Profilbild von Buchpfote

Buchpfote

Lesejury Profi
offline

Buchpfote ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Buchpfote über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2020

Mehr Elsass als Paris, mehr RomCom als Roadmovie

Coco, Sophie und die Sache mit Paris
0

Allgemein:

Stephanie Jana und Ursula Kollritsch sind nicht nur ein Autorinnenduo, sondern auch beste Freundinnen. Da liegt es nicht weit entfernt, einen Roman über zwei Frauen zu schreiben, die schon ...

Allgemein:

Stephanie Jana und Ursula Kollritsch sind nicht nur ein Autorinnenduo, sondern auch beste Freundinnen. Da liegt es nicht weit entfernt, einen Roman über zwei Frauen zu schreiben, die schon ewig durch dick und dünn gehen. Coco ist frisch verliebt und will ihren heimlichen Schwarm Nik ein paar Tage in Paris besuchen, um herauszufinden, ob er das ist, wofür ihr Herz ihn schon längst hält. Aus Angst, dass es nach hinten los gehen könnte und der Zufall, dass Nik auch noch der Bruder ihres Ex-Mannes ist, brachte sie bisher dazu, kein Wörtchen über ihn zu verlieren. Nicht mal gegenüber ihrer besten Freundin Sophie, die dringend eine Auszeit von Job und Alltag benötigt. Als Sophies geplanter Single-Wellnesstrip ausfällt und alternativ nun Urlaub mit der Teenie-Tochter in Paris ansteht, führt eins zum anderen, so dass Coco auf einmal in Sophies grünen Renault sitzt ohne ein Wort über Nik zu verlieren. Kann das gut gehen? Den sommerlichen Roman veröffentlichte Goldmann im Mai 2020 als Klappenbroschur.

Mein Bild:

Knapp 450 Seiten lagen vor mir. Das Cover einfach gestaltet, aber irgendwie niedlich, wie die zwei Frauen auf dem Oldtimer sitzen und den Eiffelturm anschauen. Ich sage es euch gleich, die Protagonistinnen sitzen innerhalb der Story in keinem Oldtimer, sondern in einem laubfroschgrünen Renault. Ebenso ist der Eiffelturm eher ein Teil einer Erinnerung, die beide Protagonistinnen mit ihrer "Sehnsuchtsstadt" Paris verbinden. Irgendwie hatte ich da andere Vorstellungen. Was mir im Buch bzw. hinter der Klappe sehr spät aufgefallen ist, ist die passende Playlist mit Klassikern rund um den französischen Lifestyle, die im Buch selbst benannt und mitgesungen werden. Die Idee ist absolut perfekt und die Playlist auf Spotify schnell auffindbar.

Der Einstieg ins Buch begann mit einem Prolog, der auf das Ende der Geschichte anspielte und Spielraum für Spekulationen zulässt. Ich bin kein Fan davon, weil es mich entweder spoilert oder irritiert, weil die Geschichte danach erst los geht und ich mich in einer völlig anderen Situation befinde. Also, Prolog ja, aber ohne das eine Schlüssel- bzw. Schlusssituation vorweg genommen wird. Auch wenn mir bewusst ist, dass diese Art Spannung und Anreize schaffen soll.

Ansonsten gefiel mir die simple Struktur des Buchs ziemlich gut. Gerade richtig, um sich bei sommerlichen Temperaturen schnell zurecht zu finden. Es gibt klare Unterteilungen wie Kapitelüberschriften, die ein wenig vorweg nahmen, was passieren könnte und darunter die Namen der jeweiligen Protagonistin, der ich per Ich-Perspektive folgte. Zudem gibt es kleine kreative Gadgets, wie handschriftliche Einschübe in Form von To Do - Listen und auf den letzten Seiten Rezepte zu manch kleiner Leckerei, die innerhalb der Geschichte eine Rolle spielen.

Die zwei Mittdreißigerinnen sind ein Kaliber für sich. Ich lernte sie ziemlich schnell kennen, mochte aber Sophie lieber als Coco, zumindest am Anfang. Sophie leitet eine Literaturagentur, ist alleinerziehend, steht ziemlich unter Stress und versucht über diverse Möglichkeiten mehr Entspannung in ihr Leben zu bekommen. Ich habe sehr geschmunzelt, wie sie ein esoterisches Onlineportal namens "shine your light" entweder sehr ernst genommen oder sich selbst darüber lustig gemacht hat. Sophie ist schlagfertig und sarkastisch, gerade, was ihre Autoren betrifft - und Himmel, da kann ich sie verstehen. Von wegen Agentin, nein, viel mehr Psychologin und die Nummer gegen Kummer für Autoren scheint sie zu sein. Überspitzter Humor gehört zu diesem Buch wie die Sahne aufs Vanilleeis, entweder man mag es oder nicht. Ich freute mich drüber. Außerdem verstand ich Sophies Wunsch nach Entschleunigung: Einfach nicht zu müssen, sondern einfach zu sein. Ich finde den Ausdruck sehr passend. Das Autorinnenduo trifft es dahingehend oft auf den Punkt.

