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Veröffentlicht am 15.08.2021

Die weinende Frau - Picassos Muse Dora Maar

Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe
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Henriette Theodora Markovitch, Tochter eines kroatischen Architekten und einer französischen Mutter in Paris geboren und in Buenos Aires aufgewachsen, kehrt 1926 nach Paris zurück. Seit ihrem 12. Lebensjahr ...

Henriette Theodora Markovitch, Tochter eines kroatischen Architekten und einer französischen Mutter in Paris geboren und in Buenos Aires aufgewachsen, kehrt 1926 nach Paris zurück. Seit ihrem 12. Lebensjahr liebt sie die Fotografie und die Malerei und hofft, dies eines Tages studieren zu können, obwohl Frauen an den Universitäten nicht zugelassen sind. Dora konzentriert sich deshalb auf die Fotografie und perfektioniert ihre Fertigkeiten hier meisterlich, so dass ihr Werk „Pére Ubu“ große Aufmerksamkeit erhält. Das bleibt auch dem bereits bekannten Maler Pablo Picasso nicht verborgen, dem Dora 1936 in Paris vorgestellt wird und den sie heimlich schon lange verehrt. Während Picasso von ihrer dunklen geheimnisvollen Schönheit magisch angezogen ist und Dora schnell zu seiner Muse und seinem Modell kürt, gibt sie die Fotografie auf und sich einem Mann hin, der sie nicht liebt und schon bald egoistisch durch eine neue Frau ersetzt…
Bettina Storks hat mit „Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ einen wunderbaren biografischen Roman vorgelegt, der nicht nur fesselnd zu unterhalten weiß und den Leser durch so manche Gefühlsachterbahn schickt, sondern ebenso einer schillernden Frau ein Denkmal setzt. Der flüssige, atmosphärisch-dichte und farbenfrohe Erzählstil lädt den Leser ein, Dora Maar von Grund auf kennenzulernen. Die akribische Recherche der Autorin zahlt sich in jeder Hinsicht aus, denn Realität und Fiktion verschmilzen zu einer wunderbaren Einheit. Der Leser erlebt Dora mit ihren Eltern, ihr Leben mit dem Maler Pablo Picasso, taucht aber auch in ihr eigenes Wirken ein und darf sich ganz in das Wesen der Künstlerin hineinzuversetzen, um ihre Gefühle und ihre Handlungsweisen nachvollziehen zu können. Die Verbindung ihrer Eltern hatte schon etwas von einer toxischen Beziehung, die Mutter ewig unzufrieden, der Vater am liebsten nie zuhause. Dora wurde schon von ihnen eine Zerrissenheit vorgelebt, die sie dann selbst mit Pablo Picasso erleben sollte bis zur Selbstaufgabe. Dora trifft auf Picasso, als sie sich selbst aus eigener Kraft einen Namen gemacht hat und der Maler mitten in einer Schaffenskrise steckt. Der verheiratete Picasso, als Frauenheld verschrien, macht auch vor Dora nicht Halt, die schon lange heimlich für ihn schwärmte und macht sie zu seiner Geliebten und Muse. Dora bringt ihn wieder zum Malen, während sie ihre eigene künstlerische Laufbahn auf seinen Wunsch hin auf Eis legt. Sie steht ihm rund um die Uhr zur Verfügung, ist ihm regelrecht hörig. Am Ende muss Dora feststellen, dass sie austauschbar ist, dass all ihre Gefühle und all ihre Entbehrungen im Dienst der Liebe umsonst waren. Die Verbindung zwischen ihnen war hochexplosiv und doch war es ausgerechnet Dora, die immer wieder einlenkte, so sehr liebte sie ihn. Als Picasso die Beziehung beendete, zog es Dora den Boden unter den Füssen weg, sie stand vor dem Nichts, sowohl was ihre Gefühle anbelangte als auch als Künstlerin. Eindrucksvoll macht Storks die ungesunde Verbindung zwischen den beiden deutlich, während sie den Leser gleichzeitig durch die spannende Welt der Kunstszene schleust, wo man auf Man Ray, Paul Elouard, Lee Miller und andere trifft.
Die Charaktere sind hervorragend herausgearbeitet, sprühen vor Lebendigkeit und überzeugen mit glaubwürdigen Eigenschaften, so dass der Leser sie sehr genau kennenlernen darf. Dora ist eine Frau, die weiß, was sie will und ihre Ziele verfolgt. Sie ist geheimnisvoll, kreativ, temperamentvoll und vor allem sehr feinsinnig, was ihr viele schmerzvolle Erfahrungen einbringt. Picasso ist ein Egomane, selbstverliebt, anstrengend, verletzend und unsensibel. Er kennt nur sein eigenes Wohlergehen.
„Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ ist ein außergewöhnlicher historisch-biografischer Roman, der keine Wünsche offen lässt und eine ungewöhnliche Frau wieder zum Leben erweckt. Spät kommt der Ruhm, aber er kommt, zumindest mit diesem Roman, der Dora Maar ein Denkmal setzt. Absolute Leseempfehlung für ein Ausnahmewerk, Chapeau!!!

Veröffentlicht am 07.08.2021

Sarahs Balanceakt zwischen zwei Welten

Das Auktionshaus
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1910 London. Für die aus ärmlichen Verhältnissen des Londoner Armenviertels Soho stammende Sarah Rosewell hofft, eines Tages ihrem gewalttätigen Elternhaus zu entfliehen. Ihre verändert sich die Welt von ...

1910 London. Für die aus ärmlichen Verhältnissen des Londoner Armenviertels Soho stammende Sarah Rosewell hofft, eines Tages ihrem gewalttätigen Elternhaus zu entfliehen. Ihre verändert sich die Welt von einem Tag auf den anderen, als sie eine Brosche nebst Handtasche findet und dadurch die Bekanntschaft von Lady Sudbury macht. Sarah wird von ihr als Gesellschafterin angestellt und bildet sie darin aus, ein besonderes Auge für Kunst und Antiquitäten zu bekommen, aber auch Sprachen gehören zu ihrem Lernprogramm. Sarah darf Lady Sudbury nicht nur auf Auktionen begleiten, sondern erhält durch sie auch Zutritt zu den Landsitzen der High Society. Immer mehr perfektioniert sie ihr Wissen und darf bald für das angesehene Auktionshaus Varnham’s arbeiten, für deren Kunden sie die ausgefallensten und wertvollsten Stücke findet. Schnell steigt sie Karriereleiter bei Varnham’s empor, was ihr Neider einbringt, die es gar nicht erwarten können, dass sie strauchelt. Als Sarah in dem Fotografen Philip ihre große Liebe findet, ist es ihre Herkunft, die eine Ehe mit ihm unmöglich macht. Ein Brief bringt Sarahs Leben zusätzlich in die Bredouille, denn schon lange hütet sie ein Geheimnis, das nun an die Oberfläche zu geraten droht. Und dann beginnt der erste Weltkrieg…
Amelia Martin (alias Constanze Wilken) hat mit „Das Auktionshaus-Der Glanz Londons“ den fesselnden Auftaktband ihrer historischen Auktionshaus-Saga vorgelegt, der den Leser von der ersten Seite an zu fesseln weiß, zumal die Autorin einiges an eigener Erfahrung und Fachwissen in ihre Geschichte einfließen lässt. Der flüssige, bildhafte und gefühlvolle Erzählstil lässt den Leser ins vergangene Jahrhundert reisen, wo er sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg an der Seite von Sarah wiederfindet und ihr fortan wie ein Schatten bis in die Nachkriegszeit folgt. Mit viel Empathie und Einfühlungsvermögen zeichnet die Autorin die gesellschaftlichen Gesellschaftsformen im damaligen England nach, wo Standesdünkel an der Tagesordnung war und Frauen mit Fachwissen und Expertise in gehobenen Arbeitspositionen fast undenkbar. Durch die Bekanntschaft mit Lady Sudbury und harte Arbeit öffnen sich für Sarah Türen, die ansonsten fest verschlossen geblieben wären. Sarahs Zerrissenheit wird sehr gut von der Autorin transportiert, denn der Balanceakt zwischen zwei Welten, ihrer alten im Armenviertel von Soho, wo ihre Familie noch lebt, und ihrer neuen im Auktionshaus sind nicht miteinander zu vereinbaren. Es wäre ein gefundenes Fressen für all jene, die ihr ihre Position neiden und nur einen Grund suchen, sie fallen zu sehen. Bittersüß und spannend auch die eingeflochtene Liebesgeschichte, die durch die gesellschaftlichen Unterschiede nicht erfüllbar erscheint.
Die Charaktere sind sehr lebensnah gezeichnet und mit menschlichen Eigenschaften versehen, die sie dem Leser glaubhaft und nahbar machen. Gern heftet er sich an ihre Fersen und fiebert mit, wie sich die Geschichte wohl für alle Beteiligten entwickeln wird. Sarah ist eine sympathische junge Frau, die einem sofort ans Herz wächst. Mit Fleiß, Ehrlichkeit, Leidenschaft und harter Arbeit erkämpft sie sich einen einflussreichen Platz in der Geschäftswelt. Ihre Wendigkeit, schnelle Auffassungsgabe sowie ihr gutes Auge bescheren ihr Selbstsicherheit, aber auch Anerkennung. Lady Sudbury ist eine warmherzige Frau, die den Diamanten unter den Kohlesteinen gefunden hat und diesen nun mit viel Hingabe schleift, bis er formvollendet ist. Philip ist ein freundlicher Mann, der aus einer guten Familie stammt und seine Haut nicht so einfach abstreifen kann.
„Das Auktionshaus-Der Glanz Londons“ ist eine wunderbare zusammengestellte Mischung aus historischem Roman, Liebesgeschichte und Stippvisite in die Welt der Auktionen, Kunstgegenstände und –liebhaber. Fesselnd, spannend und gefühlvoll erzählt, ist das Buch ein wahrer Pageturner, der das Kopfkino anspringen lässt. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 07.08.2021

„Wer anderen die Freiheit verweigert, verdient sie nicht für sich selbst.“ (Abraham Lincoln)

Die Heimkehr der Störche
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1952. Der Stübeckhof in der Lüneburger Heide ist der Zufluchtsort von Dora Twardy und ihrer Familie nach der Vertreibung vom heimatlichen Gut in Ostpreußen, der sich schon bald wie ein Gefängnis anfühlt ...

1952. Der Stübeckhof in der Lüneburger Heide ist der Zufluchtsort von Dora Twardy und ihrer Familie nach der Vertreibung vom heimatlichen Gut in Ostpreußen, der sich schon bald wie ein Gefängnis anfühlt aufgrund der zänkischen Bäuerin sowie der Ausgrenzung durch die Dorfbewohner. Trotzdem hält Dora sieben Jahre durch, bis sie sich endlich mit Curt von Thoraus Tochter Clara nach Ostberlin flüchtet, um dort einen Studienplatz für Tiermedizin an der Humboldt-Universität anzunehmen. Sie kommen bei Verwandten ihres jüngeren Bruders unter. Bei ihrer Suche nach Curt findet sie diesen in einem Stasi-Gefängnis und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, damit er entlassen wird. Doras Teilnahme an dem Aufstand am 17. Juni 1953 wird ihre zum Verhängnis, der sie erneut zur Flucht zwingt, diesmal vom Osten in den Westen, wo sie nicht nur vor dem Nichts steht und sich mit Clara ein neues Zuhause aufbauen muss, sondern auch von Curt getrennt ist, den sie unbedingt bei sich haben möchte…
Theresia Graw hat mit „Die Heimkehr der Störche“ den zweiten Teil ihrer historischen Familiensaga vorgelegt, der an Spannung und Dramatik dem ersten Band in nichts nachsteht und sich an ihre eigene Familiengeschichte anlehnt. Der flüssige, bildhafte und fesselnde Erzählstil lässt den Leser sofort eine Reise in die Vergangenheit antreten, um dort an Dora Twarys Seite sinken und die 50er Jahre gemeinsam mit ihr zu verbringen. Der historische Hintergrund wurde von der Autorin wunderbar mit ihrer Handlung verwoben, so dass der Leser das Gefühl hat, alles hautnah mitzuerleben. In der Lüneburger Heide ist das Leben für die Twardy-Familie nicht gerade leicht, denn als Flüchtlinge werden sie wie viele andere zu jener Zeit nicht nur misstrauisch beäugt, sondern sehen sich auch Ausgrenzungen und Beschimpfungen ausgesetzt. Die Reise mit Dora und Clara nach Ostberlin ist abenteuerlich, weil ungewiss. Dort ist nicht nur die Versorgungslage der Bevölkerung schlecht, auch die Denunziationen und Bespitzelungen durch das DDR-Regime spitzen sich immer mehr zu, so dass man nicht weiß, wem man noch trauen kann. Überhaupt sind die Unterschiede zwischen Ost und West sehr gut und nachvollziehbar eingearbeitet, auch der Gedanken- und Gefühlswelt Doras offenbart sich dem Leser, der sich oftmals selbst hinterfragt, wie er wohl reagieren würde. Die freiheitlichen Einschränkungen bringen Dora an ihre Grenzen, auch sie wird schnell ein Opfer davon und muss erneut alles zurücklassen, um im Westen Zuflucht zu finden. Die farbenfrohen Beschreibungen bescheren dem Leser während der Lektüre ein wunderbares und gleichzeitig spannendes Kopfkino, in dem er zeitgleich eine wahre Achterbahn der Gefühle durchläuft.
Die Charaktere wurden lebendig und realistisch in Szene gesetzt, ihre Weiterentwicklung ist authentisch und glaubwürdig. Der Leser kann sich kaum aus ihrem Schatten lösen und fiebert mit, ob sie ihre Ziele erreichen können. Dora hat sich von ihrer Naivität gelöst, wirkt reifer und erwachsener, sorgt sich um die, die sie liebt und stellt sich den Widerständen immer wieder entgegen. Clara hat in Dora eine fürsorgliche Ziehmutter gefunden, die sich gut um sie kümmert und nicht im Stich lässt. Curt von Thorau sitzt seit Jahren im Stasi-Gefängnis, das ihm alles abverlangt. Aber auch Doras Familie und einige Weggefährten machen die Handlung so spannend, dass der Leser das Buch nicht aus der Hand legen kann.
„Die Heimkehr der Störche“ ist eine sehr gelungene Fortsetzung, ein wunderbarer und unwiderstehlicher Mix aus Familiengeschichte, Liebe und deutscher Zeitgeschichte, der so sehr zu fesseln weiß, dass man während der Lektüre alles um sich herum vergisst. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 01.08.2021

"Eine Frau, die geliebt wird, hat immer Erfolg." (Vicki Baum)

Vor Frauen wird gewarnt
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Die 1888 in Wien geborene Jüdin Hedwig Baum (Rufname Vicki) war fünf Jahre als Verlagsangestellte für den Berliner Ullstein-Verlag tätig, bevor sie in die USA emigrierte. In den 20er Jahren des vergangenen ...

Die 1888 in Wien geborene Jüdin Hedwig Baum (Rufname Vicki) war fünf Jahre als Verlagsangestellte für den Berliner Ullstein-Verlag tätig, bevor sie in die USA emigrierte. In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde sie mit ihren erfolgreichen Romanen wie „Menschen im Hotel“ oder „Vor Rehen wird gewarnt“ eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Weimarer Republik. Baum war eine emanzipierte, selbstsichere und vor allem selbstkritische Frau mit beruflichen Ambitionen, die sich von den Nazis als jüdische Asphaltliteratin bezeichnen lassen musste, gerade weil ihre Romane neben Unterhaltung vor allem gesellschaftskritisch angelegt waren. Besonders ihre weibliche Leserschaft war ihr treu ergeben und hegte größte Bewunderung für ihre Selbständigkeit.
Heidi Rehn hat mit „Vor Frauen wird gewarnt“ einen sehr unterhaltsamen biografischen Roman vorgelegt, der das Ausnahmetalent von Vicki Baum, vor allem aber ihre persönliche Seite in den Vordergrund rückt. Der flüssige Schreibstil nimmt den Leser mit in die Vergangenheit, wo er auf Hedwig/Vicki trifft, die in einer von Männern dominierten Welt emanzipiert und selbstbewusst genug ist, als verheiratete Frau und Mutter in Berlin ihr Domizil aufzuschlagen, um sich dort ihren Traum einer eigenen Karriere zu erfüllen, wobei sie von ihrem Ehemann, dem Dirigenten Richard Lert, unterstützt wurde. Die beiden führen eine moderne, offene Ehe, fühlen sich aber gefühlsmäßig fest aneinander gebunden. Berlin ist für Vicki eine Offenbarung, sämtliche Möglichkeiten, die sich ihr bieten, nimmt sie in Anspruch, während sie im Verlagshaus Ullstein als Redakteurin arbeitet und nebenbei auch ihre eigenen Werke verfasst. Ihr Roman „Menschen im Hotel“ wurde 1930 am Nollendorfplatz-Theater uraufgeführt und nach der englischen Übersetzung sogar am New Yorker Broadway inszeniert, was alsbald sogar zur Verfilmung in Hollywood führte und Baum weltbekannt machte. Heidi Rehn hat akribisch recherchiert und sämtliche Informationen in ihren biografischen Roman einfließen lassen. Der Leser bekommt nicht nur eine interessante, schillernde Persönlichkeit präsentiert, sondern schnuppert ins Verlagsleben und auch jede Menge Berliner Luft der 20er Jahre. Die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen sind hervorragend eingearbeitet, so dass der Leser den Umschwung ebenfalls zu spüren bekommt durch die immer mehr an Einfluss gewinnenden Nazis.
Vicki Baum war eine Frau von Format, eine, die weiß, was sie will und kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie ist intelligent, selbstbewusst, vor allem aber bodenständig, weshalb sie von ihrer damaligen Fangemeinde angebetet wird. Sie kämpft und erfüllt sich ihren Wunsch nach einer Karriere, von der viele Frauen träumen, es ihnen aber untersagt bleibt, ob aus fehlendem Mut oder einem bevormundenden Ehemann, sei dahin gestellt. Sie verkörperte schon damals das Frauenbild, dass viele Frauen heutzutage anstreben: Karriere, Ehefrau und Mutter zu sein erfolgreich unter einen Hut zu bringen. Dafür bringt sie allerdings auch einige Opfer, die sich aber durch ihren Erfolg und die damit verbundene Zufriedenheit die Waage halten.
Heidi Rehn hat mit „Vor Frauen wird gewarnt“ ein wunderbares Porträt einer außergewöhnlichen Frau geschaffen. Der Roman liest sich nicht nur hervorragend, sondern besticht mit in Worten gemalten Beschreibungen, die das Kopfkino anspringen und der Leser gemeinsam mit Vicki das Berlin der 20er Jahre erleben lassen. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 31.07.2021

„Der Kaffee muss schwarz sein wie der Teufel, heiß wie die Hölle, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe.“ (Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord)

Die Kaffeedynastie - Momente der Hoffnung
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Die kleine Kaffeerösterei „Öcher Böhnchen“ in Aachen erfreut sich großer Beliebtheit, und auch die Beziehung zu Noah entwickelt sich für Corinne Ahrensberg glücklich und lassen sie auf Wolken schweben. ...

Die kleine Kaffeerösterei „Öcher Böhnchen“ in Aachen erfreut sich großer Beliebtheit, und auch die Beziehung zu Noah entwickelt sich für Corinne Ahrensberg glücklich und lassen sie auf Wolken schweben. Doch die heitere Stimmung wird plötzlich getrübt, denn zum einen gibt es auf einmal Probleme mit dem Erben ihres Ladenlokals, der sie herausekeln will. Und als wäre das nicht schon übel genug, steht plötzlich auch noch Noahs Ex-freundin vor der Tür, die angeblich von ihm schwanger ist. Corinne kommt ungebremst zurück auf den Boden der Realität, denn zudem wünschen sich ihre Eltern, dass sie mit Noah auf den Familiensitz umsiedelt, um das alte von Großvater Eberhard gegründete Unternehmen zu retten, zumal ihr Vater schwer erkrankt ist…
Paula Stern entführt den Leser mit „Momente der Hoffnung“ wieder in die köstlich duftende Welt des Kaffees. Der zweite Band der Kaffeedynastie-Trilogie knüpft nahtlos an den ersten Teil an und weiß mit einer spannenden Familiengeschichte, die sich über zwei Zeitebenen erstreckt, erneut wunderbar zu unterhalten. Der flüssige, farbenfrohe und gefühlvolle Erzählstil lässt den Leser zwischen der Gegenwart um Corinne und der Vergangenheit kurz nach Kriegsende 1946 um deren Großvater Eberhard Ahrensberg hin und her pendeln gebannt die Vorgänge verfolgen. Gerade, als es für Corinne nach harter Arbeit geschäftlich endlich gut läuft und auch das Privatleben glücklich Fahrt aufnimmt, sieht sie sich einem Berg von Problemen gegenüber, die sie zu bewältigen hat. Die Autorin lässt ihre hervorragende Recherche über Kaffeesorten und deren Röstung wunderbar in ihre Handlung miteinfließen, so dass der Leser während der mitreißenden Lektüre nicht nur ein tolles Kopfkino, sondern auch dauerhaft den Geruch von frisch geröstetem Kaffee in der Nase hat. Ist schon Corinnes Leben aufregend, wird dies noch durch die Geschäftsanfänge ihres Großvaters Eberhard übertroffen, hat dieser doch durch Schmuggelgeschäfte in der Nachkriegszeit die Familie halbwegs über die Runden gebracht. Auch die Geschichte der Jüdin Sara Rosenbaum ist hervorragend in die Geschichte eingepasst, die mit ihrer Familie von den Nazis ins KZ Buchenwald verbracht wurde. Paula Stern verbindet ihre unterschiedlichen Handlungsstränge perfekt miteinander und lässt den Leser gemeinsam mit den Protagonisten ein wahres Gefühlsbarometer durchlaufen, während jede Menge Probleme gewälzt und gelöst werden wollen.
Lebendige und facettenreiche Charaktere haben sich weiterentwickelt und bestechen mit realistischen menschlichen Eigenschaften, die ihnen das Herz des Lesers sofort öffnen und er ihnen auf Schritt und Tritt gerne folgt, um bloß nichts zu verpassen. Eberhard ist ein verantwortungsvoller und mutiger Mann, der alles für seine Familie tut, um sie sicher versorgt zu wissen. An dieser Verantwortung hat er schwer zu tragen, lässt sich jedoch nicht unterkriegen. Corinne arbeitet mit Leidenschaft und Herzblut für ihr Kaffee. Sie steht neuen Ideen immer offen gegenüber und reicht auch ihrem Bruder Alexander nach den Zwistigkeiten wieder die Hand. Noah ist ein liebenswerter Mann, der Corinne in allen Belangen unterstützt, allerdings mit einigen Problemen zu kämpfen hat, die sich nicht einfach beiseiteschieben lassen. Aber auch Sara Rosenbaum und ihre Familie hinterlassen nachhaltigen Eindruck auf den Leser.
„Momente der Hoffnung“ ist ein rundum gelungener Mix aus Familiengeschichte mit historischem Hintergrund, viel Wissenswertes über Kaffee, dessen Röstung und natürlich Liebe. Wunderbar miteinander verwoben und fesselnd erzählt, so dass man voller Vorfreude auf den dritten Teil wartet! Absolute Leseempfehlung!!!