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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2026

Zündeln mit Argumenten

Funkenschwestern
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Schon das Cover symbolisiert den Protest gegen das patriarchale System. Und ganz nach dem Motto „Hier wird gezündelt!“ ist auch das Vorsatzpapier mit brennenden Streichhölzern übersät. Als Bettlektüre ...

Schon das Cover symbolisiert den Protest gegen das patriarchale System. Und ganz nach dem Motto „Hier wird gezündelt!“ ist auch das Vorsatzpapier mit brennenden Streichhölzern übersät. Als Bettlektüre eignet sich dieser Band kaum; zu sehr regen mich die geschilderten Ungerechtigkeiten auf, als dass ich danach ruhig schlafen würde.
Abschrecken konnte mich das natürlich nicht; schließlich ist es mir ein Ansinnen, mich für eine bessere Welt einzusetzen. Barbara Blaha tut dies auf Bühnen und nun auch in dieser Streitschrift, indem sie persönliche Erfahrungen mit recherchierten Fakten verbindet.
Diese Mischung entfaltet in gebündelter Form eine beachtliche Wucht und weckt hoffentlich ein Gefühl von Gemeinschaft und Widerstand unter den „Funkenschwestern“. „Wir können eine andere Welt schaffen. Aber wir müssen es selbst tun – so, wie es die anderen selbst gemacht haben, die vor uns da waren.“
Gern unterstütze ich dieses Anliegen, indem ich die Publikation als Augenöffner empfehle. Verständlich geschrieben, deckt sie zahlreiche feministische Themenfelder ab – vom strukturellen Kleinhalten von Frauen über Rollenzuweisungen bis hin zu Liebe und Hoffnung. Mein einziger Kritikpunkt: Da ich mich bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, waren mir viele Aspekte nicht neu. Doch aufgerüttelt bin ich allemal!

Veröffentlicht am 22.02.2026

Wort für Wort

Ich rede, also bin ich
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„Vergessen ist also kein Defekt unseres Gehirns – es ist die Grundlage dafür, dass Kommunikation funktioniert.“ Schreibt eine Neurolinguistin ein Buch über Sprache, dürfen wir erwarten, dass auch die Vorgänge ...

„Vergessen ist also kein Defekt unseres Gehirns – es ist die Grundlage dafür, dass Kommunikation funktioniert.“ Schreibt eine Neurolinguistin ein Buch über Sprache, dürfen wir erwarten, dass auch die Vorgänge im Gehirn eine Rolle spielen. Tatsächlich geht es unter anderem um Stress, Botenstoffe oder den Spracherwerb.
Doch Julia Mailänder will uns „zum Staunen, zum Nachdenken, zum Lachen“ einladen; trocken und theoretisch bleibt ihre Bestandsaufnahme also nicht. Die thematische Gliederung führt im sprachlichen Kontext durch Philosophie, Psychologie, Gesellschaft, Grenzen und Geschichte. Nach der magischen Zahl 42, die als Anzahl der Kapitel gewählt wurde, folgt mit Kapitel 42 1/2 eine Zugabe, die, ähnlich dem Bahnsteig nach Hogwarts, einen Absprung in unbekannte Gefilde wagt.
Sprache umgibt uns überall; entsprechend zahlreich sind die Anknüpfungspunkte an unsere Lebenswirklichkeit. Einige bekannte Informationen wurden mir bestätigt, doch die Autorin hielt ihr Versprechen: Ich staunte darüber, dass der Weltrekordhalter mehr als 73 Sprachen fließend spricht, gewann einen neuen Denkansatz zum Gendern und amüsierte mich über die Deutung von Namen. Ein Sachbuch nach meinem Geschmack: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu einem faszinierenden Thema werden verständlich und ansprechend vermittelt.

Veröffentlicht am 25.01.2026

Schöne neue Welt?

Dein Utopia
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„Dein Utopia“ ist der zweite ins Deutsche übertragene Band mit Erzählungen der südkoreanischen Autorin Bora Chung. „Der Fluch des Hasen“, ihre erste und ausgezeichnete Veröffentlichung, legt die Latte ...

„Dein Utopia“ ist der zweite ins Deutsche übertragene Band mit Erzählungen der südkoreanischen Autorin Bora Chung. „Der Fluch des Hasen“, ihre erste und ausgezeichnete Veröffentlichung, legt die Latte hoch – Bora Chung machte sich mit Geschichten einen Namen, die überraschen und schockieren.
Die vorliegenden Szenarien weisen allesamt futuristische und phantastische Qualitäten auf: Sie denken die Entwicklung der Menschheit weiter (zwischen Unsterblichkeit und Aussterben), führen neue Technologien ein oder verleihen Maschinen Fähigkeiten über ihre ursprüngliche Funktion hinaus.
“Utopie. Menschen hatten geglaubt, sie könnten auf diesem erbarmungslosen Planeten ein Paradies erschaffen.” Dieser Gedanke zieht sich durch die Erzählungen: Sie regen zum Nachdenken an und führen uns mit dem im Titel ausgewiesenen positiven Ausgang doch eigentlich an der Nase herum, ganz so, als sollten wir vorsichtig sein mit dem, was wir uns als Zukunft erhoffen.
Im Nachwort wird ersichtlich, dass die Autorin sich thematisch im gesellschaftlichen Geschehen positioniert. Die Übersetzung von Ki-Hyang Lee trägt zu einem guten Erzählfluss bei und erleichtert das Verständnis sprachlicher und kultureller Feinheiten.
Ich habe diese Sammlung als sehr viel ruhiger empfunden als den Vorgänger. Dadurch waren die Erzählungen zwar weiterhin originell, wirkten aber insgesamt weniger ausgefallen auf mich. Nur eine der acht Geschichten hatte diesen „abgefahrenen“ Charakter, den ich mir erhofft hatte. Somit blieb das Buch, trotz abwechslungsreicher Unterhaltung, hinter meinen persönlichen Erwartungen zurück; doch das ist Jammern auf hohem Niveau.

Veröffentlicht am 18.01.2026

Mit sozialistischem Gruß

Deine Margot
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„Ich weiß, dass es eine Margot gab. Das war eine Person, die deinen Vater Erich nannte. Aber ich weiß nicht, wer das war. Und will es auch jetzt nicht wissen. Sei so gut, vernichte diese Briefe.“
Vilja ...

„Ich weiß, dass es eine Margot gab. Das war eine Person, die deinen Vater Erich nannte. Aber ich weiß nicht, wer das war. Und will es auch jetzt nicht wissen. Sei so gut, vernichte diese Briefe.“
Vilja hat „diese Briefe“ gefunden und beginnt, den Spuren jener Zeit nachzugehen, in der ihre finnische Familie in der DDR lebte. Sie will verstehen, welche Rolle sie in der Beziehung zwischen „Erich“ und „Margot“ spielte.
Die Puzzleteile fügen sich aus Episoden der Jahre zwischen 1983 und 2012 zusammen. Wie der Vater, der als Journalist tätig war, nimmt auch die Tochter die Recherche auf. Von Berlin aus sammelt und verknüpft sie die Aussagen ihrer Gesprächspartner, um der Wahrheit näherzukommen.
Es ist eine besondere Perspektive, die die Autorin mit ihren Figuren teilt: die von Ausländern aus einem westlichen Land, die sich bewusst auf ein Leben in der DDR einließen. Dadurch wirkt manches fremd oder verschoben, etwa wenn vom „Sandmännchen“ als „Abendmärchen“ die Rede ist, eine Bezeichnung, die wohl kaum jemand verwenden würde, der damit aufgewachsen ist.
Neben Einblicken in politische und gesellschaftliche Entwicklungen geht es um familiäre Strukturen, den Alltag mit Kinderkrankheiten und Haushalt - und darum, wie viel eine Familie aushält, wenn eine fremde Frau dazwischenkommt.
Mir hat es ausgesprochen gut gefallen, diese Reise in die Vergangenheit anzutreten. Es wurden Erinnerungen geweckt und zugleich um neue Aspekte ergänzt, etwa den wenig bekannten Blick auf Finnen in der DDR. Die Spurensuche ist spannend und authentisch erzählt, und genau darin liegt für mich der Reiz dieses Romans.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Frag doch!

50 Fragen, die das Leben leichter machen
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Karin Kuschik hat fünfzig Fragen zusammengestellt, die „das Leben leichter machen“ sollen. Das klingt vollmundig, fast zu schön, um wahr zu sein, und doch verlockend genug, um neugierig zu machen. Und ...

Karin Kuschik hat fünfzig Fragen zusammengestellt, die „das Leben leichter machen“ sollen. Das klingt vollmundig, fast zu schön, um wahr zu sein, und doch verlockend genug, um neugierig zu machen. Und tatsächlich sind sie beim Hören ihres Hörbuchs plötzlich da, die Erkenntnisse, wie sich festgefahrene Konstellationen entschärfen oder ganz neue Lösungswege für ein Problem finden lassen. Vieles wirkt dabei überraschend einfach.
Anhand eigener Erfahrungen und Coaching-Beispiele zeigt Kuschik, wie oft eine präzise, schlagfertige Frage der entscheidende Impuls ist, um klarer zu sehen. „Das Wunderbare ist: Die Qualität einer Frage bestimmt die Qualitat der Antwort. Schon mit unserer Formulierung nehmen wir also Einfluss aufs Geschehen“.
„War das ein Vorwurf oder Interesse?“, „Wie könntest du das Problem verschlimmern?“ oder „Wäre heute ein guter Tag, um zu sterben?“ - das ist keine Raketenwissenschaft, und doch wird in den geschilderten Situationen deutlich, wie sehr solche Perspektivwechsel einen Unterschied machen können - im Umgang mit anderen ebenso wie mit sich selbst.
Kuschik begegnet uns verständnisvoll und menschlich und versprüht dabei eine Energie, die ansteckend ist. Bleibt zu hoffen, dass sich die richtigen Fragen im entscheidenden Moment auch spontan abrufen lassen.