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Veröffentlicht am 21.02.2020

leidenschaftlicher Appell für die Rechte der Tiere und eine Ausmerzung jedweder Quälereien – Mensch denke um!

Dr. Rodolfo, Anwalt der Tiere, verklagt den Menschen
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Kurzmeinung:
ungewöhnliche Erzählperspektive intensiviert Einblick in die übelkeiterregende Folter-Realität des Alltags geschundener Tiere

Dem Autor nach ist der Begriff „Menschen“ verfehlt, „Raubtiere“ ...

Kurzmeinung:
ungewöhnliche Erzählperspektive intensiviert Einblick in die übelkeiterregende Folter-Realität des Alltags geschundener Tiere

Dem Autor nach ist der Begriff „Menschen“ verfehlt, „Raubtiere“ für sie wäre passender. Nach der Lektüre der zahlreichen Schilderungen über übelste Körperqualen, maßlose Schmerzen, immense Enge, Angst und Horror aus der Sicht und Gefühlswelt der Tiere kommt man/frau zu dem Schluß: nein, das ist eine Beleidigung für die Raubtiere-Fraktion, Menschen sind regelrecht krank vor Gier nach Geld und (Lust-)Gewinn jedweder Weise, ohne Geist wie vom Teufel besessen, da wäre ja die Beschimpfung als Bestie noch ein Loblied auf sie.

Wie geht der Mensch nur mit den Tieren und der Umwelt um, und das auch noch in einem erschreckenden, routinierten Vorgehen, nicht nur bzgl. Massenabfertigung, die tagtäglich von statten geht - was für Sünden laden wir uns auf (evtl. sogar unbewußt)?!

Um dies in aller Deutlichkeit und Direktheit zu transferieren, um den Tieren eine Stimme zu geben, entschied sich der Autor für eine sehr ungewöhnliche Erzählperspektive, die aber gerade dadurch eine ganz eigene nachdrückliche Dimension eröffnet. Denn läßt sich Leser auf diesen Wartenwechsel ein, entsteht dadurch ein dichterer, unmittelbarer Blick und Wirkung – hier sind es nämlich die Tiere selbst, die wortwörtlich zu Worte kommen.

Jürgen Zwilling nahm seinen eigenen schwarzen, grünäugigen Streunerkater nicht nur für das Cover, sondern als gleichnamiges Vorbild für den Protagonisten Dr. Rodolfo: dieser ist studierter und promovierter Jurist, betreibt eine Anwaltskanzlei zur Durchsetzung von Rechten und Abschaffung von Gräueltaten. Seine assistierende Kollegin dabei ist Katzentigerin Mimi, die eine Art von philosophischen Gedanken und Gedichte zwischenstreut. In einzelnen Kapiteln berichtet die Klientel, - Tiere aller Klassen -, ihr individuelles Leid in expliziten Details dem Rechtsanwalt, gewährt damit Einsicht in ihr ‚Leben‘ (was keines ist) und erbittet Mandatsübernahme.

Im Eingang des Gesprächs sind für jede einzelne Tier’gattung‘ teils mehr, teils knapper konsise Fakten zur Biologie, nebst dem natürlichen Lebensraum, zusammengeführt, sowie mit Zahlen, Daten, Gerichtsurteilen bereichert.

Einem Mantra gleich wiederholt jedes Kapitelende, daß Dr. Rodolfo den jeweiligen Fall übernimmt, er stellt Strafantrag, um zivilstrafrechtlich vorzugehen, verklagt die Menschheit entsprechend dem Strafgesetzbuch auf Mord, Körperverletzung, unterlassene Hilfeleistung, usw.usf..

Was man/frau dem Autor sehr deutlich anmerkt während des Lesens: er hegt beachtliches Einfühlungsvermögen und Liebe für alle tierischen Geschöpfe; sie haben eine Seele und Gefühle, sind wertvolle Lebewesen.
Der Mensch ist ein Folterer und Zerstörer sondersgleichen, der ohne jegliche Gefühlsaufwallung barbarische Qualen und Schmerzzufügungen an Tieren aller Spezien auf der ganzen Welt und der Natur wie selbstverständlich praktiziert, und somit begeht er auch unweigerlichen und gezielten Selbstmord. Ausquetschung des jeweiligen Tages bis zum letzten (Bluts-)Tropfen, Konsequenzen auch hinsichtl. Naturbelastungen und Ressourcenplünderung irrelevant, Gewissen nicht vorhanden, ein abgestumpfter Konsument, Prassen bis zum geht nicht mehr und ein schwelgend-ausuferndes Luxusleben ohne jedweden Sinn noch Verstand.

Darüberhinaus richtet der Autor den Spot auf das Tierschutzgesetz, welches, anstelle die Tiere zu schützen, eher juristische Hintertüren öffnet für die Grausamkeiten am Tier und sie damit sogar legitimiert (Bsp.: horrible, bestialische Schlachtmethoden, Schächten, Umstände in der Massen-/ oder allgemeinen Tierhaltung.)

Was sich v.a. ändern muß: der Rechtsstaat, der gar keiner ist, weil er Spielräume schafft und scheitert beim Durchsetzen neuer Regelungen (als Bsp.: Kükenschreddern oder Schweinemastzucht).

Selbst mit der Frage, ob es eine Tierethik gibt, setzt sich Jürgen Zwilling auseinander. Dabei legt er dar, daß keine gelebte praktische, sondern lediglich eine akademisch theoretische exsistiert.
Der Mensch ist von niederen Beweggründen geleitet (ein Profitjunkie, Neider, Machtbesessender, ein nie zufriedenstellbarer Unersättlicher) - Ethik, Humanität sind ihm Fremdwörter solange sie nicht unmittelbar ihn betreffen. Denn der Mensch sieht nur sich selbst, sein momentanes Los, seine eigenen Bedürfnisse. Das Handeln, keinem Tier (noch Zweibeiner) Leid anzutun, bedarf einer stetigen Reflektion auf sich selbst.

Als unbedingte Pflichtlektüre im Schulunterricht empfiehlt sich dieses wichtige Buch, um als aufrüttelnder Schock-Weckruf noch rechtzeitig Aufmerksamkeit und Bewußtsein zu schüren und sich mit diesem Lebens-Thema auseinanderzusetzen, über die eigene Gedankenhaltung Gewissensforschung zu betreiben.
Vorraussetzung für schulischen Einsatz ist eine Überarbeitung: vor Neuauflage ist der Lesestoff von vorne bis hinten auf alle Druck-Schreib-& Genitiv-fehler zu durchforsten (an die 100 sind wirklich zu viele). Evtl. könnte sich zudem noch etwas einfallen gelassen werden, um die wiederholten Einheitsabsätze im Abschluß eines jeden Kapitels verkürzt darzustellen?

