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Veröffentlicht am 27.07.2023

Der unscheinbare Mister Sattisway

Der seltsame Mister Quin 2
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Mister Sattisway, der kleine, reiche, ältere Mann, ist nicht einmal mehr verwundert, wenn er in der Welt der Reichen, Schönen und Künstler auf seinen Bekannten Mister Quin trifft. Denn dieser taucht immer ...

Mister Sattisway, der kleine, reiche, ältere Mann, ist nicht einmal mehr verwundert, wenn er in der Welt der Reichen, Schönen und Künstler auf seinen Bekannten Mister Quin trifft. Denn dieser taucht immer dann auf, wenn Sattisway selbst spürt, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Dabei muss es sich nicht unbedingt um Mord und Totschlag handeln. Auch Betrugsmaschen werden aufgeklärt, Dramen bemerkt und zur Kenntnis genommen, boshafte Intrigen vereitelt. Und so schnell und unbemerkt Mister Quin auftaucht, so schnell verschwindet er meistens auch wieder. Seltsam ist er, in der Tat. Er ist dafür da, den kleinen Sattisway aufmerken zu lassen, Dinge ans Licht zu bringen, während er selbst eher im Schatten agiert.

Im Gegensatz zu dem, was im Klappentext behauptet wird, sind weder Mister Sattisway noch Mister Quin Detektive, schon gar keine Privatdetektive. Der kleine Snob Mister Sattisway wäre sicherlich zutiefst entsetzt, hielte ihn jemand dafür. Ich mochte beide Charaktere noch immer, aber ich hätte es lieber gehabt, wenn wirklich eher wieder echte Kriminalfälle gelöst wurden wären anstatt sich auf die Tragödien des Menschseins zu konzentrieren und mir gefällt auch die Richtung, in die die Identität des Mister Quin gedrückt wird, nicht richtig. Der Sprecher ist noch immer einzigartig gut geeignet für diese Geschichten.

Veröffentlicht am 27.07.2023

Kane & Eden

Die Legende des Phönix, Band 1 - Dunkelaura
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Eden arbeitet in einem Zentrum für benachteiligte Jugendliche und lebt allein mit ihrem etwas verwirrten Künstlervater. Schon immer konnte sie bei Menschen einen besonderen "Schein" sehen - und bei manchen ...

Eden arbeitet in einem Zentrum für benachteiligte Jugendliche und lebt allein mit ihrem etwas verwirrten Künstlervater. Schon immer konnte sie bei Menschen einen besonderen "Schein" sehen - und bei manchen Menschen fiel ihr auf, dass der fehlte. Als sie eines Abends auf der Straße von zwei solchen "scheinlosen" Menschen überfallen wird, retten sie ein paar Jugendliche. Sie erzählen ihr, dass sie die Phönixkrieger sind, die die Menschheit vor diesen Dunklen beschützen. Sie, Eden, sei auch eine, denn sie könnte das Licht der Menschen sehen. Eden versucht, ihre besondere Phönixgabe zu finden, schon weil man ihr anbietet, dass ihrem verwirrten Vater geholfen wird. Außerdem ist da noch Kane, der Bad Boy vom Dienst, in den sie sich gnadenlos verliebt.

Die Legende des Phönix: Ehrlich gesagt hätte ich da gern etwas mehr Ausarbeitung erfahren außer "Na ja, da war halt mal ein Böser mit Zombies, dann kam ein Phönix vorbei, hat die Zombies nicht allein besiegen können und hat daher irgendwelchen Hergelaufenen besondere Kräfte verpasst". Mich würde auch interessieren, wer dieses Phönixquartier aufgebaut hat. Und vor allem, wie das finanziert wird. Oder warum die Jugendlichen dem Polizisten was vorspielen, wenn die Phönixkrieger doch eh mit Polizei und Geheimdiensten zusammenarbeiten. Unglaublich ermüdend war auch die Beziehung von Kane und Eden: Oh, er ist so mies - aber oh, er ist auch so heiß! Gibt es echt keine andere Möglichkeit für Jugendliche, sich zu verlieben? Kane, der große Held, weigert sich nach einem Trauma, seine Kräfte zu benutzen, nicht mal dann, wenn seine Freunde in größter Gefahr schweben. Aber sobald die Special Snowflake angegriffen wird: Doing! Kräfte eingesetzt! gähn Es gab noch so einiges, was typisch und klischeehaft war, aber bevor ich hier eine Doktorarbeit über diese geistig hohlen PhönixkriegerInnen schreibe, erwähne ich, was mir gefallen hat: Edens Moralvorstellungen. Das fand ich echt gut. Immerhin was.

Veröffentlicht am 22.07.2023

Masc4masc

Camp - Queerfeldein führt auch ein Weg
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Camp ist ein Ferienlager für queere Jugendliche, ein Safe Place in einer Welt voller Homophobie. Hier können sie sein, wie und wer sie wollen ohne Angst, verbal oder physisch angegriffen zu werden. Seit ...

Camp ist ein Ferienlager für queere Jugendliche, ein Safe Place in einer Welt voller Homophobie. Hier können sie sein, wie und wer sie wollen ohne Angst, verbal oder physisch angegriffen zu werden. Seit vier Jahren kommt der 16jährige Randall hierher und genauso lange ist er in den mega männlichen Hudson Aaron-Lim verliebt. Doch dieser sieht ihn kaum, denn er steht nur auf genauso mega männliche Jungs. Deshalb hat sich Randy im letzten Jahr einem Make-Over unterzogen: abgenommen, trainiert, die Haare abgeschnitten, er verzichtet auf Nagellack und sogar auf sein heiß geliebtes Musical. Und der Plan geht auf - Hudson fährt sofort auf ihn ab und die beiden kommen sich näher.

Vorneweg: Alles drumherum ist richtig, richtig cool. Ich weiß nicht, ob es solche Camps wirklich gibt, aber es sollte sie auf alle Fälle geben. Es ist ein offener, toleranter, ehrlicher Ort. Desto mehr ging es mir gegen den Strich, wie sehr Randy lügt und sich als jemand anders ausgibt, nur um bei seinem Traummann zu landen. Zumal ich - egal, wie oft er es versicherte - absolut nichts von Liebe bei ihm spürte. Da war nur Geilheit, weil Hudson ja ach so heiß war. Umgekehrt war Hudson einfach nur ein erstaunlich blasser Charakter. Ja, er war hot und männlich. Und hat seine Oma geliebt. Mega. Das ist doch ausreichend für die neverending love, oder? Mit anderen Worten, ich mochte weder Randy noch Hudson sonderlich. Dafür habe ich fast alle Nebencharaktere, die übrigens bedeutend besser und vielschichtiger ausgearbeitet waren, als die Protagonisten, gemocht. Es gibt übrigens viele Klischees, was mich auch ein wenig gestört hat. Entweder die mega männlichen queeren Kids oder diejenigen, die sich die Nägel lackieren, tanzen und alle anderen mit "Sweetie" oder "Darling" ansprechen. Was dazwischen gibt's scheinbar nicht. Irgendwie schade. Aus dem Buch hätte man so viel mehr rausholen können.

Veröffentlicht am 21.07.2023

Eingeschneit

Das Sanatorium
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Elin Warners Leben besteht aus Problemen: mit ihrem Job als Detective Inspector, ihrer Vergangenheit, ihrer Familie. Dennoch reist sie zur Verlobung ihres Bruders in die Schweizer Berge, in ein erst kürzlich ...

Elin Warners Leben besteht aus Problemen: mit ihrem Job als Detective Inspector, ihrer Vergangenheit, ihrer Familie. Dennoch reist sie zur Verlobung ihres Bruders in die Schweizer Berge, in ein erst kürzlich eröffnetes Luxushotel. Früher war dieses Gebäude ein Sanatorium für Lungenkranke, heute ist es für die zahlende Kundschaft. Elins Ankunft steht unter keinem guten Stern: ein heftiger Schneesturm schneidet das Hotel von der Außenwelt ab. Dann verschwindet die Verlobte ihres Bruders. Und als eine Tote gefunden wird, ist Elin auf sich allein gestellt, denn die Schweizer Polizei hat nach einem Lawinenabgang keine Chance, zu ihnen durchzukommen.

Allein dieses Setting hätte doch ausreichen müssen, um einen spannenden Thriller zu schreiben, sollte man meinen. Was will man mehr? Bar jeder Hilfe, Wetterextreme, Serienkiller. Da kann man doch eigentlich nichts falsch machen, oder? Nun, es fällt schwer, zugegeben. Aber Sarah Pearse hat ihr Bestes gegeben, um diesen Thriller in den Sand ... Verzeihung: den Schnee zu setzen. Es fängt mit der unglaublich unsympathischen, nervigen, weinerlichen, anstrengenden und manchmal regelrecht dummen Elin Warner an, geht mit den seltsamen Reaktionen der Opfer weiter (Niemand denkt in kritischen Situationen "Denk nach! Denk nach!" - aber hier denken das einfach mal alle und verschwenden damit sinnlos Zeit - ihre und die der LeserInnen) und endet mit den völlig absurden Motiven sämtlicher Beteiligter, irgendwelche Dinge zu tun. Nein, im Ernst. Das war mal nix.

Veröffentlicht am 21.07.2023

Ihr Auftritt, Mister Quin!

Der seltsame Mister Quin 1
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Es ist ein Kommen und Gehen, erklärt in einer der Geschichten jemand dem erzählenden Mister Sattisway, und ja, auf den seltsamen und geheimnisvollen Mister Quin trifft das auf jeden Fall zu. Er scheint ...

Es ist ein Kommen und Gehen, erklärt in einer der Geschichten jemand dem erzählenden Mister Sattisway, und ja, auf den seltsamen und geheimnisvollen Mister Quin trifft das auf jeden Fall zu. Er scheint immer dann aufzutauchen, wenn unser kleiner, etwas versnobter, älterer, wohlhabender Mister Sattisway sich in einer seltsamen Situation befindet. Mal ist ein Mord geschehen, mal Einbrüche, mal wird erst etwas geschehen, mal scheint überhaupt nichts zu sein. Und dennoch: Wenn Mister Quin auftaucht, weiß Mister Sattisway, dass etwas im Argen liegt: Aber nicht mehr lange. Denn mit Hilfe von Mister Quins blitzgescheiten Fragen kommen Anwesende und Beteiligte auf die Spur von Verbrechen ...

Hier liegen die ersten vier Kurzgeschichten vor, die Agatha Christie mit diesem skurrilem Paar geschrieben hat. Da ist zum einen der seltsame Mister Quin: ein Sherlock Holmes, ein Richter, ein Gerechter, einer, der den Dingen auf den Grund geht. Immer höflich, zurückhaltend, zuhörend, Fragen stellend. Und sein Gegenstück, Agathas persönlicher Watson, der dank scharfsinniger Fragen scharfsinnige Gedanken wälzt und vom Beobachter zum Akteur wird. Es hat ein paar Minuten gedauert, bis ich mit dem Sprecher klarkam, zu sehr klingt er im ersten Moment wie eine Mischung aus alt, bedächtig, ja, geradezu altmodisch. Aber nicht nur die Geschichten entwickeln ihren eigenen Charme, auch die Stimme des Sprechers tut es und nein, ich kann mir mittlerweile niemanden anders vorstellen, der das noch besser lesen könnte.

Und dann ist da am Ende nicht nur die Befriedigung, interessante Geschichten gehört und mitgerätselt zu haben; da ist auch das leise, feine Amüsement über die Namen der Protagonisten. Mister Harley Quin, der Harlekin, aber kein lächerlicher Geselle, sondern der, der der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Und sein Sidekick, der gute alte Mister Sattisway - Set this way, der immer dann außerhalb der Box, außerhalb der gesetzten Wege zu denken vermag, wenn der von ihm so geschätzte Mister Quin auftaucht. Ein rundum gelungenes Kurzgeschichtenvergnügen!