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Veröffentlicht am 30.09.2025

Packende Spurensuche mit keinen Schwächen

Mainblüte
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Was muss einem jungen Menschen widerfahren, dass dieser sich das Leben nimmt? Mit dieser Frage startet Lou Sandberg in den neuen Krimi um die ErmittlerInnen Sebastian Buck und Maike Lange. Dabei fällt ...

Was muss einem jungen Menschen widerfahren, dass dieser sich das Leben nimmt? Mit dieser Frage startet Lou Sandberg in den neuen Krimi um die ErmittlerInnen Sebastian Buck und Maike Lange. Dabei fällt die Einordnung in starre Kategorien Thriller oder Roman schwer, denn im Grunde liegt kein Verbrechen im eigentlichen Sinne vor, da Tyra sich selbst das Leben genommen hat und sie nicht ermordet wurde. Doch die Suche nach den Beweggründen führt das Ermittlerduo in den harten Alltag einer Schule in Frankfurt und in stereotype Familienstrukturen und Rollenvorstellungen innerhalb von Familien.

Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen. Lou Sandberg hat einen sehr angenehmen und flüssigen Schreibstil. Sie versteht es Spannung aufzubauen und die Geschichte voranzutreiben. Das Ende fiel für meinen Geschmack ein wenig zu abrupt aus und ich hätte es mir ein wenig ausführlicher gewünscht.

Die Charaktere waren nicht durchweg sympathisch, aber ihren Rollen entsprechen gut ausgeformt und logisch. Der Gebrauch der Jugendsprache an den Stellen, an denen sich die Jugendlichen unterhalten oder aus deren Perspektive geschildert wird macht absolt Sinn und trägt zur Authentizität des Romans bei. Die Geschichte könnte sich so oder ähnlich leider immer wieder zutragen.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Unterhaltsam, kurzweilig, sympathisch

Über die Toten nur Gutes
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Der Auftakt zur neuen Krimireihe rund um den Trauerredner Mads Madsen ist absolut gelungen. „Über die Toten nur Gutes. Ein Trauerredner ermittelt“, erschienen bei Dumont im September 2025, verbindet norddeutschen ...

Der Auftakt zur neuen Krimireihe rund um den Trauerredner Mads Madsen ist absolut gelungen. „Über die Toten nur Gutes. Ein Trauerredner ermittelt“, erschienen bei Dumont im September 2025, verbindet norddeutschen Humor mit guter Unterhaltung und einer gehörigen Portion Spannung.
Mads kennt sich mit dem Tod zwar bestens aus, doch diesmal schlittert er selbst in einen echten Kriminalfall. Begleitet wird der sympathische 29-Jährige von seiner Malteserhündin Bobby, während sein Vater Fridtjof ihm zusätzlich das Leben schwer macht. Neben der Krimihandlung entfaltet sich so auch eine Familiengeschichte als zweiter Erzählstrang.
Zugegeben: An der einen oder anderen Stelle wirkt die Handlung zwar ein wenig konstruiert und nicht jedes Detail ist bis in Letzte stimmig. Doch das Ganze wird mit so viel Charme und Leichtigkeit erzählt, dass man gerne darüber hinwegliest. Für mich was es eine vergnügliche und durchaus spannende Lektüre, die meine Busfahrten morgens und abends zu kleine Auszeiten gemacht hat.
Ich freue mich auf die Fortsetzung und hoffe, dass die Figuren dort noch ein wenige mehr Tiefe bekommen.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Körperkunde mit Charm

Organisch
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Nachdem Giulia Enders mit einem Buch über nur ein Organ berühmt geworden ist, nämlich den Darm, wirft sie in ihrer neuesten Publikation einen Blick auf unseren gesamten Körper: Lunge, Immunsystem, Haut, ...

Nachdem Giulia Enders mit einem Buch über nur ein Organ berühmt geworden ist, nämlich den Darm, wirft sie in ihrer neuesten Publikation einen Blick auf unseren gesamten Körper: Lunge, Immunsystem, Haut, Muskeln und Hirn. Ich halte kein wissenschaftliches Fachbuch in den Händen, sondern ein – im besten Wortsinne . populärwissenschaftliches Sachbuch, das auch Nichtmedizinern die Zusammenhänge im Körper nahebringt, ohne Vorkenntnisse vorauszusetzen. Enders beschreibt in lockerem, humorvollem Ton und ohne den übertriebenen Gebrauch von Fachtermini die Abläufe und Zusammenhänge in unserem Körper. Komplexe Zusammenhänge versteht sie auf das Essenzielle herunterzubrechen und Laien verständlich zu erklären. Das ist eine großartige Gabe. Dennoch sind alle Aussagen die sie trifft fundiert und orientieren sich an aktuellen Forschungserkenntnissen. Spannend räumt sie so mit verschiedenen Mythen auf, wie etwa der landläufigen Meinung, dass Sport zwingend zum Abnehmen führt.

Die promovierte Medizinerin geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus und stellt die Grundthese auf, dass alle Abläufe in unserem Körper miteinander in Verbindung stehen. Hierbei gleitet sie nicht ins Esoterische ab, sondern möchte den Körper als einen in sich geschlossenen Organismus verstanden wissen, dessen komplexe Abläufe einander bedingen.

Mir gefällt sehr, dass sie die wissenschaftlichen Fakten und Erkenntnisse in persönliche Erfahrungen und Geschichten einbettet. Dies macht es für mich viel greifbarer und nachvollziehbarer. So beginnt jedes Kapitel mit einer sehr privaten Einleitung über eine Episode oder ein Detail aus dem Leben ihrer Urgroßmutter, eines Freund Ihrer Großmutter, Ihrer Großmutter selbst, sowie ihrer Mutter und Schwester. Die intimen Einblicke in das Familienleben sind sehr berührend und lassen das folgende Kapitel greifbarer und nahbarer erscheinen.

Besonders hervorheben möchte ich neben den wunderbar verständlichen Texten zudem die Gestaltung des Buches. Die Haptik des Einbands vermittelt Qualität. Der Text wird immer wieder durch zahlreiche Illustrationen und Zeichnungen gestützt. Diese stammen von Jill Enders, der Schwester der Autorin. Jill Enders hat bereits „Darm mit Charm“ illustriert und ist als Kommunikationsdesignerin auf Wissenschaftsvermittlung spezialisiert. Jedes Kapitel beginnt mit einer farbigen, ganzseitigen Illustration und kleinere Zeichnungen verdeutlichen hier und da das geschriebene Wort. Die Schwestern ergänzen sich in ihrer Arbeit außergewöhnlich gut und sind einander wichtige Sparring-Partnerinnen.

Normalerweise lese ich selten Sachbücher, da mich diese häufig langweilen. Doch Giulia und Jill Enders vermitteln Wissen und relevante Forschungserkenntnisse auf unterhaltsame Weise. Ich empfinde dieses Buch als große Bereicherung und gebe daher eine ganz klare Leseempfehlung und 5/5 Sternen!

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Ideologie zwischen Brotbacken und Waldausflügen

Heimat
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Das Buch Heimat von Hannah Lühmann, erschienen im Hanser-Verlag im August 2025, lässt mich auch Tage nach der Lektüre ratlos zurück. Während des Lesens wuchs mein Unwohlsein von Seite zu Seite. Die Geschichte ...

Das Buch Heimat von Hannah Lühmann, erschienen im Hanser-Verlag im August 2025, lässt mich auch Tage nach der Lektüre ratlos zurück. Während des Lesens wuchs mein Unwohlsein von Seite zu Seite. Die Geschichte beginnt vermeintlich harmlos: Jana und Noah sind Eltern zweier Kindergartenkinder, ein drittes ist unterwegs. Auf der Suche nach Ruhe und Idylle ziehen sie in eine Kleinstadt. Dort findet Jana schnell Anschluss. Vor allem in Carolin sieht sie eine Freundin und ein Vorbild. Carolin ist eine strahlende, selbstbewusste Frau, die in sozialen Medien ein perfektes Leben inszeniert: Brot backen, Waldausflüge, strahlende Kinder. Carolin ist eine Tradwife, eine Frau, die ein traditionelles Rollenbild lebt und stolz darauf ist. Doch hinter der makellosen Fassade verbirgt sich ein reaktionäres, nationalistisch aufgeladenes Weltbild: Abtreibungsgegnerin, Verfechterin von Homeschooling, klar gegen Migration. Über soziale Medien erreicht sie Tausende, darunter bald auch Jana – und mit jedem Like gerät Jana tiefer in den Bann dieser vermeintlich heilen Welt.

Die Autorin beschreibt diese schleichende Faszination beklemmend realistisch. Der Lesende spürt, wie sich Jana immer stärker von ihrem Partner Noah entfremdet, während sie sich zunehmend nach der Anerkennung in Carolins Umfeld sehnt. Doch über allem liegt ein Schatten: Warum ist Jana so bereitwillig, ihre eigenen Überzeugungen über Bord zu werfen? Selbst als die Nähe zur AfD und deren Gedankengut offen zutage tritt, bleibt Jana passiv. Statt Widerspruch oder Aufbegehren treibt sie nur eine Frage um: Wer ist die bessere Mutter? Doch auch Noah bleibt überraschend passiv und kämpft nicht um seine Familie. Er vertritt seine Werte, doch nicht seiner Lebenspartnerin gegenüber sondern vielmehr seinen Schülern und der Gesellschaft.

Lühmanns Sprache ist leicht, fast unauffällig, und gerade dadurch wirkungsvoll. Sie erzeugt eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen, ständig auf eine Konfrontation oder einen Wendepunkt hoffend – vergeblich. Jana bleibt eine Figur, die in ihrer Unentschlossenheit frustriert. Noah, der eigentlich den Gegenpol zu Carolins Ideologie bilden könnte, bleibt blass und zieht sich zurück, anstatt Haltung zu zeigen.

Heimat greift ein hochaktuelles Thema auf: die Rückkehr zu überholten Rollenbildern, die Sehnsucht nach vermeintlicher Sicherheit und die ideologische Unterwanderung von Familien- und Erziehungsdiskursen. Besonders deutlich wird der Druck, den Frauen wie Carolin auf andere Mütter ausüben, indem sie ihr Lebensmodell als einzig richtig darstellen. Die Andeutungen im Roman sind zahlreich, aber oft vage – ich hätte mir an manchen Stellen mehr Schärfe gewünscht. Vielleicht ist es aber gerade diese Unbestimmtheit, die den Text so beunruhigend macht: Wie leicht kann man in eine Welt hineingezogen werden, die man eigentlich ablehnt?

Trotz meiner Kritik konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Lühmann zwingt ihre LeserInnen, sich mit unbequemen Fragen auseinanderzusetzen: Wie stabil sind unsere Überzeugungen, wenn die Sehnsucht nach Zugehörigkeit groß ist? Wo endet Heimat – und wo beginnt Ideologie?

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Phantasievoll, wendungsreich, spannend

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
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Ein Buch wie ein Traum: poetisch, spannend, und mitreißend. Immerland – Die Stadt der Ewigkeit, erschienen im Hanser Verlag im Juli 2025, ist eines der berührendsten Jugendbücher, das ich seit Langem ...



Ein Buch wie ein Traum: poetisch, spannend, und mitreißend. Immerland – Die Stadt der Ewigkeit, erschienen im Hanser Verlag im Juli 2025, ist eines der berührendsten Jugendbücher, das ich seit Langem gelesen habe. Flix, bekannt als Cartoonist und Illustrator, gelingt es in seinem Debütroman meisterhaft, große Themen wie Leben und Tod, Freundschaft, Mut und Zukunft in eine phantasievolle und turbulente Geschichte zu verpacken.

Mika Thorwarth, ein schüchterner Außenseiter, ist 12 5/6 Jahre alt und wird in den Sommerferien zu seiner Großmutter geschickt. Sein Vater muss geschäftlich verreisen und seine Mutter lebt nicht mehr. Missmutig blickt er langweiligen Ferien entgegen, doch rasch findet er sich in einem rasanten Abenteuer wieder. Mika Reise führt ihn und seine Großmutter in eine fremde Stadt, in der alles anders ist. Hier findet er, wonach er sich am meisten sehr: Freundschaft, Anerkennung und ein Stück Zuhause. Doch all das scheint einen Haken zu haben, der immer deutlicher zum Vorschein tritt, je länger Mika in der Stadt ist. Die Spannung steigert sich von Seite zu Seite, unterstützt durch zahlreiche Wendungen.

Flix erzählt mit großem Feingefühl und sicherem Gespür für Emotionen und Dynamik. Mika ist ein sehr sympathischer Held, in den sich sicherlich viele Jugendliche hineinversetzen können. Zunächst mangelt es ihm an Selbstvertrauen, doch er wächst im Laufe der Geschichte über sich selbst hinaus. Die Geschichte ist poetisch, turbulent, humorvoll, an manchen Stellen sogar skurril und gerade dadurch so besonders.

Zu dieser Einschätzung tragen auch die liebevoll gestalteten Illustrationen bei, die alle paar Seiten die Handlung begleiten. Die Zeichnungen stammen laut Titelseite angeblich von Mika selbst, ein charmanter Kniff, der die Leser noch näher an den Protagonisten heranbringt. Das Buch ist sehr hochwertig gestaltet und mit spürbar viel Herzblut gemacht.

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit ist nicht nur ein Buch für Kinder und Jugendliche, sondern auch ein Lesevergnügen für Erwachsene. Flix streut immer wieder kleine Anspielungen ein, die älteren LeserInnen besonders auffallen werden, ohne die kindliche Perspektive aus den Augen zu verlieren.

Mein Fazit: Das Buch hat alles, was ein gutes Jugendbuch ausmacht: Phantasie, Tiefe, Spannung und Herz. Es ist so poetisch erzählt, wundervoll illustriert und kommt mit einer Botschaft um die Ecke. Für mich ganz klar eine uneingeschränkte Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen!

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