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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2025

Ein Sommer der vieles verändert

Swift River
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Meine Meinung und Inhalt

Der Roman spielt in einer Kleinstadt in Massachusetts in den späten Achtzigern und erzählt aus der Sicht von der Protagonistin Diamond, einem schwarzen Mädchen, das mit ihrer ...

Meine Meinung und Inhalt

Der Roman spielt in einer Kleinstadt in Massachusetts in den späten Achtzigern und erzählt aus der Sicht von der Protagonistin Diamond, einem schwarzen Mädchen, das mit ihrer Mutter in einem fast ausschließlich weißen Ort lebt. Ihr Vater ist seit Jahren verschwunden, was über der ganzen Geschichte wie ein unausgesprochenes Gewicht liegt.

Die Erzählerin hat eine eigene, glaubwürdige kraftvolle Stimme. Diamond ist klug, manchmal sarkastisch und sehr still. Diamond steht zwischen zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen Herkunft und Gegenwart, zwischen der Sehnsucht nach ihrem Vater und der Realität mit einer Mutter, die nicht viel redet. Besonders gelungen fand ich, wie Chambers diese innere Zerrissenheit nicht dramatisiert, sondern einfach aufzeigt.

Die Struktur mit Rückblicken und Briefen aus der Vergangenheit hat mir gefallen, auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, dass ein paar Passagen stärker hätten sein können. Nicht jede Nebenfigur hat für mich Tiefe bekommen und an ein, zwei Stellen hat sich die Geschichte etwas gezogen. Trotzdem war ich insgesamt wirklich drin. Die Themen Rassismus, Identität und Familie werden nicht mit erhobenem Zeigefinger behandelt, sondern eingebettet in eine ruhige, persönliche Erzählung. Das hat für mich gut funktioniert.

Empfehlenswert für alle, die ruhige, nachdenkliche Coming-of-Age-Geschichten mögen, die auch gesellschaftliche Themen nicht ausklammern.


Klappentext

Sommer 1987: Die 16-jährige Diamond fühlt sich als Außenseiterin. Ständig wird sie wegen ihres Gewichts gehänselt, zudem ist sie die einzige Schwarze weit und breit und hat mit diversen alltäglichen Rassismen zu kämpfen. Erst recht, seit ihr Vater spurlos verschwunden ist, ein Ereignis, das Anlass ist für allerlei Tratsch im Ort - und Diamond nachhaltig beschäftigt. Doch dann erhält sie Post von einer Unbekannten, und erfährt endlich mehr - über ihren Vater und die eigenen Wurzeln.


Über die Autorin

Essie Chambers hat an der Columbia University einen MFA in Kreativem Schreiben erworben und Stipendien von der MacDowell Colony, dem Vermont Studio Center und von Baldwin for the Arts bekommen. Sie war früher in der Film- und Fernsehbranche aktiv, u.a. als Producerin der Dokumentation DESCENDANT, die 2022 von der Produktionsfirma der Obamas, HIGHER GROUND, und von Netflix herausgebracht wurde. AN DEN UFERN DES SWIFT RIVER ist ihr erster Roman.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Zwischen Skalpell und Selbstachtungv

Emotional Female
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Meine Meinung und Inhalt

"Als ich Mitte zwanzig war, hatte ich damit geliebäugelt, einen Blog zu schreiben, aber ich war noch nie gut mit Computern oder überhaupt mit Technik gewesen, daher war es ...

Meine Meinung und Inhalt

"Als ich Mitte zwanzig war, hatte ich damit geliebäugelt, einen Blog zu schreiben, aber ich war noch nie gut mit Computern oder überhaupt mit Technik gewesen, daher war es nicht dazu gekommen. Außerdem würde ich nie so sein wie diese tollen Fashion-Bloggerinnen mit ihren Fotografen-Freunden und den Außenaufnahmen an exotischen Schauplätzen. Aber ich hatte immer schon gern geschrieben. Ich sah mir verschiedene Domains und Blogging-Plattformen an und erstellte schließlich einen Blog. Ich schrieb über meine neue rein pflanzliche Ernährung und über Yoga. Es war wie eine Flucht vor dem Schreiben über medizinische Themen." (ZITAT)

Beim Lesen von "Emotional Female" hatte ich oft das Gefühl, in einen Spiegel zu schauen, der nicht unbedingt mein eigenes Leben zeigt, aber die Fragen, die auch mich beschäftigen. Was ist denn ZU viel? Wie weit kann man sich anpassen, bevor man sich selbst verliert?

Kadota erzählt in diesem Buch von ihrem Weg durch die medizinische Ausbildung in Australien, von den langen Schichten, der Erschöpfung, dem Druck und vor allem davon, wie sehr sie sich selbst verloren hat, bevor sie es überhaupt bemerkt hat. Was mich beeindruckt hat, war die Ruhe, mit der sie das alles beschreibt. Es ist kein lauter Aufschrei, kein dramatischer Bericht, sondern ein nüchtes Nachzeichnen dessen, was ihr passiert ist.

Ich habe mich in vielen Momenten wiedergefunden, auch wenn ich nicht aus der Medizin komme. Der Wunsch, es allen recht zu machen. Das Gefühl, dass man stark sein muss, weil sonst jemand denkt, man sei schwach. Oder die Angst, dass eigene Grenzen als Mangel ausgelegt werden. Besonders den Begriff „emotional female“, den man ihr im negativen Sinne zugeschrieben hat, fand ich sehr stark.

Was mir gefallen hat, ist, dass sie keine perfekten Lösungen präsentiert. Sie erzählt ehrlich von Rückschritten, von Zweifeln und davon, dass Heilung nicht plötzlich da ist. Es gibt nicht den einen Ausweg. Aber es gibt Momente der Klarheit. Und manchmal braucht es genau so ein Buch, um diesen klaren Blick wiederzufinden.

Emotional Female ist kein Buch, das man mal eben zwischendurch liest bzw lesen sollte.Es ist meiner Meinung nach absolut authentisch und ehrlich geschrieben.Es hat mich daran erinnert, dass emotionale Reaktionen nichts sind, wofür man sich schämen muss. Und dass man sich nicht kaputt arbeiten muss, um jemand zu sein.

"Mit dem Abwasch fing es an. Ich hatte keine Lust, das Geschirr zu spülen, also stellte ich es einfach in die Spüle, wo es sich immer höher stapelte. Kleidungsstücke verteilten sich über den Boden, bis der aussah wie ein bunter Patchwork-Quilt. Vom Teppichboden war so gut wie nichts mehr zu sehen, weil überall irgendwas herumlag. Ich versank im Chaos. Zum Kochen konnte ich mich auch nicht aufraffen." (ZITAT)



Klappentext

Yumiko Kadota war der Traum aller asiatischen Eltern: Musterschülerin, Medizinstudentin, immer die Beste. Sie ordnete alles der ersehnten Karriere unter. Doch die Realität im öffentlichen Gesundheitswesen brach sie. Überarbeitung, Sexismus, Mobbing und Belästigung. Man nannte sie »emotional«, »zu selbstbewusst«. Irgendwann war es zu viel, Yumiko kündigte. Als sie ihren Blog mit den Worten begann: »Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich gebe auf. Ich gebe meinen Traum auf, Chirurgin zu werden«, ging ihre Geschichte viral. Seither ist Yumiko Kadota die Stimme ihrer Generation, wenn es um Burnout geht und darum, nach einem Zusammenbruch wieder auf die Beine zu kommen.


Über die Autorin

Yumiko Kadota ist eine Ärztin aus Sydney. Sie hat ihre Tätigkeit in einem öffentlichen Krankenhaus aufgegeben, nachdem sie an Burnout erkrankte, und arbeitet heute im privaten Gesundheitswesen. Ihre Geschichte wurde bekannt, nachdem sie im Februar 2019 in einem Blog über ihre Erfahrungen im Gesundheitssystem berichtete.



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Veröffentlicht am 26.06.2025

Was Menschenkenntnis wirklich bedeutet

Menschenkenntnis. Wie wir unsere Urteilskraft schärfen und bessere Entscheidungen treffen
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Meine Meinung und Inhalt

Ich habe das Buch gelesen, weil ich gemerkt habe, wie oft ich mir zu schnell ein Bild von Menschen mache. Manchmal liege ich richtig, manchmal völlig daneben. Genau da setzt das ...

Meine Meinung und Inhalt

Ich habe das Buch gelesen, weil ich gemerkt habe, wie oft ich mir zu schnell ein Bild von Menschen mache. Manchmal liege ich richtig, manchmal völlig daneben. Genau da setzt das Buch an. Es geht nicht darum, Tricks zu lernen, wie man Menschen durchschaut, sondern darum, besser zu verstehen, wie wir überhaupt zu unseren Urteilen kommen. Und vor allem, wo wir uns dabei selbst im Weg stehen.

Der Autor Richard Davis beschreibt nachvollziehbar, wie er in Gesprächen mit Menschen vorgeht, vor allem wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Er arbeitet als Psychologe und begleitet Auswahlprozesse für Führungspositionen. Seine Methode basiert auf Zuhören, Fragen stellen und genaues Beobachten. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, weil ich selbst im Alltag oft nur auf das schaue, was offensichtlich ist. Ich merke jetzt, wie hilfreich es sein kann, ruhig und offen zu bleiben und sich die Zeit zu nehmen, wirklich etwas über jemanden zu erfahren.

Was ich besonders positiv empfunden habe,waren die Fragen, die Davis seinen Gesprächspartnern stellt. Nicht oberflächlich, sondern persönlich. Wer hat dich geprägt? Wie gehst du mit schwierigen Situationen um? Was würden andere über dich sagen? Diese Fragen habe ich mir auch selbst gestellt und war überrascht, wie viel dabei hochkommt. Das Buch hat bei mir also nicht nur den Blick auf andere verändert, sondern auch auf mich selbst.

Was ich an dem Buch besonders schätze, ist die ruhige Art, in der Davis schreibt. Kein Besserwissen, kein Druck, sondern klare Gedanken, nachvollziehbare Beispiele und viele Denkanstöße. Ich habe das Buch nicht einfach durchgelesen, sondern immer wieder angehalten, um über bestimmte Stellen nachzudenken.

Das Buch war für mich sehr informativ und es hat mir geholfen, meine eigenen Urteile bewusster zu hinterfragen, und es hat mich motiviert, genauer hinzusehen, offener zu sein und ehrlicher mit mir selbst. Genau das macht für mich gute Menschenkenntnis aus.



Über den Autor

RICHARD DAVIS ist Organisationspsychologe und CEO von Kilberry, einem der führenden Unternehmen für Managementpsychologie in Kanada und den USA. Er hat Jahrzehnte damit verbracht, Führungskräfte zu beraten und Kandidaten auf Grundlage der Persönlichkeit für Führungspositionen in einigen der größten Unternehmen der Welt besser einzuschätzen, darunter Microsoft, Apple, Nike, LHMV, General Motors, Amazon, Google und die NBA.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Psychospiel im Luxusdomizil

Eine von uns
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Meine Meinung und Inhalt

"Die vier waren unzertrennlich. Ihre Lehrer scherzten, sie hätten als Geschwister geboren werden sollen, und obwohl sie alle sehr unterschiedlich aussahen, zeichnete ihre ...

Meine Meinung und Inhalt

"Die vier waren unzertrennlich. Ihre Lehrer scherzten, sie hätten als Geschwister geboren werden sollen, und obwohl sie alle sehr unterschiedlich aussahen, zeichnete ihre Freundschaft eine beinahe telepathische Qualität aus, so als seien ihre Teenagergehirne miteinander verbunden. ... Im Grunde waren sie einfach normale Mädchen, die normale Dinge in einer normalen Küstenstadt taten. ... Damals ahnten sie davon noch nichts, doch schon bald würde eine von ihnen sterben." (ZITAT)"


„Eine von uns“ von Samantha Hayes zieht einen mit seiner intensiven Atmosphäre und den raffinierten psychologischen Wendungen sofort in seinen Bann. Die Geschichte beginnt mit einem dramatischen Vorfall – einem Brand, der die Welt von Gina, der Hauptfigur, ins Chaos stürzt. Doch was sich schnell zeigt, ist, dass dies nur der Anfang einer viel komplexeren und gefährlicheren Geschichte ist. Was mich besonders fasziniert hat, war die Art und Weise, wie Hayes geschickt die Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart herstellt. Die Erzählung wechselt zwischen den Erinnerungen von Gina und den Ereignissen der Gegenwart, wobei die Vergangenheit stets wie ein Schatten über der Geschichte schwebt. Es ist, als ob das Erbe alter Geheimnisse und ungesprochener Wahrheiten in jedem Raum des luxuriösen Hauses spürbar ist, in das Gina zieht. Diese schrittweise Entfaltung der Vergangenheit verleiht der Geschichte eine tiefe, nahezu greifbare Schwere, die mich immer wieder zum Nachdenken brachte. Die Erzählweise von Hayes lässt einen die Verstrickungen der Figuren beinahe körperlich spüren. Die Geschichte verläuft langsam, ja fast methodisch, und baut eine atmosphärische Spannung auf, die den Leser immer weiter hineinzieht. Während Gina und ihre Familie in das vermeintlich sichere Haus von Annie und ihrer Haushälterin Mary eintauchen, spürt man, dass diese Idylle trügerisch ist. Es ist ein stetiges Spiel mit Misstrauen und Rätseln, das den Nervenkitzel nicht in hektischen Action-Szenen, sondern in den zwischenmenschlichen Beziehungen und den unerzählten Geschichten der Figuren verankert.

Besonders gut gefallen haben mir die wechselnden Perspektiven zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Es gibt eine tiefe Emotionalität in den Schilderungen von damals, die geschickt in die Gegenwart integriert wird und so eine ständige Verbindung zwischen den beiden Ebenen schafft. Diese Erzähltechnik hat der Geschichte eine zusätzliche Dimension gegeben und mich dazu angeregt, über die Auswirkungen von Geheimnissen und unausgesprochenen Wahrheiten nachzudenken. Der Spannungsbogen zieht sich durch die gesamte Geschichte, von den ersten Andeutungen bis hin zu den überraschenden Wendungen am Ende. Auch wenn es Momente gibt, in denen sich die Handlung langsamer entfaltet, ist es genau diese langsame, aber stetige Intensität, die den Thriller so fesselnd macht. Die finale Wendung hat mich überrascht und überzeugt, weil sie das Bild der Geschichte auf den Kopf stellt und dabei alle offenen Fragen auf eine meisterhafte Weise auflöst. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich „Eine von uns“ als einen besonders gelungenen Thriller empfunden habe.

Kurzum, das Buch ist für alle die Thriller lieben und Lust auf eine fesselnde Thriller-Atmosphäre mit überraschenden Wendungen haben.



Klappentext

Als ihr Haus abbrennt, wird Ginas Leben und das ihrer Familie auf den Kopf gestellt. Glücklicherweise ist ihre alte Freundin Annie nicht in der Stadt und bietet ihnen an, vorübergehend bei ihr zu wohnen – in einem wunderschönen, renovierten georgianischen Haus. Gina nimmt das Angebot dankend an. Als es bald darauf an der Tür klingelt und Mary auftaucht, die behauptet, die Haushälterin zu sein, stellt Gina das nicht infrage, denn Annie lobt ihre Angestellte in den höchsten Tönen. Doch Gina hat das Gefühl, dass Mary etwas zu verbergen hat. Während sie darüber grübelt, wird sie von albtraumhaften Erinnerungen heimgesucht – Erinnerungen an eine verhängnisvolle Nacht vor vielen Jahren. Doch der wahre Albtraum steht erst noch bevor.


Über die Autorin

Samantha Hayes wuchs in den englischen Midlands auf und wünschte sich schon mit zehn Jahren sehnlichst eine Schreibmaschine. Doch erst nach vielen Reisen und beruflichen Umwegen erfüllte sie sich ihren Traum und verfasste ihren ersten Roman. Während eines Australienaufenthalts lernte sie ihren Ehemann kennen. Mit ihm und ihren Kindern lebte sie für einige Zeit in den USA, bevor sie schließlich in ihre Heimat England zurückkehrte, wo sie, wenn sie nicht gerade schreibt, alte Häuser renoviert.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Wettlauf gegen die Zeit

Sieben letzte Tage
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Meine Meinung und Inhalt

Ich war aufgrund des Klappentextes sehr gespannt auf dieses Buch. Es klang nach einem klassischen Thriller mit einer juristischen Komponente – eine Frau kämpft um das Leben ihres ...

Meine Meinung und Inhalt

Ich war aufgrund des Klappentextes sehr gespannt auf dieses Buch. Es klang nach einem klassischen Thriller mit einer juristischen Komponente – eine Frau kämpft um das Leben ihres zum Tode verurteilten Vaters, den sie seit Jahren meidet. Was mich dann aber wirklich überrascht hat, war die Art, wie die Geschichte erzählt wird: rückwärts, beginnend am siebten Tag vor der Hinrichtung. Das hat sofort eine ganz besondere Spannung aufgebaut. Jeder Tag zählt, jede Entscheidung wiegt schwer, und als Leser spürt man diesen Druck fast körperlich mit.

Ich fand die Protagonistin Alice interessant und mutig sowie authentisch. Ihre innere Zerrissenheit hat mich beschäftigt: Sie hat ihren Vater nicht nur verloren, sondern aktiv aus ihrem Leben verbannt. Und plötzlich steht sie vor der Wahl, ihn entweder sterben zu lassen oder ihn zu verteidigen – nicht als Tochter, sondern als Anwältin. Das hat mich emotional mehr berührt, als ich zunächst erwartet hätte.

Was ich besonders mochte, war das Tempo der Geschichte. Die Kapitel sind kurz, die Szenenwechsel schnell, und trotzdem wirkt das Ganze nicht gehetzt. Ich war wirklich oft an dem Punkt, an dem ich dachte: „Nur noch ein Kapitel“, und dann saß ich wieder eine Stunde später da. Rutherford versteht es, Spannung zu erzeugen, ohne dabei reißerisch zu werden. Die Hinweise sind gut gestreut, es gibt viele Wendungen – einige davon habe ich kommen sehen, andere haben mich tatsächlich überrascht.

Allerdings gab es auch Momente, in denen mir die Handlung zu konstruiert wirkte. Gerade gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass ein bisschen zu viel in diese sieben Tage gepackt wurde. Nicht alles fühlte sich für mich ganz glaubwürdig an, vor allem, was das Verhalten einiger Nebenfiguren betrifft. Die Schwester von Alice zum Beispiel blieb für mich eher blass und wurde nur "sporadisch erwähnt". Ich hätte mir da mehr Tiefe gewünscht, mehr echte Reibung oder Entwicklung.

Dennoch muss ich sagen, dass der Schreibstil angenehm schnörkellos, fast filmisch ist. Ich konnte mir viele Szenen bildlich vorstellen.

Unterm Strich war Sieben letzte Tage für mich ein solider Thriller mit einem interessanten Konzept, einer starken Hauptfigur und vielen spannenden Momenten. Kein perfekter Roman.


Klappentext

Die junge Strafverteidigerin Alice Logan kann ihrem Vater nicht verziehen, dass er nie für sie da war und ständig ihre Mutter betrogen hat. Doch ist er auch ein Mörder? Als er für einen viele Jahre zurückliegenden Mordfall zum Tode verurteilt wird, muss sie sich entscheiden. Erst will sie seinen Unschuldsbeteuerungen gar nicht zuhören, doch dann tauchen ähnliche Fälle auf, zwischen denen es einen Zusammenhang zu geben scheint. Ist ihr Vater tatsächlich unschuldig Opfer einer Verschwörung geworden? Alice beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, und so beginnt ein rasanter Wettlauf gegen ihre Widersacher und gegen die Zeit. Denn ihr Vater soll schon in sieben Tagen hingerichtet werden ...


Über den Autor

Robert Rutherford ist eins der Gründungsmitglieder der Krimi-Schreibwerkstatt des Northern Crime Syndicate und stand zweimal auf der Shortlist für den CWA Short Story Dagger Award. Sieben letzte Tage ist sein Debütroman. Er lebt mit seiner Familie in Newcastle.

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