Packend und erschreckend realitätsnah
DunkelmannMit „Dunkelmann“ legen Jacob Weinreich und der ehemalige dänische Geheimdienstchef Lars Findsen ihren ersten gemeinsamen Insider-Thriller und Auftakt der Reihe um die Geheimdienstagenten Birk und Hartmann ...
Mit „Dunkelmann“ legen Jacob Weinreich und der ehemalige dänische Geheimdienstchef Lars Findsen ihren ersten gemeinsamen Insider-Thriller und Auftakt der Reihe um die Geheimdienstagenten Birk und Hartmann vor, auf den ich sehr gespannt war.
Kurz vor dem Besuch einer chinesischen Delegation in Kopenhagen stößt der Geheimdienst-Analyst Daniel Hartmann auf eine Unstimmigkeit. Ein Delegationsmitglied benutzt eine falsche Identität. Daniel erreicht eine nähere Untersuchung der verdächtigen Delegation, um herauszufinden was der Mann zu verbergen hat. Die junge Agentin Maja Birk, die gerade erst einen gefährlichen Einsatz hinter sich hat, soll ihm dabei helfen. Schnell verdichten sich die Hinweise, dass die Chinesen ein besonderes Interesse an Grönland und einem Forschungsprojekt zum Nordpolarmeer haben. Als sie der Delegation bis nach Grönland folgen, spitzt sich die Situation plötzlich zu.
Das Buch thematisiert eine Bedrohungslage, die aktueller nicht sein könnte. Denn erst vor Kurzem erhob der amerikanische Präsident Anspruch auf Grönland, das autonomer Bestandteil von Dänemark ist. Im Buch ist es die Großmacht China, die Interesse an Grönland zeigt. Gerade diese geopolitische Bedrohungslage verleiht dem Thriller eine beklemmende Aktualität. Was diesen Thriller besonders macht, ist die spürbare Authentizität. Man merkt sofort, dass hier das Insiderwissen des ehemaligen Geheimdienstchefs Findsen eingeflossen ist. Als Leser erhält man so einen realistischen Einblick in die Arbeitsweise und Abläufe beim dänischen Geheimdienst. Die Schilderung der Geheimdienstarbeit wirkt präzise und erschreckend realistisch, fernab von übertriebenen Action-Klischees typischer Agententhriller.
Mich hat das Buch von der ersten Seite an gepackt, denn der Einstieg und die erste 100 Seiten, in denen es um Majas gefährlichen Auslandseinsatz geht, sind sehr spannend erzählt. Der flüssige Schreibstil sorgt dabei für einen angenehmen Lesefluss. Danach entwickelt sich die Handlung zunächst etwas ruhiger, gewinnt aber wieder zunehmend an Intensität. Der Mittelteil hätte dabei aber etwas mehr Tempo vertragen können.
Die beiden Protagonisten sind vielschichtig gezeichnet und haben beide Probleme in ihren jeweiligen Beziehungen, die durch ihren schwierigen und gefährlichen Job bedingt sind. Das macht sie menschlich und nahbar. Ihr Privatleben spielt keine untergeordnete Rolle was den beiden zwar zusätzliche Tiefe verleiht, stellenweise aber leider auch die Spannung bremst.
Wer einen actionreichen Agententhriller erwartet, könnte enttäuscht sein, denn es gibt zwar durchaus packende Szenen, der Schwerpunkt liegt aber eher auf dem geopolitischen Hintergrund und der sehr authentisch geschilderten Geheimdienstarbeit. Für den nächsten Band würde ich mir ein noch strafferes Erzähltempo wünschen.
Fazit:
„Dunkelmann“ überzeugt vor allem durch seine Aktualität und die authentischen Einblicke in die Geheimdienstarbeit. Für einen Thriller fehlt es allerdings an durchgängiger Spannung. Insgesamt ein gelungener Auftakt der neuen dänischen Geheimdienst-Reihe mit viel Potenzial. Ich freue mich auf weitere Einsätze von Birk und Hartmann.