Profilbild von Buchpfote

Buchpfote

Lesejury Profi
offline

Buchpfote ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Buchpfote über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2022

Die Trilogie könnte als Gesamtpaket episch werden - Zumindest, wenn es nach Band 1 geht

ASH PRINCESS
0


Ich bin schon vor 2 Jahren um diese Reihe rumschlawenzelt. Damals ist sie noch in einem anderen Jugendbuchverlag erschienen. Der Klappentext sagte mir als Fantasyfan absolut zu: Ein Kind, das einmal den ...


Ich bin schon vor 2 Jahren um diese Reihe rumschlawenzelt. Damals ist sie noch in einem anderen Jugendbuchverlag erschienen. Der Klappentext sagte mir als Fantasyfan absolut zu: Ein Kind, das einmal den Thron seines Landes besteigen sollte, wird von einem Tag auf den anderen zur Siegestrophäe eines Mannes, der ihr Land eingenommen und all ihre Lieben getötet hat. 10 Jahre später ist sie als "Ascheprinzessin" bekannt, wird gefoltert, überwacht und gedemütigt. Es scheint keine Hoffnung mehr zu geben bis sich ein Schimmer offenbart und die Ascheprinzessin nicht nur ihrer Rettung, sondern auch der ihres Landes in die Augen blicken kann. Dafür muss der Sohn des Kaisers sterben, der jedoch so andere Seiten zeigt als sein Vater.

Warum habe ich also nicht zugeschlagen? 3 Dinge: Mein SUB, das Cover hat mich nicht umgehauen und ein klein wenig hatte ich Angst, dass mir die Story einen Touch zu viel Romantasy mitbringt. Inzwischen ignoriere ich den SUB. Das Cover ist ein absoluter Traum im Klappenbroschur - der Blanvaletverlag hat sich viel Mühe gegeben, der Trilogie das passende Outfit zu geben. Der 2. Band "Lady Smoke" steht inzwischen auch im Bücherregal und beide Buchrücken nebeneinander bilden einen hübschen Übergang. Ich mag solche Details. Zum Punkt, ob es einen Touch zu viel Romantasy mit sich bringt, da bin ich zwiegespalten. Es kommt zu einer Dreiecksgeschichte, die sich schon relativ früh entwickelt, deswegen sehe ich das nicht als Spoiler an. Es erinnerte mich ein wenig an "Kuss der Lüge" von Mary E. Pearson. Auf der einen Seite der Freund bzw. Verbündete, auf der anderen Seite der Feind bzw. das voraussichtliche Mordopfer. Wie die zwei Seiten einer Medaille. Die amerikanische Autorin Laura Sebastian griff in die Romantikkiste, weil es sich in diesem Part der Story nun mal um die jugendlichen Gefühle der ersten Liebe dreht. Dahingehend passieren einfach ein paar vorhersehbare Dinge, bei denen ich entweder schmunzeln musste oder ein wenig mit den Augen rollte. Darüber kann ich wegsehen, weil die Figuren einfach um die 16 Jahre alt sind.

Zu den Figuren selbst. Wow! Wirklich. Ich bin beeindruckt bezüglich der Charakterausarbeitung, der Details, der Historie, der Erziehung, Erfahrungen, dem Glauben, jede Kleinigkeit, die einfließen kann, ist eingeflossen und authentisch dargestellt. Mir tat es fast schon leid, dass nur aus der Ich-Perspektive der Ascheprinzessin gesprochen wird. Allerdings weist sie eine gute Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis auf. Sie musste über Jahre lernen eine Rolle zu perfektionieren, um mit dem Leben davon zu kommen. Im Verlauf entwickelt sie sich mit ihren verschiedenen Rufnamen: Thora für die gefangene Ascheprinzessin, Theo für diejenigen, die zu ihr gehören, Theodosia als Name der künftigen Königin. Viele Facetten in einer Person. So spannend in der Entwicklung. Ich habe mir zig Zitate aufgeschrieben, die sie weiser dastehen lassen als ihr Alter es zulassen sollte. Tapferkeit und Angst liegen hier nahe beieinander. An dieser Stelle möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen und damit zur Vorsicht aufrufen! Es werden im Detail Folterszenen, Morde und sexuelle Belästigung beschrieben. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 14 Jahren - vielleicht ist das für einige Lesende noch zu früh.

Nicht nur Thoras/Theos/Theodosias Figur blieb mir im Gedächtnis. Ebenso Blaise, ein Freund aus Kindheitstagen, der seine Gefühle mehr schlecht als recht verstecken kann. Dennoch bin ich mir sicher, konnte ich ihm noch nicht alles entlocken. Crescentia, die irgendwie ihre beste Freundin ist, aber eine Kalovaxianerin und damit der Feind. Sie machte es richtig spannend. Nicht zu unterschätzen, aber zu Beginn ein typisch reiches Mädchen. Artemisa und Heron sind Sidekicks, die so kantige Eigenschaften zeigen, dass ich sie nur lieben konnte. Natürlich nicht zu vergessen der Prinz. Ich bin mir immer noch unsicher mit ihm und das soll was heißen. Er wirkt, als wäre er zu gut für die Welt, allerdings hege ich genauso meine Zweifel wie unsere Protagonistin - der nächste Band wird hoffentlich noch mehr Antworten geben. Und es gibt weitere Figuren, inklusive merkwürdiger Namen.

Ach ja, die Namen oder die Benennung von Völkern verknoten beim lauten Aussprechen die Zunge. Ich habe keine Ahnung, warum die Autorin es so kompliziert gemacht hat. Aber gerade über das Volk der Kalovaxianer, die das Land der Astreaner eingenommen haben, bin ich so oft beim Lesen gestolpert, dass ich es bald überlesen habe um im Flow zu bleiben. Denn ansonsten ist die deutsche Übersetzung von Dagmar Schmitz gelungen. Die Worte drangen in die Tiefe ohne, dass ich ertrank, sondern ich flog hindurch und nahm alles mit. Der Plot bietet zudem einfach genug Abwechslung, die sich um Ränke schmieden, Auseinandersetzungen, sogar Briefen oder "Alltagssituationen" (sofern man das Leben der Ascheprinzessin so bezeichnen möchte) drehen. Ich lernte zudem die magischen Fähigkeiten von Thoras/Theos/Theodosias Volk kennen, die sich ganz simpel über die Elemente definieren. Götter, Glaube, Märchen, Mythen und Feste begleiten das eingenommene Astrea in alter Tradition wie auch im Geheimen. Das Worldbuilding gefiel mir definitiv, schon allein weil bekannte Kulturen eingeflossen sind. Wer Karten liebt, kommt ebenso auf seine Kosten: Das Buch beinhaltet gleich 2 davon.

Ich war bis zum Schluss hin- und hergerissen, wie der 1. Band nun enden würde. Ich habe der Autorin nach den fast 500 gelesenen Seiten fast alles zugetraut. Es fühlte sich ein bisschen an wie bei Game of Thrones. In einem Moment denkst du "Puuh, Glück gehabt", im nächsten "Das kann jetzt nicht wirklich noch passieren". Gegen Ende schlossen sich einige Türen direkt vor meinen Augen, Handlungsstränge, die eine Runde Sache wurden, andere Türen öffneten sich gerade ein Stück, um einen Blick hineinzuwerfen. Wenn ich jetzt daran denke, kann ich es kaum erwarten, weiterzulesen.

Also, trotz komplizierter Namen und Dreiecksbeziehung tritt ein komplexes Gesamtbild an Worldbuildiung und Charakteren auf den Plan. Der Plot besticht durch Abwechslung und Emotionsreichtum, die Twists überraschen zum Großteil, wobei der ein oder andere einführende Satz den Lesenden bereits Ideen in den Kopf pflanzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2022

Zwerge, Riesen, Sirenenelfen, Kobolde, Wassermänner, Einhörner, kopflose Reiter... Alles in einer Geschichte? Unmöglich? Nicht hier!

Fabula - Das Portal der dreizehn Reiche
1

Stell dir vor, du besuchst einen dir allzu bekannten Park an einem warmen Sommertag. Es ist fast alles wie immer. Fast. Bis auf dieser Baum, der so einzigartig wirkt, dass er keinem dir bekannten gleicht. ...

Stell dir vor, du besuchst einen dir allzu bekannten Park an einem warmen Sommertag. Es ist fast alles wie immer. Fast. Bis auf dieser Baum, der so einzigartig wirkt, dass er keinem dir bekannten gleicht. Dessen Schatten so dunkel ist, dass man nichts erkennen kann. Und ist das etwa eine Elfe? Du schüttelst den Kopf. Das kann nicht sein! So ähnlich geht es dem 13-jährigen Will bei einem Schulausflug, der ihn genauso wenig interessiert wie die Zeitung von gestern. Bis ihm mitten im belebten New Yorker Central Park ein kleines Wesen mit durchsichtigen Flügeln begegnet. Seine neunmalkluge Zwillingsschwester Charlotte hält ihn für übergeschnappt. Doch als sie zuhause ankommen und eine waschechte Furie in ihrer Küche steht, wissen sie, dass irgendetwas überhaupt nicht stimmt. Vor allem, weil ihre geliebte Mutter spurlos verschwunden ist. Der Trip in eine andere Welt beginnt, die Suche ihrer Mutter, die sie kaum atmen lässt und der Fingerzeig ihres persönlichen Ursprungs, der sich offenbart.

