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Veröffentlicht am 03.01.2021

ein Roman über die tragische Geschichte Estlands im 2. Weltkrieg

Die Zeit der Birken
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Mit ihrem neuesten Roman entführt die Autorin Christine Kabus wieder in nördliche Gefilde, wagt sich aber diesmal mit ihrer Geschichte weiter östlich ins Baltikum.
Auch in "Die Zeit der Birken" taucht ...

Mit ihrem neuesten Roman entführt die Autorin Christine Kabus wieder in nördliche Gefilde, wagt sich aber diesmal mit ihrer Geschichte weiter östlich ins Baltikum.
Auch in "Die Zeit der Birken" taucht der Leser in eine Familiengeschichte ein und erlebt die Auswirkungen bzw. Konflikte vergangener Generationen authentisch und mitreißend.
Nach zahlreichen Norwegenromanen im BasteiLübbeVerlag wandelt Christine Kabus seit 2019 im AufbauVerlag auf den Spuren Estlands und hat mich dabei mit ihrem bewegenden und gut recherchierten Buch der Geschichte wieder etwas nähergebracht.

Sehr faszinierend fand ich die Wahl des Handlungsortes, der mit Estland bzw. dessen Insel Hiiumaa für mich sehr ungewöhnlich und spannend war.
Tatsächlich habe ich bisher noch kein Buch gelesen, in dem dieses kleine europäische Baltenland eine tragende Rolle eingenommen hat.
Aufbauend auf einer Familiensaga, die eine Zeitspanne von mehr als 50 Jahre umfasst, gelingt es der Autorin im Leser die Sehnsucht für Estland und seine teilweise tragische Geschichte zu wecken.

Anhand ihrer Hauptfigur Charlotte von Lilienfeld, eine junge Deutsch-Baltin, lernt man das Leben in der damals unabhängigen Republik kennen.
Im Jahre 1938, kurz vor Ausbrauch des 2. Weltkrieges in Europa, leben sehr viele deutschstämmige Bürger in Estland, vor allem in der Oberschicht.
Beeindruckend schildert die Autorin dabei die Widrigkeiten im alltäglichen Leben zwischen den Einheimischen und den in ihren Kreisen bleibenden "Deutsch-Esten".
Auch viele historische Ereignisse, wie z.B. den Hitler-Stalin-Pakt oder die Umsiedlung der Deutsch-Balten werden neben der Hauptgeschichte aufgegriffen und thematisiert.
Diese Verwebung von realen Fakten und fiktiven Charakteren ist super gelungen und man hat das Gefühl nicht nur gut unterhalten worden zu sein, sondern auch noch etwas gelernt zu haben.
Denn auch in der 2. Zeitebene, die 1977 weitere Familiencharaktere in den Mittelpunkt rückt, greift Christine Kabus gekonnt wichtige politische Eckpunkte auf und hat mich außerhalb des Buches zu weiteren Nachforschungen angeregt.
Dabei überzeugt, wie in ihren anderen Romanen auch, der angenehme Schreibstil, der sich flüssig und zügig lesen lässt.
Und natürlich auch die gewählten Figuren, die Einem schnell ans Herz wachsen, mit denen man mitfiebert und leidet, aber auch hofft und auf Spurensuche geht, um verborgene und vergessene Zeiten wieder aufleben zu lassen und sich zu erinnern.

Fazit
Ein bewegender Roman über Estland; zum Spielball der Kriegsmächte im 2. Weltkrieg degradiert, zwischen Unabhängigkeit, Vaterlandstolz, seinen Wurzeln & Traditionen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.11.2020

ein Buch zum Erinnern & Zurückblicken, zum Verstehen & Begreifen deutscher Geschichte

Wunderjahre
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Nach 7 Monaten entführt uns Izabelle Jardin wieder zurück in die bewegende Geschichte Deutschlands und überzeugt auch mit ihrem 2. Band "Wunderjahre - Was wir wurden" der Warthenberg-Saga.

Im 2. Teil ...

Nach 7 Monaten entführt uns Izabelle Jardin wieder zurück in die bewegende Geschichte Deutschlands und überzeugt auch mit ihrem 2. Band "Wunderjahre - Was wir wurden" der Warthenberg-Saga.

Im 2. Teil der Trilogie begleitet der Leser nun Eva, die Tochter von Constanze & Clemens, welche im 1. Band der Reihe die Hauptprotagonisten darstellten.
Nahtlos schliesst dabei "Wunderjahre" an die Handlungen des Buches "Libellenjahre" an und löst den großen Cliffhanger an dessem Ende auf.
Für Eva und ihre Mutter ergeben sich daraus Lebenswendungen, die im ersten Band der Familiensaga nicht absehbar waren und würfeln damit allerhand durcheinander.
Vorallem für Eva platzen damit Träume und in dem immer mehr greifbaren Kaltem Krieg zwischen den Siegermächten des 2. Weltkrieges kristallisiert sich für die nun mittlerweile junge Frau heraus, dass sie ihre Zukunft und Freiheit nicht in der DDR sieht.
Während einer Familienzusammenkunft beschliesst sie daher 1954 nicht mit ihrer Mutter & ihrem Vater zurück nach Ostberlin zu reisen, sondern in Braunschweig ein neues Leben anzufangen und endlich ihren Traum vom Lehreamtsstudium zu verwirklichen.
Zufriedene Monate beginnen für Eva Rosanowski, in denen sie nicht nur mit Jan einen bodenständigen Partner gefunden, sondern auch neue Freunde kennengelernt und sogar mit dem Fliegen angefangen hat.
Doch eine erneute Wendung des Schicksals wirft alle Lebensträume von Eva abermals durcheinander, bringt Verluste, aber auch neue Perspektiven und alles nur: "Weil in der schönen neuen Ordnung einer unordentlich gewesen war." (Buchzitat aus "Wunderjahre" Seite 191. PS: ich liebe diesen Satz! ♥)

Ich habe auch diesen Band der Reihe geliebt und bin im Gegensatz zu dem 1. Teil sehr gut in die Geschichte gestartet und hatte diesmal keine Anlaufschwierigkeiten.
Izabelle Jardin schafft es wieder eine Zeit widerzuspiegeln, in denen die Menschen neben Aufschwung und Nachwirkungen des 2. Weltkrieges auch mit der Umstruktierung und Neugründung eines 2. deutschen Staates zu kämpfen hatten.
Sind anfangs die Auswirkungen & Unterschiede noch gering, merkt auch der Leser im Fortlaufen der Geschichte und des Buches das Grenzen & Mauern nicht nur im Kopf entstanden sind, sondern wahrhaftig materiell im Jahre 1961 gezogen wurden.
Gleichzeitig legt die Autorin damit den Grundstein für den 3. Band der Warthenberg-Saga, der voraussichtlich im Sommer 2021 erscheinen wird.
Für mich ist die Autorin mit dieser Reihe die deutsche Antwort zu Ken Folletts Jahrhundert-Trilogie!

Fazit
Abermals ein mitreißender & authentisch erzählter Nachkriegsroman, der die deutsch-deutsche Geschichte und den Beginn zweier deutscher Staaten thematisiert. Ein Buch zum Erinnern & Zurückblicken, zum Verstehen & Begreifen; pures Erleben von Geschichte der Jahre 1949-1961.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.11.2020

gute Grundidee mit spannendem Hauptteil & wichtiger Botschaft

Milo und das Geheimnis von Polyrica
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Wer möchte nicht gerne einmal in die Bücherwelt eintauchen & die Geschichten seiner Lieblingscharaktere hautnah miterleben oder seine Idole & Helden kennenlernen?
Ich habe schon zahlreiche Romane gelesen, ...

Wer möchte nicht gerne einmal in die Bücherwelt eintauchen & die Geschichten seiner Lieblingscharaktere hautnah miterleben oder seine Idole & Helden kennenlernen?
Ich habe schon zahlreiche Romane gelesen, in denen es um Sprünge in Geschichten & Büchern ging oder Lesen & die Buchwelt mit ihren Werken eine große Rolle gespielt haben.
Die Einen haben mir sehr gut gefallen, Andere konnten mich nicht ganz überzeugen.
Dennoch bin ich immer wieder auf der Suche nach DEM Buch, welches mich zwischen die Zeilen entführt & mich mein Lesehobby auf seine eigene und ganz besondere Art und Weise erleben lässt. ♥

So bin ich auch auf Nicolas Muellers Erstlingswerk "Milo und das Geheimnis von Polyrica" gestoßen.
Das Cover sieht traumhaft aus und lässt das Herz eines Bücherfreundes höher schlagen.
Der Klappentext verspricht ein Abenteuer, welches sich im Lieblingsbuch von Milo, der Hauptperson in der Geschichte, abspielt.

Das Besondere an dem Buch von Nicolas Mueller ist, dass sich in der Geschichte eine weitere Geschichte verbirgt.
Leider war dies in meinen Augen auch der Schwachpunkt, denn um an das tolle & mitreißende Abenteuer zu gelangen, welches Milo in Polyrica und Coholmia erlebt, musste ich mich erst durch die Kapitel drumherum kämpfen.
Die Ausgangsgeschichte startet in der Realität und neben holprigen, unrunden Sätzen hatte ich so meine Schwierigkeiten mit dem Schreibstil und der Personenbeschreibung von Milo.
Aus dem Textfluss heraus und der Art und Weise der Handlungen, der Redens- und Denkweise des Jungen hatte ich immer einen 8- bis 10-Jährigen vor Augen und keinen Teenager von 13.
Das hat mein Kopfkino leider immer wieder durcheinander gebracht, was sich letztendlich auch in meinem Lesetempo zeigte.
Es war halt irgendwie unrund und fügte sich nicht so recht zusammen.

Die Geschichte in Coholmia widerum hat mir gut gefallen, Milo hatte die Chance über sich hinaus zu wachsen und sich von einer anderen Seite zu zeigen, da die Jugendlichen aus seiner Zunft ihn vorbehaltlos kennenlernen konnten.
Was ihm in der Realität zum Verhängnis geworden ist und zu Mobbing, Schikane und Ausgrenzung geführt hat, war in dieser Fantasiewelt von Vorteil und hat ihm sogar zu Anerkennung und Ruhm verholfen.
Im Großen und Ganzem wirkte dieser Teil der Geschichte stimmiger, als wenn der erste Teil des Buches vom Autor schon vor längerer Zeit niedergeschrieben und später dann durch den Teil um Polyrica ergänzt wurde.

Die Überleitung in die Ursprungsgeschichte fand ich gut und die Botschaft sich seinen Ängsten zu stellen und für sich und seine Vorstellungen & Wünsche einzustehen, hat der Autor gut herübergebracht.
Insgesamt hat mich die Geschichte trotz der Kritikpunkte gut unterhalten.

Fazit
Eine gute Grundidee mit holprigen ersten Kapiteln, spannendem Hauptteil und wichtigem Resümee & Botschaft auf den letzten Seiten.
Ein empfehlenswertes Kinderfantasybuch trotz unausgeschöpftem Potenzial und teilweise unrunder Charaktere.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2020

erstmals als Hörbuch erschienen - Hörgenuss für Groß und Klein

Guinness World Records 2021
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Wer kennt sie nicht, die bunten Jahresbücher mit interessanten, aber auch skurillen Rekorden aus aller Welt?
Mich selbst hat dieses tolle Nachschlagewerk in meiner Kindheit begleitet und auch heute leihe ...

Wer kennt sie nicht, die bunten Jahresbücher mit interessanten, aber auch skurillen Rekorden aus aller Welt?
Mich selbst hat dieses tolle Nachschlagewerk in meiner Kindheit begleitet und auch heute leihe ich mir gerne eines der "Guinness World Records"-Bücher aus der Bibliothek aus.

Tatsächlich erschien das 1. Buch schon 1955 und wurde von der Guinness-Brauerei in Auftrag gegeben, weil der Gründer Sir Hugh Beaver kein Nachschlagewerk fand, in dem niedergeschrieben war, welches das schnellste Federwild in Europa sei. (Quelle: www.wikipedia.de)
So kam ihm die Idee allerhand Rekorde in verschiedenen Kategorien zusammenzutragen & zu veröffentlichen.
Seitdem erscheint das Nachschlagewerk jährlich.
Erstmalig können sich vor allem die jungen Wissbegierigen unter uns auch das beliebte Nachschlagewerk anhören.
Denn mit dem "Guinness World Records 2021" veröffentlicht Igel Records das Lexikon zum 1. Mal auch als Audio-CD und Hörbuch.

Das Werk ist dabei auf 4 CDs aufgeteilt und umfasst neben interessanten Fakten für die jungen Hörer auch kleine Mitmachaktionen, um sich selbst im Rekorderstellen zu versuchen.
Die beiden Sprecherstimmen von Cathlen Gawlich und Arndt Schmöle, die durch das Hörprogramm führen, sind sehr angenehm und mitreißend.
Kleine, sehr passende Soundsequenzen unterstreichen die einzelnen Hörkapitel perfekt und laden zum Weiterhören ein.
Dabei sind die einzelnen Rekorde kurz und knackig gehalten, so dass keine Langeweile aufkommt.
Die Umsetzung als Hörversion ist in meinen Augen perfekt gelungen & lädt Groß und Klein zum wiederholten Anhören des Kultnachschlagewerkes ein.

Fazit
Tolle & mitreißende Umsetzung des bekannten Rekordbuches, welches sich ideal zum Verschenken eignet.
Der Titel zum Dauerbrenner in deutschen Kinderzimmern dürfte damit gelungen sein.

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2020

Eine bewegende Erinnerung an die Zeit nach dem Abwurf der Atombombe von Hiroshima.

Der letzte Papierkranich - Eine Geschichte aus Hiroshima
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Der Arctis Verlag überrascht mich immer wieder mit Büchern, die sowohl sehr emotional sind, als auch sehr sensible Themen ansprechen.
Besonders die Geschichten, die sich mit geschichtlichen Ereignissen ...

Der Arctis Verlag überrascht mich immer wieder mit Büchern, die sowohl sehr emotional sind, als auch sehr sensible Themen ansprechen.
Besonders die Geschichten, die sich mit geschichtlichen Ereignissen beschäftigen und diese aus einem anderen Blickwinkel betrachten, haben es mir angetan.

"Der letzte Papierkranich" von Kerry Drewery erzählt die Geschichte der Freunde Hiro und Ichiro, die in Hiroshima in Japan leben.
Es ist der 06. August 1945 kurz vor 8:16 Uhr als ein weißes Licht die Welt um Hiro und Ichiro in gleißende Helligkeit taucht.

Und die Welt für einen kurzen Moment stehen bleibt.

Und danach ist nichts mehr, wie es einmal war.
Hiroshima ist im Umkreis von 2km um den Detonationspunkt der Atombombe ausgelöscht; nur vereinzelt stechen Skelette von Betonbauten aus der Schuttwüste empor.
Wo einst Menschen saßen, erinnern nur noch Schatten an ihr Leben. Ausgelöscht von Strahlung und Hitze.
Auf die, die überlebt haben, wartet ein jahrelanger Kampf gegen die Folgen der atomaren Verstrahlung und auch noch heute, nach über 75 Jahren!, sind diese Spätfolgen z.B. in den Krebsstatistiken nachvollziehbar.

Kerry Drewery hat diesen Teil der Geschichte, der nach meinem Gefühl in Europa nicht ganz so präsent ist, mit sehr viel Sensibilität und Klarheit herübergebracht.
Das Buch weist dabei unterschiedliche Stilformen auf und ist in Prosa und Versen geschrieben.
Die japanische Illustratorin Natsko Seki lockert zusätzlich mit ihren Zeichnungen die gewichtigen, mitreißenden und sehr gefühlsträchtigen Texte auf und gibt gleichzeitig dem Grauen eine optische Stimme.

Wie ein roter Faden zieht sich der Buchtitel "Der letzte Papierkranich" durch die Geschichte.
Und während der Leser noch grübelnd über die Grausamkeit vergangener Tage nachdenkt & zweifelsohne auch über die Dummheit der Menschen, kann er sich selbst an einem Papierkranich versuchen.
Die Anleitung am Ende des Buches bringt bei entsprechender Fingerfertigkeit einen traditionellen Papierkranich zum Vorschein, der in Japan zum Symbol der internationalen Friedensbewegung und dem Widerstand gegen den Atomkrieg geworden ist.

Fazit
Eine bewegende Erinnerung & ein Mahnmal an die Zeit nach dem Abwurf der Atombombe von Hiroshima.
Eine von vielen Geschichten und Ereignissen, die NIE in Vergessenheit geraten darf!

  • Cover
  • Erzählstil
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