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Veröffentlicht am 05.11.2019

Entweder Du löst seine Rätselaufgabe oder ein Mensch stirbt - so simpel und doch so grausam

Dunkle Botschaft: Thriller
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Wer ist der Mörder? erschreckend authentisch, bedrückend, nervenaufreibend bis zum Schluß mit logischer Auflösung

++++ Bewertung 4 1/2 von 5 Sternen ++++

2016 startete bereits die dritte Thriller-Reihe ...

Wer ist der Mörder? erschreckend authentisch, bedrückend, nervenaufreibend bis zum Schluß mit logischer Auflösung



++++ Bewertung 4 1/2 von 5 Sternen ++++

2016 startete bereits die dritte Thriller-Reihe aus der Feder der deutschen Sensationsautorin Catherine Shepherd. Jährlich erscheinen zu allen Serien weitere Bände. Nach Mooresschwärze, Nachtspiel und Winterkalt ist Dunkle Botschaft nun der 4.Band um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz.
Der ab 31.Oktober 2019 erhältliche Thriller kann aber unabhängig von den anderen Teilen problemlos auch als Stand-Alone gelesen werden.

Warum ins Ausland schweifen, wenn wir hier in Deutschland so gute AutorInnen haben! was Catherine Shepherd hier abliefert, ist heftig, brutal und schockt, und doch, bei all dem Horror, es artet nicht zu einem blutrünstig effektehaschenden Gewaltporno aus, sondern bleibt erschütternd authentisch, legt die perfide Perversion bloß, den kranken Eingriff in der Kinderseele Unschuld, und ist im Fächer diverser Tötungsarten forensisch versiert und nimmt kein Blatt vor den Mund!

Das große Thema dieses Thrillers: facettenreich dargestellte fatale Opfer-Täter-Beziehungen und die Frage, die den Leser dabei umtreibt: WARUM, warum nur, was ist es, das die Opfer an die Täter schweißt? dieses Abhängigkeitsverhältnis, warum nicht abhaun, warum sie sich nicht von ihnen lösen können? Sogar die Nähe zu der sie schadenden Bestie vermissen!
Und was einen ferner beschäftigt beim gebannten Verfolgen der Lektüre, die bereits mit der ersten Seite Spannung aufbaut, die Neugier des Lesers packt und ihn bei jedem Kapitel mit einem Cliffhanger gefangen hält: wird man hier etwa Zeuge der Grundsteinlegung und des Werdegangs zum Mörder, oder: einer quasi 'Abrichtung' hin zum Serienkiller? Das Monster erschafft ein neues, die Kopie seiner selbst? Oder: möchte die Autorin damit auf noch etwas ganz anderes hinaus??
Denn zum eigentlichen Hauptgeschehen erfolgen auch, neben einem anderen Handlungsstrang aus einem Krankenhaus, in versetzten Abständen Einschübe aus der Vergangenheit eines immer älter werdenen Jungen.
Dabei wurde aber alles übersichtlich und unverblümt, keineswegs vertrackt gehalten, klar und flüssig ist genauso der Schreibstil. Der Leser liest eigentlich nicht mehr, reingesogen ins Buch mutiert er zu einem unsichtbaren Mitakteur, der den Leichenschauen live beiwohnt, die Protagonisten bei ihren Ermittlungsetappen überall hin eskortiert und Merkwürdigkeiten wie Verdächtige ins prüfende Visier nimmt.

Köln, beginnende Winterzeit.
Unfall? Suizid? Es war Mord - entlarvt durch das aufmerksame und kollegiale Hand-in-Hand arbeitende Rechtsmedizinerteam aus Julia Schwarz und ihrer finnischen kompetenten und selbstbewußten dabei einfühlsamen Assistentin Lenja Nielsen. Zudem wird auf der Toten ein verstecktes kryptisches Rätsel entdeckt. Weitere werden folgen mit jeder Getöteten – ein Spiel im Wettlauf auf Zeit beginnt, denn sobald diese Botschaften entschlüsselt sind, könnten kommende Morde noch rechtzeitig verhindert werden. Catherine Shepherd präsentiert hier dem Leser nur die Sprüche der Messages, worüber er sich den Kopf zerbrechen kann – die exakten Zahlencodes und Buchstabenkombis dazu werden dem Leser nicht zugemutet und lediglich indirekt analysiert.

Bei all dem Vernichtenden und furchtbar Horroriblem gefällt und beeindruckt der verantwortungvoll und gewissenhafte Quartettkern (Julia, Lenja, Florian, Martin), das beruflich eingespielte Gespann aus 2 Rechtsmedizinerinnen und 2 Ermittlern. Herzlich und teils tiefgründig sind sie ausgearbeitet und absolut sympathisch:

CHARAKTERE: XXXXX mögl. Spoiler Anfang XXXXX
Die Pathologin aus Leidenschaft, JULIA Schwarz, hat eine neue Position und zwar die der Leiterin des rechtsmedizinischen Institutes übernommen und hadert sehr mit der Bürokratie und administrativischen Anforderungen. Das hindert sie jedoch nicht daran, selbst im Ermitteln aktiv zu bleiben, wobei sie oft ihren Freund, Kriminalkommissar Florian Kessler, begleiten darf. Allerdings agiert sie mehrmals solo und eher inoffiziell, um rasch und bedingungslos einzugreifen, sogar unter Einsatz ihres eigenen Lebens.
‚Eislady‘ ist ihr Spitzname aufgrund ihrer sachlichen Art. Sie konzentriert sich auf die Fakten um nicht in Albträume abzugleiten. Für sie ist der Autopsiesaal ein friedlich neutraler Ort, im Gegensatz zum grausam aufwühlenden Tatort. Sie sieht sich in der tragenden Verantwortung als letzte Instanz für Opfer, zu einer weiterführenden Mordaufklärung: Julia umgibt sich mit den Toten, weil sie ihnen eine letzte Stimme geben will. Sollte sie ihre Arbeit hierbei nicht ordentlich ausführen, wäre für allezeit der Fall abgeschlossen; den Toten würde dann, für immer zum Schweigen verdammt, niemand mehr Gerechtigkeit zukommen lassen können. Julia ist ein Typ, dem es schwer fällt, Emotionen zu zeigen, trotzdem ist sie sehr sensibel und empathisch.
FLORIAN Kessler verfügt als zusätzlich ausgebildeter polizeilicher Fallanalytiker über ein außerordentliches feines Einfühlungsvermögen; er kann sich gut in andere und auch die Psyche eines Täters hineinversetzen. Im hiesigen Fall hingegen ist selbst ihm seine Profiler-Tätigkeit fast unmöglich. Den Tod eines Angehörigen zu übermitteln überläßt er, da solche Augenblicke nur schwer zu vergessen sind, lieber MARTIN Saathoff, ein Schelm aber loyaler Kollege mit messerscharfen Blick. Julia gegenüber ist Florian ein umsorgender Beschützer und liebenswerter Mann, auch wenn Julia erst noch langsam wieder lernen muß, vollens Vertrauen zu schöpfen, da sie vorsichtig bleibt um nicht mehr verletzt zu werden.
XXXXX mögl. Spoiler Ende XXXXX

Im Mittelpunkt stehen die aufeinanderfolgenden Verbrechen des Serienmörders, das Streben ihn so schnell wie möglich aufzuhalten und die Aufdeckung seiner Identität.
Der zwischenmenschliche Bereich verleiht den Figuren zwar Tiefe wird aber eher knapp gehalten.

Bei den Ermittlungen spielt Catherine Shepherd nicht wirklich mit dem Leser - im Gegensatz zu anderen Autoren, die die ganze Zeit über die Leserschaft mit etwa komplett täuschenden Twists ins Bockshorn jagen, und es sind ja eigentlich alle Hinweise da, nur bleibt bis zum Schluß die Aufdeckung nicht wirklich zu knacken, und es ist auch wie ein im Dunkeln-Tappen, gleich dem COVER, wo allein und blind dem Verborgenen und dem kalten Bösen ein Teenager gegenübersteht.
Diese Jugendliche mit der blutroten Augenbinde kommt zwar gar nicht in der Erzählung vor, aber einbläuende Fehl-Erziehung bzw. Kindsmissbrauch in übelsten Auswüchsen, physisch wie psychisch (auch im Nebenpart dann sogar sexuell aber nur in Erwähnung, ohne Darstellung).
Ganz hinten im Buch findet man eine Übersicht der bisherigen Bände in ihrer Chronologie und der Reihen-Zugehörigkeit, sogar mit jeweiligem Titelcover. Das Buch ist nicht zu klein gedruckt und läßt sich daher angenehm lesen.

FAZIT: Der Kriminalfall macht betroffen und man kaut daran. Die engagierten und einander selbstlos helfenden Protagonisten, mit denen man sich durchweg verbunden fühlt, lassen dieses Grauen ertragen. Pathologie-Interessierten kommt der Thriller zupass.
Warnhinweis: Nach der Lektüre dieses Buch wird man evtl. nicht mehr jeden Tweet öffnen, Beerdigungsinstitute mit ganz neuen Augen sehen, der Appétit auf Erdbeer-Vanille-Eis (oder Schweinefleisch) könnte gänzlich vergehen und sicherlich wird man ohne Taschenlampe (und Satellitenhandy) sowieso nie mehr das Haus verlassen. (Und, sogar mit dem neuerworbenen Fachwissen über Guillotine-Hinrichtungen im nächsten Biologieunterricht glänzen.) Und gen Ende Oktober eines jeden kommenden Jahres im Kalender einen ganz besonderen Tag anpinnen – da erscheinen dann neue fesselnde Thrillerbände um Julia Schwarz von Bestsellerautorin Catherine Shepherd.

Veröffentlicht am 16.10.2019

Wenn Miss Selbstzweifel auf Mr Perfect trifft - entlädt sich ein Farbgewitter der Gefühle

The Difference Between Us
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Molly auf ihrer Suche nach dem wahren Glück
Wenn Miss Selbstzweifel auf Mr Perfect trifft - entlädt sich ein Farbgewitter der Gefühle
Ein Feel Good-Roman mit überraschendem Ernst und Tiefe, humorig & ...

Molly auf ihrer Suche nach dem wahren Glück


Wenn Miss Selbstzweifel auf Mr Perfect trifft - entlädt sich ein Farbgewitter der Gefühle

Ein Feel Good-Roman mit überraschendem Ernst und Tiefe, humorig & einfühlsam, mit viel Charme und großer Realitätsnähe


Es handelt sich bereits um den zweiten Part der auf vier Bänden konzipierten warmherzigen und zudem romantischen „Opposites Attract“-Serie rund um Gegensätze, Liebe, Talente & Sterneküchen von der aus Nebraska stammenden und vielgereisten Erfolgsautorin Rachel Higginson. Dennoch findet auch der absolute Neuleser unproblematischen Zugang, denn die Handlungen sind ja in sich abgeschlossen und es wird je ein Paar thematisiert. Es ist so anschaulich geschrieben, daß auch ohne Vorkenntnisse die anderen Personen samt ihrer jeweiligen eigenen Geschichte und Wesensentwicklung greifbar, plastisch wie dimensional, werden.
TIPP: Für einen umfangreicherenden Lesegenuß sollte sich auch der erste Teil („The Opposite of You“/Vera&Killian) zu Gemüte geführt werden, da hier bereits, neben anderen wiederkehrenden und sich weiter modelierenden Charakteren, Molly (als beste Freundin von Vera) eingeführt wird, und, mit Ezra (ein Kumpan von Killian) zum ersten Mal aneinander gerät (aber nur in einer Minihintergrundszene).

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Molly dreht am (Hamster-)Rad: in ihrem Leben läuft seit geraumer Zeit so gar nichts mehr rund.
Eigentlich steht die 27jährige ihre Frau auch ohne Mann und mit beiden Beinen fest im Leben – ja, ihre 5-Jahres-Planung ist fix: Seit dem College nimmt Molly ‚the‘ Maverick kategorisch Abstand von losen One-Night-Stands, etwaige Verkupplungsversuche finden blos ernüchterden Ausgang; obendrein läßt das warnende Beispiel ihrer Eltern die liebenswerte, süße und zarte Molly vor einer Partnerschaft zurückschrecken; so sieht sie sich lieber irgendwann mal als Jungfer mit Katze/n, als ohne den wirklich Einen & Richtigen, der ganz genau ihren Vorstellungen entspricht. Die Suche nach Mr. Right liegt also auf Eis...passt. Auto, eigene finanzierbare kleine Mietwohnung, solide-versichert, grad noch rechtzeitig bezahlte Rechnungen, sympathischer Freundeskreis ...es funzt. Oder etwa doch nicht? Als Graphikdesignerin in der führenden Marketing-Agentur in Durham (NY) schien sie einmal den für sie geeigneten Job gefunden zu haben und visiert ihren Karriereaufstieg an – aber es bleibt Routinetrott und stagniert; die Verwirklichung ihres weitgefächerten Spektrums an Know-how und ihrer zündend innovativen & originellen Ideen wird ihr unmöglich gemacht.
Hinzu kommt das neue Großprojekt unter Ekelpaket Junior-Boss-in-spe Henry Tucker, der nicht ganz geheuer nur nach ihren Brüsten schielt, und seine unerwünschte, lüsternde Begier ufert bedenklich zugreifend aus. Der von Natur aus hochbegabten Künsterin bleibt einzig ihre Leidenschaft die Malerei als beständiger Anker.
Ihre Neigung, ständig ihre Entscheidungen in Frage zu stellen, bringen ihre Lebensziele erst recht zusätzlich noch ins Wanken - und das ist gerade für eine Perfektionistin eine ganz schlechte Taktik.
Und wäre all das nicht schon genug in ihrem Kopfzerbrechen um ihre seltsam wachsende Unzufriedenheit und der nagenden Leere baut sich vor den sanften Sonnenschein Molly auch noch die kritische Gewitterfront Ezra F. Baptiste auf, der immer sagt was er denkt, und meint was er sagt: der große, acht Jahre ältere einflussreiche Gastronomie-Titan macht die im Grunde eher zurückhaltende doch humorvolle Molly jetzt ganz konfus, katapultiert sie aus ihrem ‚immer-ganz-der-Profi ‘-Konzept in eine bissige Reißausnehmerin.
Ein Mann von solch einem Kaliber ist sowieso und erst recht absolut tabu, und daher mit Nachdruck zu vermeiden. Und doch – irgendetwas an diesem reservierten, unausstehlich doch so charismatischen Kontrollfreak läßt sie einfach schier nicht los: sie verspürt einen zunehmend unerklärlichen Drang, ihn portraitieren zu müssen. Der hartnäckige und zielorientierte Ezra selbst läßt gewisse Versuche zur ihm aufmüpfigen Molly Kontakt aufzuknüpfen sehr wohl erkennen - aber Molly bleibt stur und verpeilt! Er WILL SIE seit ihrer ersten Begegnung. Mollys NEIN läßt er nicht gelten. Dieser Mann ist ihr ein Mysterium ... und wenn es ihr gelingt, dieses zu dechiffrieren wird sie dann auch die Lösung zu ihrem eigenen Rätsel finden? Furcht, Anziehung oder was? Wird Molly erkennen, daß sie Ezra nie wieder gehen lassen darf?

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Müßte man mit Hashtags den Inhalt schlüsseln, wäre er wohl wie folgt verschlagwortet:

+GrafikDesign +HommageandieMALEREI +LEBENSZIELE +Gastronomie +SCHLAGABTAUSCH +Traurigkeit +WITZ +Tiefgang +Karriere +Freundschaft +LIEBE +LESEGENUß +sexuelleBelästigungamArbeitsplatz +familiärerHintergrundBallast +selfCARE +Unsicherheiten +SELBSTZWEIFEL +Kreativität +TRAUMMANN +GegensätzeGemeinsamkeiten +GourmetRestaurants +empfehlenswert

Und bräuchte man/frau nur einen einzigen Grund, um dieses Buch zu lesen, dann wäre es wohl Ezra! auch wenn es sich hier MIT NICHTEN nur und zentral um eine private Beziehung zwischen zwei ‚gleich-gewichteten‘ Menschen handelt - so wie es über die nur halbe Plotbeschreibung auf dem Buchrücken & mittels einer eventuellen Fehlinterpretation des Covers möglichen InteressentInnen mal wieder missverständlich suggeriert und marketing-wirksam verklickert werden soll.

Ein viel Mehr ist es, was dem Lesepublikum feilgeboten wird: eben das Gesamtpaket Molly, ihre Verwirrung über die Prioritäten in ihrem Leben, die FarbPalette ihrer Gedanken-und Gefühlswelt, ihre Arbeit und dann noch der geheimnisvolle, wortkarge Ezra und die sich entwickelnde Liebe auf ewig.

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Durch den ungemein angenehmen flüssigen und richtig lebendigen Schreibstil, der einen zügigen und wissbegierigen Leseflow befeuert, fliegt man begeistert buchstäblich durch die 25 Kapiteln auf nur ca. 383 Seiten dieses interessanten Feel-Good-Romans um Job, Humor, Liebe, Altlast und ernsten Einschlägen.

