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Veröffentlicht am 10.06.2020

Explosiv

Schwarzer August
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In einem Olivenhain explodiert eine Bank (die mit schnödem Mammon, nicht die zum Hinsetzen). Es gibt keine Verletzten oder Toten, die Explosion passierte an einem Sonntag. Wenig später erwischt es die ...

In einem Olivenhain explodiert eine Bank (die mit schnödem Mammon, nicht die zum Hinsetzen). Es gibt keine Verletzten oder Toten, die Explosion passierte an einem Sonntag. Wenig später erwischt es die Trawler einer japanischen Firma. Wiederum gibt es keine Toten und Verletzten. Die Truppe um Graciana inklusive Lost erkennt schnell, dass da jemand ein Statement setzt - ein Idealist, der Forderungen hat, aber auch ein Gewissen. Doch als auf seine Forderungen nicht eingegangen wird, nimmt er auch Verletzungen in Kauf und ab da wird es hochgefährlich, zumal der Täter alle Schritte im Voraus zu berechnen weiß.

Lost in Fuseta ist eine meiner Lieblingskrimireihen. Es gibt immer interessante Fälle, dazu der kleine exotische Teil der Algarve und nicht zuletzt Lost selbst, der als Asperger oft genug der exotischen Landschaft den Rang abläuft. Aber in diesem Buch fehlte etwas. Ihm fehlte das Abgerundete, das alle Vorgänger auszeichnete, die Zusammenarbeit all der erwähnten Dinge. Hier schien es manchmal, als würden die Fragmente nur zusammengefügt und um ehrlich zu sein, war es mir auch zu viel Beziehungskasperei. Die freundschaftlichen und familiären Beziehungen untereinander sind das, was diese Bücher besonders machen, aber wenn jetzt hier jeder eine eigene und dazu relativ präsente Liebesgeschichte bekommt, wird's öde und driftet in 08/15-Krimi ab. Ein bisschen zu perfekt ist mir auch Soraia, die Freundin von Lost, die mit untrüglicher Sicherheit jeden Aspekt seines Aspergerdaseins versteht und geradezu rührend findet. Bei so viel Weichspülharmonie wird mir ganz anders. Okay, das klingt insgesamt nach viel Unzufriedenheit, aber trotzdem hebt sich dieses Buch noch immer aus der Menge ab. Es hat ein wichtiges politisches Thema, das mit dem Täter sympathisieren lässt, und Lost ist eben einfach Lost. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 07.06.2020

Immun gegen Magie

Das Flüstern der Magie
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Die neunzehnjährige Fallon lebt in Edinburgh, wo sie der Tradition ihrer Familie gemäß ein Archiv führt, in dem magische Artefakte aufbewahrt werden. Ab und zu muss sie sich auf den Weg machen und diese ...

Die neunzehnjährige Fallon lebt in Edinburgh, wo sie der Tradition ihrer Familie gemäß ein Archiv führt, in dem magische Artefakte aufbewahrt werden. Ab und zu muss sie sich auf den Weg machen und diese Gegenstände stehlen, denn sie dürfen nicht in die Hände von Muggeln fallen, weil sie dort Unheil anrichten können. Doch dann trifft sie eines Abends auf Reed - ein netter, junger Mann, mit dem sie die Nacht verbringt, und der ihr etwas Magisches stiehlt. Auf der Jagd nach diesem Artefakt wird ausgerechnet Reed ihr Verbündeter; obwohl er selbst keine Magie hören kann (das Flüstern), scheint er immun gegen ihre Auswirkungen zu sein.

Ich gebe zu, ich habe nicht viel erwartet, dazu wird mir die Autorin zu sehr von Leuten gehyped, die komische Sachen lesen. Dafür wurde ich recht angenehm überrascht. Es gab zwei Dinge, die ich bemängelt habe - zuerst einmal: Nein, Fallon, es ist NICHT deine Schuld, wenn sich ein erwachsener Mann in dein Taxi drängelt, sich dann in ein brennendes Haus stürzt und möglicherweise verletzt wird. Und zweitens: So, wie ihr den Mann der alten Archivarin behandelt habt - dafür gibt es absolut keine Rechtfertigung, das ist das Treten eines am Boden liegenden Mannes (im übertragenen Sinne, was es nicht viel besser macht). Ansonsten war ich ernsthaft erstaunt: Die beiden Protagonisten agierten auf Augenhöhe, der Mann behandelte die Frau nicht wie den letzten Dreck (vermutlich kommt das Buch deshalb bei den Fans auch nicht so gut an wie die meisten anderen Bücher der Autorin). Und es wurden zwar ein paar Sachen von Harry Potter ausgeborgt mit minimalen Veränderungen (Spiegel, Umhang/Mantel, Eingeweihte bzw. das Verbergen der Magie), aber wenigstens nicht konstant benutzt. Macht aus dem Ganzen eine leichte, lockere Lektüre. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 06.06.2020

Volkskrankheit Arthrose

Essen gegen Arthrose
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Johann Lafer ist ein recht bekannter Fernsehkoch aus Österreich, der, so sagt er selbst, jahrelang durch Raubbau am Körper an Arthrose, der Volkskrankheit Nummer 1 gelitten hat. Irgendwann traf er auf ...

Johann Lafer ist ein recht bekannter Fernsehkoch aus Österreich, der, so sagt er selbst, jahrelang durch Raubbau am Körper an Arthrose, der Volkskrankheit Nummer 1 gelitten hat. Irgendwann traf er auf den Schmerzspezialisten Roland Bracht, der schon seit längerem der entgegen landläufiger Arztdiagnosen der Meinung ist, Arthrose und chronische Knieschmerzen seien heilbar.

Als er anfing, mit Lafer zu arbeiten, gaben ihm die Ergebnisse wohl scheinbar recht, denn Lafer meint, er könne sich jetzt schmerzfrei bewegen, sogar wieder Sport treiben und habe ein ganz neues Lebensgefühl. Das käme nicht nur durch die Übungen mit Bracht - von denen einige auch in diesem Buch vorgestellt werden - sondern auch durch den Gebrauch bestimmter Lebensmittel, die entzündungshemmend und arthroseverhindernd wirken sollen.

Ich würde empfehlen, die Übungen nicht nach dem Buch hier zu gestalten, sondern wenigstens die YT-Videos anzusehen. Gerade Leute mit kaputten Knien können sonst viel falsch machen, wenn sie nicht Schritt für Schritt die Übungen durchführen. (Ob sie auch Langzeitwirkung haben, muss sich zeigen.)

Die Rezepte selbst sind durchaus lecker, wenn auch nicht durchweg alltagstauglich (und alles mit rote Beete habe ich eh ignoriert). Dasselbe gilt für Sachen wie Birkenzucker und Ähnliches. Mal davon abgesehen, dass es nicht überall erhältlich ist, sind mir diese Zuckerarten zu teuer - dann lasse ich Zucker lieber gleich weg.

Alles in allem ist das durchaus ein Buch, dem man sich mit Zeit widmen sollte und das meiner Meinung nach nicht schadet. Ob es hilft, ist auf jeden Fall individuell abhängig.

Veröffentlicht am 05.06.2020

Mondmagie

Shadow Tales - Das Licht der fünf Monde
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Lelani und ihr bester Freund Haze leben in einem Dorf ohne Namen mitten im Nirgendwo. An ihrem achtzehnten Geburtstag stellt Lelani fest, dass mit dem Medaillon, das sie trägt, etwas nicht stimmt, und ...

Lelani und ihr bester Freund Haze leben in einem Dorf ohne Namen mitten im Nirgendwo. An ihrem achtzehnten Geburtstag stellt Lelani fest, dass mit dem Medaillon, das sie trägt, etwas nicht stimmt, und plötzlich passiert etwas mit ihr - etwas, das mit der Magie der Monde zu tun hat. Die Magie des Medaillons zieht Lelani unbarmherzig hinaus in die Welt, und sie glaubt, dass sie dort irgendwo ihre Mutter finden wird. Ihr bester Freund lässt sie nicht im Stich, sondern beschließt, sie zu begleiten. Und dann ist da auch noch Kyran, der geheimnisvolle fremde Adlige, der sie einmal vor einem Blutwolf gerettet hat, und der sich ihnen ebenfalls anschließt.

Natürlich ist Lelani eine Waise, die nichts von ihrer Herkunft weiß oder ahnt. Für den Leser ist leider - selbst wenn er nicht die ganzen Märchen oder Geschichten mit ähnlichen Protagonisten kennen würde - alles klar, dank des Prologs. Und natürlich gibt es nicht nur ein Loveinterest, sondern gleich zwei gut aussehende Kerle, die um Lelanis Aufmerksamkeit buhlen. So zieht sich die erste Hälfte des Buches furchtbar in die Länge, denn auch wenn der Schreibstil recht poetisch ist, passiert einfach nicht viel. Ab der zweiten Hälfte wird es wieder etwas besser, auch wenn ich bei dem Auftauchen von Snow & Co nicht wusste, ob ich lachen oder weinen sollte. Ihre Zeiten hat die Autorin auch nicht recht im Griff - auf dem Hinweg brauchen sie von dem Wirtshaus im Spessart ... ich meine, im Wald ... knapp zwei Tage, auf dem Rückweg fliehen sie zwar vor jemandem, aber es geht über Stock und Stein und ein Pferd trägt doppelte Last; trotzdem sind sie gefühlt nach einer halben Stunde wieder dort. Und warum schleppen sie eigentlich den Typen mit, der sie umbringen wollte? Welchen Sinn ergibt das? Auf einer Flucht? Gar keinen. Er verlangsamt alles nur, weil wie gesagt, doppelte Last auf einem Pferd und so. Ich empfinde es auch als sehr unlogisch, dass man dieselben Leute, die einen kurz vorher noch umbringen wollte, plötzlich als best buddies ansieht. Jedenfalls hat mich das Buch nicht wirklich überzeugen können, den zweiten Teil erspare ich mir. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 04.06.2020

It is always the same

It was always you
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Ivy ist neunzehn und war seit vier Jahren nicht mehr in ihrem Zuhause. Wobei Zuhause relativ ist, sie hat dort mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und zwei Stiefbrüdern gelebt. Ihre Mutter ist gestorben ...

Ivy ist neunzehn und war seit vier Jahren nicht mehr in ihrem Zuhause. Wobei Zuhause relativ ist, sie hat dort mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und zwei Stiefbrüdern gelebt. Ihre Mutter ist gestorben und ihr Stiefvater beordert sie zurück auf seine Privatinsel. Er ist ungefähr reich wie Krösus, aber Ivy lässt sich lediglich das Studium von ihm bezahlen und geht ansonsten arbeiten. Noch auf dem Flug trifft sie ihren älteren Stiefbruder Asher wieder. Sofort wird sich gestritten und nicht gemocht, bis sie auf der Insel ankommen und dort ein wenig später mitkriegen, dass sie sich doch ganz lieb haben.

Ich würde euch gern mehr zu der Handlung des 400+Seiten-Buchs mitteilen, aber es gibt einfach keine. Jedenfalls keine, die für normal intelligente Menschen nachvollziehbar wäre. Solche kommen aber in dem Buch nicht vor. Der Aschenbecher ist ein Kerl von Mitte Zwanzig, der sich wie ein Spätpubertierender aufführt - dazu gehören unter anderen: im Flugzeug eine Frau auf dem Klo knallen, seelenruhig zusehen, wie seiner "Stiefschwester" das Portemonnaie samt Papieren geklaut wird, sich nach Medikamenteneinnahme die Kante zu geben, megawichtige Medikamente zu vergessen, wenn er auf einen Wochenendtrip fährt, in den Papieren seines Vaters herumzuwühlen, seinen jüngeren Bruder mit der Faust zu schlagen, weil der sich über ihn lustig macht, seiner "Stiefschwester" permanent dumm zu kommen ...

Die Efeuranke ist bis Seite 3 oder so ein ganz normales Mädchen, das vielleicht sogar sympathisch wäre, aber ab da begegnet sie ihrem "Stiefbruder" wieder und von diesem Moment an verliert sie ihren Verstand und sinkt auf den IQ amerikanischer Präsidenten. Es ist egal, wie er sie behandelt, denn er hat bernsteinfarbene Augen und Muskeln und eine Narbe am Mund und ... ansonsten eigentlich nichts. Jedenfalls keine Eigenschaften, die ihn in irgendeiner Form sympathisch machen könnten. Das Mädchen lässt sich auch gern die Schuld geben für Dinge, die sie nicht getan hat bzw. an denen sie gänzlich unschuldig ist. Jedenfalls ist sie die Hälfte des Buches - gefühlt - am Entschuldigen.

Und die Moral von der Geschicht': Ist einer hübsch, dann darf er alles mit dir machen und dich wie Dreck behandeln, denn eigentlich ist das nur ein Ausdruck seiner unterdrückten Liebe. Du darfst ihn also lieben, aber nur, wenn du jeglichen Mist, den einer gebaut hat, auf deine Kappe nimmst und dich dafür entschuldigst. Sei immer ein Opfer, steck immer ein, steck immer zurück, denn dafür kriegst du ja einen gut aussehenden, reichen Kerl.