Coco hingegen ist eine Lebefrau, eine launische, aber bildhübsche Lebefrau. Ihr Name ist Programm. Sie schreibt Kolumnen bei einer Tageszeitung trotz eines hochgradigen, für mehr geeigneten, Studienabschlusses. Ihre direkte, gern auch sarkastische, Art ist herrlich - besonders wenn sie gedanklich Personen mit Schauspielern oder Stereotypen vergleicht, konnte ich nur mit den Kopf schütteln und gleichzeitig schmunzeln, weil ein bisschen Offenheit gegenüber neuen Menschen nun wirklich nicht schadet. Im Verlauf nervte Coco mich dann schließlich sehr damit, dass sie ihre Selbstbeherrschung verlor und zur Unhöflichkeit neigte (diskret gesagt). Ja, ich verstehe, dass sie es eilig hat nach Paris zu kommen, aber sie hat sich das Dilemma selbst eingebrockt, meine Güte! So ungefähr ging es mir mit ihrer Perspektive.

Meine Vorstellung bezüglich des Plots war eine ganz andere. Ich dachte echt, dass sie in Paris ankommen und Coco einfach versucht, sich zu teilen, damit Sophie nicht mitbekommt, dass sie jemanden trifft. Ha! Falsch gedacht! Stattdessen lerne ich eine sehr idyllisches Fleckchen Erde im Elsass kennen und möchte am liebsten sofort in der alten Villa von Sophies Tante Marlene Urlaub machen. Es war nicht überaus kitschig und ausladend formuliert - eine Rarität in so einem Setting - und kurze Stichworte genügten schon, um mich in Sommerstimmung zu versetzen. Ich spürte die Wärme der Sonne, schmeckte den Kirschlikör, saß unter einem schattigen Kirschbaum auf einer Bank, spazierte durch das Dorf und feierte ein Fest.

Mir fiel auch auf, dass das Autoinnenduo wert auf viele Nebendarsteller legt. Zumindest kam ich mir nie einsam mit den beiden Hauptdarstellerinnen vor. Man nehme typische Klischees wie den gutaussehenden, französischen Lover, verpasse ihm ein Piratenoutfit und ne Küchenschürze und voila aufgepeppt. Ebenso der Autor, der Angelromane schreibt - ok, ihn male ich lieber nicht aus, der war zu gut. Wie der Humor sind die Figuren überspitzt dargestellt. An mancher Stelle wünschte ich mir mehr Alltäglichkeit in ihren Eigenschaften, weil ich das nicht ernst nehmen konnte, lustig hin oder her.

Absolutly unglaubwürdig war die Nummer mit den Freundinnen, die sich ewig kennen, in und auswendig, also so richtig, aber Sophie bekommt nicht mit, dass Coco in love ist. Ich hätte mir die Haare ausreißen können, weil die Beiden nicht offen miteinander umgegangen sind. Sie sind doch keine Teenies mehr, sondern gestandene Frauen. Wenigstens lernt man hier wieder einmal, dass Lügen nichts verbessern. Ich finde, weniger Drama hätte dieser sommerlichen Geschichte gut getan - einfach ein paar mehr schöne Erlebnisse rein basteln, fertig. Der Abschluss entschädigte definitiv, wie ein schöner, lauer Sommerabend mit einem Glas Wein.

Fazit:

"Coco, Sophie und die Sache mit Paris" macht schon Lust auf Urlaub im schönen Frankreich, jedoch muss man mit überspitzter Dramatik und Humor rechnen. Dafür geht der Roman leicht von der Hand und führt zu einem angenehmen Ende.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.06.2020

Kreative Mathematik, eine coole Clique und endlich mal kein Drama

Can you help me find you?
0

Allgemein:

Amy Noelle Parks ist Mathematikerin, Lehrerin und RomCom - Fan. Mit "The quantum weirdness of the almost-kiss" wurde sie auch zur Autorin. Der YA-Roman erschien 2020 in Deutschland unter dem ...

Allgemein:

Amy Noelle Parks ist Mathematikerin, Lehrerin und RomCom - Fan. Mit "The quantum weirdness of the almost-kiss" wurde sie auch zur Autorin. Der YA-Roman erschien 2020 in Deutschland unter dem Titel "Can you help me find you" bei Rowohlt. Inhaltlich verpackte die Autorin genau das, womit sie sich gern beschäftigt in eine Geschichte, denn es dreht sich um die siebzehnjährige Evie, die gemeinsam mit ihrem besten Freund Caleb die Newton Academy besucht. Sie, das Mathe-Genie, er, der Computer-Crack, kennen sich ihr ganzes Leben lang. Doch Evie merkte bisher nicht, dass Caleb mehr in ihr sieht als die beste Freundin. Gefühle dieser Art sind Evie fremd, Angstzustände und Panik dagegen allgegenwärtig, zumindest bis ihr Leo auffällt. Caleb beschließt, dass Evie sich nur in ihn verlieben kann, indem er sich für jemand anderen ausgibt. Wie gut, dass es anonyme Chats gibt.

Mein Bild:

Leute! Gleich zu Beginn, dieses Buch beinhaltet mehr als der äußere Schein her gibt. Ich finde es furchtbar schade, dass der Original-Titel nicht übernommen wurde, da dieser einfach besser gepasst hätte. Allerdings gebe ich zu, dass "Can you help me find you" tatsächlich eine Rolle innerhalb der Geschichte spielt, die sich nicht leugnen lässt. Trotzdem wirkt das rosafarbene Cover mit schörkeligen Buchstaben und auf das Smartphone starrende Jugendliche zu typisch und sagt zu wenig aus. Ich ahnte also nicht so sehr, was mich auf den 360 Seiten erwartet. Amy Noelle Parks machte es mir dennoch sehr einfach, mich in die Geschichte einzufinden. Es wird abwechselnd aus Calebs und Evies Ich-Perspektve erzählt. Beide sind super auseinander zu halten und haben ihre liebenswerten Eigenheiten.

Mit Evie musste ich zunächst warm werden. Sie sieht die Dinge objektiv und mit Abstand, hat Probleme sich in andere Menschen hineinzudenken, sprich sie zu deuten. Einerseits fand ich das befremdlich, andererseits ein wenig amüsant, weil ich sie schon verstehen kann. Gedanken kann man eben nicht immer lesen. Neben ihrer intelligenten und bedachten Art, die absichtlich zu Sarkasmus neigt, ihren Freunden und der High School, setzt sich Evie seit Jahren mit ihren situativen Angstzuständen auseinander. Die Autorin bewies ein feinfühliges Händchen bei diesem Thema - sie dramatisierte nichts, stellte die Krankheit nicht in den Mittelpunkt, zeigte dennoch, dass sie Evies ständiger Begleiter sein kann. Gerade zu Beginn des Buches war ich mir jedoch nicht sicher, wie gut Evie damit umgehen kann. Ich stellte mir die Frage, ob sie in einer massiven problematischen Situation steckt oder ob sie Dank ihrer wirklich genialen Therapeutin ihr Leben packt. Das wurde erst später klarer gezeichnet. Schade trotz des Feingefühls.

Sehr faszinierend fand ich, dass Caleb mir Evie näher gebracht hat. Ich glaube, seine lebenslange Übung darin, Evie zu lesen, half mir als Leserin sehr, sie besser zu verstehen. Ich bin auch definitiv Team Caleb. Wir sprechen hier nicht von einem Bad Boy, einem Helden oder Perfect Dreamboy, nein, wir sprechen hier von einem besten Freund, Bruder, Programmier-Junkie, einen kleinen Aufreißer, Sportler, den gutmütigen Kerl von nebenan, den spontanen Spaßvogel aus der letzten Reihe, der GUTE Sprüche in den Raum wirft. Das ist Caleb und noch viel mehr. Ich mag seine Offenheit und wie er mir sein Herz geöffnet hat. Caleb und Evie wirken wie zwei Hälften, die sich total symbiotisch miteinander verbinden. Das klingt schnulzig, ist es trotzdem nicht. Die Autorin zeigt diese tiefe, "nicht fleischliche" Beziehung so natürlich. Zwei Menschen, die sich in- und auswendig kennen. Wunderschön.

Um ehrlich zu sein, hätte ich die Dreiecksgeschichte mit dem tatsächlich sympathischen Leo nicht gebraucht. Klar, beim Lesen suchte ich mir mein Team, so ist das nun mal, und irgendwie sollte Evie die erste Liebe ja kennenlernen und bekam das auf undramatische Weise. Ich war überrascht. Keine Eifersüchteleien, die groß an den Pranger gestellt wurden, nur kleine Aussetzer, die ich gut nachvollziehen konnte. Eine Dreiecksgeschichte, die angenehm zu lesen ist? Ja, es ist wahr. Vielleicht liegt es daran, dass die Autorin weitere wichtige Punkte anspricht, die ohne die Dreiecksgeschichte ebenso funktioniert hätten.

Zum einen die naturwissenschaftliche Welt. Ich mochte Mathe nie. Physik war in Ordnung und Informatik... Sagen wir, es hörte bei HTML auf. Und jetzt kommts! In dieser Geschichte machte es mir Spaß darüber zu lesen. Theorien, die kreativ diskutiert werden, Skizzen und Zeichnungen, um Gleichungen darzustellen, Winks auf Matrix & Co. und die Message, dass die Protagonistin Mathematik so zeigen will, dass jeder normale Mensch sie versteht. Evie ist dafür definitiv ein Opener gewesen. Eingebettet wurde das Ganze nicht nur in Hausaufgaben, die übrigens nicht als nerviges Beiwerk, eher als Freizeitbeschäftigung und als Selbstverständlichkeit gesehen werden, sondern in einem hoch prämierten Wettbewerb, der mich mitfiebern ließ.

Zum anderen las ich leider auch die Kehrseite der Medaille. Frauen in der Wissenschaft, Frauen in der Mathematik, Frauen, die einfach nicht für voll genommen werden. Wow. Es hätte mich nicht überraschen dürfen. Doch, dass Lehrer, hochintelligente Wissenschaftler im 21. Jahrhundert so abwertend damit umgehen, ließ mich trotzdem stocken. Von Rassismus ganz zu schweigen. Ich denke, die Autorin steuerte damit ihre eigenen Erfahrungen bei. Ein Fingerzeig auf die altertümliche Denkweise einiger aus älteren Generationen. Umso mehr genoss ich die Reaktion der Jugendlichen darauf - Sie zeigen auf sehr smarte Weise, was in ihnen steckt und ich konnte nur denken "Tja, das haste jetzt davon".

Das ist nicht alles: Mobbing, falsche Entscheidungen (das ist nett ausgedrückt) innerhalb der Familie, seinen eigenen Weg finden, sich auf die Zukunft vorbereiten, Ängste zu überwinden und über sich hinauswachsen - irgendwie das, was man bei Young Adult erwartet. Schön fand ich, dass Nebencharaktere wie Evies beste Freundin Bex eine Geschichte bekamen, der ich folgen dürfte. So wurden die Probleme des Lebens nicht nur auf wenige Köpfe verteilt und Bex musste ich einfach lieben. Ich kenne kaum eine bessere Vermittlerin wie sie.

Ich genoss die meisten Zeilen der Geschichte. Wie kann man es nur schaffen easy zu schreiben und trotzdem so intelligente Anekdoten raus zu hauen? Der Schreibstil war dadurch angenehm. Dialoge, Gedankengänge und situationsnotwendige Beschreibungen sind das Ding der Autorin. Wer geblümte Malereien des ganzen Settings oder der Protagonisten sucht - Fehlanzeige. Das hat mich aber null gestört. Einzig und allein die Übersetzung besitzt ihre Schwächen. Ich sage nur, wir haben wieder das "Girlfriend/Boyfirend"-Problem. Im Deutschen klingt das einfach bescheiden.

Nichtsdestotrotz endet diese Geschichte so wie man es sich wünscht oder zumindest fast. Sie hat keinen Moment losgelassen und ich glaube, dass ich das Buch nicht so schnell vergessen werde.

Fazit:

Vielseitg gezeichnete Charaktere, Geisteswissenschaften modern und ansprechend, Gesellschaftskritik, die zum Umdenken anregt und eine locker, leichte Geschichte um die erste Liebe. "Can you help me find you" ist empfehlenswert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.05.2020

Eine abenteuerliche Idee mit Oliver Twist-Charme, aber da geht definitiv mehr

Die Namenlose Königin
0

Allgemein:

Die amerikanische Autorin Rebecca Mc Laughlin ist eine leidenschaftliche Schreiberin und beweist das in der Öffentlichkeit vor allem auf ihrem Blog oder auf YoutTube. Ihre Vorliebe für Fantasy-Romane ...

Allgemein:

Die amerikanische Autorin Rebecca Mc Laughlin ist eine leidenschaftliche Schreiberin und beweist das in der Öffentlichkeit vor allem auf ihrem Blog oder auf YoutTube. Ihre Vorliebe für Fantasy-Romane zeigt sich in Ihrem Debüt "Die namenlose Königin", das Bastei Lübbe 2020 in Deutschland veröffentlichte. Innerhalb der Geschichte lernt der Leser / die Leserin die junge Namenlose Münze kennen. Sie gehört zur erbärmlichen Bevölkerungsschicht Seridens und versucht ihren Lebensunterhalt als Diebin zu "verdienen". Doch von einem Moment auf den anderen erscheint das königliche Kronen-Tattoo auf ihrem Arm. Mehrere Dinge verändern sich damit: Der bisherige Herrscher ist nicht mehr am Leben und Münze wird zu seiner Thronerbin inklusive besonderer Gaben. Jeder fragt sich nun, wieso König Fallow eine Namenlose gewählt hat.

Mein Bild:

Zunächst einmal empfinde ich eine große Coverliebe gegenüber diesem knapp 350 Seiten dicken Taschenbuch. Es strahlt Kampfgeist und etwas Mystisches, ja, Verschleiertes aus. An sich sehr passend, allerdings wäre mir eine Krone lieber als ein Schwert gewesen. Das nur am Rande.
Ich war wahnsinnig überrascht, dass die Story in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Das ist bei Fantasy so selten und ich finde, dass mir dadurch Informationen enthalten werden, weil es teilweise etwas von Scheuklappensicht auf eine mir gänzlich unbekannte Welt ist. Natürlich könnte ich es auch als Challenge ansehen, aber lesen soll hauptsächlich Spaß machen. Ich wurde also zu Beginn gleich in Coins bzw. Münzes Alltag geworfen. Und ja, es war verwirrend. Namen wie Coin (später war es dann nur noch Münze, warum weiß ich nicht), Hut, Kreisel oder Teufel wurden umher geworfen und nach wenigen Seiten sogar schon der Beginn einer Nebenhandlung angeteasert. Ich kam schwer in die Geschichte und der Schreibstil hob mich wenig aus den Latschen - verständlich, einfach, aber wenig fantasievoll. Schritt für Schritt wurde es jedoch besser, es kam mir vor, als hätte die Autorin sich auch erst einmal einarbeiten müssen. Später empfand ich die Art und Weise, gelegentlich sogar mit Lebensweisheiten geschmückt, als angenehm.

Also gut Ding will Weile haben, nicht wahr? Umso mehr ich gelesen habe, umso mehr habe ich verstanden, wie die Gesellschaft im Königreich Seriden funktionierte, also zu einem Großteil, denn die Rolle der Namenlosen hatte für mich logische Lücken. Zum einen werden sie als Menschen ohne Rechte definiert, deren Taten oft unter den Tisch fallen gelassen werden bzw. werden sie ignoriert und trotzdem richtet man über sie. Gut, es ist jetzt nichts Neues, dass eine arme Bevölkerungsschicht unterdrückt wird, aber warum hat man die Namenlosen nicht einfach verbannt oder ähnliches? Dafür gefielen mir die klaren Linien zur Unterscheidung der jeweiligen Gruppen und wie viel Bedeutung Namen haben können. Denn das ist gar nicht abwägig, dass ein Name Macht verleihen kann! Das war einer von vielen kleinen Aspekten, die den Reiz an der Geschichte ausgemacht haben.

Des Weiteren gefiel mir das Gimmick von Oliver Twist sehr gut, denn Münze wurde von einem Betrüger großgezogen, der eine kleine Kinderbande unter seine Fittiche hat. Dem Wiedererkennungswert eines Klassikers konnte ich mich nicht verwehren. Ebenso entwickelten sich die Nebencharaktere von anfangs klischeebehafteten Typen, wie einer Prinzessin oder der eigene Wachschutz, zu mehrschichtigen Persönlichkeiten, denen ich gern begegnet bin. Die Autorin hielt dahingehend einige Überraschungen bereit und Plotttwists sind definitiv ihre Stärke - wie die kleinste Situation auf einmal ganz anders erscheint. Das war richtig, richtig gut umgesetzt und wäre mir nie so eingefallen. Allerdings gibt es einen Haken dabei. Die Autorin nahm sich ein paar Freiheiten, um die Twists so umsetzen zu können. Ich meine, jemanden Befehlsgewalt zu erteilen, der eigentlich keine besitzt oder Fähigkeiten, die rudimentär vorhanden waren, in Windeseile zu beschwören... Das gibt einen faden Beigeschmack. Zumindest erschien es mir im Nachgang teilweise so.

Umso entscheidungssicherer die Charaktere wurden, insbesondere die Protagonistin, umso selbstsicherer verlief die Handlung. Jegliche Umschiffung einer Tatsache erreichte endlich ihr Ziel. Das half mir mit Münze warm zu werden. Einerseits mochte ich ihre schnippische, herausfordernde, ja, fast schon straßenköterische Art. Andererseits gab es diese Wankelmütigkeit in ihrer Meinung. Ist sie nun dem Schicksal gewachsen oder nicht? Weglaufen, angreifen, wieder weglaufen... Ganz ehrlich: Wenn ich schon herauslese, wo sie letztendlich hin möchte, brauche ich es nicht noch unnötigerweise hinauszögern. Dafür vertraute sie meines Erachtens auch viel zu schnell Menschen, die sie nicht kannte und das für jemanden, der es bisher vorzog allein zu überleben. Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. Aber wie gesagt, um so mehr die Geschichte voranschritt, umso besser wurde das Doing mit ihr.

Aspekte wie Freundschaft, Loyalität, Familie, Herkunft und Macht werden auf vielseitige Weise in den Plott verwoben und hinterfragt. Die Message, offen gegenüber jedem Menschen zu sein, zeigt sich und das nicht überzogen.Ich glaube, dass die Autorin ihren Schwerpunkt vor allem auf die Handlung und Entwicklung der Charaktere legte, dabei das Setting jedoch aus den Augen verlor. Ich habe immer noch Schwierigkeiten mir die Stadt auszumalen, obwohl hier und da situationsbedingte Orte mit Liebe beschrieben werden, fehlt es am großen Ganzen. Ist es nur altertümlich angehaucht? Oder doch schon etwas moderner? Total witzig fand ich übrigens, dass sich alle geduzt haben. Entweder liegt es an der Übersetzung oder es ist selbst bei der royalen Schicht innerhalb der Geschichte so gewollt. Ungewöhnlich? Ungewöhnlich.

Fazit:

Eine Autorin mit Potenzial, das bestimmt noch nicht ausgeschöpft ist. Ein Fantasyroman, der Gesellschaftskritik, Abenteuer ähnlich Oliver Twist und einem sich steigernden Plott beinhaltet. Dafür sollte man Logiklücken und einen recht einfachen Schreibstil hinnehmen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2020

Besonders, ein wenig seltsam, aber eine Freundschaft?

Charlotte & Ben
0

Allgemein:

Erin Entrada Kelly ist in Deutschland keine Unbekannte. Ihr Jugendbuch "Vier Wünsche ans Universum" erhielt 2019 den Deutschen Jugendliteraturpreis und nun legt sie 1 Jahr später mit einer ...

Allgemein:

Erin Entrada Kelly ist in Deutschland keine Unbekannte. Ihr Jugendbuch "Vier Wünsche ans Universum" erhielt 2019 den Deutschen Jugendliteraturpreis und nun legt sie 1 Jahr später mit einer neuen Geschichte bei dtv nach. In "Charlotte & Ben" dreht es sich um die beiden titelgebenden Protagonisten, die sich über ihre Leidenschaft, dem Online Scrabble kennenlernen. Ein persönliches Treffen scheidet für die beiden angehenden Teenager allerdings aus, denn sie wohnen 2000 km voneinander entfernt. Jedoch teilen sie, mehr oder weniger bewusst, nerdige Gedankengänge, Familienprobleme und die Möglichkeit sich online anders zu geben als in der Realität. Doch manchmal ist der Nickname online nicht das wirkliche Leben.

Mein Bild:

Aus etwas über 200 Seiten besteht dieses hübsch, aber irgendwie auch simpel aufgemachte Hardcover. Farbe und Symbolik sprechen mich hier mehr an als das so oft vorkommende Glitzer oder Prägungen. Zudem enterte mich der Klappentext. Zwei hochbegabte Kids, die sich über eine große Entfernung anfreunden und zusätzlich noch mit den eigenen Problemen rumschlagen müssen. Ich erwartete keine Spannung oder ein Abenteuer, aber eine tiefer gehende Freundschaft. Es sei so viel verraten: Das traf es nicht wirklich, aber dazu gleich mehr.

Die inhaltliche Einteilung überraschte mich beim Durchblättern. Mir war bewusst, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit zwei Handlungssträngen bzw. den zwei Protagonisten folgen werde. Nur der Zeitraum erschien mir zu kurz. Gerade mal knapp eine Woche vergeht im Buch - das zeigte mir vor Beginn des Lesens bereits ein Inhaltsverzeichnis. Reicht das, um die Beiden kennenzulernen? Mir ihre Welt näher zu bringen? 200 Seiten sind nicht viel. Meine Skepsis verflog zumindest Schritt für Schritt, trotz des simplen Schreibstils, der immer nur den Augenblick aufnahm. Ich hatte oft das Gefühl, dass mir der Blick auf die Umgebung fehlte, als würde ich noch etwas verpassen.

Die weibliche Protagonistin Charlotte hat es mir jedenfalls nicht leicht gemacht. Ihre personale Perspektive wirkte kühl, teilweise abwesend oder abgelehnkt von den Schwerpunkten einer Situation. Sie verkroch sich in ihren "Kaninchenbau", der übrigens als Einleitung in die Kapitel eine wichtige Rolle spielt und mich nicht nur mit Wissen abseits meiner bisherigen Googlesuchen versorgte. Charlotte ist mit ihren 12 Jahren nicht das typische Mädchen. Das fällt besonders auf, wenn sie mit ihrer frühreifen Freundin Bridget unterwegs ist. Ebenso wird sie mit der Situation eines schwer erkrankten Elternteils konfrontiert. Ich gebe offen zu, dass ich Probleme hatte, ihren Umgang mit der Situation zu verstehen, mich in sie hineinzufühlen. Nüchtern und Klug in emotionalen Momenten zu bleiben ist mir eben fremd. Im Verlauf der Storyline fiel bei mir dann doch der Groschen, genauso wie bei Charlotte. Es geht darum, dass es nicht schlimm ist, wenn sich Wege irgendwann trennen, weil man sich in eine andere Richtung entwickelt. Veränderungen gehören zum Leben, man kann darüber trauern oder auch froh sein. So einfach ist das, eigentlich. Mir hat die Umsetzung dieser Punkte gut gefallen.

Trotzdem mochte ich Ben lieber. Der 11-Jährige steht auf Harry Potter, natürlich ist sein Haus Ravenclaw, denn der junge Kerl strotzt nur so vor Intelligenz und Behaarlichkeit (wie Charlotte). Er kam mir oft vor wie ein kleiner Wissenschaftler oder Politiker. Sicherlich hing das vor allem damit zusammen, dass er sich urplötzlich für schulische Aktivitäten außerhalb des Unterrichts interessiert. Es ist seine Rebellion gegen die "Devolution" seiner Eltern. Denn auch er merkt, dass er nicht alles in seinem Leben unter Kontrolle behalten kann. Eine Veränderung, die ihn verändert und die Augen öffnet. Bens Emotionen spürte ich viel deutlicher, obwohl er sie versuchte zu unterdrücken. Es waren die Trotzreaktionen eines Kindes, dass eine neue Situation nicht wahrhaben will. Genauso ignoriert er tatsächlich die Mobbingattacken seiner Mitschüler und das tat mir im Herzen weh.

Ich fand es schade, dass beide Handlungsstränge nicht wirklich zusammengeführt werden. Zumindest nicht physisch. Die Message hingegen vereint beide Protagonisten. Beide lernen, dass das Ausblenden von Problemen nicht hilft, dass es ok ist, Dinge nicht gut zu finden und das auch auszusprechen. Das es ok ist, man selbst zu sein, sogar verdammt ok!

Trotzdem sehe ich die im Klappentext angesprochene Freundschaft zwischen den Charlotte & Ben nicht wirklich. Sie telefonieren einige Male kurz miteinander, lügen sich sogar zum Schein an. Auf mich wirkt es wie eine Bekanntschaft, deren Geschichten unabhängig vom Handeln des Anderen weiter bestehen kann. Man hätte ebenso gut ein Buch über Charlotte und ein Buch über Ben schreiben können, aber wie vorher erwähnt geht es hier nicht um eine physische Zusammenführung, was es wieder zu etwas Seltsamen und irgendwie Besonderem macht.

Fazit:

Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und nur im geringen Maße Abenteuer verspricht. Für Teenager, die anfangen sich zu fragen, wer sie sind und ob das für sie ok ist. Für junge Leser ab 11 Jahren mit Hang zum Nerdigen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2020

Viel mehr als ein Märchen, so wahr, so fesselnd, mit Tiefgang, für einen Booknerd der absolute Rausch

Die letzte Dichterin
0

Allgemein:

Katharina Seck ist eine deutsche Autorin, die sowohl fantastische als auch Gegenwartsliteratur schreibt. 2017 wurde ihr Debütroman „Die silberne Königin“ mit einem Literaturpreis ausgezeichnet. ...

Allgemein:

Katharina Seck ist eine deutsche Autorin, die sowohl fantastische als auch Gegenwartsliteratur schreibt. 2017 wurde ihr Debütroman „Die silberne Königin“ mit einem Literaturpreis ausgezeichnet. Inzwischen folgten weitere Romane, unter anderem der Fantasy-Einzelband „Die letzte Dichterin“, der Anfang 2020 bei Bastei Lübbe erschien. Innerhalb der Geschichte landet der Leser bzw. die Leserin im Land Phantopien, das einmal berühmt für seine Magie und dem Ausleben der 4 Künste war. Doch außer in der unauffindbaren Hauptstadt Fernab, scheint jegliche Magie verloren zu sein. Die Geschichtenerzählerin Minna reist durch Phantopien, um den Menschen mit honigsüßer Stimme einen Hauch der alten Zeit wiederzugeben. Leichter gesagt als getan, bis sie die Chance bekommt an einem Dichterwettstreit in Fernab teilzunehmen. Das Schicksal bringt sie mit dem angehenden Schatzsucher Finn zusammen, der sein bisheriges Leben eher wie ein Dieb verbracht hat. Was beide nicht wissen, Phantopiens Magie soll wieder zurückkehren, dafür will die Königin einen dunklen Plan umsetzen. Die Frage ist nur, zu welchem Preis?

Mein Bild:


Ich glaube, das Buch wäre als Hardcover glatt noch schöner gewesen. Doch der Einstieg über das Bildnis eines aufgeschlagenen Buches und einer Frau, die durch ein Tor auf ein scheinbar wunderschönes Schloss zugeht, war sehr einladend. Als würde das Buch sagen „Begleite mich!“. Dem Aufruf bin ich gefolgt und was soll ich sagen, außer, dass ich es kein Stück bereue. Katharina Seck war mir bisher eine Unbekannte. Als Liebhaberin schöner Cover fiel mir ihr Buch „Tochter des dunklen Waldes“ bereits auf, aber gelesen habe ich es nicht. Inzwischen frage ich mich, wie ich mich dem nur verwehren konnte.

Der Schreibstil der Autorin ist schwerlich in Worte zu fassen. Ich weiß nicht, ob ihr Schreibstil immer so punktgenau zur Geschichte passt, doch hier war es der Fall. Märchenhaft, melodisch, mitfühlend, altertümlich mit einem modernen Schliff und auch gesellschaftskritisch. Kurz um, ein literarischer Augenschmaus. Der Aufbau der Storyline ist in 3 Abschnitte unterteilt, die im Buch ebenfalls ersichtlich sind. Zum einen die Reise nach Fernab, die ich durch eine im Buch untergebrachte Karte verfolgen konnte, der Aufenthalt in der Stadt und schlussendlich der Showdown, der alle Magie zurückbringen soll.

Der Weltenaufbau besitzt etwas Historisches, obwohl ich mich in der Epoche nicht festlegen möchte, schließlich ist es Fantasy. Eine Zeit, in der Wälder gefährlich waren, in dem Dorfschenken von Bauern aufgesucht und Kaufleute immer reicher wurden, Räuberbanden und Geschichtenerzähler durch die Lande zogen. Anders als in einem historischen Roman weiß aber jeder, dass Zauberei, ja, Magie einmal im großen Stil existierte. In den Wäldern gab es Nymphen, Stroh zu Gold zu spinnen war möglich und hinter vergoldeten Spiegel taten sich andere Welten auf. Ich fühlte mich wie in Grimms Märchen oder in einer Hommage an Cornelia Funkes „Tintenherz“ versetzt. Dementsprechend markierte ich mir etliche Stellen im Buch.

Am besten jedoch sind die Charaktere gelungen. Man nehme verschiedene Sagen- und Märchenfiguren und verpasse ihnen ein facettenreiches Upgrade. Zack, haben wir Minna Fabelreich, Finn Minengräber, Königin Malwine Wüstenherz und Gabensucher Valerian Ohneruh – die Namen sind Programm. Zu Beginn lernte ich vor allem Minna und Finn besser kennen, wusste schnell wie sie tickten, welche Motive bzw. Ziele sie verfolgten, aber auch welche Zweifel sie plagten. Zwei Reisende, die mein Herz schnell eroberten. Die Königin und der Gabensucher öffneten vorerst nur ihre dunkle Seite für mich. Ihre negativen Gefühle erschienen vorerst schleierhaft, da sich mir die Beweggründe nicht erschlossen. Stück für Stück setzten sich die Teile zusammen, so dass ich meine Meinung über über Malwine und Valerian änderte. Katharina Seck spielte damit ein wenig das Schubladendenken aus. Ein sehr schöner Twist. Übrigens offenbarte sich der Tiefgang bei den Charakteren auch in den Überschriften desjenigen, den ich in personaler Perspektive begleitete. Beispielsweise wurde dem „Gabensucher“ irgendwann „Valerian“. Generell entwickelten sich die Figuren über den Plot hinweg in die passende Richtung, ohne dass es wirkt wie „die Moral von der Geschicht“, sondern eben total natürlich.

Die Handlungsstränge bewiesen nicht nur Abwechslung, sondern auch, dass die Autorin die Begabung besitzt, diese sinnvoll zu trennen und wieder zusammenzuführen. Einzelnen Figuren an verschiedenen Orten zu folgen oder von mehreren Figuren dieselbe Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, war mega spannend. Kleine Kniffs in Form von Settingdetails wie einem magischen Flimmerlicht und einem Unterwasserkerker oder Rückblicke auf die Vergangenheit der Figuren rundeten die Story ab. Mir blieben keine Fragen offen. Wer jetzt überlegt, ob das Buch nicht zu viel Input bietet, den kann ich beruhigen. Der rote Faden geht nicht verloren, denn es dreht sich um die Magie, die Künste und wie sie durch die handelnden Figuren in Phantopien erneut erstrahlen kann.

Der Showdown sollte die Lösung für dieses Problem liefern. Ich fieberte förmlich daraufhin. Im Groben wurde mir vorher geliefert, was benötigt wurde, aber die Antwort auf die Frage nach dem Wie kam erst zum Schluss. Es hob mich nicht aus den Socken, aber das Ende der Figuren überraschte mich immens. Ein typischer Märchenabschluss blieb also aus. Ich stellte mir wirklich die Frage, ob ich das gewollt hätte - getreu dem Motto „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Ich denke nicht. Katharina Seck beabsichtigte keine Klischees zu bedienen, sonder Individuen zu erschaffen. Und das ist ihr gelungen.

Fazit:

Ein Abenteuer – Märchen für Jugendliche und Erwachsene mit individuellen Charakteren ohne oberflächliches Getöse. Literarische Fantasy, eine Heldenreise, eine Hommage an die Gebrüder Grimm und Cornelia Funke, das alles steckt in „Die letzte Dichterin“ - absolute Empfehlung.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere