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Veröffentlicht am 27.07.2020

Spurensuche in Frankreich

Die Frauen von der Purpurküste – Isabelles Geheimnis (Die Purpurküsten-Reihe 1)
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„Die Frauen von der Purpurküste“ ist der erste Band einer Trilogie von Silke Ziegler. Jedes Buch dreht sich um eine andere Frau, die einen Neuanfang in dem französischen Städtchen Collioure wagt.
„Isabelles ...

„Die Frauen von der Purpurküste“ ist der erste Band einer Trilogie von Silke Ziegler. Jedes Buch dreht sich um eine andere Frau, die einen Neuanfang in dem französischen Städtchen Collioure wagt.
„Isabelles Geheimnis“ ist einer dieser Romane, in denen man sich schon nach wenigen Seiten wohlfühlt. Bereits im zweiten Kapitel war ich mir sicher, dass ich hier bestimmt fünf Sterne vergeben werden.
Doch je länger ich weiter las, desto mehr stellte ich fest, dass diese Vermutung wohl übereilt war. Es beginnt so vielversprechend aber dann werden die Dialoge immer hölzener und auch unrealistisch. Man stelle sich das einmal vor... man bewundert die Aussicht, plötzlich stellt sich eine wildfremde Frau neben einen und sagt: „Mein Mann und mein Sohn sind vor drei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen“. Wer macht denn sowas?

Zu Protagonistin Amèlie passt so ein Verhalten allerdings auch wieder. Ich wollte zunächst Mitleid mit ihr haben, da ihre Familie auf so eine tragische Weise von ihr gerissen wurde. Aber ihr ganzes Verhalten ist so ich-bezogen und versnobt. Sie nimmt keine Rücksicht auf die Gefühle ihrer Mitmenschen. Das Haus ihrer Großmutter ist vermietet, doch sie erwartet, dass der Mieter sofort verschwindet, nur weil sie nach Jahren der Abwesenheit unangekündigt auftaucht. Sie begegnet Benjamin mit viel Hass obwohl sie ihn überhaupt nicht kennt. Warum dieser sympathische Mann trotz allem Gefallen an so einer Tussi gefunden hat ist mir rätselhaft. Vermutlich liegt es an ihrem guten Aussehen, denn dieses wird immer wieder betont und in den Mittelpunkt gestellt.
Obwohl sie zu ihrer französischen Verwandtschaft den Kontakt abgebrochen hat, wird sie von allen mit offenen Armen begrüßt und die Jahre des Schweigens sind sofort vergeben und vergessen.
Sehnsüchtig wartete ich darauf, dass wir endlich mehr über das auf dem Klappentext angekündigte Familiengeheimnis erfahren. Endlich, nach ca. 100 Seiten, erhält Amélie ein Tagebuch ihrer Großmutter. Hier erfahren wir mehr über ihre Jugend im besetzten Frankreich während des zweiten Weltkriegs. Ich fand es sehr interessant, den Krieg einmal nicht aus Sicht der Deutschen zu erleben, sondern dass uns dieser Roman vor Augen führt, wie schrecklich sich unsere Vorfahren in einem fremden Land aufgeführt haben.
Die Geschichte über die Jugendliebe von Isabelle war für mich das Highlight des Romans. Leider nehmen die Einschübe aus dem Tagebuch höchstens ein Viertel des Buchs ein. Kurios ist, dass Amélie tagelang gebraucht hat, um die Aufzeichnungen zu lesen und ihre Oma immer wieder drängeln musste, ob sie schon fertig ist. Vermutlich war ihr Tagebuch länger, als das Abgedruckte....

„Die Frauen von der Purpurküste – Isabelles Geheimnis“ endet dann auch komplett vorhersehbar ohne jede Überraschung.
Insgesamt fand ich dieses Buch leider nur mittelmäßig. Dennoch würde ich der Reihe eine weitere Chance geben, denn der Klappentext des zweiten Teils hört sich um einiges interessanter an.

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Veröffentlicht am 25.07.2020

Kurzweilige Zeitreise

Die Wunderfrauen
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„Die Wunderfrauen“ von Stephanie Schuster hat mich angesprochen, da die Geschichte in den 50er Jahren beginnt. Ich habe schon viele Romane gelesen, die vor und während des zweiten Weltkriegs spielen, über ...

„Die Wunderfrauen“ von Stephanie Schuster hat mich angesprochen, da die Geschichte in den 50er Jahren beginnt. Ich habe schon viele Romane gelesen, die vor und während des zweiten Weltkriegs spielen, über die Zeit danach noch nicht so viele. Dabei sind gerade die 50er eine spannende Epoche. Der Krieg war vorbei, die Menschen hatten wieder Perspektiven und genossen die neue Freiheit, endlich wieder tun und lassen zu können, was sie wollten. Gleichzeitig ist das braune Gedankengut noch in vielen Köpfen verankert.
Stephanie Schuster spinnt ihre Geschichte rund um vier Frauen in einem kleinen Dorf in Bayern. Das Cover hatte mir assoziiert, dass es sich hier um Freundinnen handelt. Zunächst einmal kennen sich die Vier allerdings nicht. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht der jungen Frauen, erzählt.
Insbesondere Marie und Luise habe ich sehr schnell in mein Herz geschlossen. Marie, eine ehemalige Gutshoftochter, die durch die Flucht alles verloren hat, hat mir durch ihren Optimismus imponiert. Mutig wirft sie sich in ein neues Abenteuer und gibt ihrem Leben eine neue Richtung.
Luise hat jung geheiratet. Eine überraschende Erbschaft macht es hier möglich ihren Traum von einem eigenen Tante Emma Laden zu verwirklichen.
Auch die quirlige Helga, der das Leben immer wieder Steine in den Weg wirft, mochte ich sehr gerne.
Annabel hat auf den ersten Blick etwas hartes, missgünstiges an sich, was sie weniger sympathisch macht. Hinter der harten Schale ist sie jedoch einfach ein einsamer Mensch, der sich nach Freunden sehnt. Insbesondere auf ihre Charakterentwicklung bin ich im nächsten Band sehr gespannt.

„Die Wunderfrauen“ hat mich von der ersten bis zu letzten Seite in den Bann gezogen. Manchmal musste ich ein wenig schmunzeln, weil der Erzählstil sehr detailliert ist, gleichzeitig wirkt die Geschichte gerade deswegen so real wie ein Film. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und fühlte mich wie mitten dabei. Immer wieder streut Stephanie Schuster Kleinigkeiten ein, die den Zeitgeist widerspiegeln und aus denen man etwas lernen kann. Ich fand es zum Beispiel sehr interessant, dass die Auffanglager für Heimatlose erwähnt wurden. Darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Nun würde ich gerne mehr darüber erfahren. Außerdem hat mich das Buch angeregt, mich über die Aufstände des 17. Juni zu informieren.
Neben den politischen Informationen lernt man hier auch ganz alltägliche Sachen über die 50er. Zum Beispiel fühlt es sich heutzutage so hipp an, wenn man an einer Plank-Challenge teilnimmt. Dabei wurde diese Übung – damals noch unter dem Namen Unterarmstütz – schon vor 70 Jahren praktiziert. Spannend fand ich auch die Preisgestaltung im Tante Emma Laden. Heringssalat, bekam man quasi hinterher geworfen während eine Dose Ananas so viel wie heute bzw. sogar mehr kostetet.

Ich war richtig traurig, als ich am Ende angekommen war. Im Anhang ist das erste Kapitel des zweiten Bands bereits abgedruckt. Hier werden schon einige Fragen aufgeworfen und es endet an einer so spannenden Stelle, dass ich am liebsten sofort weiterlesen würde.
Von mir bekommt „Die Wunderfrauen – Alles was das Herz begehrt“ eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.07.2020

Sehr guter Teil der Reihe

Mörderische Angst
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Nach ein paar Jahren Abwesenheit war es Zeit für mich, nach Painter's Mill zurückzukehren. Schon nach wenigen Seiten fragte ich mich, wie ich so lange fernbleiben konnte. Kate Burkholder ist ein Charakter, ...

Nach ein paar Jahren Abwesenheit war es Zeit für mich, nach Painter's Mill zurückzukehren. Schon nach wenigen Seiten fragte ich mich, wie ich so lange fernbleiben konnte. Kate Burkholder ist ein Charakter, den ich sehr gerne mag. Sie kämpft für Gerechtigkeit und möchte ihre Gemeinde, in der es immer wieder zu Gewaltverbrechen kommt, beschützen.
„Mörderische Angst“ ist ein wenig anders als die bisherigen Teile der Reihe, denn bis weit hinter die Hälfte gibt es keine direkten Interaktionen mit den Amish People.
Linda Castillo schafft es durchgängig Spannung zu erhalten und dies finde ich hier insbesondere bemerkenswert, denn gleich zu Beginn wird dem Leser das Tatmotiv sowie künftige Opfer präsentiert. Bereits 100 Seiten vor dem Ende wird aufgedeckt, wer hinter all dem steckt.
Und dennoch kann die Autorin mit einem Showdon aufwarten, der mit Action, Tragik und Tempo überzeugt.
Für mich war dies ein sehr gelungener Teil der Reihe und freue mich, dass ich noch einige Bände vor mir habe.

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Veröffentlicht am 17.07.2020

Harter Männer-Thriller

Tannenstein
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Linus Geschke taucht mit seinem Thriller „Tannenstein“ tief in den Untergrund, der so ähnlich vermutlich wirklich existiert, von den meisten von uns jedoch nicht bemerkt wird.
Im Zentrum steht Alexander ...

Linus Geschke taucht mit seinem Thriller „Tannenstein“ tief in den Untergrund, der so ähnlich vermutlich wirklich existiert, von den meisten von uns jedoch nicht bemerkt wird.
Im Zentrum steht Alexander Born, ein Kriminalkommissar, der für zu viele beschlagnahmte Güter privat Verwendung fand und einige Zeit im Gefängnis verbracht hat. Während er inhaftiert war, wurde seine Freundin Lydia ermordet, da sie der Russenmafia zu nahe kam. Nun ist Born wieder auf freiem Fuß und alles was ihn antreibt ist Lydias Mörder zu finden.
Da Born kein Polizist mehr ist, gelten für ihn keine Regeln. Mit Faust- und Waffengewalt prügelt bzw. schießt er sich seinen Weg frei wie ein Cowboy. Er kennt zwielichtige Informanten und auch die gefrustete Polizistin Norah schließt sich ihm an.
Born ist ein knallharter Typ. Er will seine Freundin rächen aber man spürt von dieser großen Liebe nichts. Lydia ist einfach nur der Name einer Person, die starb, bevor das Buch begann. Hier hätte ich ein paar Rückblenden hilfreich gefunden. Allein könnte Born niemals an die Informationen über Lydias Ermittlungen kommen. Gut, dass Norah Lust hat, ihm zu helfen. Für mich war diese Allianz ziemlich unlogisch. Norah träumt von einer großen Karriere als Kriminalkommissarin und fühlt sich von ihrem Chef klein gehalten. Dennoch schließt sich sich einem Kleinkriminellen an und bricht sämtliche Regeln. Die Möglichkeit, dass sie für immer aus dem Polizeidienst ausgeschlossen wird, steht als Elefant im Raum. Warum sollte sie ihre Karriere riskieren für eine Frau, die sie nur vom sehen kennt.
Wenig überraschend kam für mich, dass Norah und Born miteinander anbändeln. Was mich allerdings wohl verwunderte, war die übertrieben blumige Sprache, in der intime Szenen beschrieben wurden. Dies wollte so gar nicht zu dem sonst eher nüchternen Erzählstil passen. Es wurde auch gleich von „dem Mensch, den ich liebe“ gesprochen, obwohl man sich doch gerade erst kennengelernt und kaum ein privates Wort gewechselt hatte.

Die Kapitel in „Tannenstein“ sind kurz und die Perspektiven wechseln immer wieder zwischen Born, Norah, dem ominösen Killer mit den Namen „Der Wanderer“ und verschiedenen Gangstern hin und her.
Linus Geschke erklärt anschaulich die Strukturen innerhalb der Russenmafia und spart dabei nicht an Brutalität und Gewalt.
Der Thriller hat spannende Momente aber die meiste Zeit konnte mich die Handlung nicht abholen. Es gab keine sympathischen Charaktere und die Erzählweise hielt mich stets auf Distanz. Zum Beispiel hatte ich vom Wanderer nie ein Gesicht vor Augen. Obwohl er so präsent ist und teilweise sogar aus seiner Sicht erzählt wird, blieb er für mich ein Phantom, unter dem ich mir nichts vorstellen konnte.
Insgesamt war mir dieser Thriller zu hart, sowohl was die Charaktere als auch die Handlung angeht. Mir fehlten Emotionen oder irgendwas, dass mich mit den Protagonisten mitfiebern lässt.
Ich will eigentlich keine Schubladen aufmachen aber für mich ist „Tannenstein“ ein typischer Männer Thriller. Ich würde das Buch Männern empfehlen, die den Einstieg ins Hobby lesen suchen und könnte mir vorstellen, dass dies ein guter Anfang ist, da es nicht besonders dick ist und einiges an Action geboten wird.

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Veröffentlicht am 10.07.2020

Zu Hause gesucht

Im Schatten das Licht
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Mit „Im Schatten das Licht“ ist es Jojo Moyes ein weiteres Mal gelungen, mich von der ersten Seite an eine Geschichte zu fesseln.

Im Mittelpunkt steht hier die 14-jährige Sarah, die in ärmlichen Verhältnissen ...

Mit „Im Schatten das Licht“ ist es Jojo Moyes ein weiteres Mal gelungen, mich von der ersten Seite an eine Geschichte zu fesseln.

Im Mittelpunkt steht hier die 14-jährige Sarah, die in ärmlichen Verhältnissen bei ihrem Großvater lebt. Als dieser einen schweren Schlaganfall erleidet und für längere Zeit ins Krankenhaus muss, steht Sarah mit ihrem talentierten Pferd Boo und Geldsorgen alleine da. Im Supermarkt trifft sie zufällig auf die Rechtsanwältin Natasha. In einem Moment der Spontanität bietet diese sich als Pflegemutter an.

Wie bereits kurz erwähnt, hat mich dieser Roman sehr in seinen Bann gezogen. Sarah ist ein toughes Mädchen, dass man einfach gerne haben muss (allerdings habe ich nicht ganz verstanden, warum sie die Existenz ihres Pferdes so lange geheim gehalten hat – aber wer versteht schon die Logik von Teenagern). Sarah und ihr Großvater stehen sich sehr nah, sie weiß, dass er sie liebt, auch wenn sie ziemlich streng erzogen wurde. Das größte Ziel von ihm ist, Sarah zu einer erfolgreichen Dressurreiterin auszubilden, damit sie in seine Fußstapfen tritt. Ich weiß ehrlich gesagt nichts über diese Form des Reitens, die Kunststücke, die die Pferde an der spanischen Hofreitschule bzw. wie hier beim Cadre Noir erlernen kommen mir jedoch ziemlich extrem vor. Ich bin unschlüssig, ob ein Pferd so etwas können sollte. Der Einsatz der Peitsche und Sporen klingt für mich wie Tierquälerei und es gab mir ein unwohles Gefühl, darüber zu lesen.

Zurück zum Buch – Natasha und ihr beinahe Exmann Mac nehmen nun also Sarah auf und mimen für eine kurze Zeit ein Ehepaar, obwohl sie kurz vor der Scheidung stehen.

Die Figur der Natasha war mir etwas suspekt. Beim ersten Treffen mit Sarah ist sie so verständnisvoll und großzügig. Später findet sie allerdings überhaupt keinen Zugang zu dem Mädchen und strengt sich auch nicht besonders an, dies zu ändern. Natasha wirkte auf mich oft zickig und anspruchsvoll ihren Mitmenschen gegenüber. Ich habe lange auf den Moment gewartet, dass unter der harten Schale ein weicher Kern ans Licht kommt, aber sie bleibt bis fast zum Schluss kalt, karrieresüchtig und verurteilt die Menschen aufgrund ihrer Herkunft.

Mac wird als Charmeur beschrieben und ich gebe es zu – auch ich bin ihm erlegen und mochte diesen Chaoten sehr gerne.

Mac und Sarah hätten definitiv etwas besseres verdient als Natasha.

Was mich wirklich sehr fasziniert hat, war die Beschreibung des Stalls unter der Eisenbahnbrücke, in dem Boo untergebracht wurde. Dieser Kontrast zwischen Arm und Reich wurde hier sehr gut herausgearbeitet.

Ich bin in der Erwartung an das Buch herangegangen, dass dies ein Wohlfühlroman ist. „Im Schatten das Licht“ ist allerdings eine überwiegend traurige Geschichte und handelt von Menschen, die ums Überleben kämpfen. Trotz dem vorhersehbaren Ende geht das Schicksal einiger Charaktere wirklich nahe. Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen.

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