Platzhalter für Profilbild

Bineira

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Bineira ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Bineira über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2021

Aus einer witzigen Idee wurde ein langweiliger Roman

Der Donnerstagsmordclub
0

Das Cover und der Klappentext lassen einen humorvollen Cosy Crime erwarten. Die Idee, vier sehr unterschiedliche Bewohnerinnen einer Seniorenresidenz zu Hobbydetektiven zu machen, finde ich originell. ...

Das Cover und der Klappentext lassen einen humorvollen Cosy Crime erwarten. Die Idee, vier sehr unterschiedliche Bewohnerinnen einer Seniorenresidenz zu Hobbydetektiven zu machen, finde ich originell.

Leider hat der Autor diese gute Grundlage nicht genutzt. Er hat keine lebendigen Protagonisten erschaffen, dafür sind sie zu schablonenhaft geraten. Ich konnte auch keine Sympathie für sie entwickeln.

Der Schreibstil ist einfach und die Erzähltechnik - abwechselnd kommen ein Erzähler und die Beteiligte Joyce mit ihren Tagebucheinträgen zu Wort - gewöhnungsbedürftig.

Die alltäglichen Befindlichkeiten der Protagonisten nehmen breiten Raum ein, die Morde, die es aufzuklären gilt, geraten dabei öfter in den Hintergrund. Auch die vielen Verdächtigen mit ihren teils hanebüchenen Motiven tragen nicht dazu bei, dass die Geschichte sich spannend liest.

Viele Leser
innen sind von dem Buch begeistert, ich bin es nicht.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2021

Aufwändig gestaltetes Buch über die Welt der Dinosaurier

Der Ravensburger Dinosaurier-Atlas
0

Der Ravensbuger Dino-Atlas ist ein kenntnisreich und aufwändig gestaltetes Buch mit vielen Informationen rund um die Welt der Dinosaurier und ihrer Erforscherinnen.

Auf 64 kartonierten großformatigen ...

Der Ravensbuger Dino-Atlas ist ein kenntnisreich und aufwändig gestaltetes Buch mit vielen Informationen rund um die Welt der Dinosaurier und ihrer Erforscherinnen.

Auf 64 kartonierten großformatigen Seiten lernen wir zunächst die Verteilung der Dinos auf der gesamten Erde und den Grund für ihr plötzliches Ende kennen. Dann folgen die einzelnen Kontinente mit ihren spezifischen Gegebenheiten und den daran angepassten Dinoformen. Innerhalb dieser geographischen Abschnitte werden Spezialthemen behandelt. Zum Beispiel erfahren wir Näheres über einzelne Dino-Arten oder schauen Archäolog
innen. bei ihrer mühsamen und langwierigen Arbeit über die Schulter.

Viele Seiten lassen sich aufklappen und enthalten zudem nochmal aufklappbare Elemente. dadurch entdeckt man ständig ein neues Detail, und das Lesen wird zu einem interaktiven Erlebnis.

Das ganze Buch ist von lebhaften, farbenfrohen Grafiken, Fotos und Zeichnungen durchzogen. Man kann sogar einige Dinokörperteile in Originalgröße bestaunen. Die informativen Texte sind kindgerecht und oft humorvoll formuliert.

Das Buch ist für kleine und größere Dino-Fans ein Leckerbissen, wobei ich es für 7jährige etwas zu anspruchsvoll finde. Die Seiten sind durch die Klappfunktionen ziemlich empfindlich und sollten mit Vorsicht behandelt werden, wenn man lange etwas von dem Atlas haben möchte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2021

Orientalische Erzählkunst

Mein Sternzeichen ist der Regenbogen
0

Rafita Schamis Erzählband „Mein Sternzeichen ist der Regenbogen“ enthält 21 Kurzgeschichten, die er den Themen Geburtstag, Lachen, Reisen, Geheimnis, Tiere und Sehnsucht zugeordnet hat. Ferner ...

Rafita Schamis Erzählband „Mein Sternzeichen ist der Regenbogen“ enthält 21 Kurzgeschichten, die er den Themen Geburtstag, Lachen, Reisen, Geheimnis, Tiere und Sehnsucht zugeordnet hat. Ferner beleuchtet er In sechs Essays jedes dieser Motive aus soziologischer, psychologischer und kultureller Sicht.

Die Geschichten spielen in Syrien und in Deutschland; einige sind humorvoll, andere melancholisch oder sogar tragisch. Ihnen allen ist die unbändige Lust am Erzählen gemeinsam, für die der Autor bekannt ist.

Besonders gut gefallen hat mir die titelgebende Erzählung, in der es darum geht, dass niemand in der Familie sich an das genaue Geburtsdatum des Ich-Erzählers erinnern kann, aber alle behaupten, sie wüssten es. Auch der kleine Prophet Oskar hat meine Sympathie, und die Episode um die Witwe Amar und den eigenwilligen Geist ist im wahrsten Sinn des Wortes zauberhaft.

Übrigens befindet sich das Inhaltsverzeichnis am Ende des Buches, vielleicht eine kleine Reminiszenz an Rafik Schamis Muttersprache Arabisch, in der Bücher von hinten nach vorn gelesen werden.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2021

Ehrlicher und persönlicher Reisebericht

Happy Road
0

Sarah und Matthias haben sich im Urlaub in Matthias' Heimat Österreich kennengelernt und ineinander verliebt. Nach kurzer Zeit schon beschließen sie, zusammen in einem zum Van umgebauten VW-Bus sieben ...

Sarah und Matthias haben sich im Urlaub in Matthias' Heimat Österreich kennengelernt und ineinander verliebt. Nach kurzer Zeit schon beschließen sie, zusammen in einem zum Van umgebauten VW-Bus sieben Monate lang durch Europa zu reisen. Sarah kündigt Job und Wohnung in Berlin, ohne zu wissen, wie es nach der Reise für sie weitergehen wird. Zu groß ist die Sehnsucht nach einem Ausbruch aus dem durchgetakteten Großstadtleben, als dass sie sich von Familie oder Freundinnen davon abhalten ließe.

In ihrem Buch "Happy Road" beschreibt sie dieses Abenteuer auf ehrliche und humorvolle Weise. Wir begleiten die beiden frischgebackenen Vanlifer durch Südosteuropa und dann in Richtung Norden bis zum Nordkap. Dabei erfahren wir einiges über das beengte Leben in einem Bus und die Besonderheiten der angesteuerten Landstriche.

Am besten lernen wir die beiden Reisenden selbst kennen: ihre Schwächen und Stärken, ihre Vorlieben und Abneigungen und ihre Strategien im Konfliktfall. Sarah malt kein Schönwetterbild, sie berichtet von einigen ungemütlichen Situationen, auch von Streit und Frust. Insgesamt überwiegt jedoch ihre Begeisterung für diese Art des Unterwegsseins. Und für ihren neuen Freund.

Der Bericht ist unterhaltsam, der Sprachstil angenehm flüssig, und die stimmungsvollen Bilder am Anfang jedes Kapitels unterstreichen den Inhalt.

Ich hätte gern etwas mehr über die Länder und die Menschen erfahren, die die beiden auf ihrer Reise kennengelernt haben, aber das war wohl nicht die Intention des Buches.

Ein Kritikpunkt ist für mich die schwache Druckfarbe, die das Lesen sehr anstrengend macht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2021

Zu konstruiert wirkende Geschichte voller Klischees

Der Brand
0

Rahel (49, Psychologin) und Peter (55, Literaturprofessor) aus Dresden befinden sich in einer Ehekrise. Helfen soll ein Urlaub auf einer einsamen Almhütte in Bayern. Doch diese brennt vorher ab. Als Rahels ...

Rahel (49, Psychologin) und Peter (55, Literaturprofessor) aus Dresden befinden sich in einer Ehekrise. Helfen soll ein Urlaub auf einer einsamen Almhütte in Bayern. Doch diese brennt vorher ab. Als Rahels Tante sie bittet, ihren Gutshof in der Uckermark samt Tieren für drei Wochen zu versorgen, weil sie mit ihrem schwerkranken Mann zur Reha muss, sagen sie zu.

Soweit die Rahmenhandlung. Dort hinein packt die Autorin

- die Ehekrise von Rahel und Peter
- Rahels schwieriges Verhältnis zu ihrer Tochter Selma und ihre Schuldgefühle, weil sie diese als Baby monatelang bei der tablettenabhängigen Schwiegermutter geparkt hat
- Selmas frühkindliche Bindungsstörung, ihre Sprunghaftigkeit und ihr Unglücklichsein mit ihrem Leben
- die ungeklärte Frage, wer Rahels Vater ist
- Rahels Sohn Simon, der als Gebirgsjäger bei der Bundeswehr Karriere macht
- einen Shitstorm gegen Peter, weil er eine nicht-binäre Studierende beleidigt haben soll
- Peters Introvertiertheit, sein Frust im Job und sein nachlassendes sexuelles Verlangen
- die Frage, ob Rahels Tante ihrem Mann nach dessen Schlaganfall bei der Selbsttötung helfen muss, weil sie es ihm früher versprochen hat
- den Einfluss der vom Bombenhagel über Dresden traumatisierten Menschen auf die nachfolgenden Generationen
- Tamara, Rahels Schwester, deren Mann im Messebau tätig und durch die Pandemie schon monatelang ohne Einkommen ist.

Das waren noch längst nicht alle Probleme, die Daniela Krien auf 270 Seiten gequetscht hat; für meinen Geschmack war es mindestens eins zu viel. Und keines davon wird näher beleuchtet.

Die handelnden Personen entsprechen ziemlich genau den gängigen Klischees, und die im Protokollstil erzählte, zu konstruiert wirkende Geschichte hat praktisch keinen Spannungsbogen. Das Ende ist…aber ich will nicht spoilern.

Ich hatte nach der Leseprobe eine ganz andere Erwartung an das Buch, denn die Kernfrage „Was tun, wenn die Liebe älter wird?“ hat durchaus Potential. Dieses wurde hier leider nicht ausgeschöpft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere