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Veröffentlicht am 31.03.2020

Und plötzlich dreht sich der Spieß um! Unerwartet, detailreich, aber etwas ausschweifend

Der Ruf der Rache
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Allgemein:

"Der Ruf der Rache" ist der Abschlussband der Dilogie um "Die Chroniken der Hoffnung". Anfang 2020 veröffentlichte der One-Verlag somit das Ende des Sequels der erfolgreichen Fantasy-Reihe ...

Allgemein:

"Der Ruf der Rache" ist der Abschlussband der Dilogie um "Die Chroniken der Hoffnung". Anfang 2020 veröffentlichte der One-Verlag somit das Ende des Sequels der erfolgreichen Fantasy-Reihe "Die Chroniken der Täuschung" von Mary E. Pearson. Inhaltlich begegnen wir erneut der jungen Elitesoldatin Kazi, die ihrem königlichen Auftrag nachgekommen ist und sogar noch mehr bekommen hat - Jase. Das Versteckspiel um ihre Gefühle ist vorbei, die Planung eines gemeinsamen Lebens auf dem Heimweg nach Höllenrachen im vollen Gange, doch an den Toren der Stadt empfängt sie etwas ganz Anderes als ein Empfangskomitee: Ein Hinterhalt durch einen völlig unerwarteten Feind.

Mein Bild:

Wisst ihr was? Ich habe wirklich über 1 Jahr darauf gewartet, dieses Buch in den Händen zu halten. Selten, wirklich sehr selten, fange ich nach dem Kauf sofort an zu lesen, aber hier, ja hier, musste es sein. Das Witzige ist, ich wusste gar nicht mehr, wie der 1. Band ausgegangen ist, außer, dass der Ursprungsplot aufgelöst wurde und plötzlich etwas aus den Fugen geraten ist. Ja, das kann sie, die Mary E. Pearson. Ich vergöttere und hasse sie zugleich für das, was sie mir mit ihren Büchern antut. Ok, so viel dazu.

Ich mag diese hübschen Hardcover. Die Ursprungsreihe und das Sequel ergänzen sich wirklich gut und auch das "Rotkäppchen"- Mädchen hat einen Wiedererkennungswert. Mich stört es inzwischen nicht mehr, dass es nicht dem englischen Original gleicht. Über 570 Seiten erwarteten von mir, verschlungen zu werden. Und das tat ich mit Gänsehaut, Nervenkitzel und ganz vielen emotionalen Bildern im Kopf.

Wie immer integrierte die Autorin auch einen Blick ins Schlüsselloch der Historie dieser altertümlichen Welt mit ihren inzwischen 13 Großreichen. Die Form erinnert an biblische Geschichten oder alte Tagebucheinträge von verschiedenen Ahnen der Charaktere, insbesondere Jase Familie. Zudem galten diese einzelnen Seiten oft als Vorboten für die nächsten Ereignisse im Plot. Ihr seht, die Schlüsselloch-Methode zieht sich noch anderweitig durch das Buch.

Der Prolog hingegen war kein Schlüsselloch, sondern eine Tür, die zu einen dunklen Ort führte. 2 Seiten, die ein schlimmes Ereignis, das später eintrifft schon erahnen lassen. An sich bin ich kein Fan solcher Prologe, weil so etwas bereits einen Teil der Handlung spoilert. Doch er ließ mir die Nackenhaare zu Berge stehen und die Sorge um die Protagonistin erwachte somit gleich zu Beginn.

Kazis Ich-Perspektive kann manchmal sehr schonungslos sein, da sie ein Charakter ist, der seinen Tod nicht fürchtet, sondern eher davor Gefühle zuzulassen. Miss Pearson spielte damit, denn nach dem Prolog gibt es einen Zeitversatz, getreu dem Motto "was vorher geschah" und ich lernte eine neue Seite der militärische perfekt ausgebildeten Elitekämpferin kennen. Frei, geliebt, hoffnungsvoll und vor allem bekommt sie die Möglichkeit zu einer Familie dazuzugehören. Ein Wunsch, der insgeheim lange in ihr brannte. Ich freute mich für sie und Jase.

Ja, Leute, es wird romantisch. Ich mochte diesen vermeintlich positiven Ausgang, schließlich war er hart verdient!
Zumindest 20-30 Seiten lang dürfte ich Teil einer smarten Verliebtheit sein, die mir Jase und Kazi abwechselnd näher brachten. Es war nicht zu schnulzig und half meinen Erinnerungen zum vorherigen Band zumindest teilweise auf die Sprünge. Alles konnte ich jedoch nicht mehr reproduzieren.
Doch jeder schöne Moment ist vorbei. Die Handlungsstränge trennten sich, nicht unerwartet, aber die Richtung traf mich. Ich verfolgte nun getrennt die beide Protagonisten und es flashte mich total, dass nur ich allein wusste, wie es um den jeweiligen anderen stand. Die Verzweiflung und Angst der Beiden war zum Greifen nah.

Dem Plot selbst würde ich zumindest bis zum Showdown nicht als absolut actionreich betrachten. Hier wurde sehr viel Wert auf Atmosphäre und Charakterausbau gelegt. Beispielsweise eine Flucht, die tagelang dauert und viele Entbehrungen mit sich bringt, wurde auch ausführlich beschrieben. Ich bekam einen Klos im Hals bei der Vorstellung, allerdings war es einen Ticken zu lang.

Genauso liebte ich den neuen Antagonisten. Wow! Was für ein Mensch! Er sieht sich selbst als Architekt und Drahtzieher, jedoch nennt Kazi ihn ein Monster. Doch irgendwann wiederholte sich das. Natürlich hatte es seinen Sinn, denn aufkommende alte Fragen und Nebenhandlungen wurden tatsächlich aufgelöst. Selbst Dinge mit denen ich persönlich abgeschlossen hatte, aber im Nachgang froh bin, dass Mary E. Pearson sie nicht vergaß.

Die Geschichte bietet wahnsinnig viel Tiefe und Bedeutung in Richtung Familie, Liebe, Loyalität, Freundschaft und Erinnerungen, die man bewahren sollte. Mich berührte der Zusammenhalt und das Vermögen nicht aufzugeben, sondern dem "Bösen" wortwörtlich in die Augen zu sehen. Einfach phänomenal.

Ich bin ehrlich, mit so mancher Offenbarung hinsichtlich dem ein oder anderen Nebencharakter habe ich nicht gerechnet und schäme mich teilweise, diese Person in eine andere Schublade gesteckt zu haben. Der alles entscheidende Höhepunkt ließ mich hoffen und bangen, das Ende hingegen war ein sanfter Abschied.

Fazit:

Ein Abschluss, der mich an die vorherige Reihe erinnerte: Besondere Gaben, ein charakterstarker Bösewicht, die Überlegung, wie diese Welt historisch gewachsen ist und vieles mehr. Willkommen zurück in der Welt von Mary E. Pearsons Chroniken. Jugend-Fantasy mit Anspruch, Spannung, aber auch ein paar Längen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2020

Eine Szene im Kopf, aber die Musik dazu fehlt

Four Keys – Die Stadt im Schatten
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Allgemein:

Die amerikanische Autorin Christine Lynn Hermann arbeitete, bis zum Entschluss nur noch schreiben zu wollen, in einer Literaturagentur. "Four Keys - Die Stadt im Schatten" ist ihr Debüt und ...

Allgemein:

Die amerikanische Autorin Christine Lynn Hermann arbeitete, bis zum Entschluss nur noch schreiben zu wollen, in einer Literaturagentur. "Four Keys - Die Stadt im Schatten" ist ihr Debüt und erschien als Auftakt der Mystic-Fantasy-Reihe 2019 in Deutschland bei dtv. Innerhalb der Storyline betritt der Leser die kleine, aber auch rätselhafte Stadt Four Keys, die seit ewiger Zeit von den vier Gründerfamilien geprägt ist. Doch es geschehen in kürzester Zeit mehrere Morde, die das Vertrauen in die Stadtgründer erschüttern. Nur die 4 Jugendlichen Justin, Violet, Isaac und Harper können dem förmlichen Grau entgegentreten.

Mein Bild:

Das Buch wurde uns im letzten Jahr mit einem Vergleich zu "Stranger Things" vorgestellt. Ich bin wohl eine der Wenigen, die von der Serie nicht gehyped ist, von daher half diese Argumentation nicht. Ich bin auch kein großer Mystery-Leser, aber ich wollte gern wissen, was diese amerikanische Kleinstadt denn heimsucht. Also griff ich mir die rund 370 Seiten und hoffte, dass das thrillermäßige, nicht ganz überzeugend wirkende Paperback zwischen den Buchdeckeln mehr zu bieten hat.

Die Inhalte der Story sind in drei große Teile mit eigenem Titel gesplittet. Ich bin ehrlich: Keine Ahnung, warum man das gemacht hat, weil es für mich beim Lesen absolut keine Relevanz hatte. Zudem gibt es noch Kapitel, das reicht vollkommen aus.

Der Einstieg in die Story ließ mich zunächst rätseln, was ich damit anfangen soll. In personalem Erzählstil wurde ich in eine esoterisch angehauchte Situation geworfen, in der ich mit den Reaktionen der Beteiligten nichts anfangen konnte. Es glich einem Einstieg in einem Film oder einem Teaser. Und zack bist du danach in einer völlig anderen Szene, der Film geht richtig los und du hoffst einfach, dass sich der Teaser irgendwann von allein erklärt. Ich mochte das nicht. Es gibt Prologe, in denen man einfach schon mehr versteht, hier wurde ich allein zurück gelassen.

Der generelle Schreibstil ist verständlich, trotz diverser Schachtelsätze und Mittelchen wie Tagebucheinträgen, unvorhergesehenen Zeitversatz, parallelen Handlungssträngen, sowie wechselnden Perspektiven. An Abwechslung und Ideenreichtum mangelt es nicht. Doch, wenn ich bedenke, dass es nur knapp 400 Seiten sind, wirken einige Gesichtspunkte too much bzw. gekünstelt und nicht glaubwürdig. Wie war das? Manchmal ist weniger mehr.

Mir gefiel die Idee der Kleinstadt, die Rätsel aufgibt, bei denen Magie und gruselige Erscheinungen eine Rolle spielen. Ich hatte Bilder im Kopf, jedoch fehlten die Feinheiten. Ich bekam das Szenenbild, aber nicht die Filmmusik. Es gibt Autoren bzw. Autorinnen, die schaffen mit ihren Beschreibungen Welten genau so, dass sie sich kein Leser bzw. keine Leserin anders vorstellen kann, hier bin ich mir da nicht so sicher.

Die Protagonisten kann ich klar in folgende Typen einteilen: Der Bad Boy, der bemitleidenswerte Prinz, die Überlebende und die Neue. Stereotypen, die trotz vieler Begabungen, kritischer Familiengeschichten und intensiver Auseinandersetzungen miteinander zwar ganz gut ausgebaut waren, aber mir fiel es trotzdem schwer eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Wie soll ich es sagen? Als hätte man ein konkretes Bild, das trotzdem immer wieder verschwimmt. Beispielsweise hatten alle mit ihrer eigenen Familie oder Vergangenheit zu tun, müssen sich noch um das gegenwärtige Problem kümmern und dann wird auf einmal auf ihre Sexualität angespielt oder häusliche Gewalt. Die Protas brauchten das nicht, wirklich nicht. Es hat die Handlung nicht weiter gebracht, es gab dadurch nur mehr gezwungene Nebenstränge, um die Anspielungen zu untermauern.

Die wichtige Handlung, sprich, dass Grauen um die Stadt über die 4 Jugendlichen zu enträtseln, war gut durchdacht. Jedes einzelne Puzzleteil bekam sein Plätzchen. Mir erschien es logisch, aber nicht hochspannend und mystisch. Wie gesagt, ein paar Musiknoten fehlten einfach. An mancher Stelle musste ich allerdings auflachen, als es um Rebellion oder Rituale ging. Meine Gedanken zogen Kreise zum Ku-Klux-Clan oder dem verhexten Salem. Ein wirklich irrer Mix, der nur durch die Linienführung der Gründerfamilien realistisch blieb. Denn die mochte ich sehr. Jede Familie bekam ihren Ursprung, ihr zuhause, ihre Begabung, ihren "Fluch". Wie die Hogwartshäuser, nur viel düsterer. Jedenfalls favorisiere ich klar die Familie Carlisle. Warum, spoilere ich an dieser Stelle lieber nicht.

Der Show Down verlief nicht nach meinem Geschmack. Ich habe mich gefühlt wie bei einem gruseligen, sehr skurrilen Friedhofsritual. Es näherte sich glatt einer Komödie. Ich konnte es nicht ernst nehmen. Erneut wäre hier weniger mehr gewesen. Ein heroisches Ende hätte dem Plot genüge getan. Schade.

Fazit:

Eine richtige gute, düstere Idee für einen Jugendroman auf Fantasybasis. Mystische Begabungen, uralte Familien und ein Monster hätten vollkommen gereicht, allerdings wurden zu viele Nebensächlichkeiten eingewoben. Vielleicht um den nächsten Band damit einzuleiten? Wer weiß.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.02.2020

Provokant, brutal, aufklärend und nachhallend

Sturm
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Allgemein:

Christoph Scheuring ist ein bekannter deutscher Journalist und Autor, der bereits für den Jugendliteraturpreis nominiert war. Anfang 2020 veröffentlichte er erneut einen Roman beim Magellanverlag ...

Allgemein:

Christoph Scheuring ist ein bekannter deutscher Journalist und Autor, der bereits für den Jugendliteraturpreis nominiert war. Anfang 2020 veröffentlichte er erneut einen Roman beim Magellanverlag und beschäftigt sich damit vor allem mit der kontroversen Diskussion um Nachhaltigkeit, Naturschutz und wie der Mensch damit umgeht. Innerhalb der Geschichte lernen wir die 18-jährige Nora kennen, deren Verhältnis zu Tieren, aus gutem Grund, besser ist als zu Menschen. Nach einer radikalen Protestaktion wird sie zu Sozialstunden verdonnert, die sie über eine Organisation nach Kanada führt. Als Observerin soll sie die Fischerfamilie Meinart bei ihrer Arbeit beobachten. Doch dann kommt mitten auf See ein Sturm auf, der Nora und den jungen Fischer Johan um ihr Überleben kämpfen lässt.

Mein Bild:

Meine Erfahrungen mit dem Magellanverlag sind bisher so, dass jedes Jugendbuch Themen anspricht, die einen heranwachsenden Menschen beschäftigen können: Trauer, Familie, Freundschaft, Liebe, Diversität, Krankheit und noch vieles mehr. Oft in einer Art und Weise, die mich packt. So war es auch hier, wenn auch die Protagonistin schon ein Kaliber für sich ist, dazu aber gleich mehr.
300 Seiten Hardcover lagen vor mir. Haptisch ist das Buch sehr angenehm aufgemacht. Es hat ein bisschen was von geprägten, weichen Karton und fällt aufgrund des groß aufgedruckten Titels doch sehr auf. Von Christoph Scheuring hatte ich bisher noch nichts gelesen, bekam bei diesem Buch jedoch ganz schnell das Gefühl, dass er gewisse Ereignisse im Buch entweder selbst erlebt haben könnte oder wahnsinnig detailliert recherchiert hat.
Hier kommen wir zu dem Punkt, bei dem ich klar sagen muss, dass das Buch eine Triggerwarnung braucht! Häusliche Gewalt, Alkoholismus, sexuelle Übergriffe und Tierquälerei spielen in dieser Geschichte eine Rolle und das sehr bildlich. Ich bin für Ehrlichkeit und mag es auch nicht, wenn Sachverhalte beschönigt werden, aber mir drehte sich teilweise der Magen um, mich überkam der Wunsch Bilder aus meinem Kopf zu verdrängen oder meine Lebensweise komplett umzustellen. Das war sowohl gut als auch schlecht - ein ziemlicher Zwiespalt für mich.
Der Schreibstil des Autors war etwas gewöhnungsbedürftig bzw. die sprachliche Ich-Perspektive der Protagonistin Nora. Ich hatte beim Satzbau eingangs immer das Gefühl, dass ein Satz an sich schon beendet war, aber dann noch ein paar Worte ergänzt wurden. Wie soll ich es beschreiben? Es war so, als wäre Nora noch etwas eingefallen, bevor sie den Satz gedanklich zuende gebracht hat. Sie selbst ist kein einfacher Charakter. Geprägt von ihren schlechten Erfahrungen mit Männern, hasst Nora diese wie die Pest. Genauso erfuhr sie innerhalb ihrer zerrütteten Familie nie die Liebe, die sie gebraucht hätte. Ich war schockiert über diese Situation, die meines Erachtens leider einem Bild entspricht, das vorkommt. Umso mehr bin ich beeindruckt, dass sie nicht daran zerbricht und sogar einen großen Aktivismus an den Tag legt, den ich ihr nicht zugetraut hätte. Sie ist clever, setzt Ideen aber leider oft mit falschen Mitteln im Alleingang um. Ihre Facetten reichen wirklich von mutig bis absolut verständlich über unangebracht zu gewalttätig. Ich habe bis jetzt das Gefühl, dass ich sie nie wirklich einschätzen könnte, weil sie zu viel erlebt hat und demnach viel verarbeiten muss. Das ist auch nicht schlimm, denn sie blieb trotzdem authentisch.
Und dann trifft sie auf den 23-jährigen Johan. Wow, was für ein Typ. Harte Schale, weicher Kern, ziemlich unaufgeregt. Egal in welcher Situation, er behält immer den Überblick und die Kontrolle, steht für das ein, wofür er mit Leidenschaft brennt. Das ist natürlich der Punkt, den Nora ziemlich anziehend findet, wenn auch widerstrebend. Ja, Ich mochte Johan. Seine Sicht, wie der Mensch mit der Natur leben sollte, leuchtet ein. Scheuring spricht damit auch an, dass der Mensch den Kreislauf der Natur akzeptieren muss, auch den Tod. Die Art und Weise ist natürlich ein Aspekt, die der Autor an verschiedenen Beispielen aufführt und infrage stellt. Es beginnt bei falsch ausgelegter behördlicher Aufsicht und endet bei zerstörerischen Methoden dem Menschen massenhaft Ware zu liefern. Mir ist dadurch bewusst geworden, wie wenig ich eigentlich weiß und dass genügend Punkte in der ganzen Umwelt- und Klima-Thematik untergehen. Die Aufklärung, das Anregen darüber nachzudenken haben mir gut gefallen. Ich finde, das Buch kann man fabelhaft im Schuluntericht unterbringen - das ist spannend, nervenaufreibend und gesprächsanregend.
Ebenso wie der der Überlebenskampf im Sturm. Ich habe absolut mitgefiebert, obwohl ich den Seemannsjargon nicht immer verstand. Ans sich ist es ein schlechter Witz, dass eine Naturgewalt zwei Menschen so zu schaffen macht, die sie doch beschützen wollen. Andererseits, wie sagt man so schön: Die Natur holt sich immer alles zurück. Kurz vor Schluss dachte ich ehrlich gesagt dann doch, dass die Beiden es nicht schaffen werden und das Buch somit ein Ende bekommt, das ich so nicht vorhergesehen habe. Chapeau dafür!
Ich denke, die Schwerpunkte Naturschutz und Überlebenskampf allein hätten gereicht, um das Buch auszufüllen. Dazu hätte ich Noras zerrüttetes Leben nicht gebraucht oder die Anspielung auf ihre frisch entdeckte Bisexualität, die zu Beginn und am Schluss thematisiert wurde. Wozu, verdammte Axt? Ebenso frage ich mich bis jetzt, wie man so schnell als Observerin nach Kanada einreisen kann, obwohl man gerade vom Gericht verurteilt wurde. Dieser Umstand kam mir unrealistisch vor. Ich habe nicht recherchiert, ob das wirklich so einfach ist. Jedoch glaube ich nicht, dass Christoph Scheuring sich dabei einen Spaß erlaubt hat, oder etwas doch?