Dem Autor geht es bei seinem Aufschrei nicht darum, von Heute auf Morgen ins Extreme zu ziehen, aber, wenn Fleisch, dann bewußt, weniger ist mehr, d.h. nur einmal die Woche und, wenn auch teurer, von regionalen Bio-‚glücklichen‘ Tieren eines bekannten Hof-Bauern um die Ecke (um die Zustände vor Ort zu sehen). Bei seinem persönliche Einkaufsverhalten im Kleinen beginnen, z.B. auf Biokäseprodukte von mikrobiellen Lab (statt tierischem), auf Wein mit Vegan-Label achten, VERZICHTen auf Fisch aus Aquakultur, auf halal-Produkte, auf Büffel-Mozzarella, auf Plastik, auf Echtpelz, auf chinesisch-tierische „Arzneien“, u.dergl. ... genauer hinsehen, sich selbst fortwährend informieren, und viele weitere Schritte unternehmen.

F A Z I T :
Für die/den eine/n Auffrischung mit sogar neuen Details, für andere womöglich grausames Neuland, als unbedingte Pflichtlektüre für den Schulunterricht empfehlenswert (nach Überarbeitung in 2.Auflage)!

Portraits aus einem Gruselkabinett im Umgang mit Tieren in Realität und gelebter ‚Normalität‘(!) – außergewöhnlich aufgrund der tierischen Perspektive, vertreten vom einzigen Fachanwalt, selbst Kater, der die Sprache der Tiere versteht.
Tiere sind Lebewesen! – keine Sache, Rohstoff, billige Wegwerf-Produkte. Dafür ein Umdenken und Bewußtsein zu entwickeln fordert dieses Buch mit Vehemenz auf.
Ein Plädoyer für die Tiere, eine Anklage des sog. Menschen.
Bis ultimo und dann... wird homo sapiens sich selbst und seine Nachkommen vernichtet haben. Ob sich der zerstörte, ruinierte blaue Planet je wieder erholen wird können, bevor ihm eine sich ausdehnende Sonne habhaft wird? Ohne Mensch... besteht vielleicht ein Schimmer Hoffnung. Oder, mit einem neuen Menschen der Gegenwart, der geläutert jedes Leid an Tieren, an der Umwelt wie an seiner eigenen Spezies, ab heute und für eine Zukunft, unterläßt und anfängt, aufzuräumen.

Für alle jene, die ihre Witze über Veganer reißen und für das Schächten/halal sind, ist Folgendes Pflichtprogramm: ZDF-Reportage (2020) „37°: Tiertransporte grenzenlos- Leder für Deutschland“. SCHAUT es Euch an!! und DENKT endlich UM!

Ausblick:
Im bald erscheinenden Nachfolgebuch „Katze Mimis tierischer Menschblick, eine Reise durch die Welt“ wird das Betragen des Menschen aus der Sicht der Tiere beurteilt, mit Schwerpunkt Naturleid – unterstützt wird die Protagonistin mit juristischem Ratschlag vom zeitungslesenden und Presseberichte verfolgenden Dr. Rodolfo.

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 20.01.2020

Schwanger um jeden Preis?

Kalter Zwilling
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Jetzt endlich (Jan.2020) auch als Hörbuch erhältlich:
"Kalter Zwilling" ist nach „Der Puzzelmörder von Zons“ und „Erntezeit (vormals: Der Sichelmörder von Zons)“ der dritte Band der mittlerweile bereits ...

Jetzt endlich (Jan.2020) auch als Hörbuch erhältlich:
"Kalter Zwilling" ist nach „Der Puzzelmörder von Zons“ und „Erntezeit (vormals: Der Sichelmörder von Zons)“ der dritte Band der mittlerweile bereits 9 Teile umfassenden und Jahr um Jahr fortgesetzten Thriller-Reihe, die sich um das kleine mittelalterliche Städtchen Zons abspielt. ZONS ist ein realer Ort, der am Niederrhein zwischen Düsseldorf und Köln liegt und Sehenswürdigkeiten wie Bauwerke bietet, deren geschichtliche Hintergründe in diese Thriller informativ einfließen - und somit ein bißchen historisches Sightseeing mal von einer ganz besonderen, spannenden, sogar einprägsameren Art aufbereitet wird. Ein Lageplan des Ortes liefert i.Ü. Band 1.

Falls jemand sich eher nicht für das MA begeistern kann:
Catherine Shepherd schreibt gleichzeitig noch an zwei weiteren Thriller-Serien (eine um die Berliner Spezialermittlerin Laura Kern, die andere um die Kölner Rechtsmedizinerin Julia Schwarz), die beide auch jährlich je um ein Buch Erweiterung finden.

Die jeweiligen Bände sind, in Hinblick auf die einzelnen Kriminalfälle, in sich abgeschlossen und unabhängig voneinander lesbar. Da aber auf die Vorgänger Bezug genommen wird und damit deren Mörder, resp. die Auflösung gespoilert werden, ist wohl zu einer chronologischen Vor-Lesehaltung zu tendieren. Davon abgesehen entwickeln sich gewisse Rahmenhandlungen, resp. der Protagonistenkreis fortwährend weiter.
In der Vergangenheit des Mittelalters löst jeweils Bastian Mühlenberg von der Zonser Stadtwache Fälle auf, die packend verknüpft sind mit solchen der heutigen Gegenwart, in welcher der Kriminalkommissar Oliver Bergmann ermittelt, die Journalismus-Studentin Emily Richter recherchiert und, im Laufe der Serie, aus diesen beiden ein Paar wird.
Noch zur Info:
Die beiden Vorgänger (Bd. 1 und 2) dieser Reihe sind momentan nur als Download über audible (!) verfügbar, dafür ungekürzt (Erzähler dort: Josef Vossenkuhl).

Beim Hörbuch KALTER ZWILLING handelt es sich um eine lediglich um 11 Min. gekürzte Ausgabe mit ca. 8 Stunden auf einer MP3-CD; die Download-Variante der Online-Buchhändler ist ungekürzt.
Der in Schauspiel ausgebildet, versiert und selbst darüber lehrende Wolfgang Berger spricht sehr klar und deutlich; es ist nicht zu schnell, schon gar nicht monoton, gelesen, denn er weiß gekonnt mittels seiner Stimmmodulation einzelnen Charakteren Leben einzuhauchen, somit Szenen angemessen zu inszenieren.
Top: Auf eine unangenehme Geräuschkulisse oder eingeschobene Möchtegern-Jingles wurde verzichtet.

Extra lobenswert ist zudem die Entscheidung, die hochsensible Scheibe NICHT in einem ollen Pappschuber einzupferchen, sondern hier ist die MP3-CD in sogar einer klassischen Hartplastik CD-Hülle mit Aufsteckmodul (jewel case) kratzsicher aufbewahrbar.
Absolut vortrefflich wäre es, dies beizubehalten und sie auch mal noch mit einem mehrseitigen Info- od. Glossar-booklet auszustatten (z.B. für diesen dritten Band mit noch mehr komprimierten Wissensfakten rund um IvF / seit wann?, wo sind die größten Samenbanken?, zur gesetzlichen Lage in D, in Europa!, Der Trend in GB, wo Mütter für ihre Töchter ihre Eizellen einfrieren lassen; Wer hat‘s eigentl. erfunden?, „Befruchtungstourismus“ / Phänomenales wie Obskures zur Zwillingsforschung, usw.usf.).

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Seit mehr als 40 Jahren wird die künstliche oder Reagenzglasbefruchtung (sprich: IVF = In-vitro-Fertilisation) zur Kinderwunscherfüllung praktiziert. Seitdem sind so, -- gemäß Stand 2016,-- weltweit 6,5 Millionen Kinder zur Welt gekommen. Etwa jede fünfte Reagenzglasbefruchtung führt zu Zwillingsgeburten.

Eizellspenden sind in Europa unterschiedlich geregelt - in Deutschland, wie auch etwa in der Schweiz und Italien, sind sie gesetzlich verboten (d.h.: einer Frau dürfen lt. dem Embryonenschutzgesetz nur eigene, künstlich befruchtete Eizellen, bis zu drei, wieder eingesetzt werden.)

Als im Februar 2013 das Oberlandesgericht Hamm verfügte (Urteil I-14 U 7/12), daß der Arzt verpflichtet ist, dem Kind den Namen des anonymen Samenspenders zu nennen und damit Auskunft über seine genetische Abstammung zu gewähren, schrieb selbigen Jahres Catherine Shepherd diesen Thriller... um einen Fluch über Zwillingskinder in jeder 7.Generation, der sich nun wiederholt.

Gleich dem MA-Erzählstrang beginnt auch die Gegenwart mit einer Rückblende: ein Biologe wird seit 20 Jahren von einem Albtraum an eine Frau heimgesucht, welche damals eine Patientin in IvF-Behandlung war. Albtraumhaft geht es auch weiter mit Tötungen von Tieren im Zeitalter der Vergangenheit. Wird es noch weitere Morde geben und in wieweit hängen sie mit denen der Gegenwart zusammen? +++++

In ausgewogendem Rhythmus pendelt der Thriller zwischen den Mordfällen der Vergangenheit des Mittelalters zu denen in der heutigen Gegenwart.
Trotz selben Sprechers bleibt das Hörbuch dabei erstaunlicherweise immer übersichtlich, und es deutlich, in welchem Zeitabschnitt sich der Zuhörer momentan befindet(, da ja auch jeweils spezielle Personengruppen auftreten) - auch wenn man sich für einen noch perfekteren Lauschgenuß wohl zwei Stimmen und evtl. eine an das MA noch ergiebiger angepaßteren Ausdrucksstil wünschen könnte.

Der Thriller zeigt auf, zu was für Grausamkeiten teuflische Menschen mit „kalter Seele“ fähig sind, damals wie heute, und wie es ihnen ein erfüllendes Bedürfnis ist, einem inneren Zwang folgend, und welch sadistische Freude es ihnen bereitet, anderen, - Tieren wie Menschen,- schlimmstes Leid und brutale Qual zuzufügen.
Die Ermordungsvorgänge wie Morddetails sind fürchterlich, es wird nicht an deren realen Darstellung gespart. So kommen z.B. nicht nur Welpen schockierend zu Tode... doch beginnt das ‚Pervertierte‘ in der Gegenwart nicht schon mit dem Satz „Wählen Sie, egal, irgendeins aus – vernichten Sie den Rest“?! oder spätestens mit der Möglichkeit zur Separierung per, grundsätzlich unbegrenzt langer, Kryokonservierung -- womit die Zwillinge im Pro & Contra auch die sich abblätternde Kehrseite der Medaille von Medizin und deren Errungenschaften versinnbildlichen.

Auch in diesem Thriller von Catherine Shepherd könnte sich das Publikum, im Erzählungsstrang der Gegenwart, mal wieder bis zum Schluß nicht wirklich ganz sicher sein, wer der Täter ist.
Dennoch streut die Autorin sehr wohl einige Hinweise, anhand derer auf den wahren Serienmörder geschlossen werden kann. Und das ist m.u. das generelle Besondere der Thriller von Catherine Shepherd: sie fordert ihre Leserschaft heraus, konzentriert aufzupassen, stets objektiv und skeptisch zu bleiben, sich nichts suggerieren zu lassen, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen - denn oft ist nicht alles so, wie es erstmal scheint.

Hervorragend ist auch ihr Einbau von Wissenswertem, z.B. hier läßt sie die angehende Journalistin Emily eine Recherche mit dem Thema „Gibt es das Böse im Menschen wirklich?“ betreiben, welche fesselnde Fakten und wissenschaftliche Studien nebst neuen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Psychopathie dem Zuhörer präsentiert (u.a. Robert D. Hares Checkliste, Skala zur Psychopathie; Businesspsychopathen; Persönlickheitsprofile,-störungen und Gehirnforschung im Zusammenhang mit Psychopathen, welche man z.B. auch aktuell in der Thrillerreihe von Ellison Cooper antrifft).

Allerdings fehlen hier und da noch kleine Infoelemente, mittels derer komplementiert hätte werden können, damit, auch wenn am Ende die Auflösung schlüssig ist, wirklich jede Frage bis in ihre Einzelheiten Beantwortung findet (nur z.B. : begegnen zwei gewisse Frauen noch einem gewissen Mann?)
Weiterer Kritikpunkt:
Hinsichtl. der Konstellation Anna Winterfeld (Emilys bester Freundin) + Bastian Mühlenberg mag die Frage interessant sein: Ist es möglich, seinen Verwandten aus dem MA, bzw. solchen ihnen damals nahestehenden oder mit deren Schicksal verquickten Personen in Träumen oder Visionen zu begegnen? (Noch dazu, da es ja heute Menschen gibt, die behaupten, davon felsenburgfest davon überzeugt zu sein, bereits früher einmal gelebt zu haben. Oder: Reinkarnation, schamanenhafter Kontakt mit Verstorbenen, etc.p.p.) Dieses eigentlich geniale Konzept soll nochmal auf anderer Ebene Perspektiven in die Vergangenheit wie Zukunft, bzw. Gegenwart ausleuchten, um sich dem Täter anzunähern. Aber, dies ist eher nur angeschnitten eingeflossen, noch dazu als romanzierte Sehnsucht dargestellt, wobei doch Bastian in glücklicher Beziehung ist.
Hier, in diesem sich durch die Zons-Thriller-Reihe durchziehenden mystischen Erzählfaden, ist folglich unbedingt ein Ausbau notwendig, so daß er nicht nur für Quereinsteiger greifbarer werden kann und sich besser in das Gesamtwerk einflicht. Und, es aufgrund der bestehenden Partnerschaften auf eher Freundschaft belassen, nicht amourös-angetoucht gestalten.

Beeindruckend ist, daß der Thriller mit einem Eierklau und Fluch beginnt und gewissermaßen auch so Ausgang findet. Auch wenn die Autorin nie Partei ergreift, scheut sie sich nicht das brennende Eisen humaner Reproduktionsmedizin & –biologie anzupacken. So wirken wie ein authentischer Erfahrungsbericht die ungeschönten Einblicke in die klinische (und für Frauen unangenehm eindringliche) Prozedur, ja man vermeint all dem als Zeuge beizuwohnen. Und, es wird aufgezeigt, wie Fakten und Umstände (sogar aktuelle Schlagzeilen! bei eigen-Recherche in den Medien) neutralen Boden verlassen und einfach für sich sprechen, was die aufstürmende Streitfrage entscheiden mag: IVF – Segen? doch vielmehr Fluch. Denn eine gefühlskalte, geschäftsmäßige, gewissenlose Massen-Handhabung auf dem Sektor IvF zeigt fast schonungslos die ‚dreckige‘ Realität, was passieren kann und sogar tatsächlich praktiziert wird, in Labors, per Gesetz, auf Patienten Wunsch, oder aus Größenwahn. Zudem verheerend, was Lügengespinste, Geheimnisse mal wieder für Ausmaße nehmen...

F A Z I T :
Für all jene, die sich gerne in der Täter-Ermittlung herausgefordert sehen gehören wohl Catherine Shepherds Publikationen zum Must-Read.
Bereits hier, in einem ihrer Anfangswerke läßt sich unglaubliches Steigerungspotenzial dieser Autorin erahnen.
Es ist nicht alles Goldmünze was glänzt.
Sehr viele, unterschiedliche Aspekte, ja ein ganzes Spektrum greift Catherine Shepherd auf, wobei wohl die aufwühlenste dabei sein, oder was aus diesem Thriller neben der Zwillingsfrage gen Ende am intensivsten mitgenommen werden kann:
IvF – eine in die Normalität eingegangene alltägliche Praxis, dessen wirkliche Brisanz erst noch die Zukunft uns vor Augen führen wird.
Catherine Shepherds Thriller entzündet beim Leser die Dringlichkeit, sich mal eingehender mit dieser Thematik zu beschäftigen, faktisch wie moralisch. Alles keine Hexerei sondern Wissenschaft, aber eine anscheinend von Anfang an verfluchte Angelegenheit, die teuflisch ausgehen kann.

++++ Bewertung 3,85 von 5 Sternen ++++

AUSBLICK:
Wolfgang Berger liest, neben diesem aktuell als Hörbuch veröffentlichten Bd.3, auch Bd.4 (Auf den Flügeln der Angst/451 Min.) und Bd. 5 der Zons-Reihe (Tiefschwarze Melodie/408 Min.), die Ende Feb. & März 2020 als gekürzte Lesung auf MP3-CDs, auch wieder mit um die 8 Stunden Länge, erscheinen werden.

Es ist anzunehmen, daß auch die Zons-Thriller-Bände 6, 7 und 8 noch als Lesung folgen werden.
Band 9 der Zons-Reihe (Sündenkammer) war bereits auf MP3 herausgekommen, und, ist auch als Hörbuch-Download in ungekürzter Lesung erhältlich.

  • Cover
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Veröffentlicht am 29.12.2019

Töten um zu beschützen?

Knochengrab
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Bei KNOCHENGRAB [Buried] handelt es sich um Band 2 der Sayer-Altair-Thriller-Reihe um die gleichnamige FBI Special Agentin.
Wer den ersten Teil nicht gelesen hat, oder dies schon länger her sein sollte, ...

Bei KNOCHENGRAB [Buried] handelt es sich um Band 2 der Sayer-Altair-Thriller-Reihe um die gleichnamige FBI Special Agentin.
Wer den ersten Teil nicht gelesen hat, oder dies schon länger her sein sollte, findet trotzdem unumschränkt fließenden Anschluss, da, abgesehen davon, daß jedes Buch einen abgeschlossenen Fall präsentiert, hier zugegeben eine sehr gelungen, bündige eingeflochtene Zusammenfassung des ersten Bandes erfolgt.
Aber dies dient (dem Quereinsteiger) auch als Hinweis, da damit gespoilert wird (bzgl. der Auflösung zum dortigen Mörder), und deshalb wohl vorzugsweise chronologisch gelesen werden sollte.
Zudem findet die Rahmenhandlung um Sayers vor vier Jahren mysteriös ums Leben gekommenen Verlobten Jake jetzt weiter Fortgang sowie die Auswirkungen des aufgedeckten Korruptionsskandals in den Reihen des FBI.

VIRGINIA im Herbst:
Nach 6monatigem erzwungenen Innendienst aufgrund einer traumatischen Schießerei mit Verletzung wird Sayer, zum Senior beförderte Special Agentin des FBI, die sich in all der Zeit ihren wissenschaftlichen Studien zur Aufarbeitung um Serienmörder widmete, die Ermittlungen zu diesem neuen 'Knochenhöhle'-Fall übertragen:
wie steht der Cold Case um 7 skelletierte Leichen (5 männliche, 2 weibliche) mit den zwei an selbigen Ortes aufgefundenen kürzlich zu Tode geprügelten Frauen und den vier Verschwundenen (Frauen, darunter ein Kleinkind und eine vor 17 Jahren damalig 18jährige) in Verbindung? Zu schneller Aufklärung ermahnt ein auf einem Mordopfer hinterlassener Hilferuf (und -wie!- hinterlegter) das Team um Sayer Altair. Ein am Tatort entdeckter Schwertdolch griechischer Prägung und die damit verbundene Mythologie (Echidna, Opferungsrituale) könnten erste Erkenntnisse liefern...

Man bedenke: über 40.000 Frauen gelten in den USA laufend als vermisst...
Die Atmosphäre ist sehr gruselig und unheilvollgeschwängert beschrieben. Allein schon der Einstieg anhand der glaubwürdigen Schilderung des FBI-Agenten Maxwell Cho um die Verfolgung der Leichenspur sowie vor Ort des Hineinfallens in ein 7m tiefes Erdloch, und seine Wahrnehmungen dieser Situtation geht dem Leser unheimlich nahe, wirkt absolut authentisch und fast wie live, man vermeint schon, selbst mithineingestürzt zu sein, sowie, in eigener Person, im Massengrab auf unzählig brechend-knirschenden Knochenüberesten zu stehen. Beklemmende Gänsehaut stellt sich nicht nur beim Akteur sondern gleichsam beim Leser auf. Wie sich in solch einer gefährlich und schauerlichen Bredouille verhalten?! Da hilft wohl tatsächlich nur Abwarten (der Tatort darf nicht verfremdet werden) und Beten.
Und genauso geht es weiter mit den immer wieder kurz auftretenden Einschüben zu einem anderen, noch entsetzlicheren Szenario GRUBE, welches den Leser regelrecht erschütternd mitleiden läßt, was dort mit den Verschwundenen derweil geschehen ist und fortwährend passiert, denn diese Sequenzen steigern sich ins Unerträgliche, bringen aber Licht in die Hintergründe, die teilweise den parallel ermittelnden Agenten noch unschlüssig bleiben.
Die Leichenschau an sich ist schon nichts für schwache Nerven, und im Verlauf des Thrillers können dem Leser Tränen in die Augen schwellen.
Der Thriller ist durchgehend ohne Längen bemerkenswert homogen, verliert nie an Spannung, ja entwickelt mit der ersten Seite zusehends Sogwirkung, womit das Buch in einem fort durchgelesen werden will.
M.u. stellt sich hierbei dem Leser die zermürbende Gewissensfrage: Wie weit wäre man selbst bereit zu gehen, um die Menschen, die man liebt, zu beschützen?

Das Schicksal der Opfer und die Unsichtigkeit des Falles zehren an der Hauptprotagonistin und doch ist sie nicht nur menschlich sondern erstklassig auch in ihrem Job und versteht ihr unermüdliches, absolut sympathisches Team, das auch noch aufgrund momentanen Personalmangels (wegen eines zähen Ermittlungsverfahrens im Quantico-Untersuchungsausschuß) klein gehalten und damit doppelt belastet ist, stets zu motivieren, die Übersicht nächster Schritte mit Zuversicht und klarem Blick anzuvisieren und als Führungskraft zu vermitteln.

XXXXX Noch zur Charaktere:
Die ca. 30jährige Sayer Altair verlor mit 9 ihre Eltern (ihr Vater stammte aus dem Senegal) und wuchs dann bei ihren elitären Großeltern auf. Sie fährt Motorrad, liebt ihren 3beinigen, treuen Hund und jagt nicht nur fürs FBI Serienmörder sondern erforscht auch als Neurobiologin wissenschaftlich die Gehirne von Serienkillern (Bd.1) und Psychopathen (Bd.2).
In diese Analyse von Gewaltverbrechen und den Befragungsvorgang mit Probanten wird der Leserschaft hier Einblick gewährt und Sayers aktuelles Forschungsprojekt ist sehr verständlich dargelegt und äußerst aufschlussreich zu verfolgen. Beschäftigend ist die Frage, ob es der Forschung je gelingen mag, beim Blick ins Gehirn auch gute von bösen Psychopathen zu unterscheiden zur Prävention sich anbahnender Delikte.
Die Leserschaft wird sich auch über ein Wiedersehen mit ihrer Nana (der 73jährigen Sophia MacDuff), der 18jährigen Ziehtochter Adi Stephanopolous und dem Ex-Verhörspezialist und Untermieter Tino de la Vega sowie Janice Holt, die stellvertende Direktorin des FBI und ihre Chefin, freuen.

Das Team: die zarte, ca.50jährige DANA Wilbanks, forensische Anthropologin u. erfahrende Rechtsmedizinerin, die von ihrer Arbeit aus einem afrikanischen Kriegsgebiet kommt, eine Expertin wie Temperance Brennan aus BONES nur mit viel mehr Gefühl; MAXwell Cho koreanischen Einschlages, der u.a. bei der Fallschirmrettung als Rettungsspringer in einer Spezialeinheit bei der US-AirForce und heute als FBI Agent tätig ist (vllt. ein bißchen was von Kimball Cho aus The Mentalist, aber verschmitzter); EZRA Coen, bester Datentechniker & Computerexperte des FBI mit einem Trauma sondersgleichen und einem untrüglichen Lebenswillen von beeindruckenden Kampfesgeist; und auch mitfühlend die Rangerin des Nationalparkes PIPER MacLaughlin, eine die Natur liebende Einsiedlerin (die irgendwie an Brienne aus GOT erinnern mag?). XXXXX

Sehr interessant gestaltet sich die neurowissenschaftlichen Forschungen hinsichtlich Psychopathen, die im Grunde genommen bloß eine Summe ganz spezifischer Eigenschaften aufweisen (wortgewandt, narzisstisch, sich für Götter haltend, die Suche nach dem ständigen Kick, dem Hang zu lügen und der gravierenden Empathielosigkeit, manipulativ, ausnützend)
[zur Ergänzung, die Erwähnung fehlt im Krimi: das sind die Kriterien der allseits bekannten Psychopathy Checklist (PCL) des kanadischen Kriminalpsychologen Robert D. Hare von 1980, die quasi Psychopathie erkennen läßt, die hier in Europa, in der Diagnostik und Kriminalprognostik, aber erst in den letzen 15 Jahren als revidierte Version (PCL-R) Eingang fand]. Auf einen Psychopathen im Gefängnis kommen ca. 30.000 in Freiheit mit fehlerhaft arbeitendem paralimbischen System.
Wem ist noch zu trauen? wenn selbst in höchsten Geheimdienst-Kreisen Seltsames von statten geht... Nicht zu vergessen mit welch Leichtigkeit es manchen Psychopathen gelingt, ihre wirkliche Persönlichkeit zu verstellen und meisterlich zu maskieren (womit dann die Hare-Checklist gar nicht als Diagnose-Instrument zum Tragen kommen kann).

Beiseite: die eingestreuten Schilderungen zu Leichenspürhunden, die als Stöber- sich von Mantrailerhunden unterscheiden, sind faszinierend auch hinsichtlich über welch Fähigkeiten solche Hunde verfügen und gezielt ausgebildet werden können.
Wunderbar ist z.B. die vertrauens- wie liebevolle Beziehung zwischen Max und seiner Hündin dargestellt, daß er sie so gut kennt und ihre Reaktionen ganz exakt zu deuten und zu verstehen vermag, und sich damit dem Ernst der Lage voll bewußt ist, und zeitgleich die Hündin seinen diversen Anweisungen exakt Folge leistet.
Was bei Knochenmarksspende passieren kann ist wohl auch nicht jedem bewußt❗️und wird mit dieser Lektüre unvergesslich.
Ergreifend ist die Zentralaussage, daß viele die Fähigkeit zum Bösen besitzen, (zum Monster werden können,) und doch auch genauso zum Heldentum.

F A Z I T :
Die Autorin Ellison Cooper versteht brilliant ihre Fachstudien und polizeilichen Erfahrungen dem Leser verständlich und kompetent und damit in voller Authentizität zu vermitteln.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Grausam, unheimlich, real, bewegend! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Ein Must-Read für Wissbegierige! Für alle Fans von ergreifenden Thrillern um starke Frauen und der TV-Serie BONES empfehlenswert, ein Vormerker auf kommende Bände - denn wer sich hinter dem geheimnisvollen Probanden 037 (volle 40 Punkte auf der Hare-Skala; mit Verbindungen zur NSA?) verbirgt, will unbedingt erfahren werden!

Bewertung: 4,75 v. 5 Sternen

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2019

Auf dem Dach der Hölle ... Nicht von dieser Welt!

Eiskalte Hölle
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+++++ horrible - bewegend – eiskalt – herzbrechend – tiefengeschachtet +++++ 4,75 v. 5 Sternen +++++

Ein kleiner Ort im norditalienischen Hochtal, umgeben von Tausenden Hektar verscheinten Wäldern, ...

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horrible - bewegend – eiskalt – herzbrechend – tiefengeschachtet

+++++ 4,75 v. 5 Sternen +++++

Ein kleiner Ort im norditalienischen Hochtal, umgeben von Tausenden Hektar verscheinten Wäldern, vereisten Schluchten und zugefrorenen Abhängen. Und so bitterkalt ist der Winter in diesem idyllischen Paradies, daß selbst die Herzen einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft finster schlagen, denn so manch fröstelndes Geheimnis soll verborgen bleiben.

Hier übernimmt die erfahrene Commissario Teresa Battaglia, mit Frischling Ispettore Massimo Marini, die Ermittlungen zu einem ungewöhnlichen Mord, welcher die Kriminalkommissarin & Profilerin aufgrund seiner Art von Ritus, Verstümmelung und Staging nur auf weitere, kommende Tötungen schließen läßt.

Wird dieser mysteriöse Fall Teresa an physische wie psychische Grenzen treiben? Denn der Täter, der mit seiner Umwelt zu verschmelzen scheint, ist von solch andersartigem Wesen, einem Geist, welchem man so noch nie zuvor begegnet ist. Nicht von dieser Welt... ...

+++++

Ilaria Tutis Debüt EISKALTE HÖLLE (Fiori sopra l’inferno ~ Blumen über der Hölle) ist latent von unheilvoller wie düsterer Grundstimmung und schwelender Schaurigkeit spürbar durchzogen, was der Autorin ALLEIN schon per immer mal wieder kurz einfließenden Wetterlage- wie Naturbeschreibungen mit Grandezza gelingt. Und sie hätte diese auch gerne noch öfters oder ausführlicher einbringen können. Die konzise dabei facettenprächtige Darstellung des Settings im Naturgepräge, selbst bis hin zum einfallenden Buran, verdeutlicht dem Leser nur zu gut, daß die Autorin genau weiß von was sie da schreibt - ihren Wurzeln, ihrem Heimatland, ihren Bergen. Trotz dieser komprimiert gehaltenen Einschübe schimmert die omnipräsente Natur fast wie eine eigenständige und sehr wichtige Charaktere durch, anhand derer die Lebenssituationen vieler Akteure gespiegelt und somit beim Lesen noch bewußter hervorgebracht werden; zum anderen, tritt sie wie ein Mahnmal der Kostbarkeit wie Vergänglichkeit des Lebens, des Kreislaufs von Verfall und Werden auf.

Auf der allerersten einen Seite, - meine Begeisterung muß ich hier einfach zu ePapier bringen,- im Wimmern des Windes, z.Bsp., vermeint der Leser fast tote Seelen zu vernehmen, die nie zur Ruhe kommen können, so als ob es Unausgesprochenes, Verheimlichtes drängt, endlich Gehör zu finden. Geister vergangener Zeiten, Opfer der Gegenwart, Auswirkungen auf Ungeborene der Zukunft? Die Natur, der ja selbst Wunden eingeschlagen werden, scheint Trägerin, Übersetzerin, Vermittlerin eines Leids zu sein, das schwärend nie vergehen kann, einer Sehnsucht nach erlösender Gerechtigkeit, die nie verhallt, Sinnbild eines ständigen Überlebenskampfes aller. Die Natur ist auch wie eine Freundin der vier um die 10 Jahre alten Kinder (Mathias, Diego, Lucia, Oliver), die sich hier immer wieder zu friedlichen Freizeit-Treffen gemeinsam verabreden. Doch noch jemand anderes beobachtet sie. Wieso und warum? Das erste Opfer stammt schon mal aus deren Umfeld...

Der Thriller liest sich in einem fort durch, manche Kapitel sind etwas länger, manche knapp, und nicht mal der ein oder andere datierte Zeitsprung in die Vergangenheit noch das Pendeln zwischen diversen Perspektiven hemmen die Übersicht. Überhaupt läuft das Buch wie auf einer Kinoleinwand gleich einem Krimifilm vor dem geistig inneren Auge ab.

Die versierte und überlegene Teamleiterin Teresa, Jahrgang ’58, (also um die 60 Jahre alt,) an Übergewicht leidende Diabetikerin, beeindruckt mit ihrem großen Verantwortungsbewußtsein und der Anteilnahme für die Opfer gleichsam wie ihrer Empathie gegenüber den Tätern. Ein wenig harsch und grumpy arbeitet die Chefin entschlossen bis hin zur Erschöpfung für die Aufklärung dieses Falles, ohne jedoch je ihre Einfühlsamkeit zu unterlassen, wobei Kinder einen besonderen Platz in ihrem Gemüt einnehmen. Auch ihrem neuen Kollegen gegenüber, einem selbstgefälligen ‚Sturm&Drang‘-Jungspund, der sich erst noch als vertrauenswürdiger Partner beweisen muß, nimmt sie nie ein Blatt vor den Mund und läßt dann doch Nachsicht walten, fördert den ambitionierten Massimo in akkuratem Hinsehen und warnt ihn, sich nicht zu übereilter Abfertigung hinreißen zu lassen.

Der smarte Inspektor Massimo Marini ist zwar anmaßend, aber keineswegs gleichgültig sondern mitfühlend und versucht umtriebig sein Allerbestes zu geben, und überzeugt dann durch seinen weichen Kern und seiner Teresa schenkenden Loyalität. Von der Großstadt in die Provinz hatte er sich versetzen lassen, wie ein geblendetes Wildtier, ist jetzt zwar einsam aber endlich frei. Mehr über seinen wissenswerten Hintergrund werden wohl erst Folgebände preisgeben und die Leserschaft wird diesen und jene kaum erwarten können.

Die oft abweisende wie schroffe Haltung der Protagonistin erklärt sich dadurch, daß sie selbst gebeutelt ist, einerseits von einer sich verschlimmernden Krankheit, andererseits von einem ihr eingebrannten Trauer-und Traumaschmerz, der nie verschwindet, nur seine Form veränderte. Ihr wurde Verwerfliches von einer ihr nahe stehenden Person zugefügt, was den Leser erschüttert und berührt, und, das ist ihr Schatten und deshalb ist sie auch so begabt darin, Abgründe zu erkennen. Und herrausragend ist, daß Teresa dennoch nie aufgibt, sich couragiert Herausforderungen stellt, daß sie weiterhin kämpft mit sensiblem Herz und zäher Kraft einer Kriegerin. So erfechtet sie sich zudem auch mal ihre unkonventionelle Überzeugung mit voller Durchsetzungsfähigkeit, aber doch nur um das Richtige zu tun.

Die gesuchte mordende Kreatur gibt Teresa ominöse Rätsel auf, sie hält sie gar für un- oder übernatürlich, da so widersprüchlich und zweigeteilt.

Mit gespanntem Interesse und aufschlussreichem Bildungsgewinn verfolgt man als Leser, wie vorbildlich die Kriminalkommissarin mittels ihrer akribischen Beobachtungsgabe, ihres analytischen Verstandes sowie Feingespürs und eines gefächert profunden Fachwissens fortwährend und quasi von Kapitel zu Kapitel an dem Profil dieses Täters feilt, welches das Abbild dessen Psyche modeliert und damit zu seiner Identität führen kann. Tief gräbt Teresa sich methodisch wie pragmatisch in die Denkweise und das Verhalten und somit der Vorgehensweise von Serientätern, wobei sogar unbeschönigt auf zwei Realkriminalfälle (True Crime Story) Bezug genommen wird (Edmund Kemper!, Igor Rosman). Dabei bleibt sie aber ohne Mutmaßungen zu stellen auch vorsichtig, für gewagte, abwegig erscheinende Hypothesen offen, bzw. die Dringlichkeit auf eine Art Dinge zu betrachten, die man sich nicht einmal vorstellen kann.

Den Zentralkern umkreisen folgende den Leser beschäftigenden und ergreifenden Fragengeflechte:

Wie sollte ein Nest wahrhaft definiert sein? Was geht vor, wenn die Welt aus Stille, aus dem Flüstern des Windes und den Rufen der Tiere besteht?

Was ist man ohne seine Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen und Träume, worin Persönlichkeit und Würde liegen? Wie begegnet man Einsamkeit?

Der Killer entstellt grauenvoll, tötet wie eine Bestie, lädt horrible Schuld auf sich – doch, ist der Mörder wirklich ein Tier? Das eigentliche Monstrum ist hier wer? Wo, in wem, und in was ist es (noch) zu suchen?

Leadership, Schutz der Gemeinschaft, Naturverständnis, fehlende Elternliebe bilden weitere ausführende Komponenten.

Bis in die Nebenfiguren legt die Autorin eine besondere Sensibilität in die jeweilige Persönlichkeitsstruktur, sei es bspw. bei den einzelnen der vier Kinder (die angesichts gefühlskalter Eltern überleben, kämpfen und trotzdem lieben) oder beim Pathologen (Antonio Parri) der die Verstorbenen, seine Gäste, mit Respekt behandelt, und mit seiner Menschlichkeit das Institut für Rechtsmedizin adelt und ihm so einen gewissen Teil seines Schreckens nimmt.

Natürlich kommt auch die Stereotype eines eigenmächtigen Sturkopfes von Dorfpolizeivorstehers vor (Capo Knauss), der Teresas hohe Kompetenz zu untergraben sucht und ihr entgegenarbeitet, aber genau hier wird nur wiederholt Teresas Engagement betont, was ihr allen Kampf abverlangt (und somit nur ihrem Nachnamen gerecht wird).

Certo, sicherlich, man hat seine Vermutungen über den Plot, Stück für Stück setzen sich die detailreichen Teilchen wie Schneeflockenkristalle dicht um dicht zusammen; v.a. mit den eingewobenen Rückblicken in den November des Jahres 1978 auf das Treiben in einem verlassen wirkenden Waisenhaus mit angeschlossener Schule in Österreich (bereits mit Kapitel 12), und allerletztlich via den im Schreibmaschinendruck abgesetzten präzisen Aufzeichnungen von 1993 skizziert sich die Auflösung klar ab - und DOCH fährt die endliche Einfassung aller Aspekte, die psychologische Tragweite und tiefgeschachtete Auflösung mit einer derartigen Wucht unter die Haut des Lesers, daß sie einem das stockend Herz bricht und man total erschüttert in Tränenströmen im Anblick der ‚Blütenblätterblume‘ aufgelöst innehalten muß.

+++++ „Das Leben machte Angst, wenn man seinen häßlichen Seiten ins Auge sah, und dennoch blieb es heilig, unverletzlich, ein außergewöhnliches Abenteuer, dem man mit wild schlagendem Herzen und einem Sinn für das Wunderbare begegnen sollte, selbst wenn es so viel Schmerzliches bereithielt.“ (S.89). +++++

F A Z I T : Man rüste sich mit dickem Fell: dieser Thriller zieht wie kriechende Eiseskälte über den Rücken. Ilaria Tuti – ein Naturtalent, noch Geheimtipp und gewiss bald INTERnationale Bestsellerautorin zeichnet mit großer Begabung und innigem Feingefühl einen psychologischen Thriller wie ein aufsteigender Stern dieses Genres. Auf dem Dach der Hölle gelingt ihr Unglaubliches: dem Leser die Entdeckung von Blumen nahezubringen (oder dem, der sich nur auf Blumen konzentriert, die Augen durch die Oberfläche zur präsenten Hölle zu öffnen). Man merke sich ihren Namen, halte Ausschau nach ihren Werken, diese Seelenberührung und Bereicherung für ein gutsortiertes Bücherregal möchte nicht mehr gemisst werden. Auf zahlreiche Folge-Bände und eine lange Thrillerreihe: in bocca al lupo!

AUSBLICK:

Der gerade auf Italienisch erschienene zweite Teil dieser Serie von Ilaria Tuti heißt und handelt von NINFA DORMIENTE (~Schlafende Nymphe), ein Gemälde von sagenhaft magnetischer Schönheit, von einem jungen ital.Partisankämpfer in den letzten Tagen des II. WKs erarbeitet. Dieses Kunstwerk trägt jedoch in sich ein schrecklich schockierendes Geheimnis, verborgen in den roten Pigmenten auf der Leinwand – denn es wurde mit Blut gemalt, mit Blut eines menschlichen Herzens. Wem gehörte dieses Herz? Die Blutspur führt Teresa Battaglia nach Resia, einer kleinen 1200 Seelengemeinde im Nordosten Italiens - einer Enklave perfekten Genpools...

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.12.2019

Selbst schwarzer Magie gelingt nicht, die Wahrheit zum Schweigen zu verdammen

Durch Eiswüsten und Flammenmeere
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DURCH EISWÜSTEN UND FLAMMENMEERE

In seiner bereits vierten Anthologie präsentiert der DRACHENMOND Verlag diesmal 16 Neuinterpretationen & Adaptionen diverser MÄRCHEN, Sagen (griech.) & Mythen (keltisch, ...

DURCH EISWÜSTEN UND FLAMMENMEERE



In seiner bereits vierten Anthologie präsentiert der DRACHENMOND Verlag diesmal 16 Neuinterpretationen & Adaptionen diverser MÄRCHEN, Sagen (griech.) & Mythen (keltisch, irisch).

Dabei werden manchesmal sogar gleich mehrere, noch dazu in ungewöhnlicher Zusammenstellung auch aller Genre, in nur eine Geschichte verwebt; es kommt sogar zu ganz abgefahrenen, auf den Kopf gestellten, selbst bittersweeten Mischungen. En gros herrscht eher das Dunkle-Düstere vor, aber auch Witziges, Hoffnungsvolles und Unendliches, Liebenswertes, Überwältigendes, Absonderliches wie Fragwürdiges sind bestimmende Bestandteile.

Oft gedeiht das Spiel mit Märchenmotiven (Gebr.Grimm, H.C.Andersen,1001 Nacht), Sagenstoffen (Midas; Circe; Ladon, Herakles) und Mythenwelten (Morgaine, Myrddin-Merlin; Banshee) sogar regelrecht zu phantastischen Adoptionen der AutorInnen heran, zu deren ganz eigenen Kindern, zu kreativen Neuschöpfungen, die überraschen, zum Nachdenken und Diskutieren einladen, ohne Ende inspirieren, in ihrem Ideenreichtum faszinieren, aber womöglich auch mal hadern lassen.

Das besondere Hauptaugenmerk fällt auf den Perspektivenumwechsel: aus der Warte der vermeintlichen Bösewichte werden Geschichten zu ganz neuartigem Leben erweckt, der Hintergrund “Wie sind sie zu dem geworden was sie sind“ wird zum Mittelpunkt, genauso die Erkenntnis darüber, wer (oder was) denn hier überhaupt wirklich das Scheusal ist. Jede individuelle Geschichte hat (mindestens) zwei Seiten, und darüber wird hier eben das Schweigen gebrochen. Denn Märchen seien viel düsterer, als wir es uns immer eingestehen wollten (lt. Hrsg.).

XXXXX Einige Angaben und Impulse zum Index XXXXX SPOILER möglich: XXXXX

01) Die Vorgeschicht der SCHNEEKÖNIGIN, oder: Wenn man die Stärke nicht finden kann, um den Schmerz zu tragen, was gibt man dann dafür auf? ❄️
02) DORNRÖSCHENs 13.FEE – völlig zu Unrecht verschmäht! wir hatten es ja stets geahnt, Kassandras Rufen gleich, hier endlich eine Auflösung dazu - und was für eine 🌳
03) MORGAINE, stärkste Hexe aller Zirkel, möchte man nicht zur Freindin haben – kommt die HERZlose doch noch zu einem? (und was haben Merlin, JORINDE- RAPUNZEL damit zu tun?)
04) Was entdeckt (nicht nur) ROTKÄPPCHEN beim offenen Blick in die Seele der Bestie? 🐺
05) von SCHNEEWITTCHENs Sehnsucht, ihrer Nemesis und Hexenblut... (Fortsetzung folgt!)
06) RUMPELSTILZCHEN, nur verliebt, gar nicht böse? Was blutiger Goldzauber entlarvt...
07) LADON – wenn DrachenMonster über Liebe reden... fängt Herakles an, Briefe zu schreiben
08) Weberin CIRCE – von der Verfluchung kuscheligweicher Tiere und dem Silberstreifen am Schicksalsteppich-horizont... (Am „to be continued“ wird noch gestrickt)
09) Shakespearanisches Trauerspiel – Was wirklich wahre Freundschaftsbande bedeutet wurde hier gar nicht praktiziert, aber zum Theaterstück
10) ein weiteres Prequel, diesmal in marokkanisch-arabischer Version, von der SCHNEEKÖNIGIN aka Aisha Qandisha
11) Was schon immer zum Werdegang der HERZKÖNIGIN aus ALICE im steampunkigen WUNDERLAND erzählt werden wollte
12) Kann aus Entsetzlichem eine Rosen-FEE 🌹 erwachsen? ohne sie undenkbar wäre DIE SCHÖNE & DAS BIEST
13) Wenn der MOND untergeht lastet falscher EHRGEIZ auch auf anderen
14) Erklärt der Horror im BRUNNEN was Bürste, Kamm u. Spiegel der WASSERNIXE antun können?
15) Todesfee BANSHEE ... Symphonie der Seelenliebe, nicht von dieser Welt... 💔
16) Wie Scheherazade und Jeannie mit RAPUNZELs Los verknüpft sind, das hätte sich nicht mal Blaubart in 1001er Nacht erträumen können.

XXXXX XXXXX mögl. SPOILER – Ende XXXXX XXXXX

Manche Ges(ch)ichtsverwandlungen lassen das Leserpublikum nicht mehr los und wirken fast wie der erstaunliche Grundstein zu einem Epos, wie ein aufkommender Sturm zu einer Saga, ein fesselnder Aufbruch zu etwas noch Größerem.
Geschlechtermäßig ist hier wirklich alles vertreten. DIE große Hauptrolle eines hetero, asketisch, nur eine Frau liebenden Anam Cara-Helden kommt quasi nur einmal vor und ist sonst nicht wirklich, eher nur im Nebenpart, zu finden. Zentral und immer wiederkehrendes Leitmotiv sind starke Frauen, diejenigen, die über sich selbst hinauswachsen, welche, die sich dem Dunklen ihrer Seele stellen oder ihm nie mehr entziehen können, im Fluch, der Flucht ewig-verhangen, sowie stille Heldinnen, Schicksals-Rebellinnen, aber auch die Demaskierung der Bosartigkeit und die wahrhaften Dämonen stehen im Vordergrund.

Jede Geschichte wird kurz vor ihrem Beginn mit einer prägnanten, wunderbar feinen Einführung vom Herausgeber (Hr. Christian Handel) vorgestellt. Diese Einleitung wirkt wie ein kurzer persönlicher Einblick in die Vitae und andere Werke der 15 verschiedenen Autorinnen und des einen Autors, ihre Motivation zur Entstehung oder deren Ideenfindung zur Entwicklung mitinbegriffen. Somit erhält der Leser die Chance, auch schon mal vorab zu erfahren und sich einzustimmen (oder schmökert hier erst am Ende des Märchens, um zu prüfen, ob er der Quiz-Herausfordung gewachsen war) auf welche/s Märchen oder/und Sage/Mythe Bezug genommen wird. Einzigartig wäre es, wenn auch bei zukünftigen Anthologien diese Begleitung beibehalten würde.

**** F A Z I T : ****
+ ergreifend + dunkel + zauberhaft + schauderhaft + fraghaft + seelentreu + egomanisch + tragisch + bestialisch + orientalisch + divers queer abgedreht + brutal + schmerzhaft + herzzerbrechend +

Was noch nie erzählt wurde... ... aber immer schon längst hätte berichtet werden sollen.
Den Autorinnen und dem Autor/wie Herausgeber dieser Anthologie gelingt, nicht nur in ein Reich von Märchenuniversen zu entführen und das Tor für den Blick dahinter zu öffnen, der einem umtriebige Fragen über Beweggründe zu beantworten sucht, sondern Ewigkeit und Zeitenwandel, todbringende Besessenheit nebst erlösendes Recht Vergessener nahezubringen.
Für Fans ungewöhnlicher und eigenwilliger Märchen und alle Phantastik-Begeisterten mit Hang zu Anspruch.
Für jede und jeden und alle etwas dabei, und sicherlich auch die ein oder andere absolut neue Lieblingsgeschichte – und nur wegen ihr allein mag das Buch schon einen Kauf und alle Sterne wert sein!

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