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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.08.2020

Mehr Bericht als Krimi

Gerecht ist nur der Tod
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Das Buch:
Ich habe das Buch im Zuge eines Thriller-Events bei Lovelybooks gewonnen, wofür ich mich herzlich bedanke. Dieses ist das letzte der drei Bücher, das ich gelesen habe, worüber ich im Nachhinein ...

Das Buch:
Ich habe das Buch im Zuge eines Thriller-Events bei Lovelybooks gewonnen, wofür ich mich herzlich bedanke. Dieses ist das letzte der drei Bücher, das ich gelesen habe, worüber ich im Nachhinein betrachtet sehr froh bin. Zunächst kann ich sagen, dass dieses Buch bei weitem kein Thriller ist und auch der aufgedruckten Kategorie Kriminalroman wird das Buch nicht gerecht.

Worum geht’s?
In aller Öffentlichkeit wird ein Kölner Unternehmer erschossen, während er sich auf dem Weg zu seiner Trauung befindet. Die Psychologin Ina Reich soll das Ermittlerteam um Hauptkomissar Schellenberg begleiten und beobachten. Bis auf den Hauptkomissar scheint jedoch niemand Ina Reich willkommen zu heißen. Somit sind Konflikte innerhalb der eigenen Reihen vorprogrammiert.

Charaktere:
Ina Reich ist Psychologin, die mithilfe eines möglichst positiven Berichts das angekratzte Image der Kölner Polizei aufpolieren soll. Sie selbst ist jedoch ein Mensch mit vielen eigenen – vor allem alten, nicht aufgearbeiteten – Problemen und darüber hinaus tablettensüchtig. Die Autorin hat ihr wenig Ausstrahlung mitgegeben, weshalb ich sie nicht wirklich sympathisch finde. Eher erscheint sie mir gefangen in ihrer eigenen Welt.

Hauptkomissar Schellenberg – auch nicht frei von privaten Problemen – ist da schon sympathischer. Streckenweise hatte ich jedoch das Gefühl, dass er mehr ein Lehrer für seine Kollegin Bulut, die zudem scheinbar auch noch in ihn verliebt ist, denn ihr Vorgesetzter ist. Und entweder wollte er den Umstand ihrer Verliebtheit nicht sehen oder er war tatsächlich eher blind – Buluts Eifersucht war allerdings unübersehbar.

Bulut ist mir in ihrer ständigen Ablehnung gegen alles und ihrem permanenten Misstrauen gehörig auf die Nerven gegangen. Klar ein Rebell passt schon ganz gut in einen Krimi, aber irgendwie war Bulut mir zu wenig subtil in ihren Verhaltensweisen. Eher ruppig und vordergründig – ein Mensch, dem ich im wahren Leben auch nicht unbedingt begegnen möchte.

Schreibstil:
Zitat S. 67 „Ich bin nur Zuschauerin in dieser Ermittlung.“ Genau diesen Eindruck hatte ich beim Lesen leider auch. In der Ich-Form erzählt hatte ich über lange Strecken das Gefühl einen Bericht zu lesen. Dialoge sind eher Mangelware, weshalb mir die Geschichte ziemlich zäh erscheint. Die Idee des Buches fand ich anfänglich gut – jemand Außenstehendes taucht in die Polizeiarbeit ein. Die Autorin konnte mich mit dieser Art zu schreiben leider nicht mitreißen, denn ich mag Geschichten, in die ich eintauchen kann, bei denen ich das Gefühl habe, mitten drin zu sein. Hier fühlte ich mich stets außen vor geblieben.

Darüber hinaus hatte ich immer öfter das Gefühl, dass die eigentliche Ermittlung und die Auswirkung der Geschehnisse auf die Ermittler in den Hintergrund rückten. Viel intensiver wurde das zwischenmenschliche Miteinander im Team um Schellenberg beleuchtet. Daher hatte die Geschichte in ihrem Fortgang für mich auch immer weniger den Charakter eines Krimis.

Ich hatte ich mich auch oder gerade wegen der Anmerkung, dass hinter Judith Bergmann eine Bestseller-Autorin stecke, auf einen guten, spannenden Krimi gefreut. Diese Erwartung wurde leider nicht erfüllt.

Fazit:
Es passiert mir wirklich selten, dass ich zu einem Buch so wenig zu sagen weiß. Empfehlen kann ich es nicht. 2 Sterne

Veröffentlicht am 10.08.2020

Hm… was soviel heißt wie „Das dritte Abenteuer“

Snöfrid aus dem Wiesental (3)
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Das Buch:
In diesem dritten Band um den eigentlich eigenbrötlerischen Snöfrid nimmt der Autor seine kleine und große Leserschaft mit auf die Reise in eine wirklich fantastische Welt rund um die Natur und ...

Das Buch:
In diesem dritten Band um den eigentlich eigenbrötlerischen Snöfrid nimmt der Autor seine kleine und große Leserschaft mit auf die Reise in eine wirklich fantastische Welt rund um die Natur und das Zusammenspiel darin. Es ist nicht unbedingt notwendig die Vorgänger zu kennen, denn wann immer Schmachtl sich darauf bezieht, erklärt er in kurzen Rückblicken die Zusammenhänge.

Worum geht’s?
Genau genommen mag ein Snöfrid Ruhe, Haferbrei und so überhaupt keinerlei Aufregung. Aber wenn ein Snöfrid, so wie dieser hier, erst mal heraus gefunden hat, dass Abenteuer doch überaus großartig sein können, dann passiert es schon mal, dass sich die Abenteuerlust breit macht und er sich wünscht, ein eben solches zu finden. Dass er sich auf dem direkten Weg in ein Abenteuer befindet, als die wütenden Bauern Snöfrid aus dem Wiesental vertreiben wollen, ahnt er nur, aber schneller als er hören kann (sehen kann er nämlich nicht wirklich gut), ist er mitten drin und soll den Fluch über den Lautlosen Wäldern lösen. Eine wirklich, wirklich fantastische Reise beginnt, auf der er allerhand seltsame Wesen trifft – einige nett, andere weniger…

Charaktere:
In dieser Geschichte gibt es herrlich skurrile Geschöpfe, die unterschiedlich sympathisch sind. Snöfrid ist natürlich ganz eindeutig DER Sympathieträger, immerhin ist er der Held der Geschichte. Seine Freunde wachsen dem Leser ebenso schnell ans Herz – und der erfahrene Snöfridleser wird den einen oder anderen Charakter bereits kennen. Laut lachen musste ich über das Einhörnchen, welches sich furchtbar darüber aufregt, wenn es Pony genannt wird. Ebenso findet Björn, der wunderkleine Kauz, es nicht witzig, wenn Snöfrid ihn Björni nennt. Hierin findet der (vermeintlich erwachsene) Leser Reaktionen von Kindern wieder, die ihn definitiv zum Schmunzeln bringen.

Zur nicht so netten Fraktion gehören die Thula – aber auch nur ein Teil von ihnen. Sie sind der Auslöser für so vieles, was in der Welt von Snöfrid passiert. Doch obwohl sie ja quasi die Bösen sind, stellt der Autor sie nicht unveränderbar böse dar. Ja, er gibt ihnen wirklich unschöne Eigenschaften wie z.B. Gier, aber jedweder Schaden, den sie anrichten, kann am Ende wieder korrigiert werden. Dennoch wird man als Leser nachdenklich, wenn man eben dies auf die ganz reale Welt überträgt.

Eben weil alle Charaktere so unwirklich sind, findet sich der Leser in einer reinen Fantasiewelt wieder, aber dennoch sind die Parallelen zur Realität sehr offensichtlich. Das macht das Buch für mich zu einem wirklich guten Kinderbuch. Keine der Figuren erhebt den Finger um eine andere zu maßregeln, vielmehr ziehen z.B. die Snöfride einfach ihre Konsequenzen.

Ganz besonders angetan hat es mir die Beschreibung des Riesenbaumes. Hier ist der Fantasie des Lesers wirklich keine Grenze gesetzt, worum genau es sich vielleicht handelt – je nachdem wie global die Denkweise des Einzelnen ist. Wirklich toll gemacht!

Schreibstil:
Ich liebe ihn! Bereits in den beiden Vorgängern hat es mich fasziniert, mit welch einer Selbstverständlichkeit Schmachtl die Geschichte schreibt, als säße er dem Leser – oder vielmehr einer ganzen Schar von Zuhörern – gegenüber. Er spricht seine Leser direkt an und Vermutungen aus. „Vielleicht habt ihr ja schon einmal davon gehört…“ Damit erreicht der Autor eine wunderbare Lebendigkeit. Liest man zu zweit, kann man hier vielleicht zu einem Austausch ansetzen. Es ist eine Freude sich die Geschichte erzählen zu lassen.

Außerdem ist die bunte Vielfalt an Adjektiven und Adverbien einfach eine Wucht. Allein der Titel macht Lust darauf, wenigstens mal in das Buch hineinzulesen. Der Autor umschreibt mit diesen vielen Adjektiven und Adverbien so gekonnt, dass man sich vieles richtig gut vorstellen kann. So ist Snöfrids Freund nicht einfach ein kleiner Kauz, sondern eben ein wunderkleiner Kauz, der, wenn er sich aufregt, fuppt (sich aufplustert). Mit seiner Wortwahl erreicht der Autor bei weitem nicht nur die Kinder, sondern auch die vorlesenden Erwachsenen.

Der Autor baut Spannung auf, indem er etwas ankündigt. Er unterbricht wenn es am spannendsten ist und wünscht eine Gute Nacht. Einfach herrlich! Ich würde sagen, dieser Autor weiß, wie er Kinder in der Geschichte hält. Ein wichtiger Punkt ist der, dass er die Geschichte so erzählt, als würden er und der Leser den Snöfrid tatsächlich begleiten. So wird aus einem Zuschauer ein Beteiligter… Ich mag das sehr!

Illustrationen:
Die Bilder im Buch sind, wie in den Vorgängerteilen auch, liebevoll und niedlich gezeichnet. Sie passen zur Geschichte und man mag sie betrachten und kann sich dann die fantastischen Wesen besser vorstellen, von denen erzählt wird.
Sie dominieren allerdings nicht, eher dienen sie als Unterstützung der Geschichte und sind teilweise recht klein. Wie in jedem Buch zieht sich oberhalb jeder Seite der Streifen „Wiesental“ durch. Damit haben die Bücher einen sehr, sehr hohen Wiedererkennungswert.

Tauglichkeit für Kinder:
Die Geschichte selbst ist aus meiner Sicht bereits für Kinder im Vorschulalter bestens geeignet, spätestens aber ab der 1. Klasse. Für Selbstleser – wenn sie nicht gerade so richtige Leseratten sind – vielleicht ab dem 2. oder 3. Lesejahr, da die Geschichte mit etwas über 200 Seiten und nicht so großflächigen Illustrationen doch recht lang ist. Auf jeden Fall bietet sie die Grundlage für spannende Diskussionen, denn selbst, wenn der Autor in einer Fantasiewelt schreibt, ist vieles 1:1 in die Realität übertragbar. Und vorgelesen gefällt mir die Geschichte beinahe noch besser, als wenn ich sie still für mich lese. Denn laut gelesen hat sie noch eher diesen Touch von direkter Erzählung.

Das Buch ist robust und hat festere Seiten. So übersteht es auch das häufige Anfassen von Kinderhänden unbeschadet. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Denn gerade, wenn man es vielleicht in kürzeren Abschnitten vorliest, könnten gerade der Rücken und die Ecken der Seiten vielleicht leiden. Somit ist m.M. nach auch der Preis gerechtfertigt.

Fazit:
Auch nach dem dritten Abenteuer bin ich noch begeistert vom Snöfrid und werde vermutlich noch das ein oder andere mehr lesen. Besonders gefällt mir die überhaupt nicht vordergründige Erklärung des Zusammenspiels in der Natur und was passiert, wenn nur eine Winzigkeit verändert wird. Mit diesem Buch gibt es viel Spaß für Selbst- und Vorleser und von mir 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2020

Gelungener Auftakt einer Familiensaga rund um die Welt

Die sieben Schwestern
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Das Buch:
Es handelt sich bei diesem Buch um den ersten Teil einer 7teiligen Reihe von Büchern. Jedes der Bücher kann, laut der Autorin, ohne Kenntnis der anderen gelesen werden. In jedem Teil wird das ...

Das Buch:
Es handelt sich bei diesem Buch um den ersten Teil einer 7teiligen Reihe von Büchern. Jedes der Bücher kann, laut der Autorin, ohne Kenntnis der anderen gelesen werden. In jedem Teil wird das Leben einer der Schwestern beleuchtet. Innerhalb der einzelnen Romane streut die Autorin, ebenfalls nach eigener Aussage, Hinweise, die im letzten Teil zu einer großen Aufklärung bzw. Zusammenführung werden sollen. Mir gefällt diese Idee sehr, weil sie neugierig auf die anderen Geschichten macht und man vielleicht etwas aufmerksamer liest – in der Hoffnung, die angedeuteten Hinweise zu entdecken. In diesem Roman begleitet der Leser Maia d’Apliese nach Brasilien.
Die Geschichte wird auf 2 Zeitebenen erzählt – Maias Geschichte in 2007, Izabelas Geschichte – Maias Vorfahrin – in den späten 1920er Jahren.

Worum geht’s?
Maia ist eine von 7 Adoptivschwestern, die gemeinsam mit Pa Salt – ihrem Adoptivvater – und seiner Haushälterin Marina – die alle nur Ma nennen – auf Atlantis aufwachsen. Alle Schwestern haben ein behütetes Leben, können sich ganz nach ihren Vorlieben entfalten und später ihrer eigenen Wege gehen. Maia ist die Einzige, die auch als Erwachsene noch auf Atlantis lebt. Eines Tages stirbt Pa Salt, was für alle ein schwerer Schock ist. Aber jeder der Schwestern hinterlässt er einen Hinweis auf ihre Herkunft.
Maia, die von Berufs wegen Bücher ins Französische übersetzt, macht sich auf den Weg nach Brasilien auf die Spuren ihrer Vorfahren und trifft dort das erste Mal den Autor der Bücher, die sie übersetzt. Floriano entpuppt sich nicht nur als guter Fremdenführer, sondern ist auch in der Historie seines Landes bewandert. Er hilft Maia nur allzu gern, ihre Geschichte zu finden…

Die Charaktere:
Maia und Floriano sind die Hauptakteure in der Gegenwart. Maia ist anfangs eine sehr zurückhaltende Frau, die die Sympathie des Lesers definitiv auf sich zieht. Floriano hingegen ist eher der offene, vielleicht etwas quirlige Typ. Er ist charmant und hilfsbereit. Von Anfang an bietet er sich als Fremdenführer an, der Maia auch dabei hilft, in ihre eigene Vergangenheit einzutauchen und sie immer wieder ermutigt, weiter zu suchen. Darüber hinaus zeigt er ihr ein Leben, das völlig anders ist, als das, welches sie von zu Hause kennt. Im Laufe der Zeit taut Maia langsam auf und öffnet sich für Floriano. Am Ende vertraut sie ihm sogar ihr Geheimnis an, von dem nicht einmal ihr Vater wusste.

In der Vergangenheit wird die Geschichte von Izabela und Laurent und die der Entstehung des Christo erzählt. Izabela soll nach dem Willen ihres Vaters einen Erben des brasilianischen Adels – Gustavo – heiraten, den sie jedoch nicht liebt. Dennoch beugt sie sich dem Wunsch. Gustavo – voll der Liebe für Izabela – gesteht ihr eine Reise nach Paris zu, auf der sie Laurent kennen lernt. Und damit ist ihr persönliches Fiasko vorprogrammiert. Vor diesem Hintergrund erklärt die Autorin herrlich leicht und verständlich die Zusammenhänge in der gehobenen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts und der Leser muss einfach mit Izabela lachen und weinen. Die Liebesgeschichte zwischen Laurent und Izabela ist zart, aber keineswegs kitschig. Das hat mir sehr gut gefallen. Izabela ist eine verantwortungsbewusste junge Frau, die sich ihrer Pflichten stets bewusst ist und dafür auch ihr eigenes Glück opfert.

Weniger sympathisch ist dagegen Gustavo. Seiner Familie blieb außer dem Namen und ihrer schier endlosen Überheblichkeit nicht viel. Die Verbindung mit Izabela – Tochter portugisischer Einwanderer – gutheißen seine Eltern lediglich deshalb, weil ihr Vater erfolgreich im Kaffeegeschäft tätig ist und sie damit genügend Geld in die Ehe bringt. Gustavo kann sich nur schwer gegen seine Mutter durchsetzen, obwohl er merkt, dass diese Izabela das Leben zur Hölle macht. Dazu kommt ein schweres Alkoholproblem, mit dem er sich vor seinem eigenen Versagen flüchtet. Die Beziehung zwischen ihm und Izabela hat bei mir offen gestanden hin und wieder einen gewissen Ekel hervorgerufen, weil ich mir Gustavo als einen kleinen widerwärtigen Mann vorstellte.

Die Verknüpfung zwischen der Vergangenheit und Gegenwart stellen Seniora Beatrix und ihre Hausdame Yara da. Sie sind im Grunde der aufklärende Mittelpart. Stück für Stück lässt die Autorin sie die Familiengeschichte erzählen und stellt auch hier wieder wunderbar verständlich die gesellschaftlichen Verbindungen dar. Mit der letztlichen Auflösung lässt sie sich sehr lange Zeit, was die Geschichte bis zum Schluss spannend hält, obwohl der Leser schon recht früh eine Ahnung hat. Und auch, dass sich die Geschichte eigentlich wiederholt, aber durch Maias Entschluss zu einem anderen Ende als damals bei Izabela kam, gefiel mir gut – selbst wenn es etwas vorhersehbar war.

Schreibstil:
Lucinda Riley schreibt in der Gegenwart in der Ich-Form, in der Vergangenheit in der 3. Person. Damit erreicht sie, dass sich der Leser auf die Perspektive der Protagonistin stellt und mit ihr die Geschichte von Izabela erkundet. Stück für Stück – gerade so, als wäre man selbst auf den Fährten der Vergangenheit unterwegs – setzt sich das Puzzle um die Christos Statue und Izabelas persönliche Geschichte zusammen. Der Leser taucht ein in die Dramen, die bedingt durch die damalige Gesellschaft auf der zwischenmenschlichen Ebene entstanden, ohne dass es kitschig wirken würde. Und durch die Erzählung über Brasiliens Wahrzeichen rutscht das Buch nicht in einen ausschließlichen Liebesroman ab. Eher ist es so, dass die Geschichte zwischen Izabela und Laurent ein Bestandteil dieser Geschichte ist, das Buch aber nicht dominiert.

Rileys Schreibstil ist locker und flüssig und lässt sich gut lesen. Obwohl das vorliegende Buch knapp 600 Seiten umfasst, wird es nicht langweilig oder zäh. Immer wieder wartet die Autorin mit neuen, spannenden Situationen und Wendungen auf. Besonders gefallen hat mir der Wechsel zwischen den Zeitebenen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto deutlicher wird, inwieweit diese miteinander verwoben sind und man hat das Gefühl sich tatsächlich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben zu haben.

Etwas Schwierigkeiten hatte ich mit den Namen der Schwestern, da diese doch recht ungewöhnlich sind. Aber die Erklärung der Autorin, nach der sie die Schwestern in der Mythologie fand, ist schlüssig. Darüber hinaus lehnt sie ihre Geschichte an eben diese Mythologie an, schreibt sie am Ende des Buches. Ob der geneigte Mythologie-Kenner dies entdeckt oder nicht, muss ich anderen überlassen. Ich kenne mich hier nicht aus und habe mich demnach auf die Geschichte als solche eingelassen.

Historischer Hintergrund:
Wie gut die Autorin recherchiert hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Für mich aber klingt die Geschichte schlüssig, wie die Statue des Christo auf den Corcovado kam. Darüber hinaus schreibt die Autorin einige Fragen / Antworten im Anhang, die Leser ihrer Bücher immer wieder stellen und erzählt hier u.a. auch über ihre Recherchen. Dies ist durchaus aufschlussreich und bringt zusätzliche Aha-Effekte.

Fazit:
Für Leser, die Geschichten mögen, in denen sich die Vergangenheit mit der Gegenwart vermischt, die Lust haben, über das Wahrzeichen eines Landes zu lesen und das Ganze mit einer zarten Liebesgeschichte garniert haben möchten, ist dies das perfekte Buch. Mir hat es Freude gemacht, deshalb 4 Sterne.

Veröffentlicht am 07.08.2020

Für jene, die Blut und Brutalität in einem Thriller der Psychologie vorziehen

Du wirst sein nächstes Opfer sein
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Das Buch:
Es handelt sich hierbei um den 2. Teil um den so genannten Closer – Jack Slater. Ich habe diesen Teil ohne Kenntnis des ersten Teils gelesen und bin gut damit zurecht gekommen. Natürlich kann ...

Das Buch:
Es handelt sich hierbei um den 2. Teil um den so genannten Closer – Jack Slater. Ich habe diesen Teil ohne Kenntnis des ersten Teils gelesen und bin gut damit zurecht gekommen. Natürlich kann es durchaus von Interesse sein zu wissen, was genau Jack im ersten Teil wiederfahren ist um seine Verhaltensweisen besser zu verstehen. Notwendig zum Verständnis des vorliegenden Buches ist es aber nicht.
Das Buch ist in 3 Teile unterteilt und ich empfand es wie die Annäherung, das Zusammenspiel und das Finale, welches zwischen den Gegnern ausgefochten wird.

Worum geht’s?
Jack ist Serienkiller – aber einer von den Guten. Sein Grundsatz bei dem, was er tut, ist es, den Opfern anderer Serienkiller Antworten zu liefern. Um an die dafür notwendigen Informationen zu gelangen, ist ihm jedes Mittel recht – solange es zum Erfolg führt. Um die Serienkiller zu finden, hat er eine Internetplattform übernommen, die sich „Das Rudel“ nennt und eine Sammelstelle für eben diese Serienkiller ist. Sein Ziel ist es, einen nach dem anderen zu eliminieren. Und dann kommt Remote auf den Plan – ebenfalls Serienkiller, ebenfalls der Überzeugung, dass er der Welt einen Gefallen tut – und bietet Jack eine Partnerschaft an. Der Beginn einer Zusammenarbeit zwischen zwei Serienkillern läuft allerdings etwas anders als man es gewohnt ist…

Die Charaktere:
Hauptakteure sind Jack – der Closer – und Remote, beide Meister ihres Faches. Während Jack auch mithilfe von Folter nach Antworten sucht um diese den Opfern liefern zu können, macht sich Remote andere Menschen zu Nutze. Diese setzt er auf seine eigentlichen Opfer an. Beide Männer haben also völlig unterschiedliche Vorgehensweisen und sind sich dennoch gar nicht so unähnlich. Allerdings ist Remote derjenige, der sich die Hände so gar nicht schmutzig machen will, während Jack seine Opfer – die allesamt selbst Killer sind – selbst foltert. Remote wirkt auf mich so, als hätte er sich selbst zum Gott erhoben, der auf seinem gepolsterten Turm sitzt. Darüber hinaus hatte ich von ihm das Bild eines Milchgesichts vor Augen, während Jack für mich ein gestandener Mann mit Narben von der Arbeit ist.

Beide Charaktere haben nicht unbedingt meine Sympathie erreicht. Überhaupt kann ich sagen, dass für keine der Figuren mein Herz wirklich geschlagen hätte. Das mag unter Umständen daran liegen, dass sich keine von ihnen wirklich sympathisch verhalten hätte. Beide Charaktere erscheinen klug, psychologisch bewandert, aber dennoch sind sie einfach brutal und wenig subtil.

Selbst Nikki – Jacks Partnerin – konnte mein Herz nicht erreichen, obwohl sie als Frau in diesem Bund ja doch eine eher ungewöhnliche Besetzung ist. Ich glaube, auch hier liegt es daran, dass sie im Grunde nur brutal ist. Tanner – Remotes Soldat – ist ein Widerling durch und durch. Ihn mochte ich am wenigsten und als er am Ende dann auch noch wimmernd tut, was Jack will, hat er auch noch seine Würde verloren.

Schreibstil:
Im ersten Teil des Buches war ich vom Tempo der Geschichte überrascht. Es geht Schlag auf Schlag. Der Wechsel zwischen den Perspektiven – einmal aus Jacks Sicht, dann aus Remotes Sicht – die gewollten Verwirrungen durch Dinge, die nicht ausgesprochen werden und erst später zur Auflösung kommen, sind beeindruckend. Und so hielt mich der Autor zunächst in der Geschichte gefangen.

Die Perspektivwechsel behält Cortez bis zum Ende seiner Geschichte bei, sodass das Tempo rasant bleibt. Allerdings zieht sich für meinen Geschmack der zweite Teil ziemlich in die Länge. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass zwei wirklich kluge Männer aufeinander stoßen und es um Leben und Tod geht. Dennoch hatte ich hin und wieder das Gefühl, dass man diesen Teil durchaus hätte abkürzen können.

Der letzte Teil ist dann recht wirr. Mir war die Verhaltensweise der Figuren nicht immer klar. Zwar kommt es am Ende zu einer Auflösung, warum es ausschließlich zu diesem Ausgang kommen musste, aber dieses Mitfiebern, was einem Thriller einen gewissen Reiz gibt, ergab sich für mich nicht wirklich. Das ist schade, denn so war ich lediglich Beobachter und fühlte mich nie wirklich mitten in der Geschichte.

Ansonsten lässt sich die Geschichte aber leicht lesen. Durch die vielen Dialoge bleibt sie bis zum Ende lebendig. Ein bisschen schade ist es, dass man sich zwar ziemlich genau vorstellen kann, wie Remotes Haus von innen aussieht, von der wundervollen kanadischen Landschaft erfährt man jedoch eher weniger. Das Hauptaugenmerk des Autors scheint in der Tat auf dem sehr körperlichen, recht blutigen und brutalen Kampf der beiden Serienkiller zu liegen. Der psychologische Aspekt, der dem Ganzen eigentlich zu Grunde liegt, kommt m.M. nach aber zu kurz – mir fehlte das Subtile.

Fazit:
Der Auftakt ins Buch verspricht vieles… das das Buch dann jedoch nicht halten kann. Mir fehlte es an wenigstens einem sympathischen Charakter und psychologischer Feinarbeit. Wer jedoch Blut und Brutalität in einem Thriller mag, wird hier nicht enttäuscht. Von mir gibt es allerdings nur 3 Sterne, weil ich die feinen Züge lieber mag.

Veröffentlicht am 04.08.2020

Ein bisschen wie Aschenputtel

Überredung. Die Liebe der Anne Elliot
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Das Buch:
Dies ist mein erstes Buch von Jane Austen, an das ich mich heran getraut habe. Auslöser dafür war eine Bemerkung im Film „Das Haus am See“, nämlich: Es ist ein Buch über das Warten. Und so ist ...

Das Buch:
Dies ist mein erstes Buch von Jane Austen, an das ich mich heran getraut habe. Auslöser dafür war eine Bemerkung im Film „Das Haus am See“, nämlich: Es ist ein Buch über das Warten. Und so ist es auch!
Es ist das letzte Buch, das die Autorin verfasst hat. Geschrieben wurde es vor 200 Jahren, angestaubt ist es deshalb aber längst nicht. Es ist anders, nicht zu vergleichen mit den Liebesromanen der heutigen Zeit, aber dennoch mochte ich das Buch bis zum Ende lesen.

Worum geht’s?
Vor 8 Jahren verlobte sich Anne Elliot mit Captain Frederick Wentworth, beugte sich dann aber der Meinung ihrer Freundin Lady Russel und löste diese Verlobung wieder. Grund hierfür war, dass Captain Wentworth nicht standesgemäß sei. Darunter litt Anne sehr. Als die beiden sich wieder begegnen ist das Verhältnis zueinander zunächst sehr kühl, geprägt von Unsicherheiten und manchmal beinahe ablehnend. Im Laufe der Geschichte nähern sie sich wieder an und offenbaren einander ihre Gefühle.

Die Charaktere:
Anne Elliot ist eine von drei Töchtern Sir Walter Elliots. Sie ist eine sehr bescheidene, gebildete Frau, die sich keineswegs etwas auf ihre Herkunft einbildet, dafür aber sehr genau beobachtet und ihre eigenen Schlüsse zieht. Ganz im Gegensatz zu Sir Walter und ihren Schwestern Mary und Elisabeth. Alle 3 sind eitel und bilden sich viel zu viel auf ihren Stand ein. Im Gegensatz zu Anne sind sie einfach nur oberflächlich. Anfänglich habe ich Sir Walter in seiner Eitelkeit noch belächelt, am Ende der Geschichte war er mir eher unsympathisch. Seiner Meinung nach ist lediglich das Aussehen wichtig. Das Wichtigste im Leben der Familie Elliot sind die richtigen Verbindungen. Diese stehen weit über der Zwischenmenschlichkeit.

Mary fühlt sich stets und ständig benachteiligt, schielt nur danach, was andere haben und meint, dass niemand sich genügend um sie kümmert. Sie ist ein furchtbar weinerlicher Typ und hat eine überaus herablassende Art an sich, wenn sie mit Anne interagiert. Herrlich fand ich es zu lesen, wenn Mary mal wieder ihre Meinung geändert hatte und Dinge plötzlich ins Gegenteil kehrte und Nachteiliges zu ihrem Vorteil auslegte. Ich gehe davon aus, dass dies ein Spiegel dieser Gesellschaft ist.

Auch Elisabeth und Sir Walter behandeln Anne überaus respektlos, weshalb sich mir der Vergleich zu Aschenputtel aufdrängte. Während sich der Rest der Familie um eigene Belange kümmert, wird von Anne erwartet, dass sie sich nach bestimmten Regeln zu verhalten habe. So wird von ihr erwartet, wenn es Mary schlecht geht (natürlich nur, weil diese sich wieder einmal benachteiligt fühlt), dass Anne ihr zur Seite steht und sich um deren Haushalt kümmert. Interessanter Weise bekommt man jedoch nicht den Eindruck, dass Anne sich wirklich benachteiligt fühlt. Sie ist überaus geschickt und diplomatisch in ihrer Ausdrucksweise und es ist eine Freude zu lesen, wie sie mit diesen Situationen umgeht. Anne muss man einfach mögen. Sie ist eine sehr umgängliche und liebenswerte Person, die viel darauf hält, dass die Menschen ehrlich sind. Diese Empathie hat ihr auch Mr. Elliot – ihren Cousin – als eher suspekt erscheinen lassen, obwohl alle anderen sehr angetan von ihm sind. Lange Zeit hat sie das Gefühl, dass er etwas verheimlicht und ein bestimmtes Ziel verfolgt, bis sie die Bestätigung aus einer Richtung erhält, die weder sie noch ich erwartet hätten.

Generell gibt es recht viele Figuren und es ist gar nicht so leicht, immer genau zu wissen um wen es sich gerade handelt. Manchmal musste ich noch einmal ein oder zwei Seiten zurück blättern und nachlesen um genau zu wissen, wer gerade gemeint ist. Die wichtigsten Figuren kann man jedoch gut im Blick behalten.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist, obwohl die Geschichte schon so alt ist, herrlich leicht zu lesen. Natürlich muss sich der Leser auf eine etwas andere Wortwahl einlassen, natürlich werden Dinge und Situationen völlig anders beschrieben, als es heute üblich ist, aber dennoch kann man das Buch ohne Schwierigkeiten gut lesen.

Sehr auffällig im Gegensatz zu heutiger Literatur ist die Erzählweise. Jane Austen beschreibt viel, erzählt über die Figuren. Es gibt vergleichsweise wenige Dialoge, die zumeist eher der Aneinanderreihung von Monologen gleichen. Dialoge machen in moderner Literatur u.a. das Tempo aus und so erscheint die Geschichte in ihrer Erzählweise sehr langsam. Das gefällt mir gut, eben weil es so herrlich anders ist, als das, was man eigentlich gewohnt ist. Austen gewährt dem Leser viel mehr einen Blick in die Gedankenwelt ihrer Charaktere – vieles wurde zu dieser Zeit, in dieser Gesellschaftsschicht eben nicht gesagt sondern nur gedacht.

Wirklich toll ist die feine Ironie, der Sarkasmus mit dem die Autorin die damalige – ihre – Zeit beleuchtet. Erst im Laufe der Zeit bemerkt man, worin diese besteht, nämlich durch die Wiederholung bestimmter Eigenschaften der einzelnen Charaktere. Auf diese Art und Weise zeichnet die Autorin ganz bestimmte Bilder über deren Lebensweise. Mir hat es sehr gefallen, ganz gemächlich in die Gesellschaft der Elliots und Musgroves einzutauchen. Wenn die Autorin einmal Eindringlichkeit erreichen möchte, dann tut sie dies mit Aufzählungen – langen Aufzählungen!

Schwer gefallen ist es mir, den Überblick über die einzelnen Figuren zu behalten. Auslöser hierfür ist die Gleichheit der Namen und der Umstand, dass Figuren oftmals nicht bei ihren Vornamen benannt werden. So kann es passieren, dass sich Elisabeth und Anne in der gleichen Szene bewegen und beide als Miss Elliot betitelt werden. Auch gibt es mehrere Männer mit dem Vornamen Charles. Es bedarf einer gewissen Konzentration des Lesers heraus zu finden – abhängig von der beschriebenen Situation – wer genau gerade gemeint ist.

Ebenso muss sich der Leser bisweilen konzentrieren, wenn komplexe Gedanken der gebildeten Menschen dargelegt werden, weil diese öfter in sehr langen Passagen – nur getrennt durch Kommata – erzählt werden. Hin und wieder musste ich solche Passagen mehrmals lesen. Dies jedoch bringt dem Lesevergnügen keinen Abbruch, man muss sich aber darauf einlassen, denke ich.

Fazit:
Eine alte Geschichte, die dennoch auch heute noch zu lesen wert ist. Dieses Buch ist nicht zum Konsumieren geeignet – sondern zum Genießen. Die Geschichte gibt einen tollen Blick auf die gehobene Gesellschaft dieser Zeit und man liest sie mit allerhand unterschiedlichen Gefühlen. Ich werde das Buch sicherlich noch einmal lesen und mich auch noch an weitere Werke dieser Schriftstellerin heran wagen.
Wirklich lesenswert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere