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Veröffentlicht am 01.08.2021

Ein Totengräber und ein ambitionierter Inspektor auf gemeinsamer Mörderjagd!

Das Buch des Totengräbers
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Oliver Pötzsch entführt uns in seinem Wiener Krimi in die Zeit um 1893, in der ein sehr intelligenter Totengräber, Augustin Rothmayer, seinen Almanach für Totengräber verfasst.

Während dieser Arbeit werden ...

Oliver Pötzsch entführt uns in seinem Wiener Krimi in die Zeit um 1893, in der ein sehr intelligenter Totengräber, Augustin Rothmayer, seinen Almanach für Totengräber verfasst.

Während dieser Arbeit werden in Wien rund um den Prater junge Frauen bestialisch ermordet aufgefunden. Die Polizei ermittelt und bekommt Unterstützung durch einen jungen ehemaligen Untersuchungsrichter aus Graz, Leopold von Herzfeldt. Dieser möchte die neuesten Ermittlungsmethoden den neuen Kollegen vermitteln, stößt jedoch durch seine Respektlosigkeit und Unbedachtheit auf Gegenwehr. Auch die Musikerfamilie Strrauss ist durch einen mysteriösen Selbstmord eines Familienmitgliedes in die Ermittlungen mit einbezogen. Wer begeht solch derartige perfide und abstoßende Morde? Und was ist sein Motiv?

Oliver Pötzsch versteht es außerordentlich gut, das dem Leser gewohnt schöne Lokalkolorit Wiens und seines Praters, in seinem Kriminalfall höchst düster und unheimlich zu gestalten. Sowohl Personen als auch Handlung wirken sehr authentisch und es fällt zeitweise schwer zwischen Fiktion und historischer Wirklichkeit zu unterscheiden.

Der Erzählstil ist sehr bildhaft und flüssig. Die Mordbeschreibungen sind trotz aller Details nie splatterhaft oder zu gruselig. Allerdings gehen mir sowohl die Morde als auch die pädophilen Machenschaften der Wiener High Society mächtig an die Nieren.

Von Leopold von Herzfeldt würde ich sehr gerne mehr Fälle zu lesen bekommen. Diese etwas oberschlau wirkende Art der Ermittlung gefällt mir sehr und schreit nach einer Fortsetzung. Für alle Krimiliebhaber, die das Historische und den Wiener Schmäh lieben, eine unbedingte Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2021

Schicksalhafte Bahnfahrt aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln

Dreieinhalb Stunden
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Der Roman "3 1/2 Stunden Wie entscheidest du dich?" von Robert Krause beschreibt die schicksalhafte Bahnfahrt von München nach Berlin am 13. August 1961, dem Tag des Mauerbaus, aus der Sicht von völlig ...

Der Roman "3 1/2 Stunden Wie entscheidest du dich?" von Robert Krause beschreibt die schicksalhafte Bahnfahrt von München nach Berlin am 13. August 1961, dem Tag des Mauerbaus, aus der Sicht von völlig unterschiedlichen Personen.
Die einzelnen Kapitel des Romans tragen entsprechend die Namen der Personen, aus deren Sichtweise gerade erzählt wird.
Dem Autor gelingt auf diese Weise wunderbar, das Gefühlschaos, welches im Zug herrscht als die Information des Mauerbaus durchsickert, authentisch und realistisch den Lesern zu vermitteln.
Die einzelnen Beweggründe der verschiedenen Figuren werden absolut nachvollziehbar nahegelegt. Die Spannung des Romans lebt genau davon und steigert sich, je näher der Zug der deutsch-deutschen Grenze kommt.

Das Cover präsentiert einen der damaligen Regionalzüge, in dem ein Schaffner in der Zeit um 1961 typischen Uniform mit seiner Kelle auf eine letzte Passagierin wartet, bevor die Fahrt weitergehen kann.
Die Art und Weise der Darstellung passt hervorragend zum Inhalt des Romans und spiegelt den Flair der 60er Jahre wieder.

Allen Lesern/-innen, die historisch authentische Fakten gepaart mit fiktiven, sehr realistisch gezeichneten Figuren und deren Schicksale verpackt in eine spannende Rahmenhandlung lieben, sei dieser Romans wärmstens ans Herz gelegt und sehr zu empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.07.2021

Wo Liebe wächst, sind Religion und Herkunft Nebensache.

Das Spiel der Ketzerin
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In dem 479 Seiten starken Roman "Das Spiel der Ketzerin" von Manuela Schörghofer wartet Alida von Erkenwald auf die Rückkehr ihres Vaters, um sich dann mit Dankwart zu vermählen. Doch ihr Vater wurde inhaftiert ...

In dem 479 Seiten starken Roman "Das Spiel der Ketzerin" von Manuela Schörghofer wartet Alida von Erkenwald auf die Rückkehr ihres Vaters, um sich dann mit Dankwart zu vermählen. Doch ihr Vater wurde inhaftiert und Alida entkommt nur durch einen Zufall einem an ihr geplanten Mord und kann aus ihrem Zuhause entkommen. Um nun nicht als die Grafentochter erkannt zu werden, gibt sie sich von da an als Tochter eines befreundeten Juden aus und begibt sich als solche auf die Suche nach ihrem Vater, um ihn und ihr Zuhause zu retten. Um dieses jedoch zu verhindern, wird Richard von Thurau mit der Verfolgung beauftragt, damit er Alida zur Burg zurückbringt.

Manuela Schörghofer gelingt es in dem Historienroman von Beginn an Sympathien für Alida zu wecken und ihre Leser mit auf deren Reise zu nehmen. Man fühlt förmlich permanent die Angst entdeckt zu werden, die Sorge um ihren Vater und im Gegensatz dazu die nie enden wollende Hoffnung und den Mut, ihrem Ziel immer näher zu kommen. Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Kapitel in passender Länge dargestellt, sodaß ein angenehmer Lesefluß entsteht und das Buch nur sehr schwer aus der Hand zu legen ist. Der Spannungsbogen zieht sich durch den kompletten Roman stetig hindurch und läßt die Leser bis zum Ende mit Alida hoffen und bangen.

Mein Fazit:

Ein sehr spannender und emotionaler Roman, der auch mit der nötigen Prise Humor versehen ist und in dem jeder einzelne Charakter so liebevoll und detailliert dargestellt wird, das man sie alle bildlich vor sich sieht und sich in jeden gleich hineinversetzen kann. Die Erzählung wirkt durch die alten Orts- und Flussbezeichnungen sehr authentisch und realistisch, so daß manchmal Fiktion und Realität ineinander übergehen. Zwei sehr schön gestaltete Landkarten im Buchdeckel, ein Personenverzeichnis gleich zu Beginn des Romans, Orts- und Flussbezeichnungen von damals und heute und ein Glossar runden das herausragende Lesevergnügen wundervoll ab.

Eines meiner absoluten Lesehighlights diese Jahr!!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.07.2021

Etwas langatmige Suche nach einem vermissten Säugling.

Mohnblumentod
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In "Mohnblumentod" von Lina Bengtsdotter wird ein Säugling von ihrer Mutter vermisst und das Verschwinden der Polizei gemeldet. Diese macht sich direkt nach der Befragung der Eltern Frida und Gustav auf ...

In "Mohnblumentod" von Lina Bengtsdotter wird ein Säugling von ihrer Mutter vermisst und das Verschwinden der Polizei gemeldet. Diese macht sich direkt nach der Befragung der Eltern Frida und Gustav auf die Suche. Doch das Kind bleibt verschwunden und die Suche erweist sich schwieriger als erwartet.


Der "Thriller" startet auf den ersten Seiten sehr rasant und es baut sich sogleich ein starker Spannungsbogen auf. Leider gelingt es der Autorin diesen Spannungsbogen jedoch nicht bis zum Ende aufrecht zu erhalten oder gar zu steigern. Die Suche wird durch immer mehr Personen und deren Lebenshintergründe stark beeinträchtigt.

Sehr gut gelungen sind die immer wieder eingestreuten Abschnitte über das Heimleben dreier Freundinnen, in denen diese über ihre schweren Schicksale berichten.

Das Buch wird meiner Meinung nach dem Genre Thriller nicht gerecht, sondern ist für mich eher ein gut ausgeklügelter Krimi mit einer sympathischen Kommissarin und bedrückend beschriebenen Heimleben drei junger Mädchen. Daher vergebe ich lediglich drei Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.07.2021

Zauberhafte, phantasievolle und ausdrucksstarke Erzählung in Zeiten des 30jährigen Krieges!

Das Lied des Gaukelspielers
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"Das Lied des Gaukelspielers" von Ann-Kathrin Wasle ist ein 584 Seiten starkes Werk, dass den Leser von Beginn an auf eine Reise von dem Zauberer/ Pagaten Balthasar - sehr lebhaft, ausdrucksstark und ...

"Das Lied des Gaukelspielers" von Ann-Kathrin Wasle ist ein 584 Seiten starkes Werk, dass den Leser von Beginn an auf eine Reise von dem Zauberer/ Pagaten Balthasar - sehr lebhaft, ausdrucksstark und beeindruckend erzählt - durch verschiedene Orte und Städte Mitteleuropas führt.

Balthasar erwacht in einem Dorf, in dem alle Einwohner ermordet bzw tot von ihm aufgefunden werden. Er selber kann sich nicht an seine Herkunft noch an irgendetwas erinnern. Als er dem einzigen Überlebenden begegnet, will er von diesem erfahren, was in dem Dorf passiert ist. Doch der junge Mann flüchtet. Balthasar begibt sich daraufhin auf eine ereignissreiche und dramatische Reise, um zu erfahren, wer er ist, von wo er kommt und wo ihn sein Weg letztendlich hinführen wird.

Ann-Kathrin Wasle ist mit diesem Historien-Fantasy-Roman ein Werk gelungen, welches den potentiellen Leser nicht durch die 584 Seiten abschrecken sollte, sondern ein echter Pageturner ist. Balthasar ist mir von Beginn an sympathisch und suspekt zugleich erschienen. Man kann ihn nicht konkret fassen und genau das macht diesen Charakter so wahnsinnig interessant. Die unterschiedlichen Orte werden von der Autorin so detailiert und wunderbar anschaulich beschrieben, dass man Balthasar auf Schritt und Tritt durch die Seiten des Buches folgt und die Bilder und Gerüche der Schauplätze in sich aufzusaugen meint.

Mein Fazit:

"Das Lied des Gaukelspielers" bekommt von mir eine unbedingte Leseempfehlung. Dieses Buch legt man nur ungern aus der Hand und möchte es am liebsten am Stück durchlesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere