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Veröffentlicht am 03.09.2018

Tauche in eine Fortsetzung voller Magie, Märchen und der Verführung des Orients

Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkönig
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Allgemein:

„Bücherkönig“ ist der 2. Band der Trilogie um „Die Bibliothek der flüsternden Schatten“ des Autors Akram El-Bahay. Veröffentlicht wurde der Fantasyroman, ebenso wie der 1. Band „Bücherstadt“, ...

Allgemein:

„Bücherkönig“ ist der 2. Band der Trilogie um „Die Bibliothek der flüsternden Schatten“ des Autors Akram El-Bahay. Veröffentlicht wurde der Fantasyroman, ebenso wie der 1. Band „Bücherstadt“, bei Bastei Lübbe. Innerhalb der Geschichte trifft der Leser erneut auf Sam, nicht mehr ganz Dieb, aber auch nicht mehr ganz Wächter der unterirdischen Bibliothek. Ihm ist die Flucht aus dem Herzen der Bücherstadt gelungen, doch er ist nicht mehr allein. Fabelwesen, die es eigentlich nicht geben sollte, begleiten ihn. Entflohen aus ihren Buchgefängnissen sehnen sie sich nach der Identität, die ihnen genommen wurde. Doch wie kann ihnen geholfen werden? Sam stürzt sich mit der Gelehrtentochter Kani in das nächste Abenteuer, ohne zu wissen, welche Geheimnisse noch auf sie warten.


Mein Bild:

Der 1. Band „Bücherstadt“ war für mich ausbaufähig und ich habe mir dreimal überlegt, ob ich weiterlesen möchte. Doch das Setting und der Schreibstil des Autors sind nun mal der Hammer, von daher habe ich dem 2. Band eine Chance gegeben und ich wurde nicht enttäuscht.

Das Cover passt super zum ersten Buch. Ein sich langsam öffnendes Buch mit einer Art Freske darauf. Dieses Mal umspielt nicht Gold, sondern Silber die Schrift. Der Autor ließ übrigens durchblicken, dass die Gesichter einem Gemälde Paramythias (die Bibliothek um die es sich dreht) entstammen. Man muss schon genau hinschauen, um die Unterschiede der Gesichter zu erkennen, aber das Cover passt nach wie vor wunderbar zur Geschichte.

Der Beginn setzt dort an, wo der letzte Teil endete. Es gibt zeitlich keinen Sprung und ich war sofort wieder drin. Selbst denjenigen Lesern, bei denen der 1. Band schon ein wenig zurück liegt sollte es leicht fallen wieder rein zu kommen. Warum? Durch sehr gut verpackte Rückblenden. Diese lesen sich wie eine Erinnerung, eine Anmerkung, so ganz nebenbei ohne nervig zu werden. Das ist eine Kunst, die man beherrschen muss. Genau an diesem Punkt überlege ich schon, ob man die Bände einzeln lesen könnte. Meine Antwort lautet „Jein“. An sich ist auch dieser Teil der Geschichte ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, dass aber die Voraussetzung für den weiteren Verlauf darstellt. Ähnlich wie bei Band 1. Man müsste es wohl einfach probieren.

Die Handlung selbst wird endlich aus mehreren Perspektiven erzählt. Darüber bin ich so glücklich.
Denn die personale Perspektive des Protagonisten Samir ist nach wie vor nicht meins. Er wirkt jünger als Mitte 20, ist unsicher und zweifelt an allem, und das als „ehemaliger“ Dieb mit einer Portion Sarkasmus. Der Selbstfindungstrip, indem er sich nach wie vor befindet, ist noch nicht vorbei.
Doch mit Kanis Perspektive kommt endlich Schwung und vor allem Führung in die Geschichte. Sie ist der Antrieb und hat das letzte Wort, und Samir würde schließlich alles für sie tun. Die intelligente, schöne Gelehrtentochter legt endlich die Entwicklung hin, die ich im letzten Buch nicht sah. Sie wächst nach den Schicksalsschlägen in Paramythia über sich hinaus und im Verlauf der Geschichte stellen sie und der Leser gemeinsam fest, das in ihr Fähigkeiten schlummern, die ihr Leben verändern werden.
Die Dritte Perspektive im Bunde ist die der Wüstenhexe, die Gegenspielerin. Eine zweigeteilte Persönlichkeit voller Magie, altem Wissen und zeitweise sehr gefährlich Charakterzügen. Ich mag sie nicht, doch gerade das hat mir eigentlich gefallen.

Inhaltlich fiel mir schnell auf, dass der Autor das Ziel bzw. das Ende des Buch früh festlegte. Die Frage war nur, ob das gesteckte Ziel so erreicht werden kann. Denn der Weg dorthin ist voller Stolpersteine, Highlights, Spannungsbögen und einem Verfolger, dem das Rascheln von Papier anhaftet. Apopo, diesen, ich nenne ihn mal Bösewicht, empfand ich zeitweise störend. Er unterbrach jeden Fortschritt, jedoch ohne Erfolg. Ich finde, dann hätte man das Kerlchen auch weglassen können.

Aufregend fand ich die Bildung zweier Handlungsstränge im Verlauf der Geschichte, da sich Sam und Kanis Wege kurzzeitig trennen. Sie verlässt den Stadtstaat Mythia, die dahinterliegende Mauer (die mich sehr an die Mauer aus Game of Thrones erinnerte) und öffnete mir damit eine Welt voller Sand, Beduinen und sternenklarer Nächte. Nicht zu vergessen, die auffälligen Reisekameraden, die ihren Büchern entflohen sind. Ich bin immer noch sehr erstaunt darüber, was für Wesen aus Akram El-Bahays Gedanken entsprungen sind.
Samir hingegen wanderte durch die Bücherstadt oder durch die bildgewaltige, oberhalb liegende Stadt Mythia. Begleitet von Wasserwesen, leuchtenden Büchern, sowie der alte schrulligen Umm und dem Bibliothekar Jacobus. Beide sind absolut umwerfend und benehmen sich teilweise wie Kinder im Süßwarenladen oder geben die passenden Spitzen, wenn Samir mal wieder nicht vorwärts kommt. Ich habe gern darüber gelacht und ebenso über die Rätsel der Bücherstadt gegrübelt, die so Märchen zum Leben erweckte.

Die Handlungsstränge werden schlussendlich wieder zusammengeführt und so reihte sich ein Detail an das andere, eine Erkenntnis an die andere. Manchmal hatte ich die Lösung schneller vor Augen als die Protagonisten, aber das machte nichts, denn einen Aha-Effekt gab es immer.
Das Ende hatte es noch einmal in sich. Ein Showdown, bei denen weitere Geheimnisse gelüftet werden und ein Blick auf den nächsten Band geworfen wird, der vielleicht noch einen drauf setzen könnte. Zum Beispiel mit Sams bisher stockender Charakterentwicklung.

Fazit:

„Bücherkönig“ übertrifft meine Erwartungen mit mehr Perspektive und noch mehr Vielfalt an Charakteren und orientalischen Setting. Dafür hat der Protagonist noch einiges zu lernen. Wer Band 1 geschafft hat, sollte definitiv weiterlesen.

Veröffentlicht am 04.02.2019

Der Name ist Programm! Willkommen in einer weiteren abwechslungsreichen Geschichte der Welt der Verbliebenen

Der Klang der Täuschung
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Allgemein:

Das Imprint One aus dem Bastei Lübbe – Verlag bringt mit „Der Klang der Täuschung“ den 1. Band der Dilogie „Die Chroniken der Hoffnung“ in Deutschland heraus und bleibt der Autorin Mary E. ...

Allgemein:

Das Imprint One aus dem Bastei Lübbe – Verlag bringt mit „Der Klang der Täuschung“ den 1. Band der Dilogie „Die Chroniken der Hoffnung“ in Deutschland heraus und bleibt der Autorin Mary E. Pearson damit treu.
Sie entführt erneut in die fantastische und doch altertümliche Welt der Verbliebenen. 6 Jahre nach der großen Schlacht im Tal der Schildwacht begegnet der Leser Kazi. Sie ist Mitglied der Ehrengarde der Königin von Venda und wurde auf die Mission geschickt, den Mann zu finden, der für den damaligen Krieg mit verantwortlich war. Sie und ihre Begleiterinnen wollen diese Mission unter allen Umständen erfüllen. Allerdings begeben sie sich auf das Terrain der Familie Ballenger, die gegen die Verträge der Großreiche rebelliert und illegal die Stadt Höllenrachen regiert. Ihr Anführer Jase Ballenger könnte für Kazi zum Problem werden, aber anders als sie es erwartet hat.

Mein Bild:

Endlich ist es da! Das Hardcover, das sich mit der Rückenansicht der rotkäppchenwirkenden, jungen Frau nahtlos an die anderen Bücher anschließt. Einerseits finde ich den Wiedererkennungswert zu den anderen Büchern gut, andererseits ist es schade, dass man sich nicht am englischen Originalcover orientiert hat, weil es doch eine andere Geschichte dieser Welt repräsentiert.

Mary E. Pearson hat mich bereits mit der vorangegangenen Reihe „Die Chroniken der Verbliebenen“ in ihren Bann gezogen. Ihr Schreibstil, das World Building, die Protagonisten und ein sich langsam aufbauender komplexer Handlungsstrang regt zu Verschwörungstheorien an, die manchmal bestätigt und manchmal einfach über Bord geworfen werden. Und ja, auch dieses Buch ist ein Pageturner.

Ich muss gestehen, dass der Einstieg in die Welt der Verbliebenen für Neulinge nicht so einfach sein könnte. Ich wurde mit vielen Informationen bombardiert, die die Fans der bisherigen Reihe als auch „Neueinsteiger“ auf einen aktuellen Stand bringen sollte. Schon mal vorab, man kann „Die Chroniken der Hoffnung“ lesen ohne die vorherigen Bücher zu kennen. Und jetzt kommt das „aber“: Aber man wird bezüglich des Ausgangs der vorherigen Reihe gespoilert. Schon allein, weil das jetzige Buch 6 Jahre später spielt. Trotzdem denke ich, dass der Spaß an den vorherigen Büchern nicht verloren geht, wenn man sie im Nachgang liest.

Miss Pearson bleibt dabei dem Spiel der wechselnden Ich-Perspektiven, in Form der Protagonisten Kazi und Jase, treu. Generell gefallen mir alle Charaktere zum großen Teil besser als die der vorherigen Reihe. Doch warum? Wahrscheinlich, weil die von Anfang an mehr Ecken und Kanten, mehr Tiefe zeigen und nicht aus einem luxuriösen Königshaus stammen. Verwöhnt und naiv? Fehlanzeige.

An vorderster Front natürlich Kazi (17) und Jase (20). Beide haben gemein, dass sie absolut loyal sind und das verteidigen bzw. beschützen, was sie lieben. Sie versuchen Taktiken und Strategien zu entwickeln, Menschen zu durchschauen, um dann das Richtige zu tun. Klingt gut? Ja, allerdings stehen Kazi und Jase politisch auf der jeweiligen anderen Seite und beider Leben könnte nicht unterschiedlicher verlaufen sein. Er, der in einer Großfamilie behütet aufgewachsen ist, sie, die als Straßengöre ums Überleben kämpfen musste. Vorurteile, persönliche Erfahrungen und Gefühle bieten hier allerhand Zunder!

Natürlich kommt es trotzdem so wie man es erwartet: Man bringt zwei Menschen zusammen, die sich für die Liebe oder für die Pflicht entscheiden müssen. An sich eine Grundlage, die es wie Sand am Meer gibt. ABER es wirkte auf mich dennoch außergewöhnlich spannend, überraschend, teilweise sogar witzig. Gründe dafür sind die Settings, die Nebendarstellern, die Historie, verschiedene Völker bzw. Sprachen und komplexe Problemstellungen.

Das Setting wechselte von der blanken Wildnis über eine mit riesigen Bäumen belebte Stadt, bis hin zu einer mittelalterlichen, Game oft Thrones - anmaßenden Festung oder einem orientalisch angehauchten Markt. Miss Pearson widmete sich der Entstehung dieser Orte, indem sie Jase die Möglichkeit gab seine Familiengeschichte zu erzählen. Zusätzlich wurden die historischen Texte der Ballengers zwischen die Kapitel gedruckt, die ein weiteres Puzzlestück zur Entstehung dieser Welt beitrug. Im übrigen zeigt das tatsächlich dystopische Ansätze!

