ein temporeicher Auftakt mit Tiefgang
Mit Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss gelingt Anna Benning ein atemberaubender Einstieg in eine dystopisch-fantastische Welt, die in ihrer Komplexität ebenso überzeugt wie in ihrer Emotionalität. ...
Mit Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss gelingt Anna Benning ein atemberaubender Einstieg in eine dystopisch-fantastische Welt, die in ihrer Komplexität ebenso überzeugt wie in ihrer Emotionalität. Was als klassisches Auswahlrennen beginnt, entfaltet sich schnell zu einem packenden Konflikt zwischen Wahrheit, Vorurteil und persönlicher Verantwortung.
Im Mittelpunkt steht Elaine, eine junge Vortexläuferin in Ausbildung, die nur eines will: das große Vortexrennen bestehen und endlich dazugehören. Doch ihre Reise verläuft anders als geplant – ein Zwischenfall weckt Kräfte in ihr, die nicht nur ihre Sicht auf die Welt infrage stellen, sondern auch das Machtgefüge der Gesellschaft erschüttern. Gemeinsam mit einer Handvoll Verbündeter, darunter der charismatische und zunächst feindselige Bale, muss sie sich einer Wahrheit stellen, die tiefer geht als jede politische Parole.
Besonders beeindruckend ist die Konstruktion des Weltenbaus: Nach einem globalen Ereignis haben sich Mensch und Materie vermengt – es entstehen sogenannte „Vermengte“, Wesen mit besonderen Fähigkeiten, die von der Gesellschaft gefürchtet und systematisch unterdrückt werden. Die Läufer des Kuratoriums sollen sie aufspüren und isolieren. Doch Benning erzählt nicht eindimensional. Vielmehr zeichnet sie ein differenziertes Bild einer Gesellschaft im Umbruch, in der Kontrolle und Angst mächtiger sind als Mitgefühl – ein Thema, das erschreckend aktuell anmutet.
Die Figuren wachsen einem dabei schnell ans Herz: Elaine überzeugt durch Entschlossenheit und Selbstzweifel zugleich, während Luka mit seiner unkonventionellen Art und seiner inneren Zerrissenheit berührt. Die Liebesgeschichte zwischen Elaine und Bale entwickelt sich eher im Hintergrund, punktet aber durch Tiefe und eine glaubwürdige Entwicklung – angenehm zurückhaltend, aber dennoch mitreißend.
Der Schreibstil ist temporeich, bildhaft und treffsicher. Actionreiche Passagen wechseln sich ab mit emotionalen und politischen Momenten, ohne an Spannung zu verlieren. Besonders gelungen: die Vortexsprünge selbst – sie sind nicht nur technische Spielereien, sondern tragen zur inneren Entwicklung der Figuren bei. Auch das Thema Vorurteile wird sensibel, aber deutlich verarbeitet und regt zum Nachdenken an.
Kurzum: Vortex ist ein durchdachter, rasanter Reihenauftakt mit Sogwirkung. Wer sich auf diese energiegeladene, klug konstruierte Welt einlässt, wird mit einer vielschichtigen Geschichte voller Fragen nach Gerechtigkeit, Identität und dem Mut zur Wahrheit belohnt. Ein Debüt, das Lust auf mehr macht – zum Glück gibt es Fortsetzungen.