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Veröffentlicht am 12.06.2021

Eine "Welt hinter der Welt"

Underworld Chronicles - Verflucht
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Die Geschichte:

Wir, als Leser, dürfen in „Underworld Chronicles – Verflucht“ die Protagonistin Nora auf ihrer Reise durch die Unterwelt Detroits begleiten.
Diese Unterwelt stellt nicht etwa den klassischen ...

Die Geschichte:

Wir, als Leser, dürfen in „Underworld Chronicles – Verflucht“ die Protagonistin Nora auf ihrer Reise durch die Unterwelt Detroits begleiten.
Diese Unterwelt stellt nicht etwa den klassischen Bereich der organisierten Kriminalität, sondern vielmehr eine „Welt hinter der Welt“ dar.
Bereits mit dem hier vorliegenden ersten Band der Reihe wird eine enorm vielschichtiges und bunt bevölkertes, jedoch vor den meisten Menschen verborgenes, Universum gestaltet.
Mit Trollen, Vampiren, Werwölfen, Zauberern und allerlei weiteren Fabelwesen handelt es sich bei den Kreaturen und Personen die Nora begegnen im wahrsten Sinne des Wortes um Unterweltler.

Nora ist eine sympathische junge Frau, die sowohl mit einer einzigartigen übersinnlichen Gabe, als auch mit einem mysteriösen Fluch in ihrem Leben zurecht kommen muss. Im Verlauf der Handlung erfahren wir nach und nach mehr aus ihrer Großteils tragischen Vergangenheit, während wir miterleben, wie sie Stück für Stück in die ihr verhasste Unterwelt eintaucht.
Nora begibt sich auf die Suche nach einigen verschwundenen Unterweltlern, wobei ihr ihre Fähigkeiten eine große Hilfe sind. Im Zuge dessen lernt sie mehr von dieser versteckten „Welt hinter der Welt“ kennen, als ihr lieb ist. Doch dieses Eintauchen bringt allmählich ihre Einstellung ins Wanken und sie muss erkennen, dass nicht alles und vor allem nicht jeder dort von Grund auf böse ist. Zunehmend fühlt sie sich dort und mit den Personen, die sie kennenlernt, wohler und angenommen.

Das Universum, das die Autorin erschafft (eigentlich handelt es sich hierbei um ein Pseudonym für ein Autoren-Ehepaar), steht als groß, vielseitig und bunt im Hintergrund. Währenddessen bewegen wir uns durch ein relativ kleines Stück davon und erhalten zu einigen der dort anzutreffenden Wesen, über die gesamte Geschichte verteilt, interessante Informationen. Dabei bleibt der Fokus der Autoren aber stets auf den einzelnen Charakteren, so dass man sich in diese gut einfühlen kann.

Meine persönliche Meinung:

Ich habe den ersten Band der „Underworld-Chronicles“-Reihe gerne und begeistert gelesen.
Das Cover ist ein stimmungsvoller Blickfang und lässt stärker auf einen „Vampir-Roman“ schließen, als es dann tatsächlich der Fall ist – wovon ich angenehm angetan bin.
Anstelle der üblichen „Vampirromanze“ mit viel Schmacht, in Form der inzwischen nahezu klassischen Liebesgeschichte, habe ich Einblicke in eine unheimlich vielseitige, bunte, geheimnisvolle und vor allem große Welt erhalten. Dabei überfordert dies zu keiner Zeit, da sich die Handlung nur in einem überschaubaren Teil dieser angedeuteten riesigen Welt bewegt, wird man als Leser nie von Komplexität oder zu vielen Informationen erschlagen. Aber das Potential dieses Universums spürt man an vielen Stellen der Handlung hindurchscheinen – und es ist wahrlich groß.

Die dargestellten Charaktere sind - je nach Absicht der Autoren – sehr sympathisch bis absolute Unsympathen. Hier kann man nur lobend Beifall spenden, wenn einem Charaktere sofort ans Herz wachsen oder man direkt Antipathie verspürt.
Insbesondere Nora entwickelt sich im Verlauf der Handlung, aber auch die weiteren Personen gewinnen überwiegend an Schärfe. Dabei bleiben noch viele Hintergründe und Entdeckungen – auch im Inneren der Charaktere – für die Fortsetzungen offen.

Ein Wermutstropfen war für mich zunächst, dass die charakterliche Entwicklung Noras zwar teils gut dargestellt wurde und sich nachvollziehen ließ, dies jedoch im Verlauf der Geschichte zunehmend abnahm. Bald konnte ich die dargestellte Entwicklung, Noras Einstellungen oder Charakterzügen nicht mehr ganz nachvollziehen. Auch einzelne Handlungsabschnitte, zeigten leichte Schwächen – hier hätten zusätzliche (Buch-)Seiten der Geschichte gut getan.
Dennoch schafften es die Autoren, dass ich durch den flüssigen und ansprechenden Schreibstil und die Handlung an sich gefesselt wurde. Zu keiner Zeit führten die leichten Schwächen zu größeren Irritationen beim Lesen. Im Gegenteil, wollte ich das Buch am liebsten nicht beiseite legen, sondern es in einem Rutsch verschlingen.
Auch wenn Teile des Plots etwas vorhersehbar sind (aber welches Buch kann das heute von sich nicht mehr behaupten?), hat mich die ein oder andere Wendung überrascht.

Zum Ende der Geschichte hin, musste ich über den zuvor erwähnten „Wermutstropfen“ nochmals intensiver nachdenken. Aus diesen Schwächen in der charakterlichen Entwicklung, wurde zunehmend das Gefühl, dass diese vielleicht bewusst vorhanden sind – dass sich diese im Verlauf der nächsten Bände von selbst erklären und Teil einer größeren und komplexeren Entwicklung sein könnten.
Ich hoffe mit dieser Vermutung ins Schwarze zu treffen und bin gespannt auf den nächsten Band der Reihe.

Fazit:

„Underworld Chronicles – Verflucht“ ist als Einstieg in die „Underworld-Chronicles“-Reihe gelungen.
Wir als Leser begeben uns in eine unheimlich große, bunte und vielseitige „Welt hinter der Welt“ in der wir faszinierenden und tollen Personen und Kreaturen begegnen. Ich konnte so manchen der Charaktere dort lieb gewinnen, das Buch hätte ich am liebsten gar nicht mehr aus der Hand gelegt.
Der Schreibstil ist flüssig, die Charaktere sind interessant und ungewöhnlich, die Handlung fließt dahin und nur zu gerne taucht man in sie ein und lässt sich mitreißen.

Zunächst ausgemachte (vermeintliche?) Schwächen in der charakterlichen Entwicklung der Protagonistin ließen mich zum Ende der Geschichte nachdenklich zurück. Handelt es sich hierbei wirklich um Schwächen oder sind sie vielmehr Vorboten einer deutlich größeren und komplexeren Entwicklung in den folgenden Bänden?
Ich werde meine eigene Theorie sicherlich verfolgen und mir auch die weiteren Bände zu Gemüte führen.
„Verflucht“ kann ich jedenfalls eindeutig zum Lesen empfehlen.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre