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Veröffentlicht am 19.05.2020

Starke Symbolik auch über den Inhalt des Buches hinaus

Das Tor
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Die Autorin Basma Abdel Aziz lässt mich nach der Lektüre von “Das Tor” in einem etwas hilflosen Zustand zurück. Und doch passt dieser Zustand auf erschreckende Art und Weise wunderbar zur Thematik des ...

Die Autorin Basma Abdel Aziz lässt mich nach der Lektüre von “Das Tor” in einem etwas hilflosen Zustand zurück. Und doch passt dieser Zustand auf erschreckende Art und Weise wunderbar zur Thematik des Buches: Die Autorin entwirft eine dystopische Geschichte rund um das Tor, zu dem die Bürger des nicht näher benannten Landes wegen jeder Kleinigkeit müssen, um sich eine Genehmigung des Staates zu holen – und zwar für fast alle Aspekte des Lebens, begonnen bei der Erlaubnis Brot zu kaufen bis hin zur Erlaubnis lebensrettender Operationen. Das Problem: Das Tor hat sich seit Niederschlagung der Revolution nicht mehr geöffnet und die Schlange vor dem Tor wird von Tag zu Tag länger.

Die Autorin kreirt eine sehr starke Symbolik, um die Zustände des totalitären Staates zu versinnbildlichen. Diese Symbolik scheint aber weit über die im Buch beschriebenen Aspekte hinauszugehen und auch das nicht-gesagte zu umfassen: Ein Aspekt ist das Nicht-Wissen der Protagonisten, das tägliche Hoffen und Bangen auf die Öffnung des Tores, das Nicht-Wissen um die Wahrheit hinter unterschiedlichen Anschlägen und der Funktion des Systems aber auch das Nicht-Wissen des Lesers. Als Leser erfährt man in einem recht nüchternen, berichtenden Stil über die Ereignisse vor dem Tor oder rund um einige der Protagonisten, aber keine weiteren Hintergründe.

Auch ein anderer Aspekt fiel mir bezüglich der starken Symbolik des Buches auf: Das Warten an sich (vermutlich heißt das Buch daher auch im Englischen “The Queue” – die Warteschlange); sowohl das Warten in der Warteschlange für die Protagonisten im Buch, als auch das Warten auf Beantwortung der vielen Fragen, die sich während des Lesens ergeben. Für den Leser werden diese Fragen aber auch bei Beendigung des Buches nicht zufriedenstellend beantwortet und sorgen somit bei mir für einen zusätzlichen Nachhall des Buches und einen enormen Interpretationsspielraum. Ich kenne bisher kaum ein Buch, dass auf diese Art mit der Symbolik spielt – wirklich sehr beeindruckend!

Bei diesem Buch handelt es sich aber keines Falls um leichte Lektüre. Thematisch handelt es sich um einen sehr anspruchsvollen Roman, der eine allumfassende trostlose, bedrückende und sehr einnehmende Stimmung verbreitet und sehr zum Nachdenken anregt. Aber auch der nüchterne Schreibstil der Autorin gestaltet die Lektüre nicht immer leicht. Manche Passagen empfand ich als sehr schwer zu lesen und auch sehr schwer zu verstehen oder thematisch einzuordnen, was aber auch an der Übersetzung aus dem arabischen liegen kann. Zudem bin ich über ein paar logische Ungereimtheiten gestolpert, die meinen Lesefluss doch etwas gestört haben.

Trotz einiger Schwächen in der Umsetzung kann ich das Buch aufgrund der großartigen Symbolik empfehlen. Die vollständige Wirkung hat sich bei mir allerdings erst nach Beendigung des Buches eingestellt ;) Also: unbedingt durchhalten!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.05.2020

Das richtige Form des Intervallfastens finden und leben

Die wichtigsten Fragen zum Intervallfasten
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Intermittierendes Fasten oder auch Intervallfasten wird bereits seit geraumer Zeit von vielen praktiziert und man kann es heutzutage fast schon als Trend bezeichnen. Das Buch “Die wichtigstens Fragen zum ...

Intermittierendes Fasten oder auch Intervallfasten wird bereits seit geraumer Zeit von vielen praktiziert und man kann es heutzutage fast schon als Trend bezeichnen. Das Buch “Die wichtigstens Fragen zum Intervallfasten” von Dr.med. Christian Thuile bietet zu diesem Thema einen fundierten Überblick, der nicht nur für Neulinge, sondern auch Menschen mit Erfahrungen im Intervallfasten geeignet ist. Er informiert nicht nur über die unterschiedlichen Formen des Intervallfastens, sondern auch über die Vor- und Nachteile. Der Autor thematisiert auch wichtige Fragen, wie beispielsweise ob man auch als Sportler fasten kann, wann man vom Fasten absehen sollte oder ob man während der Essensphasen eigentlich alles und in beliebiger Menge zu sich nehmen darf.

Der Ratgeber ist einem leicht verständlichen Stil geschrieben, der nicht mit Fachwörtern überfrachtet ist. Die Kapitel sind sehr abwechslungsreich gestaltet und werden durch unterschiedliche Info-Boxen aufgelockert und um Erfahrungsberichte von ausgesuchten Patienten ergänzt. Jedes Kapitel wird außerdem mit einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Kapitels zusammengefasst. Das macht diesen Ratgeber zu einem sehr hilfreichen Tool. Man kann das Buch auch nach der Lektüre schnell nutzen um die wichtigsten Themen nochmals nachzuschlagen.

Ich finde es sehr gut, dass der Autor zu jeder Zeit darauf hinweist, dass das Intervallfasten für sich genommen nicht die Lösung aller Diätprobleme bietet, sondern dass auch das Intervallfasten mit einer gesunden Ernährung und ausreichend Bewegung einhergehen sollte. Gut finde ich außerdem, dass es ihm wichtig zu sein scheint, dass jeder das für ihn passende Modell identifizieren kann; denn nur wenn man das Intervallfasten erfolgreich in seinen Alltag integrieren kann, kann man langfristig erfolgreich sein.

Kritikpunkte für mich sind, dass sich das Buch sehr auf den Diät-Aspekt des Fastens fokussiert, wobei das Fasten selbst doch eigentlich eher aus gesundheitlichen Gründen durchgeführt werden sollte. Ansonsten stört mich als Wissenschaftlerin, dass seine Aussagen nicht durch Quellen und Referenzen belegt sind.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch. Ich habe wirklich das Gefühl, dass der Autor einem viel Spielraum lässt und nichts diktiert. Der Ratgeber unterstützt eher dabei, dass jeder das für ihn geeignete Fastenmodell wählen und durchhalten kann. Toll!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 09.05.2020

Lebendige Regionalgeschichte durch Erzählungen zu Einzelschicksalen einfacher Menschen

Kämpfen. Leiden. Lieben. Leben im Schwarzwald von den Kelten bis ins 20. Jahrhundert
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Der Autor Thomas Binder stellt in diesem Buch Einzelschicksale einfacher Menschen aus dem Schwarzwald vor und fokussiert dabei unterschiedliche Themenbereiche, wie “leiden”, “fürchten”, “gehorchen” und ...

Der Autor Thomas Binder stellt in diesem Buch Einzelschicksale einfacher Menschen aus dem Schwarzwald vor und fokussiert dabei unterschiedliche Themenbereiche, wie “leiden”, “fürchten”, “gehorchen” und “kämpfen" aber auch “hoffen”, “lieben” und “zaubern”. In insgesamt 16 bebilderten Kapiteln wird uns anhand von verschiedensten geschichtlichen Überlieferungen und Quellen ein Stück Regionalgeschichte präsentiert.
Das Besondere für mich an diesem Buch ist, dass es sich hier nicht um einen trockenen geschichtlichen Abriss von Geschehnissen handelt, sondern dass Zusammenhänge auf Basis der Schicksale einfacher Menschen dargelegt werden. Zum Beispiel weiß ich jetzt um die Auswirkungen des Minorats und Majorats für Bauern bei Erbstreitigkeiten bescheid – anschaulich erklärt am Schicksal des Johann Schuler aus Hinterzarten. Unterstützt werden die Erzählungen von interessanten Grafiken und Fotos, die einem die damaligen Umstände noch näher bringen.
Ganz besonders begeistert haben mich an diesem Buch auch die Tipps zum Erleben der Geschichte in Form von Ausflugstipps und Hinweisen auf weitere Literatur. Für mich als Hinzugezogene im Schwarzwild wirklich sehr hilfreich und ich habe mir schon sehr viele Orte gemerkt, die ich in Zukunft definitiv noch besichtigen werde.
Dieses Buch ist wirklich toll für Leute, die im Schwarzwald wohnen, egal ob zugezogen oder bereits hier geboren, denn auf diese Art und Weise hat man sich vermutlich bisher noch nicht mit der Geschichte des Schwarzwalds auseinandergesetzt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.05.2020

Sehr hochwertig, wissenschaftlich aber nicht konsequent umgesetzt

Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder lieben lernen
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Pixie Turner räumt in “Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder lieben lernen” mit unterschiedlichen Diätmythen, zu Themen wie Gluten, Detox, Fetten, Superfoods, Basen, Rohkost und Zucker, ...

Pixie Turner räumt in “Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder lieben lernen” mit unterschiedlichen Diätmythen, zu Themen wie Gluten, Detox, Fetten, Superfoods, Basen, Rohkost und Zucker, auf. Hierzu argumentiert die ausgebildete Ernährungswissenschaftlerin auf Basis von Fakten unterschiedlicher Veröffentlichungen und Studien und zeigt leckere, gesunde Rezepte auf, die uns den Spaß am Essen wiederbringen sollen.

Die Rezepte zu den einzelnen Themenbereichen sind sehr abwechslungsreich und absolut nachkochbar, auch mit Zutaten, die man normalerweise zuhause hat. Insbesondere die Bilder zu den Rezepten sind sehr hochwertig und machen Lust aufs Nachkochen – und das bereits beim Durchblättern. Bei den Desserts merkt man allerdings, dass die Autorin aus England stammt. Ich empfand die Rezpete alle als zu süß und würde empfehlen, die Zuckermenge an den persönlichen Geschmack anzupassen.

Fokus des Buches sind allerdings nicht die Rezepte, sondern die wissenschaftliche Herangehensweise an unterschiedliche Diätformen. Hier muss ich als Naturwissenschaftlerlin leider sagen, dass mich die Autorin nicht überzeugen konnte. Sie selbst kritisiert selbsternannte Gesundheitsexperten nicht auf Basis von Fakten zu argumentieren und doch hat selbst ihr Buch hier einige Schwächen. Viele der Aussagen sind leider wissenschaftlich nicht fundiert . Trotzdem schafft sie es, den Leser zu sensibilisieren und nicht mehr jedem Diättrend blind zu folgen.

Dies schafft sie insbesondere durch ihren Schreibstil und ihre Persönlichkeit. Das Buch fußt auf den eigenen Erfahrungen der Autorin mit unterschiedlichen Diäten und kommt in der Einleitung daher sehr persönlich daher. Ihr Schreibstil ist sehr offen und direkt – wie man bereits am Titel erkennen kann. Die Inhalte sind leicht verständlich. Zwar argumentiert sie zu Beginn auch auf Basis chemischer Strukturen, ein tiefes Verständnis wird allerdings nicht benötigt, da es sich dabei eher um Zusatzwissen handelt, dass man für die Lektüre selbst nicht benötigt.

Die Gesamtaussage des Buches, nicht jedem Trend zu verfallen ohne ih erst einmal zu hinterfragen und sein Essen einfach zu genießen und dabei natürlich auf Ausgewogenheit zu achten, kann ich uneingeschränkt zustimmen. Auch als Rezeptbuch kann ich dieses Buch wirklich sehr empfehlen. Als wissenschaftlichen Ratgeber zu den unterschiedlichen Mythen allerdings, liefert es nicht den Tiefgang, den man als Wissenschaftler erwartet. Für Einsteiger allerdings, die nur zu gern jedem Hype verfallen, sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

  • Thema
  • Umsetzung
  • Wissen
  • Cover
Veröffentlicht am 07.05.2020

Ein Buch in einem Buch

Die Herren der Zeit
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“Die Herren der Zeit” von Eva García Sáenz ist mehr als nur der Abschluss der Trilogie rund um den Inspektor Unai López de Ayala alias Kraken. Die Autorin überrascht den Lesenden mit zwei Büchern in einem. ...

“Die Herren der Zeit” von Eva García Sáenz ist mehr als nur der Abschluss der Trilogie rund um den Inspektor Unai López de Ayala alias Kraken. Die Autorin überrascht den Lesenden mit zwei Büchern in einem. In der Gegenwart ermittelt Kraken an Mordfällen, die mittelalterlichen Ritualen folgen. Diese scheinen offensichtlich inspiriert von den Erzählungen des Buches “Die Herren der Zeit”, dass gerade erst von einem unbekannten Autor veröffentlicht wurde und für großes Aufsehen bei einer großen Leserschaft sorgt.
Die Autorin lässt gekonnt die beiden Erzählstränge der Gegenwart und der Vergangenheit in Form der Erzählungen des Buches vor dem Auge des Lesenden entstehen. Dabei haben wir nicht nur teil an dem Privatleben und den Ermittlungen von Kraken, sondern lernen auch die unterschiedlichen Charaktere im Mittelalter sowie die damaligen Gepflogenheiten und Rituale kennen. Nur langsam wird das Ausmaß der Verstrickungen klar und es offenbart sich, dass auch Kraken persönlich involviert ist.
Für mich war es das erste Buch der Trilogie. Obwohl ich am Anfang ein paar Probleme hatte mit den Anspielungen auf die vorhergehenden zwei Bände sowie die spanischen Namen, hat sich das Buch sehr schnell zu einem Pageturner entwickelt. Die Spannungskurve ist großartig und zudem schafft es die Autorin mit einem unerwarteten Ende aufzuwarten. Ein Must-Read für Kenner der Trilogie und zudem absolut empfehlenswert für Neueinsteiger.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere