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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.10.2020

Variationsreiches Leibgericht als Dauerbrenner

Ein Tag ohne Kartoffelsalat ist kulinarisch betrachtet ein verlorener Tag
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Nach jahrelangen Auslandsaufenthalten zurück in Deutschland läuft „Kochen mit Martina und Moritz“ bei uns regelmäßig über den Äther, denn diese Sendung unterscheidet sich von den vielen anderen Kochshows, ...

Nach jahrelangen Auslandsaufenthalten zurück in Deutschland läuft „Kochen mit Martina und Moritz“ bei uns regelmäßig über den Äther, denn diese Sendung unterscheidet sich von den vielen anderen Kochshows, die mittlerweile das Fernsehprogramm bestimmen, durch Herz und vor allem durch die Heimatrezepte, die wir noch aus der Kindheit kennen und bei uns immer wieder ein wohliges Gefühl verursachen.
Vor allem Kartoffelsalat ist bei uns ein fester Bestandteil des wöchentlichen Speiseplans, da musste das Buch „Ein Tag ohne Kartoffelsalat ist kulinarisch betrachtet ein verlorener Tag“ auf jeden Fall bei uns einziehen, um dieses Leibgericht in immer wieder neuem Gewand auf den Tisch zu bringen. Mit 100 Varianten des beliebten Gerichts legen Martina und Moritz eine sehr abwechslungsreiche Vielfalt vor, durch die man sich erst einmal durchprobieren muss, um seine persönlichen Favoriten herauszufinden.
Die beiden stellen nicht nur die Kartoffel in den Vordergrund, sondern zeigen auch, was für innovative und variantenreiche Möglichkeiten es gibt, die Kartoffel mit anderen Zutaten zu vermischen, um daraus ein neues Leibgericht zu zaubern. Neben einer gut aufgemachten Warenkunde und den Grundzutaten ist das Buch aufgeteilt in Vorspeise, Hauptgericht oder Beilage. Die Salate sind wunderbar zusammengestellt und entwickeln sich dabei als Allrounder in der Speisefolge. Unterschiedliche Grundrezepte sowie diverse Dressings oder Saucen lassen die Kartoffelkompositionen immer wieder neu und anders schmecken, womit sie jede andere Beilage fast schon übertreffen. Auch die Resteverwertung wird angesprochen sowie mit vielen Tipps und Tricks empfohlen, was am besten mit dem jeweiligen Salat korrespondiert.
Während man sich durch die einzelnen Rezepturen liest, kommen einem als Hobbykoch selbst eigene Ideen für die Abwandlung des einen oder anderen Vorschlags, dieses Buchanimiert regelrecht zu weiteren Kartoffelsalatvariationen. So wird aus einem Leibgericht ein Dauerbrenner auf dem Tisch! Absolut empfehlenswert, unbedingt ausprobieren!!!

Veröffentlicht am 24.10.2020

Hiermit wird man Ginfluencer!

Gin Atlas
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In den letzten Jahren ist der aus Wacholder hergestellt Gin pur oder als wichtige Basiszutat für Cocktails immer beliebter geworden. Inzwischen gibt es Ginarten nicht nur mit unterschiedlichem Alkoholgehalt, ...

In den letzten Jahren ist der aus Wacholder hergestellt Gin pur oder als wichtige Basiszutat für Cocktails immer beliebter geworden. Inzwischen gibt es Ginarten nicht nur mit unterschiedlichem Alkoholgehalt, sondern auch in variantenreichen Destillationen, die vielfältige Genussoptionen möglich machen, so dass für jeden Gaumen etwas dabei ist. So wird der reine Wacholdergin bei einem trockenen Martini, einem Negroni und diversen Longdrinks wie London Buck, Gin Basil Smash oder der allseits bekannte Gin Tonic verwendet. Aber es gibt noch viele andere Optionen, die in diesem wunderbaren Atlas Erwähnung finden.
Mit ihrem „Gin Atlas“ vermitteln die beiden Autoren Joel Harrison und Neil Ridley dem interessierten Leser nicht nur die Geschichte des Gins und dessen Herstellungsprozess, sondern bietet darüber hinaus einen Einblick in die Einsatzvielfalt des beliebten Getränks sowie die unterschiedlichsten Geschmacksnuancen durch die Aromatisierung des Destillats durch Kräuter, Gewürze, Fruchtzusätze und vieles mehr. Auf den Spuren des Gins reist der Leser mit den Autoren rund um den Globus und besucht Destillerien auf allen fünf Kontinenten (Übrigens erfahren auch deutsche Destillen immer größeren Zulauf). Begleitet wird diese Weltreise mit zahlreichen farbenprächtigen Fotoaufnahmen und vielen Informationen über die einzelnen Destillerien. Überhaupt besticht das Buch insgesamt durch seine hochwertige Aufmachung.
Neben den unterschiedlichsten Destillieranlagen wird auch ein besonderes Augenmerk auf die Botanicals gelegt, die die Autoren als „persönliche DNA“ des Gins bezeichnen. Weltbekannte Ginmarken und deren Destillen werden ebenfalls vorgestellt, wobei die Autoren ihre ganz persönliche Meinung abgeben, für welche Drinks welche Sorte sich besonders eignet.
Der „Gin Atlas“ ist nicht nur informativ, sondern macht Lust darauf, sich mit der Vielfalt dieses Getränks genauer zu beschäftigen, um dann die Geschmacksknospen glühen zu lassen und dabei seinen Favoriten zu finden. Wohl bekomm’s!

Veröffentlicht am 24.10.2020

Stockholmer Trio

Der Stockholm-Code – Die erste Begegnung
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1940 Schweden. Ein Regierungsprojekt führt Elisabeth, Iris und Signe in Stockholm zusammen. Die drei Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund besitzen mathematisches Talent, welches die schwedische Regierung ...

1940 Schweden. Ein Regierungsprojekt führt Elisabeth, Iris und Signe in Stockholm zusammen. Die drei Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund besitzen mathematisches Talent, welches die schwedische Regierung für die Entschlüsselung von Funknachrichten nutzen möchte, um sich den Nazis entgegenstellen zu können. Während Signe Jansson praktisch nach Stockholm geflohen ist, weil sie den Witwer ihrer Schwester nicht heiraten wollte und ihre Familie ihr deshalb die Tür vor der Nase zugeschlagen hat, stammt Elisabeth Herrmann aus wohlhabendem Haus und möchte einen Beruf ergreifen anstatt sich verheiraten zu müssen. Und Iris Lepik ist gebürtige Estin, die mit ihren Söhnen Jan und Josef vor den Russen nach Schweden geflohen ist. Schon bald freunden sich die drei Frauen an, doch so einige Geheimnisse bleiben ungesagt und holen die eine oder andere schlussendlich ein…
Denise Rudberg hat mit „Die erste Begegnung“ den Auftaktband ihrer Stockholm-Code-Serie vorgelegt, der nicht nur mit historischem Hintergrund, sondern auch mit drei interessanten Frauenschicksalen aufwartet. Der flüssig-leichte, bildhafte und gefühlvolle Schreibstil verhilft dem Leser nicht nur zu einer Zeitreise ins vergangene Jahrhundert, sondern lässt ihn auch am Schicksal dreier Frauen teilhaben, deren Gedanken- und Gefühlsleben sich ihm nach und nach offenbaren. Das interessante Thema der Dechiffrierung von Funknachrichten bleibt in dieser Geschichte eher außen vor, dafür stehen Elisabeth, Iris und Signe sowie ihre unterschiedlichen Beweggründe im Vordergrund der Handlung. Der Prolog ist spannend angelegt, wird jedoch erst zum Ende des Romans wieder aufgegriffen, um mit einem Paukenschlag zu enden, der das Lesen der Fortsetzung regelrecht einfordert. Mit unterschiedlichen Erzählperspektiven lässt die Autorin den Leser hinter die Fassade der drei Frauen blicken, wobei sie unterschiedliche Frauenbilder entwickelt hat: von der Kämpferin für Frauenrechte über eine Frau, die sich seit ihrer Flucht ständig über die Schulter blickt und sich liebevoll um ihre Kinder kümmert bis hin zur Bescheidenen und eher Unscheinbaren. Während der Spannungsbogen nur zu Beginn wie zum Ende auf hohem Niveau liegen, plätschert die restliche Handlung eher vor sich hin und lässt dabei leider einen gewissen Tiefgang vermissen.
Die Charaktere sind liebevoll in Szene gesetzt und lassen den Leser aufgrund ihrer glaubhaften menschlichen Eigenarten recht nahe an sich heran, um ihm einen Blick durchs Schlüsselloch zu erlauben. Elisabeth ist eine Powerfrau, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube macht. Selbstsicher und offen geht sie durch die Welt und lässt sich keine Konventionen aufdiktieren. Signe ist eher genügsam und zurückhaltend, ihre Freiheit hat sie sich teuer erkämpft, denn die Türen ihrer Familie sind für sie geschlossen. Die Freundschaft zu Elisabeth und Iris vertreibt ihre Einsamkeit und puscht sie auch, etwas selbstbewusster zu werden. Iris hat schon einiges hinter sich, Halt geben ihr ihre beiden Söhne. Sie ist fürsorglich, mitfühlend und hilfsbereit, doch sie hütet ein Geheimnis, dass ihr vielleicht irgendwann um die Ohren fliegt. Ebenso bieten Stig, Erik, Josef, Jan und weitere Protagonisten der Handlung interessante Aspekte.
„Die erste Begegnung“ ist ein unterhaltsamer Reihenauftakt ohne viel Tiefgang. Kurzweilig zu lesen aufgrund der so unterschiedlichen Frauenschicksale, des historischen Hintergrunds und der verschiedenen Geheimnisse. Wer hier einen Agentenroman erwartet, wird enttäuscht. Verdiente Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 24.10.2020

Kann ich, will ich oder doch nicht?

Und das Meer vor uns
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Eigentlich strebte die verheiratete Caja Rodinger eine Karriere als Künstlerin an, aber bisher ist sie über Auftragsarbeiten nicht hinausgekommen. Auch in Graz hat sie sich bisher nicht eingelebt und fühlt ...

Eigentlich strebte die verheiratete Caja Rodinger eine Karriere als Künstlerin an, aber bisher ist sie über Auftragsarbeiten nicht hinausgekommen. Auch in Graz hat sie sich bisher nicht eingelebt und fühlt sich oft isoliert. Mit dem Fund des Smartphones einer Unbekannten aber beginnt Caja, ihrem Leben einen neuen Kick zu geben. Gemeinsam mit ihrer Freundin Jolie tritt sie eine Reise mit ungewissem Ausgang an, gabeln unterwegs den alten Witwer Ludwig Gruber auf und machen sich auf den Weg ans Meer. Ihr neues Domizil ist eine Künstlervilla in Italien, die einem alten Kumpel von Ludwig gehört. Schon bald blüht Caja dort auf, stellt ihr altes Leben in Frage und sucht für sich nach einem Neuanfang, der sie glücklich macht.
Franziska Fischer hat mit „Und das Meer vor uns“ einen unterhaltsamen Roman vorgelegt, mit dem sie den Leser nicht nur einlädt, einen abenteuerlichen Kurztrip mit einer ungewöhnlichen Truppe zu unternehmen, sondern auch Zaungast zu sein, wenn Caja ihr Leben reflektiert und nach Lösungsmöglichkeiten sucht. Begleitet von einem flüssigen und gefühlvollen Erzählstil folgt der Leser dem zusammengewürfelten Trio nicht nur nach Italien, sondern bekommt gleichzeitig einen Einblick in Cajas Seelenleben, wo einiges an Durcheinander herrscht. Interessant sind auch die Tagebucheinträge auf dem gefundenen Smartphone, die Caja regelrecht in den Bann ziehen und sie von einem anderen Leben träumen lassen. Was zuerst noch neugierig macht, entwickelt sich aber immer mehr zur Besessenheit und Flucht in eine Traumwelt, um bloß nicht über die eigenen Probleme nachzudenken, das nervt auf Dauer und kostet Caja einige Sympathiepunkte. Jeder Mensch findet sich irgendwann an einem Punkt, wo er Selbstzweifel verspürt oder Entscheidungen treffen muss, die schwer fallen. In dieser Geschichte jedoch entwickelt sich das zu einer Endlosschleife und stellt die Geduld des Lesers auf die Probe. Dagegen ist Jolie ein ganz anders Kaliber und man fragt sich im Stillen, wie die beiden überhaupt befreundet sein können.
Ein bunter Strauß von Protagonisten ist schön gestaltet und überzeugt mit glaubhaften menschlichen Eigenschaften, die sie authentisch wirken lassen. Der Leser fungiert als stiller Beobachter, denn eine Nähe zu den Charakteren will sich einfach nicht einstellen. Caja ist eine Frau, die mit ihrem Leben völlig unzufrieden ist, der es aber an Willenskraft und Entschlussfreudigkeit fehlt, diesen Makel abzuschaffen. Ihre ständigen Zweifel sowie ihr mangelndes Selbstvertrauen gehen schon bald an die Nerven, und man möchte ihr einmal fest in den Hintern treten, damit sie aus ihrer Traumwelt hervorkommt und die Dinge etwas pragmatischer angeht. Jolie ist eine tolle Freundin, mit ihrer quirligen und positiven Ausstrahlung ist sie die nötige Medizin für Caja, um endlich aus dem Quark zu kommen. Ludwig hat das Herz am rechten Fleck und ist wirklich ein toller Typ, offen, freundlich und warmherzig. Aber auch Juran und weitere Nebendarsteller tragen ihren Teil zur Geschichte bei.
„Und das Meer vor uns“ erzählt von Liebe, Freundschaft, einer Traumreise und die Suche nach dem eigenen Ich. Aufgrund einer nervigen, im Schritttempo denkenden Hauptprotagonistin etwas langatmig. Eingeschränkte Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 23.10.2020

"Wer den Teig nicht knetet, wird kein gutes Brot essen." (Französisches Sprichwort)

Lutz Geißlers Almbackbuch
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Inzwischen haben wir eine große Sammlung an Brotbackbüchern aus aller Welt zusammengetragen, die wir natürlich auch alle durchprobiert haben, um Abwechslung auf den Tisch zu bringen. Über den Erhalt dieses ...

Inzwischen haben wir eine große Sammlung an Brotbackbüchern aus aller Welt zusammengetragen, die wir natürlich auch alle durchprobiert haben, um Abwechslung auf den Tisch zu bringen. Über den Erhalt dieses wunderbaren Exemplars von "Lutz Geißlers Almbackbuch" haben wir uns besonders gefreut, sind wir doch schon lange große Fans seines Plötzblogs und haben bereits begeistert einige seiner Bücher „durchgebacken“.

Schon die hochwertige und ansprechende Ausstattung des Buches verführt dazu, sich schon bald in die Geschichten, Fotos und Rezepte zu vertiefen, die diesmal auf der Kalchkendlalm am österreichischen Fröstlberg bei Roswitha Huber Geißler entstanden sind und Geißler nun seinem Leser an die Hand gibt. Dabei erlebt man nicht nur die Liebe zu seiner Heimat und die Leidenschaft für Brot, sondern man erfährt neben Tradition und das Bewusstsein für Entschleunigung auch unheimlich viel über das von uns täglich gern konsumierte Genussprodukt in seiner ganzen Vielfalt.

Das Buch ist nach System aufgemacht, so dass auch mancher Laie seinen Spaß daran haben wird, sich an einzelne Rezepturen zu wagen, um dann voller Stolz sein erstes Brot zu verkosten. Danach will man kein Massenprodukt mehr auf dem Teller sehen – versprochen! Aber vorher sollte man sich die „Tipps zum Backen“ verinnerlichen und das Anstellgut vorbereiten, damit es auch was werden kann mit dem eigenen Brot. Dafür ist genügend Muße nötig, denn was besonders gut schmecken soll, will mit viel Liebe und Geduld erschaffen werden. Wer schon einmal Sauerteigbrot gebacken hat, weiß davon ein Lied zu singen.

Neben verschiedenen Brotsorten bietet Geißler auch Rezepte für Fein-und Kleingebäck wie beim Brot jeweils unterteilt in Roggen, Dinkel und Weizen an, die ebenfalls unser Herz erobert haben, besonders der Almzopf und die Apfeltaschen haben es uns sehr angetan. Nachdem wir uns durch dieses Werk „durchgebacken“ haben, gibt es kein Rezept, das uns nicht gemundet hat, insofern wird die Vielfalt von Hafer-Dinkelbrot, Laugenflesserl, Kaspressknödel etc. weiterhin unseren Tisch sehr bereichern.

Dieses Buch ist ein Füllhorn an Ideenreichtum, das man immer wieder aufs Neue zu schätzen wissen wird. Absolute Empfehlung für ein richtiges Meisterwerk unter den Backbüchern!