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Veröffentlicht am 07.05.2021

Winterdämon und Hexenmädchen

Der Bär und die Nachtigall
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Irgendwo hoch im Norden der Rus lebt der Bojar Pjotr mit seiner Familie. Die Sommer sind hier kurz, die Winter lang und hart, doch ihm geht es recht gut als Landadligen und Verwandten des Zars in Moskau. ...

Irgendwo hoch im Norden der Rus lebt der Bojar Pjotr mit seiner Familie. Die Sommer sind hier kurz, die Winter lang und hart, doch ihm geht es recht gut als Landadligen und Verwandten des Zars in Moskau. Doch dann bekommt seine Frau noch eine Tochter, Wasilisa, und sie ein wildes, unbeherrschbares Kind. Sie kommt nach ihrer Großmutter, sagen die Untergebenen von Pjotr, und diese war eine Hexe, die dem Großfürst den Kopf verdreht hat. Wasja kann die Geister des Landes sehen, und die Geister des Hauses. Sie hat zu ihnen allen ein gutes Verhältnis. Doch dann kommt ein Priester in ihr Dorf und er verbietet ihnen, den Geistern zu huldigen. Die Winter werden immer härter, die Alten, die Kranken, die Kinder sterben und in den Wäldern erheben sich finstere Mächte. Nur Wasja kann ihre Familie und das Dorf retten, doch was, wenn die sie nicht als Rettung, sondern als Fluch sehen?

Ich stehe total auf Geschichten, die auf russischer Folklore, Legenden und Märchen basieren, selbst wenn es nichtrussische Autoren schreiben. Und was den poetischen Schreibstil betrifft, gibt es bei Katherine Arden nicht viel zu bemängeln. Aber ich muss sagen, so interessant es anfangs gestaltet war, so langatmig wurde es für mein Empfinden im Mittelteil und bis kurz vors Ende. Das war immerhin ziemlich spannend und tragisch und hatte zwischendurch sogar ein paar Gänsehautmomente. Was mich auch immer ein wenig gestört hat, war die ewige Springerei in der Perspektive. Die Autorin konnte sich nicht festlegen, wem sie die Stimme verleihen wollte, deshalb durfte einfach mal jeder drankommen. Das sind so Sachen, die mich persönlich gern mal aus dem Lesefluss herausbringen. Obwohl es sich hier um eine Trilogie handelt, kann dieses Buch für sich allein stehen und braucht zumindest was mich betrifft keine Fortsetzung mehr. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 04.05.2021

Tote Mädchen lügen nicht

Das tote Mädchen
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Der 16jährige Daniel ist Quarterback und damit der Sportstar der Schule in einer abgeschiedenen Gegend in Wisconsin. Als eines Tages ein Mädchen im nahe gelegenen See ertrinkt, erschüttert das die Schüler. ...

Der 16jährige Daniel ist Quarterback und damit der Sportstar der Schule in einer abgeschiedenen Gegend in Wisconsin. Als eines Tages ein Mädchen im nahe gelegenen See ertrinkt, erschüttert das die Schüler. Und obwohl Daniel das Mädchen kaum gekannt hat, passiert während der Beerdigung etwas Seltsames: Emily, die Tote, richtet sich auf und bittet ihn, ihren Tod aufzuklären. Daniel fängt an, an seinem Verstand zu zweifeln - was ist echt, was gaukelt ihm sein Gehirn vor? Ist er krank? Er weiß nur, dass er diesen seltsamen Todesfall lösen muss, um nicht verrückt zu werden. Doch das ist äußerst gefährlich ...

Mich kann man mit Schlagworten wie "abgelegenes Dorf" und "Mord" sofort einfangen. Wenn es dann noch ein Jugendthriller ist, umso besser. Man fragt sich auch genau wie Daniel, ob mehr hinter seinen Visionen steckt als pure Geistergeschichten. Allerdings - so gern ich Geschichten mit Schulhintergrund mag, wurde es mir bis zur Mitte der Geschichte ein bisschen zu viel typisches Jugenddrama mit Freundin, bester Freund und den typischen Schulschlägern. Obwohl die Kapitel kurz gehalten wurden, hat mich das ein bisschen gelangweilt und auch, wie die ganze Geistersache und der Todesfall geklärt wurden, war ein bisschen weit hergeholt. Der Schluss war jedoch durchaus spannend und das Buch kurzweilig genug, insgesamt gesehen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 03.05.2021

Zauberlehrling und Soldat

Sanguis Corvi – Das Blut des Raben
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1542: Krayan Batur ist ein Waise, der durch marodierende Soldaten alles verloren hat. Auf der Wanderschaft gelangt er in das Land der Sorben und wird dort durch die schwarze Mühle eines teuflischen Müllers ...

1542: Krayan Batur ist ein Waise, der durch marodierende Soldaten alles verloren hat. Auf der Wanderschaft gelangt er in das Land der Sorben und wird dort durch die schwarze Mühle eines teuflischen Müllers eingefangen. Zusammen mit elf weiteren Jungs, seinen "Brüdern", muss er tun, was der Meister sagt, immer vom Tod bedroht. Als er ein Mädchen kennenlernt, lehnt er sich gegen den Müller auf - mit schrecklichen Konsequenzen.

1555: Jahre später erfährt der mittlerweile erwachsene Krayan, der sich als Soldat bei der osmanischen Armee verdingt hat, dass der Müller - entgegen seiner Annahme - noch lebt und er macht sich auf den Weg, um Rache zu nehmen.

