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Veröffentlicht am 19.07.2021

Ein Universum an Gefühlen

Der Junge, der das Universum verschlang
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Der Debütroman "Der Junge, der das Universum verschlang" von Trent Dalton begleitet den Jungen Eli Bell, den die Frage umtreibt, wie man zu einem guten Menschen wird und ob man das auch werden kann, wenn ...

Der Debütroman "Der Junge, der das Universum verschlang" von Trent Dalton begleitet den Jungen Eli Bell, den die Frage umtreibt, wie man zu einem guten Menschen wird und ob man das auch werden kann, wenn man zuvor ein schlechter Mensch war. Da Eli nicht gerade in einem einfachen Umfeld aufwächst – Mutter und Stiefvater dealen mit Drogen, der Babysitter ist ein Exhäftlng und sein Bruder Gus redet bereits seit Jahren kein einziges Wort mehr – ist das eine durchaus berechtigte Frage. Trotzdem erfährt Eli Zuneigung, Freundschaft und ganz besonders kindliche Phantasie.

Ich hatte zunächst Probleme in das Buch hineinzufinden. Nachdem ich mich dann aber mit dem Schreibstil angefreundet hatte, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Spannung ist streckenweise besser, als bei einem Thriller und doch hat das Buch so viel mehr zu bieten – der Autor vermag es sehr bildhaft zu schreiben aber auch Gefühle unglaublich gut zu transportieren, so haben wir in einem Moment an Vertrauen, Glück und Leichtigkeit teil, und im nächsten sind wir schon wieder mit Trauer, Gewalt, Hass und Brutalität in ihrem Alltag konfrontiert.

Ganz besonders mag ich, wie der Autor die Gedankenwelt des Eli Bell zeichnet. Insbesondere die Interaktion mit seinem Bruder Gus, aber auch mit Slim, haben mich immer wieder zum Nachdenken angeregt. Zudem ist auch die Symbolik hervorzuheben. Angefangen natürlich bei dem Universum, bis hin zum roten Telefon oder der Glückssprosse. Ich mag es wirklich sehr, in solchen Romanen viel Spiel für Interpretation zu haben. Und gerade auch bei der Frage, wie man zu einem guten Menschen wird, oder ob man gar ein schlechter Mensch ist, könnte das nicht passender sein. Was ich etwas schade finde ist, dass der Titel des Buches so leider nicht mehr ganz zu den Titeln der einzelnen Kapiteln und der Symbolik dahinter passt. Das hat im Englischen etwas besser funktioniert.

Für mich ist das zusammenfassend ein wirklich tolles Buch, und insbesondere das Ende tröstet einen über etwaige Längen oder einen schwierigen Start hinweg. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 19.07.2021

Schockierend, beklemmend und beeindruckend

Girl A
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Mit "Girl A" hat sich Abigail Dean mit ihrem Debüt keinem einfachen Thema gewidmet: Wenn Kinder in ihrem Elternhaus angekettet werden und hungern müssen, kann davon definitiv nicht die Rede sein. Als die ...

Mit "Girl A" hat sich Abigail Dean mit ihrem Debüt keinem einfachen Thema gewidmet: Wenn Kinder in ihrem Elternhaus angekettet werden und hungern müssen, kann davon definitiv nicht die Rede sein. Als die Mutter schließlich Jahre später im Gefängnis stirbt und ihre Tochter Alexandra Gracie, kurz Lex, als Testamentsvollstreckerin einsetzt, muss sich diese erneut mit ihrer Vergangenheit – dem Hunger, der Angst und ihrer Identität als Girl A, dem Mädchen, dem es gelang zu fliehen – auseinandersetzen.

Die Erzählung beginnt mit dem Tod der Mutter. Girl A ist mittlerweile Anwältin und scheint mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Nach und nach lässt die Autorin geschickt immer wieder Episoden aus der Vergangenheit in die Erzählung einfließen. Die Zeitlinien scheinen dabei manchmal ineinander überzugehen und sind nicht immer leicht auseinanderzuhalten oder nachzuvollziehen, aber dies finde ich, passt ganz gut zu der Story und den Gedankengängen von Lex. An sich finde ich die Geschichte, trotz oder gerade wegen des sehr beklemmenden Themas, sehr gut erzählt. Die Autorin schafft es sehr eindrucksvoll, immer wieder diese schrecklichen Episoden einfließen zu lassen und so nach und nach die komplette Vergangenheit, aber auch den Seelenzustand von Lex und ihren Geschwistern zu verdeutlichen.

Das Buch selbst ist in verschiedene Teile unterteilt – eins für jedes Geschwister. So lernen wir nach und nach das komplette Grauen und die unterschiedlichen Entwicklung der Charaktere und die Auswirkungen der Vergangenheit kennen. Das Ende wirkte auf mich nochmals sehr bedrückend und sorgt dafür, dass die Geschichte als ganzes noch eine Weile nachwirken wird. Die Charaktere empfinde ich zum Teil als blass und nicht unbedingt als sympathisch; aber das passt hier definitiv sehr gut ins Setting.

Ich würde nicht sagen, dass es sich bei diesem Buch um einen Thriller handelt – eher ein Psychodrama oder ähnliches. Trotzdem hatte es durchaus spannende Passagen und es hat mich sehr gefesselt. Also definitiv ein gut gelungenes Debüt, dass mich aufgrund der Nachwirkung auch sehr beeindruckt hat.

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Veröffentlicht am 11.07.2021

Blutig und grausam aber zu wenig Seelenleserei

Der Blutkünstler (Tom-Bachmann-Serie 1)
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Der Thriller "Der Blutkünstler" von Chris Meyer weckt bereits mit der Inhaltsangabe höchste Erwartungen. Die Rede ist von dem besten Profiler seiner Generation. Konkret hat es der Profiler Tom Bachmann ...

Der Thriller "Der Blutkünstler" von Chris Meyer weckt bereits mit der Inhaltsangabe höchste Erwartungen. Die Rede ist von dem besten Profiler seiner Generation. Konkret hat es der Profiler Tom Bachmann mit einem Killer zu tun, der seine Opfer ausgiebig foltert und sich dabei zum Ziel setzt, dass sein Kunstwerk in die Geschichte eingehen soll: dem Blutkünstler. Der Thriller ist zugleich der erste Teil der Reihe rund um den Profiler "Tom Bachmann".

Das Buch beginnt sehr spannend und man gewinnt bereits einen ersten Eindruck von der Brutalität, die sich im Verlaufe des Buches noch weiter steigern wird. Aber dies ließ auch der Klappentext bereits erahnen – insbesondere dann, wenn die Kunstwerke des Blutkünstlers beschrieben werden oder der Blutkünstler selbst zur Sprache kommt, wird es aber so richtig blutig. Passt für mich aber sehr gut zu diesem Buch. Was für mich eher nicht so gut zu dem Buch passt, ist das Cover. Klar, es hat etwas mit Blut zu tun, wäre so aber sicherlich nicht im Sinne des Blutkünstlers. Außerdem finde ich es leider auch viel zu überladen – die Schrift kann so leider nur kaum wirken.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und gefällt mir gut. Der Autor lässt geschickt durch Reflektionen und Gespräche von Tom Bachmann Hintergrundinformationen zu Psychopathen und psychologischen Auffälligkeiten einfließen. Das empfand ich als sehr angenehm. Er arbeit zudem mit vielen Szenen- und Perspektivwechseln. So führt er bis zum Ende des Buches unterschiedlichste Handlungsstränge zusammen. Für mich als Leserin waren die Verknüpfungen zunächst sehr unklar, aber zum Ende hin wird dies besser, auch wenn ich nicht ganz alle Fragen klären konnte – vielleicht dann in einem der nachfolgenden Bände. Die Auflösung der Ermittlung fand ich leider auch nicht sehr rund – klar, schon sehr überraschend, aber auch nicht wirklich logisch.

Die Ermittlungstätigkeit des Hauptcharakters Tom Bachmann selbst, empfand ich allerdings als weniger gut, wenn überhaupt vorhanden. Dafür, dass der Charakter als Seelenleser eingeführt wurde, macht er seinem Namen leider keine Ehre. Weder das psychologische Gutachten, noch die Ermittlungstätigkeiten scheinen im Vordergrund zu stehen. Auch die Arbeit mit seinen Kollegen ist etwas ungewohnt. Er wirkt auf mich sehr zurückweisend, unfreundlich und auch ungeduldig. Hier bin ich allerdings noch etwas zwiegespalten. Die kalte Art und das doch sehr unfreundliche, ungeduldige Auftreten hat etwas... Allerdings kann ich einfach noch nicht abschätzen, ob das ein Beiprodukt ist, da der Charakter erschreckend viele Parallelen zu den Hauptcharakteren anderer Autoren hat, oder ob es einfach an dem Setting in diesem Buch lag: Für mich war einfach zu viel von allem. Es werden viele grausame Themen angeschnitten und es gibt von jedem Grauen zumindest etwas zu finden. Manchmal ist weniger einfach mehr.

Für Freunde blutiger Thriller ist das Buch aber definitiv geeignet. Und auch ich würde dem Autoren gern noch beobachten, ob sich der Charakter von Tom Bachmann etwas festigt und er seinem Ruf dann endlich gerecht wird. Potential hat die Reihe jedenfalls.

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Veröffentlicht am 11.07.2021

Hochaktuell und packend aber auch enttäuschend

Die Morgenröte – Sie nehmen dir dein Leben
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"Die Morgenröte – Sie nehmen dir dein Leben" von Noah Richter handelt von allgegenwärtiger Überwachung, politischer Meinungsmache, Lügen, Hass und Wählermanipulation. Als Georg Herzfeld, ein bekannter ...

"Die Morgenröte – Sie nehmen dir dein Leben" von Noah Richter handelt von allgegenwärtiger Überwachung, politischer Meinungsmache, Lügen, Hass und Wählermanipulation. Als Georg Herzfeld, ein bekannter Youtuber, aufgrund seines neuesten Videos auf eine immense Summe Schadenersatz verklagt wird, bietet ihm der charismatische Entertainer Götz Wolf Hilfe an. Als Gegenleistung soll Herzfeld ihn bei seinem Wahlkampf unterstützen; Wolf hat die Bewegung "Die Morgenröte" gerade erst ins Leben gerufen und will sich so zusätzliche Kompetenz und Follower in den sozialen Medien sichern.

Die Grundidee dieses Politthrillers hat mich sofort begeistert; insbesondere die digitale Welt und ihre allgegenwärtige Überwachung und wie dies zur Meinungsbildung und -manipulation genutzt und ausgenutzt werden kann. Auch die politischen Themen, die Götz Wolf seiner Bewegung zugrundelegt sind verständlich und topaktuell. Insbesondere der Realitätsbezug ist wirklich sehr gut verwoben und der Roman ist auch so angelegt, dass alles genau jetzt so passieren könnte. Ein paar der technischen Details sind allerdings nicht ganz konform, aber das schadet der Story so nicht und zähle ich mal als künstlerische Freiheit.

Den charismatischen Charakter von Götz Wolf stellt der Autor auf großartige Art und Weise dar. Auch die Abgründe – beruflicher und privater Natur – denen sich Georg Herzfeld gegenüber sieht, sind sehr gut beschrieben. Ansonsten habe ich aber das Gefühl, dass die Charaktere eher blass erscheinen und zum Teil auch unverständlich handeln. Insgesamt musste ich auch feststellen, dass mir keiner der Charaktere so richtig sympathisch ist... Der Schreibstil selbst ist aber flüssig und ich habe mich sofort in die Thematik einfinden können.

Der Spannungbogen beginnt sehr gut, lässt zum Ende hin aber sehr nach. Die Story ist grundsätzlich aber gut konstruiert und man fragt sich als Lesender doch des öfteren, wer eigentlich wen manipuliert. Insbesondere die letzten Kapitel und das Ende haben bei mir sehr allerdings viele Fragen aufgeworfen, die leider nicht beantwortet werden und nur unzureichend beantwortet wurden. Das Ende scheint sehr offen und wirft natürlich sofort die Frage nach einer Fortsetzung auf.

Was ich bei diesem Buch zusätzlich noch als sehr störend empfinde, ist der Klappentext. Dieser nimmt bereits viel zu viel der Geschichte vorweg und insbesondere auf den letzten Satz wartet man in der Story bis zum Ende des Buches. Meine Empfehlung ist daher, den Klappentext am besten gar nicht erst zu lesen, da er viel zu viel vorwegnimmt und so sehr viele Längen im Text erzeugt ;)

An sich finde ich das Buch aber sehr gut zu lesen; es ist spannend und eine gute Unterhaltung. Wie bereits erwähnt, sind die Charaktere etwas blass und wenn man den Klappentext bereits gelesen hat, wird man mit einigen Längen konfrontiert. Ansonsten aber eine gute Lektüre, die etwas Spannung mit sich bringt.

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Veröffentlicht am 29.05.2021

Abwechslungsreich, unterhaltsam und auch noch lehrreich

Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?
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Der Autor John Green präsentiert uns in “Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen? – Notizen zum Leben auf der Erde” eine Sammlung von Essays zu Dingen, die das aktuelle Zeitalter der Menschheitsgeschichte ...

Der Autor John Green präsentiert uns in “Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen? – Notizen zum Leben auf der Erde” eine Sammlung von Essays zu Dingen, die das aktuelle Zeitalter der Menschheitsgeschichte prägen und verändern.
Mit Beiträgen zu Teddybären, Klimaanlagen, Monopoly, Super Mario Kart oder Sonnenuntergänge präsentiert der Autor nicht nur eine wilde, sondern vor allem abwechslungsreiche und überraschende Sammlung von Themen, die unser aktuelles Zeitalter prägen. Ich kannte den Autor bisher nicht, bin also ohne viele Erwartungen an dieses Sachbuch herangegangen. Und was soll ich sagen? Ich bin absolut fasziniert und begeistert :) Die Schreibweise des Autors ist von der ersten Seite – nein, eigentlich sogar bereits seit dem Copyright – an fesselnd. Er schafft es nicht nur seine persönlichen Erfahrungen in die unterschiedlichen Essays geschickt einfließen zu lassen, sondern auch jede Menge nützliches und manchmal auch unterhaltsam-unnützes Wissen mit einem Augenzwinkern darzustellen. Dabei wird es aber nie langweilig und man schafft es daher kaum, das Buch zwischendurch auch mal wegzulegen.
Es handelt sich also hierbei keineswegs um ein trockenes Sachbuch, sondern um großartige Unterhaltung, bei der man auch noch einiges lernt. Einziges Manko für mich ist die doch starke amerikanische Prägung. Aber auch wenn manche der Titel einem nichts sagen sollten, habe ich zumindest beim Lesen viele Aha-Effekte gehabt.
Also dieses Buch ist definitiv eine Lektüre wert und darf definitiv nicht als trockenes Sachbuch verstanden werden!

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