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Veröffentlicht am 09.04.2026

Der Gand und die Samin

RAVNA - Arktische Rache
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Nach dem katastrophalen Ende des letzten Falles hatte sich Ravna eine Weile zurückgezogen. Jetzt ist sie zurück in Oslo an der Polizeihochschule, als sich plötzlich ihr Vater meldet, der die Familie vor ...

Nach dem katastrophalen Ende des letzten Falles hatte sich Ravna eine Weile zurückgezogen. Jetzt ist sie zurück in Oslo an der Polizeihochschule, als sich plötzlich ihr Vater meldet, der die Familie vor vielen Jahren verlassen hat. Er möchte sich mit ihr treffen und eher widerwillig stimmt Ravna zu. Als er in das Restaurant stolpert, hat er ein Messer im Rücken und kann gerade noch einen Namen flüstern - den ihrer Mutter. Und das Messer ist samisch. Hat ihre Mutter sich nach so langer Zeit an ihm gerächt? Doch dann werden auch Ravna und ihre Mutter angegriffen und zum Nationalfeiertag von Norwegen kommt es zu einem großen Showdown, bei dem auch der Gand Rune Thor nichts zaubern kann ...

Auch im dritten Teil nimmt uns die Autorin wieder in das Leben der jungen Samin Ravna mit, die irgendwie den Spagat zwischen den traditionellen samischen Einflüssen ihrer Herkunft und ihrer modernen Lebensweise in Oslo finden muss. Dazu kommt die Familie ihres Vaters, der Hass gegen die indigene Bevölkerung, rechtsextreme Einflüsse und das alles wird zu einem rundum gelungenen Buch verpackt. Es ist kein Highligth und das meine ich auf die bestmögliche Art und Weise. Während Highlights hell brennen und schnell zu Asche werden, brennt die Ravna-Trilogie als stetiges Feuer, das lange wärmt. Ich hätte gern noch mehr aus der Welt von Ravna und Thor gelesen.

Veröffentlicht am 06.04.2026

Rendrifters

RAVNA – Die Tote in den Nachtbergen
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Ravna, die samische Polizeischülerin, hat Sonderurlaub. Es ist Mittsommer und hoch oben in den Nachtbergen, in ihrer Heimat, ist Kälbermarkieren angesagt. Dazu kommen sämtliche Rentierzüchterclans zusammen, ...

Ravna, die samische Polizeischülerin, hat Sonderurlaub. Es ist Mittsommer und hoch oben in den Nachtbergen, in ihrer Heimat, ist Kälbermarkieren angesagt. Dazu kommen sämtliche Rentierzüchterclans zusammen, auch um sich gegenseitig zu unterstützen. Doch das Leben als Rentierzüchter ist hart und es gibt Streitereien zwischen den Familien. Ravna sitzt als zukünftige Polizistin zwischen allen Stühlen. Und dann findet sie bei einem Absturz in einer Höhle eine Tote. Es handelt sich um Linneá, eine junge norwegische Frau, die vor zehn Jahren verschwunden ist und an sie sie sich noch gut erinnert, denn sie hat sie als Kind auf der Sommerweide getroffen. Befindet sich unter den Rendriftern ein Mörder? Wieder ist es Rune Thor, mit dem Ravna zusammenarbeiten muss ...

Auch im zweiten Fall gelingt es der Autorin wieder, tief in das harte Leben der Samen einzuführen. Sie schafft dabei einen guten Spagat zwischen dem Alltag auf der Hochweide, dem Stress, den Umweltbedingungen und der Geschichte zu finden und einen interessanten Fall zu kreieren, bei dem man bis zum Schluss nicht sicher ist, wie er ausgehen wird. Was mir auch gut gefällt, ist ihre Sprache. Nicht zu leicht, nicht zu plump, sehr intensiv in den Beschreibungen. Ravna ist für mich kein absolutes Highlight, aber die Geschichte ist wie eine warme Decke, in die man sich gern einkuschelt, ein bisschen wie nach Hause kommen.

Veröffentlicht am 03.04.2026

Hybrid

Mate – Die unzumutbare Unmöglichkeit von Liebe
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Serena Paris ist erst fünfundzwanzig, hat aber schon jede Menge durchgemacht. Nicht nur, dass sie als kleines Kind ihre Eltern verloren hat und dann als Waisenkind aufwuchs, bis sie dann als Spielgefährtin ...

Serena Paris ist erst fünfundzwanzig, hat aber schon jede Menge durchgemacht. Nicht nur, dass sie als kleines Kind ihre Eltern verloren hat und dann als Waisenkind aufwuchs, bis sie dann als Spielgefährtin für Misery, die Vampirprinzessin, ausgewählt wurde. Es stellte sich auch heraus, dass sie ein Hybrid ist - halb Mensch, halb Werwolf. Und Überraschung: die Gefährtin von Alpha Koen ist sie auch noch. Dazu spielt ihr Körper verrückt, der die unterschiedlichen Gene scheinbar nicht vereinbaren kann und das bedeutet wohl, dass sie nicht mehr lange leben wird. Dass jetzt auch noch von allen Seiten Jagd auf sie gemacht wird, gerät dabei beinahe zur Nebensache. Und wie zum Teufel soll sie mit ihrem Gefährten umgehen, der als Alpha des Nordwestrudels dem Zölibat unterliegt?

Ich mochte Bride, den Vorgänger, schon sehr gern, deshalb war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Und wie üblich enttäuscht Ali Hazelwood auch nicht, was Schreibstil, Charakterisierung und Ideen angeht. Für Dialoge und Sarkasmus hat die Frau einfach ein absolutes Händchen. Wovon ich halt nicht so der Fan von übermäßig viel bin, ist Spice. Ich mag das so sehr wie andere Leute auch, aber ich brauche davon keine gefühlten hundert Seiten und wenn ich deshalb anfange, Seiten über Seiten zu überblättern, um mich nicht zu langweilen, ist das Buch kein absolutes Highlight mehr. Wen das nicht stört, bekommt ganz, ganz großes Kino. Wer wie ich überblättert, bekommt immerhin noch wirklich amüsante Unterhaltung.

Veröffentlicht am 02.04.2026

Hooters Girl

New York Alpha (Sammelband 1)
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Eine Frau findet sich plötzlich in der Gesellschaft von sechs ultraheißen Kerlen wieder, die behaupten, Werwölfe - sorry, Carnivoren? Cornichons? Carnicoren? whatever! - zu sein. Es handelt sich um Adrian ...

Eine Frau findet sich plötzlich in der Gesellschaft von sechs ultraheißen Kerlen wieder, die behaupten, Werwölfe - sorry, Carnivoren? Cornichons? Carnicoren? whatever! - zu sein. Es handelt sich um Adrian und seine Betas, einer schöner, muskulöser etc. als der andere. Niemand natürlich so wie Adrian, der Alpha. Helena, so der Name der Frau, ist eine Omega und sämtliche Alphas der Welt sind jetzt hinter ihr her, deshalb muss sie von Adrian und seinen männlichen Cornichons (or whatever!) beschützt werden. Das Beschützen äußert sich mehr oder weniger dadurch, dass sie in ein Luxusleben in einem Luxuspenthouse geführt und dort mehr oder weniger ständig verführt wird.

Was war ich lesend? Dabei habe ich es nicht mal geschafft, den Sammelband durchzulesen. Ich glaube, es war in Part 2 (also immerhin schon recht zum Ende des Sammelbands), dass der krasse, megatolle Alpha es für nötig hielt, einen seiner eigenen Männer gefühlt 1000 x zu grapen, um ihm zu zeigen, dass er der krasse, megatolle Alpha ist. Übelkeitserregend. Ekelhaft. Widerlich. Dazu ein plumper Schreibstil und die megakrassen Betas zeichneten sich beinahe durchweg durch das kindische Verhalten pubertierender 15jähriger aus. Handlung zwischen Sex und Grape, keine Tiefe oder Charakterisierung der einzelnen Personen. Und seit wann ist ein Rudel eine Gruppe von Typen mit einer Omega? Das System A, B, O (Alpha, Beta, Omega) klingt vielleicht nach Blutgruppen, aber nicht nach einem Rudel. Irgendwo habe ich gelesen, dass sich die Autorin mit dieser Reihe an ein neues Genre gewagt hat als Experiment. Ich würde sagen: Experiment gescheitert.

Veröffentlicht am 30.03.2026

Little Women Crime

Beth is dead
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Seit der Vater der Schwestern Meg, Jo, Beth und Amy ein Buch geschrieben hat, in dem er das Leben seiner Töchter beschreibt, ist deren Leben nicht mehr dasselbe. Die Menschen unterscheiden nicht zwischen ...

Seit der Vater der Schwestern Meg, Jo, Beth und Amy ein Buch geschrieben hat, in dem er das Leben seiner Töchter beschreibt, ist deren Leben nicht mehr dasselbe. Die Menschen unterscheiden nicht zwischen literarischen Kunstfiguren und echten Menschen und so sehen sich die Schwestern gefangen zwischen Häme und Verehrung. Besonders Beth, die ihr Vater im Buch hat sterben lassen, leidet darunter. Und dann ... wird sie ermordet. War es eine von ihnen? Jo, die als Influencerin mehr Follower wünscht? Oder Amy, die Jüngste, die so gern auf die Kunstschule gehen will, die Beth finanziert wird? Da ihr Vater schon seit einem halben Jahr verschwunden ist, müssen die Schwestern mit ihrer Mutter allein klarkommen und herausfinden, was passiert ist.

Ich bin ehrlich, ohne den Bezug zu dem Klassiker von Louisa May Alcott hätte mich das Buch rein vom Klappentext her nicht interessiert, von daher war es ein gelungener Kniff, sich dieser Vorlage zu bedienen. Die Mädels sind dann auch gut in die Gegenwart übertragen worden. Und egal, was Meg am Ende sagt, es WAR übergriffig von ihrem Vater, ihre Leben zu beschreiben. Er hätte ja zumindest die Namen ändern können, sodass den Lesenden klar gewesen wäre, dass es sich um eine reine Geschichte handelt. Dafür gibt es keine Entschuldigung, das braucht man dann zum Schluss nicht abschwächen. Was mich gestört hat, waren die Rückblicke aus Beths Sicht. Da man weiß, dass das Mädchen ermordet wird, finde ich es eher unangenehm und gerade zum Schluss absichtlich tränenrührig, es so zu schreiben, wie es getan wird. Auch finde ich die verschiedenen falschen Fährten gut gemacht, allerdings gibt es einen ziemlichen Logikfehler. Es lag Schnee, was bedeutet, man hätte an dem schneebedeckten Hang, an dem Beth gefunden wurde, Dutzende und Aberdutzende Spuren finden müssen, die nicht von den Schwestern zertrampelt worden waren, denn nichts in der Geschichte deutet darauf hin, dass die Täterperson sie verwischt oder gar entfernt hat. Und selbst wenn - schon mal das Wort Kontaktspuren gehört, Frau Autorin? Was soll's. Als Jugendthriller funktioniert es ganz gut, obwohl es für mich auch ein bisschen straffer hätte sein können. Es zog sich in der Mitte schon ordentlich, zumal noch die Sache mit dem pädophilen Künstler ins Spiel gebracht wurde. 3.5/5 Punkten.