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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Modern psychology for everyday drama"

Red Flags, Green Flags
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So lautet der Untertitel der Originalausgabe. Wir leben alle mehr oder weniger in einem Beziehungsgeflecht, haben also Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen. Und diese Beziehungen sind gelegentlich ...

So lautet der Untertitel der Originalausgabe. Wir leben alle mehr oder weniger in einem Beziehungsgeflecht, haben also Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen. Und diese Beziehungen sind gelegentlich kompliziert oder gar belastend.

In diesem Buch findet man nun zahlreiche solcher Beziehungsprobleme beschrieben. Der Autor nutzt seine Flaggenmethode um zu zeigen, wann sich Menschen das Verhalten anderer in bestimmten Situationen oder Beziehungen nicht bieten lassen sollten. Die grünen Flaggen sind nicht das Problem, sie zeigen nur, wann etwas gut läuft. Bei den roten Flaggen sollte man eigentlich handeln.

Manchmal fehlt einem tatsächlich die Klarheit, um zu erkennen, dass etwas grundsätzlich schief läuft. Hier hilft dieses Buch ungemein. Wo es natürlich nicht hilft und auch nicht helfen kann, sind konkrete Lösungen zu bieten. Solche Lösungen können grundsätzlich nur allgemein angegeben werden. Wenn Menschen zum Beispiel bewusst ist, dass ihre Ehe nicht funktioniert und man sich eigentlich trennen sollte, dann kommen zahlreiche komplexe Zusammenhänge ins Spiel, die immer sehr speziell sind. Die Angst, alleine zu bleiben, der Verlust der Kinder, finanzielle Probleme und vieles andere machen eine Trennung mitunter schwer. Am Ende des Buches und auch in manchen Kapiteln gibt der Autor dennoch gute Ratschläge für dieses zentrale Problem. Man muss Beziehungen beenden bevor sie einen selbst zerstören.

Hat man sich einmal getrennt, dann beginnt vielleicht die Suche nach einem neuen Partner. Interessanterweise enthält dieses Buch auch ein recht langes Kapitel über das moderne Online-Dating. Das fand ich viel besser als manches Buch über dieses Thema, denn der Autor kommt immer sofort zur Sache und erklärt die Probleme kurz und präzise.

Wenn man in Beziehungen egal welcher Art lebt oder mit Leuten zusammenarbeiten muss, dann ist man auch immer Manipulationsmethoden unterworfen. Auch darüber schreibt der Autor in den verschiedenen Kapiteln.

Vielleich sind rote Linien statt Flaggen im Deutschen der bessere Begriff, Linien also, die nicht überschritten werden sollten und die man selbst ziehen muss. Der Autor untergliedert sein Buch in folgende große Abschnitte, wobei es immer um die roten Flaggen (Linien) geht: Familie und Freundschaften, Arbeit, Dating und romantische Beziehungen. Nach meiner Ansicht überdeckt Fenwick dabei enorm viele Situationen, die er vermutlich aus seiner Praxis kennt.

Kurz gesagt: Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube, wenn man in Beziehungsproblemen steckt. Man muss es nicht von vorne bis hinten lesen, sondern kann sich Ratschläge für die eigene Situation aus den verschiedenen Kapiteln holen.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Lebensfremd

Richtig anders - anders richtig
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Ist die zwanghafte Benutzung von Anglizismen oder ganzen englischen Sätzen in einem deutschen Sachbuch eigentlich auch ein Hinweis auf eine noch nicht klassifizierte "Störung"? Wenn dazu noch der Gender-Stern ...

Ist die zwanghafte Benutzung von Anglizismen oder ganzen englischen Sätzen in einem deutschen Sachbuch eigentlich auch ein Hinweis auf eine noch nicht klassifizierte "Störung"? Wenn dazu noch der Gender-Stern kommt, dann versteift sich in mir der Widerstand gegen solche Texte. Für wen, so frage ich mich, werden solche Bücher eigentlich gemacht? Für die Betroffenen oder für die sogenannten neurotypischen Menschen?

Um es gleich klarzustellen: Ich gehöre ebenfalls nicht zu den neurotypischen Menschen. Meine Mitmenschen haben es gelegentlich schwer mit mir, weil ich zum Beispiel nicht lügen kann. Und ich habe es schwer mit ihnen, weil sie mir mit ihrer Oberflächlichkeit oder Dummheit auf die Nerven gehen. Aber ich bin noch nie auf die Idee gekommen, mich mit ähnlich Veranlagten zusammenzutun und unter irgendeiner Regenbogenfahne für meine angeblichen Rechte zu demonstrieren. Solche Rechte gibt es nicht und kann es nicht geben, weil sie die Gesellschaft sprengen würden.

Nehmen wir einmal an in einer Grundschulklasse sitzen 30 Kinder, darunter drei Migranten, zwei Autisten, zwei Kinder mit ADHS und vielleicht noch zwei mit einer anderen im Buch erklärten Besonderheit. Dann findet man dort mit Sicherheit noch Kinder, bei denen die elterliche Erziehung komplett versagt hat, wenn es denn eine gegeben hat. Mit einer solchen Struktur ist eine Grundschullehrerin völlig überfordert. Sie hat weder die Zeit noch die Ausbildung, um mit all den sich dort versammelnden Problemen zurechtzukommen. Aber in diesem Fall wäre sie "die Gesellschaft", von der die Autorinnen kühn behaupten, dass sie eine gewisse Bringschuld gegenüber den Neurodiversen hätte. Schule hat einen Bildungsauftrag und ist keine Betreuungsanstalt für Menschen, deren Gehirne anders funktionieren. Da die Lehrerin sich nicht zerteilen kann, leidet im Ernstfall der Bildungsauftrag, was ganz normale Kinder benachteiligt. An diesem Beispiel sieht man, dass Forderungen nach größtmöglicher Diversität, wie sie im Buch aufgemacht werden, keine gute, sondern eine sehr schlechte Idee sind, die leider in Schulen durchexerziert wird.

Es ist leider eine Mode, die in nichts Gutem enden wird, alle möglichen besonderen Menschen mit besonderen Rechten ausstatten zu wollen. Das kann so nicht funktionieren, weil es einfach missachtet wie Menschen sich verhalten und wie eine Gesellschaft funktioniert. Menschen haben sich in den letzten 3000 Jahren eher nicht geändert, weil sich ihr Verhalten zu großen Teilen aus ihren Genen speist. Und die kann man nicht einfach mal ändern. Wenn das Normale als Maßstab verloren geht, gibt es bald keine Maßstäbe mehr. Und dann scheitern Gesellschaften, denn sie sind immer auf Prinzipien aufgebaut, die von der Mehrheit akzeptiert werden.

Sieht man einmal vom Stil und der Ideologie der Autorinnen ab, dann kann man aus diesem Buch tatsächlich eine Menge über anders funktionierende Gehirne lernen. Auch meine Besonderheit wird sehr gut erklärt. Offensichtlich ist das Buch aber nicht unbedingt für Menschen gemacht worden, die mit diesen "neurodiversen" Menschen umgehen müssen. Es wirkt wie ein Jugendbuch für Betroffene, die so vielleicht merken, was mit ihnen los ist. Wenn ich Lehrer wäre, hätte ich mir mehr Sachlichkeit gewünscht und weniger von dieser aufdringlichen Sucht nach Aufmerksamkeit, die sich zum Beispiel im Sprachstil des Buches artikuliert.

Das moderne Konzept der Inklusion in Schulen ist eine aus meiner Sicht fürchterliche Idee, weil auf der einen Seite keine Zeit für eine wirkliche Hilfe für die Neurodivergenten vorhanden ist, aber auf der anderen Seite immer noch das Leistungsprinzip gilt. Ohne dieses Leistungsprinzip fällt eine Gesellschaft auseinander, denn es fehlen dann Anreize für Leistung. Alles in einen Topf zu werfen, wird keinem gerecht und schafft neue Ungerechtigkeiten. Es ist lebensfremd. Und schließlich bleibt das angeblich gute Prinzip am Ende an dem hängen, der es umsetzen muss, in meinem Beispiel an einer völlig überforderten Lehrkraft.

Immerhin kann diese Buch Betroffenen helfen herauszufinden, wer sie sind und es anderen erklären zu können. Ich habe meinen Bekannten und Verwandten verdeutlicht, dass mein Hang zur Wahrheit, den ich gelegentlich nicht unterdrücken kann, etwas mit meiner Genetik zu tun hat. Nun wissen sie es, allerdings leite ich aus meinem Besonderheit nicht ein Recht zur Beleidigung ab. Es ist mein Problem, und damit muss ich leben. Ich habe keinen Freibrief, nur weil ich so konstruiert bin.

Mal angenommen, ich würde mich irgendwo bewerben und das alles schön erklären. Was würde wohl passieren? Bei gleicher Qualifikation entscheiden eben solche Eigenschaften. Und da neigen Menschen nun mal nicht zum Besonderen, sondern zum Normalen, denn damit können sie umgehen. Wer etwas anders glaubt, lebt in einer Blase, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Wer braucht einen festen Wohnsitz?"

Krügers Fälle / Rentner Mikado
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Man könnte auch in einem Wohnmobil durch die Gegend kutschen. Das dachte sich auch Johny. Aber seine Gedanken gingen noch weiter. Er könnte sich schließlich auch als Fahrer und Liebhaber bei betagten Damen ...

Man könnte auch in einem Wohnmobil durch die Gegend kutschen. Das dachte sich auch Johny. Aber seine Gedanken gingen noch weiter. Er könnte sich schließlich auch als Fahrer und Liebhaber bei betagten Damen andienen, die sich für diese Art von Lebensabend entschieden hatten. Falls da noch ein Ehemann stören sollte, könnte man den ins Jenseits befördern, danach die Dame ausrauben, ihrem Mann nachschicken und anschließend wieder von vorne anfangen..

Dieses tolle Modell beschreibt dieser etwas schlichte Krimi in aller Ausführlichkeit. Die Leichen verscharrt der gute Johny unter dem Vorzelt der Wohnmobile und macht sich dann vom Acker. Natürlich fällt das niemandem auf. Jedenfalls nicht gleich. Später aber dann doch, und das bringt Kommissar Krüger auf den Plan. Der ermittelt mit seiner Lebensgefährtin inkognito. Gelegentlich hilft dabei noch ein Privatdetektiv. Also das typische Verfahren bei der deutschen Polizei.

Krügers neue Kollegin und ihr geheimnisvolles Netzwerk helfen dem ins Alter gekommenen Kommissar dabei auf die Sprünge. Nach dieser klassischen Polizeiarbeit kommt man dem Täter so langsam auf die Spur. Als Leser kennt man den aber schon lange. Spannung entwickelt sich folglich eher nicht. Und Krüger ist auch nicht besonders erfolgreich, denn Johny, der Depp, ist auch in die Jahre gekommen und macht Fehler, die ihn letztlich ins Netz gehen lassen. Allerdings nicht in das von Krüger.

Das Buch liest sich schnell. Es ist weder spannend, noch originell, folglich auch nur leidlich unterhaltsam und in gewisser Weise bieder. Krimis müssen nicht realistisch sein, dann aber irgendeinen Ersatz dafür liefern. Spannung zum Beispiel, verbunden mit Tempo und vielen unerwarteten Wendungen. Oder eine brillante Idee. Das alles fehlt dieser Geschichte völlig.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Eine Welt ohne Pizza? Undenkbar!"

Pizza Mania
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Für eine neapolitanische Frau wie die Autorin mag das vielleicht stimmen, Asiaten würden das bestimmt anders sehen. Natürlich beginnt Alba Pezone ihre Genussreise durch die Pizza-Backstuben in ihrer Heimatstadt. ...

Für eine neapolitanische Frau wie die Autorin mag das vielleicht stimmen, Asiaten würden das bestimmt anders sehen. Natürlich beginnt Alba Pezone ihre Genussreise durch die Pizza-Backstuben in ihrer Heimatstadt. Sie zeigt die verschiedenen Ansätze samt denn dazugehörigen Rezepten. Wie man erfährt ist das Mehl die Seele der Pizza. Also braucht man diesen Grundstoff eigentlich aus Italien. Deutsches Mehl würde vielleicht auch gehen, aber so genau weiß man das nicht. Schlimmstenfalls bekommt man eine Pizza mit einer anderen Seele.

Mit diesem Buch bekommt man einen Eindruck von der italienischen Pizza-Kunst, später werden auch französische Bäcker eine Rolle spielen. Wer nun ein Buch über verschiedene Pizza-Rezepte erwartet, wird sicher seine Befriedigung finden, denn die Vielfalt in der Einfalt ist hier groß. Eigentlich – so könnte man denken – reicht es doch, ein Rezept für den Teig zu finden und danach verschiedene Belegarten zu wählen. Doch weit gefehlt. Man kann nämlich Pizza auch frittieren. Dazu nimmt man den Teig füllt die Mitte mit einem Belag, verschließt das Ganze und wirft es in Fett, natürlich nicht in irgendeines. Einzelheiten im Buch.

Dort findet man auch andere frittierte Speisen und natürlich Nudelgerichte und einiges mehr. Ein ähnliches Konzept zieht die Autorin dann bei ihren Besuchen "an der Küste" durch. Mit Küste ist der Landstrich zwischen Neapel und Salerno gemeint. Schließlich kommen noch Pizza-Bäcker aus Marseille und Paris zu Wort, die anderen Einflüssen ausgesetzt waren.

Mit Sicherheit ist dieses Buch für Pizza-Liebhaber sehr interessant. Aber eben nur, wenn sie wirklich vorhaben ihre Pizza selbst herzustellen. Ich fand das Buch etwas unübersichtlich. Es hat zwar hinten ein „Allgemeines Register“, das nützt einem aber nur, wenn man das Buch im Ganzen gelesen hat. Besser dagegen ist das Rezept-Register. Dort muss man nur den Namen seiner Lieblingspizza aus dem Buch eingeben und findet dann die entsprechende Seite.
Wenn man mit den etwas ausschweifenden und emotionalen Stil der Autorin zurechtkommt, wird man viel Freude an diesem Buch haben.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Ferrari ist kein Auto, das man kauft, Ferrari ist ein Versprechen, dem man sich verschreibt"

The Ferrari Book
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Meint jedenfalls der Autor dieses Prachtbandes. Um dann noch zu formulieren: "Ferrari ist einfach die heißeste Automarke der Welt." Mag sein, dass das manche so sehen. Auf jeden Fall ist so ein Auto eine ...

Meint jedenfalls der Autor dieses Prachtbandes. Um dann noch zu formulieren: "Ferrari ist einfach die heißeste Automarke der Welt." Mag sein, dass das manche so sehen. Auf jeden Fall ist so ein Auto eine Ansage und ein Statussymbol. In letzter Zeit hat die Marke etwas gelitten, den in der Formel 1 fehlen die Erfolge. Da nützt es auch nichts, wenn man Lewis Hamilton im feinen Zwirn vor einen straßentauglichen Ferrari platziert. Die Firma scheint irgendwie im Rennsport vom Wege abgekommen zu sein.

Dessen ungeachtet bleibt Ferrari natürlich eine heiße Marke. Hauptinhalt dieses Buches sind die sogenannten Meilensteine in der Entwicklung der Marke, also Modelle, die Ferrari im Laufe der Zeit erfolgreich im doch recht kleinen Marktsegment der Sportwagen platziert hat. Es beginnt mit dem ersten Auto, das Enzo Ferrari 1948 auf einer Autoshow vorstellte: Der 166 MM "begründete nicht nur den Autotyp …, sondern wird auch zur Basis für alle späteren Erfolge aus Maranello". Dieser Wagen wog knapp eine Tonne, besaß einen V12-Motor mit einer Leistung von 66 KW und erreichte eine Maximalgeschwindigkeit von 150 Km/h.

Das jüngste Modell ist der F80 von 2024, dessen Bezeichnung auf den 80. Geburtstag der Firma im Jahre 2027 hinweist. Er besitzt einen Twin-Turbo V6-Motor und zusätzlich vier Elektromotoren, die 883 KW auf die Straße bringen, eine Maximalgeschwindigkeit von 350 Km/h erreichen, wo das Auto in etwas mehr als zwei Sekunden von Null auf Hundert Km/h beschleunigen kann. Es wiegt anderthalb Tonnen.

In diesen Unterschieden sieht man eigentlich die ganze Entwicklung von Sportwagen. Ob sich Ferrari mit der Entwicklung rein elektrischer Modelle einen Gefallen tut, wird die Zukunft zeigen. Ich bezweifle das. Dieses Modell wird übrigens auch im Buch vorgestellt, ebenso wie viele andere aus der Zeit von 1948 bis 2024. Jedes Modell wird natürlich im besten Glanze abgelichtet vorgestellt und recht ausführlich beschrieben. Auf diese Weise erhält man einen hervorragenden Überblick.

Auf den letzten Seiten folgen dann Fotos mit prominenten Ferrari-Nutzern. Mancher soll der Legende nach sogar mit so einem Wagen zum Einkaufen gefahren sein. Ob das im heutigen Deutschland eine gute Idee ist, sollte man sich besser überlegen.

Das Buch jedenfalls ist für alle Ferrari-Fans ein Geschenk. Auf der einen Seite heizt es natürlich Emotionen an, was schon immer eine kluge Marketing-Strategie von Ferrari war, andererseits zeigen die einzelnen Modelle die erstaunliche technische Entwicklung über die Jahrzehnte. Und das Ferrari-Design war schon immer eine Augenweide. Italiener halt.

Das Buch ist keinesfalls nur eine englische Ausgabe, denn der englische Text wird danach immer ins Deutsche übersetzt.

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