Zwischen Macht, Geld und Abgründen – ein Thriller mit Sogwirkung
Das Gesetz der EliteDas Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri verbindet klassischen Thriller mit gesellschaftskritischen Themen und einer düsteren Atmosphäre, die einen schnell in ihren Bann zieht. Im Mittelpunkt steht eine ...
Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri verbindet klassischen Thriller mit gesellschaftskritischen Themen und einer düsteren Atmosphäre, die einen schnell in ihren Bann zieht. Im Mittelpunkt steht eine Mordserie an Superreichen, bei der die Opfer auf spektakuläre Weise sterben und an den Tatorten immer wieder dieselbe Botschaft auftaucht: „Töte die Reichen“.
Der Einstieg gelingt unglaublich spannend. Der Tod des milliardenschweren Ex-Fußballstars Jesús Martínez wirkt zunächst wie ein Unfall, doch schnell wird klar, dass mehr dahintersteckt. Mit jedem weiteren Opfer wächst die Spannung und gleichzeitig öffnet sich der Blick auf eine Welt voller Luxus, Kontrolle und Machtspiele. Besonders gelungen fand ich, wie der Autor aktuelle Themen wie soziale Ungleichheit, den Einfluss der Superreichen oder den Wunsch nach Unsterblichkeit in die Handlung einbaut. Dadurch wirkt vieles erschreckend nah an der Realität.
Auch das Ermittlerduo Colomba Caselli und Dante Torre sorgt für eine besondere Dynamik. Beide Figuren sind traumatisiert, eigenwillig und alles andere als klassische Ermittler. Genau das macht sie interessant. Allerdings hat mich ihre Beziehung über weite Strecken etwas gestört. Selbst nach der Hälfte des Buches bleibt vieles zwischen den beiden unklar. Immer wieder wird angedeutet, dass sie gemeinsam Schreckliches erlebt haben, aber konkrete Informationen fehlen lange Zeit fast komplett. Dadurch hatte ich oft das Gefühl, mitten in eine bereits laufende Geschichte geworfen worden zu sein. Wer die vorherigen Bücher der Reihe nicht kennt, fragt sich ständig, was genau eigentlich in ihrer Vergangenheit passiert ist.
Trotzdem hat mir die besondere Atmosphäre des Buches sehr gefallen. Vor allem der italienische Charme hebt den Thriller angenehm von vielen anderen Vertretern des Genres ab. Die Sichtweise auf Familie, Beziehungen und gesellschaftliche Strukturen wirkt lebendig und authentisch. Diese italienische Lebensart bringt eine gewisse Wärme in die ansonsten sehr düstere Geschichte und macht das Ganze noch interessanter.
Der Schreibstil liest sich flüssig und die Handlung bleibt durch zahlreiche Wendungen spannend. Manche Entwicklungen sind zwar etwas überzogen, insgesamt funktioniert der Thriller aber sehr gut und regt zusätzlich zum Nachdenken an.
Ein atmosphärischer und spannender Thriller mit aktuellen Themen, starken Bildern und interessanten Figuren. Kleine Schwächen gibt es bei der undurchsichtigen Vergangenheit des Ermittlerduos, trotzdem bleibt das Buch bis zum Ende fesselnd.