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Veröffentlicht am 13.02.2026

Zeitgeistsatire, aber nicht ganz mein Humor

Die Unbußfertigen
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Zehn erfolgreiche Influencer werden von dem Medium, in dem sie am erfolgreichsten sind, für ein Wochenende in ein abgelegenes Herrenhaus eingeladen. Anreisen müssen sie mit der Bahn. Es handelt sich um ...

Zehn erfolgreiche Influencer werden von dem Medium, in dem sie am erfolgreichsten sind, für ein Wochenende in ein abgelegenes Herrenhaus eingeladen. Anreisen müssen sie mit der Bahn. Es handelt sich um satirische Verzerrungen der schrägsten Charaktere: ob Incel, Esoterikerin, Rassist, Momfluencerin usw. Von Anfang an gibt es einen raschen Wechsel der Perspektiven und die Charaktere werden in wenigen Sätzen einer nach dem anderen vorgestellt. Insgesamt ist es ein Werk, das zynisch-humorvoll den Zeitgeist im Internet 2.0 porträtieren soll. Das tut es auch auf durchaus scharfsinnige Art und Weise. Ich bin dennoch nicht sehr warm geworden mit diesem Buch... zu überzeichnet und damit flach haben die Charaktere auf mich gewirkt. Vielleicht einfach nicht mein Humor und nicht mein Buch.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Niederschwellige und persönliche Einführung in das Thema

Ganz normal medial
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Für Vanessa Spaleck sind Jenseitskontakte etwas ganz Normales. Schon seit ihrer Kindheit verfügt sie nach eigenen Angaben über mediale Fähigkeiten, die sie aber außerdem durch Ausbildungen in diesem Bereich, ...

Für Vanessa Spaleck sind Jenseitskontakte etwas ganz Normales. Schon seit ihrer Kindheit verfügt sie nach eigenen Angaben über mediale Fähigkeiten, die sie aber außerdem durch Ausbildungen in diesem Bereich, etwa am Arthur Findley College in Großbritannien, ausgebaut und professionalisiert hat. Ein seriöser Zugang ist ihr wichtig, genauso wie das Aufräumen mit Vorurteilen und Mythen und das Differenzieren dessen, was in diesem Bereich denn wahrgenommen werden kann.

So unterscheidet die Autorin etwa zwischen sensitiven und medialen Fähigkeiten: während erstere sich auf eine energetische Wahrnehmung im Bereich des Materiellen hier auf der Erde bezieht, etwa auf andere Menschen oder auf Gegenstände oder Orte, geht es bei zweiteren um Kontakte mit Verstorbenen aus der eigenen Ahnenlinie, Bekannten und Freunden oder den eigenen Geistführern oder -helfern.

Wer selbst seine Fähigkeiten in diesem Bereich entwickeln möchte, für den gibt es fundierte Anleitungen für geführte Meditationen, die entweder im Buch selbst gelesen werden können - oder man nützt den angegebenen QR-Code, um Zugang zu einer gesprochenen Audio-Meditation zu bekommen. Im Grunde geht es als Basis darum, erst einmal die eigene Energie gut kennen und wahrnehmen zu lernen, um diese dann bewusst erhöhen zu können, um sich auf Ebenen zu begeben, in denen medialer Kontakt nach Angaben der Autorin möglich ist.

Wenn man sich für den Zugang, den die Autorin beschreibt, öffnet, kann das Buch außerdem Ängste vor dem Sterben nehmen, da sie aus ihren Erfahrungen mit Jenseitskontakten die Zeit danach als eine friedliche Reflexionsphase beschreibt.

Insgesamt ist "Ganz normal medial" ein herzlich und persönlich geschriebenes und gleichzeitig fundiertes, gut verständliches und ansprechendes Buch, das ich jenen, die sich für diesen Bereich interessieren, auf jeden Fall empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Zuerst die anderen beiden Bände lesen

Trag das Feuer weiter
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Von Leila Slimani habe ich schon mehrere Bücher mit Begeisterung gelesen, etwa "Dann schlaf auch du" oder "Sex und Lügen" und ich schätze die Autorin für ihre Erzählkunst und ihr Vermitteln zwischen den ...

Von Leila Slimani habe ich schon mehrere Bücher mit Begeisterung gelesen, etwa "Dann schlaf auch du" oder "Sex und Lügen" und ich schätze die Autorin für ihre Erzählkunst und ihr Vermitteln zwischen den Kulturen sehr.

So habe ich mich auch sehr auf "Trag das Feuer weiter" gefreut. Dieses Buch hat mich aber nicht so packen können wie ihre anderen Werke, für mich sind die Figuren zu blass geblieben und es hat lange gedauert, bis sich eine für mich interessante Handlung entwickeln konnte.

Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich in diesem Fall leider die beiden Vorgängerwerke "Das Land der anderen" und "Schaut, wie wir tanzen" noch nicht gelesen habe, da ich dachte, dieses Buch wäre auch als eigenständiges Werk lesbar.

Das ist es wohl grundsätzlich auch so. Wenn ich mir aber die begeisterten Bewertungen derer ansehe, die alle drei Bücher gelesen habe, dann schließe ich daraus, dass die Lektüre dieses Buches sehr davon profitiert, die Vorgängerbände zu kennen. Vermutlich wirken die Figuren dann ganz anders lebendig, weil das Gelesene sofort an viel Vorwissen in Bezug auf diese vielschichtige Familiengeschichte anschließen kann.

Meine Empfehlung ist also: lest zuerst die anderen beiden Werke der Trilogie, bevor ihr euch mit diesem hier beschäftigt.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

33 Sprachnachrichten von Frauen aus dem journalistisch-künstlerischen Milieu

Frauenprobleme
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Lina Muzur ist Journalistin, Autorin und Verlagsleiterin von Hanser Berlin. Für dieses Buch hat sie Frauen aus ihrem Umfeld gebeten, Sprachnachrichten in der Länge von etwa 15 Minuten aufzunehmen, in denen ...

Lina Muzur ist Journalistin, Autorin und Verlagsleiterin von Hanser Berlin. Für dieses Buch hat sie Frauen aus ihrem Umfeld gebeten, Sprachnachrichten in der Länge von etwa 15 Minuten aufzunehmen, in denen sie von ihren Leben und ihren Herausforderungen erzählen. Es handelt sich dabei um Frauen etwa zwischen Mitte 30 und Mitte 50, alle gut ausgebildet und in anspruchsvollen Berufen im journalistischen, literarischen und künstlerischen Umfeld. Somit ist es sicher kein repräsentativer Schnitt der Frauen dieser Generation in der deutschen Bevölkerung. Dafür handelt es sich um sehr reflektierte Frauen, die sich schon viele Gedanken über ihre Lebensumstände gemacht haben und sich verbal sehr gut ausdrücken können. Manche der Frauen haben Kinder, andere nicht. Alle eint aber die Zerrissenheit und ein Stück weit Überforderung von all den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, in einer Zeit der wachsenden Unsicherheit und der multiplen Krisen.

Es geht beispielsweise darum, was sich in uns ändert, wenn wir uns der Mitte des Lebens nähern oder diese überschreiten:

"Meistens finde ich es gut, dass dieses Nicht-mehr-dreißig-Sein, Nicht-mehr-so-emotionsgetrieben-Sein, Nicht-mehr-so-leichtsinnig-Sein, Nicht-mehr-so-impulsiv-Handeln, wie ich das immer gemacht habe, dass das zurückgegangen ist. Und manchmal sehne ich mich doch danach, mal wieder so richtig intensiv fühlen zu können in irgendeiner Art, vielleicht auch mal wieder zu weinen. Vielleicht auch mal wieder verliebt zu sein. Andererseits kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen, dass mir das passiert." (S. 55)

Ein ganz großes Thema in vielen der Sprachnachrichten ist die schwierige bis fast unmögliche Vereinbarkeit von Familie und einem anspruchsvollen Beruf, die speziell dieser Frauengeneration vermittelte Illusion, man könne alles schaffen, wenn man sich nur genug anstrenge, und die Dauerbelastung und starke Erschöpfung, die damit einhergeht, wie viele Zitate zeigen, von denen ich hier drei exemplarisch ausgewählt habe:

"Aber es ist natürlich auch der Preis der Erschöpfung. Wenn sich jeden Tag Care- und Erwerbsarbeit die Klinke in die Hand geben, wenn der Tag nur funktioniert, wenn wirklich alles klappt, wie es geplant ist, das widerspricht dem Leben von kleinen Kindern. Planung ist der absolute Tod mit kleinen Kindern. Und ich glaube, dass das eine Wirklichkeit ist, die viele leben, darüber spricht man mutmaßlich nicht so viel. Aber es ist kaum zu schaffen nervlich, diese Dauerbelastung ohne Pausen mit kleinen Kindern..." (S. 60)

"Irgendjemand meinte, das Leben sei so ein bisschen wie ein Herd mit vier Flammen. Eine Flamme stände für die Familie, eine für die Karriere, eine für Freundschaft und eine für Gesundheit. Und dass man niemals alle vier Flammen am Laufen halten könne, sondern dass immer eine entweder ganz aus oder auf Sparflamme laufen würde." (S. 91)

"All das kann mir heute zwar keiner mehr nehmen, aber das meiste davon habe ich nur gemacht, weil ich dem Ruf meiner Eltern oder den Vätern der BRD gefolgt bin, die mir gesagt haben, man muss Leistung erbringen. Was ja auch ein Paradox ist. Weil auf der anderen Seite sollst du Kinder haben und eine Familie und eine möglichst gute Ehefrau sein, die ganz viel Care-Arbeit leistet." (S. 141)

Dabei ist auch Thema, dass nach wie vor oft an Frauen ganz andere Erwartungen gestellt werden als an Männer und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für sie damit noch einmal schwieriger ist, wie sich an diesem Zitat zeigt, bei dem eine Frau im beruflichen Kontext dafür angegriffen wird, schwanger zu sein, obwohl sie doch eine verantwortungsvolle Rolle habe:

"Er schaute mich ganz erstaunt an und meinte: "Wie ist das passiert?" Was er damit vermutlich meinte, ist: Wie kannst du es wagen, als Direktorin einer Institution, für die man Verantwortung trägt, auch noch Mutter sein zu wollen?" (S. 91)

Neben diesen Themen geht es auch ein bisschen um Migration, Integration und Heimat-Finden. Lina selbst hat Wurzeln in Bosnien-Herzegowina, die sie in diesem Buch nicht thematisiert, die aber implizit von manchen ihrer Gesprächspartnerinnen angesprochen werden. Außerdem hat sie ein international geprägtes Umfeld, in dem sich einige Frauen finden, die aus anderen Ländern nach Deutschland gezogen sind. Manche der Sprachnachrichten waren ursprünglich sogar auf Englisch und wurden für dieses Buch übersetzt.

Da es sich bei der Auswahl der Befragten um Frauen handelt, die sich in sozialen Milieus bewegen, die meinem (und vermutlich dem vieler Leserinnen solcher Bücher) recht ähnlich sind, habe ich mich mit vielen der Aussagen sehr identifizieren können und mich verstanden und gesehen gefühlt. Dennoch ist mir klar, dass, wie eingangs erwähnt, es sich bei so einem Buch um kein komplettes oder repräsentatives weibliches Generationenporträt handeln kann: dafür stammen die interviewten Frauen zu sehr aus derselben sozialen Blase. Das ist eine kleine Einschränkung in der Bewertung eines sonst sehr lesenswerten und interessanten Buches, das ich insbesondere Frauen in einem ähnlichen Alter, die sich mit dem beschriebenen Sozialmilieu identifizieren können, zur Bestärkung und Erweiterung der eigenen Perspektive sehr empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Interessanter humoristischer Ausflug eines Comedians in die Manosphere

Alpha-Boys
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Aurel Mertz ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat von klein auf die Power von Mama, Schwester, Oma erlebt, genauso wie einen progressiv eingestellten Vater. So hat er im Erwachsenenalter mit Erstaunen ...

Aurel Mertz ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat von klein auf die Power von Mama, Schwester, Oma erlebt, genauso wie einen progressiv eingestellten Vater. So hat er im Erwachsenenalter mit Erstaunen das Erstarken sehr konservativer, längst überwunden geglaubter Männlichkeitsideale in vielen Gesellschaften bemerkt.

Mir ist der Autor sehr sympathisch und man merkt ihm an, dass er sich - vielleicht auch aufgrund eigener Marginalisierungs- und Diskriminierungserfahrungen als PoC mit einem ghanaischen Großvater - selbst schon viel Perspektiven jenseits derer weißer, mächtiger Männer auseinandergesetzt hat.

Neugierig und humorvoll begibt er sich in diesem Buch auf die Spuren der sogenannten "Manosphere", beschäftigt sich mit Donald Trump genauso wie mit der Incel- und Red-Pill-Bewegung, mit Pick-Up-Artists, dem konservativen kanadischen Psychologen und Influencer Donald Peterson oder einem Männlichkeitsmentor, der im balinesischen Dschungel ein Camp für angehende Alphamänner veranstaltet.

Authentisch und humorvoll analysiert der Autor, was in diesen Bereichen der Gesellschaft los ist, welche Männlichkeitsideale dort vertreten werden und was die Auseinandersetzung damit mit ihm selbst als Mann mit progressiven, linken Einstellungen macht.

Wer sich noch nicht viel mit diesen Trends beschäftigt hat, bekommt durch dieses Buch interessante Impulse, wo man näher hinschauen könnte, um diese kontroverse Zeitgeistbewegung besser zu verstehen. Ansonsten ist es aber auch einfach eine unterhaltsame Lektüre bzw. in der Audioversion ein vom Autor selbst humorvoll vorgetragenes unterhaltsames Hörbuch, das ich empfehlen kann.

Im Nachwort erwähnt er übrigens, dass er das auf dem Cover sichtbare Tierschutzkätzchen gemeinsam mit einem zweiten Kätzchen adoptiert hat: ein weiterer Sympathiepunkt für den tierlieben Autor, Sprecher und Comedian.

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