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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.10.2025

Menschlich

Der Friesenhof
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Fenja Lüders hat es wieder geschafft: Mit „Der Friesenhof. Schicksalstage“ legt sie einen Roman vor, der Herz und Verstand gleichermaßen anspricht – ein Werk voller Tiefe, Wärme und norddeutscher Atmosphäre. ...

Fenja Lüders hat es wieder geschafft: Mit „Der Friesenhof. Schicksalstage“ legt sie einen Roman vor, der Herz und Verstand gleichermaßen anspricht – ein Werk voller Tiefe, Wärme und norddeutscher Atmosphäre. Wer Geschichten liebt, die menschliche Stärke, familiäre Bindung und historische Authentizität miteinander verweben, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen.
Lüders erweist sich einmal mehr als Meisterin der Figurenzeichnung. Jeder Charakter ist sorgfältig geformt, glaubwürdig und zutiefst menschlich. Sie versteht es, selbst Nebenfiguren mit Leben zu füllen, ihnen kleine Eigenheiten, Verletzlichkeiten und Träume zu schenken. Dabei vermeidet sie jedes Klischee. Stattdessen lädt sie die Leserinnen ein, den Figuren wirklich nahe zu kommen – fast so, als säße man selbst mit in der Küche des Friesenhofs, während draußen der Wind über das Land fegt.
Das große Verdienst Lüders’ liegt in ihrem ehrlichen Blick auf die 1950er Jahre. Sie verklärt nichts: Das Leben auf dem Land war hart, entbehrungsreich und von tiefen gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Dennoch gelingt es der Autorin, gerade in dieser Schwere Momente des Miteinanders und der Hoffnung aufleuchten zu lassen. Armut, Trauer und Verantwortung sind ständige Begleiter, doch sie werden durch Solidarität, Mut und gegenseitigen Respekt getragen. Lüders zeigt damit eindringlich, dass die sogenannte „Wirtschaftswunderzeit“ nicht für alle ein Wunder war – aber für viele ein Neuanfang, den sie mit Würde und Zusammenhalt gestalteten.
Im Zentrum des Romans steht der Familienzusammenhalt auf dem Friesenhof – ein Thema, das Lüders mit großer emotionaler Tiefe darstellt. Es sind nicht spektakuläre Gesten, die diese Familie verbinden, sondern die kleinen, alltäglichen Zeichen der Fürsorge: ein geteiltes Stück Brot, ein tröstendes Wort, das gemeinsame Schweigen in schweren Momenten. Dieser Zusammenhalt, den Lüders so einfühlsam schildert, wirkt zeitlos und universell – eine stille, aber unerschütterliche Kraft, die das harte Schicksal erträglich macht.
Bemerkenswert ist, dass „Schicksalstage“ ohne das große, glitzernde Happy End auskommt – und genau darin seine Stärke entfaltet. Fenja Lüders zeigt, dass das Leben nicht perfekt verlaufen muss, um gut zu sein. Sie erzählt von Menschen, die Verluste hinnehmen, Kompromisse eingehen, aber dennoch Würde und Liebe bewahren. Diese leise, realistische Hoffnung eint alle Figuren und prägt den Ton des Romans. Das gute Leben, das hier geschildert wird, entsteht nicht durch Glück, sondern durch Mitmenschlichkeit.
„Der Friesenhof. Schicksalstage“ ist ein bewegender, atmosphärisch dichter Familienroman, der gleichzeitig historische Wirklichkeit, zwischenmenschliche Wärme und erzählerische Präzision vereint. Fenja Lüders schreibt ohne Pathos, aber mit einem tiefen Verständnis für das, was Menschen in schwierigen Zeiten zusammenhält. Sie beweist, dass Literatur auch dann tröstlich sein kann, wenn sie nicht alles zum Guten auflöst.
Ein beeindruckendes Buch – stark, ehrlich, menschlich.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Wertschätzung!

Das Bumerangbuch - Stärke deine mentalen Superkräfte!
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Die Grundidee, mentale Superkräfte in 39 abwechslungsreichen, oft lustigen Challenges zu trainieren, ist äußerst gelungen. Eltern und Kinder wirken gemeinsam mit, sodass interaktive Aufgaben wie das Malen ...

Die Grundidee, mentale Superkräfte in 39 abwechslungsreichen, oft lustigen Challenges zu trainieren, ist äußerst gelungen. Eltern und Kinder wirken gemeinsam mit, sodass interaktive Aufgaben wie das Malen eines magischen Tattoos oder das Erstellen einer Zeitkapsel für gemeinsame Erinnerungen sorgen. Das Konzept, dass das Buch wie ein „Bumerang“ zwischen Eltern und Kindern hin und her „fliegt“, sorgt für Dynamik und schafft eine spielerische Atmosphäre, die die Achtsamkeit und das Miteinander stärkt.

Empfohlen ist das Buch offiziell ab 8 Jahren. Die Inhalte und Formulierungen sind auf ältere Kinder zugeschnitten, die bereits ein gewisses Maß an Selbstreflexion und Konzentration mitbringen. Die Herausforderungen und Aufgaben sind weniger für sehr junge Kinder geeignet und laden dazu ein, sich aktiv und selbstbewusst mit Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen. Damit richtet sich das Buch besonders an Familien mit Kindern im Grundschulalter und aufwärts.

Auffällig ist, dass das Buch von einer klassischen heteronormativen Familienstruktur mit Vater und Mutter ausgeht. Die Aufgaben und Rollenzuweisungen sind so gestaltet, dass die Eltern eindeutig als Mutter und Vater angesprochen werden. Alternative Familienformen wie Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Eltern oder Patchworkfamilien werden nicht explizit berücksichtigt, was das Buch weniger inklusiv erscheinen lässt und Familien außerhalb dieses Modells möglicherweise nicht ausreichend adressiert.

Fazit: Ein wichtiges Handbuch mit klarem Fokus
Das Bumerangbuch ist ein durchdachtes und kreatives Mitmachbuch, das älteren Kindern und ihren Eltern wertvolle Impulse für die Entwicklung mentaler Stärke bietet. Die Umsetzung der Challenges und die positive Idee stehen im Vordergrund, allerdings wäre wünschenswert, dass in zukünftigen Auflagen die Vielfalt heutiger Familienbilder stärker Einzug hält. Insgesamt handelt es sich um ein empfehlenswertes Werk mit viel Potenzial – besonders für Familien, die sich im klassischen Modell wiederfinden.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

humorvoll

Schule mit Juli
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Das Buch „Schule mit Juli“ von Petra Eimer begeistert mit liebevollen Illustrationen und einer herzerwärmenden Geschichte, in der Kinder spielerisch zu Tierliebe und Selbstwirksamkeit angeregt werden. ...

Das Buch „Schule mit Juli“ von Petra Eimer begeistert mit liebevollen Illustrationen und einer herzerwärmenden Geschichte, in der Kinder spielerisch zu Tierliebe und Selbstwirksamkeit angeregt werden.
Die Handlung dreht sich um Projekttage zum Thema Tiere: Die Kinder dürfen sogar ihre Haustiere mitbringen – ein kreatives Setting, das die Identifikation mit tierischen Freunden fördert und die Bedeutung von Verantwortungsbewusstsein und Zuneigung zu Tieren unterstreicht.
Die Kinder entwickeln gemeinsam einen Plan, um die Versetzung von Max zu retten und erleben dabei, wie wichtig es ist, eigene Ideen einzubringen und Lösungen zu finden, auch wenn die Regeln sich ändern oder Hindernisse auftauchen. Das Buch ermutigt Kinder dazu, sich aktiv einzubringen, für ihre Freundschaft zu kämpfen und Verantwortung zu übernehmen – Kernkompetenzen für Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen.
Auch wenn das Buch offiziell für Kinder ab 8 Jahren empfohlen wird, sollte beachtet werden, dass die Textmenge und der Wortschatz für manche 8-Jährige noch herausfordernd sein können. Die vielen liebevollen Illustrationen erleichtern das Verständnis, machen das Buch ideal zum Vorlesen und gemeinsamen Entdecken, aber nicht jedes Kind kann den Text schon flüssig selbst bewältigen. Für selbstständige Leser*innen eignet sich das Buch eher für ältere Grundschulkinder oder geübte Lesende.
Fazit: „Schule mit Juli“ lädt Kinder dazu ein, Tiere wertzuschätzen und kreative Lösungen für echte Herausforderungen zu entwickeln. Die Geschichte verbindet Alltag, Fantasie und Freundschaft und bietet – dank Illustrationen und Humor – einen hohen Vorlesespaß, regt aber auch zum Nachdenken über die eigene Wirkung und die Beziehungen zu Tieren an. Für viele 8-Jährige jedoch besser geeignet als Vorlesebuch – und ein wundervoller Anlass für gemeinsame (Lese-)Zeit in der Familie.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Am Ende zählt der Mensch

Das Lied der Rose
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Julia Kröhn entwirft in „Das Lied der Rose“ ein eindringliches Bild des Mittelalters, das nicht nur in seiner historischen Detailfülle überzeugt, sondern auch mit einer Vielzahl an Perspektiven aufwartet. ...

Julia Kröhn entwirft in „Das Lied der Rose“ ein eindringliches Bild des Mittelalters, das nicht nur in seiner historischen Detailfülle überzeugt, sondern auch mit einer Vielzahl an Perspektiven aufwartet. Sie kann beeindruckend authentisch die Schilderungen von Alltagsleben, höfischer Kultur und den Wirren von Kreuzzügen und Machtkämpfen deutlich machen. Die dichte Atmosphäre, die aus sorgfältiger Recherche und empathischer Figurenzeichnung entsteht, macht es leicht, in diese Welt einzutauchen und sich von der Musik, den Gerüchen, dem Elend und der Hoffnung jener Zeit mitreißen zu lassen. Besonders der Fokus auf die Rolle der Musik als verbindende Kraft zwischen den Kulturen innovativ und berührend. Die Hauptfiguren – der junge Novize Marian, die maurische Sängerin Sahar und eine vielschichtige Nebenfigurenpalette – spiegeln individuelle wie gesellschaftliche Konflikte wider und lassen den Roman vielstimmig erklingen.
Gerade diese Vielstimmigkeit ist Bereicherung und Herausforderung zugleich. Die ambitionierte Anlage des Romans will nicht nur eine Liebesgeschichte erzählen, sondern gleichermaßen religiöse, politische und kulturelle Fragen, das Ringen um Toleranz, Identität und Emanzipation im Spiegel der Epoche sichtbar machen. Kröhn gelingt es zwar, große Themen wie Fanatismus, religiöse Intoleranz und Humanismus in packende Einzelhandlungen einzubetten, doch geraten dabei viele Handlungsstränge in Konkurrenz zueinander. So entsteht ein faszinierendes, aber stellenweise zu überbordendes Panorama, in dem einige Themen und Figuren kaum die Tiefe bekommen, die sie verdient hätten. Die Fülle an Schauplätzen, Protagonisten und Konflikten kann den Lesefluss bremsen und droht, den Kern der Geschichte zu verwässern.
Nichtsdestotrotz verbindet der Roman viele wichtige Perspektiven und setzt engagiert ein Plädoyer für Musik, Liebe und Menschlichkeit in dunklen Zeiten. Wer Lust auf einen weit gespannten, atmosphärischen Mittelalterroman mit einer Prise Humanismus hat, wird hier fündig, muss aber eine gewisse Geduld für die Verschachtelung der Erzählstränge mitbringen.

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Veröffentlicht am 03.07.2025

wichtiges Thema - für ältere Kinder

Die Forscherbande - Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers
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Andrea Beaty ist bekannt für ihre inspirierenden Kinderbücher, die wichtige gesellschaftliche Themen kindgerecht aufbereiten. Auch in "Die Forscherbande: Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers" gelingt ...

Andrea Beaty ist bekannt für ihre inspirierenden Kinderbücher, die wichtige gesellschaftliche Themen kindgerecht aufbereiten. Auch in "Die Forscherbande: Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers" gelingt es ihr, komplexe Inhalte spannend und lehrreich zu vermitteln. Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Demokratieförderung – ein Thema, das in Kinderbüchern selten so umfassend und detailliert behandelt wird.


Das zentrale Thema des Buches ist die Durchführung einer Wahl, bei der die Klasse ihr neues Klassentier bestimmen soll. Beaty beschreibt den gesamten Wahlprozess sehr anschaulich: Von der Ideenfindung über die Vorstellung der Kandidaten bis hin zur geheimen Abstimmung werden alle Schritte kindgerecht, aber dennoch sehr detailliert dargestellt. Die jungen Leserinnen und Leser erfahren, wie wichtig es ist, Argumente auszutauschen, Mehrheiten zu respektieren und Kompromisse zu finden. Dabei wird deutlich, dass Demokratie nicht nur eine abstrakte Idee ist, sondern im Alltag gelebt werden kann – und dass jede Stimme zählt.

Ein weiterer großer Pluspunkt des Buches ist die vielfältige Zusammensetzung der Figuren. Die Kinder der Forscherbande stammen aus unterschiedlichen interkulturellen Hintergründen, was nicht nur die Realität vieler Klassenzimmer widerspiegelt, sondern auch die Bedeutung von Diversität und Inklusion betont. Die verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen der Kinder bereichern die Diskussionen und machen deutlich, dass Demokratie von Vielfalt lebt.


So überzeugend die inhaltliche Ausgestaltung des Buches ist, so kritisch muss jedoch der Sprachstil betrachtet werden – insbesondere im Hinblick auf die Zielgruppe. Die Sätze sind häufig sehr lang und verschachtelt, die Namen der Figuren teilweise kompliziert und die Formulierungen oft abstrakt. Für Kinder in der 2. Klasse stellt dies eine erhebliche Hürde dar. Selbst geübte Leserinnen und Leser könnten Schwierigkeiten haben, dem Text zu folgen und die komplexen Zusammenhänge zu erfassen. Hier wäre eine sprachliche Anpassung für jüngere Kinder wünschenswert gewesen, um die wichtige Botschaft des Buches noch zugänglicher zu machen.

Fazit:

"Die Forscherbande: Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers" ist ein inhaltlich herausragendes Kinderbuch, das Demokratiebildung und Vielfalt auf vorbildliche Weise thematisiert. Besonders hervorzuheben ist die detaillierte Darstellung des Wahlprozesses, die Kindern einen realistischen Einblick in demokratische Abläufe gewährt. Die interkulturelle Vielfalt der Figuren setzt ein wichtiges Zeichen für Inklusion und Toleranz. Aufgrund des anspruchsvollen Sprachstils eignet sich das Buch jedoch nicht für Kinder in der 2. Klasse, sondern eher für ältere Grundschulkinder oder für das gemeinsame Lesen mit Erwachsenen. Wer ein Kinderbuch sucht, das Demokratie und Diversität lebendig macht, findet hier eine empfehlenswerte Lektüre – vorausgesetzt, die sprachlichen Anforderungen werden berücksichtigt.

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