Animant und Mr. Reed erweichen einem das Herz
Animant Crumbs Staubchronik„Animants Staubchroniken“ spielt in England von 1890. Animant wohnt auf dem Land und möchte nichts anderes außer ihre Zeit mit Büchern zu verbringen. Doch ihre Mutter hat ganz andere Pläne für sie, Bälle, ...
„Animants Staubchroniken“ spielt in England von 1890. Animant wohnt auf dem Land und möchte nichts anderes außer ihre Zeit mit Büchern zu verbringen. Doch ihre Mutter hat ganz andere Pläne für sie, Bälle, Kleider und der ständige Versuch, den perfekten Ehemann für sie zu finden. Um dem zu entkommen, nimmt sie das Angebot ihres Onkels an, einen Monat in der Universitätsbibliothek zu arbeiten.
So nimmt ihr Leben eine andere Richtung an, sie muss sich mit dem griesgrämigen Bibliothekar Thomas Reed herumschlagen, ihren Gefühlen vertrauen und sich der Herausforderung Leben stellen.
Animant ist mir sofort ans Herz gewachsen, sie ist sehr pflichtbewusst, ordentlich, stolz, aber auch aufmüpfig und sarkastisch. Auch wenn sie zum Adel gehört, ist sie sich nicht zu fein, für andere einzustehen und zu helfen. Sie ist eine starke Protagonistin. In der ein oder anderen Situation jedoch fand ich ihre Reaktion etwas zu heftig und konnte nicht, verstehen, warum sie so wütend oder aufbrausend reagiert hat. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die Etikette es so hergegeben hat. Sie kämpft dafür, sich als Frau in einer Männerwelt zu behaupten, zu zeigen, dass Frauen auch arbeiten können.
Thomas Reed ist ein Charakter, den man augenscheinlich erst nicht mag. Er ist eigenbrötlerisch, stur und hat andauernd schlechte Laune. Vor allem Animant überlädt er mit Arbeit, um jeglichen Gesprächen aus dem Weg gehen zu können. Er kommt oft sehr ruppig und ungehobelt rüber, was aber vermutlich daran liegt, dass er einfach nicht so versiert im Umgang mit der richtigen Etikette ist. Mit der Zeit erweicht sein Herz, er wird freundlicher und er überzeugt die Leser von sich.
Alle anderen Charaktere wie Animants Familie werden ebenfalls sehr tief beschrieben und haben eine eigene Persönlichkeit, sodass man sie einfach mögen muss. Absolut großartig!
Hervorzuheben ist, dass man eine konstante Entwicklung der Charaktere und ihren Beziehungen zueinander erkennen kann. Besonders auffällig ist die Entwicklung von Animant, ihr Aufenthalt in London lässt sie reifer und erwachsener werden, sie geht anders an bestimmte Dinge heran und erkennt, was wirklich wichtig ist.
Auch wenn die Geschichte im späten 19. Jahrhundert spielt, ist das kein Kriterium, nicht zu diesem Buch zu greifen. Es ist überhaupt nicht schwierig in die Geschichte zu finden, nicht abschreckend, eine Reise in die Vergangenheit anzutreten, eher macht dieses Setting seinen ganz eigenen Charme aus.
Zu Beginn der Geschichte hatte ich immer irgendwie das Gefühl, dass es nicht nur eine Geschichte über Animants Leben ist, sondern habe auf das gewisse Etwas, ein Fantasyelement, gewartet. Warum kann ich gar nicht genau sagen, vielleicht weil es in einer großen Bibliothek spielt und dort immer etwas passieren kann. Doch als ich merkte, dass es „nur“ eine Geschichte ist, war ich nicht enttäuscht, das Geschehen wird angenehm und bildlich beschrieben. Man kann sich gut in die Zeit hineinversetzen und merkt gar nicht, wie schnell man vorankommt.
Erzählt wird die Geschichte aus Animants persönlicher Sicht, sodass man sich sehr einfach in sie hineinversetzen kann. Der Erzählstil ist sehr bildlich und eingänglich. Ich konnte mich gut in die Geschichte fallen lassen und mochte die Einfachheit. Dass das Geschehen mit viel Humor und auch Sarkasmus gespickt ist, lockert das Ganze auch noch weiter auf. Besonders gefallen hat mir auch, dass jedes Kapitel mit einer Art Vorschau beginnt. Es wird jeweils mit einem Satz gestartet, der einen kleinen thematischen Einblick in das Kapitel gibt.
Fazit:
Trotz kleiner Mängel ist „Animants Staubchronik“ eine sehr angenehme und unterhaltsame Geschichte! Klare Empfehlung! Die Charaktere weisen alle eine Tiefe auf, die manch anderem Buch gerne mal fehlt, man kann sich in die Geschichte fallen lassen und in das Leben ins späte 19. Jahrhundert eintauchen.