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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2026

Packend und erschreckend realitätsnah

Dunkelmann
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Mit „Dunkelmann“ legen Jacob Weinreich und der ehemalige dänische Geheimdienstchef Lars Findsen ihren ersten gemeinsamen Insider-Thriller und Auftakt der Reihe um die Geheimdienstagenten Birk und Hartmann ...

Mit „Dunkelmann“ legen Jacob Weinreich und der ehemalige dänische Geheimdienstchef Lars Findsen ihren ersten gemeinsamen Insider-Thriller und Auftakt der Reihe um die Geheimdienstagenten Birk und Hartmann vor, auf den ich sehr gespannt war.

Kurz vor dem Besuch einer chinesischen Delegation in Kopenhagen stößt der Geheimdienst-Analyst Daniel Hartmann auf eine Unstimmigkeit. Ein Delegationsmitglied benutzt eine falsche Identität. Daniel erreicht eine nähere Untersuchung der verdächtigen Delegation, um herauszufinden was der Mann zu verbergen hat. Die junge Agentin Maja Birk, die gerade erst einen gefährlichen Einsatz hinter sich hat, soll ihm dabei helfen. Schnell verdichten sich die Hinweise, dass die Chinesen ein besonderes Interesse an Grönland und einem Forschungsprojekt zum Nordpolarmeer haben. Als sie der Delegation bis nach Grönland folgen, spitzt sich die Situation plötzlich zu.

Das Buch thematisiert eine Bedrohungslage, die aktueller nicht sein könnte. Denn erst vor Kurzem erhob der amerikanische Präsident Anspruch auf Grönland, das autonomer Bestandteil von Dänemark ist. Im Buch ist es die Großmacht China, die Interesse an Grönland zeigt. Gerade diese geopolitische Bedrohungslage verleiht dem Thriller eine beklemmende Aktualität. Was diesen Thriller besonders macht, ist die spürbare Authentizität. Man merkt sofort, dass hier das Insiderwissen des ehemaligen Geheimdienstchefs Findsen eingeflossen ist. Als Leser erhält man so einen realistischen Einblick in die Arbeitsweise und Abläufe beim dänischen Geheimdienst. Die Schilderung der Geheimdienstarbeit wirkt präzise und erschreckend realistisch, fernab von übertriebenen Action-Klischees typischer Agententhriller.

Mich hat das Buch von der ersten Seite an gepackt, denn der Einstieg und die erste 100 Seiten, in denen es um Majas gefährlichen Auslandseinsatz geht, sind sehr spannend erzählt. Der flüssige Schreibstil sorgt dabei für einen angenehmen Lesefluss. Danach entwickelt sich die Handlung zunächst etwas ruhiger, gewinnt aber wieder zunehmend an Intensität. Der Mittelteil hätte dabei aber etwas mehr Tempo vertragen können.
Die beiden Protagonisten sind vielschichtig gezeichnet und haben beide Probleme in ihren jeweiligen Beziehungen, die durch ihren schwierigen und gefährlichen Job bedingt sind. Das macht sie menschlich und nahbar. Ihr Privatleben spielt keine untergeordnete Rolle was den beiden zwar zusätzliche Tiefe verleiht, stellenweise aber leider auch die Spannung bremst.

Wer einen actionreichen Agententhriller erwartet, könnte enttäuscht sein, denn es gibt zwar durchaus packende Szenen, der Schwerpunkt liegt aber eher auf dem geopolitischen Hintergrund und der sehr authentisch geschilderten Geheimdienstarbeit. Für den nächsten Band würde ich mir ein noch strafferes Erzähltempo wünschen.

Fazit:
„Dunkelmann“ überzeugt vor allem durch seine Aktualität und die authentischen Einblicke in die Geheimdienstarbeit. Für einen Thriller fehlt es allerdings an durchgängiger Spannung. Insgesamt ein gelungener Auftakt der neuen dänischen Geheimdienst-Reihe mit viel Potenzial. Ich freue mich auf weitere Einsätze von Birk und Hartmann.

Veröffentlicht am 28.03.2026

Solide Fortsetzung

The Woman in Suite 11
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„The Woman In Cabin 10“ liegt nun schon einige Jahre zurück und gerade läuft auf Netflix die Verfilmung. Dadurch war bei mir das Buch auch wieder präsent und ich war sehr gespannt auf die Fortsetzung „The ...

„The Woman In Cabin 10“ liegt nun schon einige Jahre zurück und gerade läuft auf Netflix die Verfilmung. Dadurch war bei mir das Buch auch wieder präsent und ich war sehr gespannt auf die Fortsetzung „The Woman In Suite 11“ um zu erfahren, was aus Lo Blacklock und ihrer Lebensretterin von damals geworden ist. Lo hat ihre traumatischen Erlebnisse auf dem Kreuzfahrtschiff Aurora inzwischen in einem Buch verarbeitet und lebt mit Mann und Kindern in New York. Nach einer längeren Kinderpause möchte sie nun zurück in ihren Beruf als Reisejournalistin und nimmt deswegen die Einladung zur Neueröffnung eines Luxushotels in der Schweiz an. Sie hofft auf ein Interview mit dem extrem zurückgezogen lebenden Besitzer und Geschäftsmann Marcus Leidmann. Doch statt ihn trifft sie in seiner Suite auf eine Frau, die sie kennt und die behauptet in tödlicher Gefahr zu sein. Die Entscheidung, die Lo trifft, gibt ihrer Reise einen gänzlich anderen Verlauf und verstrickt sie in eine riskantes Katz-und Maus-Spiel.

Für die Handlung greift Ruth Ware auf ein bekanntes Muster zurück. Diesmal ist der Handlungsort anstelle eines Kreuzfahrtschiffs ein Luxushotel und die Protagonistin Lo gerät erneut in eine prekäre Lage. Der Erzählstil ist gewohnt flüssig und sorgt für eine stete unterschwellige Spannung. Bis zum ersten Mord vergehen allerdings fast 200 Seiten, während Lo ihr Trauma von der Aurora erneut in abgewandelter Form im Hotel durchlebt. Da sie jetzt aber ein glückliches Familienleben hat ist sie psychisch deutlich gefestigter. Trotzdem hätte ich sie manches Mal gerne geschüttelt wegen ihrer naiven Art und den Entscheidungen, die sie aus einem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Lebensretterin trifft, die aber trotz allem nachvollziehbar bleiben. Der Schlussteil wartet noch mit einigen Wendungen auf, aber ich hatte schon früh eine Ahnung wie alles zusammenhängt, die sich auch größtenteils bestätigte.

Mit ihrer Fortsetzung knüpft die Autorin thematisch und atmosphärisch an ihren erfolgreichen Vorgänger an, kann für mich aber nicht ganz an diesen heranreichen. Für einen Thriller hat es mir an Spannung und Nervenkitzel gefehlt. Es war eher ein solider und gut konstruierter Krimi mit vertrauten Motiven, der mir durch den angenehmen Lesefluss aber doch einen guten Unterhaltungswert geboten hat. Man kann das Buch sehr gut unabhängig vom Vorgänger lesen, da alles wesentliche erklärt wird. Wenn man diesen kennt wird man aber die Handlungen und Entscheidungen von Lo sehr viel besser verstehen können.

Veröffentlicht am 25.03.2026

Blackout in Schweden

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Fünf Jahre mussten wir auf eine Fortsetzung der Fabian Risk-Reihe warten und mit „Wellengrab“ liegt nun endlich der 7. Band vor.
Auch in Fabians Leben sind mehr als zehn Jahre vergangen. Er lebt inzwischen ...

Fünf Jahre mussten wir auf eine Fortsetzung der Fabian Risk-Reihe warten und mit „Wellengrab“ liegt nun endlich der 7. Band vor.
Auch in Fabians Leben sind mehr als zehn Jahre vergangen. Er lebt inzwischen allein und hat ein gutes Verhältnis zu seiner Tochter Matilda, die studiert. Bei einer gemeinsamen Segeltour werden sie Zeugen eines Blackouts, der die Gegend um Helsingborg in Dunkelheit taucht. Dies ist der Beginn einer Reihe von scheinbar nicht zusammenhängenden Fällen mit denen es Fabians Team zu tun bekommt: ein Überfall auf ein Bargelddepot, Kinder, die spurlos verschwinden und plötzlich wieder auftauchen und Zeugen, die sich merkwürdig verhalten. Fabians Team ermittelt unter Hochdruck und stößt auf eine unglaubliche Spur und gefährliche Mächte, die jedes Teammitglied in äußerste Gefahr bringen.

Stefan Ahnhem beweist hier einmal mehr, das er zu den besten schwedischen Autoren zählt. Auch dieser Band entwickelte sich für mich sehr schnell wieder zu einem wahren Pageturner, den ich kaum zur Seite legen konnte. Ein perfekter Spannungsbogen und wechselnde Erzählperspektiven sorgten für ein hohes Lesetempo und obwohl das Buch über 600 Seiten hat, möchte ich keine davon missen. Der Fall selbst ist brandaktuell und führt vor Augen, wie zerbrechlich unsere Demokratie ist. Dabei gibt es auch einige brutale und blutige Szenen, die nichts für empfindliche Gemüter sind. Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit der dänischen Expolizistin Dunja Hougaard. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kann er auch unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden. Ich empfehle allerdings für ein umfassendes Lesevergnügen die Buchreihenfolge einzuhalten.
Für mich war es der bisher beste Fall für Fabian Risk und ein kleiner Cliffhanger am Ende deutet auf eine Fortsetzung der Reihe hin. Ich fiebere jetzt schon dem nächsten Band entgegen.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Ein atmosphärisch dichter Nachkriegskrimi

Die weiße Nacht
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Anne Stern konnte mich bereits mit ihrer historische Romanreihe über die Berliner Hebamme Fräulein Gold begeistern. Als promovierte Germanistin und Historikerin schildert sie den historischen Hintergrund ...

Anne Stern konnte mich bereits mit ihrer historische Romanreihe über die Berliner Hebamme Fräulein Gold begeistern. Als promovierte Germanistin und Historikerin schildert sie den historischen Hintergrund ihrer Geschichten immer sehr präzise und detailliert aber auch lebendig und macht damit Geschichte erlebbar. Daher war ich sehr gespannt auf den Auftakt ihrer neuen Krimireihe, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist.

Mit „Die weisse Nacht“ entführt sie uns in das vom Krieg zerstörte Berlin im bitterkalten Hungerwinter 1946. Die junge Fotografin Lou Faber stößt bei ihren Streifzügen durch die Trümmerlandschaft auf eine Frauenleiche, die mit gefalteten Händen wie aufgebahrt im Schnee liegt. Fast unbewusst drückt sie den Auslöser, nicht ahnend, dass ihre Fotos und sie selbst eine wichtige Rolle bei der Suche nach dem Mörder spielen werden. Kriminalkommissar Alfred König übernimmt die Ermittlungen unter schwierigen Bedingungen, denn der Polizei mangelt es an vielem wie Uniformen, Dienstwaffen und ausgebildetem Personal. Die Aufteilung Berlins unter den zerstrittenen Siegermächte erschwert alles noch zusätzlich. Als Heiligabend näher rückt und neue Leichenfunde den Druck auf König erhöhen, führt eine neue Spur zurück in die jüngste dunkle Vergangenheit.

Sterns Schreibstil hat mich erneut begeistert. Sie schreibt klar und detailliert, manchmal fast poetisch. Ihre lebendige Erzählweise lässt einen mühelos in das zerstörte Berlin im eisigen Winter eintauchen. Sie beschreibt den schwierigen und kräftezehrenden Alltag sehr eindringlich. Der Mangel an einfach allem ist ebenso gegenwärtig wie der florierende Schwarzmarkt. Die Menschen hungern und frieren, Entbehrungen und Leid sind allgegenwärtig und es herrscht eine trostlose Stimmung. Stern nimmt sich Zeit für Details, sodass der Leser nicht nur einen Kriminalfall, sondern ein Stück Zeitgeschichte miterlebt.
Ihre Figuren, allen voran Lou und König, sind authentisch und facettenreich angelegt – mit Ecken, inneren Wunden und einer persönlichen Entwicklung, die über den Fall hinaus geht. Beide hüten Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit, was sie verbindet. Auch die Nebencharaktere hauchen der Geschichte zusätzliches Leben ein, wie der junge Inspektor Trautwein, der Straßenjunge Justus oder der Kriegsgefangene Gregor (dessen Erzählstrang allerdings noch Rätsel aufgibt). Den Kriminalfall selbst fand ich gut konstruiert und mit einer glaubwürdigen Auflösung, wobei ich lange nicht ahnte, wer der Täter war.

Ein kleiner Kritikpunkt könnte für manche das Erzähltempo sein, das stellenweise etwas abflacht zugunsten der detaillierten Beschreibung des historischen Hintergrunds, was mir persönlich aber gut gefallen hat. Dadurch stand der Kriminalfall nicht immer im Vordergrund. Dennoch ist Stern mit „Die weiße Nacht“ ein starker Auftakt ihrer neuen Krimireihe gelungen.

Fazit: Anne Stern ist eine atmosphärisch dichte, berührende und klug konstruierte Mischung aus historischem Roman und Krimi gelungen, der ein dunkles Kapitel der NS-Zeit aufgreift. Von mir gibt es für diesen packenden und bewegenden Auftakt der Faber-König Reihe eine absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.01.2026

Dänisches Thriller-Highlight!

Der Kuckucksjunge
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Mehr als sechs Jahre mussten wir auf einen neuen Fall mit Naia Thulin und Mark Hess warten, aber es hat sich definitiv gelohnt.
In seinem neuen Thriller „Der Kuckucksjunge“ hat Søren Sveistrup erneut ...

Mehr als sechs Jahre mussten wir auf einen neuen Fall mit Naia Thulin und Mark Hess warten, aber es hat sich definitiv gelohnt.
In seinem neuen Thriller „Der Kuckucksjunge“ hat Søren Sveistrup erneut einen sehr spannenden und zugleich düsteren Einstieg gewählt, der mich sofort fesselte.
Hab dich. Das ist die letzte beunruhigende Nachricht auf dem Handy einer geschiedenen Mutter, bevor sie spurlos aus Kopenhagen verschwindet. Naia Thulin wird zu dem Vermisstenfall hinzugezogen und erkennt sofort die Brisanz, denn exakt dieselbe Nachricht erhielt eine 19-jährige Schülerin, bevor sie brutal ermordet wurde. Erneut soll Thulin mit Mark Hess, ihrem ehemaligen Partner aus dem Fall des „Kastanienmanns“ zusammenarbeiten, dem sie eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Doch ihr bleibt keine Wahl, als die Leiche der Verschwundenen auftaucht und es einen weiteren Vermisstenfall gibt. Während weitere Leichen auftauchen und neue Menschen verschwinden, verdichtet sich der Verdacht, dass ein Serienmörder am Werk ist, der ein perfides Spiel treibt.

Sveistrup beweist erneut, dass er zu den ganz Großen des skandinavischen Thrillers zählt. Sein Schreibstil ist klar, atmosphärisch dicht und enorm spannungsgeladen. Hier erkennt man den Drehbuchautor, denn es gelingt ihm ein fast filmisches Lesegefühl zu erzeugen. Kurze Kapitel mit Cliffhangern und wechselnden Perspektiven sorgen zusätzlich für ein hohes Lesetempo und halten die Spannung konstant aufrecht. Der genial konstruierte Plot fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und macht es sehr schwer das Buch aus der Hand zu legen. Obwohl das Buch über 600 Seiten hat, fand ich keine einzige Zeile überflüssig und ich habe es förmlich verschlungen.

Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet. Naia Thulin überzeugt erneut als starke, aber verletzliche Ermittlerin, während Mark Hess mit seiner Verschlossenheit und inneren Zerrissenheit zusätzliche Tiefe in die Geschichte bringt. In einer Nebenhandlung erfahren wir mehr über seinen familiären Hintergrund, nämlich seine Beziehung zu seinem älteren Bruder Jon, was ihn im Verlauf der Handlung nahbarer macht. Die komplizierte Arbeitsbeziehung der beiden, ihre persönlichen Schwächen und inneren Konflikte verleihen der Geschichte emotionale Tiefe und machen sie greifbar.

Fazit: „Der Kuckucksjunge“ ist ein packender und meisterhaft konstruierter Thriller, dessen Sog man sich kaum entziehen kann. Er ist ein würdiger Nachfolger des „Kastanienmanns“ und Fans von düsteren Nordic Noir-Thrillern werden voll auf ihre Kosten kommen. Allerdings sind starke Nerven gefragt. Für mich war es mein Thriller-Highlight in 2025!