky Lamar hat die Nase voll davon, ihrer in der Welt herumreisenden Mutter zu folgen. Sie beschließt, auf der Insel Sidh bei ihrem Großvater sesshaft zu werden. Doch kaum angekommen, erfährt sie endlich, warum ihre Mutter nie mehr dahin zurückkehren will: Ausgelöst durch eine Familienfehde zwischen den Lamars und den MacLeods hat entfesselte Magie dafür gesorgt, dass unkontrollierbare Flüche die Insel beherrschen. Alle Bewohner unterwerfen sich daher strengen Regeln, doch Sky will sich nicht damit abfinden. Als sie bemerkt, dass sie eine bestimmte Gabe besitzt, versucht sie, etwas gegen die Flüche zu unternehmen.

Ich mochte die Idee und das Buch sehr. Mir gefällt, dass Sky - obwohl noch recht jung mit vierzehn - frischen Wind auf diese Insel voller verknöcherter Personen und Meinungen bringt. Und noch mehr gefällt mir, dass sie sich vom hiesigen Badboy Rory MacLeod nicht zu einer glibbrigen sabbernden Amöbe reduzieren lässt, sondern den Kopf behält, obwohl sie ihn (manchmal) gut findet. Sein Benehmen wird von ihr nicht anhimmelnd angenommen und sie lässt sich nicht durch ein hübsches Gesicht dazu verleiten, alles zu vergessen und verzeihen. Hingegen erkennt sie glasklar, dass eine andere Person, die ihr Schaden zugefügt hat, von diesen verknöcherten Personen dazu getrieben wurde und sie behält ein gewisses Geheimnis in dieser Hinsicht für sich. So sollten Jugendbücher sein: mit starken Protagonistinnen, die selbstbewusst und selbstreflektiert die Geschehnisse bewerten und an ihnen wachsen können, verzeihen, wo es angebracht ist und ihren eigenen Weg gehen, ohne einen männlichen Helden an ihrer Seite zu brauchen. Jedenfalls keinen, der sie bei erstbester Gelegenheit hängen lässt. Hoffentlich lässt der zweite Band nicht zu lange auf sich warten.