Profilbild von DarkPhoenix

DarkPhoenix

Lesejury Profi
offline

DarkPhoenix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit DarkPhoenix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.06.2020

Die Köchin am Hofe v. CASTAMAR -🥄- Telenovela VOLLER Geheimnisse, Kabalen & Gefälligkeiten

Die Köchin von Castamar
0

✰ ✰ ✰ Ein faszinierender Plot – der nur EINE Zutat ist ❕ Ein halbgares Gericht trotz Haute Cuisine ✰ ✰ ✰

La cocinera de Castamar - ❶ Claras Geheimnis


Keine Psychographie, nur flüchtige Momentaufnahmen ...

✰ ✰ ✰ Ein faszinierender Plot – der nur EINE Zutat ist ❕ Ein halbgares Gericht trotz Haute Cuisine ✰ ✰ ✰

La cocinera de Castamar - ❶ Claras Geheimnis




Keine Psychographie, nur flüchtige Momentaufnahmen einer sich anbahnenden Liebe wider aller Gesellschaftsschranken, dafür: Machtkämpfe, unappetitliche Affaires und todbringende Komplotte.

+++++

Bei dem Erfolgsstürmer von der Iberischen Halbinsel handelt es sich wohlgemerkt um e-i-n Werk, welches für den dt. Markt in zwei Bände auseinandergerissen wurde – aus Profitplanung heraus oder untrüglichem Gespür, daß diese nur das Entrée zu einer weitreichenderen Saga etablieren könnten?

Die diversen Handlungsschienen erinnern im Reigen einer Vielzahl von Mitwirkenden samt Aufbau im Tagebuch-Tempo an die typische Struktur von brasilianischen Telenovelas (aus den ~80er Jahren, Bsp. Das Recht zu Lieben).

Der interessante historische Kontext (spanischer Erbfolgekrieg) bleibt dabei sehr verhalten dokumentiert.

Bei der Lektüre dieser Romanhälfte werden dem Leser die Befugniss-Strukturen, anschaulich recherchiert, auf so einem großen, adeligen Gut (der damaligen Zeitepoche) so richtig bewußt, WIE VIELE Personen und in welchem rigiden Ranking ihrer jeweiligen ganz eigenen verantwortl. Fach-Beschäftigung nachgehen (Zahlmeister, Fleischbeschauer, Türwächter der Vorratskammern,…).

+++

Diego:

„Was auch immer mit Euch geschieht, hört niemals auf die falschen Einflüsterer.“

(S. 204)

+++

Clara und Diego sind zwei beeindruckende, fesselnde Charaktere und Menschen von gutem Herzen, begeisterte Schöpfungen von Fernando J. Múñez! Der Autor hat sie liebevoll und eindringlich angelegt, nimmt sich auch ein wenig Zeit, jede Person für sich einzuführen.
Allerdings behält er sie nicht wirklich im Vordergrund, sondern flicht sie dann eher nur ein, und, läßt den Leser trotz üppigen Lesefutters nach Verbindung zu- & Begegnungen mit-einander streckenweise verhungern.

Wie der Duft und die sensationellen Köstlichkeiten Claras Kochzaubers einen schwermütigen Diego aus seiner gefangenen Trauer herauslocken, ihm endlich wieder Lebens-Funken einhauchen und ihn quasi erwecken, aufblühendes Interesse an Clara, dem neuen Mädchen in der Küche – das muß man/frau sich selbst dazu ausmalen, denn das wird lediglich knapp ausgesprochen und bleibt zu oberflächlich; dieser Entwicklungs-Vorgang an sich, eine psychologische Ausarbeitung (Gesinnungsbewegung, Seelenzustand) bleibt der Autor betrüblicherweise dem Zeilenpublikum schuldig.
Ebenso, was genau Diego dazu veranlaßt und ihn umtreibt, in diesen ‚Blitz-Aktionen für Sekunden‘ Claras Nähe aufzusuchen, das interessiert, danach lechzt doch die Leserschaft! Doch der Autor beläßt es einfach dabei, geht sparsam wie nachreichend reduziert darauf ein.
Aus Flash wird auch noch Mr.Unsichtbar in dem Augenblick, in dem Diego Claras Sehnsucht nach Büchern mitbekommt – auch diese Szene wird gar nicht intensiviert, so ist wieder eine wunderbare Gelegenheit zur Bebilderung des Innenlebens vertan.

Natürlich bemüht sich Múñez freilich, eine feinfühlige u. wachsende Anziehung zu vermitteln – aber diese bewegende Stille, diese Spannung zwischen den beiden bleibt einfach unausgelotet, nur angerissen, wie erwähnt; kontinuierliche Auffaltung der Gefühlswelt (was geht in Clara, was in Diego vor) und Tiefe werden sehnlichst vermisst.
Das liegt nicht an dem durch Etikette erzwungenen Standesabstand, und wenn sich Clara & Diego denn mal in seltenen Augenblicken gegenüberstehen, ist das wirklich zartschön von Múñez inszeniert!
Der Autor IST ungeheuer talentiert, er KANN schreiben, kostet aber diese Begabung diesbezügl. nicht zum vollem Bankett aus, reicht nur „Häppchen“: Gedanken & Emotionen wirken wie eine bloße Kurzerzählung, werden gar nicht richtig eruiert und ausgeschöpft.

Der für die dt. Ausgabe hinzugefügte UT „Claras Geheimnis“ ist fehl am Platz, da hier j e d e r mit seinen ganz eigenen verborgenen Geheimnissen aufwartet, welche auch dem Seitenverfolger Kapitel für Kapitel offen gelegt werden.
Einerseits wird Claras Geschichte geliefert, ihre Storyline erfährt rhythmische Verquickung, anderseits, wenn man so will, ein weiterer Erzählstrang, kreiselnd um Doña Alba (die vor 9 Jahren verstorbene Gattin Diegos), die Umstände u. Auswirkungen ihres Todes, allerdings in weitgefächerten Unterverzweigungen und individuellen Handlungsgleisen (Diego, Úrsula, Enrique, Amelia, Doña Sol…).

Einnehmend Zeit beschlagnahmen so Úrsulas striktes Regiment über fast alles und jeden in ihrem hohen Amt als Haushälterin des Hofes von Castamar, die Vereitelung ihres Kontrollverlustes auch hinsichtl. des ranghöheren Majordomus, sowie, Diegos teuflischer Antagonist Enrique Señor Marquis von Soto, die Darstellung dessen Intrigengeflechte, das Wesen seiner Handlangertruppe (Hernaldo von la Marca, El Zurdo) und anderer entscheidenden Strippenpuppen (Amelia, Doña Sol).


Es geht demnach gar nicht vornehmlich um CLARAS GEHEIMNIS, (auch nicht um Diegos Barrieren,) noch wurde es elaboriert und verharrt daher plakativ:
Claras Problematik (Agoraphobie, ihre Panikanfälle, wenn sie aus der Sicherheit geschlossener Räume in weite, offene Plätzen unter freiem Himmel tritt / quasi das Gegenteil zur wohl eher bekannteren Klaustrophobie) wird zwar anfänglich noch bewußt behandelt, dann aber im Buchverlauf wie beiläufig verwebt.
Die paralysierenden Schübe werden sehr wohl sehr gut beschrieben, was diese Angst auslöst, woher sie rührt wird zwar geklärt, dagegen finden eingehende Aufarbeitungspsychologie, ein Prozess, dieser Phobie Herr zu werden und das Trauma zu bewältigen, nicht statt.

