Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um
Die Engel von AlpertonSo steht es im Handbuch der Christen. Offenbar hat Amanda Bailey das weder gelesen noch verinnerlicht. Sie bekommt den Auftrag, ein Buch über die sogenannten Engel von Alperton zu schreiben. Alperton ist ...
So steht es im Handbuch der Christen. Offenbar hat Amanda Bailey das weder gelesen noch verinnerlicht. Sie bekommt den Auftrag, ein Buch über die sogenannten Engel von Alperton zu schreiben. Alperton ist ein Teil von London im Nordwesten der Stadt. Dort lebte einst eine Sekte, deren Mitglieder von seinem psychopathischen Oberhaupt eingeredet bekamen, dass sie keine Menschen, sondern eben Engel wären. Die Geschichte nahm ein tragisches Ende. Gerade wollte man ein Kleinkind opfern, das angeblich der Antichrist werden würde, als es zu einem Blutbad kam. Der Sektenchef landete im Knast, zwei Jugendliche und das Kind verschwanden aus der Öffentlichkeit.
Nun soll Bailey dieses Kind, inzwischen wohl volljährig, finden und seine wirkliche Geschichte aufschreiben. Das Buch, als Krimi getarnt, ist nichts weiter als das gesammelte Recherche-Material der Amanda Bailey und besteht aus auf der Zeitachse aufgereihten WhatsApp-Nachrichten, E-Mails und transkribierten Gesprächen. Dazu kommen Teile von Büchern und Filmen über die Sekte, ebenfalls transkribiert, wenn notwendig.
Das Ganze liest sich sehr schwer. Es kommt keine Spannung auf, und der Text raubt einem den letzten Nerv. Es wird eben keine fortlaufende Geschichte erzählt, sondern man quält sich nur durch irgendwelche hintereinander aufgereihten Dialoge, immer in der Hoffnung, dass man etwas versteht. Aber natürlich wird man von der Autorin in die Irre geleitet, denn sie enthüllt zum Beispiel nicht die wirkliche Beziehung zwischen Bailey und einem anderen Protagonisten, was das Verständnis der Dialoge zwischen den beiden erheblich erschwert.
Und natürlich war in Wirklichkeit alles ganz anders als einem das seitenlang quälend suggeriert wird. Bailey erfährt darüber hinaus einige nicht erklärte Erkenntnissprünge, die letztlich das Schicksal des Babys und seine Identität aufdecken, aber auch Baileys Schicksal besiegeln.
Ich mache das nicht gerne, weil die Geschmäcker schließlich verschieden sind: Dieses Buch ist aus meiner Sicht eine Zumutung. Sparen sie sich das also besser.