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Veröffentlicht am 07.02.2018

Eine junge Frau entlockt dem Erlkönig zahlreiche Facetten

Wintersong
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„Winter Song“ ist der erfolgreiche Debütroman der Autorin S. Jae-Jones und wurde im Dezember 2017 erstmals in Deutschland durch ein Imprint von Piper veröffentlicht. In der Geschichte begegnet man den ...

„Winter Song“ ist der erfolgreiche Debütroman der Autorin S. Jae-Jones und wurde im Dezember 2017 erstmals in Deutschland durch ein Imprint von Piper veröffentlicht. In der Geschichte begegnet man den sagenumwobenen Erlkönig auf der Suche nach einer neuen Braut. Denn das alte Jahr stirbt und nur die Braut wird, durch ihren Tod, der irdischen Welt ein neues Jahr schenken können. Seine Wahl fällt auf die hübsche Käthe. Doch ihre Schwester Liesl sagt dem Unvermeidlichen den Kampf an und ihr Weg führt sie direkt in die Unterwelt. Wird sie ihre Schwester befreien können? Warum kommt ihr der Erlkönig so bekannt vor? Und welche Geheimnisse lauern in der Dunkelheit?

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind...“ war der erste Gedanke als ich den Klappentext gelesen habe. Eine Fantasygeschichte auf Grundlage eines der bekanntesten Werke von Goethe. Die Idee hatte mein Interesse geweckt und dank einer Buchbox lag das 460 Seiten starke Paperback bald in meinen Händen. Das klare Cover weist dezent auf den Winter hin. Nur der Titel erschließt sich erst durch Setting, Plot und dem musikalischen Glossar am Ende des Buches. Die Geschichte ist in mehrere Untertitel und Kapitel unterteilt. Jeder Untertitel beinhaltet zur Einstimmung ein Gedicht der Dichterin Christina Rossetti. Das lässt schon erahnen, welche Empfindungen und Versuchungen die Protagonisten spüren werden. Der Leser erlebt die Geschichte durch die Augen der pflichtbewussten Elisabeth, auch Liesl genannt. Die älteste Tochter eines Musikers und Gastwirts lebt im Schatten ihrer jüngeren Geschwister. Sie unterdrückt ihre wahre Natur der leidenschaftlichen Musikerin um die Klassische Rolle der Frau einzunehmen, die für ihre Familie da zu sein hat. Der Wunsch nach Freiheit ist ein elementarer Bestandteil des Buches und ein brisantes, immer wieder diskutiertes Thema. Es brachte mich zum nachdenken. Man verfolgt die Geschichte nicht nur, sondern überlegt: „Was hätte ich getan?“ Wirklich toll.
Als Liesls älterer Schwester eben diese Freiheit durch den ehrfürchtigen Erlkönig genommen wird, begibt sich Liesl fernab der irdischen Welt. Aberglaube, Märchen, die felsige Unterwelt mit ihren angsteinflößenden und doch fantastischen Wesen ziehen Liesl und mich in den Bann!
Nicht zuletzt durch den Herrn des Unheils, Herrscher über die Lebenden und Toten, den Erlkönig. Ich bekomme Gänsehaut. So düster und schaurig schön erzählt Liesl von dem „eleganten Fremden“, den sie doch schon längst kannte. „Gar schöne Spiele spiel ich mit dir“ bekommt dann noch einmal eine ganz andere Note, denn der Erlkönig spielt nicht sonderlich fair. Es beginnt ein sinnliches Zusammenspiel der anfangs so ungleichen Hauptdarsteller. Beide vereinen verschiedene Facetten in sich, die nur der jeweils andere entlocken kann: Der Erlkönig ist der geheimnisvolle, unsterbliche Herrscher, aber Liesls Koboldkönig ist der asketische, junge Mann mit der Violine. Liesl zeigt die Seite des unterdrückten, gehorsamen Mädchens und des Erlkönigs Elisabeth wiederum die tapfere, musikalische Frau. Der Wunsch die wahre Natur nach außen zu tragen ist in jeder Zeile spürbar. Denn selbst der Erlkönig ist nur „der Gefangene seiner Krone“. Mich ergreift der gefühlvolle und sehnsuchtsvolle Ton, eingebettet in der gemeinsamen Leidenschaft: Musik. Mir begegnen in jedem Kapitel Mozart, Vivaldi, Bagatelle und Sonaten. Dem Glossar sei Dank bleiben mir die Begriffe nicht unbekannt. Alles in allem bildet es eine für mich neuartige Atmosphäre von Melancholie, Liebe, brutaler Ehrlichkeit und auch Freude. Diese Abwechslung bringen die Hauptrotagonisten nicht nur allein auf, auch die Mitbewohner der Unterwelt haben Anteil daran, beispielsweise die zwei drolligen Kobolddienerinnen Distel und Zweig. Ich war überrascht, dass am Ende trotz der Vielseitigkeit keine Fragen offen blieben. Ein 2. Band wird folgen, wobei ich mich wirklich frage, wie man dieses Meisterstück noch ausbauen kann?

Fazit: Nicht nur ein düsteres Märchen, sondern ein tiefgründiges und atmosphärisches Gesamtwerk inklusive einer nie da gewesenen Liebesgeschichte.

Veröffentlicht am 24.01.2018

Rich & famous war einmal, Freiheit kann man nicht kaufen, wer hätte das gedacht?

Paper Palace
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„Paper Palace – Die Verführung“ steht für den Abschluss der Paper-Triologie des amerikanischen Autorenduos „Erin Watt“. Der letzte Band erschien in Deutschland erstmals im Mai 2017 unter dem Verlagslogo ...

„Paper Palace – Die Verführung“ steht für den Abschluss der Paper-Triologie des amerikanischen Autorenduos „Erin Watt“. Der letzte Band erschien in Deutschland erstmals im Mai 2017 unter dem Verlagslogo von Piper.
Inhaltlich stehen Ella und die Royals vor einer harten Bewährungsprobe. Reed steht unter dem Verdacht, die Verlobte seines Vaters umgebracht zu haben und Ellas verschollener Vater Steve taucht auf einmal auf. Wird die Familie zusammenstehen? Oder ist eine unheilvolle Zukunft vorprogrammiert? Ein neuer Kampf um Liebe und Freiheit beginnt.

Nach einem bösartigen Cliffhanger im letzten Teil konnte ich dem 3. Band nicht ausweichen. Das über 400 Seiten starke Softcover im silbrig-weißen Glitzerlook erwartete mich voller Hoffnung auf ein Happy End. Bisher war die Reihe für mich eine recht durchwachsene Autorenleistung mit einige Höhen und Tiefen, daher war ich umso gespannter wie sich der Abschluss nun entwickeln würde. Schon mal vorab gesagt: Die deutsche Übersetzung hinkt wirklich. „Neueste Neuigkeiten“ oder „Lasst uns uns setzen“ sind keine schöne Kombinationen. Nur Dank des lockeren, jugendlichen Schreibstil kann man darüber hinweg sehen.
Inhaltlich schließt sich die Geschichte ohne Umschweife an den letzten Band an und sofort wird mit einem Verhör, dem überbezahlten Anwalt und zu harten Polizisten klar: Adieu Cinderellastory! Ich befinde mich zum Teil in einem Krimi, als Detektiv auf der Suche nach einem Mörder. Etwas ganz anderes.
Ein anderer Schwerpunkt stellt die intensive Beziehung der beiden Hauptdarsteller Ella und Reed dar. Ihre Gefühle schäumen über vor Verzweiflung, Leidenschaft und der bitteren Erkenntnis, dass sie kaum eine Chance haben, den Kampf zu gewinnen.Trotzdem geben sie nicht auf und haben die wirklich tolle Unterstützung der Familie. Ihre Perspektive und der Zusammenhalt haben mich mitgerissen. Bis zu dem Punkt, an dem jedes wichtige Gespräch zwischen Ihnen unterbrochen wurde, weil sie übereinander hergefallen sind. Zwar ist es sehr lebendig beschrieben, aber erotische Spielchen hätten an anderen Stellen einen besseren Platz gefunden. Als wäre die Situation nicht schon aufgepeppt genug, bekommt der Leser noch Ellas wieder aufgetauchten Vater vor die Nase gesetzt. Er rückte recht spät ins Rampenlicht, da Ella „zwei Dramen“ nicht gleichzeitig verarbeiten kann. Verständlich, dass einem alles über den Kopf wächst. Steve O´Halloran selbst ist eine misslungene Figur. Geschäftsmann und milliardenschwer, benimmt sich wie ein jugendlicher Proll oder ein kontrollsüchtiger Übervater. Sorry, aber das ist gekünstelt. Sämtliche Begründungen wie „er hat ein Erziehungsbuch gelesen“, haben meinen Kopf auf die Tischplatte schlagen lassen. Auch andere Darsteller sind vom plötzlichen „Sinneswandel“ betroffen. Zum Beispiel Steve´s Ehefrau, die vom Biest zum ungewollten Schoßhund mutiert. Diese Mittel zu nutzen um Überraschungsmomente zu erwirken hat etwas von einer überdramatisierten Teenieromanze – nie langweilig, aber wenig Niveau.
Weiterhin fiel mir auf, dass die Autoren versucht haben, Rückblenden einzubauen. Die Idee finde ich grundlegend gut, schließlich vergisst man das ein oder andere im Verlauf einer Reihe. Nur hat es nicht ganz gepasst. Ella und Reed „erinnerten“ sich in einer Form als wäre Ihnen bewusst, dass jemand ihre Geschichte liest. Es ist aber kein Tagebuch oder eine Biografie, sondern ein Roman. Schade.
Am Ende hat man noch einmal alles versucht raus zu holen. Gefährlich, spektakulär und alle liegen gebliebenen Probleme wurden mit einem Schlag gelöst. Peng! Es blieb nichts offen und die Vermutung, die der Leser bezüglich des Mörders verfolgte, wurde bestätigt. Ein gelungenes Ende nach einer wieder durchwachsenen Achterbahnfahrt. Abschließend kann ich sogar sagen, dass man den Band auch für sich allein lesen könnte, da man der Geschichte gut folgen kann.

Fazit: Rasant, spannend und jugendlich, aber viele Ereignisse und Stimmungswechsel lassen es unrealistisch wirken.

Veröffentlicht am 11.01.2018

Orientalisches Setting von 1001 Nacht trifft auf Drachen und Anti-Heldin

Iskari - Der Sturm naht
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„Iskari – Der Sturm naht“ ist der Auftakt der Fantasytriologie von Newcomerin Kristen Ciccarelli. Die Verlagsgruppe Randome House veröffentlichte das Buch 2017 erstmals in Deutschland. Im Englischen erschien ...

„Iskari – Der Sturm naht“ ist der Auftakt der Fantasytriologie von Newcomerin Kristen Ciccarelli. Die Verlagsgruppe Randome House veröffentlichte das Buch 2017 erstmals in Deutschland. Im Englischen erschien es unter dem Titel „The Last Namsara“.
In der Geschichte trifft man auf Asha, Prinzessin und Drachenjägerin Firgaards. Mit ihrem Titel als Iskari versucht sie eine alte Schuld zu begleichen. Denn die Stadt wurde vor Jahren durch den ersten Drachen Kozu zerstört und Asha ist verantwortlich dafür.
Nicht nur das, sie wurde Jarek, dem Kommandanten und Retter der Stadt versprochen. Doch sie kämpft dagegen an und findet dabei eine Liebe, von der sie glaubte, sie nie zu fühlen.

„Iskari“ war für mich ein Glückstreffer. Ich wäre von allein nie auf das Buch gekommen. Doch zum Glück war es in einer von mir erstandenen Buchbox dabei. Schon allein das Cover der jungen Frau, die sich ein Messer an die Lippen legt, brennt sich in das Gedächtnis ein. Über 400 Seiten werde ich durch eine, für mich, neue Art von Fantasy geführt. Anfangs skeptisch, ob ich mich mit einem orientalischen Setting und mittelalterlichen Methoden der Drachenjagd anfreunden kann, wurde ich doch größtenteils überrascht. Warum? Zum einen die Hauptprotagonistin Asha. Endlich mal was anderes: Eine Drachenkillerin ohne Erbarmen, eiskalt und geschickt. Keine typische Heldin, keine Sympathieträgerin, vom Charakter wie vom Aussehen her. Denn die Hälfte ihres Körpers ist durch Brandnarben entstellt und ihr Volk hat einfach nur Angst vor der Todbringerin, die alles zerstört. Im Widerspruch dazu diese bunte Welt aus 1001 Nacht: Rundbögen, Kaftane, die Farben Indigo und Gold, Safran, Innenhöfe mit Dattelpalmen und Orangenbäumen. Nicht zu vergessen die „alten Geschichten“, die als märchenhafter und wichtiger Bestandteil zwischen den Kapiteln verwoben wurden. Wirklich zauberhaft und lebendig geschrieben!
Die Autorin stellt sehr schnell Ashas Ziel vor: Den mächtigsten aller Drachen töten um einer ungewollten Heirat zu entgehen. Dabei dürfte ich mir sehr oft „anhören“ wie Asha sich selbst sieht und wie verdorben sie doch ist. Es ist ja schön und gut, dass sie ein schlechtes Gewissen hat, doch als starke Kämpferin muss man sich nicht selbst bemitleiden, oder? Wenigstens merkt man im Verlauf, dass Asha fähig ist, Zuneigung zu empfinden, wenn auch recht unterkühlt und sich selbst am nächsten. Zum Beispiel gegenüber ihres überfreundlichen Bruders Dax und ihrer ungewollten Cousine Safira. Beide Nebendarsteller werden als Schande gesehen, weil sie nicht dem entsprechen, was man erwartet. Ich dagegen stehe auf Charaktere, die ihr Herz am rechten Fleck haben. Doch erst der Sklave ihres zukünftigen Gemahls öffnet Ashas aufgesetzte Scheuklappen. Torwin, gefühlvoll und offen, ist meine Lieblingsfigur. Er zeigt Mut und wird zu Ashas ständigen Begleiter. Als die Drachen immer mehr ins Spiel kamen, durchfuhr mich die Erinnerung an Eragon. Bedauerlicherweise wird die Verbindung zwischen Mensch und Drache zu oberflächlich behandelt. Da hat mir die Magie gefehlt, die die Autorin etwa mit den „alten Geschichten“ anfangs geschaffen hatte und das dann bedauerlicherweise zur Mitte hin nachließ. Ebenso erging es der atmosphärischen Beschreibung der Stadt, des Gebirges und der Wüste.
Dafür kehrte sich die Handlung durch diverse Wendungen um, so dass sich die Charaktere in rasender Geschwindigkeit stark entwickelten. Irgendwie hat man das ja erwartet, aber so manches Detail nicht erahnt! Hut ab. Die Erkenntnis des in sich geschlossenen Bandes ist eindeutig: Leben und Geschichten erhalten statt sie zu vernichten...Und manches ungelüftete Geheimnis lässt eine Grundlage für den 2. Band erahnen.

Fazit: Scheherazade trifft auf Facetten von Eragon. Super fließend zu lesen mit zahlreichen Wendungen, jedoch sind nicht alle angedeuteten Ideen ausgeschöpft.

Veröffentlicht am 23.12.2017

Anders sein kann die Welt verändern

Moon Chosen
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„Moon Chosen – Gefährten einer neuen Welt“ ist der Beginn einer Fantasy-Triologie der amerikanischen Bestsellerautorin P.C. Cast und wurde durch den Fischer-Veralg erstmals in Deutschland veröffentlicht.
Inhaltlich ...

„Moon Chosen – Gefährten einer neuen Welt“ ist der Beginn einer Fantasy-Triologie der amerikanischen Bestsellerautorin P.C. Cast und wurde durch den Fischer-Veralg erstmals in Deutschland veröffentlicht.
Inhaltlich dreht es sich um drei verfeindete Völker, deren Leben durch Machtverschiebungen aus den Angeln gehoben wird. Mittendrin lernen sich die Erdwanderin Mari und der Gefährte Nik kennen und verstehen. Werden sie ihre Stämme von alten Gesetzen abbringen und alte Feindschaften beenden können?

Der Roman fiel mir durch den Namen der Autorin auf, da ich von ihr bereits die „House of Night“-Reihe kannte. Ich schätze ihren kreativen und mystisch angehauchten Stil und griff trotz des 700-seitigen Bandes zu. Ich war sehr schnell vertieft in diese von Anfang an intensiv beschriebene Welt, die Jahrhunderte „nach uns“ spielt. In auktorialer Erzählweise wird näher gebracht, dass durch Naturkatastrophen, Klimawandel und der Evolution keinerlei Technik mehr existiert. Städte aus Glas, Asphalt und Metall sind nur noch Bruchstücke einer lang vergangenen Zeit. Der Mensch hat sich wieder der Urtümlichkeit zugewandt und kämpft gegen gigantische Tiere und unheilbare Krankheiten. Die Überlebenden haben sich zu drei Völkern entwickelt: Die indianisch angehauchten Erdwanderer, die Gefährten mit ihrer tiefen Zuneigung zur ihren Hunden und die kannibalischen Schnitter.
Das Leben dieser Völker ist so verschieden wie Tag und Nacht, genauso wie die Gründe für ihre Feindschaft. Allerdings begleitet alle eine Art Religion und Magie. Ziemlich erstaunt und mitgerissen fiel es mir sehr leicht, ein „Lieblingsvolk“ zu wählen.
Selbstverständlich wird jedes Volk durch einen Hauptprotagonisten vertreten, so dass ich immer wieder mit emotionsgeladenen Perspektiven- und Situationswechsel zu tun hatte.
Dabei rücken Mari von den Erdwanderern und Nik von den Gefährten in den Vordergrund. Der brutale und wahnsinnige Fahlauge von den Schnittern spielt vorerst noch eine gruselige Nebenrolle. Darüber bin ich auch nicht böse. Denn er versucht alles um sein Volk bzw. hauptsächlich sich selbst besser zu stellen. Dabei spielen Folter und Mord eine angsteinflößende Rolle. Ich bin über bildliche Vorstellungen dankbar, aber die Brutalität in diesem Jugendroman war teilweise erschreckend.
Mari und Nik hingegen hinterließen einen positiven Eindruck. Beide sind anders und innerhalb ihres Volkes Außenseiter. Trotz spürbarer Frustration stellen sie sich ihrer Verantwortung als Kinder der Clanoberhäupter und versuchen mit Liebe und Tiefsinn nach vorn zu sehen. Doch nicht immer lässt sie die Respektlosigkeit und Intoleranz kalt, wünschen sich Anerkennung und stellen alte Riten und Gesetze in Frage. Hier wird bewusst angesprochen, dass man statt Vorurteile zu haben, den Menschen besser kennen lernen sollte. Ist man schlechter als ein anderer, nur weil man anders ist? Die Thematik ist gegenwärtiger denn je und wird, vor allem durch Mari als „nur“ halbe Erdwanderin, auf den Punkt gebracht.
Durch Kämpfe, Verrat und den nie endenden Ideen, diese Welt weiter zu entwickeln, lässt die Autorin beide Protagonisten aufeinander zugehen. Natürlich ist es recht vorhersehbar, dass sie sich näher kommen.
Begleitet von sehr selbstbewussten Nebendarstellern wie den Gefährten Thaddeus und der Erdwanderin Sora wird die Beziehungskiste noch einmal aufgemischt. Manko sind allerdings deren sprunghaften Entscheidungen, das lässt sie nicht unbedingt authentisch erscheinen.
Der Abschluss mit der Andeutung eines neuen Charakters, bereitet mich jetzt schon auf einen noch unbekannten Teil dieser Welt vor. Der Cliffhanger blieb mir trotzdem nicht erspart und ich werde voller Vorfreude auf den 2. Band warten.

Fazit: Die imposante Ouvertüre in ein Bühnenwerk, dass seinesgleichen sucht. Empfehlenswert für Leser, die eine neue mystische und bildgewaltige Welt erkunden wollen.

Veröffentlicht am 11.12.2017

Der etwas andere Tolkien – schneeweiß & weihnachtlich

Briefe vom Weihnachtsmann
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J.R.R. Tolkiens „Letters from Father Christmas“ oder zu deutsch „Briefe vom Weihnachtsmann“ wurde erstmals 1976 durch George Allen & Unwin veröffentlicht. Die aktuellste Ausgabe mit Originalabbildungen ...

J.R.R. Tolkiens „Letters from Father Christmas“ oder zu deutsch „Briefe vom Weihnachtsmann“ wurde erstmals 1976 durch George Allen & Unwin veröffentlicht. Die aktuellste Ausgabe mit Originalabbildungen der Briefe und Zeichnungen publizierte der Klett-Cotta Verlag 2017.
In diesem Buch zeigt sich der bekannteste Fantasy-Autor von seiner privaten Seite.
Denn 23 Jahre lang schrieb er seinen eigenen Kindern Briefe im Namen des Weihnachtsmannes, der die wildesten Abenteuer erlebte. Immer dabei seine Freunde Polarbär oder das Elbchen Ibereth, die ihm beim Schreiben an die Kinder unterstützen.

Weihnachtszeit, schönste Zeit. Daher sollte auch eine stimmungsvolle Lektüre nicht fehlen. Ich stieß durch Zufall auf „Briefe vom Weihnachtsmann“, da Tolkiens Name in großen Lettern auf dem Cover mit dem rot-weiß gekleideten, bärtigen Mann zu sehen ist. Tolkien und Weihnachtsgeschichten? Der Mann, der uns mit Mittelerde, die komplexeste Welt im Fantasy-Universum beschert hat? Die Überraschung saß und der Hintergrund berührte mich. Kinder schreiben Wunschzettel und Briefe an Father Christmas seit es ihn gibt, aber selten bekommen sie eine Antwort zurück.
Eine herzergreifende Idee, die den Autor nicht nur als Weihnachtsmann, sondern auch als Vater zeigen. Von 1920 bis 1943 bekamen seine Kinder um die Weihnachtszeit bunte Briefe und Zeichnungen im „Original-Nordpolumschlag“. Selbst die Briefmarken waren individuell gestaltet und abgestempelt! Wer es nicht glaubt, kann es selbst nachsehen: Im Buch wurden alle vorhandenen Briefe, Skizzen und Umschläge innerhalb der 192 Seiten abgedruckt. Das hat mir das Gefühl gegeben, selbst Post vom Weihnachtsmann zu bekommen
Und alles begann mit einem Brief an seinen ältesten Sohn John, der wissen wollte, wer der Weihnachtsmann wirklich war und wo er lebte. Im Laufe der Jahre wurden seine Geschwister Michael, Christopher und Priscilla geboren, so dass auch diese einzeln oder alle zusammen Briefe bekamen. Ich wurde beim Lesen in das Leben der Kinder katapultiert. Wusste, wer noch lesen und schreiben lernen würde, wer älter wurde und dem Weihnachtsmann nicht mehr schrieb, welche Wünsche herangetragen wurden und Weltereignisse wie der 2. Weltkrieg, die Dinge aus den Gleichgewicht brachten. Fasziniert wie einfallsreich Tolkien aus der Weihnachtsmannperspektive begründen konnte, dass nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann und dass man auch die kleinen Dinge schätzen lernt. Das klingt jetzt nach Moralpredigten, aber nein, so ist es nicht: Zuversicht und Tiefgründigkeit gehen dabei nie verloren. Der Weihnachtsmann berichtet kreativ von seinem Haus auf der Nordklippe, vom Krieg mit den Kobolden, die Geschenke stehlen oder vom gemütlichen Polarbären, der in Unfälle verwickelt ist. Der zuletzt Genannte schreibt und kommentiert die Briefe im übrigen mit prankenhafter Schrift und einer leichten Rechtschreibschwäche, die den Inhalt lebendig und knuffig werden lassen. Tolkien lässt nichts unversucht, damit die Briefe authentisch wirken. Weitere Beispiel ist ein eigens entwickeltes arktisches Alphabet. Man vermisst also nicht den vertrauten Touch des Autors, nur diesmal in kindgerechter Form.
Der Abschluss ließ etwas Wehmut zurück. Denn wir müssen realistisch sein, jeder hört irgendwann auf dem Weihnachtsmann zu schreiben und bekommt dementsprechend keine Antwort zurück. Hier auch mein persönliches Manko: Es ist schade, dass die verfassten Briefe der Kinder nicht Inhalt des Buches waren. Das hätte den Dialog auf jeden Fall vervollständigt.
Nichtsdestotrotz bin ich Dank der „Briefe vom Weihnachtsmann“ schnell in besinnliche und fröhliche Stimmung gekommen und sehe den Autor aus einem neuen Blickwinkel.

Fazit: Nicht nur für Tolkien-Fans ein besonderes Geschenk mit wunderbaren Illustrationen und Geschichten rund um den bärtigen Mann vom Nordpol.