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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2020

Es gibt nur eine Wahrheit

Wir sind die Wahrheit
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„Auch wenn es nicht so aussieht, ich befinde mich hierin einem Kriegsgebiet. Dieser Krieg wird nicht mit Gewehren und Kanonen geführt, sondern mit der Geburtenrate. Manchmal sind Menschlichkeit und Nächstenliebe ...

„Auch wenn es nicht so aussieht, ich befinde mich hierin einem Kriegsgebiet. Dieser Krieg wird nicht mit Gewehren und Kanonen geführt, sondern mit der Geburtenrate. Manchmal sind Menschlichkeit und Nächstenliebe auch ein Verbrechen.“ S.190

Leah ist schockiert! Ihr Bruder Noah wurde brutal zusammengeschlagen und liegt seit dem im Koma. Die Tat wurde durch Flüchtlinge verübt. So zeigt es zumindest ein Video, das dies Verbrechen zeigt und anonym auftaucht. Von der gleichen Quelle erhält Leah auch weitere Videos zugespielt. Denn Noah hat einen Vlog geführt und sie erlebt im Nachhinein quasi live mit, wie Noah sich auf die andere, Rechte Seite geschlagen hat. Leah beginnt zu recherchieren und stößt dabei auf Alexander und seine Freunde. Ihre neuen „Freunde“ haben einen Debattierclub und so manche fragwürdige Ansichten, sind aber auch unheimlich charakteristisch und einvernehmend.

Die Charaktere wurden sehr gut getroffen. Noah lernt man über die per Snapchat zugesandten Video-Schnipsel kennen. Alexander und seine Gang sind total normal. Zumindest auf den ersten Blick. Dem Autoren ist es besonders gut gelungen diese Personen und ihr Verhalten zu beschreiben. Sehr realitätsnah und damit erschreckend. Und Leah - aus ihrer Sicht werden die Ereignisse geschildert.

Das Buch ist vom Schreibstil ein typisches Jugendbuch. Die Sätze sind eher kurz und die Wortwahl eher einfach gehalten. Das Buch ist politisch, aber Jugendgerecht und modern umgesetzt. Das zeigen die Vlog-Beiträge oder WhatsApp-Nachrichten. Auch der Plot ist weitgehend logisch.

Fazit:
„Die Angst davor, dass ich mich schuldig mache, weil ich die Bedrohung ignoriere, genau wie all die Warnungen, und das nur aus moralischer Verblendung und Wunschdenken. Wir müssen unsere Feinde kennen, heißt es in den Büchern, und manchmal sind unsere Feinde gut getarnt.“ S. 193

Das gilt für „Rechts“ genau wie für Corona! Das Buch eignet sich gut als Lektüre für Schulen mit anschliessender Diskussion z.B. Politikunterricht. Von mir eine klare Kaufempfehlung (zur Zeit online! Stay at Home!)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2020

Danke!

Dankbarkeiten
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„Alt werden heißt verlieren. Heißt jede oder fast jede Woche ein weiteres Defizit, eine weitere Beeinträchtigung, einen weiteren Schaden verkraften müssen. So habe ich es vor Augen. Und auf der Einnahmenseite ...

„Alt werden heißt verlieren. Heißt jede oder fast jede Woche ein weiteres Defizit, eine weitere Beeinträchtigung, einen weiteren Schaden verkraften müssen. So habe ich es vor Augen. Und auf der Einnahmenseite steht gar nichts mehr.“ (S. 123)

Nach einem erfüllten und selbstständigen Leben machen Michka die Tücken des Alters zu schaffen, so dass sie nicht mehr alleine in ihrer Wohnung leben kann. Und so zieht sie in ein Seniorenheim um, bei dem sie gut versorgt wird. Sie möchte aber gerne noch eine Sache erledigt wissen, bevor sie das zeitliche segnet. In ihrer Kindheit hat sie große Hilfe von einem Ehepaar erhalten, dem sie heute, einige Jahrzehnte später gerne danken möchte. Und so läßt sie Marie eine Anzeige schalten. Doch diese unerledigte Angelegenheit ist nicht das schwierigste, denn Michka verliert etwas: sich selbst und ihre Wörter...
Das Buch ist feinfühlig und hat mich tief berührt. Wer im Familienkreis selbst schon liebe Menschen altern gesehen hat, mit allen Facetten, der wird das ein oder andere Mal mit den Gedanken zur eigenen Familie bzw. Freundeskreis abschweifen. Das ist aber auch kein Problem, da die Kapitel meist ein paar Tage oder Wochen springen und nicht allzu lang sind. Erzählt wird dabei aus der Sicht von Marie, einer Freundin, und des Logopäden Jerome, der Michka im Seniorenheim mit betreut und über die ein oder andere Verstimmung hinweghilft.
Dieser Schreibstil, etwas an einen Tagebucheintrag erinnernd, war auch der Grund warum ich „nur“ vier Sterne vergeben habe. Für mich geht da zum Teil das gefühlvolle etwas flöten, weil es dadurch nicht fliesst, sondern etwas abgehackt in der Handlung. Auch Jerome hätte einen deutlich größeren Part vertragen können. Er hatte gute Ansätze, die aber nicht weiter verfolgt wurden. Das fand ich sehr schade. Es hätte das Buch meines Erachtens nach aufgewertet.
Fazit:
Ein Herzensbuch, das einem Mal wieder vor Augen führt, was wirklich wichtig ist im Leben und dazu verleitet, mal wieder „Danke“ zu sagen. Auch oder gerade in Zeiten des Corona-Virus. Danke für dieses schöne Buch!

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2020

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Lea
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Laut Buchrücken geht es in „Lea“ um Mobbing, Intrigen und Erpressung“. Das ist soweit richtig. Auch eine Liebesgeschichte wurde integriert. Soweit, so gut. Aber das Buch ist leider weder Fisch noch Fleisch. ...

Laut Buchrücken geht es in „Lea“ um Mobbing, Intrigen und Erpressung“. Das ist soweit richtig. Auch eine Liebesgeschichte wurde integriert. Soweit, so gut. Aber das Buch ist leider weder Fisch noch Fleisch. Es versucht ein Roman/ Krimi zu sein, wechselt aber immer wieder von einer romanhaften Schreibweise in den Schreibstil eines Sachbuches, da es gleichzeitig auch Hilfestellung gegen Mobbing sein soll und somit sind z.B. juristische Infos mit eingeschlossen. Das kann funktionieren, wenn es so geschickt gemacht wird, dass das Buch trotzdem ein Roman bleibt. Hier ist es leider nicht gelungen und ergibt damit eine komische Mischung aus Roman/Krimi mit Sachbuch.
Auch der Plot konnte mich nicht wirklich überzeugen. Sowohl der Plot als auch die Charaktere blieben flach und konnten mich nicht fesseln. Versteht mich nicht falsch - es war jetzt nicht total schlecht. Aber ich konnte jederzeit aufhören mit dem lesen, selbst mitten im Satz und es hat mich nicht gestört.
Fazit:
Das Buch und sein Plot ist ok und bevor ihr mir die nächsten Börsenkurse oder das Pamphlet vom Finanzamt mit den Hinweisen zur Steuererklärung hinlegt lese ich definitiv lieber „Lea“. Aber für eine wirkliche Empfehlung ist es mir persönlich zu langweilig und so ein Zwischending zwischen Roman und Sachbuch. Und wenn ich einen Roman lesen möchte….dann ist das hier Themenverfehlung. Sorry an den Autor, der es bestimmt gut gemeint hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2020

Das Buch polarisiert

Milchmann
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Bei Rezensionen stelle ich mir persönlich immer die Frage, ob es mir Spaß gemacht hat, das Buch zu lesen und ggf. warum bzw. warum nicht. So komme ich zu meinen „Sterne-Kategorien“. Für dieses Buch kann ...

Bei Rezensionen stelle ich mir persönlich immer die Frage, ob es mir Spaß gemacht hat, das Buch zu lesen und ggf. warum bzw. warum nicht. So komme ich zu meinen „Sterne-Kategorien“. Für dieses Buch kann ich leider nicht mehr als zwei Sterne vergeben, denn Spaß gemacht zu lesen, hat es mir nicht wirklich.
Das Buch hat eine sehr düstere, deprimierende Atmosphäre, die in der Zeit des Nordirland-Konflikts in den 1970-er Jahren durchaus gegeben war. Das macht die Story authentisch und nachvollziehbar. Die Erzählerin schildert das politische und gesellschaftliche Leben und ihre Treffen mit Milchmann, einem deutlich älteren Mann, der ihr Avanchen macht, die eher einem Stalker gleichkommen. Die Art und Weise wie das Geschehen beschrieben wird ist schon etwas speziell. Es kommen zum Beispiel keine Namen vor. Die Erzählerin hat keine, ihre Brüder nicht, die Mutter ist namenlos…. Es heißt dann immer „Bruder Nummer zwei“ oder „der zweite Bruder“. Das mag literarisch herausragend sein macht es aber sehr anstrengend zu lesen. Außerdem geht es nicht voran in der Geschichte. Ich hatte immer das Gefühl ein bisschen auf der Stelle zu treten. Auch das Ende des Buches war nicht meins. Es gibt dann an einem bestimmten Punkt eine Wendung, die man allenfalls erahnen konnte und die dann relativ schnell abgehandelt wurde.
Versteht mich bitte nicht falsch: das Buch ist nicht schlecht, benötigt aber den richtigen Leser, der auf diese Art von Buch steht. Es beinhaltet viele schlaue Gedanken und Sprüche, die ich mir angemarkert habe, aber als Story/Plot in Kombination mit dem Schreibstil ist es nicht mein Buch.
Fazit:
Mir persönlich ging der Schreibstil irgendwann auf den Keks, weil es auch nicht vorwärts ging. Es fehlte an Spannung, wenn auch die Darstellung der damaligen Atmosphäre gut gelungen ist. Für eine Empfehlung von mir reicht es leider nicht. Da es aber auch polarisiert lest mal rein und überlegt für euch, ob ihr 450 Seiten über die aufgeschlagene Situation lesen möchtet oder ob euch das irgendwann langweilen würde. Und dann trefft ihr einfach selbst die Entscheidung für euch….

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Veröffentlicht am 07.03.2020

Interessantes Geschäftsmodell

Die Präparatorin
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Erinnerungen, Geheimnisse und jede Menge Leichen. Felicitas Booth „erbt“ nach dem Tod ihrer Mutter eine Kiste mit Erinnerungen an ihren Vater. Der war, wie Feli auch, ein angesehener Tierpräparator, der ...

Erinnerungen, Geheimnisse und jede Menge Leichen. Felicitas Booth „erbt“ nach dem Tod ihrer Mutter eine Kiste mit Erinnerungen an ihren Vater. Der war, wie Feli auch, ein angesehener Tierpräparator, der auch die ein oder andere Jagdgesellschaft vor Ort unterstützt hat. Bis er eines Tages ermordet wurde. Feli, damals noch sehr jung, hat über die Jahre die Erinnerungen an dieses Ereignis verdrängt. Doch der Kistenfund löst Blockaden und stellt ihr Leben auf den Kopf.
Felicitas ist eine sehr zurückgezogene Person, die, wenn sie keinen Bock darauf hat, auch ihre Mitmenschen vor der Tür stehen lässt. Soziale Kontakte sind nicht so ihr Ding. Sie ist lieber mit ihren Exponaten allein. Doch die Entwicklungen und ihre Neugier nötigen sie dazu mit Menschen in Kontakt zu treten. Dabei fällt es ihr schwer zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Da musste ich ab und zu den Kopf schütteln. Ich fand das jetzt doch relativ vorhersehbar.
Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig zu lesen. Das erste Kapitel fand ich unrund und irgendwie staksig, aber das hat sich beim nächsten Kapitel komplett gelegt. So manches Mal musste ich auch inne halten, wenn ihre Tätigkeit näher beschrieben wurde. Es war nicht blutig oder irgendwie anders ekelig. Aber die Vorstellung meinen toten Hund ausstopfen zu lassen und mir diesen dann ins Wohnzimmer zu stellen …..ich mag doch lieber lebende Tiere. Auch die Vorstellung extra nach Afrika zu reisen, um Tiere zu töten finde ich abstoßend. Weder in Afrika noch sonst wo sollten Tiere „zum Spaß“ anderer (Menschen) getötet werden.
Fazit:
In Zeiten von Corona und so anderen komischen Leuten, die hier und da rumlaufen, kann man entspannt und sicher vom Sofa aus eine Reise tätigen und sich gut unterhalten lassen. Das Buch ist spannend, logisch und überrascht an manchen Stellen. Investiert lieber in Bücher wie dieses, als in Patronen oder tote Tiere. Ich werde den Autoren auf jeden Fall im Auge behalten.

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