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Veröffentlicht am 03.09.2018

Tauche in eine Fortsetzung voller Magie, Märchen und der Verführung des Orients

Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkönig
2

Allgemein:

„Bücherkönig“ ist der 2. Band der Trilogie um „Die Bibliothek der flüsternden Schatten“ des Autors Akram El-Bahay. Veröffentlicht wurde der Fantasyroman, ebenso wie der 1. Band „Bücherstadt“, ...

Allgemein:

„Bücherkönig“ ist der 2. Band der Trilogie um „Die Bibliothek der flüsternden Schatten“ des Autors Akram El-Bahay. Veröffentlicht wurde der Fantasyroman, ebenso wie der 1. Band „Bücherstadt“, bei Bastei Lübbe. Innerhalb der Geschichte trifft der Leser erneut auf Sam, nicht mehr ganz Dieb, aber auch nicht mehr ganz Wächter der unterirdischen Bibliothek. Ihm ist die Flucht aus dem Herzen der Bücherstadt gelungen, doch er ist nicht mehr allein. Fabelwesen, die es eigentlich nicht geben sollte, begleiten ihn. Entflohen aus ihren Buchgefängnissen sehnen sie sich nach der Identität, die ihnen genommen wurde. Doch wie kann ihnen geholfen werden? Sam stürzt sich mit der Gelehrtentochter Kani in das nächste Abenteuer, ohne zu wissen, welche Geheimnisse noch auf sie warten.


Mein Bild:

Der 1. Band „Bücherstadt“ war für mich ausbaufähig und ich habe mir dreimal überlegt, ob ich weiterlesen möchte. Doch das Setting und der Schreibstil des Autors sind nun mal der Hammer, von daher habe ich dem 2. Band eine Chance gegeben und ich wurde nicht enttäuscht.

Das Cover passt super zum ersten Buch. Ein sich langsam öffnendes Buch mit einer Art Freske darauf. Dieses Mal umspielt nicht Gold, sondern Silber die Schrift. Der Autor ließ übrigens durchblicken, dass die Gesichter einem Gemälde Paramythias (die Bibliothek um die es sich dreht) entstammen. Man muss schon genau hinschauen, um die Unterschiede der Gesichter zu erkennen, aber das Cover passt nach wie vor wunderbar zur Geschichte.

Der Beginn setzt dort an, wo der letzte Teil endete. Es gibt zeitlich keinen Sprung und ich war sofort wieder drin. Selbst denjenigen Lesern, bei denen der 1. Band schon ein wenig zurück liegt sollte es leicht fallen wieder rein zu kommen. Warum? Durch sehr gut verpackte Rückblenden. Diese lesen sich wie eine Erinnerung, eine Anmerkung, so ganz nebenbei ohne nervig zu werden. Das ist eine Kunst, die man beherrschen muss. Genau an diesem Punkt überlege ich schon, ob man die Bände einzeln lesen könnte. Meine Antwort lautet „Jein“. An sich ist auch dieser Teil der Geschichte ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, dass aber die Voraussetzung für den weiteren Verlauf darstellt. Ähnlich wie bei Band 1. Man müsste es wohl einfach probieren.

Die Handlung selbst wird endlich aus mehreren Perspektiven erzählt. Darüber bin ich so glücklich.
Denn die personale Perspektive des Protagonisten Samir ist nach wie vor nicht meins. Er wirkt jünger als Mitte 20, ist unsicher und zweifelt an allem, und das als „ehemaliger“ Dieb mit einer Portion Sarkasmus. Der Selbstfindungstrip, indem er sich nach wie vor befindet, ist noch nicht vorbei.
Doch mit Kanis Perspektive kommt endlich Schwung und vor allem Führung in die Geschichte. Sie ist der Antrieb und hat das letzte Wort, und Samir würde schließlich alles für sie tun. Die intelligente, schöne Gelehrtentochter legt endlich die Entwicklung hin, die ich im letzten Buch nicht sah. Sie wächst nach den Schicksalsschlägen in Paramythia über sich hinaus und im Verlauf der Geschichte stellen sie und der Leser gemeinsam fest, das in ihr Fähigkeiten schlummern, die ihr Leben verändern werden.
Die Dritte Perspektive im Bunde ist die der Wüstenhexe, die Gegenspielerin. Eine zweigeteilte Persönlichkeit voller Magie, altem Wissen und zeitweise sehr gefährlich Charakterzügen. Ich mag sie nicht, doch gerade das hat mir eigentlich gefallen.

Inhaltlich fiel mir schnell auf, dass der Autor das Ziel bzw. das Ende des Buch früh festlegte. Die Frage war nur, ob das gesteckte Ziel so erreicht werden kann. Denn der Weg dorthin ist voller Stolpersteine, Highlights, Spannungsbögen und einem Verfolger, dem das Rascheln von Papier anhaftet. Apopo, diesen, ich nenne ihn mal Bösewicht, empfand ich zeitweise störend. Er unterbrach jeden Fortschritt, jedoch ohne Erfolg. Ich finde, dann hätte man das Kerlchen auch weglassen können.

Aufregend fand ich die Bildung zweier Handlungsstränge im Verlauf der Geschichte, da sich Sam und Kanis Wege kurzzeitig trennen. Sie verlässt den Stadtstaat Mythia, die dahinterliegende Mauer (die mich sehr an die Mauer aus Game of Thrones erinnerte) und öffnete mir damit eine Welt voller Sand, Beduinen und sternenklarer Nächte. Nicht zu vergessen, die auffälligen Reisekameraden, die ihren Büchern entflohen sind. Ich bin immer noch sehr erstaunt darüber, was für Wesen aus Akram El-Bahays Gedanken entsprungen sind.
Samir hingegen wanderte durch die Bücherstadt oder durch die bildgewaltige, oberhalb liegende Stadt Mythia. Begleitet von Wasserwesen, leuchtenden Büchern, sowie der alte schrulligen Umm und dem Bibliothekar Jacobus. Beide sind absolut umwerfend und benehmen sich teilweise wie Kinder im Süßwarenladen oder geben die passenden Spitzen, wenn Samir mal wieder nicht vorwärts kommt. Ich habe gern darüber gelacht und ebenso über die Rätsel der Bücherstadt gegrübelt, die so Märchen zum Leben erweckte.

Die Handlungsstränge werden schlussendlich wieder zusammengeführt und so reihte sich ein Detail an das andere, eine Erkenntnis an die andere. Manchmal hatte ich die Lösung schneller vor Augen als die Protagonisten, aber das machte nichts, denn einen Aha-Effekt gab es immer.
Das Ende hatte es noch einmal in sich. Ein Showdown, bei denen weitere Geheimnisse gelüftet werden und ein Blick auf den nächsten Band geworfen wird, der vielleicht noch einen drauf setzen könnte. Zum Beispiel mit Sams bisher stockender Charakterentwicklung.

Fazit:

„Bücherkönig“ übertrifft meine Erwartungen mit mehr Perspektive und noch mehr Vielfalt an Charakteren und orientalischen Setting. Dafür hat der Protagonist noch einiges zu lernen. Wer Band 1 geschafft hat, sollte definitiv weiterlesen.

Veröffentlicht am 04.02.2019

Der Name ist Programm! Willkommen in einer weiteren abwechslungsreichen Geschichte der Welt der Verbliebenen

Der Klang der Täuschung
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Allgemein:

Das Imprint One aus dem Bastei Lübbe – Verlag bringt mit „Der Klang der Täuschung“ den 1. Band der Dilogie „Die Chroniken der Hoffnung“ in Deutschland heraus und bleibt der Autorin Mary E. ...

Allgemein:

Das Imprint One aus dem Bastei Lübbe – Verlag bringt mit „Der Klang der Täuschung“ den 1. Band der Dilogie „Die Chroniken der Hoffnung“ in Deutschland heraus und bleibt der Autorin Mary E. Pearson damit treu.
Sie entführt erneut in die fantastische und doch altertümliche Welt der Verbliebenen. 6 Jahre nach der großen Schlacht im Tal der Schildwacht begegnet der Leser Kazi. Sie ist Mitglied der Ehrengarde der Königin von Venda und wurde auf die Mission geschickt, den Mann zu finden, der für den damaligen Krieg mit verantwortlich war. Sie und ihre Begleiterinnen wollen diese Mission unter allen Umständen erfüllen. Allerdings begeben sie sich auf das Terrain der Familie Ballenger, die gegen die Verträge der Großreiche rebelliert und illegal die Stadt Höllenrachen regiert. Ihr Anführer Jase Ballenger könnte für Kazi zum Problem werden, aber anders als sie es erwartet hat.

Mein Bild:

Endlich ist es da! Das Hardcover, das sich mit der Rückenansicht der rotkäppchenwirkenden, jungen Frau nahtlos an die anderen Bücher anschließt. Einerseits finde ich den Wiedererkennungswert zu den anderen Büchern gut, andererseits ist es schade, dass man sich nicht am englischen Originalcover orientiert hat, weil es doch eine andere Geschichte dieser Welt repräsentiert.

Mary E. Pearson hat mich bereits mit der vorangegangenen Reihe „Die Chroniken der Verbliebenen“ in ihren Bann gezogen. Ihr Schreibstil, das World Building, die Protagonisten und ein sich langsam aufbauender komplexer Handlungsstrang regt zu Verschwörungstheorien an, die manchmal bestätigt und manchmal einfach über Bord geworfen werden. Und ja, auch dieses Buch ist ein Pageturner.

Ich muss gestehen, dass der Einstieg in die Welt der Verbliebenen für Neulinge nicht so einfach sein könnte. Ich wurde mit vielen Informationen bombardiert, die die Fans der bisherigen Reihe als auch „Neueinsteiger“ auf einen aktuellen Stand bringen sollte. Schon mal vorab, man kann „Die Chroniken der Hoffnung“ lesen ohne die vorherigen Bücher zu kennen. Und jetzt kommt das „aber“: Aber man wird bezüglich des Ausgangs der vorherigen Reihe gespoilert. Schon allein, weil das jetzige Buch 6 Jahre später spielt. Trotzdem denke ich, dass der Spaß an den vorherigen Büchern nicht verloren geht, wenn man sie im Nachgang liest.

Miss Pearson bleibt dabei dem Spiel der wechselnden Ich-Perspektiven, in Form der Protagonisten Kazi und Jase, treu. Generell gefallen mir alle Charaktere zum großen Teil besser als die der vorherigen Reihe. Doch warum? Wahrscheinlich, weil die von Anfang an mehr Ecken und Kanten, mehr Tiefe zeigen und nicht aus einem luxuriösen Königshaus stammen. Verwöhnt und naiv? Fehlanzeige.

An vorderster Front natürlich Kazi (17) und Jase (20). Beide haben gemein, dass sie absolut loyal sind und das verteidigen bzw. beschützen, was sie lieben. Sie versuchen Taktiken und Strategien zu entwickeln, Menschen zu durchschauen, um dann das Richtige zu tun. Klingt gut? Ja, allerdings stehen Kazi und Jase politisch auf der jeweiligen anderen Seite und beider Leben könnte nicht unterschiedlicher verlaufen sein. Er, der in einer Großfamilie behütet aufgewachsen ist, sie, die als Straßengöre ums Überleben kämpfen musste. Vorurteile, persönliche Erfahrungen und Gefühle bieten hier allerhand Zunder!

Natürlich kommt es trotzdem so wie man es erwartet: Man bringt zwei Menschen zusammen, die sich für die Liebe oder für die Pflicht entscheiden müssen. An sich eine Grundlage, die es wie Sand am Meer gibt. ABER es wirkte auf mich dennoch außergewöhnlich spannend, überraschend, teilweise sogar witzig. Gründe dafür sind die Settings, die Nebendarstellern, die Historie, verschiedene Völker bzw. Sprachen und komplexe Problemstellungen.

Das Setting wechselte von der blanken Wildnis über eine mit riesigen Bäumen belebte Stadt, bis hin zu einer mittelalterlichen, Game oft Thrones - anmaßenden Festung oder einem orientalisch angehauchten Markt. Miss Pearson widmete sich der Entstehung dieser Orte, indem sie Jase die Möglichkeit gab seine Familiengeschichte zu erzählen. Zusätzlich wurden die historischen Texte der Ballengers zwischen die Kapitel gedruckt, die ein weiteres Puzzlestück zur Entstehung dieser Welt beitrug. Im übrigen zeigt das tatsächlich dystopische Ansätze!

Bring das zusammen mit liebenswerten und charakterstarken Nebendarstellern, die mit ihrer persönlichen Geschichte weitere Handlungsstränge einbringen und tada, du legst das Buch nicht mehr aus der Hand. Ich mochte, dass die „Rathan“ Synove und Wren nicht nur als Kämpferinnen, sondern auch als Freundinnen von Kazi gezeigt wurden. Mir fiel Jase Liebe zu seiner Familie und deren Gastfreundlichkeit erst richtig auf, als ich seine Geschwister kennenlernen dürfte. Tja, und mein absolutes Fan-Highlight: Ein paar alte Bekannte kommen zum Zug. Meine innerlichen Freudensprünge hat man mir beim Lesen bestimmt angesehen. Es ist so schön zu wissen, was aus ihnen geworden ist.

Der Plot selbst ist geprägt von den Zielen des Einzelnen (bei vielen Darstellern, viele Ziele) und allerhand Lügen, um sich nicht angreifbar zu machen. Mich wundert, dass die Autorin nicht den Überblick verloren hat. Vieles ist plotrelevant, aber weniger hätte bei über 600 Seiten auch mehr sein können. Natürlich erhöht das den Spannungsbogen, bietet Plot Twist – Gelegenheiten und macht neugierig, wie es nun weiter geht. Hier geht es um weit mehr als nur die Liebe oder eine Mission. Es geht um Anerkennung, Abbau von Vorurteilen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Gibt es einen Cliffhanger? Ich sag es mal so, der Ursprung des 1. Bandes wird abgehandelt...Wäre da nicht ein besorgniserregendes letztes Kapitel, die die Wartezeit bis 2020 noch länger werden lässt.

Fazit:

Der Titel ist Programm und bietet ein emotionales und kämpferisches Abenteuer in der gut durchdachten Welt der Verbliebenen. Wer Mary E. Pearson bisher mochte, wird sie weiterhin mögen und andere werden sie neu entdecken!

Veröffentlicht am 29.03.2018

Es gibt Dinge, die haben Bestand – wie die Hoffnung

Der Glanz der Dunkelheit
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Ich danke der lesejury und allen Mädels für die schöne Leserunde, es war mir eine Ehre! *dezenter knicks

Und hier meine Rezension:

Der Abschluss von Mary E. Pearsons „Die Chroniken der Verbliebenen“ ...

Ich danke der lesejury und allen Mädels für die schöne Leserunde, es war mir eine Ehre! *dezenter knicks

Und hier meine Rezension:

Der Abschluss von Mary E. Pearsons „Die Chroniken der Verbliebenen“ erschien im Frühjahr 2018 als 4. Band in Deutschland. one by Lübbe veröffentlichte die komplette Reihe und wie das Schicksal manchmal so spielt, kehrt man am Ende einer Geschichte zum Ursprung zurück. Lia ist in ihrer Heimat Morrighan angekommen und hat ein klares Ziel vor Augen: Die Verräter zu stellen und die Reiche Morrighan, Dalbreck und Venda vor ihren Untergang zu bewahren. Dafür hat sie ihre große Liebe Rafe zurück gelassen. War es das wert? Wird sie ihr Ziel erreichen oder wird der skrupellose Komizar ihr Heimat in Schutt und Asche verwandeln?

Ich kann immer wieder nur sagen, dass ich Fan dieser Reihe bin, habe auf jeden Band sehnsüchtig hin gefiebert und mit jedem Mal sind meine Erwartungen gestiegen. Jedoch hatte ich vor dem Ende ein bisschen Angst, denn die Autorin hat es in den letzten Bänden immer geschafft, überraschende Verluste einzubauen. Und jedem Leser ist unterschwellig bewusst, dass jetzt ein Krieg ins Haus steht. Wer diese Tatsache bis jetzt wirklich übersehen hat, hält nun den Beweis in den Händen: Das Cover. Rüstungen, Kampfgetümmel und unsere Heldin Lia, die ein Schwert schwingt. Die Wirkung der Kampfbereitschaft ist bestechend.

Leider war es der Einstieg in die Geschichte nicht. Ich brauchte ewig um warm zu werden. Der Schreibstil war flüssig, detailliert, aber nicht überladen, das Reich Morrighan als ein Ort voller Erinnerungen super präsent, die Gedanken und Gefühle der wechselnden Ich-Perspektiven der Protagonisten klar und nachvollziehbar. Daran lag es also nicht, aber die Handlung kam nicht in den Gang. Die Frage, ob die Splittung des dritten Bandes (im englischen ist es eine Trilogie) Nachteile haben würde, war damit beantwortet. Gefühlt versuchte jeder Darsteller über die ersten 150 Seiten seine eigenen Konflikte zu lösen oder Informationen zu sammeln. Ich fragte mich wirklich, wo da noch Platz für die Verräter und eine epische Schlacht sein sollte, mal abgesehen davon, dass mir Zeitansätze fehlten. Es werden nur sporadische Angaben gemacht, so konnte ich leider nicht nachvollziehen, ob Monate oder nur ein paar Wochen bis zum Höhepunkt vergingen.

Nichtsdestotrotz wurden lang gehegte Fragen, beispielsweise um Kadens Herkunft oder Paulines ehemaligen Partner, beantwortet. Beide haben neben Lia eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Kadens gefühlvolle Seite kommt nun derart offen zum Vorschein, dass es kaum zu glauben ist. Aber es steht ihm durchaus gut und scheint natürlich zu sein, nachdem er nicht mehr des Komizars Attentäter ist. Hingegen wirkt Pauline stärker denn je und will unbedingt die beschützen, die sie liebt, egal wie zart sie dabei wirkt – eine Frau, die an ihrer Erfahrung gewachsen ist.

Ebenso wie Lia. Sie hat meine vollste Bewunderung. Strategisch und berechnend geht sie jeden Plan durch, zeigt Verantwortung und Kampfgeist. Sie ist einfach zur perfekten Anführerin geboren, auch wenn sie ihre Position in den eigenen Reihen immer wieder verteidigen muss und sich nicht in die klassische Rolle der Frau zwängen lässt. Dennoch zeigt sie im Stillen ihre Gefühle, vermisst Rafes Nähe, genauso wie er sie vermisst. Die Autorin hat es so spürbar formuliert und sät so den Wunsch nach einem Happy End.

Nur letztendlich fesselten mich Lias feindliche Begegnungen am meisten und ich versuchte mit ihr den Verrätern auf den Zahn zu fühlen. Es hat Spaß gemacht zu spekulieren, ob Lia mit ihren Vermutungen richtig liegt, ob sie Ihre „Gabe“ richtig deutet, die ihr den Weg zum Ziel oftmals erleichtert. In mancher Hinsicht vielleicht zu leicht. Mary E. Pearson hat die „Gabe“ genutzt um Handlungsstränge zu vereinfachen, zum Beispiel um Einsicht auf den Gegner zu bekommen oder Zukunftsvisionen schemenhaft einzublenden. So zaubert man einen Spannungsbogen, spart sich umfangreiche Erklärungen und zusätzliche Perspektiven. Gerade das Ausblenden der gegnerischen Perspektive fand ich trotzdem sehr schade. Die kaltblütige Sicht des Komizars hätte der Story noch den extra Kick gegeben.

Doch keine Angst, der rote Faden sieht einen temporeichen Show Down vor und ich war geplättet, wie raffiniert sich am Ende alles zusammenfügt was zusammen gehört ohne zu viel Ausmaß anzunehmen. Alles in allem war es ein guter letzter Band, auch wenn ich mir an mancher Stelle mehr schockierende Momente oder Verluste gewünscht hätte. Daran hat Miss Pearson leider gespart, so dass der Plot teilweise vorhersehbarer war als in den letzten Bänden. Sicherlich sollte es dazu dienen ein sauberes Ende zu schaffen und das hat funktioniert.

Fazit: Ein sauberer Abschluss ohne große Überraschungen, aber mit einer wahnsinnig starken Heldin und einem temporeichen Show Down.

Veröffentlicht am 12.05.2019

Ein schauriges Zirkusbild mit liebenswerten Protagonisten

Die wahre Geschichte
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Allgemein:

„Die wahre Geschichte vom traurigen Clown Frederico“ ist ein 137- seitiges Kinder- und Jugendbuch aus der Schreibfeder von Anton Soja und dem Zeichenstift von Oksana Baturina. Es erschien im ...

Allgemein:

„Die wahre Geschichte vom traurigen Clown Frederico“ ist ein 137- seitiges Kinder- und Jugendbuch aus der Schreibfeder von Anton Soja und dem Zeichenstift von Oksana Baturina. Es erschien im März 2019 beim Wunderhaus Verlag und erzählt dem Leser, wie die Stadt Lüneburg Besuch vom fantastischen Zirkus der Rafinellis bekam. Doch der Zirkus ist kein Zirkus wie man ihn kennt. Seine Artisten sind besonders und ungewöhnlich, genau wie Frederico. Der 15-jährige Sohn der Rafinellis taugt nur als „Purzelclown“, über den alle lachen können. Zumindest bis Frederico bei einer Vorstellung Nadira begegnet, die das Spektakel nicht ansatzweise lustig findet. Er weiß sofort, das Mädchen mit der Augenklappe könnte alles verändern.

Mein Bild:

Dieses ganz zuckersüße Cover ließ mich dahinschmelzen. Es ist genauso mit Liebe gezeichnet wie die ganzen Illustrationen im Buch. Hier war ein Profi am Werk, der die Emotionen der Geschichte auf die Bilder übertrug. Ich bin nach wie vor begeistert. Die Farbgebung in rot, orange und schwarz zieht sich komplett durch und lässt erahnen, dass es innerhalb des Plots nicht nur heiter zu geht. Der Verlag wirbt auch mit dem Satz „Wenn Tim Burton ein Buch geschrieben hätte...“ und ich denke, das sagt schon viel aus. Trotzdem habe ich mir aufgrund des Covers ein Kinderbuch vorgestellt. Doch um so mehr ich in die Welt eintauchte, um so unsicherer wurde ich mir bezüglich der Altersempfehlung. Auf der Verlagsseite fand ich keine Empfehlung, die Angaben aus dem Netz reichten von 6, 11 oder 14 Jahren. Meine persönliche Einschätzung: Ich denke, dass man es frühestens Kindern ab 12 Jahren in die Hand drücken sollte, wenn nicht sogar 1 bis 2 Jahre älter. Warum, darauf gehe ich jetzt näher ein.

Mich führte ein beobachtender und gedankenlesender Erzähler durch das Buch. Ich fand die Perspektive sehr passend, um dem Setting und fast allen Figuren genügend Raum zu geben. Normalerweise spricht das für ein Kinder- und Vorlesebuch, allerdings sprechen mehrere Faktoren dagegen. Zum einen die erwachsene Wortwahl. Oder hat jemals jemand das Wort „phlegmatisch“ in einem Kinderbuch gelesen? Ich jedenfalls nicht. Zum anderen das Alter der Protagonisten, Frederico ist schließlich 15 Jahre alt und versucht seinen Platz in der Welt zu finden. Des Weiteren ist es nicht nur eine nette, kleine Zirkusgeschichte.

Die Figuren sind außergewöhnlich, skurill und teilweise schaurig gezeichnet. Die Charakteristika sind einzigartig bis grausam. Tim Burton hätte es tatsächlich nicht besser machen können. Die Geschichte lebt definitiv von Zwergen, bösen Elefanten, menschlichen Würmern und noch mehr irren Artisten. Doch die Lieblosigkeit von Fredericos verrückten Eltern ließen mich von Faszination in Wut umschwenken. Die Rafinellis misshandeln ihren gutmütigen und liebenswerten Sohn so, dass ich ihnen am liebsten meine Meinung gesagt hätte. Noch dazu stecken sie ihn in eine Schublade, in die er gar nicht geschoben werden will. Es ist wirklich eine schwierige Kiste, aber sehr gut umgesetzt. Es wird deutlich gezeigt, wie oberflächlich und schadenfroh Menschen in jeglicher Form sein können und dass das sehr verletzend ist. Wer die Szenen in dem Buch nicht sofort erfasst, dem hilft Nadira gern auf die Sprünge. Ich mochte ihre kämpferische selbstbewusste Art und wie einfühlsam sie unter Fredericos Oberfläche taucht. Mit ihr bekommt er einen Fels in der Brandung, obwohl mich Nadiras später gezeigten Charakterzüge überraschten. Ja, es ist eine zarte, jugendfreie Liebesgeschichte, die Licht ins düstere Zirkuszelt bringt.

Doch Anton Soja war das anscheinend zu wenig. Ab der Hälfte des Buches wurde tiefer in der Märchenkiste gekramt als bereits geschehen und alte Bekannte kamen zum Vorschein. Natürlich gruseliger als erwartet, aber mit einer äußerst interessanten Historie. Ich will nicht zu viel verraten, aber eine Figur, deren Namen man erraten muss, spielt eine tragende Rolle. Es bleibt spannend bis hin zum erstaunlichen Ende für Frederico und Nadira, dass mir trotz der generellen Übertreibung der Geschichte zu viel war.

Fazit: Für Fans von schaurig, düsteren Märchen! Eine Zirkusgeschichte, dessen zarte Liebesgeschichte Herzen erobert und dem Plot zeitweise das Dunkle nimmt. Allerdings ist eine Altersempfehlung schwer auszumachen, das Cover kann eindeutig täuschen.

Veröffentlicht am 12.05.2019

Was für ein Gemetzel

DOORS ? - Kolonie
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Allgemein:

Markus Heitz schuf mit „Doors“ ein neues Leseerlebnis. 3 Bücher, die einer Serie gleichen, eine sogenannte Staffel bilden und unabhängig voneinander gelesen werden können. Der Knaur-Verlag ...

Allgemein:

Markus Heitz schuf mit „Doors“ ein neues Leseerlebnis. 3 Bücher, die einer Serie gleichen, eine sogenannte Staffel bilden und unabhängig voneinander gelesen werden können. Der Knaur-Verlag nahm sich dem außergewöhnlichen Projekt 2018 an und das mit Erfolg.

Der Beginn ist bei allen Büchern gleich: Die junge Millionärstochter Anna-Lena ist spurlos in den Katakomben der alten Familienvilla verschwunden. Ihr Vater schickt daher ein Spezial-Team aus, bestehend aus zwei Wissenschaftlern, zwei Freeclimbern, einem Personenschützer und einem Medium, um seine Tochter zu retten. Doch statt Anna-Lena findet das Team 5 Türen und hinter jeder könnte Anna-Lena sein. Welche Tür werden sie wählen?

„Doors – Kolonie (?)“ schickt das Team in den Winter 1944/1945, aber ein anderes 1944/1945 als man kennt. Denn Stauffenbergs Attentat auf Hitler ist geglückt, der Krieg längst vorbei und Leipzig steht unter der Besetzung der Amerikaner statt der Russen.

Mein Bild:

Trotz, dass ich die Einführung durch „Blutfeld“ schon kannte, habe ich das Buch von Anfang an gelesen und das war gut so. Denn mir fiel auf, wie viele kleine Details ich bereits vergessen hatte. Es fühlte sich irgendwie an, als entdeckte ich neue Dinge. Es war erneut furchtbar spannend und erneut hatte jedes Kapitel kleine Cliffhanger, die mich dazu zwangen weiter zu lesen. Das zieht sich übrigens durch das ganze Buch, nur zur Info für diejenigen, die abends gern „nur noch dieses eine Kapitel lesen“ wollen... Außerdem konnte ich nochmal über das erste Zusammentreffen des zusammengewürfelten, klischeebehafteten Teams lachen.

Ich mag Markus Heitz Schreibstil wirklich gern. Der Autor hat den Schalk im Nacken, macht sich über Klischees und Verschwörungstheorien lustig bzw. Gedanken ohne dass es lächerlich wirkt. Sein bildlicher Stil, ebenso wie die wohl bedachte Wortwahl ließen die Geschichte in verschiedenen Farben aufleuchten. Erst in der Gegenwart, wie der Leser sie kennt, dann düster und nasskalt mit Gänsehautfeeling in den Katakomben bis das Team durch die Tür geht und sich vor meinem inneren Auge ein Sepia-Ton auf die Situation vom parallelen 1944 legt. Es liest sich wie ein Film, auch wenn es merkwürdig klingt.

In „Kolonie“ zeigt Heitz dem Leser eine Antwort auf die Frage, was wäre, wenn Stauffenbergs Attentat geglückt wäre. Ich weiß nicht, wie viel der Autor recherchiert hat, aber so unlogisch kam mir das Szenario nicht vor. Der Krieg ist zu ende, klar, die Alliierten sind da, auch klar, politische Ziele ändern sich, macht ebenso Sinn. Diese ausgeklügelte Idee vor dem Hintergrund bekannter Orte, wie meiner Heimatstadt Leipzig, machten einen realitätsnahen Eindruck. Doch das wäre ja zu langweilig ohne Rebellion, Verschwörung, Intrigen und ganz viel Blut. Zuviel Blut für meinen Geschmack.

Ich kann mir nur vorstellen, dass der Autor zeigen wollte, wie kaltblütig es trotzdem zugegangen wäre und dass zu dieser Zeit so oder so keiner von Barmherzigkeit lebte. Dennoch war es mir zu trashy und vor allem, wie die Menschen gestorben sind! Entweder total banal oder absolut überraschend und grausam. Ich dachte „Blutfeld“ wäre schon recht heftig gewesen, aber „Kolonie“ schlägt das um Meilen.

Das war nicht die einzige Überraschung. Mir war bekannt, dass in jedem Buch ein oder mehrere Teammitglieder näher betrachtet werden. Ich denke nicht, dass ich den Personenschützer Spanger je leiden kann, aber dieser Band schaffte es zumindest, dass ich mir für den nervtötenden Proll etwas Verständnis abringen konnte. Dafür hat mich das Medium arg enttäuscht, denn sie machte mir hier einen garstigeren Eindruck als in „Blutfeld“. Sicherlich lag es daran, dass sie sich in einer anderen Situation befand, aber ich erkannte sie kaum wieder und das passte für mich nicht.

Generell fand ich es schade, dass der Plot so aufgebaut ist, dass das Team als solches nicht zur Geltung kommen kann. Eine Zusammenarbeit ist dementsprechend nicht möglich. Ich hatte den Eindruck, mehr mit Einzelkämpfern bzw. vielleicht noch Paaren zu tun zu haben. Ohne jegliche Zweifel kann ich sagen, dass mir „Blutfeld“ besser gefällt als „Kolonie“. Mal sehen, wie ich das 3. Buch im Bunde, „Dämmerung“, finden werde.

Fazit:

Ein fiktiver 1944/1945 im Winter fasziniert durch historisch bekannte Orte und Hochspannung. Allerdings wirken die Protagonisten teilweise wie sture Einzelkämpfer, denen der blutige Plot nicht bekommt.