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Brombeere

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2026

mysteriöse Vorkommnisse in einer Kleinstadtidylle

Middle of the Night
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Worum geht es?
Vor 30 Jahren verschwand Billy beim Zelten mit seinem Freund in der Nacht. Nun kehrt eben jener Freund in sein Elternhaus zurück. Das Haus, in dessen Garten das Verschwinden stattfand.

Worum ...

Worum geht es?
Vor 30 Jahren verschwand Billy beim Zelten mit seinem Freund in der Nacht. Nun kehrt eben jener Freund in sein Elternhaus zurück. Das Haus, in dessen Garten das Verschwinden stattfand.

Worum geht es wirklich?
Suche nach einem Abschluss und geheimnisvolle Dinge in der Nacht.

Lesenswert?
Ja, auch wenn es mich nicht ganz überzeugen konnte.
Die Handlung ist eher langsam und beginnt ruhig, aber unheimlich. Ethan beobachtet in dem Straßenzug, dem Hemlock Circle, merkwürdige Dinge und etwas seltsames scheint in der Luft zu liegen.
Gerade diesen Beginn habe ich als sehr atmosphärisch und unheimlich empfunden, die Stimmung wurde sehr gut aufgebaut. Dazu habe ich Vergleiche zu Stephen King oder Stranger Things gehört - da ich beides nicht kenne, kann ich dazu keine Aussage treffen.
Der eine Handlungsstrang spielt in der jetzigen Zeit mit dem erwachsenen Ethan, der zurückgekehrt ist und noch immer mit dem ungelösten Verschwinden nicht abschließen kann. Ein zweiter Erzählstrang mit kürzeren Kapiteln spielt in der Vergangenheit vor 30 Jahren und lässt die lesende Person schrittweise erfahren, wie der Tag vor dem Verschwinden verlaufen ist. Auch diese Stimmung ist sehr gut eingefangen und dargestellt.
Positiv ist mir definitiv die Fähigkeit von Sager aufgefallen, unheimliche oder realistische Szenen und Stimmungen zu erzeugen. Sprachlich (Übersetzung Christine Blum) ist das Buch einfach und schnell zu lesen.
Nicht richtig überzeugt hat mich dann die weitere Entwicklung der Handlung, da es mir zu unrealistisch und übertrieben vorkam und auch die schlussendliche Auflösung zwar stimmig, aber irgendwie nicht befriedigend war.
An einigen Stellen verlief die Handlung dann zu glatt und gewollt und die Figuren sind zu sehr schwarz-weiß dargestellt und verfügen über nicht so viele Facetten.
Trotzdem kann ich das Buch empfehlen, wenn man Interesse an einer langsamen und leicht unheimlichen Spannungsgeschichte Interesse hat und vielleicht in den 90ern groß geworden ist.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

ruhig und berührend

Moosland
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Worum geht es?
Elsa kommt nach dem zweiten Weltkrieg mit anderen deutschen Frauen nach Island, da es der Insel an Frauen fehlt. Ohne Sprachkenntnisse muss sie sich in dieser neuen Umgebung einleben.

Worum ...

Worum geht es?
Elsa kommt nach dem zweiten Weltkrieg mit anderen deutschen Frauen nach Island, da es der Insel an Frauen fehlt. Ohne Sprachkenntnisse muss sie sich in dieser neuen Umgebung einleben.

Worum geht es wirklich?
Freiheit, Vergangenheit und vorsichtige Bande.

Lesenswert?
Ja, habe ich sehr gerne gelesen. Die Handlung beginnt mit Elsas Ankommen auf Island, in einem kleinen Boot und fremden Menschen anvertraut. Sie soll sich als Magd / Haus- und Hofhilfe bei einer Familie nützlich machen.
Elsa ist eher zurückhaltend, scheu und von der eignen Vergangenheit traumatisiert. Sie spricht die Sprache nicht und zeigt auch nicht wirklich Interesse daran, auch wenn sich die Familie mit Handzeichen oder langsamen Erklärungen bemüht.
Allgemein ist der Umgang und die Situation auf dem Hof eher rau, doch meist wohlwollend.
Vor allem die Söhne und der Knecht versuchen Elsa zum reden zu motivieren, während die Mutter eher pragmatisch vorgeht und Elsa Dinge zeigt.
Mir hat Elsas Art sehr gefallen und die Art, wie man beim lesen zuerst genau so ratlos ist wie sie und dann immer mehr Worte versteht und auch sehr geschickt an die Schreibweise herangeführt wird. Diesen Aspekt fand ich wunderbar gelöst.
Elsa ist eine Beobachterin mit herzlichen Werten. Schritt für Schritt, wenn auch langsamer als manch andere Frau in der gleichen Situation, kommt sie in ihrem neuen Leben an.
Doch es gibt auch dunkle Momente, wenn alles über sie hereinbricht und sie sich ahnungslos und zurückgelassen fühlt.
Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr fein gewoben, werden schön aufgebaut.
Eigentlich passiert in diesem Buch handlungstechnisch nicht sehr viel und trotzdem geht im Inneren der Protagonistin viel vor sich.
Zu Beginn habe ich mich mit der Lektüre noch etwas schwer getan, aber dann war sie berührend und interessant zugleich und auch der geschichtliche Hintergrund hat mich interessiert.
Ich kann dieses Buch empfehlen, wenn man Rauheit mag, man sich für Sprache interessiert und vielleicht nebenbei auch über Dinge nachdenken möchte.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Thriller mit Fantasy

Böser, böser Wolf
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Worum geht es?
Eine Autorin wird entführt und muss schaurige Märchenadaptionen verfassen - die dann zur Realität werden. Eine Polizistin findet Gemeinsamkeiten, wo sonst niemand diese sieht. Ermittlerin, ...

Worum geht es?
Eine Autorin wird entführt und muss schaurige Märchenadaptionen verfassen - die dann zur Realität werden. Eine Polizistin findet Gemeinsamkeiten, wo sonst niemand diese sieht. Ermittlerin, Autorin oder Täter - Wer ist schneller?

Worum geht es wirklich?
Verlust, Literatur und Fantasie.

Lesenswert?
Eher nein, weil man hier eine Genremischung erhält - kann spannend sein oder auch enttäuschend. Während zu Beginn die ganze Handlung nach einem normalen Thriller wird, entpuppt sich die Geschichte nach und nach als ein fantastisches Stück.
Prinzipiell bin ich diesen Mischungen nicht abgeneigt und schätze gerade ein klein wenig unerklärbares sehr in Spannungsromanen.
Ich fand die Umsetzung an dieser Stelle nur nicht gut. Es ist keine fein ausgedachte Geschichte, sondern wirkt eher wie ein Film mit mehreren Wendungen und Einblendungen. Es wirkt eher danach, dass auf diese Weise Ungereimtheiten und Unlogik erklärt werden können/wollen weil man gerne die Handlung umsetzen wollte.
Die Figuren sind okay - mehr aber auch nicht. Ich habe keine Bindung aufbauen können und ihnen gegenüber eher Gleichgültigkeit empfunden. Sie haben keine Tiefe und handeln auch nicht sehr nachvollziehbar.
Die Sprache (Übersetzung Henning Ahrens) sorgt zwar für eine rasche Lektüre, jedoch kamen mir die ganzen popkulturellen Andeutungen nicht stimmig vor und die teilweise Umgangssprache passt auch nicht.
Das Cover ist ein Hingucker und hat mich direkt nach dem Buch greifen lassen und auch andere Bücher der Autorin hatten mich in der Vergangenheit durchaus überzeugt - dieses hier war für mich aber eher nichts.
Wenn man eine kurzweilige Unterhaltung sucht und (wichtig!) sowohl Fantasy als auch Thriller mag, dann könnte dieses Buch aber eine gute Wahl sein.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

aufwühlend

Das gute Benehmen
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Worum geht es?
In den 1920ern versucht Aroon, eine Tochter aus gutem Hause, ihren Platz in der Welt zu finden. Doch sie ist zu laut, zu dick, zu viel und wird oft im Unklaren gelassen. Trotzdem sucht sie ...

Worum geht es?
In den 1920ern versucht Aroon, eine Tochter aus gutem Hause, ihren Platz in der Welt zu finden. Doch sie ist zu laut, zu dick, zu viel und wird oft im Unklaren gelassen. Trotzdem sucht sie sich ihren Weg.

Worum geht es wirklich?
Familiengeschichte, Unaussprechliches und den eigenen Platz.

Lesenswert?
Ja. Die ersten Seiten und Kapitel sind mir eher schwer gefallen, aber als ich einmal in der Geschichte drin war, konnte ich mich kaum davon losreißen und wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht.
Molly Keane wurde 1904 geboren und starb in den 1990er Jahren. Sie begann früh unter Pseudonym zu schreiben, verfasste dann Jahrzehnte nichts mehr und kam 1981 mit dem vorliegenden Buch zurück.
Sprachlich (Übersetzung Bettina Abarbanell) ist die Lektüre nicht immer einfach, aber dran bleiben lohnt sich.
Aroon konnte ich als Protagonistin manchmal nur schwer ertragen, weil ich sie schütteln und rütteln wollte. Einerseits glaubt sie, dass sie stets zu viel von allem ist und zeitgleich möchte man sie anschubsen und sagen „GUCK HIN! SIEHST DU DAS NICHT?“. Da ist zum Beispiel der Vater, der ständig von Affäre zu Affäre treibt und Aroon zwar wohlwollend behandelt, sie aber auch nicht schützt. Da ist die stets abwesende und abweisende Mutter, die Aroon niedermacht und klein hält. Und da sind der Bruder und sein Freund, die Aroon ausnutzen während sie eigentlich aneinander interessiert sind.
Dinge werden nicht angesprochen, da das gute Benehmen über allem schwebt. Diese Heimlichkeit besteht auch gegenüber der lesenden Person, denn die Affären etc. sind nur durch den Subtext erkennbar und werden als solches eher nicht benannt.
Die unglaubliche Naivität, in der Aroon aufwächst, macht so wütend. Nicht auf Aroon, sondern auf die Zeit und die Situation und dass man dieser Protagonistin nicht einfach Platz und Ehrlichkeit entgegenbringen kann.
Ich würde dieses Buch definitiv empfehlen und hoffe, dass viele Leser*innen trotz Startschwierigkeiten dran bleiben!

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Veröffentlicht am 27.02.2026

wild aber unterhaltsam

Rabid
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Worum geht es?
Seneca gehört einem Rudel Gestaltwandler an, doch hat ihre eigene Wölfin noch nicht erhalten. Bei dem Ritual läuft einiges schief und der brutale Alpha denkt nur noch daran sie loszuwerden ...

Worum geht es?
Seneca gehört einem Rudel Gestaltwandler an, doch hat ihre eigene Wölfin noch nicht erhalten. Bei dem Ritual läuft einiges schief und der brutale Alpha denkt nur noch daran sie loszuwerden und setzt sie somit im Revier eines fremden Rudels aus.

Worum geht es wirklich?
Zusammengehörigkeit, Schicksal und Führung.

Lesenswert?
Kein. Man verpasst nichts bei dieser Lektüre, aber sie hat mich dennoch gut unterhalten. Senecas Geschichte beginnt in ihrem Rudel, das von Machtgier und toxischem Miteinander geprägt ist. Weil sie sich den Regeln des Alphas nicht beugen will und ihre Verbindung zur Wölfen schiefläuft, wird sie quasi verstoßen in ein fremdes Revier. Natürlich will erst der eine Anführer sie und dann der andere. Natürlich mausert sie sich von der Ausgestoßenen zu einem relevanten Rudelmitglied.
Sprachlich (Übersetzung Barbara Ostrop) fand ich das Buch oft anstrengend, da Seneca und ihre Wölfen teilweise im Plural sprechen und Zwiegespräche im Kopf führen. Zudem ist das Buch ziemlich spicy, alles ausgelegt auf das Wolfs- und Dominanzthema. Ich fand die Szenen okay, aber die Häufigkeit schon recht viel.
Seneca ist eine interessante Person, doch widerspricht sich das Verhalten teilweise mit den Aussagen. Einerseits verhält man sich gegenüber anderen Frauen herablassend, spricht dann aber von einer Gemeinschaft.
Das Anspruchsdenken und die Eifersucht werden durch das Wolfleben legitimiert und sich dadurch ganz normal und erwünscht. Manchmal echt unangenehm zu lesen.
Spannend war, dass Seneca einfach sehr wild ist und mit Tyran auf eine ebenbürtige Person trifft. Zusammen sind die beiden ein bisschen Bonnie und Clyde auf Rachefeldzug. Es gefiel mir, wie ungestüm sie dargestellt wird und dass sie keine zurückhaltende junge Frau ist.
Viele Ideen zum Miteinander im Rudel waren schön und auch irgendwie wohlwollend und ruhig. Zwar mit Dominanz, aber als eine Art Führung und Schutz und Miteinander.
Netter Einzelband, spicy Wolfszenen inklusive. Anstrengende Sprache an einigen Stellen, aber gut unterhaltsam. Ob ich noch weitere Bücher von den beiden Autor*innen lesen würde, käme sehr auf das Thema an.

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