Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
offline

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.02.2021

Der Krieger, die Schlange und der Torwächter

Im Zeichen der Mohnblume - Die Schamanin
0

im Kaiserreich Nikan kann man nur etwas werden, wenn man in eine wohlhabende oder einflussreiche Familie geboren wird. Einzige Ausnahme: an besteht die Aufnahme in eine Militärakademie. Genau das gelingt ...

im Kaiserreich Nikan kann man nur etwas werden, wenn man in eine wohlhabende oder einflussreiche Familie geboren wird. Einzige Ausnahme: an besteht die Aufnahme in eine Militärakademie. Genau das gelingt dem Waisenmädchen Rin, die jedoch an der Akademie schwer zu kämpfen hat. Sie wird benachteiligt und verhöhnt, weil sie nicht zum Adel gehört. Doch der seltsame Professor Jiang wird auf sie aufmerksam und erkennt, dass in Rin große Macht schlummert. Er unterrichtet sie - doch bevor Rin die Akademie abschließen kann, wird Nikan vom Nachbarland mit Krieg überzogen. Und plötzlich finden sie sich alle inmitten eines Massakers wieder, und die Herkunft spielt keine Rolle mehr, nur noch der Kampf ums Überleben. Rin muss sich entscheiden - entfesselt sie eine Macht, die sie vielleicht nicht kontrollieren kann?

Wow. Der Schreibstil zieht einen direkt in die Handlung und man ist schon mitten drin, bevor Rin überhaupt einen Fuß in die Akademie setzt. Rin ist zum Glück kein typisches Young-Adult-Mädchen, das unbedingt einen Typen braucht, um agieren zu können, und obwohl sie tatsächlich einen bewundert, verliert sie deshalb weder ihren Verstand noch ihre Fähigkeiten. Bis zur Hälfte ist das Buch der Kampf eines Mädchens um Gleichberechtigung und Anerkennung, aber dann kippt die Stimmung enorm und man wird eine unglaublich brutale und grausame Handlung geworfen und manchmal fragt man sich wirklich, ob Rin die richtige Entscheidung trifft. Die Antwort ist gleichzeitig einfach und schwierig: In einem Krieg gibt es keine richtigen oder falschen Entscheidungen, es gibt nur Überleben oder Sterben. Doch so sehr mir der Stil und auch der Großteil des Buches gefallen hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich die Reihe fortsetzen werde, denn es war teilweise wirklich jenseits von gut und böse, was die Grausamkeit betrifft und ich weiß nicht, ob die reine Handlung noch genügend Platz für zwei weitere Bücher hergibt oder das Ganze in einem unübertroffenen Blutbad und Gemetzel untergehen wird.

Veröffentlicht am 30.01.2021

Die Magierin und der Gestaltwandler

Divine Damnation 1: Das Vermächtnis der Magie
0

Tivra ist eine junge Magierin, die zum Zirkel gehört, einer Vereinigung von magisch Begabten. Als sie auf eine Mission geschickt wird, um ihre Kollegin zu suchen, die seit einiger Zeit verschwunden ist, ...

Tivra ist eine junge Magierin, die zum Zirkel gehört, einer Vereinigung von magisch Begabten. Als sie auf eine Mission geschickt wird, um ihre Kollegin zu suchen, die seit einiger Zeit verschwunden ist, macht sie mitten im Dschungel, in einem alten, verlassenen Tempel eine schreckliche Entdeckung: nicht nur ist ihre Kollegin tot, auch eine uralte, eingesperrte Göttin wurde befreit. Und diese ist auf Zerstörung aus. Um die Göttin aufzuhalten, ist Tivra gezwungen, mit dem Alpha der Gestaltwandler Avan zusammenzuarbeiten. Ausgerechnet der stellt sich als ihr One-Night-Stand von vor einigen Tagen heraus. Die Anziehungskraft zwischen Tivra und Avan sind nicht die einzigen Probleme, die sie klären müssen.

