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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2025

Liebe, die brennt und verglüht

Women
2

Als ich Women von Chloé Caldwell las, fühlte es sich an, als würde ich in das Tagebuch einer Freundin eintauchen – roh, intim und schonungslos ehrlich. Die Geschichte einer jungen Frau, die sich zum ersten ...

Als ich Women von Chloé Caldwell las, fühlte es sich an, als würde ich in das Tagebuch einer Freundin eintauchen – roh, intim und schonungslos ehrlich. Die Geschichte einer jungen Frau, die sich zum ersten Mal in eine andere Frau verliebt, hat mich tief berührt und gleichzeitig herausgefordert. Die Beziehung zu der älteren Finn, die bereits in einer festen Partnerschaft lebt, entwickelt sich zu einer obsessiven Affäre, die sowohl faszinierend als auch zerstörerisch ist.

Caldwells Schreibstil ist minimalistisch und direkt. Die kurzen, fragmentarischen Abschnitte spiegeln die inneren Turbulenzen der Erzählerin wider und lassen einen tief in ihre Gedankenwelt eintauchen. Es ist, als würde man ihre Emotionen hautnah miterleben – von der euphorischen Verliebtheit bis zur schmerzhaften Desillusionierung. Besonders beeindruckt hat mich, wie Caldwell die Unsicherheit und Identitätskrise der Protagonistin einfängt, ohne dabei jemals belehrend zu wirken.

Die Figuren wirken authentisch und greifbar. Finn bleibt dabei eine mysteriöse Figur, deren Motive oft im Dunkeln bleiben, was die Spannung erhöht. Die Erzählerin hingegen ist verletzlich, impulsiv und manchmal schwer zu ertragen – aber gerade das macht sie so menschlich. Ihre Selbstreflexion und der Versuch, sich selbst zu verstehen, haben mich tief bewegt.

Was dieses Buch für mich besonders macht, ist die Art und Weise, wie es Themen wie Liebe, Sexualität und Selbstfindung behandelt. Es stellt Fragen, ohne einfache Antworten zu liefern, und zwingt einen, sich mit den eigenen Vorstellungen von Identität und Beziehung auseinanderzusetzen. Die deutsche Übersetzung von Simone Jakob fängt die Nuancen des Originals hervorragend ein und macht die Lektüre auch für deutschsprachige Leser*innen zu einem intensiven Erlebnis.

Women ist kein leichtes Buch, aber eines, das lange nachhallt. Es ist eine Empfehlung für alle, die sich auf eine ehrliche und ungeschönte Auseinandersetzung mit den Höhen und Tiefen der Liebe einlassen möchten. Ein literarisches Kleinod, das zeigt, wie schmerzhaft und gleichzeitig schön das Menschsein sein kann.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Schleppender Krimiroman

Ámbar
0

Das Buch versucht, Elemente des Thrillers mit klassischen Krimiroman-Elementen zu verbinden, doch insgesamt blieb es für mich hinter den Erwartungen zurück. Zwar gibt es einige spannende Momente – insbesondere ...

Das Buch versucht, Elemente des Thrillers mit klassischen Krimiroman-Elementen zu verbinden, doch insgesamt blieb es für mich hinter den Erwartungen zurück. Zwar gibt es einige spannende Momente – insbesondere in den actionreichen Passagen und den überraschenden Wendungen, die kurze Augenblicke der Faszination schaffen –, doch wirkt die Erzählung häufig schleppend. Die Sprachgestaltung schafft es nicht immer, den dramatischen Momenten gerecht zu werden, und lässt die Handlung insgesamt eher zäh und wenig packend erscheinen.

Zudem empfinde ich die Wahl der Gattung als unpassend. Wo man einen fesselnden Thriller erwartet, entfaltet sich vielmehr ein Krimiroman, der in seinem erzählerischen Ansatz und in der Charakterzeichnung zu sehr auf klassische Kriminalitätsthematiken setzt. Obwohl die komplexe Beziehung der Protagonistin zu ihrem Vater und die subtilen Einblicke in familiäre Konflikte durchaus interessante Ansätze bieten, reicht das nicht aus, um mich als Leserin vollständig in den Bann zu ziehen.

Insgesamt konnte mich das Buch nicht überzeugen – die wenigen Höhepunkte werden durch einen überwiegend langatmigen und wenig dynamischen Erzählstil relativiert. Die Mischung aus Genres und die teilweise schwache sprachliche Umsetzung führen dazu, dass das Buch als Thriller nicht seinen Ansprüchen gerecht wird.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Sommer der Katharsis

Wenn die Tage länger werden
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Anne Sterns Roman Wenn die Tage länger werden ist eine tief berührende Geschichte, die sich mit den Fragen von Identität, Mutterrolle, familiären Konflikten und der Last der Vergangenheit auseinandersetzt. ...

Anne Sterns Roman Wenn die Tage länger werden ist eine tief berührende Geschichte, die sich mit den Fragen von Identität, Mutterrolle, familiären Konflikten und der Last der Vergangenheit auseinandersetzt. Mit einer poetischen Sprache malt die Autorin lebendige Bilder von warmen Sommernachmittagen, alten Familiengeheimnissen und der inneren Zerrissenheit der Protagonistin Lisa.

Bereits zu Beginn führt Stern ihre Leser*innen in eine Welt voller Nostalgie und tiefsinniger Reflexionen. Die innere Zerrissenheit der Hauptfigur Lisa, die zwischen ihrer Rolle als Mutter, Lehrerin und Tochter schwankt, wird eindrucksvoll eingefangen. Ihre Beziehung zu ihrer eigenen Mutter Barbara ist dabei besonders vielschichtig und zeigt, wie stark die Erwartungen und Prägungen aus der Kindheit unser Leben beeinflussen können. Die toxische Dynamik zwischen den beiden Frauen, durchzogen von unausgesprochenen Erwartungen und Enttäuschungen, ist eine der stärksten emotionalen Ebenen des Romans.

Parallel dazu entfaltet sich die Geschichte von Hans und seiner Vergangenheit, die von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs gezeichnet ist. Die Art und Weise, wie Stern den Einfluss der Vergangenheit auf die Gegenwart schildert, ist ebenso eindrucksvoll wie bedrückend. Besonders die Thematik der Schuld und der Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe wird einprägsam behandelt. Dies geschieht nicht belehrend, sondern subtil und durch bewegende Einzelschicksale, die tief unter die Haut gehen. Und trotz der ernsten Thematik gibt es auch hoffnungsvolle und versöhnliche Momente.

Sterns Schreibstil ist fließend und atmosphärisch. Ohne große Action oder dramatische Wendungen erschafft sie eine mitreißende Erkundung der menschlichen Seele. Sie lässt ihre Leserschaft tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Charaktere eintauchen, während sie gleichzeitig eindrucksvolle Bilder der Natur und Umgebung heraufbeschwört.

Das Buch endet auf eine Weise, die sowohl berührt als auch nachdenklich stimmt. Viele Fragen werden geklärt, andere bewusst offengelassen, sodass die Leserschaft noch lange nach der letzten Seite in den Gedanken der Figuren verweilen. Wenn die Tage länger werden ist nicht nur eine Erkundung familiärer Bande und individueller Selbstfindung, sondern auch eine Hommage an das Erinnern und Verstehen.

Ein absolutes Lese-Highlight für alle, die sich von einer fein gezeichneten, emotional tiefgehenden Geschichte verzaubern lassen wollen.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Melancholie, Humor und ein wenig Wahnsinn

Nowhere Heart Land
3

Emily Marie Laras Nowhere Heart Land erzählt die bewegende Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeit. Die Protagonistin Rosa bleibt anfangs schwer greifbar, doch mit ihrer ...

Emily Marie Laras Nowhere Heart Land erzählt die bewegende Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeit. Die Protagonistin Rosa bleibt anfangs schwer greifbar, doch mit ihrer Ankunft in Deutschland entfaltet sich eine tiefgründige, nostalgische Erzählung voller Zeitsprünge und innerer Konflikte. Besonders ihr Umgang mit sozialen Medien und die damit verbundene parasoziale Dimension ihrer Selbstfindung sind spannende Aspekte, die das Buch in die heutige Zeit einbetten.

Während der erste Teil von Rosas Reise von Fragen und Erinnerungen geprägt ist, entwickelt sich die zweite Hälfte in eine düstere Richtung. Die Geschichte nimmt zunehmend eskalierende Wendungen,
Trotz der Schwere des Themas wächst Rosa einem ans Herz. Die Autorin vermittelt eindrücklich das Gefühl, niemanden zu haben und dabei Stück für Stück sich selbst zu verlieren. Besonders hervorzuheben ist die einfühlsame Darstellung von Demenz durch Rosas Großmutter. Die Begegnung zwischen den beiden und die Gespräche mit einem Pfleger gehören für mich zu den emotionalsten Momenten des Buches.

Mein Fazit: Nowhere Heart Land ist eine melancholische, mitunter wahnsinnige Erzählung über Verlust, Erinnerung und die Suche nach einem Platz in der Welt. Das offene Ende lässt Raum für Spekulationen – und die Hoffnung auf eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Herzerwärmend und unerlässlich

So viele Körper
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Das Buch „So viele Körper“ überzeugt von der ersten Seite an durch ein farbenfrohes und einladendes Cover, das sofort Neugierde weckt. Die Gestaltung der Illustrationen ist außergewöhnlich – lebendig, ...

Das Buch „So viele Körper“ überzeugt von der ersten Seite an durch ein farbenfrohes und einladendes Cover, das sofort Neugierde weckt. Die Gestaltung der Illustrationen ist außergewöhnlich – lebendig, detailreich und mit viel Gefühl umgesetzt. Jede Illustration trägt dazu bei, die Vielfalt menschlicher Erscheinungsformen authentisch darzustellen, was mir besonders gut gefallen hat.

Inhaltlich setzt sich das Buch mit einem Thema auseinander, das in der heutigen Zeit wichtiger nicht sein könnte: der bedingungslosen Wertschätzung jedes einzelnen Körpers. Ohne auf klischeehafte Vorurteile zurückzugreifen, vermittelt es auf einfühlsame Weise, dass äußerliche Merkmale nicht ausschlaggebend für den inneren Wert eines Menschen sind. Die Umsetzung des Themas gelingt dabei auf mehreren Ebenen. Zum einen ist der Schreibstil klar, gut verständlich und zugleich poetisch. Zum anderen wird das Thema durch eine authentische Darstellung der Figuren untermauert, die trotz ihrer Vielfalt einen roten Faden bilden.

Besonders positiv hervorzuheben sind die praktischen Tipps, die am Ende des Buches zu finden sind. Sie bieten Eltern wertvolle Anregungen, wie man behutsam und offen mit Kindern über Fragen der Körperwahrnehmung sprechen kann. Diese Hinweise tragen dazu bei, das Tabu um dieses Thema zu brechen und fördern einen gesunden, selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Körper. Die Figuren im Buch wirken dadurch lebendig und echt – sie sind so gestaltet, dass sich Lesende aller Altersgruppen wiedererkennen können.

Sophie Kennen und Airin O ́Callaghan haben es geschafft, eine wertvolle Botschaft in ein optisch ansprechendes und sprachlich gelingendes Werk zu verpacken. Auch wenn das Buch inhaltlich in gewissen Apspekten anspruchsvoll ist, gelingt es dennoch, eine positive Grundstimmung zu erzeugen, die sowohl jung als auch alt anspricht.

Mein Fazit: „So viele Körper“ ist ein inspirierendes Buch, das mit seiner liebevollen Gestaltung und tiefgründigen Botschaft überzeugt. Es ist eine klare Empfehlung für alle, die Wert auf Vielfalt, Selbstakzeptanz und einen respektvollen Umgang miteinander legen. Ein rundum gelungenes Werk, das zum Nachdenken anregt und Mut macht, den eigenen Körper in seiner Einzigartigkeit zu feiern.

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