Alles nur Theater
Miss Winters Hang zum RisikoAls junge Schauspielerin hat man es schwer in den Kriegsjahren am Broadway eine Rolle zu ergattern. Das muss auch Rosie Winter feststellen. Leider ist ihr Zimmer in einer günstigen Schauspielerinnenunterkunft ...
Als junge Schauspielerin hat man es schwer in den Kriegsjahren am Broadway eine Rolle zu ergattern. Das muss auch Rosie Winter feststellen. Leider ist ihr Zimmer in einer günstigen Schauspielerinnenunterkunft an ein Engagement gebunden und so ist Rosie mehr als verzweifelt auf der Suche nach einer Rolle. Um sich über Wasser zu halten, arbeitet sie in einem Detektivbüro, dessen Betreiber Jim aber schon auf Seite 16 an einem Telefonkabel im Schrank hängt. An einen Selbstmord (mit gefesselten Händen?) mag Rosie nicht so recht glauben und schon taucht im Detektivbüro ein merkwürdiger Mann auf, der nach etwas sucht, was er nicht näher beschreiben kann, dem Jim aber auf der Spur war. Rosies Neugier ist geweckt.
Nun, das Ambiente des Broadways, das Treiben im Wohnheim, die Suche nach Rollen, die Konkurrenz und die Theaterproben haben alle ihren Reiz, aber mich konnte der Roman insgesamt leider nicht überzeugen. Es gibt viele Anspielungen und Verweise auf das Showbusiness und (sehr schön gemacht) Kapitelüberschriften die an Filme und Theaterstücke angelehnt sind, aber das reicht nicht. Rosies Charakter einer witzigen, vorlauten und unerschrockenen jungen Frau, war mir häufig, nein eigentlich durchgängig, zu gewollt. Sie agiert als Ich-Erzählerin, die ständig unterwegs ist und versucht, alle Fäden in der Hand zu halten, das konnte sie aber nicht für mich einnehmen. Alle anderen Figuren blieben blass. Die Auflösung des "Falles" ist zwar mal was ganz anderes, aber deswegen nicht unbedingt besser und wirkte auf mich arg konstruiert. Die kurzen Kapitel von durchschnittlich 14 Seiten und die verschiedenen Schauplätze machen die Spurensuchen von Rosies erstem Fall einigermaßen zügig, aber nicht spannend. Ich merke immer, dass mich ein Roman nicht packen konnte, wenn mir bereits nach kurzer Zeit zum Inhalt nicht mehr so viel einfallen will. Wäre es nicht ein Geschenk gewesen, hätte ich das Buch wohl nicht zu Ende gelesen.
Wer gerne Cosy-Crime liest, dürfte mit diesem Roman ganz zufrieden sein, der sowohl die Kriegsstimmung als auch dessen Verdrängung durch die Glitzerwelt der Broadwayshows in New York ganz gut einfängt.