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Veröffentlicht am 16.09.2020

Verwünscht und zugehext!

Hex Files - Wilde Hexen
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Ivy Wilde ist den Fängen des Ordens entkommen und freut sich darüber.

Nicht.

Immerhin bedeutet das, nicht mehr mit dem gestrengen, aber megaheißen Rafael Winter zusammenarbeiten zu dürfen und das geht ...

Ivy Wilde ist den Fängen des Ordens entkommen und freut sich darüber.

Nicht.

Immerhin bedeutet das, nicht mehr mit dem gestrengen, aber megaheißen Rafael Winter zusammenarbeiten zu dürfen und das geht ihr ganz schön nahe. Aber es dauert nicht lange und schon klopft der Orden ein weiteres Mal bei ihr an, dieses Mal nicht nur Winter, sondern sogar das Oberhaupt des Ordens. Und sie möchten, dass sie Ivy an das Set der Serie "Verwünscht" schmuggelt, um dort den Tod eines Kandidaten zu untersuchen. Ihre Lieblingsserie! Und sie soll wieder mit Winter ermitteln! Ivy stürzt sich Feuer und Flamme in den Fall, faul, aber gewitzt und auf ihre typisch trottlig-geniale Art.

Wie schon der erste Teil ist das eine kurzweilige, unterhaltsame Lektüre, obwohl ich das Buch dieses Mal nicht ganz so witzig fand. Ein Highlight ist natürlich wie immer Brutus mit seinen Kernaussagen wie "Futter!", "Mann!" und "Schlecht!", aber auch von dem cleveren Kater hatte ich zwischendrin mehr erwartet. Ivy muss sich hier ganz schön strecken und kann nicht halb so viel faulenzen, wie sie es gewohnt ist, dafür bleibt ihr genügend Zeit, sich rechts und links Freunde und Feinde zu schaffen und in Fettnäpfchen zu treten. Es handelt sich hier um Wohlfühlgeschichten mit Humor, nicht sehr tiefgehend, aber das wird weder erwartet noch verlangt. Spaß soll es machen und das tut es auch.

Veröffentlicht am 16.09.2020

Entführt nach Amerika

Artemis Fowl - Der Geheimcode (Ein Artemis-Fowl-Roman 3)
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Artemis Fowl weiß, dass sich seine kriminelle Laufbahn nicht mehr lange verfolgen lassen wird, denn sein Vater wird bald heimkehren und er erzählt jetzt schon was von "ehrbar" werden. Undenkbar! Wenigstens ...

Artemis Fowl weiß, dass sich seine kriminelle Laufbahn nicht mehr lange verfolgen lassen wird, denn sein Vater wird bald heimkehren und er erzählt jetzt schon was von "ehrbar" werden. Undenkbar! Wenigstens einen großen Coup muss er noch auf die Reihe bringen und er weiß auch schon, was er tun wird: den amerikanischen Geschäftsmann Spiro erpressen. Doch Spiro ist schon länger und skrupelloser im Geschäft, als Artemis überhaupt auf der Welt ist und plötzlich ist Butler schwer verletzt, Artemis sitzt in der Klemme und das Erdland ist in größter Gefahr. Jetzt muss sich erweisen, ob sich Artemis' Superhirn auch zum Retten von Menschen- und Elfenleben eignet.

Bei dieser Reihe kann ich mich eigentlich nur wiederholen: genial gesprochen und ich hatte wieder viel Spaß mit den verschiedenen skurrilen Typen, die einem mittlerweile sehr ans Herz gewachsen sind. Was mit Butler passiert ist, war schlimm und ich hoffe natürlich, dass in einem der nächsten Bände dafür eine Lösung gefunden wird, aber auch das Auftreten von Mulch, Commander Roots hysterische Anfälle und Foleys Genialität spielten eine Rolle, diese vertrackte Situation mit Intrigen, doppelten Intrigen und dreifach gesicherten Plänen zu knacken. Artemis hatte hier zum ersten Mal einen Erwachsenen gefunden, der ihm (beinahe) das Wasser reichen konnte, und es war super zu sehen, wie sich diese beiden kriminellen Superhirne auf Augenhöhe (na ja, beinahe!) begegneten. Der Schluss war mir dann jedoch (fast) ein bisschen zu langgezogen und mich wurmt ein bisschen, dass ich den nächsten Band lesen/hören muss, um herauszufinden, wie sich Artemis aus der Gedächtnislöschung windet, aber trotzdem ist es eine mega Unterhaltung gewesen.

Veröffentlicht am 11.09.2020

Mary Sue meets Gary Stu

Celestial City - Akademie der Engel
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Seit Luzifer Stress gemacht hat und es zum Kampf der Mächte zwischen Himmel und Hölle gekommen ist, ist auf der Erde nichts mehr so wie früher. Irgendwie hat sich der Krieg auf die Erde verlagert und die ...

Seit Luzifer Stress gemacht hat und es zum Kampf der Mächte zwischen Himmel und Hölle gekommen ist, ist auf der Erde nichts mehr so wie früher. Irgendwie hat sich der Krieg auf die Erde verlagert und die Menschen von den himmlischen bzw. dämonischen Mächten berührt und erhielten verschiedene Fähigkeiten ihrer jeweiligen Gabenpaten. Mittlerweile ist Los Angeles in eine himmlische und einen dämonische Hälfte unterteilt und die beiden Parteien rekrutieren fleißig Menschen, um ihren Krieg mit ihnen zu führen. Brielle lebt im dämonischen Teil und gehört auch einem Dämonen, weil ihre Familie versucht hat, den Vater vor Krebs zu retten. Doch bei der Erweckungszeremonie stellt sich heraus, dass sie Flügel hat wie ein Celestial - so eine Art Halbengelelite. Sie muss also lernen, ihre Fähigkeiten zu beherrschen und in den Krieg zu ziehen.

Es fing eigentlich wirklich gut an. Das Mädchen, das auf der falschen Seite der Stadt wohnt und schon weiß, wie ihr trauriges Schicksal aussehen wird, durch die Mächteübertragung jedoch plötzlich zu den Guten gehört. Ab da ging es nur bergab und mit rasantem Tempo gegen die Wand, denn es tritt auf: das Love-Interest. Der megaheiß aussehende Celestial Lincoln, der alles kann, alles weiß, einen tränendrüsendrückenden Hintergrund besitzt, der ihn dazu veranlasst, sich anfangs wie ein Idiot aufzuführen, der aber sofort seine Meinung ändert, als er Brielle besser kennenlernt. Aber da ging es eigentlich nur noch wenig um den Kampf Gut gegen Böse, sondern es entwickelte sich zu einem Kampf gegen die horny Hormone von Bri, die am liebsten bei jedem Anblick des Helden ihre Höschen samt Verstand verloren hätte. Nicht genug damit geriet die Geschichte auch dadurch in den Gähnbereich, weil Bri sich zur perfekten Mary Sue entwickelte. Während andere hergelaufene Celestials vielleicht von einer oder zwei Mächten berührt worden waren, kriegt Bri das volle Programm sämtlicher Erzengel und was sonst noch so ab und zu auf der Erde herumläuft plus einer außergewöhnlichen Waffe, mit der sie auch noch Small Talk halten kann und die ihr im Kampf Anweisungen gibt, was zu tun ist.

Klingt nicht spannend? Ist es auch nicht. Der Schreibstil bewegte sich irgendwo im Bereich vorpubertärer Anfänge und Möchtegerncoolness. Eigentlich hätte die Geschichte schon Potenzial gehabt, aber das wurde zugunsten von endlosem hormonellen Kitsch direkt vom Himmel in die Hölle befördert, wo das arme Potenzial schreiend in Flammen aufging.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.09.2020

Der winselnde Hund

Elbendunkel 1: Kein Weg zurück
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Seit die Dunkel- und Lichtelben ihre Heimat verlassen und in die Menschenwelt kommen mussten, gelten sie als Personen zweiter Klasse - wenn überhaupt. Während sich die Lichtelben mit ihren menschlichen ...

Seit die Dunkel- und Lichtelben ihre Heimat verlassen und in die Menschenwelt kommen mussten, gelten sie als Personen zweiter Klasse - wenn überhaupt. Während sich die Lichtelben mit ihren menschlichen Unterdrückern arrangieren und ihnen sogar helfen, haben die Dunkelelben überhaupt keine Chance, ein normales Leben zu führen. Ihnen werden nur niedere Arbeiten übertragen, sie bekommen einen Chip implantiert und sobald ihr Stresslevel ("Aggressionslevel") einen bestimmten Punkt überschreitet, sterben sie, ausgelöst durch ein Gift, das der Chip in ihnen freigibt.

