Profilbild von Book_fairy04

Book_fairy04

Lesejury Star
offline

Book_fairy04 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Book_fairy04 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.11.2025

Stimmige Botschaften

Jetzt gerade ist alles gut
0

„Jetzt gerade ist alles gut“ von Stephan Schäfer. 
Das Hörbuch wird von Götz Otto gelesen.
Verlag: Hörbuch Hamburg Verlag
Ich habe die Geschichte sehr gerne gehört, vor allem, weil sie mich daran erinnert ...

„Jetzt gerade ist alles gut“ von Stephan Schäfer. 
Das Hörbuch wird von Götz Otto gelesen.
Verlag: Hörbuch Hamburg Verlag
Ich habe die Geschichte sehr gerne gehört, vor allem, weil sie mich daran erinnert hat, wieder bewusster zu leben, das Leben als Geschenk zu sehen und die vielen kleinen Augenblicke mehr zu schätzen.
Der Erzähler, ein Familienvater, verletzt sich zu Beginn am Finger, etwas völlig Harmloses. Doch kurz vor dem geplanten Familienurlaub entwickelt sich genau daraus eine Sepsis. Dieses Erlebnis, das ihn fast das Leben gekostet hätte, verändert seinen Blick auf vieles, was vorher selbstverständlich schien; auf seine Familie, auf Freundschaften und auf die vielen kleinen Situationen, die den Alltag eigentlich ausmachen.
Im weiteren Verlauf erzählt der Ich-Erzähler von Momenten, die man gut wiedererkennt; ein Freund, der sich einfach nicht mehr meldet; ein Nachmittag nur mit der Schwiegermutter, der plötzlich erstaunlich nah und wertvoll wird; kleine Beobachtungen, bei denen man merkt, wie sehr man manchmal einfach durchrauscht und wie gut es tut, bewusster hinzuspüren.
Aus diesen Szenen entsteht ein ruhiger, nachdenklicher Blick auf das eigene Leben, achtsam, manchmal ein bisschen melancholisch, aber immer warm und ehrlich.
Die Botschaft kommt klar rüber, und auch wenn mir dieses Hörbuch gut gefallen hat, hat mich „25 letzte Sommer“ emotional etwas stärker erreicht. Trotzdem ist auch dieser Titel schön anzuhören und regt an, sich selbst und den Alltag wieder ein Stück bewusster wahrzunehmen.
Besonders hervorheben möchte ich den Sprecher Götz Otto, ein Schauspieler, der mit seiner einfühlsamen, angenehm ruhigen Stimme genau den richtigen Ton trifft. Er trägt die Stimmung der Geschichte wunderbar und macht viele Passagen noch berührender.
Ein schönes, leises Hörbuch mit einer stimmigen Botschaft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2025

Bewegende Erinnerungsliteratur

Treppe aus Papier
0

„Treppe aus Papier“ von Henrik Szántó / Verlag: Blessing

„Versöhnung wirst du bei uns nicht finden, aber du hast unser Mitgefühl.“ (Seite 204)

Ich bin hin- und hergerissen. Teilweise hat mich die Geschichte ...

„Treppe aus Papier“ von Henrik Szántó / Verlag: Blessing

„Versöhnung wirst du bei uns nicht finden, aber du hast unser Mitgefühl.“ (Seite 204)

Ich bin hin- und hergerissen. Teilweise hat mich die Geschichte so gepackt, dass ich kaum aufhören konnte zu lesen. Die Erzählung von Ruth, Irma und der jungen Nele verschmilzt zu einem dichten Netz aus Erinnerung, Schuld und dem Schweigen über eine nicht wahrhaben wollende Vergangenheit.

Das Haus selbst wird zum Erzähler; es zeigt seine Bewohner, ihre Schicksale und die Erinnerung an ein Jahrhundert wie eine Mahnung.

Das Unrecht, das in seinen Räumen geschah, und die Schuld, die ein kleines Mädchen unbeabsichtigt auf sich lud, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Vier Etagen mit wechselnden Mietern, verlorene und gefundene Gegenstände. Jedes Detail trägt Spuren der Vergangenheit.

Nele, eine Schülerin, kommt mit Irma, einer alten Bewohnerin des Hauses, ins Gespräch. Irma beginnt zu erzählen und Nele hört zu. Zunächst neugierig, dann zunehmend betroffen. Sie versteht mehr, als sie erwartet hatte, schreibt ihre Klausur in Geschichte und beginnt schließlich, Fragen an ihre Eltern zu stellen. Über die Vergangenheit, über Opa und den Krieg, doch ihre Eltern wollen oder können diese nicht beantworten.

War Opa ein Nazi? Hat er Menschen geholfen oder hat er sie verraten?

Irma trägt ein großes Geheimnis mit sich und wartet nur darauf, dass endlich jemand fragt. Vielleicht Nele?

Erzählt wird auch die Geschichte von Ruth, einem jüdischen Mädchen während des Krieges. Sie hilft der kleineren Irmgard, wann immer deren Mutter oder Großmutter wieder zuschlägt. Irmgards Vater ist der Einzige, der Verständnis für das Kind zeigt bis er stirbt, jedoch nicht heldenhaft im Krieg.

Ruth, ein Einzelkind, versucht sich 1941 vor der Gestapo zu verstecken, doch das gelingt ihr nicht wirklich. Das Haus hat versucht, sie zu beschützen.

„Den Preis dafür zahle ich bis ans Ende meiner Tage.“ (Seite 213)

Eine bewegende Geschichte über Schuld und das tiefe Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung in Zeiten des Krieges. Szántó zeigt eindringlich, wie Enteignung, Verrat und die Bereicherung auf Kosten anderer das Leben ganzer Generationen geprägt haben und wie Kinder in dieser Zeit ihre Unschuld verloren.

Die Vergangenheit des Hauses reicht bis in die Gegenwart, die Fragen, die Nele stellt, treffen auf Abwehr und Schweigen. Verleugnung, Unwissenheit und Beschönigungen zu damaligen Kriegsverbrechen werden weitergegeben, verschwiegen, vertuscht.

„Ruh dich aus. Du warst genug.“ (Seite 204)

Gewagt und ungewöhnlich ist die Erzählperspektive. Das Haus selbst berichtet, was es über Jahrzehnte gesehen, gehört und erlitten hat. Gegenwart und Vergangenheit verschwimmen miteinander, die Wände, Ritzen und Dielen erzählen, was Menschen lieber vergessen würden.

Anfangs fand ich das Cover, den Titel und die Erzählweise etwas verwirrend, doch je tiefer man in das Haus eintaucht, desto klarer wird alles.

Eine sehr schöne, eindringliche Geschichte über unsere Vergangenheit, die bis in die Gegenwart nachhallt. Bewegend, schmerzhaft, wichtig.
Für LeserInnen der Nachkriegszeit- und Erinnerungsliteratur bestimmt auch sehr interessant.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2025

Voller Genuss ohne Verzicht

Weihnachtlich vegan
0

„Weihnachtlich vegan“ von Anja Sagon
Verlag: ZS / Edel Verlagsgruppe

Voller Genuss ohne Verzicht, das ist das Motto für das neue Koch- und Backbuchs von Anja Sagon.

Entspannt durch die Weihnachtszeit ...

„Weihnachtlich vegan“ von Anja Sagon
Verlag: ZS / Edel Verlagsgruppe

Voller Genuss ohne Verzicht, das ist das Motto für das neue Koch- und Backbuchs von Anja Sagon.

Entspannt durch die Weihnachtszeit - so stellt uns die Autorin 60 festliche, vegane Rezepte vor. Durch rechtzeitige Planung und praktische Tipps zeigt sie, wie man die Herausforderungen einer veganen Weihnacht mühelos meistert.

Besonders gut gefällt mir ihr Hinweis auf den Backformenumrechner, schließlich hat man nicht immer die im Rezept angegebenen Backformgrößen zu Hause!

Mein persönliches Highlight sind die Plätzchen und das Gebäck. Ich liebe Süßes und war begeistert, dass man aus einem Grundteig gleich vier verschiedene Plätzchensorten zubereiten kann.

Anja Sagon gibt bei jedem Rezept die Vorbereitungszeit, die Backzeit sowie die Anzahl der Portionen an. Die Zutatenlisten sind übersichtlich, und vieles davon hat man ohnehin schon als Basiszutaten im Haus. Oft findet man am Ende eines Rezepts hilfreiche Tipps, z. B. welche Alternativen man verwenden kann.

Auch für die Festtage bietet das Buch komplette Menüs; beginnend mit leckeren Suppen, über beliebte Beilagen bis hin zu Hauptspeisen und Desserts. Hier finden sich viele Ideen für ein veganes, festliches Weihnachtsmenü.
Klassische Weihnachtsgerichte werden modern und pflanzlich interpretiert, ohne komplizierte Zutaten, aber mit viel Liebe zum Detail.

Praktisch ist auch, dass einige Rezepte gut vorzubereiten sind oder sich für größere Runden eignen. Schön finde ich außerdem, dass die Autorin ihre polnischen Wurzeln einfließen lässt und uns mit einem passenden Menü daran teilhaben lässt.

Zu jedem Menü gibt es einen genauen Ablaufplan mit exakten Zeitangaben, eine große Hilfe in der oft hektischen Weihnachtszeit.

Das Register ist übersichtlich gestaltet, und am Ende erfährt man noch einige interessante Eckdaten über die Autorin und den Verlag.

Einziger Kritikpunkt: Ich vermisse Nährwert- und Kalorienangaben.

Dieses Buch verbindet die Magie der Weihnacht mit bewusster, pflanzlicher Küche. Die Rezepte erinnern an vertraute Düfte und Geschmäcker aus der Kindheit, nur eben modern, tierfreundlich und nachhaltig interpretiert.

So wird Weihnachten nicht nur genussvoll, sondern auch achtsam gefeiert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2025

Berührendes und wertvolles Kinderbuch

Aurora – Eine Eintagsfliege und der schönste Tag ihres Lebens
0

„Aurora - eine Eintagsfliege und der schönste Tag ihres Lebens“ von Uwe Krauser
mit Illustrationen von Franziska Frey
Kinderbuchverlag: Farbfux

Das Cover ist mit seiner liebevoll gestalteten Eintagsfliege ...

„Aurora - eine Eintagsfliege und der schönste Tag ihres Lebens“ von Uwe Krauser
mit Illustrationen von Franziska Frey
Kinderbuchverlag: Farbfux

Das Cover ist mit seiner liebevoll gestalteten Eintagsfliege Aurora und der schimmernden Goldprägung ist ein wahrer Hingucker.

Uwe Krauser zeigt mit wunderschönen Worten, wie wichtig es ist im Augenblick zu leben.
Er schreibt kindgerechte Sätze und seine gefühlvolle Wortwahl berührt nicht nur die Kleinen.

Aurora erwacht und weiß, als Eintagsfliege hat sie nur einen Tag auf dieser Welt. Fröhlich und voller Tatendrang möchte die kleine Eintagsfliege ihren Tag zu etwas Besonderem machen.
Sie verweilt im Augenblick und genießt; nimmt das Leben, wie es kommt und zieht das Positive aus ihren Erfahrungen. Sie ist offen und dankbar, für jede neue Erfahrung.

Der Autor erklärt mit behutsamen, zarten Worten die Vergänglichkeit und zugleich lenkt er den Blick auf das Glück in alltäglichen Dingen. Aurora vermittelt Zuversicht und Lebensfreude.

Die Illustrationen sind perfekt ausgearbeitet, die Liebe steckt im Detail. Uwe Krauser und Franziska Frey harmonieren perfekt in Text und Illustration.

Ein unglaublich bezauberndes und pädagogisch wertvolles Buch über das Hier und Jetzt. Es sollte den Weg in jedes Bücherregal finden, um das Herz der Kleinen und Großen zu berühren, sowie das Augenmerk auf die Schönheit, unseres Lebens zu lenken.

Ideal als Geschenk für jeden Anlass - zum Vorlesen oder selber lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.10.2025

Kraftvolles Werk

Durst ist schlimmer als Heimweh
0

„Durst ist schlimmer als Heimweh“ von Lucy Fricke 

Verlag: Ullstein

Triggerwarnung: Gewalt, Missbrauch, Schmerz

„Warum vergießen Wolken so viele Tränen und werden dabei immer froher?“ 
(Position 721) ...

„Durst ist schlimmer als Heimweh“ von Lucy Fricke 

Verlag: Ullstein

Triggerwarnung: Gewalt, Missbrauch, Schmerz

„Warum vergießen Wolken so viele Tränen und werden dabei immer froher?“ 
(Position 721)

Lucy Fricke beschönigt nichts. Mit schonungslosem Blick, brutal ehrlich und zugleich mitreißend schreibt sie uns in das Leben der sechzehnjährigen Judith. Ein Leben, das von Missbrauch gezeichnet ist. Bereits seit ihrer Kindheit missbraucht; die Mutter, selbst verprügelt durch Judiths Peiniger, mehr Opfer als beschützende, liebevolle Mutter.

Hamburg in den 90er Jahren: Judith landet in einer Wohngruppe für Jugendliche. Ihre Eltern haben ihr Zimmer untervermietet, als sie einige Zeit abgehauen war. Obwohl sie alles hasst, was mit dem Wort Gruppe zu tun hat, lebt sie nun dort. Sie versucht sich in Aushilfsjobs, bricht Therapien ab und versucht starke Drogen zu meiden.

In ihrem Elternhaus fand Judith nur Schmerz und Gewalt, und obwohl dieser Missbrauch nun vorbei ist, spürt sie ein unerträgliches Heimweh. Ihre Haut ist übersät mit Linien, in denen der Schmerz ihr für kurze Augenblicke Ruhe schenkte. Ihre Freundin Ella spricht aus, was Judith nicht vermag: Es muss raus, die schlechten Erinnerungen müssen verbrannt und ins Meer geworfen werden.

Als Judith Tommy begegnet, verliebt sie sich zum ersten Mal. Aber auch er trägt eine desaströse Vergangenheit mit sich. Und kann diese nicht abwerfen, nicht loslassen, nicht ins Meer werfen.

An ihrem siebzehnten Geburtstag empfindet die Protagonistin eine einzige große Freude: das Wissen, dass diese Jahre nie zurückkehren werden. Allein diese Gewissheit ist Grund genug zum Feiern.

Fricke gelingt es meisterhaft, durch Auslassungen, Andeutungen und eine karge, eindringliche Sprache das Leiden der Protagonistin sichtbar zu machen. Das Buch verzichtet auf jede Beschönigung und zwingt uns, hinzusehen, wo wir lieber wegsehen würden.

Literarisch ist dieses Werk von besonderer Kraft: Es dringt tief in uns ein, beschäftigt uns weit über die Lektüre hinaus und hallt nach. Denn Judith steht nicht allein. Es gibt unzählige Jugendliche wie sie, junge Menschen, die leiser und leiser werden, bis sie kaum noch gehört werden. Kaum Beachtung finden und das offene Ende macht es noch eindringlicher!

Ich hoffe, das Buch findet in seiner Neuauflage viele Leserinnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere