Nicht perfekt, aber lesenswert
Das erkaufte GlückLea Nielsen wechselt vom LKA Hannover nach Ostfriesland auf das Polizeikommissariat Wittmund. Kaum angekommen, bekommt das Kommissariat es mit einem Vermisstenfall zu tun. Die 19jährige Maya van Berg ist ...
Lea Nielsen wechselt vom LKA Hannover nach Ostfriesland auf das Polizeikommissariat Wittmund. Kaum angekommen, bekommt das Kommissariat es mit einem Vermisstenfall zu tun. Die 19jährige Maya van Berg ist spurlos verschwunden. Lange ist unklar, was mit der jungen Frau passiert ist.
Dies ist der Auftakt zu Anna Johannsens neuen Krimireihe rund um die junge Hauptkommissarin Lea Nielsen.
Ich muss ehrlich sagen, der Einstieg ist mir nicht leichtgefallen. Lea war mir am Anfang überhaupt nicht sympathisch. Sie wirkt unterkühlt, distanziert und wird von ihren neuen Kollegen auch nicht gerade herzlich aufgenommen. Hinzu kommt, dass sie jedes Gespräch und jede Handlung ihrer Mitmenschen sofort kritisch hinterfragt und das nahezu ohne Pause. Das empfand ich beim Lesen teilweise anstrengend, fast nervig, weil sie dabei selbst keinerlei Selbstreflexion zeigt, sondern nur auf die Schwächen anderer schaut.
Gleichzeitig gibt es aber auch eine private Seite von Lea, die sie nahbarer macht. Sie kümmert sich um ihren Vater, der an beginnender Demenz leidet. Das Verhältnis zwischen beiden ist nüchtern und gefühlskalt, was aufgrund ihrer gemeinsamen Vorgeschichte durchaus nachvollziehbar ist. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass hier noch Entwicklung möglich ist und ich hoffe, dass sich ihre Beziehung in den Folgebänden noch vertieft. Sie sind auf einem guten Weg.
Der Kriminalfall um die verschwundene Maya van Berg war durchaus interessant und wurde solide erzählt, erreicht für mich aber nicht die erhoffte Spannung. Einige Wendungen konnte ich früh erahnen, und an manchen Stellen bedient die Autorin klassische Krimiklischees. Trotzdem habe ich den Fall gerne verfolgt, auch weil er gut mit den persönlichen Themen von Lea verwoben war.
Was mir wiederum sehr gefallen hat, ist der flüssige und leicht lesbare Schreibstil. Selbst wenn ich mich durch das erste Drittel eher durchgekämpft habe, wurde die Geschichte für mich nach und nach angenehmer zu lesen. Ab der Mitte war ich richtig im Buch angekommen und konnte Lea, wenn auch langsam, besser verstehen.
Fazit: Unterm Strich ist "Das erkaufte Glück" für mich kein perfekter Reihenauftakt, aber einer, der mich neugierig genug macht, um dranzubleiben. Ich möchte unbedingt sehen, wie sich Lea Nielsen weiterentwickelt, sowohl in ihrem Job als auch im Verhältnis zu ihrem Vater und zu Jan. Der zweite Fall "Der tiefe Grund" wird im Februar 2026 erscheinen.