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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2026

Flüssiger Schreibstil

Gelbe Monster
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Charlie ist Ende Zwanzig und Studentin der Mathematik. Zu Beginn des Romans sitzt sie in der Bahn auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining. Sie hat einen Arm eingegipst und das Gesicht voller ...

Charlie ist Ende Zwanzig und Studentin der Mathematik. Zu Beginn des Romans sitzt sie in der Bahn auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining. Sie hat einen Arm eingegipst und das Gesicht voller blauer Flecken. Man fragt sich also, ob sie nicht eher das Opfer als die Täterin ist?
In Rückblenden entfalten sich die Ereignisse, die zu Charlies Verletzungen geführt haben. Es geht um die instabile Partnerschaft mit Valentin, in der sie sich nicht ausreichend gesehen gefühlt hat. Aufgrund ihres mangelnden Selbstwertgefühls reagiert sie darauf mit sich stetig steigernder verbaler und körperlicher Gewalt. Ihre Freundin Ella, bei der sie nach dem Verlust ihrer Wohnung vorübergehend untergeschlüpft ist, hat ihr die Bedingung gestellt, an dem Antiaggressionstraining teilzunehmen.

In der Erzählung wechseln sich vergangene Ereignisse mit gegenwärtigen ab. Alles wird aus Charlies Sicht beschrieben und bewertet, das war manchmal schon nervig zu lesen. Auch hat mir an einigen Stellen die Tiefe gefehlt. Die Figur des Valentin ist zum Beispiel so blass, dass ich ihn nicht einordnen konnte. Und die Ursachen für Charlies Verhalten oder dem der anderen Teilnehmerinnen am Antiaggressionstraining werden kaum mehr als angedeutet. Das Buch lässt sich durch den flüssigen Schreibstil schnell durchlesen, es wird dem komplexen Thema jedoch nicht gerecht, weil vieles zu vage und eindimensional bleibt.

Veröffentlicht am 21.03.2026

Amüsant

Wir Freitagsmänner
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Henri Albers ist Mitte 50 und leitet die Personalabteilung eines Zeitungsverlags. Beide haben schon bessere Zeiten gesehen. Henri ist geschieden, seine Kinder sind erwachsen, und er lebt unfreiwillig ...

Henri Albers ist Mitte 50 und leitet die Personalabteilung eines Zeitungsverlags. Beide haben schon bessere Zeiten gesehen. Henri ist geschieden, seine Kinder sind erwachsen, und er lebt unfreiwillig als Single. Seine wichtigste Bezugsperson ist sein Freund Felix. Als sein Hausarzt bei Henri beginnende Wechseljahre diagnostiziert und zudem mehrere Risikofaktoren seine Gesundheit beeinträchtigen, beschließt dieser, den Rest seines Lebens bewusster zu gestalten.

Aus der Ich-Perspektive lässt der Autor die Leser an diesem Prozess teilhaben. Bis zur Mitte ist das Buch flott und mit viel Situationshumor geschrieben. Vor allem die Dialoge haben Slapstick-Charakter, ich habe ein paar Mal herzlich gelacht. Dann wiederholen sich die witzigen Elemente zu oft und nutzen sich dadurch ab. Die Handlung enthält keinen nennenswerten Spannungsbogen, und die klischeehaften Darstellungen der Personen und Situationen wurden mir irgendwann zu viel, so dass sich die zweite Hälfte des Romans in die Länge zog.

Alles in allem war es trotz dieser Kritikpunkte ein amüsant zu lesendes Buch. Besonders gut gefallen hat mir das Bild von unserem Leben als Woche. Es beginnt am Montagmorgen und endet am Sonntagabend. Da fragt man sich unwillkürlich, wo man selbst gerade steht.

Veröffentlicht am 21.03.2026

Schön schräg und pointiert

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Von Kristof Magnusson habe ich mit großem Vergnügen "Ein Mann der Kunst" gelesen. In seinem neuen Roman "Die Reise ans Ende der Geschichte" bleibt er seinem gut lesbaren Schreibstil treu. Die ...

Von Kristof Magnusson habe ich mit großem Vergnügen "Ein Mann der Kunst" gelesen. In seinem neuen Roman "Die Reise ans Ende der Geschichte" bleibt er seinem gut lesbaren Schreibstil treu. Die Satire auf Spionageromane spielt Mitte der 1990er Jahre und lässt die damalige Aufbruchstimmung gekonnt wieder aufleben. Nach dem zermürbenden Kalten Krieg zwischen Ost und West eröffnet sich mit dem Zerfall der Sowjetunion die Chance auf dauerhaften Frieden. Doch nicht alle sind glücklich mit der Situation. Für Geheimdienstmitarbeiter - und insbesondere solche in einer Doppelrolle - bedroht die Annäherung der ehemaligen Feinde ihre Karriere und zuweilen auch ihr Leben. Wie einer von ihnen sich mit einem letzten großen Coup aus der Szene verabschieden will, das erzählt Magnusson herrlich schräg und mit viel Situationshumor. Die skurrilen Protagonisten, ihre pointierten Dialoge, die atmosphärischen Beschreibungen der Schauplätze und die aberwitzigen Wendungen, all das hat mir echtes Lesevergnügen beschert. Nur das Ende war mir zu chaotisch und undurchsichtig.

Veröffentlicht am 21.03.2026

Schade um die schöne Idee

Zwei in einem Bild
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Das Cover des Buches hat mir nicht zugesagt, aber aufgrund des Klappentextes stand es schon länger auf meiner Wunschliste. Die Thematik ist so ungewöhnlich und verheißungsvoll, daraus hätte man ...

Das Cover des Buches hat mir nicht zugesagt, aber aufgrund des Klappentextes stand es schon länger auf meiner Wunschliste. Die Thematik ist so ungewöhnlich und verheißungsvoll, daraus hätte man eine tolle Geschichte weben können. Der Anfang war auch noch einigermaßen interessant: die Atmosphäre im Museum, das heimliche Leben in den Bildern und die von Kunst faszinierte Claire ergaben einen stimmigen Auftakt. Doch schon bald ärgerte mich der aufgesetzte Schreibstil der Autorin, und die Geschichte wollte einfach nicht in Gang kommen. Die Protagonisten blieben für mich blass, ihre Motive haben mich nicht überzeugt. Die verschiedenen Handlungsfäden wirkten nicht zu Ende gedacht, es war kein Spannungsbogen erkennbar, Konflikte blieben an der Oberfläche.
Ich habe das Buch ab der Mitte nur noch quergelesen, weil es mir zu mühsam war und es mich nicht mehr interessiert hat. Sehr schade um die schöne Idee.

Veröffentlicht am 20.03.2026

Entlarvende Familienstudie

Alle glücklich
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Bei Familie Holstein ist auf den ersten Blick alles in bester Ordnung. Vater Alexander ist ein engagierter Oberarzt im Krankenhaus. Mutter Nina hat ihr Medizinstudium aufgegeben, als die Kinder ...

Bei Familie Holstein ist auf den ersten Blick alles in bester Ordnung. Vater Alexander ist ein engagierter Oberarzt im Krankenhaus. Mutter Nina hat ihr Medizinstudium aufgegeben, als die Kinder kamen und arbeitet halbtags als MTA bei einem Arzt. Tochter Emilia (16) besucht das Gymnasium und ist zum ersten Mal richtig verliebt. Sohn Ben (20) studiert und lebt ansonsten zurückgezogen in seiner Gamingwelt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive dieser vier Protagonisten erzählt. Als Leser nehmen wir so direkt an ihrem Leben, ihren Gedanken und Gefühlen teil. Dass sie alle Geheimnisse voreinander haben, wird schnell klar.

Der Autorin versteht es auf der einen Seite gut, Empathie für jede Position zu wecken. Ihr Schreibstil ist flüssig, ruhig, fast schon sachlich. Vielleicht liegt es daran, dass ich zwar Verständnis für die Probleme der Familienmitglieder hatte, aber für keinen eine besondere Sympathie entwickeln konnte.

Im Lauf der Geschichte spitzen sich die Konflikte immer mehr zu, mir wurde das irgendwann zuviel und auch zu melodramatisch. Abgesehen davon habe ich den Roman gern gelesen.