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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2025

Drei Frauengenerationen

Die Summe unserer Teile
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Der Roman beginnt im Jahr 2014 in Berlin, als die Informatikstudentin Lucy einen Steinway-Flügel in ihrem kleinen WG-Zimmer vorfindet. Ihre Mutter Daria hat den Transport veranlasst. Lucy hat darauf als ...

Der Roman beginnt im Jahr 2014 in Berlin, als die Informatikstudentin Lucy einen Steinway-Flügel in ihrem kleinen WG-Zimmer vorfindet. Ihre Mutter Daria hat den Transport veranlasst. Lucy hat darauf als Kind gespielt. Mit dem Klavier taucht auch der Name ihrer Großmutter Lyudmila auf. Kurz entschlossen begibt sich Lucy auf die Reise nach Sopot, dem letzten Wohnort, bevor die Großmutter in den Libanon ausgewandert ist.

Mit „Die Summe unserer Teile“ hat Paola Lopez ihren Debütroman vorgelegt. Der Roman umfasst drei Generationen von Frauen, die abwechselnd zu Wort kommen. Die Autorin zeichnet ihre Protagonistinnen detailliert und überzeugend. Die familiäre Situation der Mütter und Töchter ist komplex und konfliktreich. Jede der Frauen führt ihr eigenes Leben, leider kommt die Kommunikation dabei zu kurz. Vor allem habe ich den Mut von Großmutter Lyudmila bewundert, Polen als junge Frau alleine zu verlassen und im Libanon Chemie zu studieren. Lyudmila bewahrt aber auch Geheimnisse, die sie daran hindern, eine intensivere Beziehung zu Tochter Daria aufzubauen. Davon erfährt Daria erst Jahre später nach dem Tod der Mutter. Aber auch das Verhältnis zwischen Daria und Tochter Lucy ist angespannt. Ich konnte nachvollziehen, dass sich Lucy nach Sopot begibt, um mehr über das Leben ihrer Großmutter zu erfahren. Mit der Erzählung ist Paola Lopez aus meiner Sicht kein herausragender Roman gelungen, aber dennoch eine lesenswerte Erzählung.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Schicksalsjahre

Maikäferjahre
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Im Frühjahr 1945 gelingt Anni gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter und sowie dem halbjüdischen Geiger Adam die Flucht aus dem brennenden Dresden. Dann ist Deutschland von den Alliierten besetzt. Unter Strapazen ...

Im Frühjahr 1945 gelingt Anni gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter und sowie dem halbjüdischen Geiger Adam die Flucht aus dem brennenden Dresden. Dann ist Deutschland von den Alliierten besetzt. Unter Strapazen erreichen die Flüchtlinge die Familie von Annis im Krieg verschollenen Ehemann Fritz in Tirol. Dort ist Anni willkommen, Adam aber nicht. Anni muss eine Entscheidung treffen, so schwer es ihr auch fällt.
In der Zwischenzeit ist Annis Zwillingsbruder Tristan, Pilot der Luftwaffe, über Großbritannien abgestürzt. Er überlebt schwer verletzt und lernt die Krankenschwester Rosalie kennen und lieben. Das wird weder von ihrer Familie noch von der Gesellschaft akzeptiert.

Sarah Höflich beschreibt eindrucksvoll und in bewegenden Worten die Geschichte von Annis Familie sowie jene des halbjüdischen Geigers Adam. Beginnend mit der Flucht aus dem brennenden Dresden, über den mühevollen Weg durch das besetzte Deutschland, bis zur Ankunft in Tirol. Parallel dazu stellt die Autor das erstaunliche Schicksal Tristans in Großbritannien dar. Die Erzählweise der Autorin ist komplex, mit ständig wechselnden Schauplätzen. Sarah Höflich hat ihre Protagonisten liebevoll und sehr überzeugend dargestellt. Hilfsbereitschaft, der Einsatz des Lebens für andere Menschen sowie grenzenlose Geschwisterliebe nehmen dabei einen zentralen Platz ein. Das Buch ist in Kapitel unterteilt, Anni und Tristan kommen abwechselnd zu Wort. Besonders angenehm ist die handschriftliche Darstellung der Briefe, die die Geschwister einander geschrieben haben. Die Liebe und der unbedingte Überlebenswille stellt beide immer wieder vor große Herausforderungen.
Die größeren Abstände zwischen den Zeilen verbessern nicht nur die Lesbarkeit des Buches, sondern lassen das Gelesene noch intensiver nachwirken. Das Ende des Buches lässt einiges offen und weist vielleicht auf eine Fortsetzung hin. Sarah Höflich ist ein überzeugendes Zeitporträt der NS-Zeit sowie der Nachkriegszeit gelungen. Ich vergebe für das Buch fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Konfliktreich

Haus Waldesruh
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In einem Jagdhaus treffen sich nach 15 Jahren vier ehemalige Matura Absolventinnen und Absolventen wieder. Anna, Marco, Ferdinand und Lea hatten anscheinend länger keinen Kontakt mehr. Lea bringt zudem ...

In einem Jagdhaus treffen sich nach 15 Jahren vier ehemalige Matura Absolventinnen und Absolventen wieder. Anna, Marco, Ferdinand und Lea hatten anscheinend länger keinen Kontakt mehr. Lea bringt zudem Frank mit, einen weiteren Gast. Über das Wiedersehen herrscht nicht nur Freude, bald breitet sich auch Verstimmung aus. Zudem wird klar, dass jemand fehlt, Annas Ex-Freund Max. Er hat kurz nach der Matura Selbstmord begangen, wofür ein boshafter Lehrer verantwortlich gemacht wird.

Ein einsames Haus im Wald, alleine schon das Cover verbreitet eine etwas düstere Stimmung.
David Krems hat die Handlung seines Romans in einem alten Jagdhaus in der Steiermark angesiedelt. Marco hat zu diesem Treffen eingeladen und eigene Regeln für das Wochenende aufgestellt. Die vier Freunde sowie ein Gast treffen nacheinander ein. Nach der anfänglichen, teilweise überzogen wirkenden Freude über das Wiedersehen, treten Spannungen auf. Die Stimmung wechselt schnell, die Freunde reagieren mitunter sehr impulsiv. Es gelingt aber allen Beteiligten, Verstimmungen wieder abzubauen. Die Freunde haben unterschiedliche Lebenswege hinter sich und Geheimnisse, die sie nacheinander preisgeben. Dabei wird schnell klar, dass nichts so ist, wie es scheint.
Der Autor versteht es, von der ersten bis zur letzten Seite Spannung zu erzeugen. Die Erzählung ist klug durchdacht, die Dialoge punkten mit einem Hauch von Humor. David Krems hat vor allem einzelne Details sehr authentisch geschildert, ich habe das Jagdhaus mit seiner rustikalen Einrichtung vor mir gesehen. Knisternde Spannung, wechselhafte Ereignisse und ein überraschendes Ende – ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Daher vergebe ich für den Roman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Landleben pur

Hier draußen
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Ingo und Lara ziehen mit ihren Kindern aus der Großstadt Hamburg hinaus aufs Land , nach Fehrdorf. Die erhoffte Idylle erweist sich bald als trügerisch. Die Familie hat Schwierigkeiten, sich in die Dorfgemeinschaft ...

Ingo und Lara ziehen mit ihren Kindern aus der Großstadt Hamburg hinaus aufs Land , nach Fehrdorf. Die erhoffte Idylle erweist sich bald als trügerisch. Die Familie hat Schwierigkeiten, sich in die Dorfgemeinschaft einzufügen. Darüber hinaus ist Ingo von der täglichen Fahrt in sein Büro nach Hamburg genervt. Unglücklicherweise fährt er eines Abends eine weiße Hirschkuh an. Ein Tier, das für die Dorfgemeinschaft so gut wie heilig ist. Einem Aberglauben zufolge hat jemand, der solch ein Tier tötet, nur noch ein Jahr zu leben.

Vorliegend handelt es sich um den Debütroman von Martina Behm, die bislang als Strickdesignerin bekannt war.
Lara und Ingo lassen ihre ungeliebte Wohnanlage in Hamburg hinter sich und begeben sich mit ihren zwei Kindern in die kleine Ortschaft Fehrdorf. Aus meiner Sicht haben sich die beiden sehr blauäugig für ein altes, viel zu großes Haus entschieden. Der Resthof lässt sich im Winter nur mangelhaft beheizen, frieren und warme Socken sind angesagt. Aber auch das Dorfleben ist für die Stadtmenschen alles andere als einfach. Die Bewohner leben auf ehemaligen Bauernhöfen und bleiben gerne unter sich. Eine Ausnahme bilden Dorffeste, die aber strengen Regeln unterworfen sind. Aber längst nicht alle sind mit ihrem Leben zufrieden. Als Ingo eine weiße Hirschkuh anfährt, teilt ihm Dorfjäger Ingo mit, dass jemand, der das Tier tötet, nur noch ein Jahr zu leben hat. Der Leser darf bis zum Ende des Buches gespannt sein, ob diese Vorhersage eintrifft.
Die Autorin punktet zwar mit einem klaren, sachlichen Schreibstil. Die Leseprobe hat mir durchaus zugesagt, die weitere Erzählung war für mich jedoch enttäuschend. Ich habe mir Zeit genommen, mich in das Buch einzulesen, was mir nicht gelungen ist. Die Episoden rund um die Nebenprotagonisten waren langatmig, ebenso wie der Lesefluss. Das Buch konnte mich nicht überzeugen, ich vergebe noch drei Sterne.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Ein Haus auf Amrum

Der Duft von Kuchen und Meer
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Die Überraschung ist für Konditorin Maren perfekt – Oma Undine schenkt ihr ein Haus auf Amrum. Davon hat die alleinerziehende Maren noch nie etwas gehört und reist spontan mit ihrer sechsjährigen Tochter ...

Die Überraschung ist für Konditorin Maren perfekt – Oma Undine schenkt ihr ein Haus auf Amrum. Davon hat die alleinerziehende Maren noch nie etwas gehört und reist spontan mit ihrer sechsjährigen Tochter Leni auf die Nordseeinsel. Die beiden sind von dem inseltypischen Reetdachhaus sofort angetan. Hinzu kommt allerdings die neue Verwandtschaft, die weniger begeistert ist. Können Maren und Leni alle von sich überzeugen? Darüber hinaus lernt Maren einen anderen Inselbewohner kennen.

Bereits das anziehend gestaltete Cover weckt Leselust. Es handelt sich um meinen ersten Roman, den ich von Anne Barns gelesen habe. Die Autorin überzeugt durch eine angenehme Erzählweise. Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Erzählung spielt in zwei Zeitebenen. Neben den Ereignissen in der Gegenwart erfolgen Rückblenden auf das Jahr 1946 und die nachfolgenden Jahre, als die junge Frau Hedwig auf Amrum ankommt. Das hat für Abwechslung und Spannung gesorgt, wovon ich sehr angetan war.
Gerne habe ich Maren und Leni auf ihrem Streifzug über die schöne Insel begleitet. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Beziehung Marens zur Inselverwandtschaft, nachdem Oma Undine schwierige Verhältnisse angekündigt hat. Mit viel Charme lösen die beiden auch dieses Problem und decken ein Familiengeheimnis auf. Starke Frauen haben mehrere Generationen der Familie geprägt, wobei mich vor allem Hedwig überzeugt hat. Nette Charaktere und viel Lokalkolorit, ich vergebe für dieses Buch vier Sterne.

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