Fazit:
Aufklärend, facettenreich und definitiv etwas für Leser, die mehr als eine Seite zum Umwelt-, Klima- und Naturschutz beleuchten wollen. Zudem ein atemberaubendes Seenot-Abenteuer, das uns lehrt, dass der Mensch nur ein winziger Teil auf diesem Planeten ist. Teilweise verstörend ist allerdings die Hintergrundgeschichte der Protagonistin, daher setze ich definitiv eine Triggerwarnung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2020

Meine Erwartungen wurden übertroffen, eine authentisch-erfrischende RomCom

Happy End für zwei
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Allgemein:

"Happy End für 2" ist der erste Roman der jungen, britischen Autorin Rachel Winters, der beim Heyne - Verlag Ende 2019 erschien und seine Leserschaft in das Leben der Filmagentur-Assistentin ...

Allgemein:

"Happy End für 2" ist der erste Roman der jungen, britischen Autorin Rachel Winters, der beim Heyne - Verlag Ende 2019 erschien und seine Leserschaft in das Leben der Filmagentur-Assistentin Evie katapultiert. Mit Ende 20 sitzt sie seit Jahren in ihrem unterbezahlten, und trotzdem liebgewonnenen Job fest. Ihr Wunsch endlich zu einer Agentin aufzusteigen kommt in greifbare Nähe als sie von ihrem Boss beauftragt wird, dem preisgekrönten Drehbuchautoren Ezra bei der Fertigstellung seines neuesten Werkes unter die Arme zu greifen. Denn Ezra verpasst einen Abgabetermin nach dem nächsten, obwohl er die Zusage zu einer romantischen Komödie abgegeben hat. Evie beschließt mit dem arroganten Drehbuchautor, der nicht an die magischen Momente der Filmwelt glaubt, einen Deal einzugehen und läuft dadurch von einem Fettnäpfchen ins nächste als sie versucht romantische Augenblicke im realen Leben nachzustellen. Wird sie Ezra dazu bringen, das Drehbuch fertig zu schreiben?

Mein Bild:

Natürlich lief mir das Buch bereits auf Social Media über den Weg und die ein oder andere Rezension habe ich auch gelesen. Jedoch stapelte ich meine Erwartungen tief, denn ich rechnete nur damit, dass es ein nettes kleines Wohlfühlbuch zum Lachen sein wird. Manchmal kann das ganz gut sein, denn die Geschichte um dieses typisch aufgemachte Paperback mauserte sich zu einem Überraschungspaket der besonderen Art.
Das ahnte ich beim Cover noch nicht, denn es wirkt wie ein klassisches Liebesromancover ohne den Inhalt wirklich preis zu geben. Hübsch mit Goldprägungen, aber mehr nicht. Da hätte mehr draus gemacht werden können, aber das irritierte mich nicht weiter. Schließlich verriet der Klappentext die Grundidee des Plots.

Der Einstieg zeigt mir gleich den kompletten Aufbau der Kapitel, denn die starten immer wie in einem Drehbuch mit Angabe des Ortes, der Zeit, den Darstellern und des dazugehörigen "Augenblicks". Ein süßes Gadget, da es zudem noch im Schreibmaschinenstil geschrieben wurde bis die Szene in der Ich-Perspektive der Protagonistin Evie weiter erzählt wird. Es war wirklich toll. So konnte ich jederzeit nachvollziehen, wie viel Zeit von einem Kapitel zum nächsten vergeht ohne groß darüber nachzudenken. Weiterhin arbeitete die Autorin mit Mail- und Chatverläufen zwischen Evie, ihren Freunden, ihrem Boss oder dem Drehbuchautor Ezra. Es war so gut! Wer kennt nicht die typischen Whats App - Gruppengespräche oder Mails, deren Betreff dann abgewandelt werden. Ich amüsierte mich köstlich, genau mein Humor.

Generell freute ich mich darüber, dass die Autorin eine sehr modernen Touch an den Tag legte. Sei es mit Musik, der Kleidung, creepy Alltagssituationen, Nerdstuff und allem voran Feminismus in seiner Vielseitigkeit. Natürlich vergaß sie dabei nicht, dass die Frau von heute nach wie vor um Anerkennung kämpfen muss. Rachel Winters gibt damit ein großes Statement ab!

Ohne großes Mühen ließ sie dazu noch die Nachstellung magischer Filmmomente aus beliebten, romantischen Komödien einfließen. Ich gebe offen zu, dass ich kein großer Kenner dieser Filme bin, wobei ich eine Situation aus "Notting Hill" klar erkannt habe. Im Endeffekt sollten es sicherlich nicht haargenau die Filmszenen sein, sondern diese "hach, ist das schön" - Momente, die im realen Leben dann doch nicht so einfach geschehen, wie die Protagonistin Evie beweist.

Ach ja, Evie. Ich mochte sie sehr, obwohl ich dem Mädchen manchmal gern gesagt hätte, dass sie viel mehr drauf hat und sich nicht kriechend vor ihrem Boss oder dem Drehbuchautor bewegen muss. Ich bekam an mancher Stelle echt einen Puls, dass sie sich so ausnutzen ließ, ihre eigenen Träume begräbt und ihr Selbstwertgefühl im Keller liegen lässt. Ich meine, sie ist witzig, smart, talentiert und vollends mit dem Herzen bei der Sache. Doch im Verlauf der Handlung entwickelt sie sich, meines Erachtens, in die richtige Richtung. Schließlich lernt man normalerweise aus Fehlern. Ich konnte jedenfalls fast jede einzelne Katastrophe im Plot mit einem lachenden Auge verlassen und das ist doch etwas.

Doch nicht nur Evie macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem. Es sind ihre Freunde, die ihr beistehen, egal was sie verbrochen hat. Und glaubt mir, das ist so Einiges! Selbst mir stockte dahingehend der Atem und ich fragte mich, ob ich das verzeihen würde. Selbst ihre sehr, sehr offenherzige Mitbewohnerin Jane oder ihre neue Bekanntschaft Steph sind so charakteristisch ausgearbeitet, dass ich manchmal nicht wusste: Stecke ich sie in ein Klischee oder nicht? Einfach herrlich.
Ganz im Gegenteil zu Ben und seiner zuckersüßen kleinen Tochter Anett, die mein Herz Stück für Stück, gemeinsam mit Evie, eroberten und an die ich nichts ran kommen lasse. So schwer Evie an Ben herankam, so sehr mochte ich seine ehrliche, zurückhaltende Art. Wenn man dann Ezra sah... Puuh, wie verschieden Männer doch sein können. Der Drehbuchautor besaß mehrere Facetten, die Rachel Winters gekonnt einsetzte, um Twists zu entwerfen, die mich kurzzeitig aus der Bahn warfen.

Ich wusste tatsächlich nicht, wie die Challenge um die magischen Momente ausgehen würde. Es war eine kleine Achterbahnfahrt. Zudem erwartete ich doch ein Happy End mit dem passenden Partner für Evie. Ich meine, was auch sonst? Es stand fast bis zum Schluss ziemlich viel auf der Kippe. Nur ein paar Einzelheiten habe ich mir richtig ausgemalt. Kurz um, das Ende hat mich happy gemacht!

Fazit:

Nicht nur für Liebhaber romantischer Komödien, sondern Liebhaber von Geschichten über Freundschaft, Familie, Liebe und ein Stück weit Feminismus.

  • Cover
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Veröffentlicht am 20.01.2020

Ein Fantasy-Kriminalroman mit meiner absoluten Lieblingsprotagonistin – Jackpot

Das tödliche Wort
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Allgemein:

Die britische Autorin Genevieve Cogman bestreitet mit „Das Tödliche Wort“ bereits den 5. Band um die Reihe der „unsichtbaren Bibliothek“. Der Erfolg spricht für sich, so dass Bastei Lübbe Ende ...

Allgemein:

Die britische Autorin Genevieve Cogman bestreitet mit „Das Tödliche Wort“ bereits den 5. Band um die Reihe der „unsichtbaren Bibliothek“. Der Erfolg spricht für sich, so dass Bastei Lübbe Ende 2019 erneut die Veröffentlichung in Deutschland übernahm. Nachdem sich die Bibliothekarin Irene Winters von ihrem letzten Abenteuer im New York der 20er Jahre erholt hat, geht sie ihrem Job wie gewohnt nach und jagt in diversen Parallelwelten nach Büchern. Bis sie für einen besonderen Auftrag zurück geholt wird. In aller Verschwiegenheit soll es zu einem Friedensabkommen zwischen den ordnungsliebenden Drachen und den chaosorientierten Elfen kommen, die seit Beginn der Zeit im Krieg stehen. Eine Hoffnung, die die unsichtbare Bibliothek als neutraler Vermittler beaufsichtigt. Jedoch geschieht ein Mord an einem ranghöheren Drachen und es liegt an Irene und ihrem ungewöhnlich zusammengestellten Team den Fall aufzuklären. Wird ihr das gelingen?

Mein Bild:

Ich habe wirklich auf diesen 5. Band hingefiebert, schon allein der Titel klang vielversprechend. Tja, und dann hatte ich diesen dicken Schinken von 500 Seiten Paperback in der Hand. Ich kann euch jetzt schon sagen, keine Seite davon ist zu viel! Bastei Lübbe bleibt dem Stil der bisherigen Bände treu, so dass sie nebeneinander im Bücherregal richtig schick aussehen. Dieses Mal erscheint das Cover in einem violetten Ton mit einer Stadtkarte von Paris und Symbolen, die im Buch eine Rolle spielen. Ich mag diese Art des Covers sehr, weil es auffällt ohne aufdringlich zu sein.

Auch dieses Buch wird als unabhängiger Band zur Reihe beworben. Ich gebe dahingehend recht, dass die Storyline zum Mord eines hochrangigen Politikers, hier in Form eines Fabelwesens, sich auch so verstehen lässt. Genevieve Cogman versucht dem Leser / der Leserin den Start in diese Welt einfach zu machen, indem der Prolog in Form eines Briefes des Drachenprinzen und ehemaligen Bibliothekslehrlings Kai an seinen Vater verfasst wurde. Als ein Charakter, der die Protagonistin Irene Winters von Anfang an durch ihre Abenteuer begleitet, gibt er einen kleinen Rückblick auf die Geschehnisse des letzten Bandes und eine Erklärung zu den aktuellen Verhältnis zwischen den einzelnen Hauptcharakteren. Ein gelungener Einstieg, den ich persönlich nicht gebraucht hätte, aber für alle Neulinge der „unsichtbaren Bibliothek“ praktisch.

Allerdings bin ich der Meinung, um mit den Figuren wirklich auf Tuchfüllung gehen zu wollen, sind die Vorkenntnisse aus den anderen Büchern Pflicht. Ich verstehe die Protagonistin Irene viel besser, weil jede Andeutung zu ehemaligen Feinden, ihrer Familiengeschichte oder ihrer Zuneigung zu Kai für ein anderes Abenteuer steht, das sie geprägt hat und wow, die Frau wird in jedem Buch besser. Ich finde ihre Entwicklung spektakulär. Ihre Bildung, ihr Mut und ihre Loyalität wird inzwischen durch offensichtliche Emotionen, Klarheit und Verletzlichkeit ergänzt. Für viel Spaß sorgt dabei die immer wieder vorkommende Selbstironie. Die braucht sie inzwischen auch, denn sie sah sich bisher nicht als Führungspersönlichkeit.

Doch nun wird sie dazu verdonnert über ihren Schatten zu springen und ein Ermittlungsteam anzuführen, um eine Friedenskonferenz zu retten. Ich konnte ihren Argwohn dagegen so gut nachvollziehen, denn unterschiedliche Seiten unter einen Hut zu bringen ohne, dass sie sich an die Gurgel springen, ist eine gnadenlose Aufgabe. Ich liebte trotzdem alle Mitglieder der Gruppe. Ich genoss Detektiv Vales Anwesenheit, der extra aus seinem Parallel-London angereist war. Er ist so ein typischer Gentleman und bringt mit seiner Professionalität den Charme eines berühmten Meisterdetektivs in die Geschichte. Über ihn würde ich sogar einen Einzelband lesen! Doch er ist nicht der einzige Stereotyp. Auch der Elf-Lord Silver brachte mich mit seiner so verführerischen Art zum Schmunzeln, weil er Irene mit seinen Flirtversuchen einfach nur den letzten Nerv raubte. Zur Erklärung: Die Elfen leben für Geschichten, Dramen und stereotypische Rollen und stiften damit Chaos. Lord Silver hat sich der Rolle eines verführerischen Liternisten angenommen und ist das durch und durch – ich finde es amüsant, da er sehr vorhersehbar ist.
Die Drachenseite hingegen liebt Disziplin, Ordnung und Kontrolle. Sie sind ebenso magisch, vor allem in der Beherrschung der Elemente und an chinesischer Kultur orientiert. So ist auch ihr Drachenäußeres zu bestaunen. Damit sie dennoch nicht auffallen, streifen sie als elegante Menschen durch ihre Welten und stellten für Irenes Team die unabhängige Ermittlerin Mu Dan. Ein Kaliber, die vor allem mit Stolz, Wut und eine gewisse Kälte trotzt.

Selbst die Nebenfiguren wurden so genau beschrieben, dass ich sie mir gut vorstellen konnte. Genevieve Cogman ist in ihrem Weltenaufbau so gut, dass jedes Detail zum anderen passt. Außergewöhnliche Kräfte, wie die der Bibliothekare, die mittels der „Sprache“ Dinge beeinflussen können, sie das aber auch sehr viel Kraft kostet. Oder die plausible Aura der Elfen, sodass sich jeder Mensch in das von Elfen gestrickte Drama fallen lassen muss. Dazu tolle Settings in Form von Weltmetropolen wie hier Paris, aber zu einer anderen Zeit mit anderer Technik als historisch beliefert. Die Autorin nimmt sich die Freiheit heraus, dass Parallelwelten anders sein können und hat ein Händchen dafür, dass es glaubwürdig wirkt.

Ich liebe zudem ihre Wortgewandtheit durch die personale Perspektive von Irene Winters. Es hat Niveau, klingt gebildet, aber nicht altklug und es gibt unzählige, fast schon poetische Zitate, die Gegebenheiten oder Figuren so treffend beschreiben, dass ich einfach nur Spaß beim Lesen hatte. Mir gefällt auch, dass Wörter vorkommen, die ich so selten lese oder noch nie gehört habe, weil sie beispielsweise zur Zeit des Settings bzw. zu einem klassischen Kriminalroman passen. Apopo, der Plot kostete mich so manche Gänsehaut und Spannungsmomente. Es wurde absolut nie langweilig, Selbst seitenlange Verhöre von Zeugen waren sehr abwechslungsreich, dass sicherlich an der Außergewöhnlichkeit der Personen lag. Es gibt Twists mit denen ich nicht rechnete, auch immer schön am Kapitelende, damit ich ja weiterlese und zahlreiche Actionszenen, die mich auf eisglatte Straßen oder in dunkle Kellerräume führte. Zudem erfüllte die Autorin mir mit der ein oder anderen Nebenhandlung, besonders der zwischen Kai und Irene, eine Gefälligkeit, die bereits überfällig war. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch, egal wann es erscheint.

Fazit:

Klassischer Kriminalroman meets Fantasy. Actiongeladen, aber niveauvoll, ein Leserausch, der sich sehen lassen kann. Nicht nur für Fans der Reihe!

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