Bring das zusammen mit liebenswerten und charakterstarken Nebendarstellern, die mit ihrer persönlichen Geschichte weitere Handlungsstränge einbringen und tada, du legst das Buch nicht mehr aus der Hand. Ich mochte, dass die „Rathan“ Synove und Wren nicht nur als Kämpferinnen, sondern auch als Freundinnen von Kazi gezeigt wurden. Mir fiel Jase Liebe zu seiner Familie und deren Gastfreundlichkeit erst richtig auf, als ich seine Geschwister kennenlernen dürfte. Tja, und mein absolutes Fan-Highlight: Ein paar alte Bekannte kommen zum Zug. Meine innerlichen Freudensprünge hat man mir beim Lesen bestimmt angesehen. Es ist so schön zu wissen, was aus ihnen geworden ist.

Der Plot selbst ist geprägt von den Zielen des Einzelnen (bei vielen Darstellern, viele Ziele) und allerhand Lügen, um sich nicht angreifbar zu machen. Mich wundert, dass die Autorin nicht den Überblick verloren hat. Vieles ist plotrelevant, aber weniger hätte bei über 600 Seiten auch mehr sein können. Natürlich erhöht das den Spannungsbogen, bietet Plot Twist – Gelegenheiten und macht neugierig, wie es nun weiter geht. Hier geht es um weit mehr als nur die Liebe oder eine Mission. Es geht um Anerkennung, Abbau von Vorurteilen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Gibt es einen Cliffhanger? Ich sag es mal so, der Ursprung des 1. Bandes wird abgehandelt...Wäre da nicht ein besorgniserregendes letztes Kapitel, die die Wartezeit bis 2020 noch länger werden lässt.

Fazit:

Der Titel ist Programm und bietet ein emotionales und kämpferisches Abenteuer in der gut durchdachten Welt der Verbliebenen. Wer Mary E. Pearson bisher mochte, wird sie weiterhin mögen und andere werden sie neu entdecken!

Veröffentlicht am 29.03.2018

Es gibt Dinge, die haben Bestand – wie die Hoffnung

Der Glanz der Dunkelheit
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Ich danke der lesejury und allen Mädels für die schöne Leserunde, es war mir eine Ehre! *dezenter knicks

Und hier meine Rezension:

Der Abschluss von Mary E. Pearsons „Die Chroniken der Verbliebenen“ ...

Ich danke der lesejury und allen Mädels für die schöne Leserunde, es war mir eine Ehre! *dezenter knicks

Und hier meine Rezension:

Der Abschluss von Mary E. Pearsons „Die Chroniken der Verbliebenen“ erschien im Frühjahr 2018 als 4. Band in Deutschland. one by Lübbe veröffentlichte die komplette Reihe und wie das Schicksal manchmal so spielt, kehrt man am Ende einer Geschichte zum Ursprung zurück. Lia ist in ihrer Heimat Morrighan angekommen und hat ein klares Ziel vor Augen: Die Verräter zu stellen und die Reiche Morrighan, Dalbreck und Venda vor ihren Untergang zu bewahren. Dafür hat sie ihre große Liebe Rafe zurück gelassen. War es das wert? Wird sie ihr Ziel erreichen oder wird der skrupellose Komizar ihr Heimat in Schutt und Asche verwandeln?

Ich kann immer wieder nur sagen, dass ich Fan dieser Reihe bin, habe auf jeden Band sehnsüchtig hin gefiebert und mit jedem Mal sind meine Erwartungen gestiegen. Jedoch hatte ich vor dem Ende ein bisschen Angst, denn die Autorin hat es in den letzten Bänden immer geschafft, überraschende Verluste einzubauen. Und jedem Leser ist unterschwellig bewusst, dass jetzt ein Krieg ins Haus steht. Wer diese Tatsache bis jetzt wirklich übersehen hat, hält nun den Beweis in den Händen: Das Cover. Rüstungen, Kampfgetümmel und unsere Heldin Lia, die ein Schwert schwingt. Die Wirkung der Kampfbereitschaft ist bestechend.

Leider war es der Einstieg in die Geschichte nicht. Ich brauchte ewig um warm zu werden. Der Schreibstil war flüssig, detailliert, aber nicht überladen, das Reich Morrighan als ein Ort voller Erinnerungen super präsent, die Gedanken und Gefühle der wechselnden Ich-Perspektiven der Protagonisten klar und nachvollziehbar. Daran lag es also nicht, aber die Handlung kam nicht in den Gang. Die Frage, ob die Splittung des dritten Bandes (im englischen ist es eine Trilogie) Nachteile haben würde, war damit beantwortet. Gefühlt versuchte jeder Darsteller über die ersten 150 Seiten seine eigenen Konflikte zu lösen oder Informationen zu sammeln. Ich fragte mich wirklich, wo da noch Platz für die Verräter und eine epische Schlacht sein sollte, mal abgesehen davon, dass mir Zeitansätze fehlten. Es werden nur sporadische Angaben gemacht, so konnte ich leider nicht nachvollziehen, ob Monate oder nur ein paar Wochen bis zum Höhepunkt vergingen.

Nichtsdestotrotz wurden lang gehegte Fragen, beispielsweise um Kadens Herkunft oder Paulines ehemaligen Partner, beantwortet. Beide haben neben Lia eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Kadens gefühlvolle Seite kommt nun derart offen zum Vorschein, dass es kaum zu glauben ist. Aber es steht ihm durchaus gut und scheint natürlich zu sein, nachdem er nicht mehr des Komizars Attentäter ist. Hingegen wirkt Pauline stärker denn je und will unbedingt die beschützen, die sie liebt, egal wie zart sie dabei wirkt – eine Frau, die an ihrer Erfahrung gewachsen ist.

Ebenso wie Lia. Sie hat meine vollste Bewunderung. Strategisch und berechnend geht sie jeden Plan durch, zeigt Verantwortung und Kampfgeist. Sie ist einfach zur perfekten Anführerin geboren, auch wenn sie ihre Position in den eigenen Reihen immer wieder verteidigen muss und sich nicht in die klassische Rolle der Frau zwängen lässt. Dennoch zeigt sie im Stillen ihre Gefühle, vermisst Rafes Nähe, genauso wie er sie vermisst. Die Autorin hat es so spürbar formuliert und sät so den Wunsch nach einem Happy End.

Nur letztendlich fesselten mich Lias feindliche Begegnungen am meisten und ich versuchte mit ihr den Verrätern auf den Zahn zu fühlen. Es hat Spaß gemacht zu spekulieren, ob Lia mit ihren Vermutungen richtig liegt, ob sie Ihre „Gabe“ richtig deutet, die ihr den Weg zum Ziel oftmals erleichtert. In mancher Hinsicht vielleicht zu leicht. Mary E. Pearson hat die „Gabe“ genutzt um Handlungsstränge zu vereinfachen, zum Beispiel um Einsicht auf den Gegner zu bekommen oder Zukunftsvisionen schemenhaft einzublenden. So zaubert man einen Spannungsbogen, spart sich umfangreiche Erklärungen und zusätzliche Perspektiven. Gerade das Ausblenden der gegnerischen Perspektive fand ich trotzdem sehr schade. Die kaltblütige Sicht des Komizars hätte der Story noch den extra Kick gegeben.

Doch keine Angst, der rote Faden sieht einen temporeichen Show Down vor und ich war geplättet, wie raffiniert sich am Ende alles zusammenfügt was zusammen gehört ohne zu viel Ausmaß anzunehmen. Alles in allem war es ein guter letzter Band, auch wenn ich mir an mancher Stelle mehr schockierende Momente oder Verluste gewünscht hätte. Daran hat Miss Pearson leider gespart, so dass der Plot teilweise vorhersehbarer war als in den letzten Bänden. Sicherlich sollte es dazu dienen ein sauberes Ende zu schaffen und das hat funktioniert.

Fazit: Ein sauberer Abschluss ohne große Überraschungen, aber mit einer wahnsinnig starken Heldin und einem temporeichen Show Down.

Veröffentlicht am 13.02.2019

Eine Welt voller lebendiger Buchstaben? Bin ich dabei, wäre da nicht der Rest

Letterland - Die Diamantenquelle
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Allgemein:

Ein Bücherwurm wie er im Bilderbuch steht, das ist die 13-jährige Tinka. Sie liebt es, ihre Nase in die Geschichte von Odysseus zu stecken und findet genau in diesem Buch einen Brief, der einen ...

Allgemein:

Ein Bücherwurm wie er im Bilderbuch steht, das ist die 13-jährige Tinka. Sie liebt es, ihre Nase in die Geschichte von Odysseus zu stecken und findet genau in diesem Buch einen Brief, der einen merkwürdigen Hilferuf beinhaltet. Deutet Tinka das Geschriebene richtig? Die Welt der Bücher und Buchstaben ist in Gefahr? Zusammen mit ihrer besten Freundin Isabell und dem Antiquar Antonius beginnt sie eine Reise in eine Welt abseits des Vorstellbaren. Auf nach Grammaton, das Land, indem die Buchstaben LEBENDIG sind. Der Fantasyroman aus der Feder von Johanna Trommer mit Unterstützung von Meryem Natalie Akdenizli erschien 2011 bei Baumhaus. Mit knapp 600 Seiten ist es der 1. Band der „Grammaton-Saga“ und für Kinder ab 11 Jahren geeignet ist.

Mein Bild:

Das dicke Buch lag bestimmt knapp 3 Jahre auf meinem SUB und war schon beim Kauf kein aktueller Bestseller mehr, aber trotzdem sprach mich der Klappentext und das verrückte Cover bei einem großen Buchverkauf an und jetzt hatte ich endlich Lust das Buch in die Hand zu nehmen, weil ich wissen wollte, wie die Welt aus lebendigen Buchstaben aussieht.

Im nachhinein muss ich mir immer wieder vor Augen halten, dass es ein Kinderbuch ist, ein sehr dickes Kinderbuch. Also muss es kurzweilig, spannend, nicht zu komplex, dafür aber wieder logisch erscheinen. Schwierige Kiste und ich finde, die Geschichte packt das leider nicht. Nur warum?

Der Einstieg in die Geschichte klingt vielversprechend. Es gibt kein großes Vorgeplänkel, denn die Protagonistin findet auf den ersten Seiten den Brief, schnappt sich ihre Leute und zack wird versucht nach „Grammaton“ zu gelangen. Dort beginnen allerdings schon die logischen Fehler bzw. die massenhaft Freiheiten, die sich die Autorin genommen hat. Jeder Erwachsene würde das hinterfragen. Zum Beispiel hieß es erst, man kann nur allein und nicht über 18 Jahren nach Grammaton reisen. Aber dann kommt es zu der Ausnahme: Man reist zu dritt und ein Erwachsener ist dabei. Sowas aber auch. Ein weiteres Beispiel betrifft die Aufenthaltsdauer in Grammaton und wie man das den Eltern beibringt. Tja, das braucht man nicht, denn in Grammaton vergeht die Zeit ganz anders. Bei uns vergehen 30 Minuten, in Grammaton 5 Monate und so weiter.
Natürlich kann man sich als Autor beim Erschaffen einer Welt sämtliche Freiheiten nehmen, aber hier ist alles zu einfach und jedes Problem wird bis zur Mitte des Buches wie ein Fingerschnippen gelöst. Man kann sich also vorstellen, dass ich die Reise durch das Land Grammaton recht langweilig und simpel fand.
Noch dazu wird sich viel zu lange an Kleinigkeiten aufgehalten. Keiner braucht die Erklärung einer Reiseroute über 10 Seiten, wenn auf der letzten Seite des Buches eine hübsche kleine Karte hinterlegt ist.

Auch die Charaktere überzeugten mich kaum. Zu wenig Emotionen, zu oberflächlich. Selbst das Einbauen tragischer Geschehnisse aus der Vergangenheit brachte nichts, weil es nicht im Geringsten plotrelevant war oder die Charaktere beeinflusste.
Dafür, dass NUR Tinka unsere Welt und Grammaton vor der Auslöschung sämtlicher Buchstaben retten kann, war sie für mich austauschbar. Nein, sogar unscheinbar, weil sie neben den anderen Charakteren tatsächlich unterging. Zwar zugunsten inniger Freundschaften, die sie schloss oder in denen sie Trost fand (wenigstens ein emotionales Trostpflaster für mich), aber so verstehe ich natürlich nicht, warum nur sie alle retten kann? Soll sie dafür stehen, dass jedes Kind lesen sollte und sich mit ihr identifizieren kann oder wie? Natürlich ist es wichtig, eine klare Botschaft zu senden, nur die geht mit Tinka unter. Ich habe keine Entwicklung gesehen. Ich finde, ihre Freundin Isabell mit dem organisierten und strategischen Tick hatte mehr das Zeug dazu.
Allerdings gefiel mir der ausgeschmückte Schreibstil in Bezug auf das Setting und die Dialoge doch sehr. Manchmal märchenhaft verspielt und übertrieben, dann wieder wohlklingend oder ernst auf den Boden der Tatsachen geblieben. So wurde Grammaton vor meinen Augen lebendig! Ein so kreatives und witziges Worldbuilding habe ich noch nie gesehen bzw. gelesen. Man kann sich die Letterlinge als ca. 2 Meter große Buchstabenkörper vorstellen, an denen Kopf, Arme und Beine zusätzlich vorhanden sind. Jeder Letterling ist andersfarbig, besitzt Verzierungen, Kleidung und natürlich passend zum Buchstaben auch einen Namen. Die Idee ist absolut goldig! Grammaton hat etwas von „Alice im Wunderland“ und Michael Endes Phantasien aus „Die unendliche Geschichte“. Ein Palast, der mich an den Elfenbeinturm erinnert, Papierhäuser und -straßen (ob es dort jemals regnet?), ein Meer aus farbenfrohen Pflanzen, Bäumen und Lebewesen, die mir bisher in keinem Fantasyroman untergekommen sind und zum ständigen Begleiter werden.

Ab der Mitte der Story gab es eine vorläufige Erlösung für mich, indem die Autorin auf mehrere Handlungsstränge und damit Perspektiven überging, so trat der Bösewicht endlich ins Bild, zwar immer noch nicht in den Mittelpunkt, aber immerhin. Durch den Wechselt der Handlungsstränge kam wieder Spannung auf, wie sich wohl diese oder jene Situation auflöst.
Das Ende gefiel mir wiederum gar nicht. Es ist typisch, dass versucht wird, alles aus dem Abschluss rauszuholen. Es verfehlte seine Wirkung bei mir komplett. Aufgesetzte und überladene Plot Twists zogen es unnötig in die Länge statt Spannung aufzubauen. Tja, und eine saubere Auflösung der ganzen „Rettet Grammation“- Mission gibt es für mich auch nicht. Ich bin enttäuscht. Mir ist nicht bekannt, ob der 2. Band je erschienen ist, aber ich würde ihn auch nicht lesen wollen.

Fazit:
Eine Welt voller lebendiger Buchstaben ist eine großartige Idee, allerdings ist der Plot langatmig und die Protagonisten zu einfach gestrickt. Für Leser, die bunte Welten lieben und sich mit einem simplen Abenteuer vergnügen können.

Veröffentlicht am 27.01.2019

Kennt nur ein kleines Mädchen die Antwort auf die Fragen aller Fragen?

Das Mädchen, das die Welt veränderte
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Allgemein:

Der schweizer Riverfieldverlag veröffentlichte „Das Mädchen, das die Welt veränderte“ erstmals 2017. Alfonso Pecorelli schrieb das Buch als Plädoyer an die Menschlichkeit und der Illustrator ...

Allgemein:

Der schweizer Riverfieldverlag veröffentlichte „Das Mädchen, das die Welt veränderte“ erstmals 2017. Alfonso Pecorelli schrieb das Buch als Plädoyer an die Menschlichkeit und der Illustrator Jan Reiser füllte das Buch mit seinen bunten Illustrationen. In der Geschichte trifft der Leser auf das Mädchen Marie, das nach seinem Tod auf Gott trifft. Sie nennt ihn fortan Onkel Elvis und versucht ihn zu überzeugen, dass die Menschen es wert sind am Leben zu bleiben. Doch er lässt sich nicht so leicht überzeugen, denn die Menschen neigen zu Egoismus, Zerstörung und verlieren Stück für Stück ihre Menschlichkeit. Jedoch gibt er Marie eine Chance: Sie soll eine Person innerhalb der menschlichen Geschichte finden, die die Frage aller Fragen beantworten kann, so wie sie es getan hat...

Mein Bild:

Ich fragte mich von Anfang an: Ist das ein Kinderbuch oder ein Roman für Erwachsene? Das Cover sah nach Ersterem aus: Die farbigen Blumen, die Silhouette eines Mädchens, das über eine Wiese läuft. Freude pur! 221 Seiten, teils mit Illustrationen, die die Darsteller des Buches im kinderfreundlichen Stil einfangen und dann beginnt die Geschichte noch mit „Es war einmal...“. Doch ich halte es keineswegs für eine Gute-Nacht-Geschichte für Kinder. Das Buch ist höchstens etwas für Kinder ab12 oder 13 Jahren aufwärts.

Nur warum? Weil es die eindeutige Message vertritt, dass jeder das Leben als etwas Wertvolles betrachten und schützen sollte. Schließlich besitzt man nur ein Leben auf diesem Planeten! Doch die Geschichte hat uns gelehrt, dass nicht jeder Mensch den Umstand zu schätzen weiß. Auf diese Grausamkeit geht das Buch, gerade zum Ende hin, intensiv ein.

Umso schöner ist, dass mich ein leuchtender, unschuldiger Stern durch die Geschichte geführt hat: Marie, ein achtjähriges Mädchen und zu meiner Freude kein typisch blonder Engel, sondern eine PoC. Jedoch beginnt ihre Geschichte ziemlich traurig, denn Marie stirbt. Für mich sah es ziemlich danach aus, dass sie in der Dritten Welt geboren wurde. Armut, Hunger, Unwissen und keine Hilfe. Der Autor bindet die gnadenlose Realität ein.

Doch Marie beantwortet vor ihrem Ableben die Frage aller Frage! Die Frage, die ich erst am Ende des Buches kannte, obwohl es sich im ganzen Plot nur darum drehte. Ich mochte den spielerischen Spannungsbogen trotz meiner Neugier auf die Antwort, was es denn für eine Frage sein soll.

Natürlich spielt „Gottes Gnade“ gegenüber der Unschuld eine tragende Rolle. Aber keine Angst, es wird nicht kitschig! Einfach, weil die kreative und unkonventionelle Darstellung von Gott in Form eines Aborigines absolut spitze ist. Ein so ursprüngliches Volk in die Geschichte einzubinden und sogar auf einen Teil der Sagenwelt dieser Kultur einzugehen, war ein sehr überzeugender Schachzug des Autors.

Ich genoss die märchenhafte Weise des dazu passenden (fast) allwissenden Erzählers, der Marie auf Schritt und Tritt begleitete und immer auf ihre Begegnungen einging. Sie lernte auf ihrer magischen Zeitreise einige weise Menschen kennen! Für mich war es ein reiner Spaß zu lesen, wie sie die großen Ideen bekannter Philosophen ganz offen und unvoreingenommen infrage stellte.

Nur waren allerhand Klischees dabei, die mich störten. So großartig und überraschend die Philosophen und Denker beschrieben wurden, es war keine einzige Frau dabei. Genauso wie die Darstellung des menschlichen Bösen. Jetzt ratet mal, wer geschichtlich gesehen, der böseste Mensch auf den Planeten war? Richtig, es war ein Österreicher.

Weiterhin nahmen Maries Reisen gefühlt kein Ende. Manchmal war mir das viele Gerede der großartigen Männer dieser Welt zu langatmig und theoretisch. Gott sei Dank half mir die wechselnde Atmosphäre der verschiedenen Länder und Kulturen darüber hinweg, die der Autor mit historischen Winks aufzeigte. Dazu kommen noch Jan Reisers zahlreiche karikaturistischen Illustrationen als Sahnehäubchen obendrauf.

Am Ende wurde es noch einmal turbulent, jedoch hat es sich gelohnt darauf zu warten. Marie machte mir erneut bewusst, dass man in seinem Leben nie vergessen sollte, was uns als Mensch aus macht.

Fazit:

Eine Hommage an das Leben, rührend geführt durch Kinderhand. Für Leser, die das Leben gern infrage stellen und zur Abwechslung einfache Antworten bekommen wollen.