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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2018

Es gibt Dinge, die haben Bestand – wie die Hoffnung

Der Glanz der Dunkelheit
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Ich danke der lesejury und allen Mädels für die schöne Leserunde, es war mir eine Ehre! *dezenter knicks

Und hier meine Rezension:

Der Abschluss von Mary E. Pearsons „Die Chroniken der Verbliebenen“ ...

Ich danke der lesejury und allen Mädels für die schöne Leserunde, es war mir eine Ehre! *dezenter knicks

Und hier meine Rezension:

Der Abschluss von Mary E. Pearsons „Die Chroniken der Verbliebenen“ erschien im Frühjahr 2018 als 4. Band in Deutschland. one by Lübbe veröffentlichte die komplette Reihe und wie das Schicksal manchmal so spielt, kehrt man am Ende einer Geschichte zum Ursprung zurück. Lia ist in ihrer Heimat Morrighan angekommen und hat ein klares Ziel vor Augen: Die Verräter zu stellen und die Reiche Morrighan, Dalbreck und Venda vor ihren Untergang zu bewahren. Dafür hat sie ihre große Liebe Rafe zurück gelassen. War es das wert? Wird sie ihr Ziel erreichen oder wird der skrupellose Komizar ihr Heimat in Schutt und Asche verwandeln?

Ich kann immer wieder nur sagen, dass ich Fan dieser Reihe bin, habe auf jeden Band sehnsüchtig hin gefiebert und mit jedem Mal sind meine Erwartungen gestiegen. Jedoch hatte ich vor dem Ende ein bisschen Angst, denn die Autorin hat es in den letzten Bänden immer geschafft, überraschende Verluste einzubauen. Und jedem Leser ist unterschwellig bewusst, dass jetzt ein Krieg ins Haus steht. Wer diese Tatsache bis jetzt wirklich übersehen hat, hält nun den Beweis in den Händen: Das Cover. Rüstungen, Kampfgetümmel und unsere Heldin Lia, die ein Schwert schwingt. Die Wirkung der Kampfbereitschaft ist bestechend.

Leider war es der Einstieg in die Geschichte nicht. Ich brauchte ewig um warm zu werden. Der Schreibstil war flüssig, detailliert, aber nicht überladen, das Reich Morrighan als ein Ort voller Erinnerungen super präsent, die Gedanken und Gefühle der wechselnden Ich-Perspektiven der Protagonisten klar und nachvollziehbar. Daran lag es also nicht, aber die Handlung kam nicht in den Gang. Die Frage, ob die Splittung des dritten Bandes (im englischen ist es eine Trilogie) Nachteile haben würde, war damit beantwortet. Gefühlt versuchte jeder Darsteller über die ersten 150 Seiten seine eigenen Konflikte zu lösen oder Informationen zu sammeln. Ich fragte mich wirklich, wo da noch Platz für die Verräter und eine epische Schlacht sein sollte, mal abgesehen davon, dass mir Zeitansätze fehlten. Es werden nur sporadische Angaben gemacht, so konnte ich leider nicht nachvollziehen, ob Monate oder nur ein paar Wochen bis zum Höhepunkt vergingen.

Nichtsdestotrotz wurden lang gehegte Fragen, beispielsweise um Kadens Herkunft oder Paulines ehemaligen Partner, beantwortet. Beide haben neben Lia eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Kadens gefühlvolle Seite kommt nun derart offen zum Vorschein, dass es kaum zu glauben ist. Aber es steht ihm durchaus gut und scheint natürlich zu sein, nachdem er nicht mehr des Komizars Attentäter ist. Hingegen wirkt Pauline stärker denn je und will unbedingt die beschützen, die sie liebt, egal wie zart sie dabei wirkt – eine Frau, die an ihrer Erfahrung gewachsen ist.

Ebenso wie Lia. Sie hat meine vollste Bewunderung. Strategisch und berechnend geht sie jeden Plan durch, zeigt Verantwortung und Kampfgeist. Sie ist einfach zur perfekten Anführerin geboren, auch wenn sie ihre Position in den eigenen Reihen immer wieder verteidigen muss und sich nicht in die klassische Rolle der Frau zwängen lässt. Dennoch zeigt sie im Stillen ihre Gefühle, vermisst Rafes Nähe, genauso wie er sie vermisst. Die Autorin hat es so spürbar formuliert und sät so den Wunsch nach einem Happy End.

Nur letztendlich fesselten mich Lias feindliche Begegnungen am meisten und ich versuchte mit ihr den Verrätern auf den Zahn zu fühlen. Es hat Spaß gemacht zu spekulieren, ob Lia mit ihren Vermutungen richtig liegt, ob sie Ihre „Gabe“ richtig deutet, die ihr den Weg zum Ziel oftmals erleichtert. In mancher Hinsicht vielleicht zu leicht. Mary E. Pearson hat die „Gabe“ genutzt um Handlungsstränge zu vereinfachen, zum Beispiel um Einsicht auf den Gegner zu bekommen oder Zukunftsvisionen schemenhaft einzublenden. So zaubert man einen Spannungsbogen, spart sich umfangreiche Erklärungen und zusätzliche Perspektiven. Gerade das Ausblenden der gegnerischen Perspektive fand ich trotzdem sehr schade. Die kaltblütige Sicht des Komizars hätte der Story noch den extra Kick gegeben.

Doch keine Angst, der rote Faden sieht einen temporeichen Show Down vor und ich war geplättet, wie raffiniert sich am Ende alles zusammenfügt was zusammen gehört ohne zu viel Ausmaß anzunehmen. Alles in allem war es ein guter letzter Band, auch wenn ich mir an mancher Stelle mehr schockierende Momente oder Verluste gewünscht hätte. Daran hat Miss Pearson leider gespart, so dass der Plot teilweise vorhersehbarer war als in den letzten Bänden. Sicherlich sollte es dazu dienen ein sauberes Ende zu schaffen und das hat funktioniert.

Fazit: Ein sauberer Abschluss ohne große Überraschungen, aber mit einer wahnsinnig starken Heldin und einem temporeichen Show Down.

Veröffentlicht am 14.07.2018

Aus dem dunkelsten Peru kommt ein kleiner Bär, absoluter Kult mit kleinen Makeln

Geschichten von Paddington
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Allgemein:

„Geschichten von Paddington“ umfasst zwei Bände der bärigen Erlebnisse, die der Autor Michael Bond seit 1958 zum Leben erweckte. In Deutschland wurde dieses Buch 2011 durch die Verlagsgruppe ...

Allgemein:

„Geschichten von Paddington“ umfasst zwei Bände der bärigen Erlebnisse, die der Autor Michael Bond seit 1958 zum Leben erweckte. In Deutschland wurde dieses Buch 2011 durch die Verlagsgruppe Beltz in Deutschland veröffentlicht. Mit den klassischen Illustrationen von Peggy Fortnum begleitet der Leser den kleinen, ursprünglich aus dem dunkelsten Peru stammenden, Bären Paddington. Er erlebt in London außergewöhnliche Abenteuer, mit denen selbst die Familie Brown nicht rechnet.

Mein Bild:

Wer findet den kleinen knuddeligen Bären in dem blauen Mantel und dem rotem Hut nicht süß. Spätestens nach dem Kinofilm bin ich ihm auch verfallen. Allerdings hatte ich nicht unbedingt vor, die Geschichten zu lesen. Bis ich das Buch von meiner Tante geschenkt bekam. Das Softcover beinhaltet 276 Seiten Paddington in größerer kindgerechter Schrift und wird durch die wunderschönen, skizzenhaften Illustrationen von Peggy Fortnum unterstützt. Mir gefielen die Bilder sogar so sehr, dass ich sogar einige davon für mein Bullet Journal abzeichnete. Laut Verlag ist das Buch für Kinder ab 5 Jahren geeignet.

Im Prinzip handelt es sich um eine große Geschichte, da die Ereignisse chronologisch ablaufen und sich einige Anekdoten auf vorherige Kapitel beziehen. Dennoch ist jedes Kapitel mit einer eigenen Überschrift versehen und der recht allwissende Erzähler kommt demnach nur mit einem Abenteuer um die Ecke, dass am Ende des Kapitels sauber abgeschlossen wird. Wirklich ideal zum Vorlesen, beispielsweise als Gute-Nacht-Geschichte, denn von Paddington bekommt man sicherlich keine Alpträume. Wirklich klasse, so kann sich ein Abenteuer an das nächste reihen, Abend für Abend.

Es beginnt mit einen dieser „Ach Gott, ist das süß“- Momente: Die Ankunft des kleinen Bären im Bahnhof Paddington, nach dem er benannt wird, und der Begegnung mit der herzallerliebsten, nie etwas übel nehmenden, Familie Brown. Es brachte mich zum Lachen, dass die Browns sich kaum wunderten, dass ihnen ein sprechender Bär über dem Weg läuft. Überhaupt wird Paddington nach kurzer Verwunderung sofort von jedem akzeptiert. Ein Hoch auf die Vielseitigkeit und Aufgeschlossenheit der Menschheit und dem damit angedeuteten Appell gegen Intoleranz. Großartig. In Paddingtons Geschichte zählen hauptsächlich die inneren Werte, das von den Briten geliebte höfliche Verhalten und zumindest ein gepflegtes Äußeres. Außerdem zeigt Paddingtons kindliche Offenheit gegenüber dem Unbekannten, wie in Ordnung die Welt sein kann, wenn man nur freundlich und hilfsbereit ist, egal welches Chaos manchmal um einem herum herrscht.

Der Bär steht im Mittelpunkt der Abenteuers. Sein Verhalten ist eine Mischung aus Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Naivität, Tollpatschigkeit, kreativen Ideen, Unwissen und grenzenloser Neugier. Wer aus dem dunkelsten Peru kommt, muss sich in London erst einmal zurechtfinden, den Sitten, Traditionen, der Geschichte, den Alltag. Paddington lernt es auf seine eigene, für den Leser sehr humorvolle, Weise kennen.

Ich sage es aber gerade aus: Der neugierige Bär stellt alles, recht vorhersehbar, auf dem Kopf!
Michael Bond verpackt Paddingtons Erlebnisse in die verschiedensten Settings. Es ist immer wieder überraschend, wo er was anstellt. Auf die Ideen muss man mal kommen! Darauf wird der Spannungsbogen gebaut, denn das Ende jeden Abenteuers ist im Endeffekt immer dasselbe. Das störte mich schon ziemlich, wenn ich ehrlich bin.
Alles, was Paddington an „Unfällen“ oder „Störungen“ verursachte, hatte keine Folgen oder wandelte sich sogar ins Gegenteil um. Als wäre er ein Glücksbärchi. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass es ein Kinderbuch ist und man Spaß haben soll. Das ist richtig. Doch sollte man nicht aus seinen Fehlern lernen? Wäre ich Mitglied der Familie Brown hätte ich über so manches Fiasko nicht hinwegsehen können. Oder würdet ihr ein überschwemmtes Bad nur mit „Ach Paddington“ abtun? Ich könnte mir schon vorstellen, dass ein Kind im Grundschulalter nachfragt, wie es sein kann, dass der Bär immer davon kommt, sogar als Paddington einen Polizisten festhält.

Ich fand es ebenso schade, dass die Familie Brown mit ihren zwei Kindern und der Haushälterin an den Rand des Schauplatzes verbannt wurden. Ich frage mich immer noch, was für ein Mensch die Haushälterin Mrs. Bird wirklich ist. Sie wusste gefühlt alles. Nur woher? Was hat sie im Leben wohl alles erlebt?

Nichtsdestotrotz hat Michael Bond viel Charme und Leichtigkeit in den Schreibstil seiner Zeit gelegt, sodass man über manche altbackene Floskel oder nicht mehr ganz zeitgemäße Unternehmung hinwegsehen kann. Es bleibt Kult und die Briten zelebrieren es in ihren Buchläden mit eigenen Paddington-Regalen, die groß und klein magisch anziehen.

Fazit:

Ein Klassiker unter den Kinderbüchern, der die chaotischen Abenteuer eines kleinen sprechenden Bären immer mit einem zu guten Ende versieht, über das man manchmal hinweg sehen muss.

Veröffentlicht am 22.06.2018

Eine Frauenfreundschaft, die den Drei Musketieren Konkurrenz macht

Sommerhaus zum Glück
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Allgemein:

Nach „Mein Herz ist eine Insel“ und „Sommer in St. Ives“ erschien 2018 der dritte Roman von Anne Sanders bei Blanvalet. Erneut treibt es den Leser ins englische Cornwall, genauer gesagt treibt ...

Allgemein:

Nach „Mein Herz ist eine Insel“ und „Sommer in St. Ives“ erschien 2018 der dritte Roman von Anne Sanders bei Blanvalet. Erneut treibt es den Leser ins englische Cornwall, genauer gesagt treibt es die deutsche Großstädterin Elodie nach St. Ives. In einer kaum überlegten Aktion kauft sie sich ein altes Cottage und will nun ein neues Leben in dem elftausend Seelen–Ort beginnen. Dass die Uhren dort anders, aber sehr freundlich ticken, wird Elodie schnell Klar. So schließt sie Freundschaft mit der alteingesessenen Dame Brandy und der Café-Inhaberin Helen. Zusammen erleben sie einen Sommer voller Veränderungen und Gefühle.

Mein Bild:

Dank des vollgepackten „Hello Sunshine“-Paketes von Blanvalet fiel mir Anne Sanders´ neuer Roman in die Hände. An sich bin ich nicht der Sonne-Strand-Meer-Typ und muss leider sagen, dass das Cover mit den typischen Farben und Objekten eines Sommerurlaubs mir, in der Masse an Romanen im Handel, nicht aufgefallen wäre. Schade, denn die Geschichte dahinter sagt so viel mehr aus!
Rosamunde Pilcher hat es vor gemacht, dass Cornwall als Setting für bildgewaltige Liebesromane sehr gut her halten kann. Anne Sanders wiederum begeisterte sich auf Reisen für diese Küstenregion und packte es in die 446 Seiten von „Sommerhaus zum Glück“. Die Geschichte ist von Beginn super eingeteilt: Die großzügigen Leseabschnitte, die durch den ganzen Sommer führen, sind nach Monaten unterteilt inklusive eines kleinen Blickes in die Zukunft, der dem Ende das Pünktchen auf dem „i“ verleiht. Innerhalb der zeitlichen Abschnitte werden die Kapitel durch die Erzählstränge der beiden Protagonistinnen Elodie und Helen abgebildet. So führen mich die Beiden abwechselnd aus ihrer Ich-Perspektive durch gegenwärtige und vergangene Geschehnisse in ihrem Leben. Angefangen mit der deutsch-französischen Powerfrau Elodie. Anfang 30 und frisch getrennt, hat sie Hals über Kopf ihre Heimatstadt Frankfurt zurück gelassen und sich eine ehemalige Pension in dem St. Ives gekauft. Ich mochte ihre Schlagfertigkeit und Temperament ebenso wie die akribische Listenschreiberei oder den Wechsel zwischen Hoffnung und Verzweiflung bei jedem Atemzug. Denn ihr Organisationstalent hilft bei den vielen Überraschungen des renovierungsbedürftigen Cottages nicht.
Ich hatte Dank Elodie allerhand zu lachen. Wer kommt denn schließlich auf Begriffe wie „Testosteron-Toni“ oder speichert den Ex als „Gustav Arschloch“ im Handy ab? Dazu fangirlte sie noch „Fifty Shades of Grey“ oder die „Gilmore Girls“. Ich liebte es, Elodie so nah zu sein, aber dennoch darüber grübeln zu müssen, welcher Mann es wie geschafft hatte, dass sie ihr abwechslungsreiches Großstadtleben aufgab um in einen Ort voller Beständigkeit, Tradition und Gewohnheit zog. Anne Sanders hat aber nicht nur mit ihr eine gelungene Protagonistin geschaffen, auch Helen nahm mich mit in ihr Leben und sie beeindruckte mich tatsächlich noch mehr. Verheiratet mit ihrer Jugendliebe, Mutter zweier Kinder und Inhaberin eines gut laufenden Cafés in dem kleinen Küstenort, ist ihr Leben eine Dauerschleife und zum größten Teil Fassade. Doch sie hält sich trotz ihrer Selbstzweifel und Probleme wahnsinnig tapfer.
So verschieden die beiden Frauen sein mögen, haben sie einen gemeinsamen Mittelpunkt, der sie auch zusammenführte: Brandy, die alte Dame mit ihrem grünen Schmuddelparka, die alles weiß und selbst kaum etwas von sich preis gibt. Es entwickelt sich trotz aller Widrigkeiten eine besondere Freundschaft zwischen den Frauen, die mich zwangsläufig an die Drei Musketiere denken ließ. Wirklich ganz großes Kino!
Natürlich wäre so ein Schmöker nichts ohne eine Liebesgeschichte. In einem von Auseinandersetzungen durchzogenen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mann und Frau flogen die Seiten nur so dahin. Ich muss zugeben, es bleibt vorhersehbar und meine Spekulationen erfüllten sich zum größten Teil, aber damit habe ich gerechnet und es störte mich null, Hauptsache die Gefühle stimmten.
Irgendwas musste bei so vielen zwischenmenschlichen Interaktionen allerdings auf der Strecke bleiben und das ist tatsächlich der Küstenort mit seinen hilfsbereiten und liebenswerten Bewohnern. Denn der rückte mit Voranschreiten der Kapitel immer mehr in den Hintergrund. Mir ging der Flair und die Einmaligkeit von St. Ives leider verloren, so dass ich den Eindruck gewann, dass jeglicher Küstenort als Kulisse hätte dienen können. Nichtsdestotrotz war es mir eine Ehre Elodie, Helen und Brandy kennenzulernen.

Fazit:

Eine gefühlvoller Roman über Freundschaft, Veränderung und Liebe mit der Aussage, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Federleicht zu lesen, mit genau der richtigen Meeresbrise Humor und genau das richtige Buch für den Strandkorb.

Veröffentlicht am 15.06.2018

Hier werden nur Weichen gestellt, aber dafür bekommen die Nebendarsteller ein Gesicht

Sun Warrior
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Allgemein:

Nach „Moon Chosen“ erschien 2018 der 2. Band von P.C. Casts Reihe „Gefährten einer neuen Welt“ bei FJB. „Sun Warrior“ setzt die Geschichte der jungen Mari fort, die zwei Völker und deren magische ...

Allgemein:

Nach „Moon Chosen“ erschien 2018 der 2. Band von P.C. Casts Reihe „Gefährten einer neuen Welt“ bei FJB. „Sun Warrior“ setzt die Geschichte der jungen Mari fort, die zwei Völker und deren magische Kräfte in sich vereint. Nach einer dramatischen Flucht aus der brennenden Stadt in den Bäumen versuchen sie und Nik ein neues Leben zu beginnen. Sie wollen mit Hilfe des Luchsgefährten Antreas, der jungen Mondfrau Sora, sowie weiteren Flüchtlingen der Erdwanderer und Gefährten eine bisher noch nie da gewesene Form des Zusammenlebens erschaffen. Doch es gilt Vorurteile aus der Welt zu schaffen, Kompromisse einzugehen und den Feind nicht aus dem Auge zu verlieren, der sich ebenso nach Veränderung sehnt.

Mein Bild:

Dieses Mal gibt es passend zum Titel ein gelbes Cover, nur leider sticht dieses Gelb tatsächlich zu sehr ins Auge. Es wirkt fast grell. Mir persönlich hätte eine goldene Farbe besser gefallen. Trotzdem sehen beide Buchrücken nebeneinander ziemlich gut aus und nachdem „Moon Chosen“ mich in seinen Bann gezogen gezogen hat, war klar, dass der 2. Band nicht ungelesen bleibt.
Ich befand mich also erneut in dieser abenteuerlichen Welt, in der sich die Natur vor Jahrhunderten alles zurück erobert hatte und die Menschen sich in sehr ursprünglichen Kulturen und magischen Kräften wiederfanden.

Im übrigen, ist es nicht möglich jetzt erst in die Geschichte einzusteigen. Man muss „Moon Chosen“ kennen, schon allein, weil Der 2. Band ohne Umschweife an den 1. Band anschließt. Ebenso wird an Rückblenden gespart, Nur gelegentlich werfen die Protagonisten über ihre Erinnerungen einen Blick zurück. Das störte mich allerdings überhaupt nicht. Dafür haben sich die Grundzüge der Geschichte zu sehr eingebrannt und ich bin ohne Probleme in die knapp 670 Seiten rein gekommen. Auch der Schreibstil in personaler Erzählweise blieb größtenteils fließend und verständlich. Ab und an musste ich Sätze jedoch zweimal lesen, weil es furchtbar altbacken klang bzw. die Zeitformen einzelner Worte nicht wirklich passte.

Innerhalb der Kapitel bzw. Leseabschnitte wird die Veränderung der Gesellschaftsformen von den drei bekannten Völkergruppen innerhalb eines Zeitraumes von einer Woche betrachtet. Ihr lest richtig: Knapp 700 Seiten für ein paar Tage. Ich war selbst überrascht. Bitte erwartet trotzdem nicht zu viel Action. Ich finde, dahingehend lässt der Plot zu wünschen übrig. Hier werden lediglich die Weichen für den nächsten Band „Wind Rider“ gestellt.

Das beginnt bereits als Nik und Mari nicht mehr nur für sich und ihre Hundegefährten verantwortlich sind. Beide wollen ihre eigene Alternative einer Gemeinschaft aufbauen. Es fühlt sich für mich anfangs wie eine jugendliche Rebellion der Freiheit an. Doch es ging um mehr: Jeder soll so akzeptiert werden wie er ist, egal wie anders er ist. Eine schöne Idee, aber wer klar bei Verstand ist, kann sich denken, dass es zu Konflikten kommen kann, wenn derart verschiedene kulturelle Gruppen aufeinander treffen: Zum einen, die bisher hoch in den Bäumen lebenden, sonnenanbetenden Gefährten mit ihren Hunden, dann die in Erdbauten lebenden, mondanbetenden Erdwanderinnen, die bisher von den Gefährten versklavt wurden und der komplette Neuling Antreas mit seiner Luchsin Bast. Und so kommt es förmlich zu einem Kulturschock, denen sich geflüchtete Erdwanderer und Gefährten unter dem Matriarchat (Dominanz der Frauen) der Mondfrauen Mari und Sora aussetzen.
Gefühlt hätte es in Mord und Totschlag enden können. Tat es aber nicht, stattdessen wirkte es viel zu einfach. Innerhalb von 2-3 Tagen waren alle best Friends. Ich finde, die Autorin hätte dahingehend mehr Realismus an den Tag legen können. Nichtsdestotrotz sind Mari, Nik und auch Sora schnell zu gut organisierten Führungspersönlichkeiten mutiert und ihnen steht die Rolle trotz des jungen Alters, dessen Naivität ab und an noch hoch kommt, gut.

Bemerkenswert finde ich, dass sehr viel mehr Charaktere in den Vordergrund rückten, allesamt mit ihren Geschichten, Erfahrungen und Leben. Sie lernen einander kennen und der Leser ist mittendrin. Allem voran der Luchsgefährte Antreas. Der Mann ist eine absolute Wucht, spricht klare Worte mit einem Schuss Ironie und ist Dank seiner Luchsin Bast mit enormen Kräften gerüstet. Die Beschreibungen liefern wirklich ein hautnahes Bild.

Ständig gibt es Szenenwechsel, die diverse Gespräche der inzwischen näher erwähnten Charaktere aufzeigen. Es ist abwechslungsreich gestrickt, vor allem, wenn der Mittelpunkt der Erklärungen den Ursprung von Magie und Tradition beinhaltet. Trotzdem waren Dialoge dabei, die die Geschichte nicht vorwärts brachte, dafür aber vorhersehbarer. Zum Beispiel zukünftige Ziele einer Reise oder wahnwitzige Gedanken, die sich dann komischerweise auch erfüllten. Schade, damit ist die Spannung teilweise flöten gegangen. Vielleicht war die Wahl zu vieler Perspektiven in der Erzählweise doch keine gute Idee?!

Sparsam hingegen war die Autorin mit bildlichen Darstellungen des Settings. Alle Orte, die aus dem 1. Band bekannt waren, wurden nicht nochmals eingehend beschrieben. Das fand ich gut, denn neue Orte wurden demnach in all ihrer Pracht oder Grausamkeit beschrieben. Hier sei gesagt, dass die Altersempfehlung von 14 Jahren eingehalten werden sollte.

Denn fernab von Maris und Niks neuer Gemeinschaft bleiben die Schnitter als zweite Gruppe innerhalb der Geschichte ein grausames Völkchen, dessen Gier von ihrem Anführer Fahlauge weiter geschürt wird. Der Antagonist bleibt mit seiner Art authentisch und man möchte so einer Persönlichkeit niemals begegnen. Wer dachte, dass er nicht noch grausamer werden kann: Es passiert. Und selbst diejenigen, die ihm nahe stehen, bekommen es mit der Angst zu tun. Er ist der Grund, dass spannende Momente entstehen.

Nicht einmal der wutentbrannte Thaddeus kommt an diese Grausamkeit heran. Er gibt uns allerdings den Einblick in die dritte Gruppe, dem Stamm des Lichts. Vom Schicksal gebeutelt, nach der Zerstörung ihrer Stadt, merken sie nicht wie Thaddeus die Situation ausnutzt, um selbst an Macht zu gewinnen. Selbst ein intelligentes und soziales Volk kann so etwas passieren. Die reelle Historie der Menschheit hat uns das oft bewiesen. Diesen Aspekt hat P.C. Cast berücksichtigt und ich kaufe ihr das ab.

Grundlegend entwickeln sich die drei Gruppen in bereits vorgeschriebene bzw. angedeutete Bahnen. Es gibt Beziehungen, die sich entwickeln, andere entzweien sich wiederum, auch Magie spielt weiterhin eine tragende Rolle. Ich habe demnach eine Ahnung, wie die Geschichte weiter geht und wer sich wohl noch begegnen wird. Zum einen freut mich das, da ich weiß, es wird etwas ganz anderes auf mich zukommen, zum anderen allerdings, bezweifel ich, dass noch viele Überraschungen auf mich warten werden. Ihr seht schon, es ist ein Zwiespalt, der sich auftut. „Wind Rider“ wird trotzdem gelesen, weil die Entwicklung der drei Gruppen nach wie vor eine Beobachtung wert ist. Weiterhin ist noch nicht raus, wie viele Bände die Reihe wirklich haben wird. Wer die Autorin kennt, weiß, dass es durchaus mehr als drei Bücher werden können.

Fazit:

Sun Warrior ist ein vorhersehbar, aber richtungsweisender Übergangsband mit vielen Perspektiven, so das kein Aspekt verloren geht. Wer Clan, Stamm und Volk bisher mochte, wird es auch weiterhin tun.

Veröffentlicht am 23.05.2018

Der 3. Band toppt nicht den Vorgänger

Das Reich der sieben Höfe 3 - Sterne und Schwerter
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Allgemein:

Sarah J. Maas' Erfolgssaga erreicht 2018 mit „Das Reich der sieben Höfe – Sterne und Schwerter“ ihren Höhepunkt. Wie auch die Vorgänger erschien der 3. Band in Deutschland bei dtv.
Inhaltlich ...

Allgemein:

Sarah J. Maas' Erfolgssaga erreicht 2018 mit „Das Reich der sieben Höfe – Sterne und Schwerter“ ihren Höhepunkt. Wie auch die Vorgänger erschien der 3. Band in Deutschland bei dtv.
Inhaltlich kehrt Feyre zwangsläufig, nach dem Vorkommnissen in Hybern, an den Frühlingshof zurück. Sie spioniert Tamlin aus, der das Volk Prythians verraten hat und damit Feyres Rachsucht anfeuert. Der Krieg ist nicht mehr zu verhindern und Feyre versucht alles um die, die sie liebt zu beschützen. Wird sie einen Ausweg finden oder werden sich die Klauen des Feindes erneut auf Feyre stürzen?

Mein Bild:

745 Seiten, 3 große Leseabschnitte und zig Kapitel lagen vor mir. Sarah J. Maas hatte anscheinend noch viel zu erzählen. Es gab auf jeden Fall genügend offene Fragen, schließlich haben sich die Ereignisse zum Ende des 2. Bandes förmlich überschlagen und die Zukunft des ganzen Landes stand auf dem Spiel.
Ein Prolog aus Rhys´ Vergangenheit, wie gewohnt in Ich-Perspektive, eröffnete den 3. Band der der Reihe. Notwendig war das allerdings nicht. Im Gegenteil, die Vertrautheit der bisherigen Geschichte stellte sich erst ein, als Feyre mich in die Gegenwart zog. Der Pageturner hatte mich wieder in seinen Bann gezogen. Feyre verkörperte am Frühlingshof zunächst eine eiskalte Autorität, die ihre Rachelust zu zügeln versucht. Ein Spiel aus Intrigen, Verrat und Vertrauen begann. Einerseits bin ich total erschrocken wie Feyres harte Seite zur Schau gestellt wird, andererseits bin ich von ihren Plänen und der Rafinesse fasziniert gewesen. Sarah J. Maas hat damit brillante Wendungen schon allein durch Charakterzüge geschaffen.
Der Hauptteil befasste sich im Grunde mit dem Suchen und Finden von Verbündeten und dem Entwerfen von Kriegsstrategien. Dabei blickte ich durch Feyres Augen auf das vermeintliche Ende und bemerkte schnell ihre Entwicklung zur wirklichen High Lady, die sowohl falsche als auch richtige Entscheidungen trifft. Zwei Dinge sind mir in diesem Bezug aufgefallen: Zum einem lernt sie sich so zu akzeptieren wie sie ist und akzeptiert dadurch auch andere in ihrem Sein. Eine wahnsinnig wichtige Message! Und zum anderen ist Rhys immer an ihrer Seite. Er und ihre Familie, der Hof der Nacht. Sie ist nie allein. Mir fehlte allerdings die Ruhe zwischen Rhys und Feyre. Man könnte es auch mit inneren Frieden vergleichen. Ich muss als Leser den Augenblick genießen können und ich hatte kaum Gelegenheit dazu. Ok, der Krieg steht an, aber ich habe mich im letzten Band an himmlische Momente gewöhnt, die Beide so selbstverständlich erlebten.
Das bedeutete jedoch auch, dass sie unabhängig voneinander handelten und dem Leser wiederum die ein oder andere Überraschung erwartet. Ein weiterer Clou ist der Familienzuwachs. Zu Mor, Azriel und Cassian gesellen sich nun Feyres Schwestern. Eine explosive Mischung, die mich zum Lachen brachte oder mein Gemüt sichtlich erhitzte.
Apopo, ich finde die anzüglichen Szenen in diesem Band nicht gut umgesetzt. Trostsex während andere um ihr Leben kämpfen oder um nahestehende Personen zu verletzen, ist echt geschmacklos.
Doch es gab keine Zeit um darüber nachzudenken, denn Feinde werden zu Freunden, Freunde werden zu Feinden. Mein Blickwinkel auf diverse Nebendarsteller änderte sich und das teilweise nicht nur einmal. Ein wahrer Strom, bei dem sich neue Wege öffneten oder alte sich schlossen, kam mir entgegen. Über kurz oder lang ist mir der „Freund-Feind-Wechsel“ dennoch unnatürlich vorgekommen. Effekthascherei, um alles noch mehr zu dramatisieren? Beispielsweise vergessen instinktgetriebene Fae ihre bisheriges tödliches Dasein. Schon merkwürdig, obwohl die Detailverliebtheit solcher Schachzüge absolut bestechen.
Ebenso wie meine Freude, endlich die Gesichter der bisher stiefmütterlich behandelten Höfe zu erblicken und die Herkunft von Feyres elementarer Magie kennenzulernen. Die atemberaubende Beschreibung der High Lords, die so prägnant charakterisiert werden, dass ich sie malen könnte, haute mich wirklich um. Helion hatte es mir besonders angetan, High Lord des Tages, strahlend schön wie ein Pharao und mindestens so gewitzt wie Rhys. Meine Erwartung, den Rest Prythians endlich serviert zu bekommen, wurde erfüllt. Die Karte vervollständigt sich, wortwörtlich, wenn man die Einbände der 3 Bücher vergleicht.
Zum Schluss konnte ich aufatmen. Nicht aufgrund super gewitzter Einfälle innerhalb der Story, nein, sondern durch „glückliche“ Zufälle. Man hat es sich am Ende tatsächlich einfach gemacht. Vielleicht um 200 Seiten mehr zu vermeiden? Wer weiß.

Fazit:
Ein spannungsgeladener, wendiger Abschluss von einer der besten Fantasytrilogien. Aber Vorsicht, durchatmen kann man erst am Ende.