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Veröffentlicht am 13.04.2025

Düstere Wahrheit in verlassenen Wagen

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Mit "Die Nacht" legt Marc Raabe den spannungsgeladenen 3. Teil um das Ermittlerduo Art Mayer und Nele Tschaikowski vor – diesmal ein Fall, der Art persönlich sehr am Herzen liegt. Seit knapp zwei Jahren ...

Mit "Die Nacht" legt Marc Raabe den spannungsgeladenen 3. Teil um das Ermittlerduo Art Mayer und Nele Tschaikowski vor – diesmal ein Fall, der Art persönlich sehr am Herzen liegt. Seit knapp zwei Jahren quält ihn das spurlose Verschwinden von Dana, der Mutter der kleinen Milla, die mit ihrer dementen Großmutter zusammenlebt. Dieser dritte Band verspricht endlich Antworten auf die quälendste aller Fragen: Wo ist Dana?

Ein mysteriöser Hinweis lenkt Arts unerbittliche Suche in eine verlassene Wohnwagensiedlung, einen Ort des Stillstands und der vergessenen Geschichten. Doch anstelle eines Hinweises auf Dana entdecken Art und seine Kollegin Nele die Leiche eines anerkannten Richters. Diese unerwartete Wendung wirft zunächst mehr Fragen auf als sie beantwortet und zieht die Ermittler in ein Netz aus alten Geheimnissen und möglicherweise gefährlichen Verstrickungen.

Die Geschichte präsentiert sich anfangs bewusst verworren, und es erfordert die Aufmerksamkeit des Lesers, die ersten losen Fäden aufzunehmen. Nach und nach gelingt es Raabe gekonnt, immer mehr Spuren freizulegen, die wie Puzzleteile langsam ein düsteres Bild ergeben. Die Ermittlungen führen Art und Nele durch verborgene Winkel und konfrontieren sie mit Menschen, deren Vergangenheit dunkle Schatten wirft.

Die Auflösung des Falls hält noch einmal eine unerwartete Wendung bereit, mit der selbst der erfahrene Ermittler Art Mayer zunächst überfordert ist. Diese überraschende Wendung steigert die Spannung bis zum Schluss und sorgt dafür, dass der Leser bis zur letzten Seite gefesselt bleibt.

Ein besonderes Merkmal dieses Romans ist die Verknüpfung zweier Zeitebenen. Einerseits begleiten wir Art Mayer und Nele Tschaikowski in der Gegenwart bei ihren Ermittlungen im Fall von Danas Verschwinden. Andererseits erhält der Leser Einblicke in Danas eigene Geschichte, erzählt aus ihrer Perspektive. Diese zweite Zeitebene ermöglicht es dem Leser, sich seine ganz eigenen Gedanken über die möglichen Hintergründe zu machen. Diese Gegenüberstellung der Ermittlungsebene und Danas persönlicher Sichtweise erzeugt zusätzliche Spannung und lässt den Leser mitfiebern, ob und wie die beiden Stränge zusammenlaufen werden.

Die Entwicklung der Charaktere erahnt man bereits in der Leseprobe. Art Mayer, den Leser der vorherigen Bände als ruppigen, mürrischen und scheinbar abgeklärten BKA-Ermittler kennengelernt haben, zeigt hier eine neue, tiefere Seite. Die persönliche Betroffenheit in Bezug auf Millas Schicksal ist spürbar. Es ist ihm keineswegs egal, was mit dem kleinen Mädchen geschieht, und er ist getrieben von dem Wunsch, sie vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, das ihn selbst prägt. Dieser emotionale Punkt führt sogar dazu, dass Art bisweilen Grenzen überschreitet, die sein Vorgesetzter ihm eigentlich nicht zugestehen würde. Diese Zerrissenheit zwischen seiner professionellen Rolle und seinem persönlichen Engagement verleiht der Figur nicht nur zusätzliche Tiefe, sondern auch viel Sympathie. Art wirkt einfach authentisch und man kann nur Verständnis für sein Handeln haben.

