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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Schuhe putzen und schwierige Fragen beantworten"

Frag Philomena Freud
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Das soll Philomena Freud am besten können, meint jedenfalls einer ihrer Freunde. Tatsächlich sitzt Philomena täglich mit ihrem Schuhputzkasten und ihrem Hund Kaiser Franz vor der Haustüre von Siegmund ...

Das soll Philomena Freud am besten können, meint jedenfalls einer ihrer Freunde. Tatsächlich sitzt Philomena täglich mit ihrem Schuhputzkasten und ihrem Hund Kaiser Franz vor der Haustüre von Siegmund Freud. Allerdings ist sie nicht seine Tochter, sondern eigentlich Zögling Nr. 34, der aus einem Kinderheim entlaufen ist und nun von der Sprengelfürsorgerin Ilse Schnürschuh gesucht wird.

Vor Freuds Haustüre lernt sie Baronin Wallersee und deren Adoptivtochter Sidonie kennen. Bald darauf beginnen sich die Dinge zu überschlagen. Baronin Wallersee wird heimtückisch ermordet, und Sidonie gerät in Verdacht. Doch Philomena, die eine sehr gute Beobachterin ist, wird schnell klar, dass das nicht sein kann. Sidonie ist bei Prof. Freud wegen einer Spinnenphobie in Behandlung. Und ausgerechnet sie soll die Baronin mit einer Perlenspinne ermordet haben?

Bis Philomena begreift, wer der wahre Bösewicht ist, dauert es allerdings eine ganze Weile, in der sie zahlreiche Abenteuer bei ihren Ermittlungen hinter sich bringt und dabei auch noch von Ilse Schnürschuh wieder eingefangen wird.

Der Autorin ist ein wirklich guter Kinderkrimi gelungen, bei dem die sympathische Philomena sicher nicht ihr letztes Rätsel gelöst haben wird. Dabei versucht sie das Wiener Leben von 1922 und den Wiener Dialekt glaubhaft nachzumachen. Lustig ist allerdings, dass sie dabei das generische Maskulinum umgeht, also immer den männlichen und weiblichen Plural in der wörtlichen Rede zusammen benutzt. So deppert hat im Wien von 1922 mit Sicherheit niemand geredet.

Man kann gespannt auf die nächsten Folgen sein.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Notizen aus dem Maschinenraum einer Getriebenen

Und ob das geht!
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Was kann diese Hannah nicht alles? Und wie macht sie das nur? Stolz verkündet sie, was sie schon alles war und ist: Wirtschaftspsychologin, Mutter, Zahnmedizinstudentin, Influencerin, Unternehmerin, Reality-TV-Star ...

Was kann diese Hannah nicht alles? Und wie macht sie das nur? Stolz verkündet sie, was sie schon alles war und ist: Wirtschaftspsychologin, Mutter, Zahnmedizinstudentin, Influencerin, Unternehmerin, Reality-TV-Star und Autorin. Ich bin kein Psychologe, werde mir also auch kein Urteil abringen. Aber seltsam finde ich diese Aufzählung dann doch.

Mal angenommen, Hannah Kerschbaumer bringt ihr Zahnmedizin-Studium tatsächlich zu Ende. Was dann? Ist sie neben ihrer Tätigkeit als Zahnärztin dann auch noch all das, was oben aufgezählt wurde? Ich würde mir eine solche Ärztin jedenfalls nicht wünschen. Und mal ganz nebenbei: Multitasking ist erwiesenermaßen eine Illusion. Auch ohne diesbezügliche Studien hier anführen zu wollen, sagt einem der gesunde Menschenverstand doch, dass man nur über eine begrenzte Menge an Energie und Aufmerksamkeit verfügt. Verteilt man das auch viele Tätigkeiten, dann bleibt für jede nicht genug übrig, will man sie sehr gut ausführen.

Wenig überraschend bietet dieses Buch auch wenig Neues. Wie auch? Diese zehn Strategien sind bekannt, allerdings werden sie hier besonders am Anfang gut aufbereitet. Neu sind nur die Geschichten aus dem Leben der Autorin, die dieses Buch zu etwas Besonderem machen, selbst wenn es nicht innovativ ist und nicht sein kann. Frau Kerschbaumer ist keine Koryphäe auf dem Gebiet der Psychologie, verfügt über wenig Praxis und Erfahrung und muss deshalb ihr eigenes Leben als Quelle benutzen. Das aber macht sie sehr gut. Darüber hinaus verfügt sie über ausgezeichnete didaktische Fähigkeiten, kann klar denken und entsprechend eindrucksvoll formulieren.

Wenn man also ein Buch über Erfolgsstrategien sucht, dann könnte dieses unter gewissen Umständen nützlich sein. Allerdings sieht man auch hier das lustige Dilemma solcher Werke und ihrer Autoren. Die wenigsten erfolgreichen Menschen - ob Frau Kerschbaumer dazu gehört, mag jeder selbst beurteilen – haben vor ihren Erfolgen Strategiebücher gelesen. Ihre Motivation kam von innen. Und so war das auch in diesem Fall. Das hinterher zu verallgemeinern und das eigene Schicksal als Beweis anzuführen, ist paradox, weil lebensfremd und weil es so eben nicht gewesen ist. Und Frau Kerschbaumer hatte hinreichend Glück bei vielem. Es hätte auch bei aller Strategie anders laufen können.

Das Buch liest sich bis zur Hälfte sehr gut, dann wird es dichter und etwas verwirrender, auch weil Frau Kerschbaumer bei ihren Lebensberichten in der Zeitebene nun oft springt. Wenn ich das nicht schon zu oft erlebt hätte, wäre es mir bestimmt nicht so aufgefallen: Mein Eindruck war, dass auch hier am Ende ein gewisser Zeitdruck da war und das Buch fertig werden musste. Das jedenfalls würde die Verschlechterung in der zweiten Hälfte erklären. Während sich Autoren anfangs noch viele Gedanken machen und die Sache langsam angehen, überschlagen sich dann in der zweiten Hälfte die Ereignisse. Ein Klassiker, der auch hier zu beobachten ist.

Vielleicht bewirkt dieses Buch bei einigen Menschen tatsächlich etwas, wenigstens für den Augenblick oder eine begrenzte Zeit. Wenn man das Buch aufmerksam genug liest, dann erkennt man auch, warum es geschrieben wurde. Auch Getriebene müssen von etwas leben.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"… detaillierter Einblick in den rechtsmedizinischen Alltag …"

Dem Tod auf der Spur
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Ein wenig geschummelt ist diese Aussage mit Sicherheit, denn natürlich weiß ein Bestsellerautor wie Tsokos sehr genau, wie man ein Publikum begeistert. Er hat deshalb nur sehr spektakuläre Fälle in diesem ...

Ein wenig geschummelt ist diese Aussage mit Sicherheit, denn natürlich weiß ein Bestsellerautor wie Tsokos sehr genau, wie man ein Publikum begeistert. Er hat deshalb nur sehr spektakuläre Fälle in diesem Buch zusammengetragen. Der Alltag wird tatsächlich anders aussehen.

Das Buch erschien übrigens erstmals 2009, deshalb sollte man sich nicht wundern, wenn einem vielleicht einiges bekannt vorkommt. Das Original wurde nur durch wenige Neuheuten ergänzt.

Immerhin vermag es Prof. Tsokos wie immer Spannung mit Wissensvermittlung zusammenzuführen. Das Buch ist also schon allein deshalb lesenswert, weil es der Flut von Fernseh-Rechtsmedizinern einen tatsächlich existierenden Menschen und seine Arbeit entgegensetzt. In allen im Buch beschriebenen Fällen, vielleicht mit Ausnahme des letzten, hat die Rechtsmedizin entscheidende Hinweise zur Aufklärung geliefert.

Der letzte Fall, in dem es um eine unbekannte Leiche geht, die in Berlin immer noch konserviert aufbewahrt wird, soll es sich vielleicht um Rosa Luxemburg handeln. Allerdings wird man das nie aufklären können, weil es weder einen Kopf zur Leiche noch DNA-Material von Luxemburg gibt.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Ich hole eine Frau zurück ins Leben"

Das geheime Bildnis
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Juliette Willoughby soll als exzentrische, surrealistische Malerin nur ein Bild erschaffen haben, das "Selbstporträt als Sphinx". Angeblich verbrannte dieses Bild mit der Malerin und ihrem Geliebten 1938 ...

Juliette Willoughby soll als exzentrische, surrealistische Malerin nur ein Bild erschaffen haben, das "Selbstporträt als Sphinx". Angeblich verbrannte dieses Bild mit der Malerin und ihrem Geliebten 1938 in Paris. Zwei Kunststudenten, Patrick und Caroline, bekommen über 50 Jahre später den Auftrag, Arbeiten über das kleine Gemälde, seine Interpretation und Geschichte zu schreiben. Die Universität schickt sie dafür zu einer alten Frau, die sie dabei beraten soll. Das ist außergewöhnlich, wird aber von beiden nicht wirklich hinterfragt.

Da Patrick zu den aristokratischen Clans gehört, aus denen auch Juliette stammte, kommen die beiden bei einer Feier in eines der Häuser dieser Herrschaften. Und Caroline findet dort das angeblich verbrannte Bild. Wie kann das sein? Auf naheliegende Schlussfolgerungen kommt keiner der beiden. Stattdessen geraten sie in verschiedene Verstrickungen, die später Patrick in Dubai in den Knast bringen. Er soll ein Mörder sein. Inzwischen ist eine weitere Version des Gemäldes zu bewundern, das auch von der 1938 verbrannten Malerin stammen soll.

Beide Gemälde weisen Unterschiede auf, die dann auf Familiengeheimnisse in Juliettes Clan hinweisen sollen.

Man kann diesen Kriminalroman als Puzzle verstehen, das sich erst am Ende zusammenfügt und vorher nicht zu durchschauen ist. Oder aber man stellt sich als Leser einfache Fragen, die dann die Dinge schnell in einem anderen Licht erscheinen lassen, selbst wenn man die ganze Wahrheit nicht vor dem Ende entschlüsseln kann. Vieles ist gewollt, aber das merkt man anfangs nicht, weil es ja gerade zur Methode der Autoren gehört, die Dinge zu verschlüsseln und so die Spannung zu erhalten. Insbesondere passt dazu die Existenz eines Mr X, der zwar im Roman am Anfang erscheint, aber nicht für bedeutend gehalten wird. Aber Mr X besitzt Fähigkeiten, die schließlich die ganze Geschichte im richtigen Licht erscheinen lassen.

Aus meiner Sicht ist das ein ganz passabler Kriminalroman, der ganz anders funktioniert als solche Romane, die deutsche Autoren verfassen. Ohne Effekthascherei wird eine Geschichte erzählt, deren dunkle Geheimnisse sich erst nach und nach enthüllen. Allerdings übertreiben es die Autoren dabei auch etwas mit ihrem Puzzle. Wenn man das aushält, kann man sich ganz gut unterhalten fühlen.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Geht’s auch normal?"

Sein oder Spielen
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Nein, offenbar geht das nicht. Wieder einmal kann man sich auch mit diesem Buch mit der Blase bekannt machen, in der Schauspieler und Regisseure leben. Sie schaffen Illusionen und leben auch in solchen. ...

Nein, offenbar geht das nicht. Wieder einmal kann man sich auch mit diesem Buch mit der Blase bekannt machen, in der Schauspieler und Regisseure leben. Sie schaffen Illusionen und leben auch in solchen. Ihre größte Illusion demonstrieren sie durch eine grandiose Selbsterhöhung und Selbstüberschätzung, angefeuert von Medien, die das noch verstärken und zum eigenen Profit ausnutzen. Da wird eine Art von Kult aufgebaut, der einfach nur lächerlich ist, weil Filme selten etwas mit der Realität zu tun haben, sondern nur dem menschlichen Bedürfnis nach der Flucht aus derselben dienen.

Diese Art der Unterhaltung bezahlt man gerne. Und da das viele tun, kommen gewaltige Summen zusammen, die an einige Wenige zum Teil weitergegeben werden, während das schauspielerische Fußvolk Not leidet und sich offenbar selbst im Mittelklassesegment noch nicht einmal eine Krankenkasse leisten kann.

Dominik Graf stammt aus einer Schauspieler-Familie, stand selbst auf der Bühne und schreibt hier seine Erfahrungen als Regisseur nieder. Nimmt man das Buch zum ersten Mal in die Hand und blättert darin, dann fallen sofort die (absichtlich?) minderwertigen Fotografien auf. Vielleicht ist das ja auch eine Art von Kunst, die man nicht versteht, weil man zu blöd dafür ist. Schlimm ist jedoch der Stil, in dem dieses Buch verfasst wurde. Ich bin als Vielleser eine Menge gewohnt, aber das ist dann schon eine neue Kategorie. Da fühlt sich so an, als ob man unter einer intellektuellen Dusche steht, bei der jeder Tropfen ein Gedanke ist. Es gibt einen Strom, aber einen völlig diffusen. Der Autor springt ständig hin und her. Und wenn man ihm zu folgen versucht, würde das vermutlich in Kopfschmerzen oder im Wahnsinn enden. Ich habe diesen Versuch deshalb aus Selbstschutz schnell aufgegeben.

Sicher ist manches ganz interessant, aber die Anstrengung bis zu solchen Stellen zu kommen, ist riesig. Sie offenbart aber auch ein typisches Problem des deutschen Films: Gefangen in der Sucht nach Belehrung und Weltverbesserung geben sich viele dieser "Filmemacher" nicht dem Gedanken hin, dass sie das Publikum bezahlt und dafür auch gute Unterhaltung verlangt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Leute den Pöbel verachten und bestenfalls mit ihrer Weisheit beglücken wollen, sich aber in keinem Fall darum kümmern, dem "Verbraucher" gefallen zu wollen. Das wäre minderwertig und entspräche nicht den Höhen ihres überlegenen Geistes. Jedenfalls nach eigener Vermutung.

Wenn der Autor die Fähigkeit besitzen würde, seine Gedanken einigermaßen zu sortieren und lesbar zu vermitteln, wäre das Buch sicher gut geworden. So aber ist es grottenschlecht, obwohl es durchaus viele interessante Einblicke in eine Welt der Illusionen gibt, die mit Sicherheit völlig überbewertet wird.

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