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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2026

Jugend, Freundschaft und verpasste Chancen

Der Sommer, der uns blieb
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Dieses Buch ist für mich etwas ganz Besonderes. Schon optisch ist es unglaublich schön gestaltet und passt perfekt zur sommerlich-melancholischen Stimmung der Geschichte.

Inhaltlich erzählt Greta Herrlicher ...

Dieses Buch ist für mich etwas ganz Besonderes. Schon optisch ist es unglaublich schön gestaltet und passt perfekt zur sommerlich-melancholischen Stimmung der Geschichte.

Inhaltlich erzählt Greta Herrlicher eine einfühlsame Geschichte über drei FreundInnen: Britta, Pia und Martin. Ihre gemeinsame Jugend wirkt total greifbar und echt, viele Gefühle und Situationen sind so menschlich und gut beschriebe, dass ich mich oft in meiner eigenen Jugend wiedererkannt habe. Das Lesen des Buches hat mich auch viel zum Nachdenken über meine eigene Jugend und mein Erwachsenwerden gebracht, aber im total positiven Sinne!
Die Handlung springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Früher waren das Trio unzertrennlich, doch durch Missverständnisse und fehlende Kommunikation verlieren sie sich aus den Augen. Jahre später treffen sie sich wieder und müssen sich ihrer gemeinsamen Geschichte stellen. Dabei geht es um Freundschaft, verpasste Chancen, aber auch um Vergebung.
Der Schreibstil ist ruhig, gefühlvoll und bildlich. Ich bin dadurch sehr schell und leicht in die Handlung eingetaucht und habe das Buch an zwei Tagen durchgelesen. Teilweise zieht sich die Handlung ein wenig, aber das stört insgesamt kaum, weil es trotzdem toll geschrieben ist und die Gefühle mehr im Vordergrund stehen!
Besonders schön fand ich, dass ich angeregt wurde, über meine eigenen Freundinnenschaften nachzudenken, die im laufe des Erwachsenwerdens vielleicht verloren gegangen sind, und darüber, was man heute anders machen würde, was Vergebung bedeutet und ob man wieder zueinanderfinden kann
Insgesamt ist es eine sehr berührende Geschichte über Freundschaft, Vergangenheit und zweite Chancen. Emotional, nachdenklich und absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Reicht Liebe aus?

Weißer Sommer
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Weißer Sommer von Eva Pramschüfer ist ein sensibler und emotionaler Roman über Liebe, Zweifel und das Spannungsfeld zwischen Nähe und Selbstbestimmung. Im Mittelpunkt stehen Alma und Theo in ihren Zwanzigern, ...

Weißer Sommer von Eva Pramschüfer ist ein sensibler und emotionaler Roman über Liebe, Zweifel und das Spannungsfeld zwischen Nähe und Selbstbestimmung. Im Mittelpunkt stehen Alma und Theo in ihren Zwanzigern, deren Beziehung an einem entscheidenden Punkt steht: Können sie ihre Unterschiede überwinden, oder sind sie vielleicht zur falschen Zeit am falschen Ort füreinander?
Der Roman lebt von seiner ruhigen, aber intensiven Atmosphäre im französischen Sommerhaus von Almas Großvater. Vom hier und jetzt aus wird nach und nach die Geschichte des Liebespaares erzählt - vom ersten Kennenlernen über gemeinsame Entwicklungen bishin zu den ersten großen Konflikten. Besonders eindrucksvoll ist, wie die Autorin die inneren Konflikte der Figuren darstellt. Alma sehnt sich nach Freiheit, kreativer Selbstverwirklichung und neuen Erfahrungen, andererseits ringt sie mit ihren Gefühlen und der Bindung zu Theo. Diese Ambivalenz macht sie sehr menschlich und greifbar, und ich konnte mich aus eigenen Erfahrungen gut in die hineinversetzen. Gerade die Schwierigkeit, kreativ sein zu wollen und etwas künstlerisch erschaffen zu wollen und dabei das Gefühl zu haben von einer romantischen Beziehung gehemmt oder gebremst zu werden, war sehr realistisch beschrieben.
Thematisch stellt das Buch zentrale Fragen moderner Beziehungen: Reicht Liebe allein aus? Wie viel Freiheit braucht ein Mensch, und wann wird sie zur Distanz? Und kann man glücklich sein, ohne ständig nach „mehr“ zu streben? Gerade diese leisen, existenziellen Fragen verleihen der Geschichte Tiefe.
Eines meiner Lieblingzitate: „(Alma) wünschte, sie könnte glücklich sein, mit dem, was sie hat, nicht immer mehr wollen, nicht immer zu viel.“
Sprachlich hat mich Weißer Sommer durch eine gefühlvolle und reflektierte Erzählweise überzeugt. Teilweise wirkt es fast poetisch und ich habe mir viele Stellen markiert, weil sie so sehr zu mir gesprochen haben. Die Dialoge und Gedanken der beiden bleiben lange im Kopf, da sie authentisch und ehrlich wirken.
Insgesamt ist Weißer Sommer ein wundervoller nachdenklicher Roman über Beziehungen, Selbstfindung und die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen, wenn Herz und Verstand nicht im Einklang sind. Ein Buch, das ich allen meinen FreundInnen in den Zwanzigern ans Herz legen würde, auch wenn es mehr durch Dialoge und Gefühle als durch Handlungen überzeugt. Es ist ein easy-to-read Buch ohne dadurch an Tiefe zu verlieren.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Liebe oder Freiheit?

Die beste aller Beziehungen
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„Die beste aller Beziehungen“ der schwedischen Autorin Gun-Britt Sundström erzählt die Geschichte von Martina und Gustav und ihrer Beziehung. Es geht dabei weniger um eine klassische Liebesgeschichte, ...

„Die beste aller Beziehungen“ der schwedischen Autorin Gun-Britt Sundström erzählt die Geschichte von Martina und Gustav und ihrer Beziehung. Es geht dabei weniger um eine klassische Liebesgeschichte, sondern mehr um die Frage, wie zwei Menschen zusammenleben können, ohne sich selbst zu verlieren. Martina denkt viel darüber nach, was sie will und was sie nicht will. Besonders wichtig ist ihr, unabhängig zu bleiben und sich nicht einfach in eine typische Rollenverteilung drängen zu lassen.
Die Handlung ist eher ruhig, aber dafür sehr ehrlich und nah am echten Leben. Viele Gedanken und Gefühle wirken sehr nachvollziehbar. Man merkt, dass es nicht um Perfektion geht, sondern um Zweifel, Unsicherheit und darum, den eigenen Weg zu finden. Dadurch fühlt sich die Geschichte sehr authentisch an.
Der Schreibstil ist angenehm und gut verständlich. Teilweise ist er auch ein bisschen humorvoll, was mir das Lesen sehr erleichtert hat. Gleichzeitig regt das Buch zum Nachdenken an, zum Beispiel darüber, wie man selbst Beziehungen sieht und was einem wichtig ist und wo man Kompromisse ziehen möchte und wo persönliche Grenzen dessen sind.
An manchen Stellen passiert allerdings nicht so viel, und die vielen Gedanken wiederholen sich streckenweise ein bisschen. Das zieht das Buch zwischendurch unnötig in die Länge. Trotzdem bleibt es insgesamt ein tolles Buch, das ich gern gelesen habe.
Insgesamt ist es ein ruhiges, kluges Buch über Liebe, Freiheit und Selbstbestimmung. Es ist besonders für Leserinnen und Leser geeignet, die sich für Beziehungen und persönliche Entwicklung interessieren oder die vielleicht selber immer wieder Zweifel an die Vereinbarkeit von Liebesbeziehung und Selbstbestimmung kommen.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

spannende feministische Dystopie

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Dieses Buch habe ich mir ganz bewusst ausgesucht, nachdem ich in der englischsprachigen Booktok Welt bereits viel Positives darüber gehört hatte. Der Roman wurde dort unter anderem mit Margaret Atwoods ...

Dieses Buch habe ich mir ganz bewusst ausgesucht, nachdem ich in der englischsprachigen Booktok Welt bereits viel Positives darüber gehört hatte. Der Roman wurde dort unter anderem mit Margaret Atwoods The Handmaid’s Tale verglichen - ein Werk, das mich sehr beeindruckt hat. Allerdings erschöpft sich die Gemeinsamkeit im Wesentlichen im Motiv des Freiheits- und Identitätsverlusts von Frauen in einer totalitären Gesellschaft. Ich habe dass Buch innerhalb weniger Tage verschlungen, weil es mich so in seinen Bann gezogen hat!
Das Buch erzählt die Geschichte einer namenlosen Erzählerin, die „das Kind“ genannt wird. Seit ihrem Kleinkindalter lebt sie mit vierzig weiteren Frauen in einem Käfig in einem unterirdischen Bunker. Alles ist künstlich reguliert: Licht simuliert Tag und Nacht, die Wächter – stets drei Männer – sprechen nicht, sondern herrschen mit Peitschen. Privatsphäre existiert nicht, selbst Berührungen sind verboten.
Erzählt wird etwa zwölf bis fünfzehn Jahre nach Beginn der Gefangenschaft. Die Frauen stammen aus unterschiedlichen Lebenswelten und erinnern sich bruchstückhaft an eine „Katastrophe“, die von Feuer, Drogen und Schmerz geprägt gewesen sein soll. Konkrete Antworten gibt es nicht. Vergangenheit und Zukunft scheinen gleichermaßen ausgelöscht.
Spannend ist vor allem die Perspektive des Kindes, das kein „Davor“ kennt. Anders als die anderen ist sie nicht von Nostalgie oder Verzweiflung geprägt. Sie beobachtet die Wächter genau, misst mithilfe ihres Herzschlags die Zeit und erkennt Muster im Ablauf des Alltags. Als sie dieses Wissen teilt, entsteht etwas Neues: ein kleines Stück Kontrolle, ein geheimes Gefühl von Selbstbestimmung.
Als plötzlich ein Alarm ertönt und die Wächter verschwinden, öffnet sich der Käfig. Doch was erwartet die Frauen draußen? Ist es wirkliche Freiheit oder nur eine andere Form von Gefangenschaft? Antworten bleiben rar, Fragen überwiegen.
Der Roman ist intensiv und sehr gut für Diskussionen! Er stellt grundlegende Fragen danach, was Identität ausmacht, und was vom Menschsein bleibt, wenn nahezu alles Äußere genommen wird. Eine große Empfehlung an alle (vor allem feministisch Interessierten) LeserInnen!

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Die psychologische Dynamik einer heteronormativen Familie

Alle glücklich
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Was ist, wenn man objektiv betrachtet alles hat - und sich trotzdem nicht glücklich fühlt? Alle glücklich nähert sich genau dieser Frage mit einer beeindruckenden psychologischen Feinfühligkeit, man merkt, ...

Was ist, wenn man objektiv betrachtet alles hat - und sich trotzdem nicht glücklich fühlt? Alle glücklich nähert sich genau dieser Frage mit einer beeindruckenden psychologischen Feinfühligkeit, man merkt, dass Kira Mohn ein Psychologiestudium hinter sich hat!
Der Roman erzählt die Geschichte einer scheinbar perfekten, heteronormativen Familie und legt Schicht für Schicht frei, was unter dieser Fassade verborgen liegt: unausgesprochene Bedürfnisse, misslingende Kommunikation und innere Konflikte, die lange keinen Raum bekommen haben.

Besonders stark ist die Art, wie die vier stets nacheinander erzählten Perspektiven - Nina, Alexander, Emilia und Ben - zunächst fast stereotyp wirken, sich aber im Verlauf der Geschichte zunehmend vertiefen und verändern. Erst nach und nach entfaltet sich eine Dynamik, die man zu Beginn so nicht erwartet. Gerade dieser langsame Perspektivwechsel macht den Reiz des Buches aus: Man beginnt, jede Figur nicht nur zu beobachten, sondern wirklich zu verstehen – inklusive ihrer Widersprüche, blinden Flecken und Schutzmechanismen.
Der Roman wirft dabei viele leise, aber nachhaltige Fragen auf: Welche Rollen nehmen Menschen in Familien ein; und zu welchem Preis? Wie sehr sind wir gefangen in unseren eigenen Projektionen, wenn wir glauben, die Gedanken und Motive der anderen zu kennen? Und wie entscheidend ist echte Kommunikation, wenn das Gegenüber letztlich oft eine Blackbox bleibt, gefüllt mit unseren eigenen Projektionen und Interpretationen?
Besonders eindrücklich ist, dass Alle glücklich keine einfachen Antworten liefert. Es gibt kein klares Gut oder Böse, kein eindeutiges Happy End oder sauberes Scheitern. Stattdessen bleibt vieles offen, wie im echten Leben. Genau darin liegt die Stärke des Romans: Er zwingt nicht zur Auflösung, sondern lädt zum Nachdenken ein, lange über die letzte Seite hinaus. Ich habe das Buch an einem Tag verschlungen, weil ich es ab der Hälfte nicht mehr aus der Hand legen wollte!
Ein psychologisch kluger, ruhiger und gleichzeitig emotional feinfühliger Roman, der zeigt, wie nahe Glück und innere Leere beieinanderliegen können. Und wie viel Mut es braucht, das eigene Empfinden ernst zu nehmen und Dinge zu ändern. Absolut lesenswert.

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