Zunächst einmal große Hardcoverliebe. Auffallend bunt, verschnirkelt mit den beiden Hauptcharakteren auf den beiden Seiten des ominösen Baumes. Dazu noch die Feenzeichen für die Reiche Fabulas, die ebenso die Kapitelüberschriften zieren. Kleiner Fehler dabei: Auf dem Cover zeigen sich nur 12 der 13. Das könnte bei dem ein oder anderen Lesenden Fragen aufwerfen. Für euch zur Beruhigung, das klärt sich ganz bestimmt. Die Innenklappe zeigt zusätzlich noch "Aufzeichnungen" von Figuren Fabulas und weitere kleine Details, die die Fantasie befeuern und den Inhalt ergänzen. Das ist schon cool. Der Verlag empfiehlt die knapp 350 Seiten für Lesende ab 10 Jahre. Das unterschreibe ich so. Komplex, aber farbenfroh und mit genau dem richtigen Maß an Spannung. Für Erwachsene allerdings ist es doch vorhersehbar. Dazu komme ich gleich. Ach, und bevor ich es vergesse. Zum Schluss gibt es ein kleines Quiz, dass den Lesenden einem Charakter zuordnet. Ich finds witzig eine Sirenenelfe zu sein.

Akram El-Bahay beginnt seine Geschichte mit einem magisch-mystischen Prolog wie ein Geschichtenerzähler. Es fühlt sich an, wie ein Stück Vergangenheit, das Jahre später den Faden wieder aufnimmt. Das ist wichtig, so dass sich niemals jemand fragen muss, wieso dieses oder jenes passiert ist. Jede einzelne Frage wird beantwortet, kein Detail bleibt offen und das innerhalb der kompletten Story. Ihr könnt euch wohl vorstellen, wie viele Fragen ich mir gestellt habe als ich mit Will und Charlotte nach Fabula gereist bin - einer völlig neuen Welt. Ok, manche Antwort ließ mich bewusst warten, um genau in den richtigen Augenblick zu erscheinen. Andere Antworten lagen so glasklar auf den Servierteller, dass ich mich gefragt habe, wie Will und Charlotte so auf dem Schlauch stehen konnten. Beispielsweise, in welchen Zusammenhang die Eltern der beiden mit Fabula stehen und wie langsam sie ihrem eigenen Ursprung auf die Schliche kommen. Allerdings stießen die beiden auf einige wundersame Ereignisse und Probleme.

Fabula könnt ihr euch vorstellen als eine Mischung aus Phantasien (unendliche Geschichte), Mittelerde (Herr der Ringe/Hobbit), die Harry Potter Welt, dem letzten Einhorn und Endor (den Waldmond der Ewoks aus Star Wars). Klingt irre? Ja, nur ist es so cool. Will und Charlotte erkundeten diese Welt zudem auf simple Art und Weise. Zum einen durch Hilfsmittel, die bestimmte Tätigkeiten effizienter gestalten (magisch, versteht sich), zum anderen, weil in Fabula fußläufig Orte aufgrund eines Stadtviertelschemas schnell erreicht sind. Eine Karte wäre wunderbar gewesen. Ich glaube, das fehlt mir in der Gestaltung. Ich mochte das Dorf der Jäger hoch in den Bäumen, ging gern durch das Viertel der kleinen Wesen, hatte Höhenangst auf dem Turm des Erzählers und möchte niemals im Schlund gefangen sein.

Passend dazu hat sich Akram El-Bahay bekannte wie auch, für mich, neue Fabelwesen als BewohnerInnen zunutze gemacht. Es werden viele Mythen vermischt. Gute wie böse Gestalten begegneten mir. An mancher Stelle war mir das zu viel in die schwarze oder weiße Richtung gedacht. Es gibt schließlich genauso grau. Niemand vereint nur einen Schwerpunkt in sich. Dafür gibts einen großen Punkt für die Gleichberechtigung und die Rolle der Frau, insbesondere bei der Herrschaft über Fabula.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir übrigens Orion, ein Vertreter des Volkes der Jäger - ein sehr hochgewachsenes Völkchen. Seine Eigenschaften werden auf humorvolle Weise hervorgehoben und wiederholt. Ich hab so oft gelesen, dass er dieses oder jenes nicht empfiehlt, weil er es selbst aus eigener Erfahrung weiß - die Schmunzler sind hier vorprogrammiert. Trotzdem hegt er ein Grundvertrauen in die Dinge des Lebens, sodass ich mir denke, davon könnte ich mir eine Scheibe abschneiden. Er bevormundet Will und Charlotte nicht, beschützt sie dennoch mit all seinen Mitteln - ein toller Freund. Die Jäger sind eines von vielen Völkern in Fabula. Einige Vertreter*innen lernte ich detailliert kennen und das nicht nur durch die Beschreibungen der einzelnen Perspektive, sondern verschriftlichte Informationen - quasi ein Guide (mehr verrate ich an dieser Stelle nicht). Natürlich gibt es typische Eigenschaften bei bekannten Figuren wie zum Beispiel den Zwergen. Trotz der Fülle fühlte ich mich nie überfordert, sondern sah die Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen. Lasst eurer Fantasie also freien Lauf.

Will und Charlotte verkörperten ein gewisses Geschwisterklischee. Er, der "Lausbub", der sich aus allem rausredet und super Geschichten erfindet und den Tag gern so verbringt, wie er kommt, jedoch nie von der Frage los lassen kann, was mit seinem Vater passiert ist. Sie, die "Vorzeigeschülerin", verantwortungsbewusst, klug, beliebt und in ständiger Sorge um ihren Bruder. Glücklicherweise streiten sie nicht ernsthaft, stattdessen gibt es eine Zwillingen oft nachgesagte Kommunikation ohne Worte. Hilfreich und weniger zickig. Beide Perspektiven besaßen ihren eigenen Reiz, wobei ich Will öfter begleitete. Ich denke, der Grund dafür ist, dass er furchtbar neugierig ist und die Augenblicke anders aufsaugt als seine Schwester. Lockerer, finde ich. Im Laufe der Handlung legen beide eine Entwicklung hin, die sie in neue Richtungen gehen ließen. Die Motivation, verborgene Talente zu fördern bzw. sich zu nutze zu machen, sehe ich als wichtige Botschaft an.

Eine weitere wichtige Botschaft, die innerhalb der Handlung verwoben wurde ist, dass ohne Fantasie und ohne, dass sie jemand nutzt bzw. davon erzählt, keine Geschichten existieren würden und damit ein wichtiges Fundament, ja, ganze Welten ausgelöscht wären. Das erinnert wieder an die unendliche Geschichte, ich weiß. Ich kann jedoch nie genug davon bekommen, wenn eine Geschichte in einer Geschichte erzählt wird. Diese Abenteuerreise ist nicht nur märchenhaft erzählt, besitzt nicht nur spaßige Momente, sondern es ruht ein gewisser Ernst darin. Kein Tag geht spurlos an jemanden vorbei. Nicht jede Entscheidung wird mit Freuden ausgesprochen. Es werden Kämpfe ausgefochten, Rätsel gelöst und Ängste überwunden. Ich langweilte mich nie, mochte die gewitzten Dialoge und den Mix dieser Welt.

Willkommen in Fabula - Ihre werdet euch wie zuhause fühlen und trotzdem Neues entdecken! Daher klare Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2022

Die Autorin bleibt ihrem Bayview-Schema treu

ONE OF US IS NEXT
0

Ein Jahr ist vergangen seit Simon Kelleher gestorben ist. Die Bayview Four haben die High School beendet und gehen ihre eigenen Wege. Zurück gelassen haben sie die nächste Generation an Schülern, die sich ...

Ein Jahr ist vergangen seit Simon Kelleher gestorben ist. Die Bayview Four haben die High School beendet und gehen ihre eigenen Wege. Zurück gelassen haben sie die nächste Generation an Schülern, die sich erneut mit einem anonymen "Spielemacher" auseinander setzen müssen. Wer sich dem Wahrheit- oder Pflichtspiel entzieht, dem blüht die Offenbarung seines dunkelsten Geheimnisses vor der ganzen Bayview High. Wer ist der Drahtzieher? Und warum tut er das? Maeve macht sich auf die Suche bis sie selbst zur Zielscheibe wird.

Natürlich entzog ich mich dem 2. Band der Dilogie nicht, obwohl der 1. Band "One of us is lying" gut für sich allein stehen kann. Der Verlag schenkte den Lesenden übrigens eine kostenlose Vorgeschichte von "One of is next" als hübsche Überbrückungsidee mit an die 30 Seiten. Ihr verpasst jedoch nichts, wenn ihr dieses Zwischenstück auslasst. Mal abgesehen von dem Appetizer-Gedanken bringt es keinen Sinn mit sich, finde ich. Um "One of us is next" vollends zu verstehen, muss man meines Erachtens Band 1 kennen. Es ist zwar eine eigene Handlung mit ähnlichen Prinzip wie in Band 1, jedoch bauen viele Gedankengänge der Hauptcharaktere und das einbringen ehemaliger Figuren auf den Vorgänger. Ich glaube, zwischenmenschliche Beziehungen oder Vorgehensweisen verlieren an Nachvollziehbarkeit ohne die Kenntnisse der Geschehnisse ein Jahr zuvor. Und ganz nebenbei: Die alten Hautpcharaktere werden hier zu Nebendarstellern - fast wie in einem New Adult-Roman.

Wer "One of us is lying" nicht mochte, sollte "One of us is next" nicht lesen. Karen M. McManus greift erneut in die Jugendthrillerkiste, die auf anfänglich klischeehafte Figuren, Gruppenzwang und miese Spielchen mit Mobbingfaktor setzt. Das klingt negativ, nicht wahr? Doch so meine ich das nicht, denn die Oberflächlichkeit bleibt nicht erhalten. Charaktere zeigen Tiefe, entwickeln sich, ebenso wie die Handlung nicht an Spannung und Tempo verliert. Die Autorin setzt sich mit dem Schubladendenken der Menschen, insbesondere jungen Menschen auseinander, spaltet es und gibt Denkanstöße. Sie zeigt beispielhaft das Leben der Jugendlichen, die aus verschiedenen Gründen zweifeln und versuchen damit zu leben. Dabei bleibt die Autorin dem Enträtseln und der Suche nach dem Verursacher des Spiels treu.

Die Geschichte wird aus drei sich abwechselnden Ich-Perspektiven erzählt: Maeve, Knox und Phoebe. Was ich nach wie vor dabei mag, dass abgesehen vom Namen an den Kapitel, ebenso ein Datum und die Uhrzeit dabei steht. Das hat schon ein wenig Aktenfeeling. Darüber hinaus gibt es ein paar Chatverläufe und Medieninformationen, die vor allem dem Prolog auffallend gestalten. Denn ein Teil der Geschichte wird damit bereits vorweggenommen und ich fragte mich nur, wie ist denn das wieder passiert? Um den Lesenden bereits auf Seite 1 Rätsel aufzugeben, existiert eine Favoritenliste mit Namen. Namen, die ich kannte und Namen, die mir neu waren. Stück für Stück wird auch das aufgeklärt. Unsere 3 Protagonisten hingegen waren weniger geheimnisvoll, denn durch ihre Perspektive erfuhr ich alle über sie. Ich wusste, wie sie leben, mit wem sie befreundet waren, wie das Familienverhältnis aussah und was sie in ihrer Freizeit trieben. So waren mir die Charaktere sehr nah und ich mochte sie alle 3. Wobei mir Phoebe besonders im Gedächtnis geblieben ist. Sie erfühlt auf den 1. Blick das Klischee einer sehr freizügig lebenden Schülerin, die sich einfach dem größten Prolltyp körperlich hingibt ohne scheinbar mitzudenken. Ich kam echt ins Stutzen. Doch alles hat seine Gründe. Sie erinnerte mich sehr an Addy aus Band 1. Knox ist der typische Sohn, der seinem erfolgreichen Vater nie gerecht werden kann. Ein Zocker, ein zurückhaltender Junge, der sich ständig mit anderen vergleicht und doch gern so wäre wie... Erneut ein Klischee, der sich behauptet, in dem er ein zuverlässiger Freund ist und mehr auf den Kasten hat als ich zunächst dachte. Dazu ist er Maeves Ex- und jetzt bester Freund (echt coole Idee, finde ich). Maeve. Auf sie freute ich mich total. Das clevere Mädel mit dem ultimativen IT- und Hacker-Know How. Doch sie ging echt unter. Andere stahlen ihr bis zu einem gewissen Moment die Show. Von daher ist sie nicht mein Favorit. Versteht mich nicht falsch. Ihre Geschichte gehört genau in dieses Buch und riss mich emotional mit. Das sei gesagt. Ich mag an der Stelle nicht so viel zu den Handlungssträngen der einzelnen Charaktere abseits des Thrillerformats erzählen, um nicht zu spoilern. Ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht krumm.

Bezüglich der Idee des Wahrheit- oder Pflichtspiels. Ich musste mich unvermeidlich fragen, was ich gemacht hätte, wenn ich die SMS bekommen hätte, die mich zwingt mich zu entscheiden und je nach Wahl, das zu tun, was von mir verlangt wird oder alle Welt erfährt etwas, was niemand wissen sollte/könnte/dürfte. Ich weiß es bis jetzt nicht. Die Schilderungen des Alltags der Bayview High mit diesem Spiel glaubte ich sofort. Menschen, die sich feiern, weil sie voll cool die Aufgabe gerockt haben, Mobbing von allen Seiten, wenn das Geheimnis raus kommt. Der Druck spürbar bis in die letzte Faser und bekommt teilweise in seinen Plottwists noch actionreiche Upgrades. McManus Stil ist authentisch, nah, doch nicht so tiefgreifend geschrieben, dass es sich zog. Sicherlich verdanke ich das auch der Übersetzerin Anja Galic. Es ist ein Jugendbuch und genau so fühlt es sich an. Allerdings musste ich trotzdem aufpassen, dass ich nicht irgendein Detail vergesse. Im Buddyread zum Buch gingen die Vermutungen schnell in bestimmte Richtungen, wer der Drahtzieher sein könnte. Die Antwort kam wirklich erst zum Schluss und brachte mich zum Nachdenken, was ich mit dieser Erkenntnis gemacht hätte. Die Autorin endete mit der Eröffnung einer Debatte durch die Lesenden. Das muss man erstmal bringen.

"One of us is next" kommt an "One of us is lying" gut heran. Beide laufen nach einem ähnlichen Schema ab, unterhalten, arbeiten mit Klischees, die Entwicklungspotenzial besitzen. Das Ende hat mir hier allerdings besser gefallen - es war überraschender.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2022

Die Queen of Emotions hat es wieder geschafft

Bis zum Mond und zurück
0

Meine persönliche Queen of Roman-Emotions veröffentlichte wieder ein Buch. Natürlich bei Knaur, der Verlag, der zuverlässig jedes Jahr das aktuelle Buch der britischen Autorin veröffentlicht. Ich sehne ...

Meine persönliche Queen of Roman-Emotions veröffentlichte wieder ein Buch. Natürlich bei Knaur, der Verlag, der zuverlässig jedes Jahr das aktuelle Buch der britischen Autorin veröffentlicht. Ich sehne jede ihrer Geschichten herbei, selten empfand ich die Story als ok, sehr viel öfter packte mich die Story emotional und ich fühlte mich den Figuren sehr verbunden. Das gelang mit der Übersetzung von Simone Jakob und Anne-Marie Wachs erneut.
Dani Atkins nahm dieses Mal die Thematik der Trauerbewältigung, nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern auf. Das allein prägte die Geschichte jedoch nur zur Hälfte, denn die Thematik der Organspende beschäftigte die Autorin mit Änderung eines Gesetzes in Großbritannien ebenso. So begann die Geschichte mit dem Verlust einer liebenden Mutter und Ehefrau, deren Tod, wie so viele, sinnlos scheint. Lisa war eine frische, lebenslustige, kluge und begabte Frau, die in ihrer Berufung als Astronomin mindestens genauso aufging, wie als Partnerin an Alex Seite und Mummy des 6-jährigen Connors. Was Alex bis zu ihrem Verlust nicht wusste, Lisa erklärte sich bereits zu Lebzeiten bereit, ihre Organe nach ihrem Tod zu spenden. Sein letztes Wort zu dieser Entscheidung lässt 4 Menschen erneut ein normales Leben führen. Überraschenderweise nehmen alle Empfänger Kontakt mit Alex auf. Insbesondere der Draht zu Molly, die Lisas Herz in sich trägt, wird zu einer besonders unerklärlichen Verbindung...

Ich gebe zu, dass ich das Buch, als es Mitte Dezember in meinem Briefkasten lag, nicht sofort lesen konnte. Ich ahnte einfach, dass mich Alex, Connors, Mollys und auch die Stränge sämtlicher Nebenfiguren mitnehmen würden, im glücklichen wie im traurigen Sinne. So war es auch. Ich mag sie alle, alle mit ihrer herzerfüllenden Wärme, ihrer Verzweiflung, ihren Fehlern und ich wünschte ihnen nur das Beste auf Erden. Es kam zu einem völligen Lesesog, der sich besonders durch den Erzählstil auszeichnete. Dani Atkins lullte mich in jede Situation ein, das kannte ich. Ich befand mich an allerlei persönlichen Orten, traf auf verschiedene Menschen und ja, ich war hautnah dabei - im Herzen, wie im Kopf. Authentisch, realistisch und ja liebevoll, nie zu derb, nie zu viel, sondern genau richtig. Für mich auffällig waren dabei die Perspektiven. Es wurde so gut wie abwechselnd aus der Perspektive von Molly und Alex geschrieben. Das ist jetzt nicht die Auffälligkeit, sondern die Art: Molly lernte ich über ihre Ich-Perspektive kennen, Alex über die personale Perspektive bzw. 3. Person. Das war eingangs merkwürdig, im Verlauf habe ich mich aber schnell daran gewöhnt. Trotzdem habe ich bis jetzt keine Ahnung oder ein Gefühl, warum Dani Atkins das gemacht hat. Denn beide holten mich vollends ab.

Es gab verschiedene Handlungsstränge, die zum nachdenken und Mitfühlen förmlich einluden. Zum einen der Aspekt des Verlustes und wie geht es danach weiter. Die leere Bettseite, die andere Hälfte elterlicher Pflichten, aus dem "Wir" ein "Ich" machen sind nur einige Dinge, mit denen sich Alex konfrontiert sieht. Überforderung, Traurigkeit und Angst Fehler zu machen gehen dabei einher. Wie sagt man seinem Sohn nach etlichen Monaten, dass Mummy nicht wirklich wieder kommen wird? Ich sag es euch, die Augenblicke, als der Fokus auf seinen 6-jährigen Sohn gelegt wurde, ließen mein Herz zerspringen. Ein Junge, der so klug , so lieb und einfach nicht mehr Kind ist, nachdem er seine Mummy verloren hat.

Zum Lichtblick in Alex und Connors leben werden die Organempfängerinnen. Ich finde, die Beleuchtung und die Gedanken, was sich alles vor und nach einer Organspende abspielen kann, sehr realistisch. Zum einen, weil ich Molly begleiten dürfte. Ich bekam Einblicke, wie sich das Leben der Mitte 30-Jährigen in kürzester Zeit veränderte. Wie Alltag und Träume verschwanden, wie abhängig sie von der Hilfe anderer wurde und wie die Möglichkeiten, die Chancen, ebenso wie die Risiken, durch die Transplantation erneut alles änderten. Zum anderen, weil ich Alex begleiten dürfte, der sich fragte, warum diese 4 Menschen? Lebt Lisa durch sie weiter? Ich glaube, die Suche nach etwas Höherem, ist nichts Neues. Es gibt Menschen, die versuchen genau dadurch den geliebten Menschen wieder nahe zu sein. Das Für und Wider zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, begleitet von Nebenfiguren, die Einfluss nehmen.

Eine davon ist die reizende, alte Dame Barbara. Eine der Empfänger
innen. Man kann sie nur lieben. Ich wollte genau so viel über sie wissen, wie über Molly und Alex. Die Autorin tat mir den Gefallen. Zwar nicht als Mittelpunkt der Handlung, doch ich hatte das Gefühl, sie gut zu kennen. Genauso wie die anderen, deren Leben durch Lisas Spende verändert wurden. So verschieden sie sind, jede Person weckte mein Interesse. Es kam nie Langeweile auf und war trotzdem nicht übertrieben. Mit Alex Familie ging es mir auch so. Und nein, ich war von der "Fülle" der Personen nicht überfordert. Es war einfach nie einsam. Liebe, Hoffnung und Zuversicht verdrängen negative Gedanken vor allem, wenn sie von jemanden anderen ausgesprochen werden, den man zugeneigt ist.

Ich gebe zu, der einzige Knackpunkt war der Showdown. Ich weiß zwar, dass die Autorin dem Ganzen gern etwas Mystisches einhaucht, aber die Dramatik und ich nenne es mal Spiritualität hätte es nicht gebraucht. Um es bildlich zu erklären: Die Achterbahnfahrt endete in einem zu hohen Bogen, um den Ausklang noch genießen zu können (obwohl ich den Ausklang sehr mochte).

Alles in allem empfehle ich den Roman auf alle Fälle. Thematisch, charakteristisch und emotional super erzählt. Ein Pageturner, der Gefühle und Gedanken weckt, mitfiebern lässt, nie langweilig wird und nahe geht. Ich freue mich schon auf das nächste Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.11.2021

ehrlich, bildreich, märchenhaft - typisch Grimm

Die Gänsemagd und ihr treues Pferd Falada
0

"Die Gänsemagd und ihr treues Pferd Falada" kannte ich bisher nicht vom geschriebenen Wort, sondern als Film. Um so mehr freut es mich, dass das Märchen dieses Jahr im Rahmen der Reihe "Unendliche Welten" ...

"Die Gänsemagd und ihr treues Pferd Falada" kannte ich bisher nicht vom geschriebenen Wort, sondern als Film. Um so mehr freut es mich, dass das Märchen dieses Jahr im Rahmen der Reihe "Unendliche Welten" im Wunderhaus als illustriertes, großformatiges Buch erschienen ist. Innerhalb der rund 60 Seiten lernen wir die Prinzessin Helena, ihr treues Pferd Falada und ihre Zofe Serena kennen. Helena ist bereits als Kind überaus behütet aufgewachsen und in ihren Talenten gefördert wurden. Noch dazu besitzt sie die Gabe den Wind befehligen zu können. Ihr bester Freund Falada ist übrigens kein normales Pferd, sondern ein sehr kluges und erfahrenes Geschöpf, das mit Helena sprechen kann. Selena hingegen kommt trotz ihrer Schönheit und Freundschaft zu Helena nicht an deren Status heran. Ihre Eifersucht erreicht den Höhepunkt als sie auf der Reise zu Helenas Bräutigam diese dazu zwingt, den Platz mit ihr zu tauschen... Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, das sollt ihr gern selbst erlesen.
Ich finde, gerade zur Weihnachtszeit sind Märchen ein absolutes Muss. Ob als Geschenk, Hörbuch, Film oder Buch, seit frühester Kind verfolgen Kinder, wie auch Erwachsene, die wundersamen Abenteuer bekannter Figuren. Und das in vielen verschiedenen Auslegungen und Varianten. Wer sich bereits mit den Gebrüder Grimm und deren Stories befasst hat, weiß, dass die nicht so ohne daher kommen. Mord, Blut, Bosheit, Gier, Armut, Krankheit, Verlust - die ganze Range der Tragödie findet Platz, um schlussendlich durch Mut, Hoffnung, Magie, Liebe, Freundschaft und Hilfsbereitschaft in einem Happy End zu landen. So ähnlich ist es in Helenas Geschichte natürlich auch. Doch jeder kann sich jetzt denken, dass ich es nicht für kleine Kinder empfehlen würde. Erst recht nicht für junge Pferdefreunde, die sensibel reagieren, wenn es dem besten Freund nicht gut ergehen könnte. Das als Wink mit dem Zaunspfahl. Der Verlag hält sich hier einfach an das Original. Das fand ich gut. Es wird nichts beschönigt, aber ich litt definitiv mit und wünschte mir sehr oft, dass die Handlung bitte anders verlaufen möge. Natürlich passierte das nicht.
Mich überraschte das ein oder andere Detail, das mir bisher nicht bekannt war und empfand den Handlungstrang als geradlinig und passend. Textlich kam ich beim Lesen nie ins Stocken, jedoch gibt es an einigen Stellen diesen etwas altbackenen Dialogstil, der mich in das mittelalterliche Umfeld schoss. Ich hatte, obwohl es so wenig Seiten sind, das Gefühl in mancher Situation festzuhängen, die im Endeffekt sogar kürzer abgehandelt werden könnte. Stieg ich jedoch in die nächste Etappe der Geschichte ein, zog mich der Bann der Gänsemagd wieder zu sich. Ich durchlebte also meine kleine persönliche Leseachterbahn. Das Durchhalten lohnt sich jedenfalls, denn sobald die hübsch verzierten Kapitelüberschriften mir den Weg weisten, Verse herausstachen, um mich zu verzaubern und jede Illustration das Gesamtbild untermalte.
Apropos, die Zeichnungen besitzen eine klassische Attraktivität und zeichnen sich nicht durch zart übergehende Farbverläufe und Aquarelloptik aus. Ich finde es schwer zu beschreiben. Mir gefällt der Stil überaus gut. Es erinnert mich tatsächlich an ältere Trickfilmserien ohne es böse zu meinen. Ich bin Mitte 30 und falle damit einfach in Kindheitserinnerungen zurück. Es ist verrückt wie viele "Striche" in jedem Bild gezogen wurden. Jede Haarsträhne ist ersichtlich, jede Falte eines Kleides. Klare Farben, die im Bild eindeutige Gefühle und Eigenschaften der Charaktere offenlegen, prägen zahlreiche Seiten. Die lettische Illustratorin Līga Kļaviņa scheint eine Perfektionistin zu sein.
Der Abschluss ließ mich übrigens verwirrt zurück. Es gab einen Epilog, der fast schon nach einem 2. Band schreit. Allerdings ist mir nicht bekannt, dass es diesen gibt.
Fazit:
Ein Grimm-Märchen, das man selten zu Gesicht bekommt, in einer schön illustrierten Ausgabe. Ich empfehle es für die größeren Leseratten unter uns, die auf klassische Erzählweise mit kleinen Längen und spannenden Etappen, sowie unverschleierte Märchen stehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere