Profilbild von Booklove91

Booklove91

Lesejury Star
offline

Booklove91 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Booklove91 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.10.2025

Ein anderes Leben

Im Leben nebenan 
0

Meine Meinung

"Im Leben nebenan" von Anne Sauer hat mich aufgrund des Covers sehr neugierig gemacht. Ich denke man kann sagen,dass es ein ruhiges, aber sehr ehrliches Buch. Es erzählt von Toni, die mit ...

Meine Meinung

"Im Leben nebenan" von Anne Sauer hat mich aufgrund des Covers sehr neugierig gemacht. Ich denke man kann sagen,dass es ein ruhiges, aber sehr ehrliches Buch. Es erzählt von Toni, die mit ihrem Freund in der Stadt lebt und sich ein Kind wünscht. Nach vielen Enttäuschungen wacht sie eines Tages in einem anderen Leben auf. Dort heißt sie Antonia, lebt mit ihrer Jugendliebe auf dem Land und hat ein Baby. Eigentlich ist das das Leben, das sie sich immer gewünscht hat. Doch bald merkt sie, dass auch hier nicht alles gut ist.

Die Geschichte spielt mit der Frage, wie das Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an einem Punkt anders abgebogen wäre. Es geht nicht um Magie (kein Freakie Friday Buch) oder um eine klare Erklärung, wie dieser Wechsel passiert. Es geht darum, zu sehen, dass jedes Leben seine schönen, aber auch seine schweren Seiten hat. Kein Weg ist frei von Zweifeln, egal wie richtig er sich anfühlt.

Anne Sauer schreibt in einer einfachen, klaren Sprache. Sie beschreibt Gefühle genau, ohne zu übertreiben. Man spürt, wie sehr Toni mit sich selbst kämpft, mit der Sehnsucht nach einem Kind, mit der Angst, etwas zu verpassen, und mit der Frage, ob sie überhaupt noch weiß, wer sie ist. Die Anstrenung mit ihrem Parnter ein Kind zu bekommen, ihre Mühen und Fehlschläge.

Manchmal bleibt das Buch etwas unbestimmt. Man erfährt nicht genau, warum Toni in das andere Leben gerät. Man wartet auch auf eine Auflösung, ein Aufwachen aus einem Traum, die Darstellung, dass sie vielleicht durch einen Autounfall ihr Gedächtnis vorloren hat und alles schon immer so war etc.

Allerdings bleibt auch das Ende ist offen, es gibt keine eindeutige Lösung.

Wer klare Antworten mag, wird vielleicht etwas unzufrieden sein.

Aber gerade diese Offenheit passt gut zum Thema. Das Leben selbst hat schließlich auch keine klaren Antworten.


"Im Leben nebenan" ist kein lauter Roman. Er braucht Zeit und Ruhe. Er fühlte sich für mich an wie aus dem Leben geschildert. Ich finde man muss sich auf dieses Werk einlassen, denn dann bekommt man eine Geschichte die nachhallt. Die Botschaft hinter dem Buch hat mir total gut gefallen!

Ein Buch über das Suchen, über Entscheidungen, über das, was fehlt – und darüber, wie man trotzdem weiterlebt, nur vielleicht etwas anders.


Über die Autorin

Anne Sauer (*1989) lebt als freie Texterin und Moderatorin in Hamburg. Sie ist Teil von Literaturjurys und empfiehlt seit vielen Jahren aktuelle Gegenwartsliteratur, u. a. im Podcast ›MONATSLESE‹ oder als @fuxbooks auf Instagram. Für ihre Arbeit verlieh ihr der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2022 den Young Excellence Award. 2024 erschien ihr viel beachtetes Essay über Taylor Swift, mit dem sie direkt auf der SPIEGEL-Bestsellerliste einstieg. ›Im Leben nebenan‹ ist ihr Romandebüt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2025

Aichner kann auch anders

Man sieht nur mit der Schnauze gut
0

Meine Meinung

Ich war neugierig. Ganz klar. Die blutigen spannungsgeladenen Thriller (Achtung - wer sie noch nicht kennt, aber Thriller / Krimis mag-> lest die Bücher von Herrn Aichner) sind mir alle ...

Meine Meinung

Ich war neugierig. Ganz klar. Die blutigen spannungsgeladenen Thriller (Achtung - wer sie noch nicht kennt, aber Thriller / Krimis mag-> lest die Bücher von Herrn Aichner) sind mir alle bekannt und ich liebe sie.

Mit "Man sieht nur mit der Schnauze gut" zeigt der Autor ganz klar, dass er vermutlich mal ein anderes Genre ansprechen wollte und ordentlich Humor hat.

Aichner schafft es, eine sehr herzliche, humorvolle Atmosphäre zu zeichnen. Der Hund Aspro ist nicht bloß eine niedliche Idee, sondern eine Figur mit eigener Wahrnehmung und Relationen. Es wird aus der Sicht von Aspro auch erzählt. Dieser reagiert auf Menschen, Geräusche, Gerüche, aber auch auf Ungerechtigkeit mit einer Mischung aus Instinkt (wenn er mal eine Wurst riecht) und Hundelogik (Achtung Bombe).

Die kurzen Kapitel und Episoden aus dem Alltag Aspros, kombiniert mit kleinen Ermittlungen (Diebstahl, Einbrecher, etc) geben dem Buch ein unaufdringliches Tempo. Man muss nicht viele Seiten am Stück lesen, um in Stimmung zu kommen. Die Kapitel hängen meiner Meinung nach auch nicht wirklich zusammen und sind eher unabhängig.

Für Leserinnen, die gerne klare Fälle oder starke Wendungen haben wollen, könnte das enttäuschend sein.

Der Stil ist oft leicht österreichisch gefärbt, und das tut gut, weils einfach persönlich und lustig wirkt.


Fazit: "Man sieht nur mit der Schnauze gut" ist ein warmherziges, charmantes Buch, ideal wenn man etwas Leichtes, Humorvolles sucht.

Für mich war es unterhaltsam, stimmig in Atmosphäre und Idee, weniger stark in Tiefe und Komplexität.

Kein Punktabzug in der Rezi aber erwähnenswert ist der stolze Hardcoverpreis für fast 20 € und nicht mal 140 Seiten.

Aichner kann auch anders, aber ich liebe seine Thriller und Krimis nach wie vor mehr, es war aber eine gelungene und nette Abwechslung!


Zusatz

Hundeliebhaber Bernhard Aichner lässt uns mit diesem Buch ausnahmsweise einmal nicht das Blut in den Adern gefrieren und nimmt eine ganz neue Perspektive ein: Durch Aspros Augen blickt er auf eine Welt, in der die Menschen sich oft seltsam benehmen und wirklich dringend auf Aspros Spürsinn angewiesen sind. Denn: Aspro will nicht nur spielen! Mit dem richtigen Riecher für Verbrechen und dem feinen Gespür für Unrecht birgt jede Spur ein Abenteuer. Also: Leine los und mit erhobener Schnauze voraus!


Über den Autor

Bernhard Aichner: Der gebürtige Osttiroler entdeckte früh das Schreiben als Möglichkeit, der Enge des Landlebens etwas entgegenzusetzen. Inspiriert von den Märchen, die ihm seine Mutter vorlas, entwickelte sich seine Leidenschaft für düstere Geschichten. Bis heute schreibt der Autor von Hand und skizziert jede Szene zunächst auf Papier. Durch diese bedächtige Arbeitsweise schafft er eine besondere Nähe zu seinen Figuren.

Aichners rasante, bildhafte Erzählweise entwickelt einen Sog, der die Leser:innen unaufhaltsam in ihren Bann zieht und intensiv mitfühlen lässt. Seine Protagonisten kämpfen unbeirrt ums Überleben, authentisch, emotional und mitreißend. Während seine Thriller tiefste menschliche Abgründe aufzeigen, begeistert Aichner sein Publikum mit seiner optimistischen und lebensfrohen Art.

Seinen internationalen Durchbruch schaffte Aichner im Jahr 2014 mit seinem Thriller „Totenfrau“. Die zwei Staffeln der Netflix-Serienadaption standen weltweit in 67 Ländern unter den Top 10.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.10.2025

Die strahlenden Fünf

2048: Die Macht des Sturms
0

Meine Meinung

„Was ist denn unsere Aufgabe?“, meldete sich nun endlich Darren zu Wort. Bis jetzt schien er wie erschlagen gewesen zu sein von derneuen Information.Der Alte lehnte sich seufzend zurück. ...

Meine Meinung

„Was ist denn unsere Aufgabe?“, meldete sich nun endlich Darren zu Wort. Bis jetzt schien er wie erschlagen gewesen zu sein von derneuen Information.Der Alte lehnte sich seufzend zurück. „Das weiß ich nicht. “Er rührte in seinem neuen Becher Glühwein. Caitlin zog dieAugenbrauen zusammen. Verschwieg er ihnen etwas? „Können Sie uns wirklich keinen Tipp geben?“ Der Mann stoppte und schaute nachdenklich in sein Glas. Dann musterte er die Gruppe der Reihe nach mit dunklen, leichtglänzenden Augen.„Ihr seid viele. Jeder von euch ist unterschiedlich. Jeder von euch ist unentbehrlich für die Mission.“Die Gruppe schaute sich stumm an." (ZITAT)

Auf 2048 bin ich aufgrund des Klappentextes und des auffallend schöne Cover aufmerksam geworden. Ich habe "2048: Die Macht des Sturms" von Lorena Christ demnach gelesen und es hat bei mir einen zwiespältigen, aber bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Zukunftsideen und Neuheiten fand ich sehr einfallsreich. Die Geschichte um eine Gruppe Jugendlicher, die durch einen Sturm übernatürliche Fähigkeiten entwickeln, greift aktuelle / wichtige Themen auf (Klimawandel,Umweltkatastrophen, Energieknappheit, Identität, Liebe anderer Geschlechter), ohne belehrend zu wirken. Besonders gelungen finde ich, wie Christ Spannung, Emotion, Zusammenhalt, Freundschaft und gesellschaftliche Fragen miteinander verbindet und die Suche nach der Mission.

Caitlin als eine der Hauptfiguren ist glaubwürdig gezeichnet, also verletzlich, unsicher und zugleich innerlich stark. Auch die Dynamik in der Gruppe ist intensiv; Freundschaft, Misstrauen, Loyalität und Selbstzweifel ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung.Auch ein Hauch von Romantik liegt in der Luft. Die Autorin schafft es, dass man mit den Figuren mitfiebert, selbst wenn man nicht jede Entscheidung nachvollziehen kann. Auch die anderen Charaktere passen gut in die Geschichte, etwa Juli, die man mit ihrer offenen und warmen Art schnell ins Herz schließt.

Teilweise habe ich mir allerdings etwas schwer getan, was das Alter der Figuren angeht. Juli wird sehr jung dargestellt, was authentisch wirkt – sie ist eher das Küken der Gruppe –, während andere bereits Häuser reparieren oder sich in Situationen beweisen, die eher nach Erwachsenen klingen. Gleichzeitig gibt es wieder Figuren, die noch mit typischen Schulproblemen wie Mobbing kämpfen. Diese Mischung ist interessant, wirkt aber an manchen Stellen etwas unausgeglichen.

Der Stil ist flüssig und bildhaft, die Sprache angenehm direkt, und viele Szenen entfalten eine greifbare Atmosphäre. Allerdings merkt man der Geschichte ihre Länge an. Einige Passagen hätten "gestrafft" werden können, und manche Nebenfiguren bleiben im Hintergrund, obwohl sie Potenzial hätten. Auch bestimmte Wendungen sind absehbar, was etwas Spannung kostet. Trotzdem bleibt die Erzählung emotional und thematisch dicht genug, um bis zum Ende zu tragen.

Apropos Ende. Dieses bleibt (leider) teilweise offen, ein Band 2 ist geplant.

Für mich ist das Buch eine gelungene solide Mischung aus Dystopie, Fantasy und Coming-of-Age-Geschichte. Es überzeugt vor allem durch Charaktertiefe und das Nachdenken über Verantwortung und Zusammenhalt in einer zerstörten Welt. Mich konnte das Buch gut unterhalten.


Klappentext

Wir schreiben das Jahr 2048, Strom ist Mangelware und ein Großteil der Welt ist unbewohnbar.
Eigentlich wollte Caitlin nur in ein Sommercamp für Problemkinder fahren. Doch als im Wald ein verheerender Sturm losbricht, entwickeln sie und vier weitere Jugendliche unberechenbare Kräfte. Caitlins Haare verwandeln sich phasenweise in scharfes Metall und Darren entfaltet elektrisierende Fähigkeiten. Nun von ihren Familien gefürchtet, verbünden sich die begabten Jugendlichen miteinander. Was Caitlin zunächst als Fluch empfindet, wandelt sich langsam zu einem Segen. Aber damit, dass mit den neuen Fähigkeiten eine Verantwortung einhergeht und die fünf Freunde eine Mission zu erfüllen haben, hat Caitlin nicht gerechnet. Und bald wird klar, dass andere Personen ihre besonderen Gaben begehren…Gelingt es ihnen, die Kräfte rechtzeitig zu beherrschen, bevor die Vergangenheit sie einholt?


Autorin über sich

Ich bin im Jahre 1999 geboren und lebe zusammen mit meinem Partner in Basel, Schweiz. Hauptberuflich bin ich Juristin.
Ich habe drei Schwestern - eine davon schreibt auch (s. unter "Delias Bücher jimdo").Schreiben ist schon seit der Primarschule meine Leidenschaft. Die ersten kurzen Geschichten habe ich auf dem alten, renovierungsbedürftigen Computer meines Grossvaters verfasst. Seitdem habe ich die Schreibfeder nicht mehr aus der Hand gelegt. Neben Fantasywelten interessieren mich auch gesellschaftliche und psychologisch- soziologische Themen (vgl. Kurzgeschichten). Diese unterschiedlichen Interessen habe ich nun in meinem neusten Projekt "2048: Die Macht des Sturms" miteinander vereint.Der Roman "Die Zeit-Zauberin" habe ich mit 16 Jahren geschrieben; veröffentlicht wurde er zwei Jahre später beim Brighton Verlag (2018). Ab Sommer 2022 ist der Roman nur noch als ebook erhältlich, neu veröffentlicht bei neobooks.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2025

Langweilig!

Der Rache Glanz
0

Meine Meinung

Ich habe "Der Rache Glanz" von Maud Ventura als Hörbuch gehört und war enttäuscht. Mich hat es nicht wirklich gepackt. Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte ...

Meine Meinung

Ich habe "Der Rache Glanz" von Maud Ventura als Hörbuch gehört und war enttäuscht. Mich hat es nicht wirklich gepackt. Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte einfach nicht in Fahrt kommt. Die Hauptfigur bleibt für mich über lange Strecken blass, ihr Innenleben kreist ständig um dieselben Themen – Selbstinszenierung, Kontrolle, Zweifel – ohne dass sich daraus eine spürbare Entwicklung ergibt.

Ich habe wirklich permanent gehofft, dass irgendwann etwas Entscheidendes (oder überhaupt irgendwas mal) passiert, dass sich die Spannung aufbaut oder eine neue Ebene sichtbar wird. Aber dieser Moment kam einfach nicht. Die Handlung wirkt wie ein einziger, gleichmäßiger Fluss ohne klare Wendepunkte. Es fühlt sich wie ein einziger Monolog von der selbstüberschätzten Chleo an.

Die Sprecherin macht ihre Arbeit ordentlich, aber auch das konnte das monotone Gefühl nicht ganz auffangen. Ihre Stimme ist ruhig, fast schon zu gleichmäßig, was bei einem ohnehin ruhigen Erzählfluss schnell ermüdend wirkt. Ich musste mich mehrfach zwingen, dranzubleiben, weil ich hoffte, dass noch etwas kommt, irgendein Umbruch, ein Konflikt, ein klarer Moment der Erkenntnis.

Erst ganz am Ende gibt es tatsächlich eine kleine Überraschung, die kurz Spannung aufbaut und mich für einen Moment wieder wachrüttelte. Aber dieser Moment kommt zu spät und bleibt zu kurz, um den zähen Verlauf davor auszugleichen.

Unterm Strich war das Hörbuch für mich eher eine zähe Erfahrung als ein fesselndes Erlebnis. Es ist sprachlich sauber gearbeitet, aber emotional distanziert und erzählerisch flach. Ich habe es zu Ende gehört, weil ich wissen wollte, ob es sich noch lohnt – aber wirklich überzeugt hat mich Der Rache Glanz nicht. Keine Empfehlung meinerseits!


Inhaltsangabe

Cléo weiß schon früh, dass sie den fürchterlich durchschnittlichen Verhältnissen, in denen sie aufwächst, entkommen will. Spätestens als sie bei einer banalen Modenschau von einer Mitschülerin ausgestochen wird, reift in ihr die Erkenntnis, dass sie sich rächen muss. Ihre Vendetta heißt: Berühmt werden. Als Popsängerin.
Unerbittlich arbeitet Cléo jahrelang an ihrem Timbre, ihren Lyrics, ihrem Charisma, überhaupt an ihrer Außenwirkung bis ins winzigste Detail. Immer obsessiver verfolgt sie ihr einziges Ziel, geht dabei immer strenger mit sich selbst ins Gericht. Und während sie dem Weltruhm näher kommt, steigt der Preis dafür ins Unermessliche.



Über die Autorin

Maud Ventura, geboren 1992, ist eine französische Autorin. Ihr Debütroman Mein Mann, mit dem Prix du Premier Roman ausgezeichnet, wurde in Frankreich zum meistverkauften Debüt des Jahres 2021 und zu einem Best- und Longseller-Phänomen.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.09.2025

Skurrilität mit Herz

Broccoli Punch
0

Meine Meinung

Das auffallende Cover sowie der Titel konnten sofort mein Interesse wecken. Ich mag Kurzgeschichten und war demnach wirklich neugierig. Nachdem ich "Broccoli Punch" gelesen hatte, kann ich ...

Meine Meinung

Das auffallende Cover sowie der Titel konnten sofort mein Interesse wecken. Ich mag Kurzgeschichten und war demnach wirklich neugierig. Nachdem ich "Broccoli Punch" gelesen hatte, kann ich sagen,dass der Autorin hiermit etwas gelungen ist, was nicht viele Autorinnen in Kurzgeschichten schaffen. Sie verbindet Alltägliches mit Surrealem (man sollte sich als Leser einfach drauf einlassen!) so, dass man sich nicht mehr sicher ist, ob man gerade träumt, halluziniert oder einfach nur hinsieht. Das Buch ist durchgehend echt sehr skurril, aber jede Geschichte findet zu einem tollen Ausgang, der mich versöhnt und manchmal sogar leise glücklich zurücklässt.

Die Sammlung besteht aus acht Erzählungen und jede dieser Geschichten beginnt in einem vertrauten Rahmen. Familie, Beziehung, Trauer, Alltag. Doch dann kippt etwas. Ein Arm wird zu Brokkoli, Asche wird zur Pflanze, usw. Ich möchte hier aber gar nicht zu viel verraten! Diese Wendungen sind nicht primär Effekthascherei sondern eher poetische Entrückungen, Metaphern für innere Zustände wie Einsamkeit, Schuld oder das Gefühl, anders zu sein. Mehrfach hatte ich einen Kloß im Hals, nicht weil das Surreale laut oder schockierend wäre sondern weil es leise und zögerlich spricht vom Verlorensein und gleichzeitig vom Wollen zu leben.

Was ich besonders schätze ist der Ton. Lee Yuri schreibt nicht pompös. Sie schreibt nicht überladen. Vieles klingt beinahe beiläufig, was ich nicht negativ meine, denn gerade diese Zurückhaltung verstärkt die starken Momente. Wenn die Überraschung kommt, sie trifft.

Und dann gibt es noch das kurze Nachwort der Autorin, das für mich ein kleines Schmuckstück ist. Es ist zauberhaft, warm und klug.

Ein wirklich tolles Debüt für alle die sich auf Skurriles einlassen und Kurzgeschichten mögen.


Klappentext

Ein Freund, dessen Hand zu einem Brokkoli wird. Ein Vater, dessen Asche sich in eine sprechende Pflanze verwandelt. Das plötzliche Auftauchen des toten Exfreunds für eine letzte gemeinsame Kimchi-Mahlzeit. Ein Mann, dessen bester Freund Scott ein wunderschöner Flusskiesel ist. Die Web-Managerin eines K-Pop-Stars, die sich darüber selbst vergisst. Oder eine junge Frau, die unsichtbar wird. – In bester koreanischer Tradition erzählt »Broccoli Punch« von Menschen und ihren Metamorphosen. Die hier versammelten Geschichten sind so fantastisch und gleichzeitig tief verwurzelt in den realen Ängsten und Zwängen unseres Alltags, dass es fast unmöglich ist, sie wieder zu vergessen.


Über die Autorin

Lee Yuri wurde 1990 in Gangwon, Südkorea geboren. Ihre literarische Karriere begann 2020 beim Kyunghyang Shinmun New Year's Literaturwettbewerb. Sie hat zwei Kurzgeschichtensammlungen und einen Roman veröffentlicht. »Broccoli Punch« ist ihr Debüt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere