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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2025

Mehr Konzept als Gefühl

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Ich hatte große Erwartungen an "Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten", aber leider konnte mich das Buch inhaltlich und stilistisch kaum überzeugen.

Maschik erzählt die Geschichte ...

Ich hatte große Erwartungen an "Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten", aber leider konnte mich das Buch inhaltlich und stilistisch kaum überzeugen.

Maschik erzählt die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen hinweg: vom Leben auf einem Hof an der Nordsee bis in die Gegenwart. Das klingt zunächst spannend und atmosphärisch, tatsächlich wirkt der Text aber eher wie eine lose Sammlung von Momentaufnahmen. Es gibt keine klare Linie, keine erkennbare Entwicklung, sondern viele kleine Szenen, die sich kaum zu einem Ganzen fügen. Wer hier eine zusammenhängende Familiengeschichte erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein.

Auch sprachlich blieb das Buch für mich schwierig. Die knappen, oft abgehackten Sätze sollen wohl poetisch und reduziert wirken, doch auf mich machten sie einen eher monotonen Eindruck. Nach einigen Kapiteln stellte sich eine gewisse Ermüdung ein, weil sich Formulierungen und Motive ständig wiederholten, ohne dass sie emotional etwas Neues transportierten.

Die Figuren bleiben über weite Strecken schemenhaft. Ich hatte Mühe, sie auseinanderzuhalten oder wirklich zu verstehen, was sie antreibt. Statt Nähe entsteht Distanz, und selbst die vermeintlich starken Bilder verlieren mit der Zeit an Wirkung. Auch die surrealen Elemente wirkten für mich eher aufgesetzt als bedeutungsvoll.

Am Ende hatte ich das Gefühl, dass hier vieles gewollt kunstvoll wirkt, ohne wirklich zu berühren. Die Idee, den Generationen einer Familie nachzuspüren, ist stark, aber die Umsetzung blieb für mich zu verkopft und unzugänglich.

Eine ambitionierte, aber überkonstruierte Familienerzählung, die mehr Eindruck durch Stil als durch Gefühl hinterlässt. Für mich war das leider kein Lesegenuss.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Inszeniert bis zum Schluss

Die Probe
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Katie Kitamuras Die Probe ist ein stiller, atmosphärischer Roman, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Die Ausgangssituation ist ungewöhnlich und vielversprechend: Eine erfolgreiche Schauspielerin ...

Katie Kitamuras Die Probe ist ein stiller, atmosphärischer Roman, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Die Ausgangssituation ist ungewöhnlich und vielversprechend: Eine erfolgreiche Schauspielerin wird während eines Mittagessens in Manhattan mit einem jungen Mann konfrontiert, der behauptet, ihr Sohn zu sein, obwohl sie nie ein Kind bekommen hat. Was folgt, ist weniger ein psychologischer Thriller oder ein Beziehungsdrama als vielmehr ein diskretes Spiel mit Identitäten, Projektionen und inszenierten Rollen.

Kitamuras Stil ist kühl und oft distanziert. Das passt zur Hauptfigur, die trotz ihrer beruflichen Rolle als Darstellerin stets eine gewisse emotionale Undurchlässigkeit wahrt. Gleichzeitig erschwert genau diese sprachliche Zurückhaltung eine echte Nähe zur Geschichte. Es wirkt, als betrachte man die Geschehnisse durch eine Glasscheibe, ästhetisch ansprechend, aber auch spürbar auf Distanz gehalten.

Der Anfang des Romans fesselt durchaus mit seinem seltsamen Setting und dem intensiven Aufeinandertreffen der Figuren. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr verliert sich der Text in Andeutungen und lässt eine klare Entwicklung vermissen. Die psychologische Spannung, die man erwartet, bleibt oft diffus. Die Grenzen zwischen Realität, Wunsch und Inszenierung verschwimmen, was interessant ist, aber auch gelegentlich frustrierend wirkt, da vieles unausgesprochen bleibt.

Die Probe ist kein Buch für Leser, die Klarheit oder Emotionen suchen. Wer sich darauf einlässt, wird eine Geschichte über Identität, Familie und Selbstbild entdecken, doch man braucht Geduld und die Bereitschaft, mit offenen Enden zu leben.

Eine interessante Idee, souverän umgesetzt, aber inhaltlich oft zu vage und unnahbar, um wirklich mitzureißen.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Mehr Idee als Gefühl

Gesellschaftsspiel
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Gesellschaftsspiel beginnt mit einem vielversprechenden Ausgangspunkt: Drei Frauen, die einander eigentlich kaum noch etwas zu sagen haben, treffen am Sterbebett der Mutter bzw. Schwester wieder aufeinander. ...

Gesellschaftsspiel beginnt mit einem vielversprechenden Ausgangspunkt: Drei Frauen, die einander eigentlich kaum noch etwas zu sagen haben, treffen am Sterbebett der Mutter bzw. Schwester wieder aufeinander. Schon diese familiäre Spannung hat viel Potenzial und wird dann noch ergänzt durch ein großes gesellschaftliches Experiment, das von einem Tech-Milliardär ausgerechnet in ihrer Stadt gestartet wird.

Die Mischung aus persönlichem Drama und politischem Gedankenexperiment fand ich anfangs noch reizvoll. Die Idee, dass eine ganze Stadt Teil eines digitalen „Gesellschaftsspiels“ wird, hat etwas Interessantes und regt zum Nachdenken an. Auch die eingeschobenen Social-Media-Kommentare, Chatverläufe und Interviews lockern die Erzählung auf und spiegeln ganz gut, wie unterschiedlich Menschen auf Veränderungen reagieren.

Trotzdem hat mich das Buch insgesamt nicht ganz überzeugt. Die drei Hauptfiguren blieben für mich recht blass. Ich habe lange gebraucht, um sie auseinanderzuhalten, und selbst dann fiel es mir schwer, eine wirkliche Verbindung zu ihnen aufzubauen. Ihre Konflikte wirken oft eher angedeutet als wirklich durchlebt.

Auch das große Thema rund um die App und das Gesellschaftsexperiment bleibt stellenweise vage. Es gibt viele kluge Ansätze und interessante Fragen, aber manche davon versanden, statt richtig vertieft zu werden. Ich hätte mir manchmal mehr Mut zur Klarheit oder auch mehr erzählerische Konsequenz gewünscht.

Alles in allem ist Gesellschaftsspiel ein Buch mit spannenden Ideen und einem ungewöhnlichen Aufbau. Es bleibt allerdings ein bisschen auf Distanz, sowohl zu seinen Figuren als auch zu den großen Fragen, die es aufwirft. Kein schlechtes Buch, aber eben auch keines, das mich nachhaltig mitgerissen hat.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Verloren in Texas

We Burn Daylight
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We Burn Daylight hat mich mit seiner ruhigen, aber sehr intensiven Art wirklich beeindruckt. Die Geschichte spielt Anfang der 90er in Texas und lehnt sich spürbar an die reale Tragödie von Waco an. Im ...

We Burn Daylight hat mich mit seiner ruhigen, aber sehr intensiven Art wirklich beeindruckt. Die Geschichte spielt Anfang der 90er in Texas und lehnt sich spürbar an die reale Tragödie von Waco an. Im Mittelpunkt stehen zwei Jugendliche, Jaye und Roy, die aus ganz unterschiedlichen Welten kommen und doch sofort eine besondere Verbindung zueinander spüren.

Jaye lebt mit ihrer Mutter auf der Ranch eines religiösen Führers, der sich selbst als Messias sieht. Sie bleibt kritisch, will eigentlich nur zurück nach Kalifornien, raus aus dieser seltsamen Welt. Roy ist der Sohn des örtlichen Sheriffs und ahnt zunächst gar nicht, in was Jaye hineingezogen wurde. Zwischen den beiden entwickelt sich eine stille, sehr berührende Liebesgeschichte: eine, die ganz ohne Kitsch auskommt und umso glaubwürdiger wirkt.

Was ich besonders mochte: Die Erzählweise ist abwechslungsreich. Neben den Kapiteln aus Jays und Roys Sicht gibt es Einschübe in Form von Podcast-Interviews, die Jahrzehnte später aufgenommen wurden. Diese Rückblicke geben der Geschichte Tiefe und zeigen, wie sehr die Ereignisse noch nachwirken.

Auch wenn das Buch nicht durchgehend hohes Tempo hat, war ich gefesselt. Die Stimmung ist oft bedrückend, manchmal fast hoffnungslos, aber es gibt auch Momente von Zärtlichkeit und Mut. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Dynamik innerhalb der Sekte noch etwas genauer gezeigt wird, da bleibt manches etwas vage. Trotzdem hat mich der Roman bewegt.

Es ist ein leises, aber eindrucksvolles Buch über Kontrolle, Glaube, Zweifel und den Versuch, sich selbst treu zu bleiben. Und über zwei junge Menschen, die einander Halt geben, während um sie herum alles aus den Fugen gerät.

Veröffentlicht am 22.06.2025

Ein Thriller am Puls der Zeit

Reset
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Reset von Peter Grandl ist ein rasantes und bedrückend realistisches Szenario über eine Welt, in der man der Wahrheit nicht mehr trauen kann. Ein Thriller, der unsere Gegenwart in erschreckend greifbare ...

Reset von Peter Grandl ist ein rasantes und bedrückend realistisches Szenario über eine Welt, in der man der Wahrheit nicht mehr trauen kann. Ein Thriller, der unsere Gegenwart in erschreckend greifbare Zukunft verwandelt.

Was wäre, wenn jede Nachricht, jedes Video, jeder Anruf gefälscht sein könnte? Wenn Deep Fakes nicht mehr von echten Aufnahmen zu unterscheiden sind, nicht für Behörden, nicht für Familien, nicht für dich selbst? Grandl greift diese Frage mit voller Wucht auf und entwickelt daraus eine globale Krise, die sich in kürzester Zeit in eine Katastrophe verwandelt.

Im Zentrum steht der irische Ermittler Valentine O’Brien, der im Chaos des digitalen Zusammenbruchs nach seiner verschwundenen Schwester sucht. Parallel dazu werden international Spezialisten zusammengezogen, die versuchen, eine außer Kontrolle geratene KI zu stoppen bevor alles kollabiert. Durch kurze Kapitel und schnelle Perspektivwechsel bleibt die Spannung konstant hoch. Das Tempo ist ein echter Pluspunkt. Grandl versteht es, mit Cliffhangern und sich zuspitzenden Situationen Sog zu erzeugen.

Besonders gelungen finde ich, wie Reset aktuelle technologische Entwicklungen - künstliche Intelligenz, Fake News, Deep Fakes - literarisch zugespitzt, aber nie völlig unrealistisch verarbeitet. Vieles fühlt sich erschreckend denkbar an. Die Idee, dass unsere digitale Kommunikation zur Waffe wird, ist so klug wie beängstigend umgesetzt.

Ein kleiner Kritikpunkt: Die Fülle an Figuren und Schauplätzen kann gerade zu Beginn etwas überfordern. Manche Charaktere bleiben dabei eher flach, was dem Roman in Bezug auf emotionale Tiefe gelegentlich etwas an Wirkung nimmt. Auch die Auflösung der Geschichte wirkte auf mich im Vergleich zur starken Ausgangslage etwas weniger kraftvoll. Das Ende ist solide, aber nicht ganz so packend wie der Rest.

Trotzdem: Reset ist ein hochaktueller Thriller mit gesellschaftlicher Relevanz, hohem Tempo und einer klaren Botschaft: kritisch denken, hinterfragen, nicht alles glauben. Für Fans von technoiden Verschwörungsthrillern mit internationalem Flair definitiv eine Empfehlung.