In dieser Welt wächst Luz frei und unbeschwert als Tochter des Mannes auf, der für die Elbenregulierung zuständig ist. Hinter seinem Rücken hat sie ein Date mit einem Halbelben, und als sie einen Poetry Slam besuchen, lernt sie nicht nur den Aufrührer Darel kennen, sondern auch die dreckige, verborgene Seite ihrer Stadt, ihres Vaters und ihrer Regierung kennen. Plötzlich ist sie auf der Flucht und alles, was sie zu wissen glaubte, wurde auf den Kopf gestellt.

Was für eine mega Idee! Wenn man an Elben denkt, hat man doch automatisch so einen spitzohrigen Legolastypen vor Augen, der leichtfüßig mit Pfeil und Bogen durch die Gegend schreitet und gelegentlich die (mittelalterliche) Welt rettet. So was findet man hier nicht. Das Ganze spielt in der nahen Zukunft, und alle rassistischen Dinge, die man heute tagtäglich miterlebt, richten sich hier gegen die Dunkelelben. Doch nicht nur das, hier gibt es kein Schwarz-Weiß-Malen, es geht hier eigentlich nicht Gut gegen Böse, sondern jeder verfolgt hier seine eigene Agenda. Für ein Jugendbuch geht es recht düster und rasant zur Sache und obwohl eine Dreiecksbeziehung angedeutet wird, hält die sich glücklicherweise dezent zurück. Ich kann einen der Protagonisten absolut nicht ausstehen, aber das ändert nichts daran, dass dieser in sich stimmig ist und es Spaß macht, ihn zu hassen. Man bekommt Wendungen und Intrigen vorgesetzt und ist immer wieder empört über das Verhalten so mancher, die die Lage der Unterdrückten auch noch gnadenlos ausnutzten.

Was soll ich sagen? Her mit dem zweiten Teil!

Veröffentlicht am 06.09.2020

Ein Killer in Edinburgh

Die Tinktur des Todes
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Will Raven ist ein junger Mediziner, der soeben seine Stelle als Famulus des berühmten Geburtshelfers Dr. Simpson angetreten hat. Allerdings hat er ein Problem: Nicht nur, dass er Kriminellen Geld schuldet ...

Will Raven ist ein junger Mediziner, der soeben seine Stelle als Famulus des berühmten Geburtshelfers Dr. Simpson angetreten hat. Allerdings hat er ein Problem: Nicht nur, dass er Kriminellen Geld schuldet und niemand erfahren darf, dass er aus ärmlichen Verhältnissen stammt, so hat er seine Lieblingsprostituierte tot aufgefunden. Ihr Körper zeigt, dass sie nicht leicht gestorben ist. Im Edinburgh des Jahres 1847 sterben täglich Leute an den geringsten Krankheiten, aber sein medizinisch geschulter Blick zeigte ihm, dass ihr Tod kein natürlicher ist. Als er erfährt, dass noch andere arme Frauen ähnliche Symptome zeigten, als sie starben, versucht er herauszufinden, was ihnen passiert ist. Dabei und eher unwillig hilft ihm Sarah, das Hausmädchen von Dr. Simpson und bald müssen die beiden feststellen, dass sie in großer Gefahr schweben.

Mir gefiel, wie das Edinburgh aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder auferstanden ist und seit ich "Der Horror der frühen Medizin" (sehr gutes Buch!) gelesen hatte, habe ich auch eine ungefähre Vorstellung davon, wie zur damaligen Zeit Ärzte und Chirurgen praktizierten. Von daher war es interessant, einmal einem "Ermittler" zu folgen, der eigentlich keiner ist, sondern ein angehender Arzt sowie dem Hausmädchen, das einfach mehr vom Leben erwartet, als sich mit ihrem Platz in der Welt abzufinden. Zwischendrin wurde es mir persönlich ein bisschen zu viel Millieustudie und zu wenig Krimi, aber es war nicht so ausschweifend, dass man das Buch weglegen wollte. Von daher bekommt diese Lektüre besonders für diejenigen Leser eine Empfehlung, die nicht nur am kriminalistischen, sondern auch am historischen Kontext Interesse haben.