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Veröffentlicht am 24.10.2018

EIN KINDERBUCH AUCH FÜR ERWACHSENE

Als Larson das Glück wiederfand
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Der Verlag arsEdition hat mir ein ganz besonderes Rezensionsexemplar zukommen lassen. Das Buch "Als Larson das Glück wiederfand" fällt durch seine Düsternis und seine vielen Details in den Illustrationen ...

Der Verlag arsEdition hat mir ein ganz besonderes Rezensionsexemplar zukommen lassen. Das Buch "Als Larson das Glück wiederfand" fällt durch seine Düsternis und seine vielen Details in den Illustrationen auf und hat eine wundervolle Botschaft.

Autor und Illustratorin

Martin Widmark ist ein schwedischer Kinderbuchautor. Vor seiner schriftstellerischen Karriere arbeitete er als Lehrer in einer Mittelschule und als Schwedischlehrer für Immigranten. Er erhielt bereits elfmal in Folge den Children’s Own Award. Seine Bücher sind Bestseller und wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Außerdem verfasste er einige Lehrbücher.
Emilia Dziubaks studierte an der Posener Akademie der Schönen Künste in Polen. 2011 erschien ihr Kochbuch für Kinder A Treat for a Picky Eater. Emilia Dziubaks illustrierte bereits für Zeitschriften, sowie die Bücher "I Don’t Want to Be a Princess" und "The Classics for Children". 2014 erhielt sie den Warschauer Literaturpreis für ihr Buch "Please Give Me a Hug".

Inhalt

Der alte Mann Larson lebt wie ein Einsiedler in seinem großen Haus, nachdem seine Frau vor einiger Zeit verstorben ist. Eines Tages steht der Nachbarsjunge vor seiner Tür und bittet ihn, sich um den Samen in seinem Blumentopf zu kümmern, solange der Junge im Urlaub ist. Zunächst ist er alles andere als begeistert, doch schon ist der Junge verschwunden und ihm bleibt keine andere Wahl, als sich um die bald sprießende Pflanze zu kümmern. Weil er sich sorgt, die Pflanze könnte zu wenig Licht bekommen, putzt er seine Fenster nach vielen Jahren endlich wieder und nach und nach bringt er sein Heim wieder in Ordnung. Während Larson sich um die ihm anvertraute Pflanze kümmert, findet er das Glück wieder und gewinnt dazu noch neue Freunde in seinen Nachbarn.

Kritik und Fazit

Die Illustrationen dieses Buches sind einfach wunderschön, sie fangen die Lethargie Larsons so gut ein und sind mit viel Phantasie gestaltet. Zwar sind die Bilder recht düster gehalten und hin und wieder zu abstrakt für Kinder (wenn Larson beispielsweise im Blumentopf zu schlafen scheint), aber dennoch versprühen sie einen gewissen Zauber, der beim Lesen des Textes noch verstärkt wird und den Leser sowie den Zuhörer in seinen Bann zieht.

Meine Kinder mochten die Geschichte, allerdings bezweifel ich, dass sie die volle Tragweite dieser bezaubernden Geschichte schon verstehen konnten. Die Bilder haben besonders meinen drei-jährigen Sohn so fasziniert, dass er tagelang immer wieder zu diesem Buch griff.
Der generationsübergreifende Aspekt dieser Geschichte ist eine schöne Idee, denn jeder kann im Alter einsam werden und auch junge Menschen können daran etwas ändern, sich kümmern und darin Freude finden. Manchmal braucht es nur etwas winzig kleines, wie ein Samenkorn, um den Sinn des Lebens und die Freude daran wiederzufinden.

Veröffentlicht am 01.10.2018

Eine Geschichte erzählt aus Sicht des Kindes und des Ponys

Bulli & Lina (Band 2) - Ein Pony lernt reiten
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"Bulli und Lina" sind ein ganz besonderes Paar. Während das Pony Bulli sich aussucht, wem es sein Herz schenkt, mag das Mädchen Lina Pferde oder Ponys eigentlich gar nicht leiden. Doch die beiden finden ...

"Bulli und Lina" sind ein ganz besonderes Paar. Während das Pony Bulli sich aussucht, wem es sein Herz schenkt, mag das Mädchen Lina Pferde oder Ponys eigentlich gar nicht leiden. Doch die beiden finden sich und werden ein super Team. Den zweiten Teil der Reihe habe ich mir näher angesehen.

Frauke Scheunemann (geboren 1969) ist eigentlich promovierte Juristin. Die orientierte sich allerdings um und arbeitete nach einem Volontariat beim NDR als Journalistin und Pressesprecherin. Nun ist sie in Hamburg als freie Autorin tätig und durch ihre Romane um den Kater Winston bekannt.
Antje Szillat (gebürtige Hannoveranerin) wollte von klein auf Schriftstellerin werden und schreibt inzwischen Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder, vier Pferde und zwei Hunde.

Während sich Bulli und Lina im ersten Teil der Reihe erst kennengelernt haben, sind die beiden im zweiten Teil schon ein eigespieltes Team. Bulli ist ein ehemaliges Turnierpony und würde gerne wieder an Turnieren teilnehmen. Doch Lina kann nicht reiten. Dennoch lässt sie sich von den Zwillingen herausfordern und sagt zu, am bald anstehenden Turnier teilzunehmen. Also müssen sowohl Pony Bulli, als auch Freund Luca Lina das Reiten beispringen. Doch auf diesem Weg stellen sich ihnen einige Hindernisse. Werden Bulli und Lina das Turnier gewinnen?

Die schwarz-weißen Illustrationen sind eher reduziert gehalten, fangen die Handlung aber im Großen und Ganzen passend und humorvoll ein. Allerdings wurde meine Tochter gleich zu Beginn auf ein nicht passendes Bild aufmerksam. Da war Lucas Pferd Antara gerade davon gestürmt, doch auf der nächsten Seite zeigt die Illustration Lukas auf dem Rücken seiner Antara.
Die ersten beiden Kapitel bieten einen wunderbaren Rückblick auf den ersten Band, sodass es für uns kein Problem darstellte, den ersten Teil der Reihe nicht gelesen zu haben.
Die Erzählung wird abwechselnd aus Linas und Bullis Sicht geschildert. Das ist eine erfrischende Sache, jedoch fiel es uns zu Beginn schwer, zu entscheiden, wer nun gerade spricht. Hier wäre eine Hilfe in Form von unterschiedlichen Schrifttypen oder Schriftfarben schön gewesen. Gerade junge Leser könnten diese Hilfestellung gut gebrauchen.
Natürlich gibt es auch in dieser Buchreihe einen Widersacher, hier sogar zwei in Form der Zwillingsmädchen, die Lina ständig ärgern oder schlecht über sie reden.

"Bulli und Lina" las sich recht schnell und es ist auch zum Vorlesen für jüngere Kinder als der empfohlenen Altersklasse von 8 Jahren geeignet. Allerdings hält sich die Spannung eher in Grenzen. Die Geschichte strotzt eher vor Trubel und unvorhersehbaren Ereignissen als vor Spannung. Der Untertitel passt meines Erachtens leider nicht zur Handlung, denn nicht das Pony Bulli muss reiten lernen, sondern Lina. Der Untertitel erschloss sich mir also nicht.
Wer eine seichte Geschichte vor dem Schlafengehen sucht, wird hier fündig. Viel Spannung und eine tiefgängige Handlung sollte man aber nicht erwarten.

Veröffentlicht am 01.10.2018

Über den freundlichen Umgang nicht nur mit Kindern.

Miss Drachenzahn – Anleitung zum freundlichen Umgang mit Kindern
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"Miss Drachenzahn – Anleitung zum freundlichen Umgang mit Kindern", erzählt die Geschichte einer älteren Drachendame, die doch tatsächlich das Haustier des kleinen, selbstbewussten Mädchens Winnie werden ...

"Miss Drachenzahn – Anleitung zum freundlichen Umgang mit Kindern", erzählt die Geschichte einer älteren Drachendame, die doch tatsächlich das Haustier des kleinen, selbstbewussten Mädchens Winnie werden soll. Das geht natürlich nicht, wenn, dann ist es anders herum. Und so lernen sich Miss Drachenzahn und Winnie kennen und finden sich mir nichts dir nichts mitten im großen Chaos der Welt der Magier wieder und nur vereint können sie großes Unheil verhindern. Ein spannendes, humorvolles und außergewöhnliches Leseerlebnis nicht nur für Kinder.

Laurence Yep (geboren 1948) studierte Englisch an der State University of New York. Er schrieb bereits mit 18 Jahren Kurzgeschichten und hat inzwischen mehr als 60 Bücher veröffentlicht. Er ist mit Joanne Ryder verheiratet und lebt in San Francisco, Kalifornien.
Joanne Ryder (geboren 1946) arbeitete zunächst als Kinderbuchlektorin, widmet sich inzwischen aber voll und ganz dem Schreiben. Sie hat bereits mehr als 70 Bücher veröffentlicht. Sie und ihr Mann erhielten zahlreiche Preise in den USA.

Miss Drachenzahn trauert um ihre Weggefährtin Amelia, liebevoll von ihr Fluffy genannt. Eigentlich möchte sie sich einfach nur einige Jahre schlafen legen, bis ihr Schmerz etwas abgeebbt ist und vielleicht würde sie sich dann eines Tages ein neuen Haustier (so bezeichnet sie ihre Fluffy) zulegen. Doch aus ihrem Plan wird nichts, denn schon bald steht Winnie vor ihrer Tür. Sie ist die Nichte ihres ehemaligen Schützlings und hat von Fluffy alles über Miss Drachenzahn erzählt bekommen. Winnie lässt nicht locker und so bleibt Miss Drachenzahn nichts anders übrig, als sich der kleinen Winnie, einer Halbwaisen, anzunehmen. Da Winnie gerne zeichnet, bekommt sie ein Malbuch geschenkt, was sich kurz darauf als magisch entpuppt und all ihre Zeichnungen zum Leben erweckt hat. Da die Welt der Magier geheim bleiben muss, so verlangt es der Codex, müssen Winnie und Miss Drachenzahn die zwanzig magischen Tiere finden und zurück ins Buch bannen.

Der Schreibtstil ist klar und gut verständlich, sodass es keinerlei Schwierigkeiten im Verständnis gab und wir der Geschichte wunderbar folgen konnten. Lediglich ein paar Namen seltener magischer Tiere sind eventuell schwer auszusprechen.
Zu jedem Kapitelbeginn gibt es eine Illustration, die in schwarz weiß gehalten ist. Diese Illustrationen nahmen hin und wieder die Handlung etwas vorweg, so taucht bereits auf Seite 97 ein Bild des Lemurs auf, was es mit ihm auf sich hat, erfährt man aber erst ab Seite 103. Das empfand ich als etwas unglücklich gewählt, meine Tochter störte es aber nicht.
Es hat Spaß gemacht mit Winnie und Miss Drachenzahn die Geschichte zu erleben. Ganz still und heimlich werden die beiden zu einem unschlagbaren Team und erkennen gegenseitig die Stärken des anderen, sodass sie einander mehr und mehr Achtung schenken. Miss Drachenzahn wird zu einer Art Mentor, während Winnie eine geschätzte Gefährtin wird.
Tiefgründige Themen, wie Trauer, Neid, Wurzellosigkeit, Vertrauen und Freundschaft kommen zum Tragen.
Die Cliffhanger zum Ende nahenzu jeden Kapitels machen es schwer, das Buch zur Seite zu legen. Miss Drachenzahn macht immer wieder Andeutungen auf in der Zukunft liegende Ereignisse und weckt somit die Neugier des kindlichen aber auch des erwachsenen Lesers. Ein paar Dinge konnte ich mir bereits im Voraus denken, aber das machte nichts, denn wie die Probleme gelöst werden, steht im Mittelpunkt der Erzählung.
Die Geschichte der beiden geht weiter, denn es ist in diesem Jahr der Nachfolgeband "Miss Drachenzahn – Anleitung für ein magisches Schuljahr" erschienen.

Das selbstbewusste Menschenmädchen Winnie kommt gerade recht in Miss Drachenzahns Leben geschneit. Während Winnie endlich nicht mehr alleine ist, wenn ihre Mutter arbeitet, findet auch Miss Drachenzahn wieder einen Sinn zum Leben und nimmt die kleine Winnie unter ihre Fittiche. Eine mitreißende und wertvolle Geschichte über den gegenseitigen Umgang miteinander.

Veröffentlicht am 19.09.2018

Das gelungene Finale der Maxton-Hall Trilogie

Save Us
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Endlich ist der finale Band der Maxton-Hall Reihe "Save Us" erschienen und ich bin vom Aufbau der Trilogie begeistert. Diese Young Adult Reihe bietet einiges an Tiefgang und behandelt nicht nur eine Liebesgeschichte, ...

Endlich ist der finale Band der Maxton-Hall Reihe "Save Us" erschienen und ich bin vom Aufbau der Trilogie begeistert. Diese Young Adult Reihe bietet einiges an Tiefgang und behandelt nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern weitere wichtige Themen jener jugendlicher Generation.

Mona Kasten (geboren 1992) studierte Bibliotheks- und Informationsmanagement. Inzwischen konzentriert sie sich auf ihre schriftstellerische Karriere und lebt mit ihrem Mann in Niedersachsen. Mit ihrer Again-Reihe ("begin again" (2016), "trust again" (2017) und "feel again" (2017)) feierte sie bereits große Erfolge.

Während Band 1 vorwiegend von der aufkeimenden Liebe zwischen Ruby und James handelt, kamen bereits im zweiten Band weitere Stimmen bisheriger Nebencharaktere zu Wort, nämlich die jeweiligen Geschwister Ember und Lydia. Im dritten Teil wird die Balance zwischen männlicher und weiblicher Sicht wieder ausgeglichen und so kommen Grahams (Lydias Freund) und Alistairs (James Freund seit Kindertagen) Sichtweisen zum Ausdruck.

Auch beim dritten und finalen Teil der Reihe findet man sich von Beginn an wieder mitten in der Geschichte wieder. Ruby muss mit ihrem Rauswurf aus der Schule zurecht kommen und James Freunde bieten ihr hier einen sicheren Hafen. Es ist schön zu sehen, wie die Menschen alle zusammen finden und gemeinsam wachsen. Auch James hat es nicht leicht, er muss mitansehen, wie sein Vater seine Schwester wegen ihrer Schwangerschaft verbannt. Er versucht alles, um die Wogen wieder zu glätten. Graham steht für Lydia ein und auch Ember geht weiter ihren Weg. Alles scheint sich zum Guten zu wenden, aber natürlich hat Mona Kasten noch einige Höhepunkte parat. Insgesamt nimmt sie sich aber viel Zeit, um ein wenig Harmonie zu schildern. Das gefiel mir sehr gut, da ich nicht immer nur von Dramen und Streitigkeiten lesen möchte. Ein bisschen Friede ist eine schöne Abwechslung.

"Save Us" ist ein schöner Abschluss für die Reihe und besonders die ganz neue Sichtweise von Alistair hat mich begeistert. Er bringt einen neuen Ansatz und noch mehr Tiefe in die Handlung und ich hoffe, dass es über ihn vielleicht doch noch mal einen eigenen Band geben wird. Der dritte Teil war ein gelungener Abschluss der Geschichte um Ruby und James und bietet dennoch Potential für weitere Erzählungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Figuren
  • Handlung
  • Gefühl
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 10.09.2018

Eine aufschlussreiche Comic-Reihe über das Schulsystem Chinas.

Der freie Vogel fliegt, Band 3
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Die Reihe "Der freie Vogel fliegt" basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Jidi und hat starke autobiographische Züge. Die Reihe ist durchgehend farbig illustriert und beinhaltet sowohl die deutsche, ...

Die Reihe "Der freie Vogel fliegt" basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Jidi und hat starke autobiographische Züge. Die Reihe ist durchgehend farbig illustriert und beinhaltet sowohl die deutsche, als auch die chinesische Version. Wer mehr über das chinesische Schulsystem erfahren möchte, sollte sich diese Reihe einmal näher anschauen.

Jidi, die eigentlich Yale Zu heißt, ist eine bekannte chinesische Künstlerin und Autorin. 2004 debütierte sie mit ihrem ersten Buch "Mein Weg". Bisher sind bereits 32 Bücher von ihr veröffentlich worden, einige von ihnen wurden ins französische übersetzt. Jidi ist als Bilderbuch- und Graphic-Novel Künstlerin tätig, schreibt aber auch Romane und ist Designerin und Redakteurin.
Ageng (auch hier handelt es sich um einen Künsternamen) ist ebenfalls in China sehr bekannt. Sie arbeitet als Illustratorin und Zeichnerin im Bilderbuch- und Comicbereich. Außerdem unterrichtet sie an einer Kunstschule. Sie erhielt sowohl in China als auch im Ausland diverse Auszeichnungen. An der 6-teiligen Comic-Reihe "Der freie Vogel fliegt" arbeitete Ageng über zehn Jahre lang.

Die Comic-Reihe "Der freie Vogel" fliegt erschien in China unter dem Titel "Standing on your tiptoe" und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jidi. Die Reihe behandelt die Mittelschuljahre in China und die typischen Probleme Jugendlicher während dieser Zeit.

Band 3 wendet sich wieder stärker dem Leistungsdruck durch Lehrer und Eltern zu. Lin Xiaolu steht mehr als Beobachterin am Rand, während die Schicksale ihrer Freunde und Mitschüler ins Zentrum treten. Die sonst so erfolgreiche Cousine Ruirui nimmt sich aufgrund des Leistungsdrucks und wegen eines einmaligen Versagens das Leben. In diesem Band gibt es starke Anklagepunkte an die Lehrer sowie die Eltern, die dafür verantwortlich sind, dass die Kinder sich in der Not nicht an sie wenden, sondern eigene Auswegen suchen.

„Ihr Erwachsenen lehrt uns doch immer, dass wir nicht stolz auf unsere Erfolge sein sollen. Warum sagt ihr uns nicht, dass wir bei unseren Misserfolgen die Hoffnung nie aufgeben dürfen?“ (Band 3, Seite 80)

Lin Xiaolu hat sich wirklich witzige Überlebensstrategien für die zwischenmenschlichen Interaktionen angeeignet. Diese werden bildlich und farbenfroh dargestellt und erscheinen uns manchmal sogar eher als ungewöhnlich und peinlicher, als die eigentliche Situation, aus welche Lin Xiaolu gerade fliehen möchte.
Der enorme schulische Leistungsdruck in China war mir zwar bekannt, die Ausmaße aber dennoch nicht bewusst. Die ständige abendliche Stillarbeit, die Sitzordnung nach Leistung (gut vorne, schlecht hinten), die Fernsehberichterstattung über die Abschlussjahrgänge und die allgemein sehr öffentliche Behandlung der Klausurergebnisse sowie die Zurschaustellung von Erfolg und Versagen setzen sie Kinder unter einen enormen Druck, dem einige nicht gewachsen sind. Auch die Eltern erwarten immer nur gute Ergebnisse und gleichzeitig honorieren sie gute Noten nicht, sondern weisen immer wieder daraufhin, was noch besser wäre. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern scheint größtenteils stark gestört zu sein und von Misstrauen und Lügen dominiert.

„Je mehr man einem Kind vertraut, umso weniger sind eigensinnige Eskapaden zu erwarten. Doch werden Kinder rigoros überwacht und bekommen immer Druck von oben, werden sie zu Meisterlügnern und gekonnten Schauspielern. Die Kinder schämen sich dann auch nicht, wenn sie in ihren Eltern nur den Gegner sehen.“ (Band 3, Seite 132)

Die Schriftgröße ist in der deutschen Übersetzung leider recht klein geraten, was bei mir, neben dem starken Eigengeruch der bunt bedruckten Seiten, leider für Kopfschmerzen gesorgt hat. Deswegen gibt es für das Lesevergnügen einen Stern Abzug.
Die Buchreihe gibt auf eine behutsame aber auch sehr offene Weise Aufschluss über das chinesische Schulsystem und verschiedene gesellschaftliche Konventionen. Der autobiographische Charakter lässt darauf schließen, dass die Ereignisse nicht aus der Luft gegriffen sind und zumindest zum Teil das Schulsystem in China erbarmungslos und wahrheitsgetreu geschildert wird.