Genauso: die mit Spannung erwartete faszinierende Korrespondenz nebst besonderen Form der diskreten Kommunikation erfolgt einmal erst im letzten Buch-Drittel, und wird dann auch noch mager abgespeist. Z.B. nehmen die hochachtungsvoll-süperb formulierten Zeilen des Herzogs aus zwei Briefnotizen, den Geschenken an Clara (historischen Rezeptbüchern) beigelegt, zusammengefaßt gerade mal EINE Seite des gesamten Buches ein.

Da im Laufe des Romans Auflistungen mannigfaltiger Gerichte dem Herunterlesen einer ausgeschmückten Menuekarte eines Gourmetrestaurants gleichkommen, verdunstet auch die Liebe und Passion, die die Figur Clara durchs Kochen ausdrücken soll. Die flammende Berufung zu diesem Job gelingt dem Autor einfach nicht zu transportieren.

Múñez hält sich womögl. mit zu viel Randereignissen, Nebenschauplätzen, skandalösen Affären, bad boys & girls und grausamen Ränken auf, verschenkt an sie gleichberechtigte Gewichtung?! nicht ganz, denn selbst einigen von diesen, mit ihren prima Ansätzen an Kapazität, mangelt es ja teils auch an dichterer Skizzierung
(nur als Bsp.: Diegos geliebter Adoptivbruder Gabriel, dessen Konfrontation mit Rassismus – aber, dieser erhält wahrscheins eh einen eigenen Folge-Band mit Amelia, oder gar sein Spin-Off?
-- ODER-- Das unglaubliche Potenzial der Haushälterin, die nicht an das Gute im Menschen glaubt, hat der Autor verkochen lassen).

Es fehlt simpel zusätzlich ein gutes Tortenstück an Seiten, die sich wirklich nur und einzig um Clara & Diego, getrennt und doch zusammen, und ihre geheimen Botschaften, ihrer Berührung und Nähe trotz Distanz, beschäftigen - sie sind da, aber sind nur irgendwie bündig, diätisch abgehandelt, wie auf das Nötigste beschränkt.
Denn die beiden Hauptdarsteller sollten unbedingt ausgereiftes Kernstück bilden für genügend ausgleichender Gegenkraft zu der Schwere der Vielzahl an Intrigen, um den Lesern ein Mehr an Helle, Liebe, Trost & Lebensfreude zu gewähren.

+++

Gleitendes Lesen geriet ins Holpern durch eine Opulenz an unnötigen Namen und Absätzen, sowie, dem Ungewöhnlichen, daß, statt in elegantem Kursivdruck, persönliche, unausgesprochene Gedankengänge in Anführungszeichen der direkten Rede gesetzt wurden - sogar während zeitgleich geführter Gespräche.

+++

F A Z I T:
Im Stil brasilianischer Telenovelas aus den ca. 80ern, versetzt in die Zeit Philipp V. um 1720. Für Fans von „Das Haus am Eaton Place“, BBC-Literaturverfilmungen und Sterneküchen.

Feste Hierachien und Organisation innerhalb des herzogl. Anwesens, die Stellung der Frau, Diskriminierung, Loyalitäten, Kochschwelgereien, Intrigen und Mordpläne, Verlangen und Wollust… – reichhaltig wird kredenzt.

Warum sich dieser Bd. 1 nicht zu einem grandiosen Lieblingsfestmahl arrangieren konnte? Keine wirkliche Konzentration auf den Fokus: Clara & Diego, das was sich als schlagendes Herz und tragende Genusskomposition einer außergewöhnlichen Saga ersehnt wird (und es sind wahrhaft zwei starke, aufrichtige Persönlichkeiten!), verkommt fast zu zwischengereichten, garnierten Appetizern und wird zu sehr überlagert von Duftschwaden der Gourmetmenüs, Machthunger und brachialem Rachedurst… und das… macht einfach nicht satt.
Kurz:
perfekte Regie diverser Multip(l)ots aufgetischt, doch zu viel fehlen ausführliche Seiten im (Dreh-)Buch besonders zum eigtl. Hauptgang.
Evtl. gewährt die anstehende Verfilmung dem Protagonistenpaar ein erfüllenderes Füllhorn an Handlungsspielraum und v.a. Seelen-Vertiefung!

Bewertung: 3 ½ v. 5 (Michelin) Sternen

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2020

In wieweit läßt sich das Herz manipulieren?

Herzenskälte
3

Kurzmeinung:
solider Thriller um dunkle seelische Abgründe, die Gefühlswelt, Einblicke in eine morbide Subkultur der schwarzen Szene und Lobotomie
☆ Bewertung: 3,5 von 5 Sternen ☆

HERZENSKÄLTE (2014) ...

Kurzmeinung:
solider Thriller um dunkle seelische Abgründe, die Gefühlswelt, Einblicke in eine morbide Subkultur der schwarzen Szene und Lobotomie
☆ Bewertung: 3,5 von 5 Sternen ☆

HERZENSKÄLTE (2014) ist der 2.Band aus der mittlerweile 5 Teile umfassenden Thriller-Fortsetzungsreihe "Ein Fall für Leitner & Grohmann".
Er umfaßt ca. 410 Seiten in 20 Kapiteln.
Vormals bei Egmont LYX erschienen werden künftig alle Bände im Kuneli-Verlag aufgelegt werden. I.Ü. ein ungewöhnlicher Name, der abgewandelt wurde vom griech. "kouneli" = Kaninchen, geliebte Haustiere der Autorin. Ach wie gerne hätte ich ein Verstecktes beim Lesen entdeckt...


+++ zum INHALT – Spoiler möglich --

In einer fiktiven, beschaulichen Kleinstadt im hessischen Spessart, Nähe Hanau:

Am Valentinstag wird eine kürzlich verheiratete Frau in sorgfältig liebevollem Arrangement und perfektem Styling in einem Schaufenster einer Hochzeitsagentur entdeckt – erst auf den zweiten Blick wird ersichtlich: ermordet und... ihr Herz wurde entnommen.
Die nicht immer umgängliche und unkonventionelle Kriminaloberkommissarin JENNIFER Leitner übernimmt zusammen mit dem ruhigen, besonnenen, doch Schreibtischarbeit ächtenden Staatsanwalt OLIVER Grohmann den Fall.
Ein weiterer Mord nach bereits 5 Tagen an einem Mann in komplett anderem und brutalen Szenario, übersäht mit Haßbotschaften auf der Haut und wieder ohne Herz, bestätigt Jennifer, ihre bisherige Taktik und Annahme zu ändern: jetzt wird von einem Ritus, einer gezielten Vorgehensweise mit Muster in der Opferwahl, ausgegangen. Damit ist mit einer aufziehenden Mordserie zu rechnen. Jedoch besteht keinerlei Verbindung zwischen den Toten.
Wird das Ermittlungs-Duo dann überhaupt rechtzeitig den Täter aufspüren können?
Warum sollte der Killer, oder Mörder-Kreis, die Herz-Organe für die Ewigkeit konservieren?
Sind diese Zurschaustellungen der Leichen eine Botschaft? an wen richten sie sich dann?

Als Grohmanns Tochter Hannah durch eine ominöse Schulkollegin in Kontakt mit einer morbiden Subkultur der schwarzen Szene kommt, lernt sie deren gothic-artigen Organisator Jesaja/Tobias samt seiner schwermütigen Schwester Jezebel/Selina kennen, die faszinierend wie gleichzeitig verstörend-düstere Kunstwerke schafft. Eine irritierende Anziehungskraft entwickelt Hannah für Jesaja, nicht für Tobias. Ist dieser Schauplatz wieder nur Sackgasse?


+++ MEINUNG:

Gewicht fällt auf ausführliche Darlegung der einzelnen Schritte im Ablauf zur Polizeiarbeit des Morddezernates. Dadurch mag der Kriminalroman eine der Realität ziemlich nahekommende Relevanz gewinnen und schon Alltag des Kriminalkommissariats authentisch abbilden, verschenkt damit allerdings Tempo und v.a. Raum für weiteren Ausbau und zusätzliche psychologische Tiefe. Ebenso schweift der tatsächliche Thriller-Kern, der eher neuartig, interessant bis fesselnd und schlüssig aufgearbeitet ist, leicht ins Abseits. Nur im Prolog und Kapitel 16 gewinnt der Leser einmal kurzen Blick in die intime Denkweise des Delinquenten.

Abgelenkt und etwas schleppend gestaltet sich die Untersuchung bis zu einem zweiten Mord. Erst als sich ein Anwalt mit gewissen Unterlagen bei dem Ermittlerteam meldet, nehmen die Ermittlungen an rabiderer Fahrt auf und die Mutmaßungen des Psychopathologen (Dr. Rabe) skizzieren sich in Komplexität ab.

Obwohl vornehmlich und rund um die Uhr am Fall mit einem weiteren Ermordeten gearbeitet wird, versteht Saskia Berwein zartfühlend unterrangig auszuarbeiten, wie währenddessen sich Jennifer und Oliver, beide geschieden, auch privat langsam annähern. Hierbei wird zu deren persönlichem Hintergrund und etwas aus den Viten der beiden erzählt, was die zwei tragenden Protagonisten für den Leser greifbarer ausgestaltet.
Somit eher ruhig und solide im Spannungsbogen mit wiederum auch intensiveren und gedichteteren Abschnitten.


+++ KRITIK: -- Spoilerwarnung --

Parallel zur Kriminalhandlung kreuzt Hannah bei Oliver auf - seine 16jährige Tochter, mit der er seit 4 Jahren keinen Kontakt mehr hegte. Doch mit einer freudigen Umarmung wird sie von ihrem Vater nicht empfangen; den erwachsenen Mann [wie alt ist er - um die 40 aufwärts?] umtreiben im Stillen nachtragende Vorwürfen an die damals 12-Jährige(!), ihn (verbal) verletzt zu haben. Über diese Gesinnung eines Elternteils(!) bleibt auch, oder gerade, nach späterer Auflösung zum Warum der Leser kopfschüttelnd zurück. Tragisch, daß mit Mitte des Buches immer noch ein ‚Sich-Öffnen‘ zwischen Vater und Tochter gehemmt bleibt, er nicht weiß, wie er mit ihr umgehen soll und wie es gefühlsmäßig um seine Tochter bestellt ist. Zu welchen Konsequenzen, trotz gedruckster Aussprache, fehlende Bemühungen und wirkliche Kommunikation führen können...

Die zerstörte Vater-Tochter-Beziehung taut nur zögerlich auf, ist sehr lange durchfrostet von HERZENSKÄLTE – dieser Buchtitel durchschwingt als fulminanter Schwerpunkt das gesamte Buch. Einerseits scheint der Serienkiller diese bezwingen zu wollen, hebt sich aber durch absolute eiskalte Gleichgültigkeit ab, andererseits z.B. ‚bemüht‘ sich Jennifer Leitners dienstunfähiger KOK-Polizeipartner Marcel Meyer regelrecht darum, sucht, zuviele Emotionen seit seinem Ehe-Aus mittels Alkoholexzess auszumerzen? (Letzterer scheint zu einer, hier vernachlässigbaren, Rahmenhandlung der Reihe zu gehören, da für Quereinsteiger nicht ganz ersichtlich wird, inwiefern dieser Einschub dienlich sei. Vielleicht sollte damit lediglich die kollegiale zugleich verantwortungsvolle Wesensart Jennifers belichtet werden. Oder simpel, daß Alkoholsucht nicht nur den Menschen sondern polizeiliche Arbeit vernichten kann.)

Erst überraschte und beeindruckte Olivers Sprößling mit ihrer taffen und durchsetzenden Art, bei ihrem Papa unangemeldet einzuziehen, ihn vor faits accomplis zu stellen, mit ultracool durchdachter und zukunftsorientierter Planung, klasse! Allerdings mit ihrem Auftreten, daß sie sich ab und zu JOINTs genehmigt und das vollkommen okay ist, verliert sie total wieder an selbstständigen Charakter, da sie sich ja noch dazu einem, um es generell auszudrücken, ‚Gruppenzwang‘ unterwirft, indem sie sich im weiteren Verlauf der Handlung einem bedeutenden, einschneidenden Akt und damit viel Schmerz entziehen hätte können.

Die seltsam-reglementierte Zustimmung ihres eigenen Vaters zu dieser ihrer Haltung, noch dazu in seiner beruflichen Stellung als erfahrener Staatsanwalt, enttäuschte oder ist einfach nur merkwürdig: sollte denn nicht die Gesundheit seiner Tochter ihm am Herzen liegen! Es handelt sich doch keineswegs um Süßigkeiten (diese Genussmittel sind schlimm genug, können auch schon süchtig u. krank machen); warum das Bedürfnis nach Pot – als Stimmungsaufheller, um Gefühle zu betäuben, Konflikten zu entrinnen, Realitäts/Trauer-Flucht? Und, woher bezieht Hannah ihr Gras?, welches so häufig mit giftigen Stoffen gestreckt wird, mit welchen Leuten pflegt sie Umgang... all das interessiert den Vater da nicht. Und gerade hier (wer sind ihre Freunde) wäre ein Aufmerken des Staatsanwaltes und sein die Tochter in-Kenntnis-zu-setzen, über vorliegende Fakten, von solcher Eminenz gewesen. Dazu entsetzte auch das Gefasel der Kommissarin von ~‘Verbote-bringen-nichts‘ - denn es geht um ausführliche Gespräche, die sehr wohl die Augen schärfen können für womöglich aufschlussreiche Beobachtungen: hätte Hannah von den entscheidenden Infos, die dem Chefermittler vorlagen, gewußt, hätte sie Vorsicht walten lassen, eher ihrem Instinkt folgen, etwas durchschauen, andere warnen und sogar selbst einem Kriminellen raffiniert das Handwerk legen können.


Noch weitere Anmerkung zu dieser Nebenpassage:--- SPOILER --

Daß mal wieder Verlust von Jungfräulichkeit im gedopten Bewußtseinszustand erfolgt, als Abwechslung zu k.o.-Tropfen, schleicht sich als mittlerweile läufige Praxis in sehr viele Bücher ein (Bsp.: Chevy Stevens, 2017: Never let you go - Ich beobachte Dich). Cannabis findet einen zu verharmlosten Stellenwert, wird völlig widerspruchs- wie kritiklos als absolut vertret- und täglich verwendbar eingestuft (siehe auch in viel zu vielen NA-Romanen, im Sinne von ‚es ist halt Mainstream, gibt ja auch Weed-Parties, in immer mehr US-Bundesstaaten erlaubt, ist doch nichts dabei‘). Hier hätte ich mir Mut von der Autorin gewünscht, etwa in einem Satz dem Marihuana-Schmauchen seine Konsum-Selbstverständlichkeit zu nehmen, v.a. weil es sich hier um Jugendliche und keine Schmerzpatienten handelt. Noch dazu spielt ja der Thriller nicht etwa in der Schweiz (ohne strafrechtl.Verfolgung bei Hanfblüten in der Dose, CBD-Gras/Black Widow), sondern eben Deutschland, wo es nun mal, Toleranz-Regelung hin oder her, illegal bleibt!
Oder wenigstens eine neutrale Parteilosigkeit zu vermitteln, um einer Debatte zum Thema ‚Kiffen legalisieren‘ offenes Podium hinsichtl. der Bedenklichkeit und Bedrohlichkeit zu lassen (gute Laune nur mehr per grünem Rausch, Gedächtnisleistungen nehmen ab, Gehirnstrukturen verändern sich nachweislich, Intelligenzminderung ist gegeben, auch eine Gefährlichkeit des Kontroll-Verlustes wie das Abgleiten in die Abhängigkeit sind vorhanden, Einweisung in die Suchtklinik zunehmend die Folge; aber genauso arten selbtverständlich Alkohol, Sex, Essen, Games, Wettspiele, usw.usf. zu oft in Suchtproblematik aus).

+++

Schleichwerbung für Nutella ist nicht gut, z.B. steht ferrero für Kinderarbeit, ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf Hasselnussplantagen. (Dann eher allgemein bleiben, mit z.B. NougatSchokoaufstrich.)

Beim Fluchen bitte nicht ständige Wiederholungen, sondern Abwechslung!

Wie alt sind KOK Leitner und der Chefermittler Grohmann?

Wer ist Gaja? Jennifer Leitners Katze?!

+++

F A Z I T :

Einiges etwas straffer, anderes nicht zu oberflächlich und einfach ausführlicher, tiefgehender – das hätte die volle Punktzahl gebracht.
Lesenswert, da dieser Thriller zum Nachdenken anregen kann, etwa: Ohne die Fähigkeit Emotionen zu entwickeln erfolgt Entfaltung zum Monster, welches anderen deren Gefühle stiehlt, oder, diese ausbeuterisch manipuliert. Wenn in einem nur mehr Leere herrscht, ist man dann nicht schon tot? Anbei: Benebelung statt sich Gefühlen zu stellen, sich mit ihnen auseinander zu setzen.
Verlust der Emotionalität, teilnahmslose Ungerührtheit, kurz: HERZENSKÄLTE führen zu welchen Auswirkungen...



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2020

über Die Eine gr.Liebe die Dich nie verläßt und von der zweiten Chance auf einen Neubeginn 💘

Mein Herz in deinen Händen
3

💘 wenn eine falsche Entscheidung alles andere auslöscht – eine Liebesgeschichte mit viel Drama, Herzschmerz und HE 💘
++++

Bei MEIN HERZ IN DEINEN HÄNDEN handelt es sich um den ersten Teil der 3-bändigen ...

💘 wenn eine falsche Entscheidung alles andere auslöscht – eine Liebesgeschichte mit viel Drama, Herzschmerz und HE 💘


++++

Bei MEIN HERZ IN DEINEN HÄNDEN handelt es sich um den ersten Teil der 3-bändigen RETURN-TO-ME-Reihe um die Hennington-Brüder, mit Fokus auf das Paar Zachary & Presley (Wyatt, der jüngste, wird in Bd. 2, der älteste Trent in Bd. 3 thematisiert).


++++ zum INHALT, Spoiler möglich ++++

Presley Benson, geborene Townsend, war vorgesehen, mit ihrem Bruder Cooper eines Tages die Cattle Ranch Bell Buckle ihrer Eltern in Tennessee zu übernehmen, doch ihr widerstrebte das Erbe als Viehzüchterin auf dem Lande. Mit dem drei Jahre älteren Zachary, seit ihrem 12.Lebensjahr Seelengefährte und nun Verlobter, einem begabten Baseballspieler mit Vollstipendium, stehen die gemeinsam ausgeschmiedeten und aussichtsreichen Zukunftspläne seit jeher fest: College in Pennsylvania, Arbeitsvertrag, dann Haus und Familiengründung.
Nach einem kolossalen Zerwürfnis von ein auf den anderen Tag ist die 19jährige Presley unwiderbringlich am Boden zerstört, fühlt sich von ihrem so tief-geliebten Partner als wertlos gebrandmarkt und verlassen.
Eine Welt zerbricht. Ein Jahr später kann sie nur der Bruder ihrer allerbesten, schwesterlichen Freundin Angela auffangen. Eine solide Ehe und mittlerweile 11jährige Zwillinge sind das Ergebnis, wobei Pres nach 13 geerdeten Jahren plötzlich vor einem gänzlich neuen Debakel und Zerschmetterung ihres Herzens steht: ihr Mann Todd stirbt auf unsäglich-unnachvollziehbare Weise; katastrophale Nachbeben vernichten ihre bisherige Exsistenz zum zweitenmal komplett: sie findet sich aufs Neue im Stich gelassen, ihre Lebensplanung ist dahin.
Mit ihren beiden Söhnen Logan & Cayden bleibt der 35jährigen Witwe nichts anderes übrig, als zurück auf die Elternranch zu ziehen, um ihr Leben zu ordnen... ausgerechnet an jenem einst so glücklichen Ort, den sie seit 17 Jahren mit aller Macht mied.
IHM nun dort nach all der langen Zeit wiederzubegegnen, damit hätte sie nicht gerechnet. Was wird der Unaussprechliche bei ihr auslösen, der einst innig Geliebte und Seelenverbundene, dessen bloße Nähe sie schwach macht: Zachary Hennington.

++++ MEINUNG Lob & Kritik

Der flüssig und anschauliche Schreibstil nimmt einen voll und ganz ein, vermittelt eine Nähe gerade am Anfang, so daß man das Buch nicht verlassen kann, und Seite um Seite weiterlesen muß.
Schock, unendliche Trauer, Verzweiflung, eine Benommenheit und ein Verloren-sein, welche sich über die Hinterbliebenen mit dem Tode Todds ausbreiten – die Autorin vermittelt all diese Gefühle voller Authentizität, daß es beim Lesen erschüttert und man/frau meint, sogar inmitten dieses Hauses der Tragödie vor Ort selbst zu stehen und alle gerne in tröstende Arme schließen zu wollen.

Daß Pres trotz der ersten Ohnmacht für ihre Kinder da ist, deren unbedingter Schutz und Wohl für sie an erster Stelle steht, und sie deswegen ein Schweigen über die Umstände um Todds Sterben erstmal alleine mit sich austrägt, zeichnet sie als starke Mutter aus.

Das Suchen nach Antworten, Unverständnis über mangelndes Vertrauen, aufziehende zornige Wut, Vorwürfe, dann nagende Gefühle eigenen Versagens und Schuldgefühle über nachlassende Tränenflut und sich einstellende fehlende Sehnsucht nach ihrem Gatten Todd führt die Autorin nach und nach feinfühlig aus.
Mit Bedacht fügt sie dabei auch zusätzlich kurze, traumhafte Zwiegespräche mit dem Verstorbenen ein, welche Presley alle Aspekte ihrer konflikthaften Trauer auszuloten helfen.

Vieles strafft Corinne Michaels aber auch in zeitlichen Sprüngen von Monaten, um der fatalen damaligen Entwicklung und jetzigen Wiederaufnahme der Liebesbeziehung zwischen Pres und Zach genügend, in den Vordergrund rückenden, Spielraum zu verleihen.
Zuviel Unausgesprochenes schwellt zwischen den beiden Protagonisten mit erstem gebannten Blickwechsel beim unerwarteten Aufeinandertreffen in der Luft und droht schier Preslyn zu zerreißen, wie Zachary zu verwirren.

Pres‘ Position durch Offenbarung ihres Innersten wird der Leserin/dem Leser verständlich und nachvollziehbar.
In übersichtlich eingewobenen Rückblenden erklären sich die aufgestauten Emotionen und damaligen Hintergründe.

Außerdem erhält die Leserschaft ab dem 2. Buchdrittel zudem dankbaren Zugang zu Zachs Gedanken-und Gefühlswelt mit den Einstreuungen seiner Sichtweise.
Durch den intensiven Gesprächsaustausch, das Klären der Vergangenheit, scheint Zach jetzt erst zu begreifen, was damals genau zum Bruch geführt hatte, v.a. daß er Pres nicht deutlich genug seine innige Liebe zum Ausdruck brachte.
Genauso wie Zachary Die Welt für Preslyn ist, so bedeutet Pres ein Alles für Zach, sie hegen eine besondere Liebe füreinander, derer sich beide nicht erwehren können und die ewiglich besteht.

++++

Der Inbegriff einer Kleinstadt mit all seinem Klatsch &Tratsch, aber auch Zusammenhalt und sofortigen Einander-Helfen liefert einen unterstützenden Rahmen für die Romanze, wobei die sehr liebenswert skizzierten Nebenfiguren des kleinen dörflichen Städtchens fast schon wie eigene Bekannte auftreten (Grace, Presleys beste Freundin von der Highschool; die ermutigende, hübsche Countrysängerin Emily; die gütig-weise Gemischtwarenhändlerin Mrs. Rooney).

Was sehr gut gefiel war, wie sich Cooper und Wyatt sofort um die Zwillinge gekümmert haben, und auch die Art & Weise wie Zachary Bande zu ihnen aufknüpft, um die Jungs von ihrem tragischen Verlust abzulenken und in ihnen neue Lebensfreude zu erwecken, wozu die Atmosphäre auf der Ranch mit den Pferden beisteuert.
Besonders Preslyns fürsorgliche Eltern beeindruckten sowie Angie, temperamentvoll und schwesterliche ganz loyale Freundin.

Darüberhinaus hinterläßt der humorig-verschmitzte Playboy Wyatt, Vorarbeiter unter Cooper auf der Townsend Ranch, in seiner Rolle einen bleibenden Eindruck: der jüngste des Hennigton-Trios steht als ein bester, vertrauenswürdiger Freund Preslyn bei, und bringt sie dazu, sich wieder zu öffnen und sich dem Leben zu stellen, und dann heizt er auch noch seinem zwei Jahre älteren Bruder Zach ins Gewissen ein; obwohl seit jeher selbst verliebt in dessen Ex-Verlobte bemüht er sich altruistisch, Pres und Zach einander wieder näher zubringen.

Teuflische Hexe Felicia kam zu kurz: sie ist eine klassische Stereotype eines arroganten, hinterhältigen und egoistischen Miststücks, über die man/frau wohl sowieso auch nicht mehr lesen möchte als notwendig aufgrund ihres schlechten Charakters.

In der Mitte des Buches kam es zu einer kleinen Länge, etwas wurde wiederholt, einige kleine Aspekte nicht ausgeführt. Davon abgesehen hätte Zachs Kampfesgeist um Presley ruhig noch mit Schärfe elaboriert werden können, weshalb mir Presleys Charaktere und ihre Seelenliebe viel näher kam als die Zacharys.

Eine weitere ‘Info‘ um eine andere, tiefschürende Dramatik wurde hinsichtl. bedeutender emotionaler Intensivität nur knapp ausgegraben und abgehandelt. Dies könnte so gestaltet worden sein, da es 17 Jahre zurückliegt (im Gegensatz zum eher aktuellen Verscheiden Todds und der regelrechten ‚Gefühls-Wucht‘ am Anfang), und, um das nie-versiegende Trauerweh Pres‘ nicht all zu sehr neu aufzureißen; davon abgesehen wurde auf diese Weise wohl auch ein eventueller Trigger so weit wie möglich eingedämmt gehalten.
Welche Schwere lag auf Todds Seele - auf einige Fragen, die nur er beantworten hätte können, gelingt im Laufe der Handlung eine gewisse, auflösende Antwortenfindung, und doch verharrt dieser Roman dann letztlich in seiner Konzentration auf dem ‚Wie geht es weiter, wie damit umgehen‘.
Denn am Ende zählt nicht das „Warum“, sondern einzig die Liebe „Für immer“.


☆☆☆☆ F A Z I T : ☆☆☆☆

So einen Einstieg in einen Roman habe ich noch nie erlebt, und, wie dieser eine/n beschäftigen und sehr zu denken geben kann.
Was wenn urplötzlich die Gegenwart passé ist und der Aufbruch in eine verschüttete Vergangenheit neue Erkenntnisse eröffnet... Über Vertrauen, vom Fallen und Aufgefangenwerden.
Trotz der Tragiken ist es der Autorin dennoch mittels sukzessiver Verarbeitung gut gelungen, der Hoffnung und der Chance auf ein wiedergewonnenes Glück voller Liebe in einem Happy End aufblühen zu lassen.

☆☆☆☆
Bewertung: 4 bis 4,5 von 5 Sternen
☆☆☆☆

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Gefühl
  • Handlung
Veröffentlicht am 22.02.2020

Alice 2020 reloaded by Chess ©️Stella Tack

Night of Crowns, Band 1: Spiel um dein Schicksal
0

Eine Remis inkl. dramatischem Cliffhanger um 2 rivalisierende Internatshäuser mit Todesfluch + X(-Men) Faktor eines Schachspiels Vers. 2.0

+++++

+++ ENTHÄLT SPOILER +++

Die ...

Eine Remis inkl. dramatischem Cliffhanger um 2 rivalisierende Internatshäuser mit Todesfluch + X(-Men) Faktor eines Schachspiels Vers. 2.0

+++++

+++ ENTHÄLT SPOILER +++

Die 17jährige Highschool-Schülerin und Cheerleader Alice Salt gerät zwischen die Fronten einer unausweichlichen Schachpartie – die sich seit drei Jahrhunderten alle 30 Jahre festreglementiert wiederholt, und, in der Jäger mit den Gejagten alle 24 Stunden die Rollen tauschen. (K)ein Spiel mit steintoten Folgen: unter Fluch fließt Blut und es drohen sich nach und nach alle 32 Mitspieler zweier rivalisierender Eliteinternate gegenseitig in marmorne Statuen zu verwandeln. Ob Gut oder Böse – egal, denn der Tod ist hier immer Gewinner.
Für welche s/w Seite soll Alice, die einer seltenen Ahnenlinie entstammt, sich nur entscheiden? Hat sie überhaupt eine Wahl, oder wird sie ihr Legat antreten, um sie alle zu erlösen? Jedoch muß erst mal verstanden werden, wie der Hase... die Kampftechniken, der Kriegsbann mit all seinen Strategien, Magie, Intrigen, Kater, Hirnwäsche und 'Liebe'?... ablaufen, vor was Visionen aus der Vergangenheit warnen.
Doch wenn der Wahnsinn zum Zuhause wird und die Hölle Sinn ergibt, kann es dann überhaupt noch Rettung aus diesem Schicksalsspiel geben?

+++++

Welcher verquere (Alb)Traum hat STELLA TACK denn die Idee zu diesem Reboot von „Alice hinter den Spiegeln“ eingeflöst? Verstörende Reime und massig Spinnen, unsichtbar und doch da, welche die Protagonistin plötzlich überall hin begleiten und in die Krise treiben, die neue Art des Stalkings oder nur ominöse Vorboten? Könnte J.R.R. Tolkien bei der Autorin ein gehöriges Kindheitstrauma ausgelöst haben und diese phobische Nachtmahr fand nun endlich Aufarbeitung? Aber das ist noch das kleinste Übel...

Wer voller Spannung Schach-auf-ex oder ein Schachnovellen-Relaunch erwartet, ist fehlgeleitet, denn das Buch mit dieser Geschichte einer modernisierten Adaption des „Alice im Wunderland“-Nachfolgebandes wird hier als Alice-im-Schachwald-auf-Internatsgelände remixed und ganz neu aufgeschlagen. Auch mit dem Spieleklassiker aus dem 15.Jahrhundert hat es nur mehr sehr wenig zu tun.

Sehr vergnüglich hat sich die Autorin aus Carrolls Original bedient, sich nicht nur an dessen Motiven vergriffen, (oder doch eher danach ge-griffen?,) sondern sich zudem die inspirierendsten Pattern rausgepickt aus u.a. Die Tribute von Panem, The Twilight Saga, X-Men und Kollegen, HP & Co. – und dennoch, zu einem ganz eigenen Urban-Romantic-Fantasy-Gespinst für Jugendliche gesponnen. Hat sie damit wirklich gewonnen oder zuviel verloren?

Who the f^^k is Alice? (um es mal im Jargon der Autorin auf den Punkt zu bringen.) Hier wird sie nicht lange weißer Bauer bleiben wie im Urspungswerk. Denn als 33. Spielfigur, sog. Slave, ist sie bisher nur ein bemunkeltes Gerücht und einmalig (?). Eine unbekannte Variable in einem verfluchten Battle zwischen den amerikanischen, jahrhuntertealten Internatsfesten Chesterfield und St. Burrington, die abgeschirmt und geheimnisvoll in einem großen Waldgebiet, abseits der nächsten Stadt, liegen. Jeder der beiden Könige will Alice für sich – als Joker oder Ass im Ärmel oder eher Marionette in seinem eigenen Spiel. Ein Mädchen der besonderen Art, das Wunder, das es nicht geben dürfte, die einzige aNormale in diesem verrückten Spiel, zwischen zwei Seiten der Macht, nein, Farbe – und Jungs? eine Ménage-à-(trente-)trois?

Stella Tack präsentiert der Leserschaft mit Vincent Chesterfield (dem Weißen König und Schulsprecher) einen gebrochenen, berechnenden, düsteren, gedankenbeherrschenden „Traum in blond“, und, mit Jackson St. Burrington (Schwarzer König) zwar keinen Heiligen, aber anbetungswürdig trotz dunkler Magie und (Zigaretten)Rauch, bitter, kuchensüß, und kussecht.
Schnurrendes HIGHLIGHT: kuschelweisser Kater CURSE, der in die Fußstapfen, nope, in die Pfotenabdrücke des Katers Salem [aus der TV-Serie Sabrina–total verhext] zu treteln scheint, aber mit seinen witzigen Bonmots nebst Mentorhilfe Alice schlagfertig wie ein guter Freund auftritt, der viele Geheimnisse hegt, nicht mit allen noch über alles spricht, trotz dunklem, undurchsichtigen Schatten viel sympathischer als die Grinsekatze.

Interessant gezeichnete Gegensätze der Schachdamen:
REGINA weiße aber giftige Queen mit verhärterter, dunkler Seele;
ISOLDE/Issy, die schwarze Königin, mit Gegengift und herzlicher Fürsorge.
Ansonsten: Ein kleiner, individueller Charakterenfächer vieler Schüler der mit der Übersicht im hinteren Buchinnenfaltdeckel dieselbige behält. Jedem ist eine ganz besondere Schachfigur mit außergewöhnlichen Eigenschaften wie coolen Spezialkräften zugeordnet (vom Gestaltwandler, über den Unsichtbaren bis hin zum Elitesoldaten und und und). Mit manch einer tiefergreifenden Persönlichkeitsskizze gelingt es sogar einzelnen Internatsinsassen sporadisch zu berühren.

+++++

Dem ersten Drittel fehlt ein wenig Zug. Was von Alice gehalten werden soll, ambivalent, denn teilweise mag man sie, streckenweise entsetzte mich ihr unreifes, ja naives Verhalten. Da ist dieses bewunderswerte Herausbrechen, dieser energische Tatkraft-Aufschwung einer selbstbewußt mutig werdenden und entschiedenen Frau, der: ‚ich-hole-mir-mein-Leben-endlich-zurück‘-Alice. DA wird sie ganz groß – um flugs wieder zu schrumpfen. Wie im Original eben – oder unbeabsichtig? Was auch total am Anfang verwunderte: ihre "BadumBadum"-(Herzschlaggefühl)-Ignoranz und Hinwendung zur "Tinnitus"-Verblendung (in Anführungszeichen Buchzitate).
Negativ mit welcher Selbstverständlichkeit vom Morden gesprochen wird und Alice all das so für gegeben hinnimmt, voller Bereitschaft, ohne jegliche Widerworte - wir reden hier von Menschen!, keine zu vernichtenden Ungeheuern; auch sie sind vom Fluch betroffen, gefangene Opfer des gleichen Schicksals – in einem Zusammen nach Lösungen zu suchen gibt es nicht. Kein Aufbegehr – dafür schmachtVerzehr nach blondiertem "Venusfliegenfalle-Hirnparasit" wegen Gedankenmanipulation, selbstständiges Überlegen und Orientierung fällt da natürlich schwer. Die Entwicklung zu einer Frau mit Köpfchen, die nach Lösungen sucht, um etwas aktiv zu verändern, eine an Stärke gewinnendes junges großes Mädchen, die sich selbst treu bleibt - erhält man nicht, welch Enttäuschung daß dieser Dämmerschlaf-Prozess sich einfach viel zu lange hinzieht.
Im Folgenden pendelt Alice nur mehr als Spielfigur vom einen, dann im Spielfigur-FarbWechsel zum anderen, und zwischendurch herrscht ein nicht nachvollziehbares Rumgezicke im Wutmodus (ab Mitte des Buches), eine Haltung, die sich weigert die ernst, traurige Tragweite zu verstehen, seltsam unvernünfig, unbedacht, empathielos. Ganz anders wie die Alice vom Anfang. Im bewegenden Cliffhanger ist die starke Alice wieder zurück und richtet endlich ihre Prioritäten.

Verrückt, oder simpel: die philosophische Frage von Wahrnehmung und Erkenntnis. Vieles nicht für Alice (oder , schade, viel zu spät, erst ganz am Ende), aber für den Leser vorhersehbar und bereits offensichtlich mit der Aktion, als Vince sie in den Schlaf per geistigem Befehl schickt. Deutlicher könnte es über den weiteren Zeitraum hinweg die Autorin doch gar nicht verklickern (Nebel, Migräne, Nadelstiche u. Watte im Hirn, Sirren im Ohr...).
Und das hat Stella Tack immens gut drauf: hervorragend wie sie diese ganz besonderen Trans shif-Momente zu beschreiben und einzufangen vermag, Augenblicke, (vergleichbar mit dem Überziehen des einen Ringes,) diese Sphären/Atmosphären-Verschiebung und Veränderung, dieses Eintauchen in aufziehende Kälte/Dunst/Bedrohlichkeit/Verdüsterung in teils Matrix-die Welt steht still-/Zeitverzögerungs-Stil.

Mittels geschickt eingewobenen Traumvisionen aus der Vergangenheit, in denen Alice in die Rolle einer Madelyn versetzt wird und Madelyn selbst direkten Kontakt mit Alice sucht, führt die Autorin das damalige Geschehen rund um die Entstehungsgeschichte des Blutfluches und der Sklaven eindrücklich aus, um ihr als Warnung und Wegweiser zu fungieren.

Es tritt zwar schon ein kurzes, prägnantes Aufmerken, ein Erkennen, auf, doch bleibt Alice nicht bei sich, sondern verfällt wieder in "Kopfschmerz"-Schema-F, und daß sie hier nicht entwachsen kann, hemmt enorm ihr Potential. Es stagniert als ledigliche Wahrnehmung, ohne wirklich wertendem Bewußtsein.
So unausgewogen und gleichgewichtslos wie Alices Charakter und Gebaren wirken, so verhält es sich bedauerlicherweise auch mit dem SPRACHSTIL. Dies spiegelt sich dort einerseits zwar lobenswert durch spritzige und schlagfertige Beschreibungen, andererseits aber sabotierend in maßlosen Wortwiederholungen und der einfachen und flacher Ausdruckweise,
z..Bsp. auffällig: 45x „Schei-e“(w/sollte hier ein Rekord aufgestellt werden?), 21x "F^^k", auch der Einsatz anderer, immerzu der gleichen Worte (fauchen, huschen, nuscheln, ...), genauso wie über dutzend Fehlerteufel. Warum ist die „4“ ausgeblieben und es folgt auf „Spielregeln im Überblick 3“ „Spielregeln im Überblick 5“? Verantwortlich dafür das vom Ravensburger Verlag bestimmte Lektorat unter Sarah Heidelberger? Einfach unverständlich, warum vor Druck des Buches nicht einfach nochmal das Skript überarbeitet und ausgebaut wurde. Monotone Flüche pfui, außen hui:
Das COVER ist schmuck gestaltet mit rauchsilbern-schimmernden GlitzerGlam-Effekt-Applikationen und Buchüberschrift im Reliefdruck. TOP: im stabilen Klappbrochureformat.

Auch wenn der Serientitel auf Englisch ist (Night Of Crowns) – nicht irritieren lassen: der Band IST auf Deutsch und auch keine Übersetzung, wenngleich das Setting in die USA verlegt und dementsprechend Namen o.dergl. anglisiert sind. Eigentlich schade, weil: so was von gängig. Hätte Stella Tack ihren Roman sich in Deutschland abspielen lassen, (Internate gibt es auch hier; in Kombi von z.B. No-Go-Areas, Gangs, Familienclans, ...), das wäre mal was Neues und ein WOW geworden.

Auszüge aus dem Spielerhandbuch zu diesem außergewöhnlichen Schachspiel fassen nochmal Regeln, die einzelnen Spielfiguren und deren Fähigkeiten zusammen, sind daher für eine Zusammenschau exquisit aber, da ab Mitte des Buches zwischen Kapiteln, umständlich rauszusuchen.
Perfekt wäre es gewesen und viel praktischer zum Spicken und Blättern, überdies kultiger, sie nachschlagen zu können, separat in einer Extra-Beilage en miniature, etwa einem hineingeschobenen LEPORELLO auf der Buchrückseite.

Anmerkung:
"schachmatt" bedeutet keineswegs tot an sich, sondern: besiegt, außer Gefecht, kampfunfähig, dem König ist es nicht mehr möglich, einen Zug zu setzen (weder hinsichtl. Flucht, noch Abwehr) -- deshalb hätte sich die Autorin einen geänderten Begriff ausdenken müssen, da sie sowieso eine ganz eigene Schach-Version entwickelt hat.

+++++

Ziemlich abgefahren, Fantasie, Märchen, Realität, Wahnsinn... so verrückt, daß es schon wieder fast gut sein könnte. Lewis Carroll würde sich im Grabe rumdrehen vor lauter Kopfschütteln – oder, auf diese hippe Youngster-Hommage an ihn eifersüchtig werden?! Was ich von diesem Machwerk des quirligen Schreibwesens, genannt Stella Tack, halten soll... wird mir definitiv erst Teil 2 Aufschluß bringen.
Gen Ende konnte die Prota ja wenigstens (wenn auch unbeabsichtig) die Puppenfäden kappen. Wird Alice SALT im Abgang dieser Dilogie uns alle doch noch überraschen und ihren ganz eigenen Weg finden, um dem Fluch aber gehörig die Blut-Versteinerungs-Suppe zu versalzen? Wird sie das oder den oder die finden, auf deren Suche sie nun aufgebrochen ist, und v.a. sich selbst?

Mit Befürchtung ist um dieses Buch ein Hype-Ausbruch zu erwarten... dem Computerspiele od. filme folgen könnten; oh Graus, statt Eulen, Lamas,.. bestimmen bald Spinnen-Accessoires den Trend, Teens skandieren auswendig im geflüsterten Sprechchor das 2-Strophen-Fluchgedicht sowie den 3zeiligen Versreim auf Latein ... freaky T-Shirts mit Team Vince-White, Team Jack-Black, Bettwäsche gekrönt von Knuddelkater CURSE …

F A Z I T :
Ein streitbares Buch. Hier mutiert Schach zu einer lebendig gewordenen Welt mit Realfiguren und zum wirklichen Kriegsstrategenspiel samt Manipulationen ohne Ende bei unberechenbarem Ausgang. Für Urban Fantasy Fans und solchen von Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“, Manga, Tribute von Panem, Twighlight,... eine krude Story mit zart-prickelnder Romantik, Klischees, Magie, Action und Fähigkeiten der besonderen Art.
Warnung: Schachbegeisterte werden entgeistert sein über die neuen Spielregeln, die sogar in einer Buchszene das reguläre Brettspiel bestimmen, das Superkraft-Können der Spielfiguren und v.a. Stellas Clou der Einführung der Spielfigur mit dem fürchterlichen Namen Slave. Der schnufflig-smarte sprechende Kater CURSE macht diese Geschichte vielleicht allein lesenswert. Lesen also doch? und darüber diskutieren. Zum Rätseln und Theorien-aufstellen, einfach nur belletristische Unterhaltungsflucht, oder versteckte Kritik an einer high-Gesellschaft, die zu oft blind Einflüsterungen Gehorsam leistet. Macht euch selbst ein Bild davon, aber seid gefeit: Spaß und Schrecken sind nicht weit.

HINWEIS:
Nicht abgeschlossen, enthält Cliffhanger zu NIGHT OF CROWNS, Bd. 2: Kämpf um dein Herz / 01. Dez.2020.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.02.2020

leidenschaftlicher Appell für die Rechte der Tiere und eine Ausmerzung jedweder Quälereien – Mensch denke um!

Dr. Rodolfo, Anwalt der Tiere, verklagt den Menschen
0

Kurzmeinung:
ungewöhnliche Erzählperspektive intensiviert Einblick in die übelkeiterregende Folter-Realität des Alltags geschundener Tiere

Dem Autor nach ist der Begriff „Menschen“ verfehlt, „Raubtiere“ ...

Kurzmeinung:
ungewöhnliche Erzählperspektive intensiviert Einblick in die übelkeiterregende Folter-Realität des Alltags geschundener Tiere

Dem Autor nach ist der Begriff „Menschen“ verfehlt, „Raubtiere“ für sie wäre passender. Nach der Lektüre der zahlreichen Schilderungen über übelste Körperqualen, maßlose Schmerzen, immense Enge, Angst und Horror aus der Sicht und Gefühlswelt der Tiere kommt man/frau zu dem Schluß: nein, das ist eine Beleidigung für die Raubtiere-Fraktion, Menschen sind regelrecht krank vor Gier nach Geld und (Lust-)Gewinn jedweder Weise, ohne Geist wie vom Teufel besessen, da wäre ja die Beschimpfung als Bestie noch ein Loblied auf sie.

Wie geht der Mensch nur mit den Tieren und der Umwelt um, und das auch noch in einem erschreckenden, routinierten Vorgehen, nicht nur bzgl. Massenabfertigung, die tagtäglich von statten geht - was für Sünden laden wir uns auf (evtl. sogar unbewußt)?!

Um dies in aller Deutlichkeit und Direktheit zu transferieren, um den Tieren eine Stimme zu geben, entschied sich der Autor für eine sehr ungewöhnliche Erzählperspektive, die aber gerade dadurch eine ganz eigene nachdrückliche Dimension eröffnet. Denn läßt sich Leser auf diesen Wartenwechsel ein, entsteht dadurch ein dichterer, unmittelbarer Blick und Wirkung – hier sind es nämlich die Tiere selbst, die wortwörtlich zu Worte kommen.

Jürgen Zwilling nahm seinen eigenen schwarzen, grünäugigen Streunerkater nicht nur für das Cover, sondern als gleichnamiges Vorbild für den Protagonisten Dr. Rodolfo: dieser ist studierter und promovierter Jurist, betreibt eine Anwaltskanzlei zur Durchsetzung von Rechten und Abschaffung von Gräueltaten. Seine assistierende Kollegin dabei ist Katzentigerin Mimi, die eine Art von philosophischen Gedanken und Gedichte zwischenstreut. In einzelnen Kapiteln berichtet die Klientel, - Tiere aller Klassen -, ihr individuelles Leid in expliziten Details dem Rechtsanwalt, gewährt damit Einsicht in ihr ‚Leben‘ (was keines ist) und erbittet Mandatsübernahme.

Im Eingang des Gesprächs sind für jede einzelne Tier’gattung‘ teils mehr, teils knapper konsise Fakten zur Biologie, nebst dem natürlichen Lebensraum, zusammengeführt, sowie mit Zahlen, Daten, Gerichtsurteilen bereichert.

Einem Mantra gleich wiederholt jedes Kapitelende, daß Dr. Rodolfo den jeweiligen Fall übernimmt, er stellt Strafantrag, um zivilstrafrechtlich vorzugehen, verklagt die Menschheit entsprechend dem Strafgesetzbuch auf Mord, Körperverletzung, unterlassene Hilfeleistung, usw.usf..

Was man/frau dem Autor sehr deutlich anmerkt während des Lesens: er hegt beachtliches Einfühlungsvermögen und Liebe für alle tierischen Geschöpfe; sie haben eine Seele und Gefühle, sind wertvolle Lebewesen.
Der Mensch ist ein Folterer und Zerstörer sondersgleichen, der ohne jegliche Gefühlsaufwallung barbarische Qualen und Schmerzzufügungen an Tieren aller Spezien auf der ganzen Welt und der Natur wie selbstverständlich praktiziert, und somit begeht er auch unweigerlichen und gezielten Selbstmord. Ausquetschung des jeweiligen Tages bis zum letzten (Bluts-)Tropfen, Konsequenzen auch hinsichtl. Naturbelastungen und Ressourcenplünderung irrelevant, Gewissen nicht vorhanden, ein abgestumpfter Konsument, Prassen bis zum geht nicht mehr und ein schwelgend-ausuferndes Luxusleben ohne jedweden Sinn noch Verstand.

Darüberhinaus richtet der Autor den Spot auf das Tierschutzgesetz, welches, anstelle die Tiere zu schützen, eher juristische Hintertüren öffnet für die Grausamkeiten am Tier und sie damit sogar legitimiert (Bsp.: horrible, bestialische Schlachtmethoden, Schächten, Umstände in der Massen-/ oder allgemeinen Tierhaltung.)

Was sich v.a. ändern muß: der Rechtsstaat, der gar keiner ist, weil er Spielräume schafft und scheitert beim Durchsetzen neuer Regelungen (als Bsp.: Kükenschreddern oder Schweinemastzucht).

Selbst mit der Frage, ob es eine Tierethik gibt, setzt sich Jürgen Zwilling auseinander. Dabei legt er dar, daß keine gelebte praktische, sondern lediglich eine akademisch theoretische exsistiert.
Der Mensch ist von niederen Beweggründen geleitet (ein Profitjunkie, Neider, Machtbesessender, ein nie zufriedenstellbarer Unersättlicher) - Ethik, Humanität sind ihm Fremdwörter solange sie nicht unmittelbar ihn betreffen. Denn der Mensch sieht nur sich selbst, sein momentanes Los, seine eigenen Bedürfnisse. Das Handeln, keinem Tier (noch Zweibeiner) Leid anzutun, bedarf einer stetigen Reflektion auf sich selbst.

Als unbedingte Pflichtlektüre im Schulunterricht empfiehlt sich dieses wichtige Buch, um als aufrüttelnder Schock-Weckruf noch rechtzeitig Aufmerksamkeit und Bewußtsein zu schüren und sich mit diesem Lebens-Thema auseinanderzusetzen, über die eigene Gedankenhaltung Gewissensforschung zu betreiben.
Vorraussetzung für schulischen Einsatz ist eine Überarbeitung: vor Neuauflage ist der Lesestoff von vorne bis hinten auf alle Druck-Schreib-& Genitiv-fehler zu durchforsten (an die 100 sind wirklich zu viele). Evtl. könnte sich zudem noch etwas einfallen gelassen werden, um die wiederholten Einheitsabsätze im Abschluß eines jeden Kapitels verkürzt darzustellen?

Dem Autor geht es bei seinem Aufschrei nicht darum, von Heute auf Morgen ins Extreme zu ziehen, aber, wenn Fleisch, dann bewußt, weniger ist mehr, d.h. nur einmal die Woche und, wenn auch teurer, von regionalen Bio-‚glücklichen‘ Tieren eines bekannten Hof-Bauern um die Ecke (um die Zustände vor Ort zu sehen). Bei seinem persönliche Einkaufsverhalten im Kleinen beginnen, z.B. auf Biokäseprodukte von mikrobiellen Lab (statt tierischem), auf Wein mit Vegan-Label achten, VERZICHTen auf Fisch aus Aquakultur, auf halal-Produkte, auf Büffel-Mozzarella, auf Plastik, auf Echtpelz, auf chinesisch-tierische „Arzneien“, u.dergl. ... genauer hinsehen, sich selbst fortwährend informieren, und viele weitere Schritte unternehmen.

F A Z I T :
Für die/den eine/n Auffrischung mit sogar neuen Details, für andere womöglich grausames Neuland, als unbedingte Pflichtlektüre für den Schulunterricht empfehlenswert (nach Überarbeitung in 2.Auflage)!

Portraits aus einem Gruselkabinett im Umgang mit Tieren in Realität und gelebter ‚Normalität‘(!) – außergewöhnlich aufgrund der tierischen Perspektive, vertreten vom einzigen Fachanwalt, selbst Kater, der die Sprache der Tiere versteht.
Tiere sind Lebewesen! – keine Sache, Rohstoff, billige Wegwerf-Produkte. Dafür ein Umdenken und Bewußtsein zu entwickeln fordert dieses Buch mit Vehemenz auf.
Ein Plädoyer für die Tiere, eine Anklage des sog. Menschen.
Bis ultimo und dann... wird homo sapiens sich selbst und seine Nachkommen vernichtet haben. Ob sich der zerstörte, ruinierte blaue Planet je wieder erholen wird können, bevor ihm eine sich ausdehnende Sonne habhaft wird? Ohne Mensch... besteht vielleicht ein Schimmer Hoffnung. Oder, mit einem neuen Menschen der Gegenwart, der geläutert jedes Leid an Tieren, an der Umwelt wie an seiner eigenen Spezies, ab heute und für eine Zukunft, unterläßt und anfängt, aufzuräumen.

Für alle jene, die ihre Witze über Veganer reißen und für das Schächten/halal sind, ist Folgendes Pflichtprogramm: ZDF-Reportage (2020) „37°: Tiertransporte grenzenlos- Leder für Deutschland“. SCHAUT es Euch an!! und DENKT endlich UM!

Ausblick:
Im bald erscheinenden Nachfolgebuch „Katze Mimis tierischer Menschblick, eine Reise durch die Welt“ wird das Betragen des Menschen aus der Sicht der Tiere beurteilt, mit Schwerpunkt Naturleid – unterstützt wird die Protagonistin mit juristischem Ratschlag vom zeitungslesenden und Presseberichte verfolgenden Dr. Rodolfo.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere