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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein leiser Abschied voller Gefühl

Between Fading Stars
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Mit „Between Fading Stars“ findet die London is Lonely-Reihe von Anna Savas ihren Abschluss – und bleibt dabei genau dem treu, was diese Reihe so besonders gemacht hat: leise Töne, große Gefühle und Figuren, ...

Mit „Between Fading Stars“ findet die London is Lonely-Reihe von Anna Savas ihren Abschluss – und bleibt dabei genau dem treu, was diese Reihe so besonders gemacht hat: leise Töne, große Gefühle und Figuren, die sich echt anfühlen. Dieses Finale gehört Wes, einer Figur, die uns seit Band eins begleitet und deren Geschichte nun endlich ihren eigenen Raum bekommt.
Im Mittelpunkt stehen Wes und Hailey, deren gemeinsame Vergangenheit lange im Schatten liegt. Ihr Wiedersehen im Verlag ist von Beginn an von Spannungen, unausgesprochenen Worten und alten Verletzungen geprägt. Gerade dieser Einstieg fiel mir emotional nicht leicht, weil die Distanz zwischen den beiden so deutlich spürbar ist und vieles zunächst im Unklaren bleibt. Doch genau daraus entwickelt sich nach und nach eine intensive Dynamik, die stark von Gefühlen, Erinnerungen und kleinen Annäherungen getragen wird. Es ist keine laute Geschichte, sondern eine, die sich langsam entfaltet und viel zwischen den Zeilen erzählt.
Besonders berührt hat mich Haileys Perspektive als Autorin. Die Einblicke in ihre Gedankenwelt, ihre Zweifel und Ängste wirken sehr persönlich und verleihen der Geschichte eine zusätzliche Tiefe. Man spürt, wie sehr Schreiben hier nicht nur Beruf, sondern Identität ist. Wes wiederum zeigt sich in diesem Band von einer verletzlicheren Seite. Seine Entwicklung über alle drei Teile hinweg findet hier einen runden Abschluss, der sich ehrlich und verdient anfühlt. Auch wenn mir persönlich nicht jede Entscheidung der Figuren vollkommen eingeleuchtet hat, war ihre emotionale Reise jederzeit nachvollziehbar.
Der Fokus liegt klar auf der Gefühlsebene. Handlung im klassischen Sinne tritt oft in den Hintergrund, was stellenweise fordernd sein kann, wenn man sich mehr äußere Bewegung wünscht. Doch je weiter man liest, desto besser greifen Emotion und Fortschritt ineinander. Die Rückblicke und Andeutungen fügen sich nach und nach zu einem Gesamtbild, das zeigt, dass beide Figuren erst wachsen mussten, um sich selbst – und einander – wirklich begegnen zu können.
Fazit:
„Between Fading Stars“ ist ein sehr emotionales, intensives Finale, das die London is Lonely-Reihe stimmig abschließt. Anna Savas bleibt ihrem Stil treu und erzählt eine Second-Chance-Geschichte, die weh tut, Hoffnung schenkt und lange nachhallt. Nicht jeder Moment war für mich perfekt, doch das Gesamtbild überzeugt durch Ehrlichkeit, Tiefe und eine klare Botschaft: Manchmal braucht es Zeit, um genau dort anzukommen, wo man immer hingehört hat. Ein würdiger Abschluss einer besonderen Reihe.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Zwischen Zeit, Loyalität und neuen Gefühlen

A Spark of Time - Ein Treffen in den Highlands
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Mit „A Spark of Time – Ein Treffen in den Highlands“ entführt Kira Licht Lilly und Damien in ein neues, intensives Kapitel ihrer Zeitreisegeschichte – und hebt die Reihe für mich auf ein neues emotionales ...

Mit „A Spark of Time – Ein Treffen in den Highlands“ entführt Kira Licht Lilly und Damien in ein neues, intensives Kapitel ihrer Zeitreisegeschichte – und hebt die Reihe für mich auf ein neues emotionales Level. Der dritte Band fühlt sich spürbar reifer an, sowohl was die Figuren als auch die Konflikte betrifft, und nutzt das historische Setting der schottischen Highlands im Jahr 1745 hervorragend aus.
Die Geschichte setzt rund ein Jahr nach den Ereignissen des zweiten Bandes ein. Lilly und Damien haben sich äußerlich wieder in ihrem Alltag eingerichtet, doch innerlich klaffen Risse, die nicht mehr zu übersehen sind. Besonders Damien verbeißt sich in die Vergangenheit seines Vaters, während Lilly versucht, nach vorn zu schauen. Diese unterschwellige Distanz prägt den Einstieg und verleiht der Handlung eine emotionale Schwere, die sich durch den gesamten Band zieht.
Mit dem Auftauchen von Collin MacLeod kippt die Situation endgültig. Die Zeitreise nach Schottland geschieht nicht freiwillig, sondern unter Druck – ein Aspekt, der der Geschichte sofort Spannung verleiht. Das Setting rund um Burg Dunvegan, Clanstrukturen und das Leben in den Highlands ist atmosphärisch dicht und lebendig beschrieben. Historische Details wie Bräuche, Essen oder Wettkämpfe fügen sich organisch ein und lassen die Vergangenheit greifbar wirken, ohne den Erzählfluss zu bremsen.
Besonders spannend ist die neue Dynamik zwischen Lilly, Damien und Collin. Das entstehende Liebesdreieck wirkt nicht konstruiert, sondern ergibt sich logisch aus der emotionalen Situation aller Beteiligten. Collin bleibt lange undurchsichtig, was ihn zu einer reizvollen, aber auch beunruhigenden Figur macht. Lilly steht zwischen Loyalität, Zweifel und neuen Gefühlen, während Damien – durch seine Rolle und innere Zerrissenheit – zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird. Gerade dieses Ungleichgewicht sorgt für viele starke, schmerzhafte Momente.
Der Schreibstil von Kira Licht bleibt gewohnt flüssig, bildhaft und leicht, ohne an Tiefe zu verlieren. Humorvolle Szenen lockern die Geschichte auf, während ernstere Passagen Raum bekommen, um wirklich zu wirken. Die Perspektivwechsel zwischen Lilly und Damien geben einen guten Einblick in ihre Gefühlswelt und machen deutlich, wie unterschiedlich beide mit derselben Situation umgehen.
Und dann ist da dieses Ende: abrupt, spannend und gemein genug, um einen sofort nach dem nächsten Band greifen lassen zu wollen.
Fazit:
„A Spark of Time – Ein Treffen in den Highlands“ ist ein starker dritter Band, der mit einem atmosphärischen historischen Setting, emotionaler Entwicklung und spürbarer Spannung überzeugt. Die Figuren wachsen, Beziehungen verändern sich, und nichts bleibt so sicher, wie es einmal war. Für mich bisher der intensivste Teil der Reihe – und ein fieser Cliffhanger, der die Vorfreude auf Band 4 enorm steigert.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Machtspiele im Schatten von Castellan

Ragpicker King - Die Chroniken von Castellan
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Nach dem dramatischen Ende von Sword Catcher lässt Cassandra Clare ihre Leser:innen keine Sekunde zur Ruhe kommen. Ragpicker King – Die Chroniken von Castellan setzt unmittelbar nach den blutigen Ereignissen ...

Nach dem dramatischen Ende von Sword Catcher lässt Cassandra Clare ihre Leser:innen keine Sekunde zur Ruhe kommen. Ragpicker King – Die Chroniken von Castellan setzt unmittelbar nach den blutigen Ereignissen im Palast ein und führt die Geschichte konsequent in dunklere, komplexere Gefilde. Statt klarer Fronten erwartet uns ein Netz aus politischen Intrigen, persönlichen Loyalitäten und Entscheidungen, deren Konsequenzen weit über das Individuum hinausreichen.
Kel, der Schatten des Prinzen, steht mehr denn je im Zentrum innerer wie äußerer Konflikte. Auf der Suche nach den Verantwortlichen für das Massaker bewegt er sich durch Castellanes Unterwelt – ein Ort, der von Macht genauso geprägt ist wie von Elend. Dabei führt kein Weg am Lumpensammlerkönig vorbei, jener schillernden und gefährlichen Figur, die scheinbar jedes Geheimnis der Stadt kennt, aber nie mehr preisgibt als unbedingt nötig. Auch wenn seine Auftritte dosiert bleiben, liegt über jeder Szene, in der er erwähnt wird, eine spürbare Spannung.
Lin wiederum muss mit den Folgen einer Lüge leben, die längst ein Eigenleben entwickelt hat. Als angebliche Göttin sieht sie sich Erwartungen gegenüber, die sie kaum erfüllen kann, während sie gleichzeitig versucht, ihre eigene Identität nicht zu verlieren. Ihr innerer Konflikt gehört zu den emotional stärksten Elementen des Romans. Sie ist mutig, entschlossen und verletzlich zugleich – eine Figur, die wächst, ohne ihre Zweifel abzulegen.
Conor steht zwischen Pflicht und Gefühl. Politische Verbindungen, eine mögliche Ehe und seine wachsenden Gefühle für Lin bringen ihn in eine Zerrissenheit, die glaubwürdig und schmerzhaft erzählt ist. Besonders gelungen ist, wie sich seine Figur im Vergleich zum ersten Band weiterentwickelt, ohne ihren Humor und ihre Menschlichkeit zu verlieren. Auch Nebenfiguren wie Antonetta gewinnen zunehmend an Bedeutung und Tiefe, was das Figurenensemble noch facettenreicher macht.
Cassandra Clare bleibt ihrem Stil treu: Castellan ist erneut beeindruckend ausgearbeitet. Prunkvolle Paläste, gefährliche Gassen und kulturelle Eigenheiten verschmelzen zu einer Stadt, die lebendig wirkt und deren politische Mechanismen fast greifbar sind. Der Fokus liegt dabei klar auf Gesprächen, Allianzen und subtilen Machtverschiebungen. Action tritt lange in den Hintergrund, was Geduld erfordert – doch diese Ruhe ist trügerisch. Das Finale zieht das Tempo spürbar an und entfaltet eine Wucht, die viele vorherige Ereignisse in neuem Licht erscheinen lässt.
Die Stärke des Buches liegt eindeutig in seinen Charakteren und den zwischenmenschlichen Spannungen. Freundschaften, Loyalitäten und verbotene Gefühle entwickeln sich langsam, aber intensiv. Besonders die Beziehung zwischen Kel und Conor sticht hervor und bildet einen emotionalen Anker inmitten politischer Unsicherheit.
Fazit
Ragpicker King ist ein anspruchsvoller, dichter zweiter Band, der weniger auf spektakuläre Action als auf Intrigen, Charakterentwicklung und politische Spannung setzt. Cassandra Clare fordert Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt diese jedoch mit einem vielschichtigen Worldbuilding und einem explosiven letzten Drittel. Kein leichtes Buch, aber ein lohnendes – vor allem für Leser:innen, die High Fantasy mit Tiefgang und komplexen Figuren schätzen. Ein starker Mittelband, der neugierig macht, wohin die Reise in Castellan noch führen wird.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Zwischen Dämonen, Göttern und inneren Narben – ein düsterer Auftakt mit Tiefgang

Velvet Falls, but the Gods forgot to die (Velvet-Dilogie 1)
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Velvet Falls, but the Gods forgot to die ist eines dieser Bücher, die einen schon auf den ersten Seiten fest im Griff haben – und einen auch nach dem Zuklappen nicht mehr loslassen. Julia Dippel eröffnet ...

Velvet Falls, but the Gods forgot to die ist eines dieser Bücher, die einen schon auf den ersten Seiten fest im Griff haben – und einen auch nach dem Zuklappen nicht mehr loslassen. Julia Dippel eröffnet mit diesem Auftakt eine Urban-Fantasy-Geschichte, die deutlich erwachsener, düsterer und emotional komplexer ist als vieles, was man aus dem Genre kennt. Was zunächst mit Action, bissigem Humor und einer scheinbar klaren Mission beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte über Trauma, Schuld, verdrängte Vergangenheit und die Frage, wie viel ein Mensch tragen kann, bevor er zerbricht.
Der Einstieg ist direkt und kompromisslos. Man wird ohne lange Vorrede in Velvets Alltag geworfen – ein Alltag, der von Gefahr, Kämpfen und dem reinen Überleben geprägt ist. Velvet ist keine klassische Heldin. Sie ist 24 Jahre alt, müde, abgebrüht und innerlich stark beschädigt. Ihre sarkastische, teils passiv-aggressive Art wirkt dabei nie aufgesetzt, sondern wie ein Schutzmechanismus, den sie sich über Jahre aufgebaut hat. Gerade diese Mischung aus Härte und Verletzlichkeit macht sie zu einer außergewöhnlich greifbaren Protagonistin. Sie ist nicht immer sympathisch, trifft nicht immer die „richtigen“ Entscheidungen – aber sie fühlt sich real an.
Julia Dippel nimmt sich viel Zeit für Velvets innere Welt. Rückblicke, Andeutungen und emotionale Bruchstücke fügen sich langsam zu einem Bild zusammen, das schmerzhaft, aber nachvollziehbar ist. Besonders gelungen ist dabei, wie behutsam und zugleich schonungslos mit psychischen Verletzungen umgegangen wird. Nichts wird sofort erklärt oder glattgezogen – vieles bleibt lange unausgesprochen, unausgehalten, was die Spannung auf einer emotionalen Ebene enorm erhöht.
Mit Kash tritt eine Figur in Velvets Leben, die diese fragile Balance ins Wanken bringt. Zwischen den beiden liegt von Beginn an eine spürbare Spannung, die weit über eine klassische Enemies-to-Lovers-Dynamik hinausgeht. Es ist sofort klar, dass sie mehr verbindet als bloße Abneigung oder Anziehung. Ihre Beziehung ist geprägt von unausgesprochenen Vorwürfen, alten Wunden und massiver Fehlkommunikation. Gerade dieser starke Miscommunication-Aspekt kann stellenweise frustrierend sein, passt aber gleichzeitig zur Geschichte: Beide Figuren sind emotional nicht in der Lage, offen miteinander umzugehen, weil die Vergangenheit zu schwer wiegt. Die Nähe, die dennoch entsteht, fühlt sich dadurch umso intensiver und gefährlicher an.
Die romantischen und expliziteren Szenen sind deutlich erwachsener angelegt als in früheren Werken der Autorin. Sie wirken nie reißerisch oder unpassend, sondern sind emotional eingebettet und tragen zur Charakterentwicklung bei. Besonders positiv fällt dabei das Runen-System auf, mit dem entsprechende Passagen gekennzeichnet sind – eine durchdachte Lösung, die Rücksicht auf unterschiedliche Lesevorlieben nimmt.
Auch das Worldbuilding überzeugt, obwohl es nie überladen wirkt. Die Urban-Fantasy-Elemente bleiben bewusst im Hintergrund, entfalten aber genau dann ihre Wirkung, wenn sie gebraucht werden. Dämonen, Götter, politische Strukturen und Machtverhältnisse werden angedeutet und nach und nach vertieft, ohne den Fokus von den Figuren zu nehmen. Gerade diese Zurückhaltung sorgt dafür, dass die Welt glaubwürdig und bedrohlich wirkt.
Ein besonderes Highlight sind die Nebenfiguren. Sie bringen Wärme, Humor und emotionale Erdung in eine ansonsten sehr düstere Geschichte. Vor allem Yanric, der sarkastische Rabe, sticht heraus: bissig, schwarzhumorig und überraschend tiefgründig. Er lockert die Atmosphäre auf, ohne sie zu zerstören, und ist mehr als nur comic relief. Auch Figuren wie Eddie, Atlas oder Cole fügen sich organisch ein und geben Velvet etwas, das sie kaum noch kennt: so etwas wie Halt.
Zum Ende hin zieht die Geschichte deutlich an Tempo an. Enthüllungen, politische Dimensionen und persönliche Wahrheiten überschlagen sich, ohne chaotisch zu wirken. Das Finale ist hart, schmerzhaft und konsequent – und der Cliffhanger lässt einen fassungslos zurück. Viele Fragen bleiben offen, neue Abgründe tun sich auf, und man merkt deutlich: Das war erst der Anfang.
Fazit:
Velvet Falls, but the Gods forgot to die ist ein intensiver, emotional fordernder Auftakt einer Urban-Fantasy-Dilogie, die mit starken Charakteren, psychologischer Tiefe, schwarzem Humor und einer düsteren Grundstimmung überzeugt. Julia Dippel zeigt hier eine neue, reifere Facette ihres Schreibens und schafft eine Geschichte, die nicht nur unterhält, sondern nachwirkt. Kein leichtes Buch, aber ein sehr eindrucksvolles – und eines, das große Erwartungen an Band 2 weckt.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein gefährliches Erbschaftsspiel voller Rätsel, Gefühle und Geheimnisse

The Jewel Secrets (1). Um dieses Spiel zu gewinnen, musst du dich in deinen größten Feind verlieben
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Schon mit der Grundidee konnte mich The Jewel Secrets sofort abholen: Eine abgelegene Insel, ein geheimnisvolles Erbe, verfeindete Familien und ein Spiel, bei dem nicht nur Köpfchen, sondern auch Gefühle ...

Schon mit der Grundidee konnte mich The Jewel Secrets sofort abholen: Eine abgelegene Insel, ein geheimnisvolles Erbe, verfeindete Familien und ein Spiel, bei dem nicht nur Köpfchen, sondern auch Gefühle gefragt sind. Jana Hoch verbindet diese Elemente zu einem atmosphärischen Auftakt, der Spannung, Romantik und Mystery geschickt miteinander verknüpft.
Im Mittelpunkt steht Darcy Green, eine junge Frau, die mit Glamour und Reichtum bislang nichts zu tun hatte. Ihre Vergangenheit ist geprägt von Angst, Unsicherheit und Verlust, weshalb sie sich selbst als Außenseiterin empfindet. Umso absurder wirkt die Einladung auf eine exklusive Insel, auf der sie angeblich um das Erbe der verstorbenen Künstlerin Cordelia Seymour spielen soll. Für Darcy ist klar: Das muss ein Irrtum sein. Doch weil sie keinen sicheren Ort mehr hat, lässt sie sich auf das rätselhafte Spiel ein – und gerät damit mitten in ein Netz aus Geheimnissen, Intrigen und unausgesprochenen Regeln.
Die Insel selbst ist ein starkes Setting: abgeschieden, prachtvoll und voller versteckter Hinweise. Die Rätsel, die Darcy und die anderen Teilnehmenden lösen müssen, sind eng mit Kunst, Geschichte und Emotionen verknüpft und laden dazu ein, als Leser*in aktiv mitzurätseln. Besonders reizvoll ist dabei der Zeitdruck und die Frage, wem man überhaupt trauen kann. Denn schnell wird klar, dass nicht alle mit offenen Karten spielen – und dass Liebe mehr ist als nur ein Mittel zum Zweck.
Darcy ist eine sehr zugängliche Protagonistin. Sie ist keine klassische Heldin, sondern verletzlich, zweifelnd und von ihrer Vergangenheit geprägt. Gerade das macht ihre Entwicklung so glaubwürdig. Schritt für Schritt wächst sie über sich hinaus, entdeckt eigene Stärken und beginnt, sich selbst mehr zuzutrauen. Ihre Angststörungen und inneren Kämpfe werden ernst genommen und nicht romantisiert, was ihr viel Tiefe verleiht.
Dorian ist als Gegenpart bewusst ambivalent angelegt: selbstsicher, entschlossen und schwer zu durchschauen. Seine Motive bleiben lange unklar, was die Dynamik zwischen ihm und Darcy zusätzlich auflädt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine spürbare Spannung, die sich langsam aufbaut und nie überstürzt wirkt. Gleichzeitig bleiben viele Nebenfiguren geheimnisvoll, was gut zur Atmosphäre passt und deutlich macht, dass dies erst der Anfang der Geschichte ist.
Der Schreibstil von Jana Hoch ist flüssig, bildhaft und angenehm zu lesen. Sie schafft es, sowohl die prunkvolle Kulisse der Insel als auch Darcys innere Gefühlswelt greifbar zu machen. Besonders gelungen ist die Mischung aus leisen, emotionalen Momenten und spannungsgeladenen Szenen. Zwar nimmt sich die Geschichte stellenweise etwas Zeit, doch genau das erlaubt es, Figuren und Beziehungen organisch wachsen zu lassen.
Das Ende setzt bewusst auf offene Fragen und einen starken Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht. Nicht alle Geheimnisse werden gelüftet, nicht alle Motive offengelegt – und genau das sorgt dafür, dass man unbedingt weiterlesen möchte.
Fazit
The Jewel Secrets ist ein gelungener Reihenauftakt, der mit einer spannenden Grundidee, einer nahbaren Protagonistin und einer dichten Atmosphäre überzeugt. Rätsel, Romantik und familiäre Konflikte greifen stimmig ineinander und machen das Buch zu einem echten Pageturner. Wer Geschichten mit geheimnisvollen Settings, emotionaler Entwicklung und einem Hauch Enemies-to-Lovers mag, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Eine klare Leseempfehlung für alle, die gern mitfiebern, miträtseln und sich in verborgene Welten entführen lassen.