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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2025

Zwischen Diagnosen, Doktorarbeit & Denkanstößen

Junge Frau mit Katze
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„Ich war ein ernstzunehmendes Subjekt. Ich kümmerte mich um meine Neurosen“ – so beschreibt sich Ela, die Hauptfigur in „Junge Frau mit Katze“ von Daniela Dröscher.

Ela steht kurz vor dem Abschluss ihrer ...

„Ich war ein ernstzunehmendes Subjekt. Ich kümmerte mich um meine Neurosen“ – so beschreibt sich Ela, die Hauptfigur in „Junge Frau mit Katze“ von Daniela Dröscher.

Ela steht kurz vor dem Abschluss ihrer Promotion, als eine Reihe an körperlichen Beschwerden ihr Leben auf den Kopf stellt. Dieser Roman zeigt schonungslos ehrlich, wie aufgeschmissen insbesondere Frauen bei diffuser Symptomatik sind und wie sehr Krankheit alle Lebensbereiche durcheinanderwirbeln kann. Zwischen zahlreichen Arztbesuchen, familiären Konflikten, der Vorbereitung auf ihre Promotionsverteidigung und Selbstzweifeln versucht Ela, ihren Weg zu finden.

Dieses Buch zu besprechen fiel mir gar nicht so leicht. Anfangs hat mich die Geschichte gefesselt: Ela wirkt mit ihrer Verletzlichkeit und ihren Ängsten sehr nahbar, und ich konnte mich aufgrund eigener Krankheitserfahrungen gut mit ihr identifizieren. Im Verlauf habe ich jedoch etwas den Draht zur Protagonistin verloren. Vielleicht waren es stellenweise für mich zu viele neu auftretende Krankheitssymptome, zu viele Arztbesuche, zu viele überzeichnete Ärzt:innen – und zu viele weitere Probleme. Vielleicht spielt so manchmal einfach das Leben. Zwischendurch war mir diese Negativität etwas zu viel – ein Punkt, der natürlich subjektiv und vermutlich auch „tagesformabhängig“ ist.
Die Mutter-Tochter-Beziehung blieb für mich teilweise schwer greifbar. Das mag aber auch daran liegen, dass ich das vorherige Werk „Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher nicht gelesen habe. Womöglich wäre das für mehr Kontext sinnvoll gewesen.
Was mich jedoch vollkommen überzeugt hat – und was das Buch für mich trotzdem absolut lesenswert macht – ist der wunderbare Sprachstil der Autorin. Mehrfach habe ich Sätze und Gedanken notiert, die einfach brillant formuliert waren. Allein dafür lohnt sich das Lesen – und genau deswegen würde ich es auch weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Wunderbarer Wohlfühl-Roman mit Tiefgang

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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Mein Fazit in aller Kürze: Ich habe wirklich alles an diesem Buch geliebt. Wenn man sich bei und nach dem Lesen wohler, zuversichtlicher und glücklicher fühlt als vorher scheint das Buch eine ganz hervorragende ...

Mein Fazit in aller Kürze: Ich habe wirklich alles an diesem Buch geliebt. Wenn man sich bei und nach dem Lesen wohler, zuversichtlicher und glücklicher fühlt als vorher scheint das Buch eine ganz hervorragende "literaturmedizinische" Unterstützung gewesen zu sein. Und damit sind wir dann auch schon beim Thema des Buchs ;)

Das ausführlichere Fazit:
Nina George lädt in "Die geheime Sehnsucht der Bücher" die Leser:innen erneut auf das Bücherschiff von Monsieur Perdu ein. Erst beim Lesen des Buches ist mir aufgefallen, dass es ein Folge-Roman ist. Die zwei Vorgänger-Bücher habe ich nicht gelesen. Das werde ich auf jeden Fall nachholen. Gleichwohl habe ich nicht den Eindruck gehabt, dass mir Kontext fehlt.
Die Atmosphäre des Buchs ist bezaubernd, die Charaktere liebenswürdig, die Sprache feinfühlig und gewitzt. Ich habe mich wirklich rundum wohl gefühlt beim Lesen und wäre gern noch länger in dieser Welt geblieben.

Als bibliophile Person mag ich das zentrale Motiv des Romans sehr, welche Kraft die Bücher haben. So ist die "Pharmacie Littéraire" eine ganz wundervolle Metapher für die heilende Wirkung von Geschichten. Dabei bleibt es aber nicht. Denn auch erschreckend aktuelle Themen wie Zensur und Bücherverbote greift die Autorin auf, was dem Buch noch mehr Aktualität und Tiefgang verleiht.

Für mich ist der einzige kleine Wermutstropfen das Ende, welches im Vergleich zum sonst sehr fein ausbalancierten Roman etwas "klebrig-zuckergussartig" daherkommt. Dennoch bleibt der Gesamteindruck durchweg positiv!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Ein nützlicher Ratgeber mit kleinen Einschränkungen

Du bist viel mehr als deine Gefühle
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In dem Buch geht es verkürzt ausgedrückt um eine theoritische und praktische Einführung in die Polyvagal-Theorie und das Konzept der „autonomen Leiter“. In der Beschreibung und im Klappentext werden Menschen ...

In dem Buch geht es verkürzt ausgedrückt um eine theoritische und praktische Einführung in die Polyvagal-Theorie und das Konzept der „autonomen Leiter“. In der Beschreibung und im Klappentext werden Menschen adressiert, die mit "starken Emotionen, Stress und Überwältigung" zu tun haben. Im Buch fällt dann erstaunlich oft das Wort "Trauma", was mich zunächst hat zurückschrecken lassen, da dieses Wort gerade in sozialen Medien recht inflationär genutzt wird. Im Buch umreißt die Autorin den Begriff zwar nachvollziehbar, trägt m.E. aber dennoch dazu bei, dass ein geneigter Leser sich nun sehr schnell als "traumatisiert" identifziert.

Damit komme ich zu zwei weiteren Schwächen des Buchs:

1) Die Autorin spricht wiederholt von "Heilung" und grenzt sich auch von Schulmediziner:innen bzw. Therapeut:innen ab. Beispiele sind „Dieser Weg zu Heilung und Integration darf noch viel bekannter werden.“ oder „Es ist Weg zur Heilung“. Da die Polyvagal-Theorie nicht ausreichend wissenschaftlich validiert ist, empfinde ich solche Aussagen als problematisch und auch rechtlich grenzwertig. Es würde in meinen Augen zur Seriosität des Buchs beitragen, wenn ihre ja durchaus sehr hilfreichen Tipps ohne solche Heilsversprechen vermittelt würden.

2) Die Autorin verweist immer wieder auf ihren eigenen Blog sowie auf ihre Kurse. Das hat mir ein zu werbliches Geschmäckle.

Nun kommen wir zu den Stärken des Buchs:

1) Die Autorin vermittelt die Theorie rund um die „autonome Leiter“ und das Konzept der Polyvagal-Theorie sehr verständlich und anschaulich.

2) Es gibt einige praktische und hilfreiche Übungen, wie z. B. die „Voo-Übung“, Bodyscan, abklopfen oder die 4-7-8-Übung. Die Übungen zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie niederschwellig sind und man nicht mehr braucht als ein paar Minuten Zeit und ein wenig Ungestörtheit.

3) Die Autorin betont immer wieder, dass jeder kleine Schritt zur Regulation zählt und es nicht darum geht, in einem Rutsch von der Dysregulation in die Regulation zu kommen. Damit nimmt sie Druck raus und betont zudem immer wieder, wie wichtig kleine hilfreiche Übungen und Routinen (Selbst-Check-in) sind.

Fazit:
Das Buch bietet einen hilfreichen alternativen Ansatz zu den intensiven Emotionen und dem Stress-Erleben, das alle von uns kennen. Es erläutert die Theorie gut und gibt praktische Tipps. Auf zwischenzeitliche kleine Werbeblöcke und Heilsversprechen hätte die Autorin aber m.E. verzichten können, daher nur 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Illustrationsbuch mit kleinen Lebensweisheiten

Was das Leben dir schenkt
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Lucy Claire Dunbachs "Was das Leben dir schenkt" ist ein süßes Geschenkbuch, das eine Sammlung von Illustrationen und Gedanken enthält. Diese entstanden nach einer Phase der Erblindung der Autorin und ...

Lucy Claire Dunbachs "Was das Leben dir schenkt" ist ein süßes Geschenkbuch, das eine Sammlung von Illustrationen und Gedanken enthält. Diese entstanden nach einer Phase der Erblindung der Autorin und wurden ursprünglich von ihr auf Instagram geteilt. Wer sich also einen Eindruck des Buchinhalts verschaffen möchte, kann dies sehr gut auf ihrem Profil tun.

Das Cover zeigt ebenfalls bereits gut die Illustrationstechnik der Atuorin. Mir gefällt die Art, wie sie malt, sehr gut. Es wirkt sehr liebevoll und detail-verliebt. Das Buch ist in verschiedene Abschnitte unterteilt zu Themen wie Liebe, Freundschaft, Dankbarkeit oder Hoffnung. Wer mag, kann also anhand der Struktur gezielt nach Inspiration in bestimmten Lebensbereichen suchen.

Die Texte im Buch, die bei jeder Illustration dabei sind, wirken ehrlich gesagt zunächst wie altbekannte Kalendersprüche. Sätze wie "Du bist genau dort, wo du sein sollst" oder "Wenn du erkennst, dass das Leben selbst das Glückslos ist, ist der wahre Jackpot gewonnen" sind einfach formuliert. Die Stärke des Buches liegt für mich jedoch darin, dass es zum Innehalten anregt. Nimmt man sich die Zeit, die Illustrationen zu betrachten und die Gedanken auf sich wirken zu lassen, kann das Buch eine entschleunigende Wirkung haben.

Somit ist es in meinen Augen auch nicht ratsam, das Buch von vorne bis hinten durchzublättern, so wie ich es zunächst getan habe. Das hat mich enttäuscht. Ich denke, es lohnt sich, sich Zeit für einzelne Seiten zu nehmen. Dann entwickelt das Buch eine Tiefe über die Kalendersprüche hinaus.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Inspirierende Lebenslektionen über Verlust, Resilienz und Lebensfreude

Das Leben ist ungerecht
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Das Buch hat mich mit den ersten Sätzen in den Bann gezogen. Wer Miriam Höller kennt, weiß, was ihr widerfahren wird. Wer sie kennt, weiß auch, was für eine starke Frau sie ist. Beim Lesen ihres Buchs ...

Das Buch hat mich mit den ersten Sätzen in den Bann gezogen. Wer Miriam Höller kennt, weiß, was ihr widerfahren wird. Wer sie kennt, weiß auch, was für eine starke Frau sie ist. Beim Lesen ihres Buchs erfährt man nun mehr über ihren Verlust, ihre Resilienz und wie sie ihre Lebensfreude wiedergefunden hat.

Cover und Gestaltung
Das Cover gefällt mir persönlich nicht so gut. Der Titel mutet etwas plump und reißerisch an, was wirklich schade ist, denn die Erzählweise finde ich viel feinfühliger und differenzierter.

Thema und Umsetzung
Das Buch beschäftigt sich mit einschneidenden Lebensveränderungen und der Kunst, sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Trotz der teils schweren Thematik verliert es nie an Leichtigkeit und Hoffnung. Mir gefällt auch ihr Blickwinkel auf das Gefühl von Ungerechtigkeit. So schreibt sie an einer Stelle: "Das, was sich ungerecht anfühlt, ist nicht das Leben, sondern der Verlust der Illusion vom Leben, an die wir uns klammern." Sätze wie diese regen zum Nachdenken an.

Schreibstil
Miriam Höllers Sprache ist zugänglich, flüssig und direkt. Folgendes Zitat spiegelt das für mich gut wieder: "Erst der Tod macht das Leben wertvoll. Erst der Misserfolg adelt den Erfolg. Erst die Zerbrechlichkeit lässt uns die Gesundheit wertschätzen." Zahlreiche Sätze wie diese habe ich mir markiert, weil sie wertvolle Denkanstöße bieten. Insgesamt merkt man, dass sie authentisch schreibt und ihre persönlichen Erfahrungen ungeschönt wiedergibt. Die Kombination aus erzählerischen Passagen und reflektierenden Abschnitten macht das Buch sowohl spannend als auch inspirierend.

Fazit
„Das Leben ist ungerecht – und das ist gut so“ ist weit mehr als eine autobiografische Erzählung. Es ist ein Mutmachbuch, das inspiriert, ohne belehrend zu wirken. Miriam Höller beweist, dass persönliche Schicksalsschläge nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Weges sein können.
Sie erfüllt mit ihrem Buch genau das, was sie selbst an einer Stelle zum Umgang mit Herausforderungen schreibt: "Dabei helfen uns die Beispiele anderer, denn sie inspirieren uns, Lösungen für unseren Schmerz zu finden. Mit ihrer Unterstützung lernen wir sehen, was wir selbst als Gefangene unserer Emotionen gerade nicht aus eigener Kraft sehen können."
Ihr Buch ist genau so ein Beispiel. Daher für mich eine klare Leseempfehlung für alle, die nach einer motivierenden und lebensbejahenden Perspektive suchen.

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