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Veröffentlicht am 15.03.2026

Der Hof

Bergland
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Ein hochgelegener Hof in den Südtiroler Alpen, der den Bewohnern mehr abverlangt als andere Höfe in Tiefenthal. In den 1940er Jahren muss Rosa alles alleine bewirtschaften und ihr gelingt mehr, als die ...

Ein hochgelegener Hof in den Südtiroler Alpen, der den Bewohnern mehr abverlangt als andere Höfe in Tiefenthal. In den 1940er Jahren muss Rosa alles alleine bewirtschaften und ihr gelingt mehr, als die Nachbarn vermutet haben. Jahrzehnte später stehen ihr Enkel Hannes und dessen Frau Franziska vor anderen Problemen: Die Hofstelle ist zum Ort für "Ferien auf dem Bauernhof" geworden, denn die Land- und Viehwirtschaft reicht zum Überleben nicht aus. Doch die heile Bergwelt, die für die Gäste geschaffen werden muss, ist oft nur eine Illusion.

Jarka Kubsova schreibt über das harte Leben einer Bäuerin auf einem abgelegenen Hof, der nur durch deren unermüdlichen Einsatz überleben kann. Ein entbehrungsreiches und doch erfüllendes Leben. Auch die übernächste Generation muss all ihre Energie in den Hof stecken, ist jedoch mit anderen Herausforderungen geschlagen. Sehr gelungen sind die Abschnitte, in denen es um die Bewertung des Hofes durch den Dachverband "Goldenes Huhn" der Ferienhofvermietungen geht. Die teilweise absurden Auflagen, die für einen mit "Fünf Küken" ausgezeichneten Hof erforderlich sind, lassen die Leser aber nicht nur schmunzeln. Da wird auch die eigene Erwartungshaltung an den Ferienaufenthalt auf die Probe gestellt.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen. Rosa und ihr Innenleben hätten gerne ein paar Seiten mehr erhalten können.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Eine Vorlesung

Die zitternde Frau
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Von diesem Buch hatte ich mehr autobiografischen Inhalt erwartet. Siri Hustvedt befällt während einer Rede ein unerklärliches körperliches Zittern, das sich aber nicht auf ihre Stimme überträgt und das ...

Von diesem Buch hatte ich mehr autobiografischen Inhalt erwartet. Siri Hustvedt befällt während einer Rede ein unerklärliches körperliches Zittern, das sich aber nicht auf ihre Stimme überträgt und das sie sich nicht erklären kann. Sie war zuvor weder aufgeregt noch nervös. Fortan hat sie Angst, dass dieses Zittern sie erneut unverhofft bei öffentlichen Auftritten befällt. Sie vermutet einen Zusammenhang mit dem Tod ihres Vaters, denn während einer Gedenkrede trat das Zittern erstmals auf.

In diesem schmalen Band (218 Seiten) beschäftigt sich Hustvedt mit der Entwicklung der Neurologie und Psychologie. Sie kommt zwar immer wieder auf ihre eigene Krankheit zurück, deren Auslöser sich nicht eindeutig klären läßt, beschreibt aber hauptsächlich zahlreiche Aspekte der Neuropsychologie. Themen wie Hysterie (Konversionsstörung), Krieg, Erinnern, Philosophie, einzelne Krankheitsbilder (z.B. plötzliches Verstummen, Splitbrain) und zahlreiche personalisierte Beispiele, unterschiedliche Theorien und deren Vertreter:innen, sowie das Schreiben als Therapie sind nur einige Punkte, die hier angeschnitten werden.