Wow. Als ich vor einiger Zeit gesehen habe, dass es von Piper einen anderen Ansatz für Krabat gibt, war ich sofort Feuer und Flamme. Um nicht enttäuscht zu werden, habe ich versucht, meine Erwartungen niedrig zu halten, aber ich hätte mir echt keine Sorgen machen zu brauchen. Das ist eine Märchenadaption, wie ich sie liebe: Man erkennt das Original, aber es wurde neu interpretiert und das auf eine mega coole Art und Weise. Der junge Krabat ist jemand, der mit Köpfchen arbeitet, solche Helden finde ich eh viel interessanter als die, die mega auserwählt sind durch Kraft oder Magie. Und der Erwachsene hat zwar den Vorteil, dass er sowohl Köpfchen, Magie und soldatische Erfahrung auf seiner Seite hat, aber er hat natürlich auch 13 Gegner - sich da durchzusetzen ist kein Kinderspiel. Richtig gut gefallen haben mir auch ein paar der Lehrlinge des Müllers und manches Schicksal war krass hart. Die Mädchen/Frauen hier waren keine Jungfrau in Nöten, die gerettet werden mussten; in welchem Jugend/Fantasybuch findet man solche starken Frauen? Ich kann daher nur eine fette Empfehlung geben: Das ist eines der Bücher, die man gar nicht beenden möchte.

Veröffentlicht am 01.05.2021

Bis nächsten Donnerstag!

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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Coopers Chase: eine luxuriöse Seniorenresidenz im wunderschönen englischen Hinterland. Alles geht hier seinen Trott, nie passiert etwas Außergewöhnliches. Oder? Die bald 80jährige Joyce ist erst vor kurzem ...

Coopers Chase: eine luxuriöse Seniorenresidenz im wunderschönen englischen Hinterland. Alles geht hier seinen Trott, nie passiert etwas Außergewöhnliches. Oder? Die bald 80jährige Joyce ist erst vor kurzem hier eingezogen, da lernt sie den Donnerstagsmordclub kennen: Elizabeth, die nicht nur einen königlichen Namen trägt, sondern auch so agiert, Ibrahim, der ehemalige Psychiater, den alte Fälle nicht schlafen lassen und Ron, den polternden Ex-Gewerkschaftsführer, der noch immer für und gegen alles auf die Barrikaden geht. Zusammen nehmen sie sich cold cases vor und diskutieren darüber, wie sie gelöst werden könnten. Doch dann stirbt direkt vor ihrer Haustür der Eigentümer der Residenz, und er bleibt nicht der Einzige. Das Quartett nimmt die Ermittlungen auf und obwohl nicht mehr die Jüngsten lassen sie selbst die cleveren Polizisten alt aussehen ...

Dieses Buch hat richtig Spaß gemacht! Erst einmal hat es mein Lesen völlig entschleunigt, denn so geruhsam, wie es meistens in Coopers Chase zuging, war es beinahe ein Sakrileg, es hastig wegzulesen. Und dann musste man natürlich völlig aufpassen, zumal ich mich so manches Mal in die Irre habe führen lassen. Wie diese alten Herrschaften agierten, so clever, so manchmal altmodisch, so liebenswert, das war schon wirklich großes Kino und verdient, verfilmt zu werden. Ich bin dafür, dass diese Reihe fortgesetzt wird - je schneller, desto besser!

Veröffentlicht am 29.04.2021

Unter Menschen

Undercover Robot – Mein erstes Jahr als Mensch
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Dotty ist ein hochgeheimes Forschungsprojekt. Obwohl sie aussieht wie ein Mensch, redet wie ein Mensch, sich bewegt wie ein Mensch, ist sie keiner, sondern ein hochentwickelter Android. Ihr Entwickler, ...

Dotty ist ein hochgeheimes Forschungsprojekt. Obwohl sie aussieht wie ein Mensch, redet wie ein Mensch, sich bewegt wie ein Mensch, ist sie keiner, sondern ein hochentwickelter Android. Ihr Entwickler, ein Philosophieprofessor, beschließt, sie nicht nur undercover in seine Familie einzuführen, sondern auch in die Schule. Und ab da beginnen Dottys Probleme. Sie kann nämlich nur die Wahrheit sagen und muss feststellen, dass nicht einmal Lehrer immer gern die Wahrheit hören möchten. Auch sind ihr viele Denkweisen und Handlungen der Menschen mehr als unverständlich, obwohl sie über einen Hochleistungsprozessor verfügt. Doch je mehr Dotty Zeit unter diesen seltsamen Wesen verbringt, desto mehr beginnt sie, sich wie eine von ihnen zu benehmen. Oder umgekehrt? Doch dann besteht auch immer noch die Gefahr, dass sie auffliegt und die Forschungsgruppe kein Preisgeld erhält ...

Die Idee ist wirklich gut und viele Sachen haben zum Nachdenken angeregt, wobei ich fast eher glaube, dass es interessanter für Erwachsene als für Kinder ist. Manche Situationen sind beinahe absurd, weil Dotty ihre Sätze gern mit "Wir Menschen" oder "Wir Menschenkinder" beginnt, bis sie begreift, dass genau das sie verdächtig macht. Oder dass es für das Umgebungsklima nicht immer gesund ist, die Wahrheit zu sagen. Aber manchmal wurde es auch ein bisschen langweilig und zog sich dahin, denn so viele verschiedene Dinge kann ein Roboter ja nicht verkehrt machen, um in ein Fettnäpfchen zu treten. So fand ich das Gedankenexperiment wirklich mega, aber die Umsetzung nicht durchweg fesselnd. 3,5/5 Punkten.