Die Bestseller-Autorin Rachel Higginson läßt ihre Protagonistin aus der Ich-Perpektive in Vergangenheitsform erzählen, was mit regem Dialoganteil an Abwechslungsfülle bereichert und pfiffig-parierender email-Korrespondenz aufgelockert ist. Bei diesen wunderbar eingefügten Wortgefecht-Passagen stellt sich zeitweise sogar ein Dauergrinsen beim verfolgenden Mitleser ein. Allein wegen dem Schlagabtausch, in dem sich die beiden Protagonisten duellieren ((diese Strizereien sind nie ‚gehäßig‘ oder böse!)), ist das Buch schon ein wahres Unikum - unbedingt lesen!
Das einander Annähern und Kennenlernen Ezras und Mollys ist ohne Hetze aber mit knisternder Spannung und leise steigender Intensität bildschön und liebevoll dargestellt. Ezras aufrichtige Bemühungen um Molly sind einfach bezaubernd und gentleman-like, aber es kommt selbstverständlich auch zu atemberaubenden Küssen und ein wenig mehr. Und wie er sie als ebenbürtig mit Achtung und Wertschätzung behandelt, er geht so lieb mit ihr um – läßt einen einfach nur andächtig aufseufzen. In sehr vielem kann sich der Leser bestens mit den beiden rundum sympathischen Protagonisten identifizieren. Viel zu gerne verzehrt man sich innig nach noch weiteren 200 Seiten an NUR solchen Ezra-Molly-Momenten und mit ihrer puren Love Story-Entfaltung. Rachel, warum hast Du sie uns bloß vorenthalten ?!!

Auch an anderen Stellen wird dem Leser zwischenzeitlich immer mal wieder ein Schmunzler entlockt: es ereignen sich mit unter Situationen, präzise-treffend und mit Humor beschrieben, die man ja selbst aber genau so kennt, und, eben so gut nachvollziehen und sich einfühlen kann. Mollys ‚Fluchtweg‘fantasien, die sie sich so manchesmal ents(p)innt, in kurzweiliger Hoffnung sich unangenehmen Situationen doch entziehen zu können, flashen bisweilen wirklich urkomisch auf.

Mit ihrem schlagfertigen Witz hat die Protagonistin mich geschafft, Mollys aufschlussreiche Selbstzweifel, -eingeprägte Spuren in Mollys Herz aus der Kindheit,- mitleiden, und, die Urgründe ihrer Konfliktscheu und Harmonieaffinität tief in ihre Seele blicken lassen. Mollys Traurigkeit, Schmerz und Kummer erfaßten so mein Herz, daß ich sie gerne mal als gute Freundin in den Arm genommen hätte, um sie zu trösten und ihr Mut zuzusprechen – aber irgendwie hat das ja Ezra übernommen

Ihre Selbstbeschwörungen mittels mantrahierten positiv-verklärten Affirmationen zur Stärkungs ihres Selbstbewußtseins versuchten, die schweren Szenen aus deren Tiefe zu hebeln, wobei Molly sich bemerkenswert selbst nie die Wahrheit versagte.

Obwohl in diesem Band die Malerei den Schwerpunkt einnimmt, kommt auch Kochen hier nicht zu kurz und bleibt damit dem Serienbestandteil dieser Buchreihe treu. Das besondere ist, wie die hochtalentierte Kunstfertigkeit und das wahre Genie dieser beiden Kosmose der Kunst, - Food/GourmetKochen & MalenZeichnen/MarketingDesign,- in Vergleich zueinander gesetzt werden: grandios essenziert hier die Autorin das Ziel dieser beiden Welten auf den Punkt, das Bestreben etwas einzigartiges, inspirierendes zu erschaffen.

Der Haute-Cuisine-Restaurants-Background nebst Gastronomiebereich lassen den Leser wie live vor Ort alles, den geschäftigen Trubel, die Kreativität trotz Fließbandarbeit, Geräuschpegel, Duftgerüche-Kulisse & den Zeitdruck, direkt miterleben und versetzen diesen riechend, hörend, sehend und sogar fast schmeckend mitten ins Geschehen.

Einige viele Absätze möchte man/frau darüberhinaus einfach gerne nocheinmal lesen, da sie so getreu skizziert oder so ulkig oder fein und tiefsinnig ausgearbeitet wurden.

Ezra ist ein Protagonist von einem ganz besonderen Persönlichkeitsschlag und von ‚Ruhe-im-Sturm‘- Temperament wie ihn sich die Leserschaft schon lange nur wünscht und dem nur mehr sehr selten begegnet werden kann – auch im wahren Leben. Warum eigentlich? An alle AutorInnen da draußen: bitte, schreibt von solchen Charakteretypen!, genau von solchen, das wollen wir, und eine bessere Welt braucht genau so eine Armee behutsamer Ritter, treuer, warmherziger Kavaliere und ernst, forsch und hingebungsvoller Beschützer gerade auch als Vorbild und Inspiration.

XXXXXXXXXXXXXX SPOILER ANFANG

WERTUNG der Charaktere, ihrer Dynamik zu einander, Auflösung des Konflikts

Zu dem Dreh- und Angelpunkt in Mollys Leben wurde ihre Arbeit als Graphikdesignerin und wie sie damit nicht mehr im Reinen mit sich ist zeigt Rachel Higginson äußerst ausführlich. Davon abgesehen sind die detaillierten Einblicke in Mollys Berufsfeld sehr informativ ausgeführt und dabei fast in Wiederholung ausfällig. Molly liebt ihren Beruf, er macht ihr Spaß, aber, für diese Agentur zu arbeiten erdrückt sie zusehends: ihr Traum als Projektleiterin aufzusteigen scheint immer ungreifbarer zu werden. Die altbacken wie ignoranten, profitgeilen Chefs anerkennen ihre Fachkompetenz nicht, ihr trendiger Ideenreichtum wird abgeschossen und ihre erfolgsversprechenden Visionen kleingeredet. Nicht mal von den in Konkurrenzkampf verhangenen und nur auf Erfolgsboni versessenen Kollegen bekommt sie Rückhalt. Teamwork, Frauenpower, Think Tank? – forget it! Ihre berstende Kreativität wird zusehends eingeschnürt. In ihrer wahren Berufung der Malerei als Alternative sieht sie keine wirklichen professionellen Zukunftschancen und begnügt sich mit regelmäßigen Malsessions. Dennoch bieten diese ihr wenigstens ein Ventil und lassen sie immer wieder Trost wie erneuerte Kraft schöpfen sowie Ausgleich und Antworten finden.

Die huldreiche Seelenverwandtschaft der besten beiden Freundinnen (Molly & Vera), dieses unerschütterliche Band seit frühen Jugendtagen und für ein ganzes Leben, wird herzensschön definiert und besticht genauso wie auch das nette kameradschaftliche Miteinander der Freundesclique (Killian,Wyatt, Vann, Ezra, Dillon).

So wie in Band 1 das Kochen für Vera Delane ist die Malerei Molly Mavericks große Passion - diese kann ihr keiner nehmen. Sie ergreift enorm und Mollys praktizierte Maltherapie überwältigt den Leser geradezu. Allein für diesen Themenbereich ist das Buch absolut lesenswert, denn sagenhaft stellt Rachel Higginson diese Malsessions in Szene: wie Molly hier ihren Frust, ihre Sorgen, Ängste, Überlegungen, was sie alles so belastet, umtreibt, ihr im Kopf rumgeht oder spu(c)kt, in dem Akt des Malens hineinfließen läßt, um diese faßbarer zu machen, auszudrücken mittels Pinselstrichen, Farben, Formen, Konturen, Schattierungen abzubauen, umzusetzen, sich Problemen anzunähern, sie anzunehmen, besser betrachten zu können, sich im wahrsten Sinne des Wortes ‚ein Bild davon‘ zu machen, um endlich zu sehen was nicht gleich ersehen werden konnte. Was ihr auf dem Herzen schwer wird, wird Molly durchs Malen los, die Leinwand gibt ihr Freiheit. Auf sie bannt Molly ihre Emotionen, auch wenn sie nicht unbedingt möchte, daß diese dann andere erblicken und sich somit Fremden offenbaren. Selbst auf die Muse und die Schönheit geht die Autorin hier lobenswert nochmal gesondert ein und fügt so dem Buch weitere tiefgründige Nuancen bei! Zu gerne würde der Leser alle Gemälde von Molly, die sich ihm wahrlich vor dem geistigen Auge wie ein Polaroid entwickeln und in der eigenen Vorstellung bunt aufzeichnen, auch im Real Life, in einer Gallerie, betrachten und auf sich wirken lassen.

Molly ist ein Mensch, der sich stets sehr viele Gedanken macht, und immer abwägt und darum ringt, das wirklich Richtige zu tun, ja, sogar die absolut, die ideale Lösung treffen möchte. Da ist sie schon auch eine Perfektionistin, was sich ferner in ihrer Arbeitsweise und ihrem Malen oder in ihrem stets für den Job gepflegtes 'wie-aus-dem-Ei-gepellt-sein' von R. Higginson präzise illustriert zeigt.
Wie die Protagonistin jedenfalls alles meistern will, stets nach der allerbesten, idealste Lösung bemüht diftelt, unschlüssig Gedanken um Gedanken dabei wälzt, um eben auch stets wahrhaftig zu bleiben, ihre kontinuierliche Selbstreflexion ist sehr eindringlich elaboriert. Auch daß sie sich dabei zu oft unter Druck setzt, da sie es allen stets recht machen und nie versagen möchte, bildete ihre Gefühle ab, welche sie auch mit der Ratio auszubalancieren bestrebt ist. Die große Hemmnis ihrer angeknacksten Seele liegt darüber hinaus in ihrer Angst verwurzelt, verletzt und abgewiesen zu werden. Die Sorge, die in sie gesetzten Erwartungen nicht zu erfüllen, ist ihr ständiger Schatten, welches die Autorin in Mollys Selbstfindungsreise deutlich werden läßt.

Sei gut zu Dir! Wie Molly, die sich selbst immer wieder als ganze Person mit allen Stärken und Schwächen annimmt, ihre ‚Self Care‘, achtsam mit sich zu sein und immer wieder Pausen einzulegen (inkl. ihr ‚sich selbst aufbauendes‘ Eigenlob), in ihrem Alltag stetig betreibt, ist wunderbar zu verfolgen. Und daß sie auch Ezra zu dieser Selbstfürsorge auf ihre liebe, aufmunternden Art anspornt und ihn darin coacht, unterstreicht nur Mollys reizendes Wesen. Denn der nur am frühen Morgen für eine Std. Sport treibt doch sonst in kompletten Arbeitsmodus zu verfallen droht, dieser ehrgeizige Workamanic soll sich etwas ausbremsen, damit er sich nicht selbst aussen vor läßt, damit auch dringend etwas Zeit für sich nimmt, er neue Power tanken kann in kleinen geschaffenen Energie-Inseln (aus einfach mal ‘ne Std. länger Schlafen, einen Film wie ‚Aladdin‘ schaun oder mit seiner Halbschwester & Freunden eine Auszeit zu verbringen). Und auch daß Ezra quasi einlenkt, Molly aufmerksam zuhört und diese ihren Anweisungen beherzigt, erfährt von der Autorin muntere sporadische Einblendungen.

Ein schleichender Vorgang. Typisch für die machtausübenden Täter, die sich selbst für einzige Geschenke der Schöpfung halten: sie wählen sich generell schwache Menschen für ihre hintertriebigen und perversen Motive aus. Und hier spielt die ohnehin schon defensive Molly, --die grundsätzlich erstmal die Schuld oder den Fehler bei sich sucht, gleichzeitig aber auch stets bemüht darum ist, ruhig, überlegen, mit Raison und professionell den Umstand anzugehen,-- Ekel-Macker Tucker-Jr. in die Hände.
Aus der Warte der zaudernden Bedrängten wird die verteufelte Symptomatik sexueller Belästigung am Arbeitsplatz mit anerkennendem und einfühlsamen Bedacht von der Autorin ohne Hascheffekte realistisch und verständnisvoll aufgezeigt, erweckt sogar unangenehmen Mit-Schauer und regt zum Nachdenken und Diskutieren an. Auch wie all die von Molly entwickelten Strategien, um sich diesen, durch den Junior-Chef alleine hervorgerufenen einzelnen, entwürdigenden Situationen immer wieder zu entziehen, durchgegangen und doch erfolglos blieben, wird sukzessiv zur eindringlichen Warnung dem Leser deutlich vor Augen geführt: Mollys Freiheit wird immer mehr eingeschränkt, ihre wahre Persönlichkeit zusätzlich verstellt (sie kann nicht mehr sein wie sie ist, sie paßt sich an gezwungenermaßen, den Job-behalten-wollend und auf Sicherheit bedacht; Bsp. Kleiderwahl, das Aufhalten in Gruppe, Ausreden-Erfinden, Meiden & Flüchten, getimtes Verschwinden vom Arbeitsplatz).
Das simple rasche Kappen dieses Erzählfadens (um die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz) am Buchausgang durch die Autorin ist wohl logisch und authentisch - der Paukenschlag ist da, aber, bleibt klein, und läßt die Leserschaft genauso konsterniert zurück wie die labidaren Nachfolgen für den Täter in unserer Wirklichkeit u. Gesellschaft - durch juristische Fehlkonstellation erlaubt.
In diesem parallel-verlaufendem Handlungsstrang bildet sich Mollys Lebenskrise und Konflikt ab: das sich immer unwohler in ihrer Haut Fühlen, ihr unablässiger Kampf sich ja nicht selbst zu verlieren, in etwas hineingedrängt zu werden das sie gar nicht will, was alles gen Ende zu ihrem Befreiungs-Ohrfeigen-schlag verdichtet.

Ezra, die Selbstsicherheit in Person, trifft auf Molly, die mit so mancher Unsicherheit (und klitzekleinem Minderwertigkeitskomplex) geplagt wird. Dieser Frau raubt der beherrschte Restaurantbesitzer ihre Contenance derart, daß sie streitlustig und selbstbewußt mauert. Für sie ist er ein komplexes Rätsel – während er in ihr wie in einem offenen Buch anfängt zu blättern und bis in die hintersten Winkel ihrer Seele zu blicken vermag und trotzdem noch weiter ihre Zwischenzeilen entziffern möchte, da auch sie ihn fasziniert perplex macht und teils sogar fast verlegen und nervös aus der Bahn wirft; letzteres wurde sehr sachte, und jammerschade zu kurz, von der Autorin angespielt. Offen und ehrlich sagt Molly ihm ihre Meinung, hält ihre Gedanken und Worte nicht zurück, und läßt sich somit von seiner Größe und seinem Einfluß nicht beeindrucken.

Seit einem ersten Zusammenrauschen mit Ezra, diesem, aus ihren Augen und auf den ersten vorgefaßten Blick, strengen, herzlosen Mann, der unfähig sei, Gefühle zu zeigen, wappnete Molly sich weiter mit Vorurteilen gegen ihn auf. Wochenlang bemühte sie sich sogar diesem tyrannischen, herablassend und doch so unverschämt attraktiv wie elegant und makellosen Herrn aus dem Weg zu fliehen, denn ihm fühlt sie sich, die ja selbst ihren Lebensunterhalt grade mal so stemmt und noch in den Anfängen auf den untersten Stufen ihrer Karriereleiter verharrt, maßlos unterlegen, so als ob Welten sie trennten. Überdies möchte sie sich nicht von seiner anziehenden heißen Erscheinung vereinnahmen lassen; so tritt sie dem reichen und Vielbeschäftigten vehement verhalten entgegen, erwidert ihm Skepsis - indessen schenkt er ihr vorbehaltlos immer mehr vollkommenes Vertrauen und überantwortet ihr sogar gänzliche Entscheidungsgewalt als Managerin. Dieser superreiche Entrepreneur & Wirtschaftsgenie hält sie beide für ebenbürtig. Dabei läßt er grundsätzlich niemanden mehr so leicht an sich heran, aber wenn er einem erst einmal vertraut, kann man sich Ezras Loyalität auf ewig sicher sein. Diesen Hintergrund-Aspekt hätte die Autorin ruhig noch etwas weiter ausmontieren können.

