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Bineira

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2020

Poetisches, melancholisches Kleinod

Der letzte Satz
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Der berühmte Musiker Gustav Mahler befindet sich im Jahr 1911 mit seiner Frau Alma und der kleinen Tochter Anna auf einer Schiffsreise von New York nach Europa. Er ist erst 50 Jahre ...

Der berühmte Musiker Gustav Mahler befindet sich im Jahr 1911 mit seiner Frau Alma und der kleinen Tochter Anna auf einer Schiffsreise von New York nach Europa. Er ist erst 50 Jahre alt, aber schwerkrank und weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Deshalb hat er sein Engagement bei den New Yorker Philharmonikern vorzeitig beendet, um nach Wien zurückzukehren. Auf dieser Reise denkt er über sein Leben nach, und wichtige Episoden daraus ziehen an seinem inneren Auge vorbei.

Dies ist mein erstes Buch von Robert Seethaler, und ich habe mich schnell in seine ganz besondere Sprachmelodie verliebt. Für mich war es beim Lesen der Geschichte, als hörte ich ein komplexes Musikstück. Ich konnte die wehmütige Grundstimmung in Moll, aber auch die schrillen Dissonanzen und die kleinen munteren Zwischenspiele regelrecht fühlen. Dass der Roman nur kurze Schlaglichter auf Mahlers Leben wirft, empfinde ich nicht als Nachteil. Es ist nunmal keine Biografie, sondern ein Kunstwerk. Für mich ein sehr gelungenes.

  • Cover
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Veröffentlicht am 30.09.2020

Elegant erzählte, intensive Geschichte

Unter uns das Meer
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Amity Gaiges Roman "Unter uns das Meer" ist eine Mischung aus Ehedrama, Abenteuerroman und psychologischer Studie.

Das Ehepaar Partlow lebt mit den Kindern Sybill (7) und George (2 1/2) in einer ...

Amity Gaiges Roman "Unter uns das Meer" ist eine Mischung aus Ehedrama, Abenteuerroman und psychologischer Studie.

Das Ehepaar Partlow lebt mit den Kindern Sybill (7) und George (2 1/2) in einer Vorstadt in Connecticut. In der Ehe kriselt es heftig. Michael fühlt sich in gesellschaftlichen Zwängen gefangen, Juliet machen depressive Schübe das Leben schwer. Um endlich das Gefühl von Freiheit zu erleben, schlägt Michael vor, mit der ganzen Familie ein Jahr lang in der Karibik zu segeln. Juliet traut sich das nicht zu, lässt sich aber von Michael überreden, weil sie hofft, dadurch ihre Ehe zu retten.

Auf der Reise entdeckt die Familie die wunderbare Insellandschaft der Südsee, vor allem die Kinder genießen die gemeinsame Zeit mit ihrem Vater. Probleme, wie Nahrungsmittelknappheit oder ausfallende Technik auf dem Boot können die Partlows zunächst noch lösen. Dann geraten sie auf hoher See in einen gewaltigen Sturm...

Bereits auf der zweiten Seite des Buches wird klar, dass das Abenteuer nicht gut ausgeht, der Spannung tut das jedoch keinen Abbruch.

Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven: Juliets rückblickender Bericht, nachdem sie mit den Kindern wieder zuhause ist, bildet den Hauptstrang. Er wird von Michaels Tagebucheinträgen vor und während der Fahrt unterbrochen bzw. ergänzt. Mit diesem Stilmittel erwschwert Amity Gaige die Lektüre keineswegs, sondern sie erzeugt dadurch eine Dynamik, die mich das 380 Seiten starke Buch fast in einem Rutsch durchlesen ließ.

Michaels lebhaften Ausdruck empfand ich dabei als wohltuenden Kontrast zu Juliets niedergedrückter Erzählweise. Über die etwas zu langatmigen Beschreibungen der Segeltechniken habe ich auch schonmal hinweggelesen...

Inhaltlich ist der Roman keine leichte Kost. Die Probleme einer dysfunktionalen Familie und vor allem das Leben mit einer Depression werden eindringlich dargestellt.

Von der eleganten, flüssigen Sprache der Autorin bin ich begeistert. ich konnte mühelos in die verschiedenen Situationen eintauchen. Die hervorragende Übersetzung durch André Mumor hat daran sicher einen großen Anteil.




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Veröffentlicht am 25.09.2020

Eine Fülle an Techniken und Übungen rund um die Themen Schreiben und Organisieren

Schreib und das Leben ist leicht
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Als ich das Sachbuch "Schreib und das Leben ist leicht" von Vera Anders in den Händen hielt, fiel mir sofort der schmeichelnd weiche Einband auf, der einen hochwertigen Eindruck macht und sich wunderbar ...

Als ich das Sachbuch "Schreib und das Leben ist leicht" von Vera Anders in den Händen hielt, fiel mir sofort der schmeichelnd weiche Einband auf, der einen hochwertigen Eindruck macht und sich wunderbar anfühlt. Auch die inneren Seiten haben eine angenehme Textur; hier wurde großer Wert auf eine gute Haptik gelegt. Die Innenseiten haben einen breiten Aussenrand, ich finde das sehr praktisch, denn bei einem Arbeitsbuch mache ich mir gern Notizen direkt an Ort und Stelle. Leider haben die Setzer den Innenrand extrem schmal gehalten, sodass ich ab der Mitte des Buches einige Kraft aufbringen muss, um es so weit auseinander zu biegen, dass ich alles lesen kann.

Inhaltlich besteht das Buch aus 5 Kapiteln:

1. Schreib und das Leben ist leicht

- eine Einführung mit Erklärung der Symbole

2, Starten

- der beste Schreibplatz, einen Stil finden, die besten Kreativmethoden, Tipps, um sich das Leben zu erleichtern, sich selbst organisieren, Motivation.

3. Schreiben für andere

- Tipps für verschiedene Arten von Texten, mit denen wir täglich zu run haben, z. B. E-Mails, Protokolle, Werbetexte, Konzepte.

- Hinweise für Autoren

4. Schreiben für sich

- Wie man mit Schreiben seine Gefühle beeinflussen kann - Selbstversuche

- Glücks-, Reise- und Traumtagebücher

- Erkenntnisse durch Schreiben und die richtigen Fragen.

5. Schlusswörter.

Das Buch enthält eine Fülle von Techniken und Übungen zu den genannten Themen. Für mich war es sinnvoll, erstmal ein Kapitel durchzuarbeiten, das mich besonders interessiert. Ich habe überwiegend praxisnahe und gut erklärte Tipps und Methoden gefunden, um bewusster und fokussierter zu schreiben.

Menschen, die ihr Schreiben und ihre Selbstorganisation verbessern wollen, finden in diesem Handbuch kompetente Begleitung und Unterstützung.


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Veröffentlicht am 24.09.2020

Langweilig und frustrierend

Volkswagen Blues
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Der Verlag kündigt auf dem schön gestalteten Umschlag des Buches einen kanadischen Kultroman an, den es nun endlich auf Deutsch zu lesen gibt. Und ich habe mich wirklich sehr auf diese Roadnovel gefreut, ...

Der Verlag kündigt auf dem schön gestalteten Umschlag des Buches einen kanadischen Kultroman an, den es nun endlich auf Deutsch zu lesen gibt. Und ich habe mich wirklich sehr auf diese Roadnovel gefreut, in der ein ungewöhnliches Paar in einem alten Bulli quer durch den nordamerikanischen Kontinent fährt.

Zum Inhalt:

Der Schriftsteller Jack befindet sich in einer Schaffenskrise und beschließt, seinen Bruder Théo, den er seit Jahrzehnten nicht gesehen hat, zu suchen. Begleitet wird er von der jungen Halb-Innu Pitseminé und ihrem kleinen Kater. Beide hat er auf einem Campingplatz spontan in seinen alten Bulli zusteigen lassen. Die Reise führt sie von Québec bis nach San Francisco. Unterwegs berichtet die belesene Frau dem Mann von den Gräueltaten, die die ersten Siedler den Ureinwohnern Amerikas angetan haben.

Mein Eindruck:

Die Freude an dem Buch währte nur kurz, denn ich konnte mich mit dem distanzierten Schreibstil des Autors nicht anfreunden. Er beschreibt in stoischer Ruhe die Etappen der Fahrt, und ich vermisste jegliche Dramaturgie. Die zahlreichen Namen historischer Personen und geografischer Stätten waren dem Lesefluss ebenfalls nicht förderlich. Die beiden Protagonisten behandelt der Autor meiner Meinung nach lieblos. Er nennt ihn "der Mann" und sie "die große Heuschrecke" (eine ihren langen Beinen geschuldete Verballhornung aus ihrer Schulzeit). Keiner der beiden kam mir während der Fahrt näher, sie blieben blass, und ihr Verhalten war für mich nicht nachvollziehbar. Einen roten Faden oder eine Entwicklung habe ich in der Geschichte nicht gefunden, dafür sehr viel historisches Hintergrundwissen, das aber nicht integriert, sondern nur heruntergeleiert wurde.

Ein paar Mal blitzten zwischendurch witzige Szenen auf, z. B. wenn Pitseminé in einer Bücherei ein Buch auf ihre Art "ausleiht". Auch der kleine Kater hat mich als running gag ein bisschen versöhnt.

Insgesamt jedoch fand ich die Lektüre langweilig und frustrierend.

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Veröffentlicht am 24.09.2020

Inhaltlich und sprachlich ein Leichtgewicht

Das Buch eines Sommers
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Auf dem hübschen Umschlag von Bas Kasts "Das Buch eines Sommers" kündigt der Diogenes Verlag "eine lebensphilosphische Erzählung, die einen wachrüttelt" an.

Es geht um nicht weniger als die ...

Auf dem hübschen Umschlag von Bas Kasts "Das Buch eines Sommers" kündigt der Diogenes Verlag "eine lebensphilosphische Erzählung, die einen wachrüttelt" an.

Es geht um nicht weniger als die Frage, wie wir werden können, wer wir tief im Inneren wirklich sind.

Da ist Nicolas, Sohn eines Pharmafabrikanten und Neffe eines bekannten Schriftstellers. Der Vater möchte, dass Nicolas später seinen Betrieb übernimmt, Onkel Valentin dagegen bestärkt ihn in seinem Wunsch, ebenfalls beruflich zu schreiben.

Zwanzig Jahre später ist aus Nicolas ein chronisch gestresster, gereizter Geschäftsmann geworden. Er hat nach dem frühen Tod seines Vaters dessen Firma übernommen und führt ein durchgetaktetes Leben. Für seine Frau und den kleinen Sohn hat er kaum Zeit, die Ehe kriselt, und seinen alten Onkel hat er schon lange nicht mehr besucht.

Als Valentin überraschend stirbt, reist Nicolas mit Frau und Kind für ein paar Tage in den Süden, um die Beerdigung zu organisieren und den Nachlass zu ordnen. Dabei kommen ihm Zweifel an seinem bisherigen Leben...

Das Buch ist in einem einfachen Stil geschrieben. Nach einem guten Anfang wird die Handlung schnell vorhersehbar. Es kommt keine Spannung auf, die Dialoge sind hölzern, die Wendungen wirken bemüht und die Charaktere bleiben blutleer. Die an sich interessante Thematik wird mit Binsenweisheiten abgehandelt, wie man sie ähnlich in Zeitschriften und populären Lebenshilferatgebern findet.

Es war insgesamt ein ermüdendes Leseerlebnis - und wachgerüttelt hat mich höchstens mein Mann, wenn ich nach ein paar Seiten eingeschlafen bin.

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