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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2025

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um

Die Engel von Alperton
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So steht es im Handbuch der Christen. Offenbar hat Amanda Bailey das weder gelesen noch verinnerlicht. Sie bekommt den Auftrag, ein Buch über die sogenannten Engel von Alperton zu schreiben. Alperton ist ...

So steht es im Handbuch der Christen. Offenbar hat Amanda Bailey das weder gelesen noch verinnerlicht. Sie bekommt den Auftrag, ein Buch über die sogenannten Engel von Alperton zu schreiben. Alperton ist ein Teil von London im Nordwesten der Stadt. Dort lebte einst eine Sekte, deren Mitglieder von seinem psychopathischen Oberhaupt eingeredet bekamen, dass sie keine Menschen, sondern eben Engel wären. Die Geschichte nahm ein tragisches Ende. Gerade wollte man ein Kleinkind opfern, das angeblich der Antichrist werden würde, als es zu einem Blutbad kam. Der Sektenchef landete im Knast, zwei Jugendliche und das Kind verschwanden aus der Öffentlichkeit.

Nun soll Bailey dieses Kind, inzwischen wohl volljährig, finden und seine wirkliche Geschichte aufschreiben. Das Buch, als Krimi getarnt, ist nichts weiter als das gesammelte Recherche-Material der Amanda Bailey und besteht aus auf der Zeitachse aufgereihten WhatsApp-Nachrichten, E-Mails und transkribierten Gesprächen. Dazu kommen Teile von Büchern und Filmen über die Sekte, ebenfalls transkribiert, wenn notwendig.

Das Ganze liest sich sehr schwer. Es kommt keine Spannung auf, und der Text raubt einem den letzten Nerv. Es wird eben keine fortlaufende Geschichte erzählt, sondern man quält sich nur durch irgendwelche hintereinander aufgereihten Dialoge, immer in der Hoffnung, dass man etwas versteht. Aber natürlich wird man von der Autorin in die Irre geleitet, denn sie enthüllt zum Beispiel nicht die wirkliche Beziehung zwischen Bailey und einem anderen Protagonisten, was das Verständnis der Dialoge zwischen den beiden erheblich erschwert.

Und natürlich war in Wirklichkeit alles ganz anders als einem das seitenlang quälend suggeriert wird. Bailey erfährt darüber hinaus einige nicht erklärte Erkenntnissprünge, die letztlich das Schicksal des Babys und seine Identität aufdecken, aber auch Baileys Schicksal besiegeln.

Ich mache das nicht gerne, weil die Geschmäcker schließlich verschieden sind: Dieses Buch ist aus meiner Sicht eine Zumutung. Sparen sie sich das also besser.

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Veröffentlicht am 18.10.2025

Hauptsache Magie, egal wie absurd das Ganze ist

Sepia 2: Sepia und die Verschwörung von Flohall
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Spätestens seit Harry Potter kann man den Eindruck gewinnen, dass in jedem Kinder- oder Jugendbuch irgendwer magische Kräfte entfalten muss oder das Ganze gleich mal im Reich der Magie stattfindet. Der ...

Spätestens seit Harry Potter kann man den Eindruck gewinnen, dass in jedem Kinder- oder Jugendbuch irgendwer magische Kräfte entfalten muss oder das Ganze gleich mal im Reich der Magie stattfindet. Der erste Band dieser Trilogie war dann wenigstens mal etwas Neues, auch wenn alles etwas befremdlich wirkte. Jedenfalls für Menschen, die mit beiden Beinen in der Realität leben. Vielleicht ist Magie tröstlich. Oder so eine Art weicher Droge, die das Leben erträglicher macht.

Dabei ist bei solchen Büchern das Drehbauch immer gleich, jedenfalls abstrakt gesehen. Zunächst erschaffen Autoren irgendein magisches Reich aus ihrer Phantasie. Das ist in der Tat nicht ganz einfach, wenn alles stimmig sein soll. In diesem Fall haben wir es mit der Stadt Flohall zu tun, die irgendwo in England liegen muss, wenn man dem Namen glauben schenkt. Deutsche Städtenamen sind uncool. Wie blöd klingt denn Flohausen?

Hat man diesen magischen Ort oder gar ein magisches Reich erst einmal erschaffen, dann muss man es sogleich auch in Gefahr bringen. Irgendeine dunkle Macht oder eine dunkle Gestalt bedrohen nun diesen wunderbaren Ort. Und dann brauchen wir noch eine Hauptfigur, am besten ein schönes Mädchen mit magischen Fähigkeiten, von denen diese Heldin zunächst nichts oder wenig weiß. Andere aber ahnen es und schützen die zukünftige Retterin. Dann kommt es zum Kampf, in dem das ganze magische Potential unserer kleinen Heldin zum Tragen kommt und den Sieg bringt.

Genau diesem abstrakten Drehbuch folgt nun auch Band 2 dieser Geschichte. Vermutlich wird es im dritten Band dann auch nicht anders sein. Zwischen dem Erscheinen des ersten und des zweiten Teils liegt allerdings eine ziemliche Zeitspanne, und leider ist Band 2 nicht ganz ohne die Kenntnisse aus dem ersten Band zu verstehen. Da hilft es auch nicht, dass die Autorin im ersten Drittel der Fortsetzung ziemlich ausführlich dies und das an Ereignissen in Flohall beschreibt, was dann aber doch etwas langweilig ist. Dann jedoch nimmt die Handlung endlich Fahrt auf. Es beginnt so eine Art Kinderkrimi, in dem man die eigentliche böse Figur erraten muss, wobei die Autorin falsche Spuren legt. Der Spannungsbogen erklimmt dabei immer neue Höhen, bis schließlich das Gute siegt.

Wenn man das oben erläuterte Grundkonzept nicht kennt, ist das Buch vermutlich deutlich spannender. Allerdings kann es mit dem ersten Band nicht mithalten, denn die anfängliche Magie ist irgendwie verschwunden, weil man sie schon kennt, also nichts Neues hinzukommt. Stattdessen wiederholt sich vieles. Das letzte Drittel hat das Buch in meinen Augen gerettet, sonst wären es nur drei Sterne gewesen. Ob der abschließende Band noch überraschen kann, erscheint mir zweifelhaft. Aber wer weiß?

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Veröffentlicht am 18.10.2025

Wenn die Vergangenheit einem ins Gesicht springt

Merciful Death - Erbarme dich ihrer
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In einem kleinen Nest in Oregon werden mehrere Prepper erschossen. Offenbar lebt die halbe Gemeinde im Prepperwahn, denn diese Leute bilden Gemeinschaften, von denen sich zwei feindlich gegenüber stehen. ...

In einem kleinen Nest in Oregon werden mehrere Prepper erschossen. Offenbar lebt die halbe Gemeinde im Prepperwahn, denn diese Leute bilden Gemeinschaften, von denen sich zwei feindlich gegenüber stehen. Eine für deutsche Verhältnisse sehr seltsame Konstellation. Einige dieser Herrschaften stellen auch den Staat infrage oder erkennen ihn nicht an. Immerhin kennt man das auch bei uns. Neben Lebensmitteln für mehrere Monate lagern Prepper dieses Ortes auch jede Menge schussbereiter Waffen in ihren Verstecken, was wiederum kein Wunder und auch noch legal ist.

Die Mordopfer sind alles alte Männer, deren Waffen mit dem Mörder verschwanden. Das ruft das FBI auf den Plan. Eine der Agenten stammt auch noch aus diesem Ort, den sie vor langer Zeit fluchtartig verlassen hat. Auch ihre Familie zählt zu den Preppern.

Special Agent Mercy Kilpatrick hatte eigentlich keine Lust ihren Geburtsort wiederzusehen, allerdings sind ihre Vergangenheit und die damit verbundenen Kenntnisse mehr als nur hilfreich für die Ermittlungen. Außer ihr und einigen ihrer Geschwister weiß jedoch niemand um ihr dunkles Geheimnis, das nun plötzlich langsam wieder ins Licht zu drängen scheint.

Das ist die Grundkonstruktion dieses Thrillers, der im Gegensatz zu manchem herkömmlichen Krimi eine persönliche Geschichte erzählt, die man glauben kann. Und weil das so ist, liest sie sich auch gut. Inzwischen werden in jedem Krimi die persönlichen Probleme von Ermittlern breitgetreten. Was dabei oft gekünstelt erscheint, um diesen Leuten eine gewisse Persönlichkeit einzuhauchen, ist hier ganz anders, denn die Kilpatrick-Tochter kann ihre Vergangenheit nicht leugnen. Und sie ist in die ganze Geschichte untrennbar involviert, was ihr bereits nach wenigen Tagen dämmert.

Obwohl die Spannung nur mittelmäßig groß ist, macht die übrige Geschichte diesen Thriller zu einem Ereignis.

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Veröffentlicht am 18.10.2025

Warum scheitern viele Versuche, sich gesund zu ernähren?

Richtige Ernährung bei erhöhtem Cholesterinspiegel
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Diese Frage stellt sich die Autorin nicht, obwohl sie wichtig wäre. Denn auch dieses Buch wird wahrscheinlich nichts oder nicht viel zu einer Ernährungsänderung beitragen. Eine gesunde Ernährung, insbesondere ...

Diese Frage stellt sich die Autorin nicht, obwohl sie wichtig wäre. Denn auch dieses Buch wird wahrscheinlich nichts oder nicht viel zu einer Ernährungsänderung beitragen. Eine gesunde Ernährung, insbesondere dann, wenn man tatsächlich nachgewiesen einen erhöhten Cholesterinspiegel hat, entspricht nicht den Traditionen, dem Gewohnten. Und besonders bei der Ernährung sind die Hürden zur Überwindung solcher Festschreibungen sehr hoch. Abweichungen vom Gewohnten schmecken in der Regel nicht oder weniger gut. Und wir alle sind Pawlowsche Hunde.

Obwohl sich die Autorin viel Mühe gemacht hat, um zahlreiche gut aussehende und vermutlich auch ganz gut schmeckende Gerichte zu präsentieren, wird sie nicht auf viel Zuspruch treffen. Davon kann man sich auf der beliebtesten deutschen Ferieninsel überzeugen. Deutsche Urlauber gehen nicht etwa spanisch essen, sondern bevorzugen lieber das Gewohnte deutsche Essen. Insbesondere Männern kann man viele Speisen aus diesem Buch nicht anbieten. Sie würden auf deutliche Ablehnung bei den Bauch tragenden Zeitgenossen treffen, obwohl gerade diese Leute eine gesunde Ernährung nötig hätten.

Aber ich kann das auch an einem Beispiel aus diesem Buch erklären. Dort findet man ein Gericht mit dem Namen Spaghetti mit Brokkoli. Dieses Gemüse ist sehr gesund, aber nicht besonders beliebt. Das Gericht aus diesem Buch erinnert sehr an eine ähnliche italienische Speise. Zu der allerdings gehört Sahne und/oder Hartkäse. Und das ist hier gerade nicht erwünscht, obwohl diese Zutaten den Geschmack deutlich verbessern.

Kurzum: Die meisten Gerichte aus diesem Buch sind für den lange erzogenen deutschen Gaumen nicht einfach, wenngleich sie gesund sind. Hinzu kommt noch, dass sie nicht sehr nahrhaft erscheinen. Auf der anderen Seite habe ich einige Vorschläge gefunden, die mir gefallen haben. In der Summe jedoch vermute ich, dass fast alle diese Speisen insbesondere körperlich arbeitenden Männern nicht ausreichen werden.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

"Es gibt immer eine Denise!"

Signalrot
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Als Polizeioberrat Trautmann Tara Kronberg im Kloster besucht, treibt ihn die Sorge um, dass die Dresdner Kripo dringend Unterstützung durch die erfahrene Hauptkommissarin braucht, die nach einigen persönlichen ...

Als Polizeioberrat Trautmann Tara Kronberg im Kloster besucht, treibt ihn die Sorge um, dass die Dresdner Kripo dringend Unterstützung durch die erfahrene Hauptkommissarin braucht, die nach einigen persönlichen Tiefpunkten eine lange Auszeit genommen hatte. Doch nun soll damit Schluss sein. Trautmann stellt Kronberg ein Ultimatum, das sie letztlich annimmt, weil sie nicht aus dem Dienst ausscheiden möchte. Dieser Anfang wirkt holprig, denn Kronberg geht ins LKA, darf nicht in den Außendienst, bekommt nur einen zunächst etwas mysteriösen Mitarbeiter und ein muffiges Büro abseits aller anderen. Oder anders gesagt: Man legt ihr möglichst viele Steine in den Weg.

Natürlich hat das einen dramaturgischen Sinn: Viel Widerstand erzeugt beim Publikum Sympathie und macht den späteren Erfolg umso größer. Elias Haller bezieht sich mit diesem Thriller auf ein Märchen von Hans Christian Andersen, das er allerdings verfremdet und entstellt. In der Realität dieses Thrillers werden Frauen mit einer Affinität zum Tanzen von der Straße weggefangen und irgendwohin verbracht, wo man ihnen rote Tanzschuhe an die Füße klebt. Dann müssen sie tanzen bis sie nicht mehr können. Anschließend erdrosselt man sie mit einer Stahlschlinge, sägt ihnen die Füße ab und verscharrt sie. Eines der Opfer wird jedoch wieder ausgebuddelt und im Keller in einem Dresdner Nobelviertel platziert. Das ist der Ausgangspunkt für die Kripo. Von einer Mordserie keine Spur, was allerdings Polizeioberrat Trautmann nicht davon abhält eine Spezialistin für solche Fälle zu mobilisieren, Kronberg eben.

Kronbergs Vater war ein anerkannter Dresdner Ermittler. Einer seiner Mitarbeiter beging Selbstmord, weil seine Bestechlichkeit aufgedeckt wurde. Der Autor entwickelt nun einen äußerst geschickt aufgebauten Thriller, der diese Geschichte mit den toten Frauen ohne Füße verbindet. Wie diese Verbindung tatsächlich aussieht, bleibt dem Leser ebenso verborgen wie die Autorenschaft eines geheimnisvollen Tagebuchs, in dem es zunächst um eine Denise geht, die offenbar gehasst wird. Klar ist, dass der oder die Mörder extrem psychopathisch veranlagt sein müssen. Aber Psychopathen streifen gewöhnlich nicht umher und töten wahllos. Es gibt immer ein Motiv. Und wie fast immer liegt es in einer gekränkten Seele.

Das alles bleibt dem Leser aber zunächst verborgen. Dem Autor gelingt es hervorragend, ständig neue und natürlich falsche Spuren zu legen. Durch viel Aktionismus wird der Leser immer wieder geschickt von der intuitiven Arbeit Kronbergs abgelenkt. Aber sie liefert schließlich die Hinweise, die den Fall nach und nach aufklären.

Als Leser möchte man die Geschichte natürlich nachvollziehen können. Dabei gerät man einige Male in Konflikt mit dem dramaturgischen Geschick des Autors, denn so manche Aktionen erschließen sich der normalen Logik nicht. Am Ende kommt es zu einem gewaltigen Showdown, zu dem Kronberg, wie in solchen Fällen üblich, alleine aufbricht. Dabei gerät sie natürlich in Bedrängnis und muss am Ende von ihrem Kollegen gerettet werden, womit auch diese Figur positiv eingeführt worden ist, nachdem man vorher Zweifel haben konnte, was das wohl für ein Kerl sein mag. Auch das ist Teil der Dramaturgie. Und die ist hier wirklich hervorragend inszeniert worden, denn wohl kaum ein Leser kann die wahren Zusammenhänge wirklich vorhersehen. So sollte es in einem guten Thriller sein.



Meine Bewertung meint vor allem den Unterhaltungswert. Fast alle Thriller besitzen einen Hang zur Absurdität. Da macht auch dieser keinen Unterschied. Wäre es anders, könnte man sie vielleicht ernst nehmen. Aber dann wären sie vermutlich auch langweilig.

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