Auch Nele Tschaikowski durchläuft in diesem Band eine interessante Entwicklung. Zwischenzeitlich Mutter geworden, ringt sie mit der Balance zwischen ihrem anspruchsvollen Beruf als Polizistin und den Herausforderungen des Hausfrauendaseins. Ihre privaten Differenzen mit Roman versucht sie geschickt zu umgehen, doch es zeichnet sich ab, dass sie über kurz oder lang einen neuen Kompromiss finden muss, um beiden Lebensbereichen gerecht zu werden. Rein beruflich ist Nele nach wie vor das perfekte Pendant zu Art und längst nicht mehr die Neue. Die beiden ergänzen sich in ihren Fähigkeiten und Denkweisen wunderbar, und es ist spürbar, dass auch Nele eine tiefe Verantwortung für Millas Wohl empfindet. Dieses gemeinsame Verantwortungsgefühl für das Kind stärkt ihre ohnehin schon enge Zusammenarbeit zusätzlich.

Neben der spannungsgeladenen Handlung und der interessanten Charakterentwicklung überzeugt "Die Nacht" auch durch den klaren und direkten Schreibstil von Marc Raabe. Es gibt keine unnötigen Längen oder verschachtelten Satzkonstruktionen, die den Lesefluss behindern könnten. Stattdessen ermöglicht es die präzise Sprache, sich ganz auf die Entwicklung der Geschichte und die Ermittlungen von Art und Nele zu konzentrieren. So schreitet die Geschichte zügig voran und die Spannung wird konstant gehalten. Dieser unkomplizierte Stil macht das Buch zu einem wundervollen Leseerlebnis.

Fazit:
Insgesamt ist "Die Nacht" ein fesselnder und am Ende stimmiger Thriller, der den Leser mitnimmt auf eine nervenaufreibende Suche nach der Wahrheit. Für Fans der Reihe ist dieser Band ein Muss, da er endlich die lang ersehnten Antworten liefert, aber auch neue Leser, die sich von einer zunächst undurchsichtigen Story nicht abschrecken lassen, finden hier einen spannenden Thriller mit Tiefgang. Rückblenden auf die Vorgängerromane sind eher selten, aber dennoch kann man diesen Roman aus meiner Sicht auch ohne Kenntnis der Vorgänger lesen.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Spannend bis zur letzten Seite

Der zweite Verdächtige
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Da dieses Buch mein erstes des Autorenduos ist, hatte ich keine Vorstellung, was mich erwartet. Dass ich so gut in die Geschichte hinein gekommen bin, freut mich daher sehr.

In einem Berliner Schwulenclub ...

Da dieses Buch mein erstes des Autorenduos ist, hatte ich keine Vorstellung, was mich erwartet. Dass ich so gut in die Geschichte hinein gekommen bin, freut mich daher sehr.

In einem Berliner Schwulenclub wird eine Leiche mit heruntergelassener Hose gefunden. Es gibt zunächst überhaupt keinen Anhaltspunkt, woran der Tote gestorben sein könnte, und dennoch steht für Kommissar Berger von Anfang an fest, dass nur Jan Staiger dahinterstecken könnte. Nachdem eine zweite Leiche gefunden wird, verhärten sich die Indizien und trotzdem scheint irgendwie etwas nicht stimmig zu sein.

Kommissar Berger war mir auf Anhieb unsympathisch. So ganz genau hätte ich zunächst nicht sagen können, woran das gelegen hat, aber im Laufe der Zeit wurde es mir klar. Er ist ein Charakter, für den nur sein Ziel gilt - unabhängig davon, ob es vielleicht noch andere Möglichkeiten gibt oder nicht. Und sein Ziel ist es, Jan Staiger in den Knast zu bringen. Sein Motiv? Rein persönlicher Natur. Und genau das ist der Grund, warum ich ihn nicht mochte; er war überhaupt nicht objektiv. Aber der Charakter ist gut ausgearbeitet, sodass man nach und nach vielleicht sogar so etwas wie Verständnis für sein Motiv aufbringen kann.

Rocco ist ein Anwalt mit Haut und Haaren. Er ist wirklich auf der Suche nach der Wahrheit und er bohrt solange, bis er sie gefunden hat. Das macht ihn zu einem sympathischen Charakter. Obwohl ich noch keines der Vorgängerbücher gelesen habe, hatte ich eine gute Vorstellung von seiner Person, von seinem Privatleben und von seiner Beziehung zu Tobi, seinem besten Freund. Beide gemeinsam verstehen es in brillanter Form, ihre Kontakte anzuzapfen, um an die nötigen Informationen heranzukommen. Besonders gefällt mir dabei Roccos Hartnäckigkeit.

Auch Justus Jarmer, der im Grunde nur eine untergeordnete Rolle spielt, erscheint mir als ein Charakter, der für alle Seiten offen ist. Eigentlich sollte er als Rechtsmediziner auf Seiten der Justiz stehen, aber wenn Rocco die richtigen Fragen stellt, ist er auch ihm gegenüber durchaus zur Informationsweitergabe bereit. Überdies verbindet die beiden der ganz persönliche Respekt voreinander, was mir wirklich gut gefällt.

Es handelt sich bei allen 3 Figuren - Rocco, Jarmer und Tobi - nicht um überzeichnete Charaktere, sondern um 3 Männer, die überaus glaubwürdig herüberkommen. Sie haben ihre Zweifel, ihre Probleme und ein Privatleben!

Der Fall selbst mag nicht überdurchschnittlich spektakulär sein, macht aber Spaß und durch eine falsche Fährte, die sich bis zum Schluss durch das ganze Buch zieht, hat er einen hohen Spannungsbogen. Überdies wird durch die Figur klar, wie einfach es heutzutage ist, die Öffentlichkeit zu beeinflussen und deren Reaktionen zu erzeugen. Ein Punkt, der zum Nachdenken anregt.

Der Schreibstil der Autoren gefällt mir sehr gut. Man weiß stets, in welchem zeitlichen Rahmen und an welchen Orten man sich gerade befindet, da jedes Kapitel konsequent mit Datum, Uhrzeit und Ort überschrieben ist. Das macht die Orientierung leicht. Das Buch lässt sich wunderbar leicht lesen und man fällt von der ersten Seite an direkt in die Geschichte hinein. Es braucht keine lange Aufwärmphase, sondern es geht direkt los.

Da sich die Verhaltensweisen vor Gericht etwas anders darstellen, als man es aus amerikanischen Krimiserien oder -filmen gewohnt ist, habe ich mal nachgefragt, ob es in deutschen Gerichten tatsächlich so abläuft, wie es hier beschrieben wird. Und ja, es wurde mir so bestätigt. Ein Aspekt, den ich sehr schätze und das Buch für mich noch authentischer macht, als es durch die Schreibweise ohnehin schon ist. Man hat tatsächlich nie einen wirklichen Zweifel daran, ob die handelnden Figuren auch im wahren Leben so handeln könnten. Ich konnte es gut so annehmen.

Fazit:
Ein guter Fall, mit einer richtig fiesen falschen Spur. Die Charaktere sind glaubwürdig und selbst der unsympathische Berger ist perfekt geschrieben. Der Roman ist in sich abgeschlossen und kann ohne die Kenntnis der Vorgänger gut gelesen werden. Die Handlungsweisen sind nachvollziehbar und authentisch. Von mir gibt es deshalb ein klares 5/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Gute Geschichte, interessante Welt, spannende Charaktere

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
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Wie wäre es, wenn es unter unserer Welt eine Welt gäbe, die nur aus Büchern besteht? Und wie wäre es, wenn man hier jedes Buch, das man sich vorstellen kann, finden könnte? Das ist die Welt von Minna - ...

Wie wäre es, wenn es unter unserer Welt eine Welt gäbe, die nur aus Büchern besteht? Und wie wäre es, wenn man hier jedes Buch, das man sich vorstellen kann, finden könnte? Das ist die Welt von Minna - das Bücherlabyrinth. Minna ist 16 Jahre alt und beginnt bei Raban Krull - einem stets schlecht gelaunten Bibliothekar - eine Ausbildung zur Büchersucherin. Mit ihr in der Ausbildung sind Gulliver, Rabans Sohn und Jascha, der zunächst völlig undurchsichtig erscheint.

Alle 3 Lehrlinge sind auf ihre Art und Weise einzigartig und sympathisch. Während Gulliver ein ausgemachter Tollpatsch ist, ist Jascha auf den ersten Blick ein Geheimniskrämer und erscheint völlig unnahbar. Minna mit ihrem flammendroten Haar wirkt ein bisschen wie die leuchtende Mitte, die mit ihrem Enthusiasmus beide anzustecken versteht. Überdies ist Minna etwas aufsässig und tut sich ausgesprochen schwer damit, Anweisungen zu befolgen. Mit dieser Eigenschaft bringt sie sich immer wieder in mehr oder weniger gefährliche Situationen, aus denen ihr ihre Freunde heraushelfen, aber sie findet auch unglaublich viel über das Bücherlabyrinth heraus. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, herauszufinden, was mit ihrer Mutter wirklich passiert ist. Bei ihrer Suche nach dem Geheimnis des Labyrinths, der Spiegelgänge und der Legendären Bücher muss sie feststellen, dass nicht immer alles so ist, wie es am Anfang erscheint und Menschen nicht immer böse sind, nur weil sie nicht jedem ihre Geschichte erzählen und nicht jeder Mensch ein guter Mensch ist, nur weil er lieb und hilfsbereit wirkt.

Ich mag Minna und Gulliver, allerdings machen beide auf mich eher den Eindruck, als wären sie 13 und nicht schon 16 Jahre alt. Bei Jascha und später auch Parzival habe ich da ein anderes Gefühl. Sie wirken in ihren Handlungsweisen auf mich deutlich älter als Minna und Gulliver. An Minna gefällt mir besonders, dass sie klug und mutig ist, dass sie Dinge kombiniert und es versteht, Fragen zu stellen - bei den richtigen Leuten. Diese Eigenschaften mögen nicht immer auf Gegenliebe stoßen, aber dennoch schafft es Minna, an die nötigen Informationen heranzukommen.

Jeder der 3 Lehrlinge hat seine eigene Geschichte, die innerhalb des Buches nach und nach erzählt wird. So bleibt es spannend und man fragt sich öfter einmal, wie es denn nun weitergeht. Interessant hierbei finde ich, wie die Autorin dabei Themen anspricht, die Jugendliche beschäftigen können, ohne sie einfach plump auszusprechen. Da wäre der unnahbare Jascha, der von vielen zunächst eher als Mädchen wahrgenommen wird. Die Begrifflichkeit androgyn in diesem Zusammenhang ist sicher passend, empfinde ich für die Leserschaft ab 11 aber etwas zu früh. Allerdings beschreibt die Autorin sehr gut, was gemeint ist. Auch Jaschas Geheimnis und seine Probleme damit haben mir gezeigt, dass es möglich ist, mit diesem Thema innerhalb einer Geschichte respektvoll umzugehen und der Leserschaft zu vermitteln, dass genaueres Hinsehen durchaus Verstehen erzeugt.

Ebenso unausgesprochen, aber deutlich zu fühlen liegt die Anziehung zwischen Parzival und Jascha in der Luft. Parzival fühlt sich zu Jascha hingezogen, umgekehrt kann es so sein, muss aber nicht. So kann sich der Leser, ob der Geschlechter der beiden, seine eigenen Gedanken machen.
Nachdem ich in der Realität eben diese Themen manchmal als etwas dick aufgetragen und vordergründig wahrnehme, empfinde ich die Art, diese Themen zu bearbeiten in diesem Buch als sehr angenehm. Die Autorin versteht es, dem Leser das Thema zu vermitteln, ohne ihn damit zu überrollen oder gar mit dem erhobenen Zeigefinger zu schreiben und vor allem ohne dabei die eigentliche Geschichte aus dem Blick zu verlieren. Das gefällt mir ausgesprochen gut.

Parzival ist überhaupt eine Figur, die mir gut gefällt. Eigentlich ist er eher eine Randfigur, aber dennoch schön ausgearbeitet, sodass der Geschichte ohne sie etwas fehlen würde. Er bringt an Stellen Schwung und Humor in die Geschichte, an denen die Lage bisweilen fast aussichtslos erscheint.

Allen 3 Lehrlingen und Parzival ist es gleich, dass sie intelligente Köpfe sind. Auch wenn Gulliver etwas tollpatschig wirkt, ist sein Kopf helle und seine Ideen - und vor allem sein Wissen über das Labyrinth - für die Gemeinschaft überaus wertvoll. Überdies ist er ein sensibler Charakter. Während Parzival etwas draufgängerisch wirkt, Jascha diesbezüglich eher unnahbar, lässt Gulliver seine Gefühle zu. Das macht ihn mir so sympathisch und veranlasst Minna, ihn hier und da in den Arm zu nehmen. Man hat dann auch wirklich das Gefühl, dass er in diesen Momenten, die Nähe zu einem anderen Menschen dringend benötigt.

Die Figur des Raban Krull ist aus meiner Sicht eine der undurchsichtigsten - bis auf die letzten Seiten. Bereits in der Leseprobe hatte ich mir Gedanken dazu gemacht. Raban Krull ist die Figur, der man über die gesamte Länge des Buches wirklich alles zutrauen kann. Wie Parzival ist er eigentlich nur eine Randfigur, aber dennoch beeinflusst er den Leser irgendwie. Er ist geheimnisvoll, lässt wirklich so gar nichts von sich sehen, seine Gespräche mit seiner Schwester geben dem Leser nur noch mehr Rätsel auf. Und bis zum Schluss stellt sich der Leser die Frage, ist er nun der Gute oder der Böse. Allein deshalb mag ich diese Figur richtig gern.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir gut. Es wird nie langweilig. Allerdings ist die Geschichte am Anfang etwas langatmig. Erst zur Mitte des Buches kommt Tempo in die Geschichte. Das mag vielleicht daran liegen, dass anfänglich erst einmal eine Menge erzählt werden möchte, damit sich der Leser in der Welt der Bücher zurechtfinden kann. Dennoch lässt sich das Buch sehr gut lesen. Einziger Kritikpunkt hier mag sein, dass bestimmte Wörter immer wieder auftauchen. So peitschen Minnas Haare auffällig oft durch die Gegend.

Richtig gut gefällt mir die Beschreibung des Bücherlabyrinths. Dieses sah ich vor meinem inneren Auge und konnte es mir gut vorstellen. Das finde ich bei Fantasy Geschichten immer sehr wichtig.

Ein weiteres dickes Plus gibt es für die Auszüge aus den unterschiedlichen Werken am Ende jeden Kapitels. Dabei zitiert die Autorin einerseits fiktive Bücher aus ihrer Bücherwelt, die überdies einen Einblick in eben diese Welt und ihre Geschichte geben, andererseits aber auch Werke wie Faust oder die Bibel. Diese Mischung gibt dem ganzen einen Touch von “es könnte ja vielleicht doch so sein” und macht dem Leser klar, dass die Autorin hier nicht oberflächlich über eine Welt erzählt, sondern diese wirklich gut kennt.

Was die Zielgruppe angeht, so glaube ich, dass 11 Jahre zu früh ist. Ich würde das Buch eher für die Zielgruppe ab 13 oder auch später ansiedeln. Die Protagonisten sind weitgehend durch die Pubertät hindurch oder mittendrin, während der 11jährige Leser noch nicht einmal unbedingt drin ist. Der Hintergrund sind u.a. die behandelten Themen. Auf jeden Fall ist das Buch auch ein Genuss für Jugendliche und Erwachsene.

Fazit:
Mir hat das Buch gefallen. Die Autorin lässt eine Welt voller Bücher aufleben, die beeindruckend ist. Da ich mich selbst gern einmal in einer solchen Welt wiederfinden würde - vielleicht mit weniger gefährlichen Bewohnern - konnte ich mich gut in die Geschichte hineinfallen lassen. Die Mischung aus Geschichte und Themen für Jugendliche gelingt der Autorin gut. Ihr Schreibstil ist flüssig und gut lesbar und es ist eine Freude, mit Minna und ihren Freunden die Geheimnisse des Labyrinths und seiner Bewohner zu lüften.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Abenteuerliche Reise in den Dschungel

Paddington in Peru – Das Buch zum Film
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Nachdem Paddington nun endlich britischer Staatsbürger ist, will er mit Familie Brown seine Tante Lucy besuchen. Als die Browns und Paddington in Peru eintreffen, ist Tante Lucy allerdings verschwunden ...