Was ich mochte: die Idee, den Hintergrund, der ein bisschen an indischen Dschungel erinnert, die Vorstellung, dass Magie und Moderne zusammen existieren könnten. Leider war das so gut wie nicht ausgebaut, dafür musste ständig darauf hingewiesen werden, wie hoch die Anziehungskraft zwischen Avan und Tivra ist. (Tipp: Das wusste man nach den ersten drei, vier Malen schon.) Es kamen Logiklöcher dazu. Scheinbar gab es eine Barriere, die von den Magiern aufrecht erhalten werden musste. Aber dauernd waren Tivra, ihre neuen Freunde und Hinz und Kunz draußen - wie funktionierte das? Und wieso konnte eines der Viecher der Göttin reinkommen, die anderen jedoch scheinbar nicht so einfach am Ende? Und wieso hat sich Tivra im Tempel nicht einfach mit der Kugel zurück nach Hause gebeamt, hat eine oder mehrere neue Kugeln geholt und die Gestaltwandler aus dem Tempel geholt? War diese Lösung zu naheliegend, zu einfach und zu ungefährlich? Richtig enttäuscht hat mich das Lektorat, das bestenfalls oberflächig passiert sein kann. Was mich auch genervt hat, war Avans ständiges: Ach, das kann ich dir nicht sagen. Okay? Dann lass deine Finger von der Frau, wenn du ihr nicht die Wahrheit sagen willst.

Und Avans Vorfahre ist ja wohl das Letzte, so wie er die Göttin behandelt hat. An ihrer Stelle wäre ich auch sauer und würde mir noch ganz andere Sachen einfallen lassen und beinahe könnte ich mich auf ihre Seite schlagen. Sie ist auch der Grund, warum ich die Reihe fortsetzen wollte - um zu wissen, wie es mit ihr weitergeht. Was zwischen Avan und Tivra ist, scheint ohnehin klar zu sein.

Veröffentlicht am 27.01.2021

Andiefrischeluft

Die Spur zum 9. Tag
0

Der zwölfjährige Bene findet es wirklich uncool, als seine alleinerziehende Mutter vorschlägt, in den Ferien zusammen mit ihrem neuen Freund Urlaub in Schweden zu machen. Bevor er sich mit diesem Schleimer ...

Der zwölfjährige Bene findet es wirklich uncool, als seine alleinerziehende Mutter vorschlägt, in den Ferien zusammen mit ihrem neuen Freund Urlaub in Schweden zu machen. Bevor er sich mit diesem Schleimer einlässt, fährt er lieber zu seiner Oma nach Duderstedt! Ob er da wirklich richtig gewählt hat? Denn Oma ist äußerst eigen. Doch schnell findet Bene in der lässigen Mia und deren witzigen Bruder Ole zwei Freunde, die es faustdick hinter den Ohren haben. Und genau die braucht er auch, denn in Duderstedt treiben sich jede Menge Krimineller herum! Ob Bene, Mia, Ole, das Kaninchen Alice und der Hund Carmencita mit denen fertig werden?

Das war mal eine amüsante Lektüre, in der ich vieles aus meiner Kindheit wiedergefunden habe. Alleinerziehende Mütter und deren neue Freunde sind wohl global gesehen etwas, mit dem sich viele Kinder herumschlagen müssen - und in dem Alter ist das echt ein Kampf. Ganz sacht und beiläufig streift die Autorin dabei sogar Depressionen der Mutter, die erste Liebe, rassistische und diskriminierende Eltern und verpackt diese Geschichte in ein Abenteuer um illegalen Welpenhandel (von dem mir bereits tatsächlich auch mal eine Tierärztin berichtet hat). Manchmal fand ich Bene für sein Alter noch zu kindlich, andererseits sind ja nicht alle Kinder auf demselben Entwicklungsstand. Und mein heimlicher Held war eh Ole, der mit seinen schrägen Theorien immer wieder für Lacher sorgte. Mia-Greta ist selbstverständlich eine Heldin, wie sie jeder Junge in seinem Leben haben sollte. Ein Buch zum Spaßhaben, aber auch der leisen Töne, sehr empfehlenswert. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 24.01.2021

Female Cop Kopp

Die unvergleichliche Miss Kopp schlägt zurück
0

Constance Kopp will weder nähen noch als Anhängsel eines Mannes ihren Lebensunterhalt fristen. Sie möchte ein weiblicher Polizist werden - nicht ganz einfach in New Jersey des Jahres 1915, denn Cop kann ...

Constance Kopp will weder nähen noch als Anhängsel eines Mannes ihren Lebensunterhalt fristen. Sie möchte ein weiblicher Polizist werden - nicht ganz einfach in New Jersey des Jahres 1915, denn Cop kann nur jemand werden, der wahlberechtigt ist, was Frauen nicht sind. Dennoch macht sie sich unersetzlich bei Sheriff Heath, zumindest bis zu dem Moment, als sie einen Sträfling fliehen lässt. Und das Gesetz sagt eindeutig, dass der Sheriff, in dessen Obhut ein Sträfling entkommt, selbst ins Gefängnis geht. Jetzt hat Constance alle Hände voll zu tun, nicht nur ihren Fehler wieder gutzumachen, sondern auch den Sheriff vor dem Knast zu bewahren und en passant einen Mord aufzuklären.

Das ist schon eine interessante Lektüre gewesen, die uns zum Anfang des 20. Jahrhunderts mitgenommen hat. Wobei sich beim Frauenbashing ja auch hundert Jahre später nicht viel geändert hat. Das Ganze hätte sogar ein herausragendes Buch werden können, wenn es ein bisschen spannender geraten wäre. So hatte es ein paar Längen, gerade zwischendrin, auf die ich gut hätte verzichten können. Auch fand ich einige Handlungen von Constance nicht immer nachvollziehbar, gerade in den entsprechenden Situationen. Alles in allem hat es mich jedoch gut unterhalten können. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 22.01.2021

Strawstwui, Tristesse!

Das Verschwinden der Erde
1

Kamtschatka, unbekannte Halbinsel, irgendwo am Ende der Welt, bewohnt von Russen und Ureinwohnern. Der Sozialismus ist nicht gerade das, was Eindruck hinterlassen hat, und die jetzige Zeit ist trist. Dann ...

Kamtschatka, unbekannte Halbinsel, irgendwo am Ende der Welt, bewohnt von Russen und Ureinwohnern. Der Sozialismus ist nicht gerade das, was Eindruck hinterlassen hat, und die jetzige Zeit ist trist. Dann verschwinden in der Hauptstadt von Kamtschatka zwei kleine Kinder, zwei Schwestern. Was ist mit ihnen passiert? Wurden sie entführt, wie eine Augenzeugin behauptet? Oder sind sie einem Unfall zum Opfer gefallen? So viele Frauen in dieser großen Stadt haben Berührungspunkte mit den Kindern und jeder hat etwas zu sagen.

Oder so. Um ehrlich zu sein, habe ich zwar das Interview mit der Autorin und daher von ihren Intentionen gelesen, aber was auch immer sie wirklich vorhatte mit dem Buch, erschloss sich mir nicht. Ich erwartete einen Thriller, meinetwegen auch noch kunstvoll verpackt mit Land und Leuten, immerhin wurde die Lektüre ja vollmundig derart angekündigt. Doch was bekam ich? Tristesse, wohin das Auge schaut. Anstrengende Männer, unsympathische Frauen - übrigens wurden sämtliche Episoden aus der Sicht von Frauen erzählt. Und manche Berührungspunkte mit den verschwundenen Mädchen lasen sich in etwa so: Ja, die ist doch die Freundin von dem, der mal gesagt hat, dass die, deren Mutter bei der Tante seiner Großmutter mal ein Ei gekauft hat, gesehen hat, wie die Frau vom Ende des Dorfes was gemacht hat. Es sollte Einblick geben in das Leben auf Kamtschatka, auf "kraftvolle", "literarische" Weise, aber erstens war der Einblick nicht halb so augenöffnend wie wohl erhofft, wenn man vorher auch nur einmal in seinem Leben ein russisches Buch (von einem russischen Autor) gelesen hat, und von der "kraftvollen", "literarischen" Art klappten mir beständig die Augen zu.

Im Übrigen glaube ich auch nicht, dass die Ewenen, Korjaken oder andere Ureinwohner von Kamtschatka die Russen als "die Weißen" bezeichnen. Vielleicht ist ja hier der Geist von James Fenimore Cooper ein bisschen mit der Autorin durchgaloppiert.

Das Buch als Thriller anzukündigen, hat ihm übrigens einen Bärendienst erwiesen, zumal selbst der Klappentext in dieser Hinsicht in die Irre führt. Hier hat der Verlag auf ganzer Linie versagt und wird sich der Verantwortung stellen müssen, wenn das Buch nicht halb so gut ankommt wie erwartet oder geplant.