Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
offline

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2020

Wildes Winterwetter

Hex Files - Hexen gibt es doch
1

Yvi Wilde ist eine Hexe, wie sie im Buche steht. Sie ist wunderschön, fit, begabt ... oh, Moment. Das war die falsche Hexe, ihre Nachbarin. Dummerweise ist die gerade auf Dienstreise und Yvi versorgt ihre ...

Yvi Wilde ist eine Hexe, wie sie im Buche steht. Sie ist wunderschön, fit, begabt ... oh, Moment. Das war die falsche Hexe, ihre Nachbarin. Dummerweise ist die gerade auf Dienstreise und Yvi versorgt ihre Katze, als es klingelt. Sie öffnet, zwei Typen stehen vor ihr, vom Hexenorden. Ohne ihr Zeit zu lassen, sich zu erklären, binden sie Yvi für drei Monate durch einen Bann an Raphael Winter, einen hochangesehenes, aber mürrisches Ordensmitglied. Plötzlich findet sich Yvi, deren Hobbys maximal Couch- und Kühlschranksurfing sind, in einer hochbrisanten Ermittlung in einem Orden wieder, aus dem sie vor acht Jahren herausgeworfen wurde - und sie gerät in hochgefährliche Situationen.

Mir gefiel sehr gut, dass wir es hier mal nicht mit einer Protagonistin zu tun haben, die beim Anblick ihres neuen Chefs in Ohnmacht fällt und ihr Höschen verliert, nur weil der muskelbepackt und blauäugig ist, obwohl sie seine körperlichen Attribute durchaus genießen kann. Sie ist faul, allerdings nicht maulfaul, verabscheut Sport und geht gerne Abkürzungen. Auch dient sie zum Glück nicht nur als Stichwortgeber Winters, sondern darf durchaus selbst clevere Einfälle haben, auch wenn diese gern auf humorvolle Weise verpackt werden. Wie sie mit ihrem Kater bzw. der mit ihr agiert, ist zum Brüllen. Der Fall selbst, in dem die beiden ermitteln müssen, ist nicht wirklich kompliziert, aber darum geht es wohl auch nicht. Und ich finde, den Epilog hätte man sich ersparen können, der war dann doch wieder zu sehr auf die altbekannte Klischeeschiene gezogen. Trotzdem war das hier mal ein erfrischendes New-Adult-Fantasyabenteuer, und ich werde im September die Fälle von Yvi und Winter weiterverfolgen.

Veröffentlicht am 27.06.2020

Das Monsterbuch der Monster

Menschen brauchen Monster
0

Was haben das Monster von Frankenstein, Vampire, Sirenen, Werwölfe oder Zyklopen gemeinsam? Sie wurden alle irgendwann einmal von Menschen erdacht. Aber warum? Einfach nur um des wohligen Schaudern willens? ...

Was haben das Monster von Frankenstein, Vampire, Sirenen, Werwölfe oder Zyklopen gemeinsam? Sie wurden alle irgendwann einmal von Menschen erdacht. Aber warum? Einfach nur um des wohligen Schaudern willens? Oder steckt da mehr dahinter? Zeigen sie unsere Urängste?

Hubert Filser versucht, den Monstern auf den Grund zu gehen. Dazu begibt er sich auf eine Zeitreise, die bereits in der Frühzeit der Menschheit beginnt, und zwar zu dem Zeitpunkt, als dieser anfing, seine Welt und Umwelt zu begreifen, sie verstehen zu wollen und sich künstlerisch darzustellen. Schon bei den ersten Höhlenmalereien kann man Wesen sehen, die so nicht existiert haben oder haben können und im Laufe der Zeit verändern die Monster immer wieder ihr Gesicht und bekommen ausgerechnet in den Ären, wenn ohnehin durch Krieg oder Pandemien Angst herrscht, absolute Aufmerksamkeit.

Was mir ein bisschen gefehlt hat, war das intensivere Analysieren einzelner Monster, wobei es gern auch mal um welche hätte gehen dürfen, die nicht jeder aus sämtlichen Medien kennt. Vielleicht hatte ich auch einfach andere Vorstellungen von dem Buch, doch mir kam es so vor, als würde es - nur auf die unterschiedlichen Jahrhunderte bezogen - als Fazit zu viele Wiederholungen geben. Auch finde ich das Kapitel über Serienmörder völlig überflüssig, denn Monster wurden schließlich von Menschen erdacht, was man von Serienmördern nicht sagen kann. So war das Buch zwar schon interessant, hätte aber meiner Meinung nach durchaus kürzer sein dürfen und kompakter.

Veröffentlicht am 26.06.2020

Hitzewelle

42 Grad
0

Es ist ein Rekordsommer in Europa. Seit März hat es nicht mehr geregnet und ein Tag ist sonniger und schöner als der nächste. Doch jetzt fangen die ersten Probleme an - in den Wasserwerken kommt es immer ...

Es ist ein Rekordsommer in Europa. Seit März hat es nicht mehr geregnet und ein Tag ist sonniger und schöner als der nächste. Doch jetzt fangen die ersten Probleme an - in den Wasserwerken kommt es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten, sodass fließend Wasser in den Haushalten nicht mehr gesichert werden kann. Der Schweizer Experte Noah ist ratlos, woran das liegt. Zur selben Zeit stellen eine junge schwedische IT-Expertin und ein Hydrologiestudent fest, dass das Wasser verschwindet - und auch warum. Doch niemand hört auf sie, bis es zu spät ist und plötzlich wird aus dem Supersommer in Deutschland ein Horrorsommer ohne Wasser und immer wieder aufflammenden Waldbränden, die bald nicht mehr gelöscht werden können.

Das Szenario selbst finde ich mega gut entworfen. Um Klimaschutz kümmert sich eh keine Regierung, da die damit beschäftigt ist, irgendwelchen großen Firmen da reinzukriechen, wo kein Licht hinscheint. Es ist also durchaus denkbar, dass so was in gar nicht allzu weit entfernter Zukunft passiert. Was mir den Spaß an der Sache ein wenig verdorben hat, war einerseits Harlanders Schreibweise. Sein Stil ist äußerst distanziert und gut geeignet für ein Drehbuch (und bestimmt wird das hier verfilmt), aber es kommen keine Gefühle rüber. Ab und zu fällt ihm mal ein, dass er ja Menschen hier beschreibt, dann muss denen mal einfallen, dass sie jemanden anders mögen, aber meistens agieren hier alle ziemlich hölzern und auch die Dialoge sind selten lebendig. Und dann noch was: Die bösen Russen. Echt jetzt? Und der böse Ostblock? Vermisst hier einer den guten alten, kalten Krieg und verlegt ihn daher in ein heißes Szenario? Schwach. Ehrlich. Ganz schwach. Das hat mir einen großen Teil des Buches verdorben.

Veröffentlicht am 20.06.2020

16.50 Uhr ab Paddington

Inspector Swanson und das Schwarze Museum
0

Endlich Urlaub! Inspector Swanson freut sich darauf, mit seiner Familie nach Schottland zu fahren, wo sie bei seiner Tante unterkommen und die gemeinsame Zeit genießen werden. Doch seine Träume zerplatzen, ...

Endlich Urlaub! Inspector Swanson freut sich darauf, mit seiner Familie nach Schottland zu fahren, wo sie bei seiner Tante unterkommen und die gemeinsame Zeit genießen werden. Doch seine Träume zerplatzen, als in dem Zug, den sie genommen haben, eine Leiche gefunden wird. Eigentlich könnte er den Fall den Behörden in York überlassen, wo der Zug zum Stehen gekommen war, doch eine Kleinigkeit lässt ihn stutzen. Der Tote trägt einen verschlüsselten Brief bei sich, den nur ein Freimaurer entschlüsseln kann. Muss er also dieses mal wirklich den Täter unter seinen "Brüdern" suchen? Als wäre das nicht genug, wird er von einem aufdringlichen Vertreter der Presse belästigt und schließlich landet Swanson selbst hinter Gittern ...

Marley spielt gern mit Gegebenheiten und Namen. So startet der Zug, den Swanson nimmt, um 16.50 Uhr ab Paddington, eine Zeugin des Mordes heißt Grimes, es wird ein Krimineller namens Robert Marley erwähnt, der verlogene, "bild"hafte Journalist heißt Knight (im Englischen auch die Bezeichnung im Schach für das Pferd bzw. den Springer ;), ein verwirrter Mann namens Abraham Stoker treibt sich des Nachts auf einem Friedhof herum, wo er interessante Beobachtungen anstellen kann. Und natürlich darf Conan Doyle nicht fehlen. Es wie wie üblich kurzweilig und unterhaltsam, bis auf die Tatsache, dass Swanson etwas übersah, was mir sofort ins Auge sprang und ich ihn schütteln wollte. Hallo, dein Freund Arthur hat's dir doch gesagt! Alles in allem jedoch wieder ein spannender Fall, der zu fesseln wusste.

Veröffentlicht am 19.06.2020

Das Geisterschiff am Nordstrand

Der Schein
0

Alina hat es nicht leicht. Vor zehn Jahren, kurz vor ihrem siebten Geburtstag, verschwand ihre Mutter, und jetzt geht ihr Vater als medizinischer Experte (Darm mit Charme) in die USA, während er sie in ...

Alina hat es nicht leicht. Vor zehn Jahren, kurz vor ihrem siebten Geburtstag, verschwand ihre Mutter, und jetzt geht ihr Vater als medizinischer Experte (Darm mit Charme) in die USA, während er sie in ein Internat an der Ostsee abschiebt. Auf einer hinterletzten Insel im hinterletzten Zipfel der Welt. Nicht mal vernünftig Internet gibt's da und von ihrem Freund soll Alina auch noch ein halbes Jahr getrennt sein. Kein Wunder, dass sie nicht gerade begeistert auf das alte Schlossinternat Hoge Zand und deren Bewohner reagiert. Im Moment sind eh nur die Lonelies anwesend - die Schüler, die aus irgendwelchen Gründen auch am Wochenende oder in den Ferien anwesend sind. Und jetzt gehört Alina zu ihnen, ob sie will oder nicht. Tatsächlich will sie nach einer Weile sehr gern, denn abgesehen davon, dass sie eine coole Truppe sind, will sie mit ihnen das Geheimnis des Geisterschiffs, der mordswilden Kühe im Naturreservat und der seltsamen Wildcamperin Tinka lösen. Auf dem Weg dahin könnte es passieren, dass einige Schubladen in ihrem Denken auseinanderfallen ...

Das war wieder ein grandioses Jugendabenteuer. Um ehrlich zu sein ging mir Alina die erste Zeit ganz schön auf die Nerven. Die Großstadtpflanze fand alles zum Meckern, was mich Waidler manchmal ganz schön auf die Großstadtpalme (oder so) brachte. Aber die Geschichte entwickelt mit ihren Geheimnissen, den mega ausgearbeiteten Nebencharakteren und dem üblichen Internatsleben mitsamt "Drogenküche" einen Sog, der mich nicht mehr losließ. Man konnte während des Lesens herrlich spekulieren, wie was mit wem und warum zusammenhing und obwohl ich ziemlich viel selbst herausgeknobelt hatte, hielt das Ende noch genügend Überraschungen für mich bereit. Um ein bisschen auf hohem Niveau zu meckern: Alinas Rumgeheule in Bezug auf ihren Freund fand ich teilweise anstrengend. Aber aus jeder dieser Phasen retteten mich zum Glück die Mitglieder der Lonelies und Cara, das pinke Supergirl. Tolle Unterhaltung, 4,5/5 Punkten.