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Veröffentlicht am 05.05.2025

Das Leben ist keine Gleichung

Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent
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„Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent“ von Michael Ebert 

Verlag: Penguin Verlag

Mathe, Männerseminare und das geklaute Gauß-Gehirn – ein tragikomisches Desaster mit Herz.

Was haben ein ...

„Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent“ von Michael Ebert 

Verlag: Penguin Verlag

Mathe, Männerseminare und das geklaute Gauß-Gehirn – ein tragikomisches Desaster mit Herz.

Was haben ein peinlicher TV-Auftritt, ein Nobelpreis, ein Jagdgewehr und das Hirn von Carl Friedrich Gauß gemeinsam?
Richtig: Dr. Hannes Hennes.

Mathematiker, Bruder eines Nobelpreisträgers, und – ganz ungewollt – Mörder.

In dem Roman begleitet man einen sympathisch überforderten Mann auf der Suche nach Sinn, Würde – und dem gestohlenen Gehirn seines großen Idols. Zwischen Gerichtssaal und Selbsthilfegruppe für Männer offenbart sich ein tragikomischer Held, der einem zunehmend ans Herz wächst.
Anfangs hatte ich Mühe, warm mit Hannes zu werden. Zu viele absurd-tragische Katastrophen in zu kurzer Zeit, zu viele Verfolger, zu viele schräge Zufälle.

Aber dann, still und fast unbemerkt, ist er mir ans Herz gewachsen. Vielleicht, weil er nicht perfekt ist. Weil er strauchelt, schweigt, hadert – und dennoch nicht aufhört, alles richtig machen zu wollen. Für seine Familie. Für sich selbst.

Michael Ebert erzählt mit einem Mix aus Ironie, Melancholie und trockenem Humor. Der Stil ist flüssig, pointiert, und dennoch schimmert immer wieder etwas Zartes durch: die Sehnsucht nach Anerkennung, der Wunsch, gesehen und geliebt zu werden.

Die mathematischen Einschübe sind charmant und originell, auch wenn sie sich mir nicht immer erschließen – aber sie gehören zu Hannes, genau wie seine Unbeholfenheit. Die Szenen in der Selbsthilfegruppe sind skurril, stellenweise fast zu viel des Guten, doch spätestens im letzten Drittel gleicht sich alles aus. Der Roman findet zu einer Tiefe, die berührt.

Trotz einiger überdrehter Szenen ist Michael Ebert ein Roman gelungen, der gleichzeitig unterhält und bewegt.

Dr. Hannes Hennes stolpert durchs Leben – und findet sich dabei selbst.

Eine Tragikomödie über Selbstzweifel, Pech, große Brüder und kleine Siege. Hannes Hennes ist kein Held – aber genau das macht ihn so menschlich.

Vier Sterne für ein ungewöhnliches Leseerlebnis, das mit skurrilem Humor beginnt und mit echtem Gefühl endet.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Absolute Empfehlung!

Wut und Liebe
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„Wut und Liebe“ von Martin Suter, gelesen von Gert Heidenreich 

Verlag: Diogenes Hörbuch

Noah liebt Camilla. Und Camilla liebt Noah – eigentlich.

Doch in ihrem Alltag voller finanzieller Kompromisse ...

„Wut und Liebe“ von Martin Suter, gelesen von Gert Heidenreich 

Verlag: Diogenes Hörbuch

Noah liebt Camilla. Und Camilla liebt Noah – eigentlich.

Doch in ihrem Alltag voller finanzieller Kompromisse ist das Gefühl nicht genug. Während Noah seiner Berufung als Künstler folgt, trägt Camilla die Verantwortung und Kosten – für beide. Als sie die Beziehung beendet, ist es kein Mangel an Liebe, sondern eine Entscheidung für sich selbst. Eine Kopfentscheidung.
Sie will mehr vom Leben und finanzielle Sicherheit ist ein wichtiger Punkt.

Was folgt, ist kein klassischer Liebesroman – sondern ein Suter-Roman.

Sprachlich brillant, ruhig und dennoch eindringlich erzählt, führt er uns in die emotionale Welt von Noah, der Camilla nicht einfach gehen lassen kann. Der bereit ist, alles zu tun – wirklich alles –, um sie zurückzugewinnen.

Und genau an diesem Punkt tritt Betty Hasler in sein Leben. Eine ältere, herzkranke Dame mit viel Geld und einem tiefen Schmerz, der in Wut umgeschlagen ist. Ihr Angebot an Noah ist schockierend, unmoralisch – und für einen Mann in seiner Lage dennoch fast unwiderstehlich.

Suter gelingt es einmal mehr, Figuren zu erschaffen, die sich real anfühlen. Mit Fehlern, Widersprüchen, Sehnsüchten. Noah ist Künstler mit Leib und Seele, sensibel, verloren, aber voller Liebe.
Betty ist traurig, wütend, entschlossen – und auf eine seltsame Weise verletzlich. Und Camilla ist nicht berechnend, sondern eine junge Frau, die für sich einen anderen Weg sucht. Und doch spürt sie eine tiefe Liebe und Verbundenheit zu Noah.

Was diesen Roman für mich besonders macht, ist die leise Intensität. Kein unnötiges Drama, keine Übertreibungen – stattdessen Zwischentöne, feine Ironie und immer wieder Sätze, die berühren.

Die Sprache ist elegant, klar, manchmal fast beiläufig – und doch voller Gefühl. Ich habe die Geschichte als Hörbuch erlebt, gelesen von Gert Heidenreich, und seine Stimme hat Suters Worte perfekt getragen. In sechs Stunden und 56 Minuten wurde ich hineingezogen in eine Welt voller Zweifel, Versuchung, Schmerz, Wut, Lügen, Liebe und Hoffnung.

Die Geschichte überrascht, weil sie sich entwickelt. Was als Beziehungsdrama beginnt, bekommt zunehmend kriminelle Züge. Die Übergänge sind subtil, aber effektiv.
Es geht um Liebe – und um Wut. Um Rache, aber auch um Verlust. Und um die große Frage: Wie weit ist man bereit zu gehen, für einen Menschen, den man liebt?

Wut und Liebe kann ich von Herzen empfehlen.
Berührend, verstörend, nachvollziehbar und überraschend. Ein Buch, das nachhallt. Unbedingt lesen – oder hören.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Intensiver Thriller

Die Lektorin - Ich schreibe dein Ende!
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“Die Lektorin” von T.J. Hammann 

Herausgeber: beTHRILLED

Diese Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann – schon der Klappentext macht klar: Weglegen ist keine Option.
Der Schreibstil ist klar, einfach ...

“Die Lektorin” von T.J. Hammann 

Herausgeber: beTHRILLED

Diese Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann – schon der Klappentext macht klar: Weglegen ist keine Option.
Der Schreibstil ist klar, einfach und strukturiert, sodass man sehr gut und flüssig durch die Seiten kommt. 
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, man rätselt von Anfang an mit: Wer steckt hinter den beängstigenden Manuskripten, die Lilli, eine Lektorin, erhält?
Wer verschafft sich Zugang zu ihrem Haus? 
Die offensichtlichen Verdächtigen scheiden nach und nach aus, was die Spannung zusätzlich erhöht.
Teilweise fand ich Lillis Gedanken und Handlungen allerdings etwas sprunghaft. Der Bezug zu ihrer Arbeit als Lektorin wurde nicht gut hervorgehoben. Hier hätte ich mir eine detailliertere Ausarbeitung gewünscht. Lilli darf die Polizei laut Angaben im zweiten Manuskript, nicht mehr einbeziehen – die Drohungen gegen ihre Kinder und ihren Ex-Mann werden immer konkreter. Ihre Angst um deren Leben lässt sie nur noch nach den Anweisungen handeln.

Lilli versucht zwar, dem Unbekannten auf die Schliche zu kommen, doch das Motiv bleibt lange unklar: Geht es um das neue Drehbuch ihres Ex-Mannes? Um Ruhm? Rache? Oder etwas ganz anderes?

Die Bedrohung spitzt sich zu, als ihr Ex-Mann auf einer Benefizveranstaltung vergiftet wird. Lilli bleibt nichts anderes übrig, als den Forderungen aus den Manuskripten Folge zu leisten – und trotzdem kann sie nicht alle schützen. Es fühlt sich an, als wolle ihr jemand eine Falle stellen und sie für alles verantwortlich machen.
Der Thriller ist sehr gut aufgebaut, mit gelungenen Spannungsbögen und überraschenden Wendungen.

Der Schreibstil bleibt durchgehend angenehm und flüssig. Leider konnte mich das Ende nicht überzeugen: 
Die Auflösung wirkte auf mich zu konstruiert und war zu weit hergeholt. Schade – hier hätte ich mir ein stärkeres, nachvollziehbareres Finale gewünscht.
Insgesamt ein intensiver Thriller mit einer starken Grundidee und spannender Umsetzung, der jedoch am Ende etwas an Kraft verliert.




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Veröffentlicht am 22.04.2025

Wohlfühlbuch

Der kleine Laden des Herrn Takarada
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„Der kleine Laden des Herrn Takarada“ von Kenji Ueda aus dem Englischen von Rainer Schmidt

Verlag: Goldmann 
Penguin Random House Verlagsgruppe

Das kleine Schreibwarengeschäft „Shihodo“ in Ginza, ...



„Der kleine Laden des Herrn Takarada“ von Kenji Ueda aus dem Englischen von Rainer Schmidt

Verlag: Goldmann 
Penguin Random House Verlagsgruppe

Das kleine Schreibwarengeschäft „Shihodo“ in Ginza, mitten im pulsierenden Tokio mit seinem Inhaber Herrn Takarada zeigt auf, wie mit sanfter Hand die tiefsten Fäden menschlicher Verbundenheit aufgenommen werden.
Zwischen Füllfederhaltern und Briefpapier scheint die Zeit stillzustehen. Kenji Ueda schenkt uns einen zauberhaften, leisen Roman in fünf Kapiteln. Und während die Geschichten sich langsam entfalten – leise, voller Zartheit und innerer Tiefe – lernen wir auch den Inhaber des Ladens kennen: Herrn Takarada.

Er wird nicht mit großen Gesten beschrieben, sondern durch das, was er tut: Tee servieren, zuhören, Papier und Stift reichen – und vor allem: Raum und Zeit schenken.
Der japanische Erzählstil – ruhig, bedacht, bilderreich – durchzieht jede Seite des Buches. Es ist, als säße man selbst im Laden, mit einer warmen Tasse Tee in der Hand, während draußen das Großstadtleben vorbeirauscht.

Die fünf Geschichten erzählen von Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Einsamkeit, Loslassen und dem Mut, sich dem eigenen Leben zu nähern.

Und sie tun das auf eine Weise, die tief berührt: unaufgeregt, aber nachhaltig.

Jede Figur ist authentisch gezeichnet, jede Begegnung hinterlässt Spuren – bei den Figuren wie auch bei uns als Lesende.
Berührend, feinfühlig und voller Wärme lässt uns Kenji Ueda dieses Buch erleben.

Wer feine Zwischentöne und stille Weisheiten liebt, wird sich in Herrn Takaradas Laden sehr zuhause fühlen.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Pageturner

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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„Die Kollegin“ von Freida McFadden übersetzt von Astrid Gravert
Verlag: Heyne

Zwei Frauen. Schreibtisch neben Schreibtisch. 
Und plötzlich ist eine von ihnen verschwunden.
„Die Kollegin“ hat mich sofort ...

„Die Kollegin“ von Freida McFadden übersetzt von Astrid Gravert
Verlag: Heyne

Zwei Frauen. Schreibtisch neben Schreibtisch. 
Und plötzlich ist eine von ihnen verschwunden.
„Die Kollegin“ hat mich sofort gecatcht – nicht nur wegen des richtig coolen Farbschnitts (ja, auch das Auge liest mit), sondern wegen dieser unterschwelligen Spannung, die sich von Seite zu Seite aufbaut.
Dawn ist… anders. Still, unbeholfen, schräg und doch irgendwie verloren. Ihre Kollegin Natalie beobachtet sie, ein bisschen von oben herab – bis Dawn plötzlich nicht mehr zur Arbeit erscheint. Ab da kippt alles. Natalie wird in ein Netz aus Lügen, Schuld und Gewalt gezogen, das immer enger wird.
Und man denkt ständig: Wer ist hier eigentlich Opfer – und wer Täter? Wer lügt und was ist die Wahrheit?
Der Thriller punktet auch mit einem spannend aufgebauten Spannungsbogen, der sich Kapitel für Kapitel steigert. Die Charaktere sind unfassbar präzise und intensiv beschrieben – ich hatte beim Lesen das Gefühl, ihnen direkt gegenüberzusitzen. Die Autorin überzeugt auch mit ihrem Schreibstil: Flüssig, packend, sehr gut lesbar – man fliegt regelrecht durch die Seiten.

Ich mochte besonders die Perspektivwechsel und Zeitsprünge – sie sorgen dafür, dass man niemals wirklich sicher ist, was gerade passiert oder wem man trauen kann. Man verdächtigt, verwirft, überlegt neu – und steht am Ende ziemlich sprachlos da.
Das Finale? Grandios. Schockierend, heftig, aber stimmig.
Ein richtig starker Thriller mit Tiefgang und klugem Aufbau. Für mich ganz klar 5 Sterne.

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