Zwischen Kamelien, Kulturen und Gefühlen
Wiedersehen im Kamelienhaus"Wiedersehen im Kamelienhaus" ist Band 2 der Kamelienhaus-Reihe von Tabea Bach und setzt nahtlos an den vorhergehenden Band an. Die Geschichte wird wieder überwiegend aus Lucys Perspektive erzählt, die ...
"Wiedersehen im Kamelienhaus" ist Band 2 der Kamelienhaus-Reihe von Tabea Bach und setzt nahtlos an den vorhergehenden Band an. Die Geschichte wird wieder überwiegend aus Lucys Perspektive erzählt, die nun als Geschäftsführerin die Kamelienölmanufaktur auf der Insel Soshima nahe Tokio übernommen hat und sich dort bewähren muss. Ergänzt wird das Ganze – wie schon im ersten Band – durch Tagebucheinträge ihrer Mutter Sylvia, die in der Bretagne lebt und dort eine Kosmetikfirma führt, die ebenfalls turbulenten Zeiten entgegenblickt.
Auch Band 2 hat mir insgesamt wirklich gut gefallen. Die Geschichte war über weite Strecken sehr spannend - teilweise so sehr, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Gleichzeitig gab es zwischendurch ein paar kleinere Längen, vor allem rund um Lucys Arbeit, einige die Arbeit betreffende sehr ausführliche Dialoge und detaillierte Beschreibungen dieser. Auch die Vielzahl an Namen empfand ich stellenweise als etwas herausfordernd. Zum Glück befand sich ein Personenregister im Einband, auf das ich trotz frisch gelesenen ersten Bandes öfter zurückgreifen musste.
Besonders begeistert hat mich erneut, wie die Autorin die Traditionen und Lebensweisen zweier Kulturen miteinander verwebt – die Bretagne in Frankreich und die fiktive Insel Soshima in Japan. Vor allem die japanischen Gepflogenheiten, Sagen und Lebensweisheiten als auch die Kulinarik waren wieder unglaublich faszinierend bzw. bildlich dargestellt. Sehr gelungen fand ich auch die inneren Konflikte der Hauptfigur Lucy: Dieses Spannungsfeld zwischen europäischem Denken und dem bewussten Einhalten japanischer Konventionen wurde richtig feinfühlig und nachvollziehbar ausgearbeitet. Auch emotional sehr gefesselt hat mich Lucys Verbindung zu Finn. Hier habe ich richtig mitgefiebert, dass die beiden endlich die Kurve kriegen. Und auch Lucys beste Freundin Lilli sorgte in Liebesdingen für Furore.
Der Schreibstil ist melodisch und schön, manchmal vielleicht etwas betulich, wobei mir das im zweiten Band deutlich weniger aufgefallen ist als im ersten. Insgesamt erzeugt das Buch eine angenehme Wohlfühlatmosphäre, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Gerade gegen Ende, als sich ein Taifun der Insel Soshima näherte, wurde die Handlung richtig fesselnd und teilweise sogar dramatisch.
Auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar waren, hat mich die Umsetzung dennoch in den Bann gezogen. Die Autorin zeigt ein feines Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen und schafft es, Emotionen und Stimmungen sehr atmosphärisch einzufangen. Auch die Naturbeschreibungen haben mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass Finns Vater, der bereits in Band 1 "der Feind" war, nie direkt auftrat, sondern nur indirekt erwähnt wurde. Hier hätte ich mir mehr gewünscht, da diese Figur durchaus Potenzial gehabt hätte.
Überrascht hat mich zudem, dass die Hauptgeschichte bereits mit diesem zweiten Band endet, obwohl ein dritter angekündigt ist. Offenbar handelt es sich dabei eher um ein kürzeres Sequel. Das Ende von Band 2 fühlt sich aber stimmig und versöhnlich an, auch wenn ich damit so nicht gerechnet hatte.
Insgesamt ist "Wiedersehen im Kamelienhaus" ein gefühlvoller, spannender Feelgood-Roman mit angenehmer Tiefe, der vor allem durch seine kulturellen Einblicke und seine atmosphärische Erzählweise überzeugt.