Nachdem Paddington nun endlich britischer Staatsbürger ist, will er mit Familie Brown seine Tante Lucy besuchen. Als die Browns und Paddington in Peru eintreffen, ist Tante Lucy allerdings verschwunden und niemand - auch die Nonnen im Heim für pensionierte Bären nicht - wissen, wohin sie gegangen sein könnte. Nach kurzer Aufregung findet Paddington in Tante Lucys Zimmer einige Indizien und fasst schnell einen Plan, wie sie sie finden könnten.

Auf ihrer Reise durch den Dschungel bis in die hohen Berge Perus erleben die Browns und Paddington verschiedene Abenteuer, treffen nette und nicht so nette Menschen, aber immer findet gerade Paddington eine Möglichkeit aus den aufregenden Situationen heraus, selbst wenn er auf sich allein gestellt ist.

Mir hat der Schreibstil des Buches gut gefallen. Er ist leicht und flüssig zu lesen und ich denke, Kinder, vielleicht Leseanfänger werden gut damit klar kommen. Insbesondere die humoristische Szene am Anfang, als Paddington versucht, in einem Fotoautomaten Bilder für seinen Pass zu machen, hat mich herzhaft lachen lassen. Ebenfalls gut gefallen hat mir der Prolog, in dem Paddington einen Brief an Tante Lucy schreibt und dem Leser so auf eine einfache Weise vermittelt, wie die Dinge in der Familie Brown gerade stehen.

Sehr schön fand ich den Umstand, dass Paddington eben nicht nur auf nette Menschen trifft, weil das dicht an der Realität ist, und wie er sich mit seinem typischen Charme und seiner Unbedarftheit gegen sie behauptet. Etwas flott war deren Wandlung am Ende des Buches, ebenso wie die Auflösung der Geschichte, aber das ist aus meiner Sicht nur ein kleiner Kritikpunkt, der die Geschichte nicht weniger charmant sein lässt. Der Zusammenhalt in der Familie Brown ist etwas, das mir sehr gut gefällt. Zwar hat jeder seine ganz eigenen Prioritäten, aber letztlich ist es die Familie als Ganzes, die zum Ziel kommt.

Da ich weder die Vorgängerbücher noch die Filme bisher kenne, konnte ich mich auf dieses Buch ganz unvoreingenommen und ohne jede Erwartung einlassen. Für mich war es eine sehr unterhaltsame Geschichte, die ich gut zum Selbst- und Vorlesen empfehlen kann. Der Umfang des Buches ist aus meiner Sicht kindgerecht und passend zum Lesealter ab 8 Jahren. Allerdings hätte ich mir neben den Bildern aus dem Film in der Mitte des Buches noch einige Illustrationen mehr gewünscht. Wirklich gut gefallen haben mir jedoch die kleinen Bildchen am Anfang eines jeden Kapitels, die immer etwas mit dessen Inhalt zu tun hatten.

Die Aufmachung des Buches als Hardcover ist wertig. Das Cover zeigt eine Schlüsselszene der Geschichte, die aus meiner Sicht auch wundervoll beschrieben ist. Ansonsten ist es nicht überfrachtet und lädt ein, die Geschichte zu lesen.

Fazit:
Mich hat der kleine Bär begeistert. Wozu ein Notmarmeladenbrot nicht alles gut sein kann… Die Geschichte hat einen kindlichen Charme, ebenso wie der kleine Bär. Und insbesondere das Ende hat mich wirklich berührt. Nach der Lektüre habe ich große Lust auf den Film.

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Veröffentlicht am 05.10.2024

Ich tue mich schwer mit dem Buch!

Die Unmöglichkeit des Lebens
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Nach der Leseprobe war ich sehr neugierig darauf, wie der Autor die Magie und die Unmöglichkeit des Lebens und Grace’ Lebensweg erklären würde. Mir gefiel die Vorstellung, dass eine 72jährige im Grunde ...

Nach der Leseprobe war ich sehr neugierig darauf, wie der Autor die Magie und die Unmöglichkeit des Lebens und Grace’ Lebensweg erklären würde. Mir gefiel die Vorstellung, dass eine 72jährige im Grunde noch einmal von vorn anfängt und dabei den Verbleib ihrer Freundin, die eigentlich gar keine war, aufklärt. Ich hatte von Matt Haig bisher nur Gutes gehört und habe auch selbst schon in seinen Büchern gestöbert, aber noch nie eines ganz gelesen. Aus all diesen Gründen waren meine Erwartungen an dieses Buch hoch.

Grace ist gefangen in ihrer kleinen, traurigen Welt, die hauptsächlich aus dem Tod ihres Sohnes und ihres Mannes besteht. Ihre wichtigste Beschäftigung, der sie nachgeht, ist der Gang zum Friedhof. Hier spricht sie mit Karl - ihrem verstorbenen Mann - und hat wahnsinnige Schuldgefühle gegenüber Daniel - ihrem Sohn. Beides wirkt ein bisschen skurril, kann man sich aber gut vorstellen. Auf mich wirkt Grace am Anfang des Buches wie eine Frau, die nur noch darauf wartet, dass das Leben endlich vorbei ist. Das Leben hat keinen Reiz mehr. Und dann beschließt sie, nach Ibiza zu ziehen. Allerdings ist sie dabei keineswegs davon überzeugt, dass es richtig sein würde, was sie tut.

Die Geschichte ist als Rückblick geschrieben - Grace erzählt Maurice ihre Geschichte. Wer Maurice ist, ist hierbei im Grunde völlig nebensächlich, denn außer, dass er an Grace einen Brief schrieb, aufgrund dessen Grace ihre Geschichte erzählt, taucht er nie wieder auf. Es ist Grace’ Geschichte.

Ich bin mir gar nicht sicher, was genau ich erwartet habe. Irgendwie habe ich gehofft, dass in diesem Buch die Welt einfach mit anderen Augen betrachtet wird, man einen anderen Blickwinkel einnehmen könnte, um einmal anders wahrzunehmen oder sich vorzustellen. In der ersten Hälfte des Buches habe ich mir sogar Textstellen markiert, weil sie für mich toll formuliert waren und passend erschienen.

Als der Autor aber mit übersinnlichen Dingen begann, La Presencia überaus vordergründig wurde, Grace plötzlich Fähigkeiten hatte, die nichts mehr mit der Realität zu tun haben, wie wir es kennen (und die eben tatsächlich einfach unmöglich sind), da begann es mir schwer zu fallen, das Buch weiter zu lesen. Es ist nicht so, dass ich fantastische Geschichten nicht mag, ganz im Gegenteil, aber in dieser Geschichte passt die fantastische Komponente für mich nicht dazu.

Der Autor hebt auf einige Themen des Lebens ab, insbesondere auf die Umwelt, auf die Skrupellosigkeit derer, die nur ihren Profit im Kopf haben und wirklich glauben, dass es egal sei, was aus der Umwelt würde. Das gefällt mir gut, weil er dabei nicht den erhobenen Zeigefinger wählt, sondern eine Geschichte erzählt.

Allerdings verliert sich der Autor auch schon am Anfang sehr in Details, die später aus meiner Sicht überhaupt keine Bedeutung mehr haben, wie z.B. das Ziehen der Krampfadern bei Grace. Er widmet diesen Details ganze Kapitel (wenn z.T. auch sehr kurze), aber sie verwirren einerseits und andererseits empfinde ich sie auch als so nebensächlich, dass sie einfach nur das Tempo der Geschichte drosseln. Das Tempo ist ohnehin als sehr gemächlich zu betrachten. Natürlich passt die Langsamkeit zur Botschaft des Buches, die Welt mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, aber andererseits lässt sie die Geschichte sehr schleppend erscheinen.

Fazit:
Aus meiner Sicht ist dieses Buch eine Hommage an die Langsamkeit. Es ist eine Geschichte, die erzählt, dass das Leben zu jeder Zeit einen Sinn hat, dass es gut ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen und nach vorn zu schauen. All diese Aspekte gefallen mir sehr gut, mit ihrer Umsetzung tue ich mich allerdings schwer. Das Leben ist fantastisch - gar keine Frage - aber es ist aus meiner Sicht nicht übersinnlich und hier liegt für mich der Widerspruch, weshalb ich nicht gut mit dem Buch klarkomme. Einige Formulierungen sind großartig, aber die vielen, lang beschriebenen Details empfinde ich als störend und bremsend.

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