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Veröffentlicht am 18.07.2025

Dämonenhotel

How to Feed a Demon
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Als Marie von zu Hause abhaut, weil sich weder ihre Eltern, noch ihre Klassenkameraden wirklich für sie interessieren, ist sie allein und hoffnungslos. Über Nacht schlüpft sie heimlich in ein Herrenhaus, ...

Als Marie von zu Hause abhaut, weil sich weder ihre Eltern, noch ihre Klassenkameraden wirklich für sie interessieren, ist sie allein und hoffnungslos. Über Nacht schlüpft sie heimlich in ein Herrenhaus, das sie für verlassen hält. Um Mitternacht begegnen ihr jedoch diverse Fantasy-Wesen, die ihr freudig erklären, dass sie nun die neue Hotelbesitzerin sei. Marie würde sich am liebsten sofort wieder vom Acker machen, doch nach und nach lernt sie die Hotelbewohner kennen und es entstehen zarte Bande der Freundschaft. Wäre da nur nicht der missgünstige Nachbar, der seine ganz eigenen Ziele verfolgt und das Hotel schon seit Jahrzehnten in seinen Besitz bringen will…

How to feed a Demon hat mich mit seinem Klappentext zunächst eine etwas ältere Zielgruppe erwarten lassen, tatsächlich richtet sich die Geschichte aber eher an ein jüngeres Publikum. Das hat meiner Lesefreude jedoch keinen Abbruch getan, denn die Autorin entfaltet hier eine bunte Fantasy-Welt voller origineller Ideen und Wesen, die man nicht in jedem Fantasy-Roman trifft wie z.B. ein Basilisk oder auch ein Blutschink, was ich besonders erfrischend fand.

Die Figuren sind mit viel Liebe gezeichnet, einige Charaktere habe ich richtig ins Herz geschlossen. Gerade dieser Aspekt hat für mich viel von dem Zauber der Geschichte ausgemacht. An manchen Stellen wirkte die Handlung zwar etwas ungelenk und ich war mir nicht immer sicher, wohin die Reise gehen soll, doch am Ende fügte sich alles zu einer schönen Geschichte über Zusammenhalt und Freundschaft. Besonders gefallen hat mir, wie die Erzählung zeigt, wie Fremde nach und nach zusammenwachsen und echte Freunde werden.

Alles in allem ein fantasievolles Buch mit viel Herz, das vor allem jüngere Leser*innen begeistern dürfte.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Ein überraschend tiefgründiger Jugendroman mit einem Hauch Fantasy, Herzklopfen und venezianischem Charme

Gondelküsse und Zeitensprünge
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Die 16-jährige Lucy ist total genervt: nach einem schweren Unfall, dessen Folgen auch nach Monaten noch Probleme bereiten, besucht sie nun ihren Vater in Venedig, das im November nicht so einladend ist ...

Die 16-jährige Lucy ist total genervt: nach einem schweren Unfall, dessen Folgen auch nach Monaten noch Probleme bereiten, besucht sie nun ihren Vater in Venedig, das im November nicht so einladend ist wie erhofft. Als sie dann aber ihren Koffer auspackt und feststellt, dass der Inhalt nicht ihrer ist, sondern kuschelige und hochwertige Kleidung beinhaltet, hebt sich erstmals nach ihrer Ankunft die Laune. Kurze Zeit später lernt sie auch noch einen geheimnisvollen Gleichaltrigen kennen, der behauptet, er käme als Bilderreisender aus dem Jahr 1740 – vielleicht hat Venedig ja doch mehr zu bieten als gedacht?

Stefanie Gerstenbergs „Gondelküsse und Seitensprünge“ hat mich zu Beginn ein wenig herausgefordert. Die Handlungsstränge und Figuren wollten erst sortiert werden, doch schon nach wenigen Seiten hat mich die Geschichte rund um Lucy in ihren Bann gezogen.

Lucy, eine 16-Jährige, die nach einem schlimmen Unfall mit den körperlichen und seelischen Folgen ringt, hatte von Beginn an mein ganzes Mitgefühl. Der Autorin ist es gelungen, ihre innere Zerrissenheit authentisch darzustellen — ihre Wut, ihre fehlende Akzeptanz, aber auch ihr langsames Wachsen an der Situation, haben mich sehr berührt. Besonders bewegend fand ich, wie realistisch der Roman zeigt, dass Dankbarkeit erst entstehen kann, wenn man selbst so weit ist, die eigenen Grenzen zu akzeptieren.

Zunächst wirkte der Roman tiefgründiger, aber auch schwermütiger als erwartet auf mich – ein bisschen wie das Novemberwetter in Venedig. Sobald aber der heimliche Schwarm – der „Wollmützentyp“ Jannis – auftauchte, wurde die Geschichte locker und leicht und nahm rasant an Fahrt auf. Jannis hat für viel Herzklopfen gesorgt. Das Knistern zwischen Lucy und ihm ist süß erzählt, nie kitschig, sondern herrlich echt. Ihre kleinen Flirtereien, Missverständnisse und das vorsichtige Annähern fand ich schön und sehr typisch für eine erste Teenagerliebe, obwohl sie sich manchmal selbst sehr im Weg standen. Der Bilderreisende Apollo dagegen war mir zunächst etwas zu dramatisch, passt aber perfekt ins alte, geheimnisvolle Venedig. Seine Sorge um „Lucys Ehre“ hat mich oft schmunzeln lassen und ich habe auch ihn nach kurzer Zeit ins Herz geschlossen.

Der kleine Fantasy-Aspekt (Lucys hat seit dem Unfall die Fähigkeit, Gedanken zu lesen und Stimmungen als Farben wahrzunehmen) brachte Leichtigkeit und Witz in die Geschichte.
Am schönsten fand ich, wie sich Lucy Stück für Stück öffnet, Schlagfertigkeit und Mut entwickelt — und wie sie es schafft, Apollo zu helfen, obwohl sie selbst so viel mit sich trägt.

Das Setting in Venedig passt wunderbar, auch wenn ich mir persönlich noch mehr Beschreibungen berühmter Sehenswürdigkeiten gewünscht hätte. Stattdessen erleben wir die Stadt konsequent durch die Augen einer 16-Jährigen, was absolut stimmig ist: Lucia ist genervt, überfordert, staunend — so, wie Teenager eben sind.

Das Bildspringen, die Zeitreise-Elemente, der Hauch Magie: Das alles macht den Roman zu einer unterhaltsamen Mischung aus Coming-of-Age, Fantasy und Liebesgeschichte. Ein schöner, „echter“ Jugendroman jenseits von YA- und NA-Schmonzetten.

Mein Fazit: "Gondelküsse und Seitensprünge" ist mehr als nur ein leichter Sommerroman: Es geht um Schmerz, Neuanfang, Mut, erste Liebe – alles verpackt in eine atmosphärische Kulisse, die man trotz Regen und Novembernebel sofort spürt. Manche Szenen waren für mich ein wenig unrealistisch, aber das hat dem Lesespaß keinen Abbruch getan. Ein warmherziges Buch, das auch erwachsene Leser berührt.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

Alles nur zur Tarnung

Never Trust Your Fake Husband
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Mitten in Paris kommt sie in der Nacht zu sich und weiß nicht, wo geschweige denn wer sie eigentlich ist. Als Schüsse fallen und ein unbekannter, zugegeben sehr gut aussehender Mann, sie auffordert zu ...

Mitten in Paris kommt sie in der Nacht zu sich und weiß nicht, wo geschweige denn wer sie eigentlich ist. Als Schüsse fallen und ein unbekannter, zugegeben sehr gut aussehender Mann, sie auffordert zu rennen, flieht sie mit ihm. Um sich vor den russischen Gangstern, die warum auch immer nach ihrem Leben trachten, zu verstecken, geht sie mit Mr. Gutaussehend aka Sawyer aka CIA Agent zur Tarnung eine Fake Marriage ein. Doch was passiert, wenn ihre Erinnerungen zurückkehren sollten?

Überraschend viel Action, charmante Romantik und ein paar unerwartete Twists – dieser Roman hat mich positiv überrascht! Auch wenn Paris als Schauplatz leider nur am Rande vorkommt und die winterliche Stimmung für den aktuellen Sommer nicht ganz zu meiner Stimmung passte, hat mich die Geschichte dank des flotten Tempos und der sympathischen Figuren gepackt.

Die weibliche Hauptfigur Zoe mochte ich sofort, denn sie war humorvoll und sehr stark. Die männliche Hauptfigur Sawyer war anfangs mürrisch, wurde aber von Seite zu Seite niedlicher – man spürte, wie seine harte Schale langsam bricht und er im Zwiespalt mit sich selbst haderte. Die wechselnde Erzählperspektive aus der dritten Person fand ich etwas trocken, deshalb habe ich schon nach kurzer Zeit zum Hörbuch gewechselt, was sich wirklich gelohnt hat! Insbesondere Johanna Zehendner hat es wie ein kleines Theaterstück lebendig gemacht und ich musste einfach immer Weiterhören.

Wer die Stephanie-Plum-Reihe mag, findet hier eine etwas seichtere, rosafarbenere Alternative. Natürlich ist die Handlung an vielen Stellen unrealistisch. Das hat mich aber nicht gestört! Das actionreiche Finale hat mich mit ein paar gelungenen Wendungen überrascht – und das Ende klang ganz nach einer Fortsetzung, die ich mir ebenfalls anhören würde!

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Leise und gefühlvoll

Passion Project
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Bennet steckt in tiefer Trauer seitdem ihr Freund vor wenigen Jahren durch einen Unfall ums Leben kam. In New York wollte sie versuchen, das Leben zu führen, das die beiden geplant hatten, müht sich nun ...

Bennet steckt in tiefer Trauer seitdem ihr Freund vor wenigen Jahren durch einen Unfall ums Leben kam. In New York wollte sie versuchen, das Leben zu führen, das die beiden geplant hatten, müht sich nun aber mit Jobs der Zeitarbeitsfirma ab und distanziert sich von Freunden und Familie. Als sie auf Anraten ihrer besten Freundin auf ein Date geht, kriegt sie Panik und lernt bei ihrer Flucht den optimistischen, strahlenden Henry kennen. Ihm gesteht sie unter Alkoholeinfluss ihre Orientierungslosigkeit und gemeinsam wagen sie sich an ein Projekt: Bennets Leidenschaft zu finden. Zusammen erleben sie kleine Abenteuer, um herauszukitzeln, wofür Bennet sich begeistern kann. Doch was, wenn Henry ihre Passion ist? Ist sie schon bereit für eine neue Liebe?

„Passion Project“ ist ein einfühlsamer Roman von der Autorin London Sperry. Die Handlung wird aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur Bennet wiedergegeben und ist in New York angesiedelt, was mir sehr gut gefallen hat. Der Roman hat viel Tiefe und behandelt Themen wie Trauer und Selbstfindung.

Insgesamt habe ich leider etwas gebraucht, um mit der Protagonistin Bennet warm zu werden. Sie steckt so tief in Trauer und Depression, blockt jede Hilfe ab und sucht sich selbst keine professionelle Unterstützung. Das fand ich auf Dauer etwas anstrengend und distanzierend. Doch ab der Hälfte macht Bennet eine schöne Entwicklung durch, weshalb mich die Geschichte dann doch noch packen konnte.

Im Gegensatz zu Bennet mochte ich den männlichen Part Henry auf Anhieb. Er ist eine wandelnde Green Flag, der viel Wärme in die Geschichte bringt. Die Nebenfiguren bleiben zwar etwas blass, dafür überzeugt aber die sanfte Friends-to-Lovers-Dynamik zwischen Bennet und Henry. Die beiden als Paar empfand ich als sehr niedlich und habe die gemeinsamen Szenen sehr genossen.

Fazit: Ein leises, gefühlvolles Buch mit einem herzerwärmenden männlichen Protagonisten, das sich Zeit nimmt. Auch, wenn das erste Drittel etwas zäh war.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Liebe auf den letzten Blick

The Irresistible Urge to Fall for Your Enemy - Wie man sich (nicht) in seinen Erzfeind verliebt
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Assassine Osric hat ein Problem: Er ist todsterbenskrank und eigentlich gibt es keine Hoffnung. Wäre da nicht Aurienne, geschickteste Heilerin des leider verfeindeten Ordens der Haelan. Um sie zu überzeugen, ...

Assassine Osric hat ein Problem: Er ist todsterbenskrank und eigentlich gibt es keine Hoffnung. Wäre da nicht Aurienne, geschickteste Heilerin des leider verfeindeten Ordens der Haelan. Um sie zu überzeugen, überlegt Osric sie zu entführen, zu erpressen oder einfach so zu zwingen. Als Aurienne ihn auslacht, würde er sie am liebsten umbringen – bietet ihr stattdessen jedoch im Gegenzug ein Vermögen für die Erforschung eines Pockenimpfstoffs. Widerwillig stimmt Aurienne der Übereinkunft zu und ist vollkommen entnervt ob der Zusammenarbeit mit ihrem Feind. Nach und nach beginnen jedoch die Grenzen zu verschwimmen und es wird immer schwieriger, die gegenseitige Anziehung zu leugnen.

„The irresistible Urge to Fall for your Enemy” ist Teil 1 einer Dilogie von Brigitte Knightley. Entgegen typischer Enemies-to-Lovers Romane beginnt dieser mit echter Feindschaft ohne gegenseitige Anziehung. Es gibt kein vorschnelles Schwärmen, sondern einen glaubwürdigen, wirklich sehr, sehr langsamen Annäherungsprozess zwischen den beiden Hauptfiguren. Dies hat mir sehr gut gefallen, allerdings hätte ich gerne vorher gewusst, dass es sich um eine Dilogie handelt, denn dann wäre ich mit dem sowohl inhaltlichen als auch zwischenmenschlichen extrem langsamen Aufbau wohlwollender gewesen. Leider gibt der Einband des Buches hierzu keine Informationen. Dafür hat mich das Buch schon auf den ersten Seiten mit liebevollen Details überzeugt: Die Landkarte und die Skizzen sind wirklich großartig geworden und entführen in die Atmosphäre des Settings des alternativen Groß Britanniens, das einige mittelalterliche Elemente enthält.

Besonders die männliche Hauptfigur Osric mochte ich von Anfang an. Er ist ein mörderischer Assassine, hat aber von Beginn an eine schelmische Seite, die mich schmunzeln lies. Über den Roman hinweg habe ich ihn sehr ins Herz geschlossen, da er zunehmend seine weiche Seite zeigte. Aurienne hingegen blieb mir lange recht distanziert, fast zu sehr Eisprinzessin. Erst im letzten Drittel konnte ich wirklich mit ihr warm werden. Szenen, in denen sie ihre Menschlichkeit zeigt z.B. im Kreise ihrer Familie hätte ich mir früher und öfter gewünscht. Dass erst zum Ende des Romans Gefühle zwischen den beiden Protagonisten aufkommen, hat mich nicht gestört, da es auf mich nach der echten Feindschaft so authentischer wirkte, als wenn es schon früher romantische Entwicklungen gegeben hätte. Die Szenen, in denen sie heimlich schmachten (und es natürlich komplett leugnen), sind wirklich herzig!

Der Schreibstil unterstreicht perfekt den ironisch-sarkastischen Ton der Figuren und vor allem der britisch-schwarze (manchmal etwas zu vulgäre) Humor traf genau meinen Nerv – ich musste mehr als einmal laut lachen.

Das Worldbuilding selbst ist nicht ganz so stark ausgeprägt, wie man es sonst von High Fantasy kennt, das medizinische Seith-System (das Magiesystem) ist hingegen richtig gut ausgearbeitet. Hierzu gibt es viele Beschreibungen und Erklärungen, die medizinisch eingebettet werden, was mir extrem gut gefallen hat. Es verlangsamt, speziell zu Beginn der Geschichte, allerdings den Lesefluss, weil man sich erstmal einfinden muss. Auch die Handlung startete eher ruhig und neigte in der Mitte des Bandes auch zu Wiederholungen, nahm aber im letzten Drittel spürbar Fahrt auf. Der Spannungsbogen rund um die einzelnen Handlungsstränge hat sich zuletzt gut zugespitzt – da ist definitiv noch Luft nach oben im Folgeband!

Fazit: Wer britisch-schwarzen (auch mal derb-vulgären) Humor, medizinische Fachbegriffe und eine Slow-slow-slow-burn-Romance mit echter Feindschaft zu Beginn sucht, ist hier richtig. Ich habe mich trotz kleiner Schwächen köstlich amüsiert. Obwohl der Cliffhanger zum Ende des Romans meiner Meinung nach eher mild ist, möchte ich am liebsten gleich weiterlesen. Ich hoffe, dass es bald eine Ankündigung zu Teil 2 geben wird, denn es sind noch viele Fragen offen geblieben!

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