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Veröffentlicht am 29.10.2025

Am Anfang war die Feuertonne

Seltsame Sally Diamond
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Ohne die Feuertonne wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen. Sally ist ein bisschen anders, als andere Menschen. Am liebsten meidet sie jeden engeren Kontakt. Um den Leuten in ihrem Dorf zu entgehen, ...

Ohne die Feuertonne wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen. Sally ist ein bisschen anders, als andere Menschen. Am liebsten meidet sie jeden engeren Kontakt. Um den Leuten in ihrem Dorf zu entgehen, stellt Sally sich taub. Sie nimmt alles wörtlich und versteht keinen Sarkasmus. Daher entsorgt sie ihren toten Vater - wie von ihm gewünscht - per Feuerbestattung in der hauseigenen Feuertonne. Sally ist 42, als sie kurz darauf erfährt, wer sie wirklich ist.

Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert. Den ersten Teil schildert Sally aus ihrer Sicht, der zweite Teil wird von einer anderen Person erzählt und vermittelt uns weite Teile der Vergangenheit. Im dritten Teil wird die Handlung abwechselnd von beiden Personen beschrieben. Jeder Teil endet mit einer wirklichen Überraschung, die die Geschichte in eine unerwartete Richtung lenkt.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es war ungemein spannend. Allerdings hat mich erstaunt, wie sich die Handlung entwickelt hat. Der Klappentext läßt das absolut nicht vermuten. Die Geschichte ist brutal, manchmal schwer auszuhalten, vor allem, weil das Kopfkino anspringt, ohne dass die Autorin alles im Detail auswalzen muss. Es gibt Rezensionen, die verraten diese Entwicklungen, da wird man als Leserin regelrecht um die Überraschungen bzw. die unvorhergesehene Entwicklung betrogen. Das ist sehr ärgerlich.

Hier also nur so viel vom Inhalt, wie auch auf dem Klappentext steht.

Es geht um die Themen Familie, Isolation und um Liebe, wie auch immer diese von den einzelnen Figuren verstanden wird.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Wahnsinnige mit bürgerlicher Fassade

Echtzeitalter
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Till ist ein durchschnittlicher Schüler am Marianum in Wien. In seiner knappen Freizeit ist er außerdem erfolgreicher Gamer. Wie geht das zusammen? Eigentlich gar nicht und doch ganz gut. Während er und ...

Till ist ein durchschnittlicher Schüler am Marianum in Wien. In seiner knappen Freizeit ist er außerdem erfolgreicher Gamer. Wie geht das zusammen? Eigentlich gar nicht und doch ganz gut. Während er und seine Mitschüler:innen sich vom strengen Klassenvorstand Herrn Professor Dolinar drangsalieren lassen müssen, wartet zuhause sein Spiel auf ihn, das er in Echtzeit mit anderen Gamern auf der ganzen Welt spielt.

Ich habe einen Großteil des Buches gehört, das unglaublich charmant von Johannes Nussbaum gelesen wird, der es versteht, die Schüler und vor allem den schrecklichen Dolinar mit seiner Stimme lebendig werden zu lassen. Da viel österreichischer Slang vorkommt und andererseits auch die Wiener Elite spricht (und kritisiert wird), passt es einfach wahnsinnig gut, dass die Geschichte in österreichischem Deutsch bzw. österreichischer Hochsprache gesprochen wird. Die feinen Unterschiede würden beim Selbstlesen nicht so hervortreten. Gerade die nahezu absurden, oftmals hektischen Situationen in der Schule sind dadurch noch humorvoller.

Mir hat es riesigen Spaß gemacht, das nicht immer einfache Erwachsenwerden von Till in seiner wechselvollen Umgebung, zwischen Rauchereck und Informatikkammerl, für einige Jahre (bis zum Schulabschluss) zu begleiten. Die Szenen, in denen das Gaming und vor allem das von Till so geliebte Spiel "Age of Empires 2" erläutert werden, halten sich erfreulicherweise in Grenzen. Und wer es bisher versäumt hat, Stifters Brigitte - äh - Brigitta zu lesen, wird es nach Echtzeitalter nachholen wollen und sich anschaffen, aber natürlich nur als Reclamheft.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Der.letzte Roman

Baumgartner
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Sy Baumgartner ist jenseits der 70, emeritierter Professor aus Princeton und schon etwas vergesslich. Vor zehn Jahren hat er seine geliebte Frau Anna verloren und diesen Schlag bis heute nicht verwunden. ...

Sy Baumgartner ist jenseits der 70, emeritierter Professor aus Princeton und schon etwas vergesslich. Vor zehn Jahren hat er seine geliebte Frau Anna verloren und diesen Schlag bis heute nicht verwunden. Während er durch sein Leben "stolpert" und ein philosophisches Buch schreibt, denkt Sy an verschiedene Stationen seiner Biografie zurück und natürlich an seine Frau. Als er endlich bereit ist, mit der Vergangenheit abzuschließen, um sich auf die Gegenwart zu konzentrieren, scheint ein neues Glück möglich.

Deutlich ist die Figur Baumgartner ein Alter Ego des Autors Auster, der zum Zeitpunkt der Romanentstehung bereits erkrankt war. Obwohl der Roman einen roten Faden hat, wir begleiten Baumgartner etwa zwei Jahre seines Lebens, setzt er sich aus vielen Versatzstücken zusammen. Gegenwärtigen Ereignissen, Rückerinnerungen, eingeschobenen Texten der verstorbenen Anna und Texten von Baumgartner selbst. Manche Situationen werden bestechend ausführlich geschildert, so zum Beispiel der Beginn des Romans, andere werden durch den Autor Auster für die Leser:innen zusammengefasst: "Weil all dies in den folgenden neun Monaten tatsächlich so eintrifft [...] können wir uns eine detaillierte Schilderung dieser Monate sparen." (S. 107)

Ein leises Buch, das ohne eine wirkliche Spannungskurve auskommt, zum Ende hin jedoch durch die Einführung einer neuen Figur stärker vorangetrieben wird.

Der Roman hat mir eine melancholische Gr

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Die Geschichten hinter den Verbrechen

Verbrechen
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Elf mal schauen wir hinter die Schlagzeile und lernen die Schicksale hinter den Verbrechen und Verbrechern kennen. Elf mal werden wir überrascht. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Bei ...

Elf mal schauen wir hinter die Schlagzeile und lernen die Schicksale hinter den Verbrechen und Verbrechern kennen. Elf mal werden wir überrascht. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Bei "Verbrechen" aus dem Jahr 2009 möchte man fast schon von einem True-Crime-Klassiker sprechen. Der Anwalt Ferdinand von Schirach berichtet sehr lesenswert von Kriminalfällen, die auf wahren Ereignissen beruhen, von Fällen, die er selbst erlebt hat. Unser Rechtsempfinden wird auf die Probe gestellt, denn hier ist Mord nicht gleich Mord, wenn man erst die Hintergründe kennt. Verbrechen, die zum Nachdenken anregen und deutlich machen, dass Schuld unterschiedlich gewertet werden kann.

Die 200 Seiten des Buches hatte ich in kürzester Zeit durchgelesen; der eher nüchterne Schreibstil fesselt ungemein. Eine Leseempfehlung nicht nur True-Crime-Fans. Mit "Verbrechen" läutete von Schirach seine überaus erfolgreiche Karriere als Autor ein.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Die Frau in Rot

Der ewige Tanz
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Anita Berber liegt mit Tuberkulose im Bethanien Krankenhaus in Berlin-Kreuzberg und läßt ihr kurzes, aber intensives Leben Revue passieren: Mit 18 Jahren erobert Anita durch ihre extravaganten Tanzauftritte ...

Anita Berber liegt mit Tuberkulose im Bethanien Krankenhaus in Berlin-Kreuzberg und läßt ihr kurzes, aber intensives Leben Revue passieren: Mit 18 Jahren erobert Anita durch ihre extravaganten Tanzauftritte 1917 das Berliner Nachtleben, schnell wird sie zum Star mit ihrem Ausdruckstanz, den sie nackt oder in auffälligen Kostümen aufführt. Sie stürzt sich ohne Kompromisse ins Lebens, trinkt Unmengen Alkohol und nimmt Drogen. Sie wirkt außerdem in wenigen Jahren in über 25 Filmen mit und geht auch im Ausland auf Tournee.

Ich kannte ihren Namen bisher nicht, aber ein Bild, das 1925 von ihr gemalt wurde, kenne ich sehr wohl. Dazu heißt es im Roman: "Es wird kein schönes Bild von dir sein. Aber es wird sehr berühmt werden, dieses Gemälde, weil", er kniff verkrampft die Augen zusammen, "weil ... das weiß ich nicht genau. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Dieses Bild ist das einzige Zeugnis, mit dem du der Nachwelt in Erinnerungen bleiben wirst: als hässliche, alte Frau." (S. 207) So alt, wie Anita Berber auf dem Gemälde aussieht, ist sie nie geworden. Sie starb bereits mit 29 Jahren und vielen ist sie nur als die rote Frau auf dem tatsächlich sehr berühmten Bild von Otto Dix bekannt.

Ich habe den Roman über das Leben der "Skandal-Tänzerin" gerne gelesen, der in die turbulente Welt Berlins in den 1920er Jahren entführt und Anita Berber ins Bühnenlicht zurückholt.

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