"Mein Symptom hat mich von den alten Griechen bis zum heutigen Tag geführt, in Theorien und Gedanken hineinschnuppern lassen, denen vielfältige Weltanschauungen zugrunde liegen. Was ist Körper, und was ist Geist? Ist jeder von uns ein singuläres oder ein plurales Wesen? Wie erinnern wir Dinge, und wie vergessen wir Sie?" (S. 78)

Für mich war das etwas uferlos und hatte den Charakter einer Überblicksvorlesung an der Uni. Wer jedoch selbst mit solchen oder ähnlichen Symptomen zu kämpfen hat, für den mögen die vielen Ansätze eine Bereicherung sein, um sich intensiver damit auseinandersetzen zu können.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Zwänge überwinden

Wo Licht ist
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Ally Moberley wächst im viktorianischen Manchester auf. Ihre strenge, puritanische Mutter macht ihr das Leben schwer, der Vater - ein erfolgreicher Künstler - hält sich aus der Erziehung heraus. Ally hat ...

Ally Moberley wächst im viktorianischen Manchester auf. Ihre strenge, puritanische Mutter macht ihr das Leben schwer, der Vater - ein erfolgreicher Künstler - hält sich aus der Erziehung heraus. Ally hat Potential und ihre Mutter möchte, dass sie als eine der ersten Frauen in England Medizin studiert. Ally will die Erwartungen unbedingt erfüllen und schlägt einen beschwerlichen Weg voller Hindernisse ein, denn Frauen haben kaum etwas zu sagen in dieser Zeit, von Gleichberechtigung kann noch keine Rede sein.

Der Klappentext klang so vielversprechend, allerdings spielt ein Großteil der Handlung vor dem Studienbeginn, ca. die letzten 100 Seiten beschäftigen sich dann mit dem Medizinstudium. Zuvor erleben wir die Kindheit und Jugend von Ally und ihrer Schwester May, die von der - man kann es nicht anders sagen - herzlosen und gefühlskalten Mutter bestimmt wird, deren Lebensinhalt die "Arbeit" im Frauenhaus ist. Lichtblicke sind die wenigen Momente, wenn der Vater oder einer seiner Künstlerfreunde den Mädchen Aufmerksamkeit schenkt. Die Figur des Alfred Moberley ist an das künstlerische Multitalent William Morris angelehnt. Daher werden auch die Kapitel des Romans jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung eines von Moberleys Bildern eingeleitet, deren Entstehungsgeschichte im nachfolgenden Text einfließt. Das ist so glaubwürdig gemacht, dass ich die Bilder zunächst gegoogelt habe.

Obwohl der Text viele wichtige Themen der Zeit aufnimmt und sehr gut recherchiert ist, hat er mich nicht so erreicht, wie ich es mir gewünscht habe. Abgesehen davon, dass die Figur der Mutter ein einziger Aufreger ist, war mir der Text vielfach zu sperrig, emotionslos und nüchtern. Was natürlich auch den Zustand im Haus der Familie Moberley widerspiegelt. Die Kapitel haben teilweise große Zeitsprünge gemacht und man musste sich vieles hinzudenken. Darüberhinaus blieben auch einige Figuren (Aubrey) und Geschehnisse (Colsay-Episode) recht unscharf.

Wer Romane mit historischem Anspruch mag und sich auf den Schreibstil einläßt, der wird viel über die Lage der Frauen im viktorianischen England und den Beginn der Frauenbewegung erfahren.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Freiheit

Die Schwarzgeherin
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Vor der Kulisse der Tiroler Alpen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnet die Autorin den beschwerlichen Weg einer Frau, die sich den althergebrachten Zwängen ihrer Dorfgemeinschaft und dem vorherbestimmten ...

Vor der Kulisse der Tiroler Alpen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnet die Autorin den beschwerlichen Weg einer Frau, die sich den althergebrachten Zwängen ihrer Dorfgemeinschaft und dem vorherbestimmten Weg als Ehefrau widersetzt und einen hohen Preis dafür zahlen muss. Alles, wofür Theres gekämpft hat, bleibt ihrer Tochter Maria jedoch unverständlich, die das entbehrungsreiche und einsame Leben in der abgeschiedenen Hütte leid ist.

Regina Denk hat einen sehr dichten, atmosphärischen Roman geschrieben, bei dem man auf jeder Seite mit den Figuren mitfiebert. Die Handlung ist geschickt aufgebaut und wird aus den Perspektiven von Mutter und Tochter auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Eingefasst in eine Rahmenhandlung und unterbrochen von Beschreibungen eines Adlerweibchens, die Ruhepunkte zwischen der spannenden und teilweise leidvollen Handlung bieten, setzt sich der Lebensweg von Theres und Maria zusammen.

Neben dem Aufbau der Handlung, hat mir vor allem auch die Sprache gefallen, die den Figuren Authentizität verleiht. Insgesamt schreibt die Autorin in einem der Stimmung des Buches absolut passenden Stil, der etwas sperrig und hölzern daherkommt, aber die Atmosphäre in der Dorfgemeinschaft oder im Wald wunderbar spiegelt. Die dialektale Einfärbung tut ein übrigens und man fühlt sich beim Lesen wie in einem Film.

Ich habe den Roman in einem Lesekreis gelesen und wir hatten viel zu diskutieren, da es zahlreiche Themen gibt, über die man sich austauschen kann. Eine klare Leseempfehlung für alle, die historische Romane mit Anspruch mögen und keinen Heile-Welt-Heimatroman erwarten.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

In Schwedens Wäldern

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Mit 13 Jahren darf die Schwedin Siv nicht weiter zur Schule gehen, sondern muss als Putzkraft schuften. Ihr Vater arbeitet im Winter als Holzfäller und das Geld in der Familie ist knapp. 1938: Als ein ...

Mit 13 Jahren darf die Schwedin Siv nicht weiter zur Schule gehen, sondern muss als Putzkraft schuften. Ihr Vater arbeitet im Winter als Holzfäller und das Geld in der Familie ist knapp. 1938: Als ein Trupp Holzfäller eine Köchin braucht, überredet der Vater Siv, diese besser bezahlte Arbeit zu übernehmen. Die nun 17jährige ist zunächst überfordert, gewöhnt sich aber schnell an das einsame Leben im Wald unter zehn Männern. Als sie den Sámi Nila kennenlernt, verändert sich ihr Leben und sie muss eine Entscheidung treffen.

Eva Wallmann, Ende Vierzig, ist Medienspezialistin eines Forstunternehmens und wird 2022 nach Djupsele geschickt, wo sich Aktivisten gegen die Abholzung eines Waldstückes wehren. Eva soll die Wogen glätten und die Nachhaltigkeit der Abholzung betonen. In Djupsele schlägt ihr Feindschaft entgegen und sie begegnet ihrem Jugendfreund, denn an diesem Ort ist sie aufgewachsen. Aber gerade seine Tochter gehört zu den Anführerinnen der Aktivisten. Dass Eva selbst dort ein geerbtes Waldstück besitzt, verdrängt sie zunächst.

Die Geschichte von Siv, die als unerfahrenes Mädchen plötzlich für zehn Männer in einer kleinen Waldhütte kochen soll, ist sehr atmosphärisch geschrieben. Dieser Teil des Romans hat mich am meisten angesprochen. Insgesamt gefällt mir die historische Ebene besser, allerdings hängen die beiden Erzählstränge eng zusammen, wie man schon von Beginn an vermutet. Die Figur der Siv geht übrigens auf die Großmutter der Autorin zurück. Einfühlsam wird die Landschaft beschrieben, die Wälder, Moore und Seen. Untrennbar mit der Landschaft verbunden ist die Geschichte der indigenen Bevölkerung, der Sámi, und ihrer Rentierherden. Über sie und die Holzwirtschaft in Schweden erfahren wir sehr viel. Insgesamt ein interessanter, ruhig erzählter Roman und der Auftakt einer Trilogie. Für Schwedenfans ein must-read.

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