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Veröffentlicht am 18.08.2019

Wer dieses Buch anfängt und vor Seite 473 aufhört zu lesen, hat kein Herz!

Ich vernichte dich
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Das Buch

Titel: Ich vernichte Dich
Autor: Brad Parks
erschienen: 28.11.2018
Verlag: Fischer
Genre: Thriller
Zeit: Gegenwart
ISBN: 978-3-596-70225-1

Ich habe dieses Buch mit den Worten „Das kannst ...

Das Buch

Titel: Ich vernichte Dich
Autor: Brad Parks
erschienen: 28.11.2018
Verlag: Fischer
Genre: Thriller
Zeit: Gegenwart
ISBN: 978-3-596-70225-1

Ich habe dieses Buch mit den Worten „Das kannst Du nicht wieder zur Seite legen, bis Du die letzte Seite gelesen hast!“ empfohlen bekommen. Kein Zweifel, dem ist wirklich so!

Allein schon der Titel des Buches macht die erste Gänsehaut und die Frage steht im Raum, wer hier wen vernichten will und vor allem warum. Der Titel klingt so endgültig und passt definitiv zur Handlung. Das Cover ist irgendwie düster mit der Haushälfte die in seltsamem Licht liegt. Auch wenn ich das Buch nicht empfohlen bekommen hätte, hätte ich in der Buchhandlung – ohne den Namen des Autors zu kennen – zugegriffen. Denn auch der Klappentext lässt den Schluss zu, dass hier eine große Geschichte wartet.

Worum geht’s?
Meggie Barrick ist eine fleißige, junge Mutter, deren gewohntes Leben eines Tages zusammen bricht. Ihr wenige Monate altes Kind wurde vom Sozialamt aus der Tagespflege geholt, ihr Haus von der Polizei durchsucht und niemand will ihr offenbar sagen, warum all das passiert. Das Sozialamt offeriert ihr schließlich, dass sie ihren Sohn Alex in ihre Obhut genommen haben, weil Meggie im Verdacht steht mit großen Mengen Drogen zu handeln und ihr Kind zum Verkauf angeboten hätte. Als sie daraufhin im Sozialamt ausrastet, wird sie wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt das erste Mal festgenommen. Meggie kann das alles nicht fassen, fühlt sich machtlos, denn sie selbst behauptet unschuldig zu sein. Aber niemand will ihr glauben.

Die Perspektiven
Die Geschichte besteht aus zwei Hauptsträngen. Der eine wird von Meggie in der ich-Form erzählt. Sie berichtet von den unfassbaren Ereignissen, die ihr widerfahren, vom ersten Moment an, in dem sie ihren Sohn abholen will und dieser nicht mehr in der Tagespflege ist. In Rückblenden, die stets als Erinnerungen geschrieben sind, erzählt sie aus ihrer eigenen Kindheit, die alles andere als glücklich war und so begreift man recht schnell, warum sie so unbedingt ihren Sohn aus „dem System“, welches sie nur all zu gut kennt, heraus halten muss.
Der andere Strang erzählt von Amy Kaye der stellvertretenden Bezirksstaatsanwältin, die seit mehr als 3 Jahren versucht, eine Vergewaltigungsserie aufzuklären. Der Täter ist nur als der Flüsterer bekannt und sie schafft es trotz einer sehr langen Serie, die bisher nicht beendet ist, nicht ihn zu identifizieren und festzusetzen. Eines der Opfer des Flüsterer heißt Meggie Barrick. Dieser Strang wird in der 3. Person erzählt.
Durch die unterschiedlichen Perspektiven ist es einfach beide Erzählstränge auseinander zu halten und jeder für sich wäre eigentlich schon spannend genug. Die Verknüpfung dieser beiden Stränge führt zu einem andauernden Spannungsbogen, von dem ich das Gefühl hatte, dass er nie abreißt. Eine wirkliche Verschnaufpause gibt es nicht.

Die Charaktere
Meggie Barrick hatte ich bereits auf den ersten Seiten des Buches ins Herz geschlossen. Ohne zu diesem Zeitpunkt ihre Odyssee der Kindheit zu kennen, habe ich mit ihr die Ohnmacht gefühlt, als sie ihr Kind abholen wollte und dieses nicht mehr bei der Tagesmutter war. Die einzige Auskunft, die sie von der Tagesmutter bekommt ist: „Sie haben mir alles über sie erzählt.“ Und sofort fing in meinem Kopf die Maschinerie an zu rattern. Was alles? Und wer hat es erzählt? Was genau ist eigentlich passiert?
Meggie ist eine wirklich starke, beeindruckende Frau. Aus „dem System“ (des Sozialamtes) hat sie sich hochgearbeitet. Hat einen guten Job, einen liebevollen Ehemann, ein süßes Baby, ein Haus – ein gutes Leben eben. All das bricht an einem Tag wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Statt sich jedoch in Selbstmitleid zu ergehen, kämpft sie einen zunächst aussichtslosen Kampf.
Dieser Charakter ist so gut geschrieben, dass man meinen könnte, man liest die Geschichte einer Freundin. Ich konnte mir Meggie in ihrer Verzweiflung und ihrer Wut, in ihrer Liebe zu Alex und Ben – ihrem Ehemann – dem Hass ihren Eltern gegenüber wunderbar vorstellen. Und der Leser kann sich der Sympathie für diese Frau nicht entziehen.

Amy Kaye – stellvertretende Bezirksstaatsanwältin – ist eine nicht minder starke Frau. Der Konflikt, in den sie stürzt, als sie merkt, dass sie Meggie einerseits im Vergewaltigungsfall vertritt und andererseits im Drogenfall anklagen soll, ist absolut greifbar. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen – sowohl im Büro des Sheriffs als auch in der Staatsanwaltschaft – ist sie die Einzige, die Meggie nicht einfach verurteilt, sondern wirklich versucht zu verstehen was passiert ist und sich in Meggie hineinzuversetzen. Eben diese Menschlichkeit macht mir diesen Charakter überaus sympathisch. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ihr Chef Aaron Dansby einzig und allein darauf aus ist, Meggie möglichst schnell den Prozess zu machen um seine Wiederwahl zum Bezirksstaatsanwalt zu gewinnen.

Meggies Anwalt Mr. Honeywell machte am Anfang auf mich einen sehr seltsamen Eindruck. Zunächst dachte ich... naja, ist halt ein Pflichtverteidiger, von dem ist nicht viel zu erwarten. Aber dann bekommt dieser Charakter plötzlich eine völlig andere Rolle und mehr als einmal habe ich die Augen aufgerissen und dachte... ach was. Er und Meggie bauen sehr langsam und vor allem sehr leise eine recht persönliche Bindung zueinander auf, die es mir möglich gemacht hat zu verstehen, was die beiden offenbar verbindet, obwohl sie sich bis zu diesem Fall nie begegnet sind. Dadurch wirkt die Rolle des Mr. Honeywell sehr menschlich und wenig distanziert.

Generell habe ich alle Charaktere der Geschichte als authentisch empfunden. Und auch wenn die Handlung als solche für das ganz reale Leben sicherlich too much ist, so habe ich sie im Rahmen dieses Buches und im Zusammenhang mit den Figuren als absolut glaubwürdig empfunden.

Der Schreibstil
Brad Parks schreibt großartig! Jedenfalls empfinde ich das so. Der Text ist leicht zu lesen, sodass es einfach ist, in die Geschichte einzutauchen, die er flüssig und temporeich erzählt. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Spannung irgendwo hängt. Vielmehr ist es so, dass ich jederzeit das Gefühl hatte, jetzt müsse gleich ein großer Knall kommen. Es gelingt ihm beim Leser die Gefühle zu platzieren, die für die Stelle im Buch gerade passend sind. Die Panik, die Meggie gefühlt haben muss, als sie das Verschwinden ihres Kindes bemerkte, die Zerrissenheit Amys in ihrem persönlichen Konflikt, die Hoffnungslosigkeit, als Meggie Ben ziehen lässt um ihm nicht länger bei seiner Karriere im Weg zu stehen usw. usf. Die Fülle der Emotionen, die Brad Parks auszulösen versteht, ist schier unerschöpflich.
Und auch wenn ich ab einer bestimmten Stelle einen Verdacht in Bezug auf den Täter – oder einen möglichen Kreis, aus dem der Täter stammen könnte – hatte, hat es sehr lange gedauert, bis mir klar war, wer hier Meggie vernichten will und vor allem warum.

Fazit:
Wer dieses Buch anfängt und vor Seite 473 aufhört zu lesen, hat kein Herz! Brad Parks nimmt den Leser mit auf eine Reise durch alle Gefühle, durch alle Unmöglichkeiten des amerikanischen Sozialsystems und lässt ihm keine Ruhe, bis am Ende der Gerechtigkeit Genüge getan ist. Von mir gibt es deshalb eine klare Empfehlung und 5 von 5 Sternen!

Veröffentlicht am 10.08.2019

Mehr persönliches Drama als spannender Krimi. Enttäuschend!

Kunstfehler
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[Krimi] A.R. Klier - Kunstfehler

Das Buch

Autor: A.R. Klier
Titel: Kunstfehler
erschienen: 19.03.2018
Verlag: BoD
Genre: Krimi
Zeit: Gegenwart
ISBN: 978-3-7460-8877-8

Auch das Cover ...

[Krimi] A.R. Klier - Kunstfehler

Das Buch

Autor: A.R. Klier
Titel: Kunstfehler
erschienen: 19.03.2018
Verlag: BoD
Genre: Krimi
Zeit: Gegenwart
ISBN: 978-3-7460-8877-8

Auch das Cover dieses dritten Teils zeigt passend zum Krankenhausumfeld ein sehr steriles Bild mit OP-Besteck. Die Verbindung zum Krankenhaus und vor allem der Wiedererkennungswert sind damit perfekt gegeben. Die Geschichte ist in kurze Kapitel aufgeteilt. Es gibt eine Rahmenhandlung, in der Niklas von einem ehemaligen Patienten verwundet wird und die Geschichte um den Hergang zu dieser Situation.
Diesen Teil kann man lesen, ohne die Vorgänger zu kennen, solange man sich darauf einlassen kann, dass es vorher Ereignisse gab, die Niklas psychisch schwer belasten.

Handlung

Niklas Thorsen wird von einem ehemaligen Patienten überfallen, der ihn zur Rede stellt, wie es dazu kommen konnte, dass er sein Bein verlor. Dabei wird Niklas verwundet und fürchtet um sein Leben. Während ihn der Patient festhält, erzählt Niklas die Geschichte wie es zur Amputation kommen konnte. Obwohl Niklas seiner Zeit von einem Kunstfehler frei gesprochen worden war, kann sein Widersacher sich nicht damit abfinden.

Meinung

Dieser Teil hat mich enttäuscht. Er ist mehr eine dramatische Geschichte über die innere Zerrissenheit eines Menschen, der etwas schlimmes erlebt hat, als ein Krimi. Auch wenn ich sicherlich nachvollziehen kann, was in Niklas und seinem Patienten vorgegangen sein muss, hätte ich mehr erwartet. Nach wie vor hat der Transplantationsskandal der ersten beiden Teile einen sehr großen Platz, obwohl es sich hier inzwischen ja um etwas ganz anderes handelt. Natürlich wird Niklas so ohne weiteres nicht wieder in sein Leben vor dem Skandal zurück kehren können, aber er verweigert auch jegliche Hilfe. Ich habe ihn in diesem Teil als überaus stur empfunden. Darüber hinaus hat er beinahe jeden ihm nahestehenden Menschen aus seiner Gefühlswelt ausgeschlossen, verletzt und damit nicht nur sich selbst das Leben schwer gemacht. Nach etwa der Hälfte des Buches habe ich das als eher nervig statt verständlich empfunden.
Meine Sympathie galt diesmal eher Niklas' Freundin Freja, die sich irgendwie damit arrangieren musste.
Der stressige Klinikalltag wird wie in der voran gegangenen Teilen glaubwürdig dargestellt, die sterile Atmosphäre kann man sich gut vorstellen und auch der Streit zwischen Niklas und seinem Kollegen und wie dieser Niklas belastet hat, wurde gut heraus gearbeitet.
Dennoch hat dieser Teil wenig von einem Krimi. Die Figuren bleiben zu blass um ein wirkliches Drama zu sein und die eigentliche Tat, die einen Krimi ausmachen würde, wird im Grunde nur am Rande erwähnt.

Fazit

Ein Teil der enttäuscht. Zwar bleibt A.R. Klier dem UKE Hamburg treu, aber diesmal hat sie sich meiner Meinung nach zu sehr in das persönliche Drama des Protagonisten gedacht und das kriminelle Umfeld vernachlässigt. Darüber hinaus erfährt man von den einzelnen Charakteren zu wenig. Deshalb gibt es von mir diesmal nur enttäuschte 2 Sterne.

Veröffentlicht am 10.08.2019

Alles im Leben hat seinen Preis

Die Grimm-Chroniken (Band 3)
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Das Buch

Autor: Maya Shepherd
Titel: Der schlafende Tod
erschienen: 06.04.2018
Verlag: Sternensand Verlag
Genre: Fantasy
Zeit: Parallelwelt
ISBN: 978-3-906829-72-2

Diesmal ziert das ...

Das Buch

Autor: Maya Shepherd
Titel: Der schlafende Tod
erschienen: 06.04.2018
Verlag: Sternensand Verlag
Genre: Fantasy
Zeit: Parallelwelt
ISBN: 978-3-906829-72-2

Diesmal ziert das Cover eine schlafende Schönheit. Im Hintergrund ist wieder ein Spiegelrahmen angedeutet, durch den seltsames Licht hereinfällt. Das Bild passt perfekt zu diesem Teil der Geschichte und hat vor allem einen gewissen Wiedererkennungswert in Bezug auf die Teile 1 und 2. Die Buchstaben auf dem Cover sind erhaben und haben eine angenehme Haptik beim Lesen.
Die Kapitelanfänge sind mit Illustrationen verziert, die einen romantischen Touch haben und die Kapitelüberschriften sind treffend gewählt. Man muss die Vorgängerteile gelesen haben, damit man Spaß an diesem hat.

Warum ausgerechnet dieses Buch?

Wenn man sich auf diese Geschichte einlassen kann und will, dann ergibt es sich von selbst, den 3. Teil zu lesen, weil die Autorin es schafft am Ende jedes Teils genügend Fragen aufzuwerfen und so Neugierde auf den nächsten Teil zu entfachen.

Handlung

Ein goldener Apfel belegt Will mit dem Fluch des schlafenden Todes. So kann er Schneewittchen in ihrem Traum begegnen. Diesmal trifft er die 7jährige Margery an ihrem Geburtstag und erfährt vieles über ihre Vergangenheit. Parallel dazu erzählt Königin Mary ihre Geschichte weiter, wie sie mit Dorian vor dessen Vater Vlad Dracul nach Hamburg flüchtet. Hier begegnen sie Kapitän Blaubart, der sie mit auf die sieben Weltmeere nehmen soll.

Perspektiven

Die Autorin bleibt bei ihren unterschiedlichen Erzählweisen (Mary in der ich-Form, Wills Teil in der 3. Person). Das gefällt mir gut, da man sich nach 3 Teilen an diese Erzählweise gewöhnt hat. Darüber hinaus ist Will in Schneewittchens Traum ja auch eher nur Beobachter, während Mary den Leser eher mit auf ihre Reise nimmt. Von daher passen die gewählten Perspektiven gut zur Geschichte.

Figuren

Anfänglich hasste Will Märchen. Sein Vater ist ihm gehörig auf den Geist gegangen, wann immer dieser mit diesen blöden Märchen anfing. Langsam scheint sich dies aber zu ändern. Zwar lässt sich Will am Anfang dieses Teils auch noch gern von Joe beeinflussen, der alles mit Logik zu erklären versucht, obwohl in dieser Geschichte gar nichts logisch ist. Zu Schneewittchen baut er langsam eine persönliche Beziehung auf und findet dies gar nicht mehr seltsam. Ich kann ihm da nur all zu gut folgen und der Charakter büßt nichts von seiner Sympathie ein. Auch ist es für mich nachvollziehbar, dass er die junge Margery mag. Einzig der Angriff auf Joe könnte Will und den Leser daran hindern sie zu mögen. Je länger man aber in Margerys Geschichte bleibt, desto sympathischer wird das kleine Mädchen mit dem Schicksal, dass sie keineswegs selbst gewählt hat.
Dennoch bleibt man irgendwie immer in Habacht Stellung und ich warte ein bisschen darauf, dass sie auch Will angreifen wird – irgendwann. Obwohl sie sich von ihm ja Hilfe erhofft. Außerdem müsste Will in einem tiefen Zwiespalt sein. Rumpelstein will, dass er Schneewittchen tötet und sie will seine Hilfe. Dieser Zwiespalt kommt ein bisschen zu kurz, denke ich.
Mary ist mir zu zögerlich, zu naiv und nach wie vor erscheint es mir etwas übertrieben mit ihrer Liebe – oder der immer wiederkehrenden Erwähnung des Gefühls – zu Dorian. Natürlich hat sie noch nichts von der Welt gesehen und kann nicht vieles wissen, aber so langsam könnte sie anfangen Dorian tatsächlich zu vertrauen – so wie sie es ja immer wieder behauptet. Eigentlich mag ich Mary... aber hin und wieder ist sie einfach nervig.

Schreibstil

Nach wie vor mag ich den Schreibstil der Autorin. Er ist gleichbleibend flüssig und leicht zu lesen. Hin und wieder findet sich mal ein Kommafehler oder ein fehlendes Wort. Dennoch kann man der Geschichte sehr gut folgen. Die Sätze sind kurz und Shepherd schreibt nicht detailverliebt. Eher lässt sie Raum für eigene Interpretation, was ich sehr mag.

Setting

Die beiden Hauptstränge dieses Teils liegen einerseits im Schloss, in dem die kleine Margery ihren 7. Geburtstag feiert, und andererseits auf der Flucht von Mary und Dorian. Man kann sich gut in die Situationen hineinfinden. Die Autorin schafft es, dass man sich die Örtlichkeiten bildlich vorstellen kann und dazu benötigt sie nicht übermäßig viele Worte.

Vor der Geschichte / Nach der Geschichte

Auch diesmal liefert die Autorin am Beginn des Buches eine kurze Zusammenfassung des voran gegangenen Teils und am Ende des Buches einen kurzen Einblick in ihre Recherchen. Ersteres sorgt dafür, dass man sich erinnert, auch wenn man etwas Zeit zwischen den Teilen verstreichen lassen hat und letzteres ist einfach nur interessant, weil sie Informationen liefert, die vermutlich keiner so ohne weiteres parat hätte.
Schmunzeln musste ich über die Danksagung in diesem Teil. Während diese im ersten Teil etwa 2,5 Seiten einnahm, im 2. Teil dann schon deutlich kürzer ausfiel, liefert sie hier nur noch eine Liste von Namen. Aber sie hatte ja auch versprochen, dass sie nicht mehr so ausschweifend sein wolle. Gefällt!

Fazit

Dieses Buch schließt nahtlos an den 2. Teil an, zeigt dem Leser die nette Seite von Schneewittchen und erzählt weiter in der Geschichte von Dorian und Mary. Es endet mit vielen Fragen, die im 4. Teil hoffentlich beantwortet werden können. Wer Märchen mag, ist mit diesem Buch bestens beraten. 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 07.08.2019

Vampire bei den Gebrüder Grimm?

Die Grimm-Chroniken (Band 2)
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[Re-Read] [Fantasy] Maya Shepherd – Die Grimm Chroniken 2/13

Das Buch

Autor: Maya Shepherd
Titel: Asche, Schnee und Blut
erschienen: 02.03.2018
Verlag: Sternensand Verlag
Genre: Fantasy
Zeit: Gegenwart ...

[Re-Read] [Fantasy] Maya Shepherd – Die Grimm Chroniken 2/13

Das Buch

Autor: Maya Shepherd
Titel: Asche, Schnee und Blut
erschienen: 02.03.2018
Verlag: Sternensand Verlag
Genre: Fantasy
Zeit: Gegenwart / Parallelwelt
ISBN: 978-3-906829-71-5

Auf dem Cover ist ein Spiegelrahmen zu erkennen, in dessen Mitte ein Schloss zu sehen ist. Das Bild macht einen mystischen Eindruck und macht neugierig auf das Buch – nicht zuletzt deshalb, weil Leser des ersten Teils schon wissen, welche Wichtigkeit ein Spiegel in der Geschichte hat. Die Buchstaben auf dem Cover sind erhaben und haben eine angenehme Haptik beim Lesen.
Die Kapitelanfänge sind mit Illustrationen verziert, die einen romantischen Touch haben und die Kapitelüberschriften sind treffend gewählt. Je nachdem, in welcher Zeit ein Kapitel spielt, hat es das eine oder andere Bild als Illustration. Man muss den 1. Teil gelesen haben um Spaß am 2. zu haben.

Warum ausgerechnet dieses Buch?

Auf der Leipziger Buchmesse 2017 habe ich Teil 1 bis 3 gekauft und nun habe ich diverse andere Teile mehr. Um wieder in die Geschichte hinein zu kommen, begann ich also noch einmal von vorn.

Handlung

Will, Maggie und Joe sind in 2012 in Königswinter gelandet. Rumpelstein führt sie zum Schloss auf dem Drachenfelsen, in dem sie das erste Mal Schneewittchen begegnen. Unfassbar für alle 3 ist es, dass dieses Mädchen die schöne Märchengestalt sein soll, die von ihrer Stiefmutter umgebracht werden sollte.
Königin Mary erzählt weiter aus ihrem Leben im 16. Jahrhundert. Sie berichtet von ihren Familienverhältnissen und ihrer großen Liebe Dorian.

Perspektiven

Der Teil in dem Königin Mary erzählt, bekommt diesmal deutlich mehr Platz und ist wieder in der ich-Form geschrieben. Der Teil der Geschichte, in den Will, Maggie und Joe verstrickt sind, wird auch diesmal in der 3. Person erzählt. Der Wechsel zwischen den Perspektiven macht es leichter zwischen den Zeiten zu springen, denn auch wenn sich die Geschichte in der Gegenwart nicht von der in der Vergangenheit bzw. der Parallelwelt trennen lässt, so liegen sie zeitlich auseinander.
Durch viele Dialoge ist die Geschichte lebendig und man kann einfach eintauchen und die recht kurze Geschichte in einem Rutsch durchlesen.

Figuren

Neben den bekannten Figuren Will, Maggie, Joe und Rumpelstein – der zugegebener Maßen immer unsympathischer wird – treten in diesem Teil Königin Mary, Schneewittchen und Dorian etwas häufiger auf. Königin Mary ist eine junge Frau, die sehr naiv zu sein scheint. Dies mag darin begründet liegen, dass sie von der Welt noch nichts gesehen hat. Immerhin unterliegt sie einem Fluch, der sie an ihre Kommende fesselt.
Dorian – ihre große Liebe – kann sie zwar sehr glücklich machen, stürzt sie jedoch gleichzeitig auch in ihre tiefsten Gefühlsabgründe. Bei dieser Figur hat die Autorin absichtlich Verwirrung gestiftet und ich musste bei der Aufklärung schmunzeln, da auch ich diesem Verwirrspiel aufgesessen bin und mir nicht vorstellen konnte, wie die Dinge zusammen hängen sollten.
Und Schneewittchen bringt den Leser wohl deutlich mehr ins Grübeln als Königin Mary. Da letztere in den Märchen der Gebrüder Grimm im Höchstfall eine stets wiederkehrende Nebenfigur ist, hat man eigentlich gar keine konkrete Vorstellung von ihr. Bei Schneewittchen sieht es anders aus. Da weiß jeder, dass sie doch eigentlich das liebenswerte Mädchen ist. Aber wer sagt eigentlich, dass sich dahinter nicht doch ein Vampir verbergen kann? Die Begründungen im Buch sind logisch und auch die Erklärungen der Autorin im hinteren Teil des Buches bringen einen durchaus ins Grübeln.
Hinter Will scheint auch mehr zu stecken, als es am Anfang den Anschein hat. Ich habe ja einen Verdacht und werde mich gern überraschen lassen, wann genau klar wird, wer er tatsächlich ist.
Ich mag die Figuren – jede auf ihre Art und Weise. Mit Will, Maggie und Joe kann ich absolut mitfühlen, da sie zwischen Ungläubigkeit und „könnte es vielleicht doch sein“ hin und her schwanken. Einerseits fühlen sie sich veralbert, andererseits können sie nicht darüber hinweg sehen, was sie erleben. Die ständige Ambivalenz ihren Gedanken und Gefühlen ist wirklich toll beschrieben.
Mary ist mir manchmal etwas zu voll des Mitleids. Ja, an der einen oder anderen Stelle ist es gerechtfertigt, an mancher Stelle jedoch völlig drüber und Dorian ist einfach ihr Held. Es ist egal, was er tut, es ist egal, wie sehr er sie verletzt... sie liebt ihn. Ist eine solche Liebe glaubwürdig? Vielleicht... vielleicht aber auch nicht.

Schreibstil

Der Schreibstil von Maya Shepherd ist flüssig und leicht zu lesen. Wer selbst Grimms Märchen gelesen hat, weiß auch, worauf sie anspielt, selbst wenn sie nicht alles erklärt. Ich mag es, wie sie den Märchenfiguren ihr ganz eigenes Gesicht gibt. Man kann sie sich wirklich gut vorstellen. Sie bringt Aspekte ein, die so völlig konträr zu den bekannten Märchen sind und schafft es so, einen völlig neuen Blickwinkel zu erschaffen.
Allerdings haben sich in diesem Teil ein paar Fehler eingeschlichen. Hin und wieder fehlt ein Wort und am Anfang des Buches gibt es eine Stelle mit 2 Sätzen, die so gar keinen Sinn ergeben wollen. Schaut man darüber jedoch hinweg, lässt sich auch dieser Teil wieder sehr zügig lesen.

Setting

Man ist dort, wo die Geschichte spielt. Der Autorin gelingt es wunderbar die Atmosphäre einzufangen und zu beschreiben. Sei es im Schloss, auf dem Friedhof oder im Wald. Man kann die Umgebung beinahe fühlen, dabei bedient sie sich hier nicht besonders vieler Worte. Vielmehr setzt sie mit gelieferten Akzenten auf die Phantasie des Lesers. Mir gefällt das ausgesprochen gut.

Vor der Geschichte / Nach der Geschichte

Bevor die Geschichte tatsächlich startet, liefert die Autorin eine kurze Zusammenfassung von den Geschehnissen im ersten Teil. Das fand ich gut, denn gerade, wenn man die Teile nicht direkt hintereinander liest, bringt sie so alles noch mal zurück ins Gedächtnis.
Am Ende wendet sie sich noch einmal mit ein paar Erklärungen direkt an den Leser, sodass man sich selbst ein Bild davon machen kann, was Fiktion und Realität ist. Mir gefällt das sehr, denn gerade Märchen sind ja zumeist nicht immer ausschließlich erdacht, sondern werden beeinflusst von ihrer Zeit.

Fazit

Dieses Buch schließt nahtlos an den ersten Teil an und lässt Spannung aufkommen. Wie wird es weiter gehen? Wer braucht tatsächlich Wills Hilfe? Welche Rolle spielen Maggie und Joe? Man erfährt etwas mehr über die Familienverhältnisse von Mary und Schneewittchen und gleichzeitig wird aber auch so viel neu eingeführt, dass man unweigerlich weiter lesen muss. Somit freue ich mich auf den dritten Teil und vergebe hier 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 03.08.2019

Folgefehler - weniger Fortsetzung als eigene Geschichte

Folgefehler
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Das Buch

Autor: A.R. Klier
Titel: Folgefehler
erschienen: 20.04..2017
Verlag: BoD
Genre: Krimi
Zeit: Gegenwart
ISBN: 978-3-7448-0257-4

Auch das Cover dieses zweiten Teils zeigt passend ...

Das Buch

Autor: A.R. Klier
Titel: Folgefehler
erschienen: 20.04..2017
Verlag: BoD
Genre: Krimi
Zeit: Gegenwart
ISBN: 978-3-7448-0257-4

Auch das Cover dieses zweiten Teils zeigt passend zum Krankenhausumfeld ein sehr steriles Bild mit einem Reagenzglas. Die Verbindung zum Krankenhaus und vor allem der Wiedererkennungswert sind damit perfekt gegeben. Die Geschichte ist in viele kurze Kapitel aufgeteilt, die das Lesen dieser Geschichte schnell voran kommen lassen. Man kann diesen zweiten Teil zwar lesen, ohne den ersten zu kennen, jedoch ist es ratsam zunächst mit Teil 1 zu beginnen, da es im Grunde keine Rückblenden auf den ersten Teil gibt.

Warum ausgerechnet dieses Buch?

Nachdem ich den 4. Teil zuerst gelesen hatte und dann mit dem 1. noch einmal begann, wollte ich wissen, wie es weiter geht, da der Titel ja durchaus auf eine Fortsetzung schließen lässt. Die allerdings ist es nur bedingt.

Handlung

Die Assistenzärzte Frederik Hendriksson und Niklas Thorsen erkennen Ungereimtheiten im Ablauf der Chirurgie im UKE in Hamburg. Verdächtig viele Patienten sterben, die durchaus eine Chance gehabt hätten, ihre Verletzungen zu überleben. Sie beginnen Fragen zu stellen und zu vermuten... Bis Niklas selbst Patient im UKE wird und jenen, die hinter den vielen unerklärbaren Toden stecken, zum Opfer fallen soll. Als er seine Vermutung laut ausspricht und auch Namen nennt, ist sein Leben erst recht nicht mehr sicher und gemeinsam mit seiner Freundin Freja muss er ins Zeugenschutzprogramm abtauchen.

Perspektiven / Dialoge

Die Geschichte wird ebenfalls wieder klassisch in der 3. Person erzählt und ist zeitlich parallel zum ersten Teil einzusortieren. Hier werden quasi die Geschehnisse beleuchtet, die während Frederiks Entführung im ersten Teil passierten. Leider wird dies erst nach den ersten Kapiteln klar und die Unwissenheit darüber stiftet zunächst etwas Verwirrung. Ein Zeitstempel in beiden Büchern oder ein Hinweis darauf, dass wir uns in der gleichen Zeitspanne bewegen, hätte hier vielleicht geholfen.
Diese Geschichte findet hauptsächlich außerhalb des Krankenhauses statt, weshalb sich der Leser diesmal nicht mit all zu vielen medizinischen Fachbegriffen konfrontiert sieht. Den Dialogen kann man leicht folgen, sie sind nachvollziehbar und gestalten die Erzählung lebendig.

Figuren

In diesem Teil der Fehlerreihe ist Niklas Thorsen – Frederiks bester Freund – der Hauptcharakter. Er soll umgebracht werden, weil er der Wahrheit über das Vorgehen im UKE zu nahe gekommen ist, und muss deshalb geschützt werden. Und auch wenn man sich in Niklas hineinversetzen kann, seine Sorgen und Ängste durchaus versteht, mit ihm mit bangt, wirkt diese Figur in den ersten Kapiteln etwas konstruiert. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass er im ersten Teil überhaupt nicht auftaucht. Er wird noch nicht einmal erwähnt (bis auf eine Namensnennung, aus der aber nichts hervor ging und die man auch gut hätte überlesen können) und wird erst im 2. Teil präsent. Im ersten Moment liest sich das dann ein bisschen so, als hätte der Held der Serie eben einen Freund gebraucht. Im Verlauf des Buches legt sich dieses Gefühl aber, weil hin und wieder auch Sequenzen aus der gemeinsamen Vergangenheit einfließen und man tatsächlich mehr und mehr das Gefühl bekommt, dass da 2 Geschichten parallel „gelaufen“ sind.

Dr. Hanson – der Oberarzt, bei dem Frederik seine Ausbildung zum Facharzt macht – ist mir irgendwie unglaubwürdig erschienen. Im ersten Teil haben sich der Arzt und Frederik teilweise sehr gut verstanden, Hanson war sogar begeistert von Frederiks Leistungen, hat ihn allein operieren lassen usw. und im 2. Teil wird er ausschließlich als grimmig und unzugänglich dargestellt. Das passte für mich nicht so recht zusammen. Für die Handlung als einzelne betrachtet passte es allerdings schon irgendwie.

Freja – Niklas' Freundin – erschien mir bisweilen etwas zickig. Natürlich war es nachzuvollziehen, dass die Situation mit dem Zeugenschutz schwierig ist, man spürte ihre Angst und Hoffnungslosigkeit und natürlich war mir auch klar, dass sich niemand eine solche Situation aussucht. Aber deshalb ständig auf dem Partner, der ja zudem auch noch das Opfer ist, rumzuhacken und ihm das Leben schwer zu machen, hat manchmal ein bisschen genervt. Und auch die anschließende Offenbarung der Schwangerschaft konnte dies in meinen Augen nicht „entschuldigen“.

Schreibstil

Der Schreibstil der Autorin ist auch in dem Fehler wieder bemerkenswert flüssig und schnell. Die kurzen Kapitel fliegen nur so dahin. Und ich hatte auch nicht das Gefühl, dass sich die Geschichte beginnt in die Länge zu ziehen. Es ging Schlag auf Schlag. Schade fand ich, dass A.R. Klier den „Täter“ so schnell offenbart hat. An dieser Stelle war mir natürlich, bedingt durch den 4. Teil, von Anfang an klar, um wen es sich handelt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass jemand der vorn anfängt, die Spannung gern noch etwas länger ausgehalten hätte.
Wortkombinationen wie „der angehende Unfallchirurg“ wurden in diesem Teil nicht ganz so häufig gebraucht, wie im ersten Teil. Das hat mir gut gefallen und macht das Lesen flüssiger, denke ich. Allerdings fehlen auch in diesem Teil wieder ein bisschen die Eigenheiten der einzelnen Charaktere. Bis auf ein paar äußerliche Merkmale bleiben sie leider wieder recht blass.

Setting

Auch diesmal gelingt es der Autorin Atmosphäre zu schaffen – sei es im Krankenhaus auf der Intensivstation, als Niklas seinen Mördern begegnet oder auch im Zeugenschutz. A.R. Klier schafft es glaubhaft die bedrückende Stimmung – auch zwischen Niklas und den Polizisten – zu beschreiben. Da fiel es dann manchmal gar nicht mehr so sehr auf, dass andere Beschreibungen fehlten.

Offene Fragen

Am Ende haben mir zwei Auflösungen gefehlt. Nach diesem Teil wissen wir jetzt, dass sich der Kreis zu Frederiks Vergangenheit und dem Tod seiner damaligen Verlobten geschlossen hat. Wir wissen, wer den Auftrag erteilt hat... Aber trotzdem bleibt der Leser im Dunkeln darüber, warum es dazu kam. Diese kleinen Spannungsspitzen hätte die Autorin meiner Meinung nach besser nutzen können um am Ende diese Frage zu beantworten – jedenfalls würde es mich interessieren!

Und die zweite Frage: Warum half die Polizistin dem Drahtzieher? Womit hat er sie erpresst? Bei den Klinikärzten waren die Erklärungen noch nachvollziehbar, aber bei einer Polizistin? Bis wohin reichte denn der Einfluss dieses Menschen? Ich denke, da hätte noch einiges an Potential drin gesteckt um die Spannung und vor allem die Abgründe dieses Menschen ins Spiel zu bringen, denn dass der Drahtzieher ein furchtbarer Mensch sein muss, ist vermutlich jedem Leser recht schnell klar.

Fazit

Auch diese Geschichte kann man gut an einem verregneten Tag auf dem Sofa lesen. Diesmal muss man nicht ganz so Ärzte-affin sein, auch wenn natürlich das UKE in Hamburg immer wieder Teil der Geschichte ist. Da es mir diesmal aber etwas zu viele Ungereimtheiten und am Ende offene Fragen gab, gibt es für diesen Teil nur 3 Sterne.