Ezras Gegenwart, seine herrische Haltung und sein Verhalten ihr gegenüber locken Mollys starke Seite ihrer Persönlichkeit aus dem Verborgenen zum glänzenden Vorschein: Molly, eher zarter Freigeist und sensible Künstlerseele, bietet ‚Mr. Streng und Undurchschaubar‘ die Stirn und Kontra – und wie sie das tut ist einfach nur herrlich! Zeitgleich aber schenkt sie ihm damit unverblümte Ehrlichkeit und aufrichtige Wahrheit; ihre erbauliche Kritik sind ihm Gewinn und wie wertvolle Ratschläge, welche ihm so nirgends entgegengebracht wird ((da er sonst nur v. Leuten umgeben ist, die ihm um den Mund reden oder ihn ausnutzen wollen)) und derer er so dringend bedarf.
Überdies möchte Molly Abstand halten, da er tiefe, hoffnungsvolle Gefühle erweckt; erst muß sie sich selbst noch erlauben, ein Anrecht auf so einen Mann haben zu dürfen. Sein Reichtum ist für Molly irrelevant, sie macht ihm nichts vor, ihr offener Charakter, ihre Empahtie, ihr Sinn für Humor, ihr Talent und ihr ambitioniertes Geschäftsgespür, ihre Freundlichkeit sind der Schlüssel zu Ezras Verschlossenheit und nur sie zaubern ihm immer wieder ein umwerfendes Lächeln auf die Lippen – und es ist unwiderstehlich für den Leser dabei Zeuge sein zu dürfen und veranlaßt ihn selbst immerzu auch mitzulächeln.

Durch Ezras Hartnäckigkeit herausgefordert und seinem ihr entgegengebrachten Respekt richtet sich Mollys sonst niedergehaltener Widerstand zur vollen Größe und entflammt ihr geheimes, verkrümeltes Rebellinnenherz, welches dadurch größere Kraft entwickelt um über ihre Unsicherheiten besser Herrin zu werden. Er stärkt ihr Selbstvertrauen und damit wird ihre Selbstsicherheit verfestigt. Ihr wird bei Betrachtung der bedingungslosen Hingabe und aufrichtigen Liebe Ezras zu seinen eigen Job bewußt, wie sie sich selbst am Verlieren war, sie nicht mehr sie selbst war, daß sie nur mehr Auflagen und Anforderungen, Erwartungen erfüllt hatte ohne wirklich mit vollster brennender Inbrunst bei der Sache zu sein.

Ohne Vater aufgewachsen formte die bedingungslose Liebe seiner Mama das Fundament zu Ezras Herzensbildung. Bereits in noch zu frühen Jahren mußte Ezra den Ernst des Lebens durch die pflegende Begleitung der kranken Mutter in den Tod begreifen. Ihr Verlust bereitet Ezra bis heute Schmerz. Als Waise in verschiedenen Pflegefamilien suchte er vergebens, was er mit dem Fehlen seiner Mutter verloren glaubte. Diese Lücke konnten auch die letzten beiden Jahre mit seinem überraschend aufgetauchten, aber bereits im Sterben liegenden Erzeuger nicht schließen, der vom Stamme Nimm Ezra nur für erfolgreiche Geschäfte Entschlossenheit lehrte. Wieder zurückgelassen diesmal mit der Bürde & Verantwortung eines geerbten Vermögens und wenigstens dem Gewinn einer Halbschwester hat sich Ezra mit viel Herzblut und Schweiß, gründend auf seinem Ehrgeiz und seiner leidenschaftlichen Verschreibung an die Gastronomie, ein Imperium aufgebaut. Als Unternehmensführer von EFB Enterprises ist er durch und durch ein Arbeitstier, das keinen Schlaf braucht. Daß auf der Sehnsucht nach Liebe Ezra nur verletzt und betrogen wurde und dennoch immer wieder aufgestanden war und erhobenen Hauptes und mit intakter Würde weitergemacht hatte läßt einen tiefen Eindruck in der Leserschaft zurück. Vielleicht hätte die Autorin hier noch forcierter und ausführlicher erzählen können, da Ezras Entwicklung, überspitzt und evtl. zu krass ausgedrückt, haarscharf einer Faktenaufstellung eines Lebenslaufs vorbeischrammt. Überhaupt ist der Leser gefordert, sich eher eigenständig hinter die Wolken Ezras tieferer Gedanken samt Gefühlslage hineinzulesen, obwohl es eigentlich ausreichen mag.

Ezras etablierte Haut-Cuisine-Restaurants tragen den Namen von ‚Hexen‘ - aus seiner in die Brüche geratenen Ehe (wg. Ehebruch durch die Gattin!, trotzdem weiterhin noch Teilhaberin) und den nachfolgenden üblen 3 Miß-Beziehungen mit den falschen weil gelddürstig und berechnenden Tussis hat der arbeitsfixierte Workaholic ein für alle Mal gelernt: er hat sich geändert und erkennt jetzt was er wirklich immer schon wollte, nämlich: nur die RICHTIGE Frau. Er weiß exakt, wie sie sein soll, und das ist: Molly the Maverick! Auch dieser Prozess des Einsehens und Verstehens hätte noch ein klein wenig ausgeführt werden können.
Und weil Ezra nach dieser harten Schule des Lebens sich bereits voll definieren konnte und festverankert im Beruf gründet, sich gefunden hat, und d a s auch der Unterschied (The Difference between us) bildet, da er nur mehr die absolut Eine braucht, mag von ihm auch nichts weiter mehr erzählt werden müssen und deshalb seine Präsenz (in der Waagschale der beiden Liebenden) vermindert, leichter ausfallen als die der eigentlichen Hauptperson, der Protagonistin Molly, die sich erst noch selbst etablieren muß - um ihre Karthasis geht es der Rachel Higginson, welche aber Molly widerum auch nur per Ezra gelingt, was von der Autorin verständlich übermittelt wurde.

Im Gegensatz zu Ezras konnte Mollys Mutter ihrer Tochter keine Liebe zeigen, ja sogar es auszusprechen fällt ihr heute noch ungeheuer schwer; generell konnte Molly es ihr nie rechtmachen, was die Tochter in ihren heranwachsenden Grundfesten erschütterte und bis heute verunsichert. „Immer Saures, nie Süßes“ – das war Mollys aufoktroyiertes Kindheitsmotto. Weder Aufmunterung noch Lob, keine Unterstützung, Geduld geschweige denn liebevolle Nachsicht, Verständnis konnte Molly in ihrem Elternhaus erfahren. Dies wurde im zweiten Drittel von der Autorin markant und mit viel Einfühlungsgabe offenbart, womit die im ersten Teil des Buches beim Leser aufkommenden Fragen und manch nicht unbedingt gleich nachvollziehbare Reaktion Mollys völlige Beantwortung fanden.

Wie Ezra Mollys Verteidigungsmauer aus Zynismus niederreißt und ihre Vorstellung von Männern völlig über den Haufen wirft, indem er ihr das Gefühl geborgen zu sein, ernst genommen und geachtet zu werden vermittelt, ist packend nachzuspüren.
Mittels seiner respektvollen Anerkennung, fürsorglichen Haltung und motivierenden Zuversicht verändert er nicht nur Mollys Weltsicht, sondern Ezra [aus dem Aramäischen „(Gott ist) HILFE“] führt Molly stärkend aus ihrer Gefangenschaft von Selbstzweifeln und Versagensängsten und damit zurück zu sich selbst.

Er nimmt sie so wie sie ist, und das reicht ihm, sie ist ihm ein wertvoller, ihn bereichernder Schatz – an diesen vertrauensvollen, sie wertschätzenden Partner und loyalen Freund verliert Molly ihr Herz, Angst wird sie keine mehr haben. Dies schenkt ihr überdies eine Schärfe in ihrer Durchsetzungskraft gegen ihren sie belästigenden Chef. Selbst die Liebe zu ihrem Beruf kann in ihr wieder zur vollsten Blüte aufbersten, denn sie erhält endlich den ersehnten Freiraum, um sich und ihre fantasievolle Kreativität ganz entfalten und auskosten zu können und mit ganzem vollsten Herzen leben zu können; dabei ist die Liebe zu ihm ihr nun das Allerwichtigsten. Von Ezra will Molly nicht nur irgendetwas, sie möchte Ezra nicht wegen seines Vermögens oder seinem großen beruflich Erfolges, sondern will ihn so wie er ist, wegen seiner selbst, und das für die Ewigkeit. Für Molly ist Ezra die ersehnte Ergänzung und letztliche Erfüllung, und nur die Liebe zu ihm und die seine zu ihr gibt ihrem Leben den entscheidenden Sinn.

XXXXXXXXXXXXXX SPOILER ENDE

„Es gab so viele schlimme Menschen auf der Welt, so viele Leute, die andere nur kränkten und ihnen Schaden zufügten. Aber die guten Menschen waren es, die das Leben lebenswert machten, nach denen zu suchen, schlimme Beziehungen zu überstehen und Liebeskummer zu erleiden sich lohnte, bis man sie gefunden hatte."

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F A Z I T: Man bekommt ein Buch mit dem man/frau so ursprünglich nicht gerechnet haben mag – und trotzdem ist es ein sehr gutes, motivierendes Buch, witzig, absolut lesenswert und mit überraschendem Tiefgang. Wer die Malerei liebt, wird dieses Buch vergöttern, wer schon immer nach solch einem männlichen Charakter gesucht hat, -- er ist einfach wow! ein durchgehend guter, anständiger, fantastischer Mensch! - - kommt nicht umhin, sich ihn hiermit zu catchen; wer mal Einblicke in Design-Marketing-Projekte mit Social-Media-Kampagnen oder die Gastronomiewelt werfen möchte, dem werden sie serviert. Und, man begegnet Molly, einem Oeurve aus vielen Ingredienzien, von welchem man sich inspirieren lassen kann. Zusammen ist das Paar unschlagbar, großartig, vielschichtig und authentisch.

Der Roman zeigt, wie man mit Leidenschaft lebt und sein Leben zu einem Kunstwerk macht. Die Intention der Autorin ‚Kann Arbeit wirklich alles sein?‘ mit der Botschaft ‚treu und ehrlich zu sich selbst zu bleiben und sich gegenseitig Stärke schenken in der gegenseitigen Liebe zueinander‘ ist allemal getroffen. Die Geschichte bietet Spielraum nach oben, daher mag das Buch nicht ganz perfekt sein, dennoch es ist ein wahres Kleinod. Gehört zu der Sorte Büchern, in denen man gerne mal wieder liest, oder, gekennzeichnete Zitate, Beschreibungen oder schmunzlig-zungenfertige Wendungen nachblättert.

Zu einem überraschenden und außergewöhnlichen Kassenschlager könnte dieser charmante Roman auf cineastischer Leinwand verfilmt werden, endlich mal wieder was ‚mit wirklich Klasse!‘ – aber nicht mit als einem Ally McBeal oder gar Bridget Jones Verschnitt, ohne GilmoreGirls Klamauk, sondern wirklich genau so wie Rachel Higginson ihren Figuren in den Büchern Leben eingehaucht hat, die zurückhaltende aber absolut liebenswerte und smarte Molly. Molly eben. Zusammen mit einem MEHR vom liebenswerten ‚Despot‘ Ezra, der so manche Geschäftsemails mit ganz besonderen P.S.-Zeilen verfaßt - denn von diesem Traum von einem Mann kann frau eh‘ nie genug kriegen

Die nächsten beiden Bände stehen bei mir schon auf der WunschWarteliste:

Roman 3) The Problem With Him -- Kaya Swift & Wyatt Shaw (als Chefkoch im "Lilou" ihr Boss) ISBN 978-3-7363-1101-5 Erscheinungsdatum 31.01.2020

Roman 4) The Something About Him -- Dillon Baptiste & Vann Delane (sie ist die kl.Schwester von Ezra u. führt Sterneküche, er ist der gr. Bruder ihrer besten Freundin, Inhaber eines trendigen Fahrradladens) ISBN 978-3-7363-1223-4 Erscheinungsdatum 29.5.2020

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P.S./Nachwort – an die Autorin:
Das Liebesgespann Molly & Ezra ist mir von Seite zu Seite so dermaßen ans Herz gewachsen, weshalb ich die beiden unbedingt nochmal wiederlesen möchte – Dear Rachel, eine Novelle muß doch da noch drin sein ... mit mindestens 400 Seiten ... nein, vergiß das lieber ... ein Spin-Off! ja, eine ganze Serie, sagen wir so 5 Staffeln?, damit könnte ich leben. Ich back Dir auch was LeckerFeines, sorge für Weingummi-Nachschub ... na, komm schon, wie wärs mit hausgemachtem Pfefferminzeis .... okay... harte Verhandlung hier .... Du darfst auch mit meinem getigerten Brummbär an Kater kuscheln. Diesem Angebot wirst Du auf keinem Fall widerstehen können. God bless you!

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COVER-Eindruck:
Der Schriftzug des Titels „The difference between us“ in klaren Großbuchstaben des schwarz-weiß Covers ist in einer sehr schönen himmelhellblauen Farbe ausgeleuchtet, welche den als ein aufziehendes Gewitter kurz vor dem Wolkenbruch beschriebenen Prota in seiner Naturgewalt koloriert. Im grauen Hintergrund sind azurene Farbsprengsel (von einem Pinsel?) zu erkennen. Obwohl es sich um die deutsche Fassung handelt ist die Überschrift keiner deutschen Übersetzung anheim gefallen, sondern sie blieb dem englischen Original einfach treu.

In den anfänglichen Bemühungen einer exakten Portraitzeichnung von Ezra versagt Molly immer wieder auch deswegen, weil sie etwas Entscheidendes übersieht – und d a s ist auch das, was sie in der ganzen Geschichte über so rastlos umtreibt, dieses Etwas was tief in ihr liegt, kompliziert und nicht richtig auszumachen war, ihr ihren Seelenfrieden nahm und das Hadern mit ihren Zielen verklausulierte, die Leere die sie nicht erklären konnte. Als Molly endlich erkennt, daß sich ihre Erfüllung in der Liebe zu Ezra und die seine zu ihr kristallisiert, und, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu bleiben, gelingt ihr endlich die Auflösung und damit die Feritgstellung seiner Augenpartie. Im SchwarzWeißFoto gleich diesem detailgetreuem Portrait ist dies wunderbar im Cover dargestellt.
Was am Cover allerdings enttäuscht ist, daß die Iriden des Hauptprotagonisten hell wiedergegeben sind – Ezra besitzt allerdings schokoladenbraune Augen; (dahingegen sind die des Darsteller auf dem ersten Band sehr dunkel abgelichtet, obwohl dort doch Killian mit grünstrahlenden Augen lt. Text bestechen müßte.)

Das Cover ist eher ungewohnt und fällt gerade dadurch auch besonders auf: die nachdenkliche, fast misstrauische Haltung und verhangene, ernste Pose des abgebildeten Gentleman (der Protagonist Ezra Baptiste) bringt auch die Ernsthaftigkeit hinter seiner Fassade zum Ausdruck, die Verantworung die auf des Protagonisten Schultern lastet und ihn evtl. von einem Leben jenseits von Strenge und Härte und Karriere abhält, von einem Leben, das vielleicht noch viel eher zu einer wahren Erfüllung führen könnte oder dem Entscheidendes fehlt. Seine Unnahbarkeit ließe sich einem gewissen Schutzschild gleichsetzen, mit dem er sich abgrenzt um sein Inneres nichts Ungewohltem, Verletzendem oder Wunden-Schlagendem aussetzen zu müssen. Und, warum ist er unrasiert und ohne Krawatte abgelichtet und eingefangen, wie auf einem schwarz-weis-Foto, entgegen der Leseprobe, in welcher er als diszipliniert und gepflegter Anzugträger beschrieben wurde. Was ist geschehen? was ihm widerfahren, mit was wurde er konfrontiert oder hatte er eine Erkenntnis? daß der Leser ihn in solch einer, ja, enttäuschten, ausmusternden und dunklen Stimmung auf dem Cover antrifft; es muß ihm etwas auf seinem Herzen liegen, auf seiner Seele lasten, oder zumindest ununterbrochen beschäftigen, fast macht es den Anschein, als habe er mehrere Tage nicht schlafen können oder wäre überarbeitet – und dennoch voll da und bei scharfem Verstand. Oder ist es gar ein intensiver, konzentrierter Blick zurück?, da sein Augenmerk etwas über seine Schulter nach hinten gerichtet ausgedreht ist. Eine Vergangenheit die bis heute Auswirkung zeigt, ihn gar verfolgt oder intensiv geprägt hat? oder, distanziert er sich gerade davon? Mag er vor einem Scheideweg stehen und er eine gravierende Entscheidung treffen müssen? Oder, mag er sich noch einem anderen etwas, einer anderen Person bewußt werden, die in seinem Blickfeld erst nur am Rande auftaucht. Schaut er sich etwa nach dieser um, nimmt sie zunehmend bewußter war? gerät er gar in ihren Bann? da er ja aus einer verschatteten Position in eine mit Licht-erhellten Seite sich wendet, von dem Dunklen ab hin zur strahlend-lichten Seite. Und, wo genau mag dieser „Unterschied“ zwischen den beiden doch wohl für einander bestimmten Protagonisten liegen? werden die beiden Hauptdarsteller dieses Romans trotzdem zueinander finden und diese Unstimmigkeiten bzw. Gegensätze, oder, das was sie von einander zu trennen scheint , doch überbrücken können?
All solche Art von Fragen treten beim Betrachten dieser Covergestaltung dem Leser in untriebigen Sinn und wie gebannt möchte er sich dem Roman so bald als möglich ergeben, um Antworten über diese intense, aufrüttelnd gestimmte Szenerie ergattern zu können. Leider wurde nicht dezidiert alles in Ezras Gefühlswelt bezügl. solcher vom Cover aufgeworfener Fragen exerziert, weshalb das Cover wohl eher treffender aus drei Bildern oder Fotos in Montage collagiert werden sollte, neben Ezra eben auch Molly und ihre Arbeit & Leidenschaft der Malerei.
Der intensiv-düstere und tiefgründige Blick voll Ernsthaftigkeit des Hauptakteurs, wie im Buch beschrieben, ist jedenfalles frappant gelungen!

Veröffentlicht am 11.10.2019

Spurlos verschwunden, seit 24 Jahren – aber Kommissar WISTING gibt niemals auf!

Wisting und der Tag der Vermissten
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Kurzeindruck:
solider und übersichtlicher realitätsnaher Kriminalfall der sich mit einem anderen Cold Case um eine Verschwundene überschneidet //
strukturierte, mehrebene Polizeiermittlung in Reinkultur ...

Kurzeindruck:
solider und übersichtlicher realitätsnaher Kriminalfall der sich mit einem anderen Cold Case um eine Verschwundene überschneidet //
strukturierte, mehrebene Polizeiermittlung in Reinkultur und Echtzeit mit äußerst sympathischen und v.a.integeren Charakteren, im leise gethrillten Showdown mit psychologisch-getunten Kammerspiel
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Jørn Lier Horst, selbst ehemaliger Kriminalhauptkommissar bei der norwegischen Polizei, veröffentlicht seit 2004 Buch um Buch und erhielt zahlreiche Auszeichnungen (für Winterfest und Jagdhunde, Bd. 7+8 aus der Wisting-Reihe).
Der bei uns aktuell erschienene, strenggenommen bereits 12. Band aus der bisher 13teiligen William-Wisting-Serie, aber davon ausgekoppelt als Erster im Piper-Verlag unter dem weiter fortgesetzten Cold Cases-Quartett um den besten Ermittler Norwegens, „WISTING und der Tag der Vermissten“ (im norwegischen Original „Katharina-koden“/The Katharina Code) wurde jüngst mit dem renommierten Petrona Award als bester skandinavischer Kiminalroman prämiert.
Die einzelnen Bände sind je in sich abgeschlossen und können auch außerhalb der Reihenfolge ohne Verständnisprobleme gelesen werden.
Dies gilt auch für das jetzt begonnene 4tlg. Spin-Off.

Da die Rechte an William Wisting bereits an eine norwegische Produktionsfirma verkauft wurden, (in deren Boot mit unter Leute sind, die bei der Verfilmung der Varg Veum Bücher und dem norwegischen Blockbuster “Kon-Tiki” mitwirkten,) könnten die Romane dieses skandinavischen Bestseller-Autors eventuell bald als Verfilmung fürs Fernsehen oder Kino Umsetzung auf die kleine oder große Leinwand erfahren.
Geplant sei bereits eine TV-Serie mit Sven Nordin in der Hauptrolle und Carrie-Anne Moss als FBI-Agentin.

Noch zur Info:
Bisher wurden leider nicht alle Bücher der William-Wisting-Reihe ins Deutsche übertragen (damit fehlen: Bd. 1,4,5,6,11). Dies gilt auch für die englische Translation.

Davon abgesehen hat J.L. Horst für junge Leser viele Detective-Stories verfaßt: Die mittlerweile auf 9 Büchern ausgebaute CLUE-Reihe (2012-2016) ist noch nicht übersetzt worden, ganz zu schweigen von der 10bändige Detektivbyrå nr. 2- Reihe (2013-2016).

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Mittels eines sehr leichten, flüssigen Schreibstils wird das Lesepublikum in die 88 Kapitel auf 444 Seiten umfassende Geschichte dermaßen hineingezogen, als sei es selbst vor Ort und würde William Wisting, - Polizeihauptkommissar und Ermittlungsleiter bei der Polizeidirektion in Larvik/Vestfold,- z.B. beim Studieren der Sammelmappen, Unterlagen, Befragungen, Lichtbilder und Notizen förmlich über die Schultern spieken, jene aufmerksam mit-durchexerzieren und sich über die einzelnen Puzzelsteine und die zahlreichen Rätselfragen rund um den Fall anfangen den Kopf zu zermalmen.
Seit nun mehr 24 Jahren holt William Wisting jedes Jahr zum 10.Oktober die ordnerdicken Ermittlungsakten rund um den Cold Case der damals mysteriös von daheim verschwundenen Katharina Haugen hervor und analysiert sie von Neuem eingehendst, obwohl er sie schon längst in- u. auswendig kennt.
Sein siebter Sinn, aller Merkwürdigkeiten diese Falles eingedenk, läßt ihn immer nur deutlich auf eine kriminelle Handlung schlußfolgern. Was ihm stets noch suspekt bleibt war die hinterlassene Szenerie des Hauses u.a. die Art des für eine Reise zusammengestellt und vorgepackten Koffers, ein aus dem Rahmen herausgenommenes Foto, die herausgezogenen Bücher, neben dem frischen roten Rosenstrauß, sowie ein auf dem Küchentisch gefundener Zettel mit ominös-ausgediftelt und zwischen Linien angeordneten Zahlenkombination, an deren Ausdeutung selbst alle möglichen diversen Expertengruppen und Spezialisten immer wieder verzweifeln. Der Schlüssel zur Lösung des Falls? Wie sind der undurchsichtige Nachbar und die stalkende Ex-Frau Martin Haugens einzustufen? Nach der Zeugenaussage einer Gesangskollegin aus dem Chor habe sich Katharina ein gutes Jahr vor ihrem Verschwinden verändert: die einst voll Energie berstende und ausgeglichene Frau hätte sich zurückgezogen, wirkte sonderbar niedergeschlagen und verschlossen – was ist Katharina am 10.10.1989 zugestoßen? Welches nagende Geheimnis trug sie anscheinend bereits geraume Zeit vor ihrem Verschwinden mit sich herum? Warum konnte bis heute der Leichnam nie aufgespürt werden?

Ansonsten hat sich Wisting zur jährlichen Gewohnheit angeeignet, zum Zeitpunkt des Verschwindens, den Ehemann der wahrscheinlich Ermordeten privat aufzusuchen, Martin Haugen, eigentlich dem Hauptverdächtigen schlechthin, der allerdings ein wasserdichtes Alibi vorweisen konnte. Eine ganz eigentümliche Nähe und Bekanntschaft zwischen den beiden Witwern entwickelte sich im Laufe der Jahre daraus. Doch heuer ist er zum ritualisierten Treffen mit dem Kommissar überraschend nicht anwesend noch auffindbar.
In der unermüdlichen Suche nach Antworten erscheint zeitgleich der für eine neu eingerichtete EU-Spezialabteilung um Cold Cases, bei der Kripo in Oslo, ermittelnde Kommissar Adrian Stiller und wuchtet den 26 Jahre alten Fall um die nach einer Party nie mehr aufgetauchte und angeblich entführte Nadia Krogh wieder auf den Tisch. Gegen Marin Haugen wird jetzt intern wegen Mordes ermittelt(!), denn er ist in der Krogh-Affäre nachweislich verwickelt. Was ist mit der damals 17jährigen geschehen, was hatte es mit den Erpresserbriefen auf sich, warum wurde das Lösegeld nicht abgeholt? Und zu guter Letzt: in welcher Verquikung könnte dann all das überhaupt zu Katharina Haugens späterem Verschwinden stehen?
In Detective Stillers sorgsam aufgestellten Spielplan beginnen nun austarierte Schachbrettzüge die Fälle in Bewegung zu bringen. Dieser erfordert parallel zu den wiederaufgenommenen Ermittlungen Kommissar Wistings Tochter Line zu integrieren: die für ihren investigativen Journalismus ausgelobte Reporterin soll darüber regelmäßig schreiben, in einer Artikelserie um die Krogh-Entführung von 1987, um (ihr unbewußt) dem Täter zuzusetzen; desweiteren vollzieht sich ohne ihr Wissen eine gleichzeitig geheime Involvierung ihres Vaters, der quasi undercover intensiv auf Haugen angesetzt werden soll, um ein Vertrauensverhältnis noch zu schüren. Die zeitgleichen auf vielen Ebenen wirkenden Ermittlungenstränge mitsamt psychologischer Kriegsführung verflechten sich zunehmend dichter, die Lage spitzt sich zu. Werden Stillers präzise ausgelegten Netze den Fisch endlich an Land ziehen und damit zur Strecke bringen, oder wird Wisting in diesem riskanten Manöver zu weit gehen und das Ganze in ein unaufhaltsames Roulett um Leben oder Tod ausarten?

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Wer hier einen rasanten und vollüberladenen Action-Thriller erwartet, wird nicht bedient werden. Auf blutige Grausamkeiten wird ebenfalls verzichtet genauso wie auf unnötigen Bombast und Effekthascherei. Und dieser wirklich gute Polizeiroman zeigt, daß er all das auch überhaupt gar nicht braucht. Denn es handelt sich um einen, durchaus auf wahren Tatsachen beruhenden und, die Realität langwieriger und hartnäckige Geduld wie Nerven aus Stahl erfordernder Polizei- u. Ermittlungsarbeit, in ihren einzelnen Schritten, abbildenden Krimi; ein Roman also, der wirkt, als ob reale Kriminalfälle aus dem wirklichen Leben nachgestellt wurden.
Dies umfaßt auch die Verfolgung und Auswertung der laufenden Kommunikationsüberwachung (Ortung, Peilsender, Abhörtechnik, versteckte Kameras, verdeckte Hausdurchsuchung), Feinarbeit der Techniker bei der Grabungsarbeit bei Leichenfundvermutung, und es fällt sogar ein gehauchter Blick darauf, wie anstrengend sich die alle höchste Aufmerksamkeit erfordernde Arbeit auf die Psyche der Kommissare und Beteiligten belastend auswirken kann.
Unmittelbare Quelle dieser Authentizitätsdichte ist der Autor selbst, der nach fast 20 Jahren Dienstzeit als Polizist und 10 davon auch als Chefermittler 2013 den Beruf quittiert hatte.
Das Teamwork der verschiedenen Abteilungen und Berufszweige wird klasse und authentisch übermittelt:
Die Leserschaft erhält nicht nur Einsichten in polizeiliche Verfahrensphasen, sondern in die Kooperation mit den Medien, und den Perspektivenwechsel und Blick von außen via Zeitung, Internet und Fernsehreportagen, aber auch hinsichtlich deren Arbeitsweisen eines seriösen Nachrichtenjournalismus und Reporterteams, allen voran Wistings Tochter Line, die bei VG, der größten Tageszeitung Norwegens, als Kriminalreporterin tätig ist.
Als sei der Leser Begleiter oder fast Azubi an der Seite der Polizeiermittler und Berichterstatter verfolgt er peu à peu die teils zähe Prozedur der Annährung zur Aufklärung mit und wird Zeuge beim Dechiffrieren des Codes von Katharina und aller anderen bisher ungelösten Geheimnisse.
Konturen einer Lösung zeichnen sich immer mehr ab und alle stehen im großen Kontext zueinander.
Hier wird nicht die Leserschaft etwa auf fälschlich ausgelegte Finten immer wieder aufs Neue weggeschickt, sondern, in einer fein-geknüpften Raffinesse verschiedener, parallel verlaufender Handlungsstränge eines subtil ausgestrickten Netzwerkes ist es der Täter der sich zunehmend verhadert und selbst am Ende zu Fall bringt.

Der Krimi ist sehr übersichtlich, auch in überschaulicher Personenanzahl und Orte, klar, deutlich, ohne viel Tamtam, nicht zu komplex oder gar versponnen, in (fast schon zu) einfacher Syntax zügig zu lesen, wobei die Handlung schlüssig, logisch bleibt und erst ab ca. dem letzten Viertel des Buches und zum Ende hin mit stetig packend-wachsender Spannungskurve leiser Töne aufwartet; direkt auf das Wesentliche steuernd - so ist es auch dem Charakterzug Wistings eigen.

William Wisting brilliert mit seiner in sich geerdeten Ruhe, nachdenklichen und konzentrierten Vorgehensweise, und, mit seiner nie nachlassenden Sorgfalt und hohem Engagement; dessen Ziel ist es, neue Perspektiven aus den alten, kalten Akten mittels neuer Ermittlungen & Forschungsergebnissen herauszuspüren, das Verbrechen unbedingt aufzudecken, um somit potentiellen Opfern doch noch endlich Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Trotz all den Jahren der Konfrontation und bewußten Auseinadersetzung mit dem Dunklen im Menschen hat er sich seine moralische Integrität und Menschlichkeit bewahrt.
Eine Maxime Wistlings ist ferner, immer zu versuchen, das Unfassbare zu verstehen, wieso ein Mensch einen anderen töten kann.

Wieder und wieder geht er von Jahr zu Jahr Fotos und Aufzeichnungen, Zeugeninterviews, Vernehmnungsprotokolle, Larborberichte, wirklich alles, akribisch durch, in der Hoffung, daß sich ihm neue Erkenntniswege eröffnen. All diese Zeit für einen Fall, einen Menschen zu investieren unterstreicht nur den hohen Ehrenkodex, der William Wistling innewohnt. Allein die Tatsache, daß W.W. Pappkartons mit allen Dokumenten in seinem Kleiderschrank zu Hause, sicher und jederzeit zugriffsbereit, aufbewahrt, zur tagtäglichen Ermahnung an den ungeschlossenen Fall und der steten geistigen Vergegenwärtigung, um den Verstand immer arbeiten zu lassen und am Laufen zu halten, läßt einen den Hut vor ihm ziehen. Wie er sich ganz und gar hineinkniet in die Fokussierung auf Einzelheiten imponiert genauso: er sucht Kleinigkeiten, kleine Verdrehungen der Wahrheit rufen einen falschen Eindruck hervor von dem was sich tatsächlich zugetragen haben könnte. Sachte Misstöne, feinste Nuancen, fast nicht auszumachen dennoch vorhanden, die man unterschwellig wahrnimmt im Verhalten, oder minimalste Abweichungen in Gefühlsreaktionen, die nicht gleich faßbar oder zu bestimmen sind; darüber hinaus in Äußerungen im Gespräch schimmern winzige Details, die sich geringfügig manchmal verändern in weiteren Unterhaltungen. Das zu durchschauen und mit einer laserscharfen Beobachtungsgabe zu registrieren, denn Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Tonfall sollen ohne Widerspruch in harmonischer Wahrheit vereint sein, hat sich Wisting bereits als Wesenszug verinnerlicht und unterstützt sein kriminalistisches Gespür und kriminologischen Feinsinn.

Jørn Lier Horst beschreibt seine Protagonisten sehr anschaulich und läßt sie mit ihren Eigentümlichkeiten, Stärken wie Schwächen oder kleinen Ticks wie Personen aus dem eigenen, realen täglichen Leben wirken, als seien sie Freunde, Bekannte oder Verwandte, ja, man kann sich sogar selbst in ihnen gespiegelt wiederfinden.
W.W. ist ein wunderbarer, liebender Papa der in jährlich gepflegter Routine bei Besuchsantritt seines Sohnes Thomas, einem eingespannten Berufspiloten beim Militär mit Einsätzen in Afghanistan, eigens Pizza bäckt. Auch sonst versorgt er seine beiden erwachsenen Zwillinge mit selbst zubereiteten Speisen.
Die eingewebten, schnuckligsüßen und teils schmunzligen ‚Aufpassen-aufs-Enkeltöchterchen‘-Einschübe lassen Kommissar Wisting als Großdaddy nur noch mehr an unglaublicher Sympathie liebgewinnen und ein klein wenig tiefer in seine Seele blicken; zudem beleben die Babysitting-Elemente der auch als Journalistin Mobile Working-betreibenden Line, neben des harmonisch Miteinanders, den Alltag der Familie und wärmen das Herz des Lesers.
Der 1958 geborene Wisting beeindruckt auch in seinem unterstützenden und aufrichtigem Umgang mit seiner 30jährigen Tochter Line, der kategorischen nicht-Kaffee-Trinkerin und Hobby-Ahnenforscherin, Mutter der 14monatigen Enkelin Amalie, die Strafzettel beim Falschparken sammelt. Als ursprünglich verantwortungsvolle Nachrichtenreporterin möchte sie nach ihrer 16monatigen Mutterschaftsauszeit als freie Journalistin weiterarbeiten, und ist sogar schon als Freelancer tätig. Auf Anordnung und minutiösem Kalkül Adrian Stillers wird sie in das gerissene Gefüge seines raffinierten Spielwerkes eingebaut, um als eines der wichtigen Rädchen die Maschinerie zur Ergreifung oder Erlegung eines geständigen Täters in Gang zu setzen.

Gleichwohl hat Jørn Lier Horst mit Adrian Stiller, ehemals Adrian Palm, einen weiteren fazinierenden Charakter zum Leben erweckt: dieser arbeitet nicht nur versessen an unaufgeklärten Mordfällen, sondern auch mit ungelösten Vermisstenfällen, bei denen es sich um Mord handeln könnte. Ca. 35 Jahre alt, gepflegt, mit stahlgrauen, wegen Überanstrengung leicht geröteten Augen, erinnert er an einen Firmenanwalt oder korrekten FBI-Typ im Film; er vertilgt Fisherman’s Friends Pastillen und leidet unter notorischer Schlaflosigkeit seit einem schicksalshaft tragischen Trauma, wobei die Albträume nachgelassen haben. Seine Berufsausbildung hatte er sich aufgrund dessen, seines persönlichen Cold Case, gewählt: seine eigene Freundin, Julia Ann, verschwand völlig spurlos vor 18 Jahren in Südafrika. Zielgerichtet und ergebnisorientiert ist Kommissar Adrian Stiller taktischer Stratege mit fragwürdigen, kreativen Methoden: er manövriert die Ermittlungen einem ausgewieften Spiel gleich bei hohem Einsatz, sogar manchmal mit etwas unorthodoxen doch sorgsam plazierten Winkelzügen. Für ihn ist der kurz vor der Pension stehende Wisting der eher defensive und doch so unverzichtbare und v.a. ausschlaggebende Joker im Hintergrund. Dabei will W.W. gar nicht wirklich manipulativ agieren, sondern immerzu ehrlich und offen, balanciert aber gezwungenermaßen auf einem schmalen ethischen Grat, da ein Geständnis zu erhalten für die Gerechtigkeit des Opfers Vorrang hat.

Kritikpunkte
SPOILER – Anfang:

Wer als Leser aber generell alles ganz genau wissen möchte, dem wird hier ein bißchen noch was fehlen: nämlich wurde auf den Ablauf, oder besser diese Augenblicke des damaligen Streits nicht eingegangen; Katharina plante, sich der Polizei auszuliefern; kurz davor hatte sie auf Martin eingeredet, ihr es gleich zu tun und sich doch auch der Polizei zu stellen, aber er weigerte sich, er gehe doch nicht ins Kittchen(!?), da er es ((das unauffällige Beiseiteschaffen Nadias Leichnams)) für sie getan habe - die Verantwortung für alles trage letztlich nur Katharina; die unmittelbaren Auswirkungen die zum Tode Katharinas führten, wurden nicht eindeutig verifiziert [war es nun, im Gezanke, etwa ein Schubsen mit tödlicher Unfallfolge, oder, ein eruptierter Wutausbruch mit auf die Ehepartnerin losgehen und sie zu Tote schlagen, oder, eher doch ein gezieltes, absichtliches z.B. Erdrosseln, um zu vertuschen und nicht ins Gefängnis zu müssen(?),] sind hier denn die pathologischen Untersuchungen gar nicht so wichtig (?) ((sie waren es nur bei Nadia; was exakt mit Nadia geschah, erfährt ausführliche Auflösung. Da war es ein fataler Autounfall. Aber hier? Totschlag aus Affekt oder doch Mord)). Darüber hinaus wurde das situationsgeprägte Emotions- wie Gedankenchaos nicht eruiert, diese psychologische Tiefenschichtigkeit blieb dann doch aus – nur vorher, in Wistings Mutmaßungen zu einem Mord im Affekt und den verqueren Aussagen Martins über einen gewissen 'Urinsinkt', (statt tatsächlich anerlerntem Reflex oder unbeherrschter Triebe,) kann vom Leser erahnt werden, was geschehen sein könnte, abgelaufen sein muß. Martin ist jedenfalls Katharinas Mörder - egal aus welcher Konstellation heraus. Hatte Martin jetzt Katharina versehentlich erschossen(?), weil er sich bedroht fühlte ((er müsse ins Gefängnis)), deshalb sei sein Angriff angeblich aus vererbtem Urinstinkt erfolgt(?). Dieser Satz hätte im 'Autowagen-Geständnis' quasi nochmal kommen müssen! Das präzise Herausfiltern der Wahrheit war wahrscheins gar nicht mehr möglich, weil der Täter/Mörder über all diesen jahrelangen Zeitraum davor weggelaufen ist, das Geschehen in Eis gelagert hatte, sich dem nie wirklich stellt, einfach nur vergessen wollte(?), weil er sämtliche Schuld ja auch seiner Gattin zugeschanzt hatte(?!).
Auf Zeit spielte, denn es kam zu einer Gesetzesänderung, nach der die Tat jetzt nicht mehr nach 25Jahren als verjährt gilt.
Und dennoch: Er hegt Gewissensbisse (?) wegen Nadia, einer Fremden, fährt 2x zu den Kroghs, weil Martin die damaligen Ereignisse zu erzählen beabsichtigt; hingegen, in Bezug zur eigenen Gemahlin gibt’s keinerlei Gefühlsregung/Bedenken? ... diese total ausbleibenden Worte dazu im Wortschwall zu Wisting ((alles über Nadia, nix zur eigenen Frau)) entsetzen einfach, ja, sind ein blanker Horror, denn, man bedenke auch, daß er bereits zum zweiten Mal einen Leichnam unterteerte, und dann diesmal auch noch der einer ihm so nahe stehenden Person. (Oder, muß hier erst am Anfang auch angesetzt werden: wer wollte ursprünglich, bei dem Unfall, durchsetzen, es zu verschleiern? er oder sie?) Da ja ‚Katharina‘ immerhin der Hauptfall ist, sollte hier doch dahingehend keine dezidierte Darlegung dem Leser unterschlagen bleiben. Vielleicht bietet sich dem Autor bei einer Verfilmung noch die Gelegenheit, diesen Umstand unbedingt auszuführen.
SPOILER -- Ende


F A Z I T:
Meisterlich konzipiert: Wie der stete Tropfen den Stein höhlt so schürft sich Wisting fast tastend Jahr für Jahr, und besonders gen Ende, noch dazu hin-und herpendelnd zu Kommissar Stillers fortschreitenden Ermittlungen, Medien-Einspielungen und sprichwörtlichen Ausgrabungen, im zum sich psychologisch verdichtenden Kammerspiel einer 3tägigen Hütten(tor)tour mit der Geduld des immer wieder die Rute auswerfenden Fischeanglers, Stunde um Stunde, dann minütlich, ins Gewissen des Täters vor, welcher so unendlich lange schon etwas hinter einem mit Lügen zugeteerten Fassadenbau versteckt.

Wie Wisting angesichts des Horrors um die damaligen Ereignisse und der möglichen unmittelbaren Lebensgefahr für die eigene Person seine Zurückhaltung und diese beherrschte Ruhe-in-sich aufrecht erhält, und, dabei auf der rutschig-glatten Eisdecke von Psyche des Mörders zu gleiten vermag, bis er sie zum Einbrechen bringen kann, packt den Leser in bewundernder Sprachlosigkeit und gewichtet die Dramatik um so mehr.
Das Prozedere der kohärend und simultan zu einander ablaufenden Verfahrensstationen sind von ganz eigener Faszination und entwickeln einen ungewöhnlich leisen, aufschraubenden Thrill.

Wer regelmäßig Aktenzeichen XY ... ungelöst verfolgt, kommt nicht umhin, sämtliche Bücher dieses Autors zu vertilgen.
Tusen takk! Danke vielmals, Herr J.L. Horst - es gibt sie doch noch, wundervolle Menschen, inspirierende Kommissare, vorbildhafte Detectives, einwandfreie, integere, ehrliche Ermittlungsbeamte, die unermüdlich kämpfen, um eines Tages doch noch die Wahrheit aus dem Eis des Schweigens herauszubrechen, an die Oberfläche zu befördern und damit zu befreien – für die Wahrheit ist es wohl nie zu spät. Mögen die Fälle, die das Leben im Lichte wie im Dunkeln schreibt, auch noch so grausam, kompliziert, einbetoniert sein, mit unbändigem Willen und voller Einsatzbereitschaft streben Leute solchen charakterlichen Schlages danach, sie dennoch zu lösen, Gerechtigkeit anheimfallen zu lassen, den Täter zur Verantwortung zu ziehen, zu etwas Größerem beizutragen, einen Sinn zu entdecken in dem was man tut.

Ob Adrian Stillers angedeuteter ganz eigener, privater Vermisstenfall je Enträtselung erleben wird? - das möchte man irgendwann gerne doch noch erleben. Und natürlich William Wisting, dem Fels in der Brandung zum Eisknacken ominöser verschütteter und eingefrorener Fälle, gerne wieder begegnen. Mitsamt seinem liebenswerten Familyclan Auf die drei nächsten Bücher dieser Cold Case-Reihenauskopplung bin ich nun sehr gespannt.


COVER-Interpretation & Buchgestaltung:
In großen, klar-umrissenen Lettern prangt in einem warmen Morgensonnenorange der Nachname des besten Kommissars Norwegens WISTING auf einer kaltweißen, nur partiell eisblau-kolorierten Schneelandschaft, (oder zugefrorenem Eissee), so als ob sich dieser von nichts aufhalten läßt und ein unerschütterliches & markantes Zeichen, gleich einem Branding, darauf setzt. Die Versale ragen reliefartig hervor und sind haptisch erspürbar - toll! Die leichten aber vorhandenen, im Schneeweiß allerdings ungesehenen Unebenheiten & feinen Nuancierungen dieser planar zugeschneiten und verkarsteten Oberflächenstruktur gewinnen nur hier, in des Ermittlers Großbuchstaben, mittels mandarinengüldener Akzentuierung, an ausgeleuchteter Dimension und kommen zum sichtbareren Vorschein.
Feinste Details in der Indizienanalyse sind auch im Kriminalroman von ausschlaggebender Erhellung und tragen so zur Lösung des Doppel-Falls mit bei. Das durchgehend kompakte, ziemlich gleichmäßig verlaufende Schneegebiet, welches sich bis zu einem nur mehr kleinen, kaum merklichen Horizont hochzieht, mit diesem teils fast zu verschmelzen scheint, ist mit einer metertiefen Schneise versehen; diese schneidet sich, wie ein Durchhau eines wasserfarbenen Gletscherspaltes ausgeformt, mit vertikalen Seitenwänden, quasi durch die Buchfront, knackt auf diese Weise die gefrorene Eischneedeckenschicht auf und bahnt einen Weg zur Zivilisation – als beabsichtige sie eine versinnbildliche Betonung darauf zu eröffnen, daß selbst ‚eingefroren-verkrustete‘, ältere, ungelöste Kriminalfälle aufgebrochen und aufgeklärt werden können. Als wäre es möglich, Geheimnisse, die tiefer verborgen lauern als die tiefsten Schluchten oder bodenlos klafternden Wunden, doch noch an die Oberfläche und damit zu Tage zu fördern.
Unter dem Wort Wisting ist in Schwarzdruck der Titel etwas kleiner fortgesetzt mit „und der Tag der Vermissten“ - Band 1 der Cold Cases-Reihe.
Das Brochüreformat ist wunderbar informativ, wenn auch etwas komprimiert, ausgestattet: Es enthält, zusätzlich zur Plotbeschreibung auf der Buchrückseite, auf ihren aufschwenkbaren Klappenseiten vorne ein Mini-Recap, und hinten ein Foto samt Kurzbiographie des 1970 in Bamble/norwegischen Provinz Telemark geborenen Autors, sowie, innen einen prima Steckbrief zu Wisting, nebst Vorankündigung eines weiteren Bandes zur Cold-Cases-Serie, welcher mit dem Titel „WISTING und der fensterlose Raum“ („Det innerste rommet“) im Januar 2020 ihre Fortsetzung erfährt.

Veröffentlicht am 11.10.2019

Auf MESSERs Schneide: Harry Hole am Scheideweg seines Lebens *GESTÄNDNIS. WAHRHEIT. STRAFE*

Messer
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In Norwegen wurde bereits Jo Nesbøs Debüt von 1997 DER FLEDERMAUSMANN, der Auftakt zur Harry-Hole-Serie, (in Deutschland erst im Juli 2013 veröffentlicht), zum "Bester Krimi des Jahres" gekürt.
International ...

In Norwegen wurde bereits Jo Nesbøs Debüt von 1997 DER FLEDERMAUSMANN, der Auftakt zur Harry-Hole-Serie, (in Deutschland erst im Juli 2013 veröffentlicht), zum "Bester Krimi des Jahres" gekürt.
International gelang dem 1960 in Oslo geborenen und noch heute dort lebenden Schriftsteller mit seinem Kriminalroman ROTKEHLCHEN (der 3.Band um den eigenwilligen Kommissar Harry Hole) der Durchbruch. Nach der Auszeichnung dafür mit dem norwegischen Buchhandelspreis, wurde derselbige sogar 2004 zum besten norwegischen Krimi aller Zeiten gewählt.
Jo Nesbøs erfolgreiche Publikationen, welche selbst mit Kinderbüchern um 'Doktor Proktor' aufwarten, wurden bis heute rund 20 Millionen Mal verkauft, in 47 Sprachen übersetzt.
Allerdings wurde die Verfilmung von DER SCHNEEMANN (Teil 7 aus der Harry-Hole-Reihe), zwar mit Michael Fassbender in der Hauptrolle aber nicht nah genug an der Buchvorlage, in Kritiker-Kreisen mit Skepsis verurteilt.

NUR im ullstein-Verlag ist nun auch der in einer der als erfolgreichsten Krimiserien der Welt ausgelobten Reihe um Ermittler Harry Hole inzwischen brandneue und aktuelle 12.Fall MESSER erschienen.
Weitere Thrillers des von The Times als "Der unumstrittene König des skandinavischen Kriminalromans" gekrönten und von Daily Express als "Weltweit einer der besten Kriminalautoren" klassifizierten Bestsellerautors sind u.a.: DER SOHN; BLOOD ON SNOW Teil 1+2; MACBETH – Blut wird mit Blut bezahlt (ausnahmsweise im Pinguin-Verlag).
Einige seiner hochspannenden Krimis sowie Drehbücher sind bereits verfilmt - hier sei für den statt lese- eher filmbegeisterten Einsteiger in Nesbøs Oeuvre z.B. die Thriller-Verfilmung HEADHUNTERS sehr ans Herz gelegt.

Hinweis: MESSER ist, wie all die anderen Bände, auch als Hörbuch zu erwerben - allerdings nur in gekürzter Lesung von 850 Min. und wirkt sicherlich zum Buch als eine gänsehautbeschwörende Atmosphäre ergänzend.

GESTÄNDNIS. WAHRHEIT. STRAFE.
OSLO: Harry träumt von den einst unsagbar glücklichen Zeiten mit seiner Ehefrau Rakel und den an Sohnes statt angenommenen introvertierten ernsthaften Jungen Oleg. Die wunderbare Beziehung ist kürzlich in traurige Brüche auseinander gegangen, ja vollends vernichtet - ausgelöst wirklich nur aufgrund von Harrys paranoianischen Ängsten und unheilversprechenden Vorahnungen gebeutelt sowie wiederholtem Rückfall in Alkohlexzesse? Svein Finne, ein heute 77jähriger, sadistisch pervers-veranlagter Gewaltverbrecher & Wiederholungstäter, ist zu einer Nemesis Harry Holes transformiert, erst recht seit der nach 20jähriger Haft Entlassene Hole Rache und Vergeltung geschworen hat.
Kürzlich wieder rückfällig geworden in den Suff erwacht Harry in seiner Wohnung: er versucht verzweifelt, sich an die vergangenen Stunden zu erinnern - ihn konsterniert das viele Blut an seiner Hand, an seiner Titanprothese (seinen Ersatz für den Mittelfinger) und seinen Kleidern. Doch da ist rein gar nichts - blos ein merkwürdiges, pures & totales Blackout! Bleibt die von seinem Freund & Arbeitskollegen, dem Kriminaltechniker Bjørn Holm, vorläufig vorgetragene, erklärende Schilderung dazu, ihn total betrunken, nach einer raufenden Auseinadersetzung mit dem neuen Barbesitzer Ringdal zu Hause abgesetzt zu haben, wirklich so schlüssig?

Um den heute knapp 50jährigen Harry Hole steht es absolut nicht gut, denn er ist abgebrannt in jeglicher Beziehung, privat mit seinem Rausschmiß vor 2½ Monaten aus Rakels Haus erst recht wie in einem Burnout verkerkert, finanziell als auch beruflich am Boden. Seit der Trennung von seiner allesgeliebten Gemahlin, in der völligen Todesangst sie zu verlieren und der traurigen Gewissheit, daß etwas passieren würde verharrend, scheint er selbst auf Messers-schneide zu balancieren, seine Exsistenz in seiner Alkoholabhängigkeit und von Albträumen erschüttert, unter Panikattacken leidend nur mehr wie auf einem seidenen Drahtseilakt zu bewerkstelligen.
So ganz versteht er auch (noch) nicht diesen brachialen Schnitt in sein Leben, daß Rakel, nach all den Höhen & Tiefen, nun tatsächlich einen endgültigen Schlußstrich vollzogen hat – aber dem Leser wird es dämmern warum, und die wohl für jederFrau ernüchternde Wahrheit aufgedeckt.

Während seiner aktiven erfolgreichen Polizeikarriere hatte Harry Hole so einige Verbrecher hinter Schloß & Riegel verfrachten können, aber immer noch nicht genug; weiterhin quälen und beschatten frei-umherlaufenden und aus dem Verborgenen handelnde, nie gefaßte Täter, neben deren und neue Opfer, sowie, die im Einsatz getöteten Kollegen, wie Geister der Vergangenheit, zusätzlich sein Gewissen.
Neuerdings zum Oberwachtmeister herabgestuft erledigt Harry, da er sich eben schwer im Griff hat, mittlerweile nur mehr vom Schreibtisch aus alte Akten, Cold Cases, oder, No-Brainer Fälle (also: sich selbst lösende, einfache Verbrechen). Allerdings ist der Ex-Star-Kommissar des Osloer Polizeidistrikts, Spezialermittler im Dezernat für Gewaltverbrechen, der während seiner Ehe letztens als Dozent an die Polizeihochschule wechselte, trotz seiner desolaten seelisch-instabilen Lage immer noch mit höchstem Niveau bei seiner eingefleischten Tätigkeit, mit Schwerpunkt serialer Mordermittlung, bei der Sache: so löst er durch genaue Beobachtung und seinem untrüglichen kriminalistischen Instinkt folgend einen scheinbar bereits eindeutig geschlossenen Fall mit der nun zu einem Geständnis überführten wahren Täterin - um so auch dem Neuleser dieser Serie als einführendes Exempel Harry Holes Genie der Deduktion und sein grandioses Ermittlertalent zu veranschaulichen.

Doch seinem Nachnamen folgend fällt Harry nach solch einer Klärung und Festnagelung der Delinquenten stets selbst in ein schwarzes 'Loch', in eine traurige Leere, nämlich ob der Erkenntnis und Einsicht in die Psyche der Menschen, die sich als Monster entpuppen, erfährt er nicht etwa Genugtuung sondern vielmehr maßlose Enttäuschung. Die Stellung des Täters nach der langen aufreibenden Hatz gibt ihm keine erleichternde Zufriedenheit oder Erlösung, sondern läßt ihn vielmehr zerrisssen in tiefeste Abgründe bitterster Verzweiflung fallen, und, veranlaßt ihn zusätzlich erschreckende Parallelen zu Serientätern zu erkennen, denen es ja ähnlich ergeht wenn bei diesen sich nach dem gewissen Höhepunkt des Mordes eine Antiklimax aufzutun scheint, dem nur mehr mit erneuertem Jagdaufbruch und wiederholter grausamer Tötung entgegengewirkt werden kann.
So folgten dem Alkohol geweihte Tage im Off - die Arbeit als Mordermittler fraß Harry Holes Seele auf.

Wie wird Harry Hole in seiner momentanen psychischen Verfassung nun auch noch auf das bestialische Vergehen an einer ihm geliebten Person endgültig aller Hoffnung beraubt kontern? Wird das eigentliche Ziel, Finne wieder zu verhaften und seiner Verurteilung zuzuführen, bzw. ihn ein für alle Mal zur Strecke zu bringen überhaupt möglich sein? Ist jener HIER überhaupt der verantwortliche Verbrecher? WER ist dann der Täter, die Täterin? Will wer Harry schaden - werden IHM selbst gar Fallen aufgestellt, oder, wird er erneut zum Jäger mutieren? Wie wird sich Harry Hole am Sch(n)eidepunkt seines Lebens entscheiden - und wird es diesmal der richtige Weg sein?

„Seit der Steinzeit stechen sich die Menschen gegenseitig ab (...) Die Angst steckt in uns(...) Der Gedanke, dass jemand durch deine Haut dringt, in dich eindringt, das zerstört, was in dir ist. Was dich ausmacht.“

BEWERTUNG:
Der Kriminalroman ist mit 53 Kapiteln zusätzlich in 4 zunehmend kürzer-werdene Abschnitte eingeteilt
(Teil I bis S. 225, Teil II ab Kapitel 24 bis S.419, Teil III ab Kapitel 40 bis S. 529, und Teil IV ab Kapitel 51 bis Ende S.575), und erfährt seine Einleitung in Norwegen im März: ein alter Mann, zwar durch Aphasie (Schlaganfall) motorisch eingeschränkt und sprechunfähig, doch gedanklich voll da und klar, macht zwei bedeutsame Beobachtungen in den Strömen des Gebirgsflußes bzgl. eines zerfledderten und bald gänzlich verwitterten Kleides, zudem, eines dramatischen Autounfalles, in dem Harry Hole zu ertrinken scheint – ob es sich hierbei um einen Rückblick oder eine zukünftige Vorschau handeln mag (?) – versetzt TV-Serienliebhaber in Gedenken an die damals so rätselhaften LOST-Ausstrahlungen, der man grübelnd und diskutierend bis zur nächsten Folge bangte, und die durch ihre Flashbacks wie Flashforwards in die Filmgeschichte einging. Doch hervorragend versteht es Nesbø bis ins Detail die Leserschaft darüber nicht im Dunkeln zu lassen, ob Harry wirklich zu Tode kommt und daß der ursprünglichen Trägerin des Kleides Gerechtigkeit widerfahren wird.

Im Bann dieses anspruchsvoll-wirkenden & fesselnden Pageturners kann der Leser dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen, welches sich um Geständnisse, Wahrheiten, die eines Tages ans Licht kommen, und Bestrafung für Betrug handelt (Betrug am anderen, Betrug an der eigenen Seele). Der Verräter lebt ein glückliches Leben während die Verratenen leiden; darüberhinaus wird wie hoch die Hemmschwelle Gewalt auszuüben ist thematisiert, ein zentraler Aspekt ist, daß Töten angeblich helfe sich besser zu fühlen, was das Töten mit einem Menschen machen kann.
Auf PTBS wird ausführlich und sehr gut eingegangen, Rotkreuzorganisationen hilfreich erklärt, Foltermethoden nebst "D & Q (Drawing and quartering)" erläutert. Auch wie manche das Schicksal in skrupellose Hände nehmen und es terrorisierend u. zerstörerisch über andere ausspielen und so über deren Leben/Tod, Glück und Leid einfach bestimmen.

Mit zunehmendem bis zum Ende von Anfang an konstanten Spannungsbogen werden aus ganz unterschiedlichen Perpsektiven die Wege dieses Kriminalfalls einer persönlichen und zerschmetternden Tragödie wie in einem Puzzel aufgearbeitet, die hier zusammenführen auch teils, aber nur momentan, auseinanderdriften, in Sackgassen zu enden scheinen. Auch dem gewieften und erfahrenen Leser könnte es widerfahren, so denn er nicht aufpaßt, sich an mindestens zwei Stellen, v.a. gen Ende, in von Nesbøs verstrickte Finten zu straucheln, die ((Teil I aussen vorgelassen)) dann doch nur kurzfristig ausgelegt sind. (Strenggenommen sind es zu viele Irrwege, Nesbø schien wohl eine diebisch-diabolische Freude daran zu haben, diese einem unvorsichtigen Leser permanent aufzuzweigen, um ihn immer wieder auf Neue ins Bockshorn zu jagen.)
Es ist ein wenig wie ein Abklopfen aller möglichen in Betracht & Verdacht kommenden Personen – wovon selbst Harry nicht ausgeklammert wird, obwohl die Leserschaft ihn als einzigen, gleich und durchgehend, trotz all der belasteten und gegen ihn klagenden Indizien ausschließen zu können meint.
DEN beim intensiv Leser logischen aufkeimend und enthüllenden Lösungsansatz weiß der Autor geschickt in seiner Ausführlichkeit und mittels Ablenkung und banalen Verbrämung auszubremsen, ja wieder auszurangieren und damit vorzeitig zu entwaffnen (jedenfalls ergeht es demjenigen Leser so, der sich von der 'Liebe' blenden läßt).
Wie in einem aus divers-ausgeformten Stecksteinchen zusammengefugten Gemälde erschließt sich nach und nach das schlüssige Gesamtbild, man erhält sehr wohl Antworten, wenn auch nicht alle, trotz zahlreicher anderer Gabelungen und besonders die letzten Etappen und der Ausgang des kriminalistischen Falles läßt das verfolgende Lesepublikum kaum zum Atemholen kommen.

Bravourös-orchestriert finden sich auch einige bereits aus anderen Bänden der Reihe bekannte Nebenfiguren zu einem Wiedersehen ein, dennoch wird dabei ein absoluter Harry-Hole-Serie-NeuEinsteiger trotz bildhaftem Ausbau in einem unproblematisch-flüssigen Schreibstil mit zeitweise berstender Lesespannung beschenkt.
Sicherlich werden den Charakteren (wie die Rechtsmedizinerin Alexandra Sturdza + der mit einem fotografischen Gedächtnis begabte Polizeikommissar-Anwärter Sung-min Larsen) in zukünftigen Fällen noch tragendere Rollen zugewiesen.

Die persönlichen Erfahrungen und Präferenzen des Autors hinsichlich des in der Krimistory eingewebten Musikfächers (er selbst war ja u.a. Gitarrist & Sänger der erfolgreichen norwegischen Band „Di Derre“/dt.: 'die da') liefern dem Leser kleine, entscheidende Hinweise (auf die Platten, bzw. einsortierten Titel und ihre lyrics sind deshalb zu achten).

NEGATIVPUNKTE ►►► SPOILER-ANFANG ⚠
Was mich 1½ Sterne abzuziehen veranlaßte, ist der Umstand, daß gleich FÜNF Frauen sich gewissenlos an verheiratete Männer ‘ranschmeißen und jene auch noch wie selbstverständlich dem nachgeben, gerne zu Seitensprüngen, heimlichen Sexualbeziehungen ohne jegliche Bedenken einstimmen. Kein einziger Lichtblick, nicht mal ein Paar in dem Wälzer von Buch das ein bißchen was Motivierendes aufleuchten läßt. Warum muß es ein verheirateter Mann, auch noch mit Kindern, sein? es sind doch nicht die einzigen auf dieser Welt, es gibt doch noch so viele andere, freie, nette Männer. Warum nicht TREU bleiben, einfach nein sagen, beim JA zur eigenen Auserwählten bleiben?! ((Nein, es ist nicht selbstverständlich noch normal, seine Gattin/seinen Gatten dir nichts mir nichts zu betrügen. Treue sollte ernst genommen werden, oder, bitteschön, so aufrichtig sein u. einfach von vornherein zu einem promiskuitiven Lebensstil stehen, und erst gar nicht ein saloppes Versprechen vor dem Seelenverwandten oder noch sogar vor Gott abgeben; wenigstens so fair sollte man/frau sein, der/dem bisherigen Partnerin/Partner mit RESPEKT zu begegnen und VORHER, VOR einem Betrug reinen Tisch zu machen, um eine Trennung zu bitten, ohne sie/ihn ERST lange zu hintergehen, zu belügen.))
!! Denn, wäre manN treu geblieben, wäre dieser Krimi nicht so dermaßen tragisch!!
Und zum Zweiten:
Warum Harry Hole DIE zwei entscheidenden Vorkomnisse der vergangenen Monate dermaßen VERDRÄNGT und aus seinem Gedächtnis komplett ausgesperrt hatte, ((da die Wahrheit so unerträglich ist?! aufgrund Auswirkungen seiner PTBS?! der Schock darüber läßt ihn wie Bianca ausblenden!! überhaupt: wie kann Harry sich selbst als Rakels Mörder in Betracht ziehen, warum kennt er sich so schlecht?// er hat es, -seinen Betrug-, unterbewußt?, mit Absicht! getan, weil er sie, das einzig Gute in seinem Leben, gar nicht verdient, weil er ihr unwürdig sei - alsSelbstbestrafung??)), auf diese Klärung, die genaue Aufschlüsselung, den psychologischen Tiefenhintergrund, DAS Ausschlaggebende schlechthin, daß er sich diesen beiden nicht stellt, keine einzige Entschuldigung, oder irgendetwas (!) dazu, verlauten läßt, -sind diese ja die TRIGGER letztenendes für die gesamte Erzählung, (sonst wäre es ja gar nie erst zu diesem Drama gekommen) - bleibt im Finale unausgesprochen! und irritiert deshalb so, weil ja wirklich auf alles andere und explizit in jeder Hinsicht, ausführlich, erläuternd eingegangen wurde.
((Und: etwas entrüstend ist auch, daß er kaum von der Gattin Rakel - seiner einzig großen Liebe - getrennt, (noch nicht mal Scheidung eingereicht), sofort u.a.(!!!) mit einer ihm unsympatischen Frau Sex hat, und, kurz nach Rakels so unerwarteten, entsetzlich blutigen Tod mit jemand anderem schläft -- wäre denn hier, in dieser konzisen Zeitphase, --das Buch spielt ja in einigen Wochen/ca.3 Monaten--, nicht viel eher eine Reaktion in holistischer Trauer, gerade bei ihm und seinen Alkohlausflüchten, zu erwarten?))
Und zum Dritten:
FAZIT:
Daß Harry Hole stockbesoffen noch zum Sexakt überhaupt potent genug ist, damit Ehebruch begeht, obendrein ein Kind zeugt, noch dazu mit der Arbeitskollegin und Frau seines besten Freundes!, und durch diese Untreue den schlimmst widerlichen Verrat an der angeblichen Liebe seines Lebens begeht, diese Respektlosigkeit, ehrlose Verlogenheit ist ein zerstörender Mord an Rakels Seele – wie ein Messer das ins innerste Herz eindringt, und das absolut enttäuschendste, ja fast schändlichste im Buch, das bisher Desaströseste was sich Harry a$Hole geleistet hat – ist ER doch kein Verbrecher, sondern ein sensibler, intensiv denkender Mann. Aber, er war ja betrunken! Katrine ist schuld! (und, überhaupt, die Erkenntnis dazu erfolgt erst später! Auslöser seines Selbstmordversuches war mit nichten DAS sond. der eigene Mordakt-Verdacht an Rakel - und doch beginn er ja quasi Beziehungsmord) Und man mag es nicht fassen, daß H.H. bei all seinem ausgefeiltem kriminalistischen Spürtrieb, -der sieht, was andere nicht sehen,- jetzt erst gen Ende (!) des Buches, wenn auch nach Rakels Tod endlich mal trocken und aus seiner Betäubung aufgewacht, checkt + realisiert, allen anderen war es ja klar, daß Baby Gert sein leiblicher Sohn ist, und er jetzt immer noch nicht eindeutig Stellung bezieht, sondern wie der Serientäter Finne seinen weiteren Schicksalsweg über einen Würfelwurf(!) entscheiden lassen will zeigt auf, wie hoffungslos H.H. verhaftet bleibt, da er nicht mal Angesichts des katastrophalen Mordes an Rakel sein Leben zu verändern vermag. Er bleibt wohl auf ewig Gefangener im Trott seiner Dämonen und seiner selbst damit führerlos. Dieser doofe Würfel auf den letzten Zeilen des Wälzers hat mir auch meine aufblühende Zuversicht hinsichtlich des weiteren, positiven Werdegangs Harrys total zerschlagen, Hader vergällt mir, einen weiteren Band zu Harry Holes neuesten Fällen aufzuschlagen.

Im Ausgang der Erzählung bleibt wohl dann eine der beeindruckensten Charaktere der auch mit dunklen Schatten kämpfende Ex-Militärchef-Oberleutnant der militärischen Spezialeinheit FSK, Roar (The Equalizer) Bohr (Rakels Chef im Nationalen Institut für Menschenrechte; er scheint wenigstens seiner Frau treu zu sein), der Vergewaltigten und Ermordeten oder wie seiner Schwester Bianca dadurch in den Selbstmord-Getriebenen Gerechtigkeit zukommen läßt – wenn auch auf seine ganz eigene, spezifische doch zielsichere Weise.
⚠ SPOILER ENDE ◄◄◄

Nesbö mag sein Handwerk hinsichtlich des verzweigten Krimiaufbaus meisterlich ausführen, sich einer brillierend bildhaften Sprache bedienen und eine zeitweise berstende Lesespannung heraufbeschwören – aber, was bleibt auf der letzten Seite?! Wie der Serientäter Svein Finne läßt Harry Hole, wie stumm und gelähmt gleich dem Alten im Prolog, seinen weiteren Schicksalsweg über einen Würfelwurf(!) entscheiden.
Aufgrund der von Nesbø so beschworenen Liebe ruft die transportierte Message [ es sei in Ordung, dem Laster (Sex-/Mord-trieb,...) zu frönen und gleichzeitig auf der Seele anderer herumzutrampeln // Egoismus pur: sein eigen Glück auf dem Unglück anderer aufbauen // Untreue, Betrug, Verrat, Verantwortungslosigkeit, etc. sind okay ] allerdings übelsbitteren, schalen Nachgeschmack auf. Nach fast 600 Seiten bleibt eine wirkliche Retrospektive, Reflexion, eine abschließende Aussage oder Fazit aus. Dann lieber ein einfacher gestrickten Krimi MIT Statement, Sinn und Charakter (und Reue; Moral täte auch gut).


Für Harry Hole wünsche ich mir sehr, daß er dem Teufel Alkohol zu entsagen endgültig dabei bleibt, um sich am Ende für den nur einzig richtigen Weg zu entscheiden - welcher Verantwortung zu übernehmen und sich einer Zukunft zu stellen, für sein Kind, mit einschließt.

COVER / Buchdesign:
Der 12. Band greift in seiner genialen Buchdeckelgestaltung auf Band 3 ROTKEHLCHEN (an dessen Ende Harry seine große Liebe Rakel Fauke kennenlernt) und Bd. 4 FÄHRTE zurück. Eigentlich schade, daß nicht durchgehend bei jedem Teil der Buchreihe um Harry Hole auf diese "Buchstaben"- Konzept-Form im Layout Wert gelegt wurde, da sich doch, im Regal aufgestellt, ein faszinierend fortlaufendes Aneinandereihen der einzelnen Versale zu einem (norwegischen) Wort nochmals als herausragender Clou und an Spannungsgewinn verdingen könnte.
Auf dem Eyecatcher-Cover des neuen Werkes von Jo Nesbø ist der erste Buchstabe des Titels überdimensional wiedergegeben, wobei sich bereits eine ganze Szenerie in diesem einen Majuskel abspielt: eine eisige, steile und schwer besteigbare Schneegebirgslandschaft, ausgeleuchtet durch Tageslicht und Sonnenschein, wird nur allein von einem Rotfuchs einsam bergabwärts, durchquert, dessen Pfotenspuren im hohen Schnee auftauchen und noch erkennbar sind - Spuren die der Wildhund selbst hinterläßt aber keine Spuren denen er folgt, welche allerdings fast parallel zu Schuhabdrücken verlaufen, wobei der Fuchs selbst und auch aus dem Schnee herauslugende, sehr dunkelgrau scharfkantige Felssteine Schatten werfen.
Spuren im Schnee blitzen auch immer wieder mal während des Kriminalromans in Erscheinung.
Das in der Hauptfarbe Weiß gehaltene "M" hebt sich nebst seiner wundervoll-haptisch reliefartigen Glanz-Ausprägung aus seinem schwarz und dunkelgrau-schraffierten Hintergrund klar hervor. Oben und unten ist das Cover wie mit unregelmäßig aufziehendem Schneereif eingerahmt. Zwei Seiten dieses Anfangsbuchstabens sind jedoch nicht glatt und klar abgeschnitten sondern wirken eher unruhig und geheimnisvoll aufgrund ihrer nebulös aufgeschwaderten Ausformierung, wobei die Ränder dieses Aufrisses, etwas wolkig und feurigflammend oder auch eisflächenklirrend skizziert, leicht mit einem zarten Orangerostlachs eingefärbt sind bzw. dahingehend auslaufen.

Im Lesestoff treten als eingehender ausgeführte Tiere auf: (Braun-)Bären, (Raub-)Vögel, Wüsten-Honigdachse, Schwäne, ein in die Jahre gekommender Spürhund mit fabelhafter Fähigkeit, sowie ein aus der Winterruhe erwachter DACHS als Symboltier für die Dezernatschefin Katrine Bratt oder eher Harry Hole - denn dieses Raubtier aus der Familie der Marder macht Jagd auf alles, wann und wo auch immer es wolle; es frißt alles und kämpft, mit wem auch immer – solch einen Grimbart trügen manche Ermittler in sich, der nicht davon abläßt zu graben.
Davon abgesehen kommt verwirrenderweise ein Fuchs, wie auf dem Cover betont, im Kriminalroman an sich gar nicht vor – vielleicht mag er in der karg und öden Weite der kaltfrostigen Schneelandschaft eines verkarsteten Gebirges, das Sinnbild seiner desolaten Lage, als Symbol für die raffinierte Schläue des Überlisters, Einzelgängers und Antihelden Harry Hole stehen.
In fachlicher Traumanalyse wird jedenfalls 'einen Fuchs sehen' wie folgt gedeutet: man wird einen Heuchler entlarven. Dieses Tier weist auf einen Feind oder bedrohlichen Rivalen unter engen Bekannten hin.

Auf der letzten Seite des Kriminalromans finden sich erfreulicherweise in einer Übersicht geordnet alle bisherigen Harry-Hole-Bände in chronologischer Reihenfolge.
Die Innenklappen der Schutzumschlagsumhüllung zur Hardcover-Ausgabe beinhalten ein Foto des Erfolgsautors und ein etwas ausführlicheres Recap zum Buch.

Der Umwelt zuliebe ist das Druckwerk anstelle vormaliger gängiger Folienverschweißung nur mehr mittels einem Klebeverschlußstreifen versiegelt; dies bietet allerdings überhaupt keinen Schutz mehr: mit Verkratzungen, Bestossungen oder sonstigen Blessuren (v.a. an der unmittelbaren Umhüllung) ist zu rechnen und diese gelten unter peniblen Sammlern als enorme, unverzeiliche Einbußen. Dann kann wohl statt 'neu' gleich ein gebrauchtes Exemplar gekauft werden.
Eine zusätzliche PappPapierumwicklung oder ein gummierter Lektüreneinschlag wären daher vorteilhafter für den leidenschaftlichen Buchliebhaber!

Veröffentlicht am 06.08.2019

DER DUNKLE DUKE. Eine zeitlose, kämpferische Geschichte um tiefschwarzeste Dunkelheit, unverrückbare Sehnsucht nach Licht, vorbehaltlose Liebe und hitzige Leidenschaft – Prädikat besonders wertvoll ! und absolut empfehlenswert!!

Victorian Rebels - Das Versprechen einer Nacht
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Im Mai 2019 erschien im LYX-Verlag mit „Ein Versprechen einer Nacht“ (im Original: THE DUKE) der bereits 4. Band der auf (vorläufig) 6 Büchern beruhenden und sehr erfolgreichen Victorian REBELS–Serie ...

Im Mai 2019 erschien im LYX-Verlag mit „Ein Versprechen einer Nacht“ (im Original: THE DUKE) der bereits 4. Band der auf (vorläufig) 6 Büchern beruhenden und sehr erfolgreichen Victorian REBELS–Serie sinnlicher Liebesromane um starke Heldinnen und gebrochene Alpha-Helden. Generell mögen die im historischen Gepräge (hier: London 1870er Jahre) der Viktorianischen Ära eingebetteten einzelnen Geschichten unabhängig voneinander als Stand-Alone und zudem außerhalb der festgeschriebenen Reihenfolge lesbar sein. Wohl der Chronologie-geschuldet könnte ein noch schöneres, seligeres Leseerlebnis mit der Einhaltung der nummerierten Aneinanderreihung beschert werden.

Damit bleibt, obwohl in Kerrigan Byrnes aktueller Buchneuschöpfung erfreuliche Wiedersehen mit allen Hauptcharakteren der bisherigen Bände geschickt eingewebt sind, auch dem absoluten Erstleser (ohne jegliche Vorkenntnisse) ein problemlos-ungehemmter Leseflow vergönnt.

Am Ende ließ die in-sich-abgeschlossene Handlung in mir den Herzenswunsch erblühen, den liebgewonnenen Figuren in weiteren Episoden bald abermals begegnen zu dürfen, sowie, jetzt dann gleich auch in all die Erzählungen zu den anderen vorgestellten Charaktere (wieder) einzutauchen.

Die internationale Bestsellerautorin Kerrigan Byrne arbeitete früher bei der Staatsanwaltschaft. Mit ihrem Mann und drei Töchtern lebt sie am Fuße der Rocky Mountains.

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PLOT: Hier sei auch auf den perfekten Rückentext verwiesen, und, auf das ausführlichere Recap (inkl. Spoilern!) im Innenteil der Klappenbrochüre.


Nach albtraumhaften Greueln eines brutalen Krieges, und, in den Ungerechtigkeiten & Widerwärtigkeiten des Lebens, ist ER ein gefallener Erzengel auf der verzehrenden Suche nach seinem Stückchen Himmel auf Erden, während SIE den Verfolgten Hilfe und Zufluchtsorte veschafft in der Sehnsucht auf eine eigene Erfüllung.

Es bedurfte nur einer einzigen Nacht voller emotionaler Nähe, um die Leere dieser beiden Herzen zu schließen und die Hoffnung auf ein glückliches Leben zu entzünden.

Cole und Imogen - jeder der beiden Protagonisten verbirgt ein Geheimnis für sich, durch welches die zwei sich einander dem Untergang auszuliefern drohen - gleichwohl beide in der Lage wären, sich gegenseitig zu erretten, wobei sie sich dem feurigen Magnetismus zwischen ihnen vergebens erwehren.

Werden sie auf der gegenseitigen Suche nach dem anderen und einer Reise zu sich selbst
sich erkennen und in Liebe erlösen?

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ANFANG

WERTUNG der Charaktere, ihrer Entwicklung und Wandlung

Imogen Pritchard ist ein aufrechtes und ehrliches Wesen, ein herzensguter Charakter, der durch ihre Entschlossenheit und Stärke wahrlich besticht. Darüber hinaus zeichnen sie ihr Verantwortungsbewußtsein, ihr kluger Bedacht und ihre charmante Höflichkeit aus. Ihr Ziel ist es, egal ob als Tochter oder der großen Schwester, als Krankenschwester oder später als Countess Anstruther, alles zu tun was in ihrer Macht steht, um Leiden zu lindern und ein besseres Leben zu gewährleisten. So wird es zu ihrem Lebensmotto, in Not Geratenen zu helfen und voranzubringen, Zufluchtsstätten zu schaffen um Verlorenen wieder Hoffnung zu schenken. Sich selbst stellt sie dabei immer hinten an.

Nach jugendlichen Jahren der Ausschweifung gibt, trotz seiner eminenten Machtstellung und seines Reichtums, der prinzipientreue, loyale und unnachgiebige Aristokrat Collin ‚Cole‘ Talmage, - ein liebender Sohn und bester Bruder-, gefährlich und hervorragends ausgebildet als Auftragsmörder und Spion im Auftrag der Krone ein Alles für sein Land und die Queen. In einem Sondereinsatzkorps des britischen Empires verübt er in seiner Aufgabe als Informationsbeschaffer und Beobachter diverse obligate brutale Bluttaten, die vom Home Office offiziell als Diplomatie unter Verschluss gesetzt werden.

Unter unglücklichen Umständen verbringen Imogen, - getarnt als ‚Ginny‘-, und Cole, -der unerwartet neue ‚Duke of Trenwyth‘-, zusammen eine einzige intime Nacht: eine verheißungsvolle, einprägsame Begegnung unschätzbaren Wertes, da diese bei beiden zum ersten Mal in deren Leben eine Leere füllt und ihnen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verspricht. Trotz inniger Zuneigung wurde ihnen dabei ein wirkliches Kennenlernen verwehrt. Die Erinnerung daran und Sehnsucht danach begleitet die zwei Protagonisten nun fortwährend. Beide hoffen verzweifelt den jeweils anderen wiederzufinden - doch Imogen und Cole haben sich beide verändert! Fehlendes Vertrauen zu einander und Ängste auf beiden Seiten sind Hemnisse enormen Ausmaßes. WIE sie einander finden sollen, wissen sie nicht.

Die Tragik, daß beide sich gegenseitig jederzeit den Niedergang bescheren jedoch sich gegenseitig gleichzeitig erretten könnten, begleitet die Leserschaft intensiv. Das Ringen um die Aufrechterhaltung der Geheimnisse bremst beide im Fortschreiten einer gegenseitigen Annäherung bisweilen aus, und blockiert den Durchbruch zueinander.

Der von all seinen liebsten Menschen verlassene, in düster Trauer verhangene und mit hadernden Sinnfragen beschattete Cole, - ein Mann von einem Leitwolf, - wird endgültig zu einer gequälten, gebrochenen Seele: dem schmerzlich-berührten Leser ist es durch die deutliche authentische Schilderung Kerrigan Byrnes komplett nachvollziehbar, wie und daß Cole vom Wahnsinn bestialischer Kriegsereignisse gezeichnet, durch frevelhafte Gefangenschaft nebst seelisch wie physischer Folter, körperlich beschädigt, und vom bestürzenden Verrat seines letzten allerengsten Freundes gebeutelt, zu einem Geschöpf der Finsternis transformiert, welches außer schwärzester Dunkelheit nichts mehr sieht, außer Feindseligkeit nichts mehr fühlt, und, überall nur mehr Verrat und Betrug argwöhnt. Wie hier bereits Imogen als alleiniger Hoffnungsschimmer von der Autorin wieder eingebaut wird, nur durch den es Cole einzig gelingt, trotzdem ein Durchhalten aufrechtzuerhalten, ist ein kollosales Faszinosum!

Als Imogen Cole unerwartet zum zweitenmal begegnet, als schwerstverletzten, mit dem Tode ringenden Patienten an ihrem Arbeitsplatz im Krankenhaus, gelingt es nur aufgrund ihrer Initiative und ihres energischen Einsatzes, Coles Leben in letzter Minute zu retten - mit für sie katastrophalen Folgen (Jobverlust und Fast-Mord aus Notwehr) und einschneidenden Veränderungen für ihren eigenen Lebensweg (adelige Heirat und baldige Witwe).

Gleich Cole ist auch Imogen von ein wenig ähnlichem Schicksal geprägt und ihm eine verwandte Seele, wobei ihr allerdings auch Freundlichkeit und Großzügigkeit widerfahren ist (in Form ihrer Mutter und Schwester, einiger Arbeitskollegen und v.a. Lord Anstruther). Daß es Imogen gelingt, in all den schweren Zeiten und der Konfrontation mit Ungerechtigkeit, Tragödie, Tristesse und Enttäuschung, -- die erschütterlichen wahren Hintergründe zu ihrer Charakter-Bildung (ihr Vater der sich dem Suff und der Spielsucht ergab und die Familie im Stich ließ, dem damit verbundenen sozialen Abstieg inkl. Schulden, die Krankheit ihrer Mutter, der Verkauf ihrer Unschuld und, auch wenn nur einmal, die gleichzeitige Herabwürdigung zur Dirne)-- immer wieder ihre Empathie zu den Menschen beizubehalten, ihren Optimismus und Idealismus zu bewahren und sogar noch weiter aufbersten zu lassen, und, in ihrer aktiv-gelebten Courage zu wachsen, zieht den Leser in erstaunlichen unwiderruflichen Bann. Kerrigan Byrne schenkt durch diese ihre Schöpfung der Leserin/dem Leser einen regelrechten Input, einen inspirierenden Kraftschub. Imogens unaufhörlich unnachgiebige Vehemenz im Kampf um Coles Seelenheil, die Liebe ihres Lebens,trotz ihrer zögerlichen Haltung und ihren Zweifeln um ihr Geheimnis, läßt sie nur noch mehr als imponierendes Vorbild heraustreten, auch wenn sie ursprünglich aus der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit ihm agiert.

Von Anfang an möchte Cole Imogen (bereits als ‚Ginny‘) nie wirklich verletzen. Seine schroffe Abwehrhaltung und harte Zurückweisung, verbitterte Mitleidlosigkeit und zunächst aggressiver Angriff sind modelliert von Vorurteilen und dienen in erster Linie seinem Selbstschutz; ebenfalls hegt er so die Absicht, Imogen von seiner Einstellung zu überzeugen, oder ihr Furcht einzujagen, als Warnung vor dieser grausamen Welt aus Verrat und bestialischer Brutalität. Und natürlich möchte er sie unbedingt auf Abstand halten, da sie ihn auf noch unerklärliche Weise berührt.

Imogen ist bestrebt, in Cole die Saat von Güte und Gnade zu sähen - mit welcher Verve sie hier mit ihm und für ihn kämpft, wie sie dabei niemals aufgibt, sich in die Tiefen seiner Seele schürft, steckt den Leser an und überwältigt. Sie versteht Cole gut, da sie sich ja selbst der Dunkelheit, Trauer und des Vertrauensverlustes ausgesetzt erlebte. Bei diesem Kampf zurück in ein vollkommendes Leben, unterstützt sie ihn ungemein, mittels ihres unglaublichen Mitgefühls, ihrer unnachlässigen, vorbehaltlosen Liebe, und, ihrer ganzen Willensstärke. Sie weiß, daß wenn es keinen Lichtblick gibt, dann muß man selbst zu einem werden. Man muß selbst nach dem Licht suchen, denn es wird einen nicht immer finden.

Erschwerend kommt hinzu, daß Coles Geist unermesslich blockiert bleibt vorwiegend durch das ihm widerfahrene Unrecht, obwohl sein Körper nur auf ‚Ginny‘ reagiert reagiert er sehr wohl doch auf Imogen. Gewisse kurzaufflackernde Momente des Durchbruchs zum Widererkennen ‚Ginnys‘ in Imogen zerstoben deswegen vor den Augen des mitfiebernden Lesers.

Coles lang(sch)wieriger Prozess sich wieder peu à peu zu öffnen, ist in seinen einzelnen kleinen Schritten von der Autorin grandios übermittelt und adäquat umgesetzt: Imogen bringt ihn wieder dazu, zu atmen, Feinheiten & Differenzierungen wahrzunehmen, Wärme und Farben zu erspüren, Freude, Genuß zu fühlen, selbst Shakespeare zu rezitieren, sogar zu lachen. Und er, der sonst übelgelaunte und ungehobelte, er macht ihr Komplimente, muntert sie auf. Berührend ist es für den Leser zu erspähen, wie er sogar sich unbeholfen zu entschuldigen versucht.

Es ist ein langer Weg auch mit immer wieder stagnierenden Rückschlägen, auf dem der Leser Cole und Imogen begleitet und mit ihnen teils schier außer Fassung gerät, weil es beiden einfach nicht gelingen mag, über ihren eigenen Schatten zu springen.

Eine packende Beobachtung dabei ist, wie Cole dabei nicht gänzlich stur, grantig und verbohrt bleibt, wie immer wieder Imogens Lichtstrahlen zu ihm hindurch brechen, ganz allmählich wenn auch langsam Coles gepanzerte eisige Schutzhülle auch aus Arroganz, zornigem Snobismus, Zynismus und wilder Wut, - welche ihm für eine Weiterexsistenz im Angesicht der ganzen verlogenen Welt wie unverzichtbar vorkam, - zu bröckeln beginnt, wie sein Alter Ego eines einst freundlichen, zärtlich wie charmanten Edelmannes zum Aufblitzen kommt und Wiederbelebung erfährt, wie er Einsichten und fruchtbare Erkenntnisse durch Imogen und seine eigene Selbstreflexion sammelt.

Interessant für den Leser gestaltet sich das Miterleben, wie Imogen analog zu Cole gespalten ist: so bleibt sie um die Einhaltung ihres wohlgehüteten Geheimnisses bemüht, ihr Damoklesschwert und Kerker ist ihre konstante Angst um die Aufdeckung ihres vormaligen erzwungenen ‚Doppellebens‘, denn das würde ihren Lieben ja gesellschaftlichen Ruin garantieren, und, auch ihrer neuen Berufung, ihrem Engagement für Frauen und Kinder in Not, zum unwiderruflichen Scheitern verurteilen. Diese ihre eigene Ambivalenz im Gegenbild zu Cole veranschaulicht die Autorin bravourös. An dieser Anforderung reift Imogen und gewinnt nochmals an bewußter Selbstbestimmung auch solche Prioritäten zu setzen, durch welche sie letztlich mit dem Verzicht auf die Erfüllung ihres eigenen, persönlichen, privaten kleinen Glückes (eine Zukunft in Zweisamkeit mit Cole) kummervoll Rechnung zu tragen haben könnte. Am Ende aller Hoffnung hält sie Cole ohne jegliche Umschweife kompromisslos den Spiegel vor, zur Betrachtung seiner fehlgeleiteten Handlungen und Reaktionen.

Er sucht sie, ist danach bestrebt, die Vorstellung von ‚Ginny‘ wiederzufinden und, sie sucht ihn und versucht, daß er selbst wieder zu sich zurückfindet, daß er sich selbst findet. Imogen wird sich bewußt, daß der ‚alte‘ Cole heute ein Mann mit Makeln und Unausgesprochenem ist, aber dennoch eine zweite Chance auch auf Glück und die Liebe sehr wohl verdient. Cole begreift, daß Imogen weit mehr ist als ‚Ginny‘ einmal war, oder besser seine verklärte Anbetung zu ihr, daß er vormals selbst Ginny bereits fehleinschätzte weil er nicht richtig hinsah. Nach seiner Karthasis ist sein Blick von den Scheuklappen der Etiketten befreit und er sieht klar, daß Imogen zu einer selbstbewußten eigenständigen Persönlichkeit gereift ist, einem gleichberechtigen Menschen, und daß auch sie Unsicherheit und Angst ausgesetzt war.

Zuerst muß aber Cole erst noch begreifen, daß er den Schmerz zuzulassen hat, ihn nicht als Schwäche sondern der Kehrseite davon erkennen und schätzen muß, und es gelingt ihm, Groll und Ekel gegen seiner selbst niederzuringen, sich selbst wieder zu vertrauen und so Mitgefühl wiederzuentdecken.

Die Widerparts brauchen einander, in einem Miteinander vervollständigen und ergänzen sie sich. Wunderschön, an zwei ganz besonderen Stellen (~Lebens-Extrem-Situationen) fast schon transzendental und absolut ergreifend dargestellt ist von Kerrigan Byrne, daß die beiden Protas, auch in längeren Zeiten der Trennung, stets gedanklich miteinander verbunden und sich nahe sind. Die konstante Begleitung der schwebenden, flammenden Sehnsucht zu einander und das gleichzeitige dagegen verzweifelt Widerstand-Leisten-Wollens ist exquisit ausgefeilt. Es ist atemberaubend und für den Leser ergreifend, wie das Fundament einer tiefen Liebe sich schwelend aufbaut, welche in einem sich gegenseitigen Haltens und Tragens und Schützens wurzelt – eine Liebe die mächtiger und ewiger ist als alles andere.

Kerrigan Byrne kreiert mit Cole, einer scheinbar verdammten Seele, in all seinen Tantalosqualen und seinem Kampf, der intensiven Gewissenserforschung seiner selbst, dem inneren Konflikt, einen großen beispielslosen Charakter, der trotz aller Zerrissenheit und dem unsagbaren Verlust des Vertrauens in den Menschen und das Gute der Welt, mittels Imogens Hilfe in seinem Schmerz erstarkt, seine Schwächen umwandelt, keineswegs kapituliert sondern sich dem Leben stellt und seine Bestimmung der Liebe zu Imogen weiht und damit auch sie befreit! – mutig und zu allem bereit, um jene, die er liebt, zu beschützen und in ihren hehren Zielen zu unterstützen.

ENDE

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SPANNUNGSBOGEN
Trotz all dem Tiefgang und der dunklen Schatten, der traumatischen Dramatik, sowie der Zeitnahme auch für Detailbetrachtungen neben psychologisch fesselnder Charakterstudie, verliert die ereignisreiche Geschichte eigentlich nie an dynamischen Drive, ist gespickt mit zahlreichen überraschenden Kniffen und spannenden Wendungen, wartet obendrein mit einer aufreibenden Crime-line auf, und, v.a. im letzten Drittel, häufen sich humorige Sequenzen und garantierte Adrenalinschübe. Z.B. allein schon die sich überschlagende Verdichtung gen Buchende wirft das Lesepublikum zusammen mit den beiden Protas in eine eiskalt & heißglühende Tide der Gefühle.

SCHREIBSTIL
Kerrigan Byrnes Schreibstil ist total mitreißend, weil er in zielsicherer Wortwahl und seiner Bildvolltrefflichkeit durchweg flüssig bleibt, auch wenn er selbst gar manchesmal fast poetisch anmutet; er versteht es, einen dabei dermaßen gefangen zu nehmen, daß man einfach nicht aufhören kann, und will, zu lesen. Gleich einer malenden Künstlerin beim gewählten Tupfensetzen aus ihrer sorgfältig abgemischten Farbpalette, betreibt die Autorin hierbei Framing in Perfektion: Ihre Prägnanz im Ausdruck brilliert derart und wechselt mit unter auch in präzisen unbarmherzigen Realismus, daß sich der Leserschaft sämtliche Schauplätze und Charaktere erschließen und präsentieren wie ‚als sei man selbst mittendrin‘ und ‚habe sie direkt, in Leib & wahrlich Blut vor Augen‘ -- noch viel unmittelbarer als z.Bsp. eine Kulisse oder Schauspieler auf einer Bühne--, weil sie unter die Haut fahren. Selbst bis in die Nebenfiguren erfolgt eine so klare und authentische Skizzierung, daß es sich dabei um Menschen wie ‚Du und Ich‘ handeln könnte, wie Kollegen, Nachbarn, Freunde, Bekannte ... Personen wie aus dem eigenen, nahen Leben gegriffen.

BESONDERHEITEN
Die Zäsur am Ende eines jeden Kapitels ist wie ein retardierendes Momentum gesetzt, oder, wirkt wie ein kleiner Knalleffekt, eine rätselhafte Pointe, ein geschickter Dreh, auch Cliffhanger, oder ein kleines hübschverpacktes Überraschungskästchen, was es dem Leser unmöglich macht, jetzt mit dem Lesen pausieren zu können – er muß sich dem Sog eines Weiterlesen einfach ergeben.

Darüber hinaus entdeckt immer mal wieder, während dem Verlauf der Erzählung, der lesende Verfolger voller Verblüffung verschiedenformige Mosaiksteinchen, welche er aufliest und der Geschichte einfugt, wobei diese zwar ab und an entgegen ausgelegter Finten etwas umarrangiert zu werden sind, aber, in ihrer Konsequenz sich zu einem durchdacht und kohärenten Gesamtwerk vernetzend vereinigen.

ERZÄHLPERSPEKTIVE
Die Erzählperspektive wird aus der dritten Person gehalten, wobei beginnend und vorwiegend mit Imogen, aber auch aus Coles Blickwinkel im Wechsel, die Schilderung erfolgt, geprägt von erlebter Rede und innerem Monolog. Lebendige Dialogtexte, nervenaufreibende Streitgespräche und gedeihliche Konversationen bereichern und lockern auf, was die Protagonisten noch an profilierterer Persönlichkeit profitieren läßt. Darüber hinaus werden die ein oder andere Sichtweisen weiterer auftretender Darsteller (Chief Inspector Morley, Christopher Argent) miteingeflochten, welche durch ihre Ausführungen zusätzlich Abwechslung und Atmosphäre darbieten und den Geschichtenkosmos expandieren.

Der Warnhinweis „Suchtgefahr“ sollte deshalb unbedingt auf das Titeldeckblatt mitaufgedruckt werden

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DER GESCHICHTLICHE FOKUS,
der nur als eher zurückhaltender historischer Rahmen dient, legt sich auf die osmanisch-türkischen Massaker während des bulgarischen Aprilaufstandes von 1876 (hier auch die Berichterstattung des Kriegskorrespondenten Januarius MacGahan), streift die Krimkrise, des Premierministers Disraelis Politik und die Zypern-Konvention. Hierbei findet aber auch der weniger geschichtsbewanderte oder daran interessierte Leser leicht Zugang, wenn nicht sogar einen gewissen Wissenszuwachs. Ferner werden soziale Unruhen und Missstände zur damaligen Zeitepoche sachte tangiert.

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F A Z I T:

Eine bewegend ergreifende Geschichte, die einen flasht, beschäftigt und die lange nachhallt. Eine selten von Anfang an außergewöhnlich starke, tolle und liebenswürdige und dabei so reelle Hauptdarstellerin, daß man/frau sich an ihr, so wie sie sich all den Hindernissen ihres Lebens stellt, ein Beispiel nehmen möchte. Und auch der Protagonist steigt in seinem unablässigem Kampf um den Sinn seines Daseins und seiner treuen Hingabe an die Liebe zu seiner Seelengefährtin, dem wertvollsten was es gibt, final als wahrer Held empor.

Bei all seiner Tragik, dem Blut, den Abgründen, der Thematik um Entmenschlichung strotzt das Buch voll ungeheuerlicher Kraft, und, ist durchwirkt von Licht, Leben, Poesie, Charme, Farben, Esprit und Liebe.

---- ANFANG ---------------------------

Mit seinen Zündstoff-Themen von Krieg, Massaker, Folter, PTBS, der BESTIE Mensch, der Ent-würdigung der Menschen, dem Wert der Frau, Misshandlung durch Männer, dem Sumpf der Prostitution, der Stellung der Frau in der Gesellschaft, sowie marginalen Touchierungen von sozialen Missständen, existenzieller Sorgen (Schuldenfalle, Suchtproblematik), politischer Schachbrettspiele, historischer Konflikte, die bis heute ausufern (Moslems/Christen) – ist dieses Buch zeitlos UND aktueller und brisanter wie nie zuvor. Und die Liebe, die Liebe nur durch die all das zu ertragen ist. Der unerbittliche Kampf, am Sinn des Lebens festzuhalten, für das Gute, das Gerechte einzustehen verankert durch wahre Liebe schenkt Erlösung und ein Stück vom Himmel auf Erden. Denn: Für den Triumph des Bösen reicht es wenn die Guten nichts tun. Etwas selbst bewegen zu können, und dabei immer die Wahl, die eigene Entscheidung für die richtige Seite zu haben, diese Fähigkeit tragen wir alle in uns. Dieses Buch zeigt, was das Leben aus uns macht - und was wir aus diesem Leben machen können. Und, wie sich zwei verwundete Seelen in Liebe wiederfinden, und, sich gegenseitig eine Quelle des Trostes und der Kraft werden.

---- ENDE ------------------------------

KRITIKPUNKTE

Gut und gerne 100, 200, od. mehr, Seiten lang hätte das Buch ruhig noch sein können Die geliebte Tradition eines erquicklichen Glossars oder einiger erbaulicher Fußnoten sollte grundsätzlich unbedingt wieder aufgenommen werden.

Hätte Kerrigan Byrne einige Anspielungen und Facetten noch ausgearbeitet, würde der kompakte Liebesroman, - in meinen Augen -, schlichtweg zu einem KLASSIKER avancieren – aber, das ist für dieses Genre ja wohl gar nicht beabsichtigt Trotzdem erhält dieser Lesestoff, allein aufgrund seiner beiden Protagonisten, ihren Kampf und ihrer Entwicklung, von mir die volle Punktzahl.

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Ein Hinweis noch zum ZIELPUBLIKUM:

Der Schwerpunkt des Buches ist dunkel, roh und tiefgründig, mit Tendenz anspruchsvoll.

Davon abgesehen mag das Entrée/die Leseprobe den Eindruck schüren, daß eine jagende Sexszene nach der anderen, Kapitel für Kapitel, anzutreffen sei. Dem ist nicht so.
Trotzdem funkt und sprüht es auch vor unbändiger Sehnsucht und sinnlich-hitziger Erotik zwischen den beiden Hauptakteuren.

Fans von William Shakespeare, Charlotte Brontës "Jane Eyre", Queen Victoria, plus Wolverine und "Ironclad", selbst von "Schreie aus dem Innern (Voices Within: The Lives of Truddi Chase)" könnten sich hier aufgehoben fühlen.

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COVER
Die Frontansicht und die Buch-Thematik bilden eine exzellente Symbiose:

An dem Cover des Klappbroschüreformates gefällt, daß die helle, kraftspendende Farbigkeit aus dem alles-verschlingenden toten RabenSchwarz deutlich hervorbricht und klar besteht, daß das fast reliefartig-anmutende wunderschöne Rosenblütengeprange sich in nuancierten violett-schimmernden Glanz aus dieser Dunkelheit emporrankt, es damit jäh durchzwingt, wie Licht und changierendes Leben sich positioniert, quasi in den Vordergrund kämpfend erhebt, ja ihn erobert, das Dunkle - als unterste Substanz, Vergangenheit und Anhaftende, Bestimmende – seiner drückenden, undurchsichtigen Macht beraubt und bezwingt.

In dieser Rosenpracht ist der zentrierte Großbuchstabe 'R' eingebettet: dieser basiert, erwächst, thront und wird durch das Blühende flankiert und gehalten. Dieser Versal gewichtet die Betonung auf REBELS ident einem Siegelringabdruck.
Erfreulich ist, daß im Innenteil der Vorder- wie Hinterseite der Klappbrochure auf zartem blasslila Untergrund etwas kräftiger-fliederviolettfarbene Rosen eine Wiederaufgreifung erfahren, und, auch die jeweiligen Kapitel mit einer Rosenverzierbegleitung eingeleitet werden.

Daß dieses Veilchenlila des Buchcovers ab der Mitte der Geschichte auch das der Gewänder und des Duftes der Protagonistin Imogen ist und hier als Spiegelung zum langsamen ersten Aufbrechen Coles Panzers in Erscheinung tritt, und, sich die Farbintensität mit weiteren Mauereinrissen in des Dukes hartverschalten Kern steigert, fasziniert dadurch noch ungemeiner.

Über dies wirkt die Covergestaltung entgegen der behandelten Ära (Viktorianische Epoche) keineswegs 'altbacken' sondern vielmehr modern, klassisch-alterlos und verheißungsvoll.

Nebeneinander im Regal aufgestellt könnten die Bücher die Assoziation mit einem durchbrechenden Regenbogen aufleuchten lassen.

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Der kommende 5. Band der VICTORIAN REBELS-Reihe unter dem Titel „Mein Ende und mein Anfang“ erscheint Ende Oktober 2019.